Motiviert, wieder zu arbeiten aber nicht motiviert genug, etwas für die eigene Gesundheit zu tun? Sonia Lippke, Bremen

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1 Motiviert, wieder zu arbeiten aber nicht motiviert genug, etwas für die eigene Gesundheit zu tun? Sonia Lippke, Bremen

2 Inhalte 1. Rehabilitation und Rückkehr an den Arbeitsplatz 2. Stufenweise Wiedereingliederung (STW) 3. Verschiedene somatische Beschwerden bewältigen und vorbeugen durch körperliche Aktivität/Motivation dazu Aktuelle Befunde zur Motivation zur Rückkehr an den Arbeitsplatz Wirkung von Depression als Risikofaktor behindernden und motivierenden Funktion von Schmerz 4. Implikationen für die Reha und Reha-Nachsorge

3 Rahmenmodell Gesundheitlicher Zwischenfall Teilhabe an Arbeit Medizinische Rehabilitation Krankschreibung Rückkehr- Hilfen (STW) Vorzeitige Berentung

4 Rahmenmodell Gesundheitlicher Zwischenfall Teilhabe an Arbeit Medizinische Rehabilitation Krankschreibung Rückkehr- Hilfen (STW) Vorzeitige Berentung

5 Rückkehr an den Arbeitsplatz N=281 Rehabilitanden nach Bandscheiben-OP, 1 Jahr nach Reha % Rückkehr an Arbeitsplatz Rentenantrag gestellt Absicht Rentenantrag mehr als 12 Wochen AU ka Morfeld& Koch (2006)

6 Rückkehr an den Arbeitsplatz Review Rückenschmerz Evidenz für körperliches Eigentraining, Information, Problemlösekompetenz, kognitive Verhaltenstherapie Bei AU zwischen 4 und 12 Wochen: RR=1,16 Bei AU von mehr als 12 Wochen: nicht sign. Generell: RR=1,15 Wenn nur skandinavische Studien berücksichtigt: RR=1,21 (gleicherarbeitsmarkt, social security system, Arbeitslosenzahlen) Norlund(2009). Review, 7 internationale Studien, 5 aus Skandinavien

7 Rückkehr an den Arbeitsplatz Review MI Depression=Risikofaktor, nach 6-12 Monaten nicht an den Arbeitsplatz zurückgekehrt zu sein: 7/12 Studien (RR= ) Je höher die Depression, desto höher auch die Wahrscheinlichkeit, nicht wieder arbeiten zu können Nach Monaten Depression nicht (mehr) bedeutsam O Neil et al. (2010). Review, 12 internationale Studien

8 Rückkehr an den Arbeitsplatz Review MI Neben Depression sind bedeutsam: Alter(6/9 Studien) Erwartungenbzgl. Arbeitsunfähigkeit (4/4 Studien) Motivation zur Rückkehr an den Arbeitsplatz (2/3) Körperliche Gesundheit (1/1; OR=1,08) Gesundheitsverhalten/ Schritte pro Tag (1/1; OR=1,18) O Neil et al. (2010). Review, 12 internationale Studien

9 Rahmenmodell Gesundheitlicher Zwischenfall Teilhabe an Arbeit Med. Rehabilitat. Krankschreibung Rückkehr- Hilfen (STW) Vorzeitige Berentung

10 Stufenweise Wiedereingliederung (STW) Quoten der empfohlenen und durchgeführten SWT 40 % 37, , ,2 % 0 Empfehlung SWT 1 Routinedatensatz N= Durchgeführte SWT DRV Durchgeführte SWT 2 Befragungsdatensatz DRV+Krankenkasse N=6.376 Bürger et al. (2011). Rehabilitation

11 STW - Ergebnisse Versicherte, die eine STW in Anspruch nehmen, sind spätestens zwei Jahre danach erwerbstätig % Unmittelbar nach Beendigung der STW krankgeschr. frühberentet? (keine Daten) 84 Bürger et al. (2011). Rehabilitation

12 Ökonomische Kosten und Nutzen der STW SWT Teilnehmer M=11 Tage später wieder voll erwerbstätig M=2,5 Jahre später frühverrentet als Nicht-Teilnehmer Keine Unterschiede bzgl. der Fehlzeiten nach der STW Bürger et al. (2011). Rehabilitation

13 Hinderungsgründe, eine empfohlene STW nicht in Anspruch zu nehmen Gesundheitliche Gründe Fehlende Eigenmotivation Arbeitsorganisatorische Hemmnisse (z.b. lange Anfahrtswege) Keine Befürwortung des Arbeitsgebers Bürger et al. (2011). Rehabilitation

14 Gründe für vorzeitigen Abbruch der STW Krankheitsrückfälle Gesundheitliche Überforderung Keine Passung der SWT Probleme am Arbeitsplatz und mit Kollegen Bürger et al. (2011). Rehabilitation

15 Allgemein genannte Defizite der STW Zu wenig Betreuung (50% der Befragten) Fehlende Hilfestellung bei auftretenden gesundheitlichen Problemen organisatorischen Fragen Problemen am Arbeitsplatz, beruflichen Fragen medizinischen und therapeutischen Fragen Bürger et al. (2011). Rehabilitation

16 Rahmenmodell Gesundheitlicher Zwischenfall Teilhabe an Arbeit Med. Rehabilitat. Krankschreibung Rückkehr- Hilfen (STW) Vorzeitige Berentung

17 Krankheitsbedingte Frühberentung Verschiedene somatische Beschwerden (schwerer Unfall, Osteoarthritis, Migräne, asymptotische CHD, schlechte Fitness, schlechte subjektive Gesundheit) Körperliche Belastung bei der Arbeit und andere Arbeitsfaktoren (z.b. Überstunden) Raucherstatus (ex: OR=2,91; derzeit: OR=2,2) Alkohol und körperliche Aktivität: ns Andere Gesundheitsverhalten: ka Krause et al. (1997)

18 Rahmenmodell Gesundheitlicher Zwischenfall Teilhabe an Arbeit Gesundheit/Fitness Med. Rehabilitat. Krankschreibung Rückkehr- Hilfen (STW) Vorzeitige Berentung

19 Hintergrund: Theorie des geplanten Verhaltens (TPB) Subjektive Norm Intention Körperliche Bewegung Einstellungen Selbstwirksamkeitserwartung

20 Die erweiterte TPB Einstellungen Subjektive Norm Intention Planung Körperliche Bewegung Selbstwirksamkeitserwartung

21 Alter Die erweiterte TPB??? Subjektive Norm Intention Planung Körperliche Bewegung Einstellungen Selbstwirksamkeitserwartung??? Motivation zurrückkehr Lippke, Pomp, Fleig& Pimmer(2012)

22 Forschungsfrage Welchen Effekt habenalter und die Motivationzur Rückkehr an den Arbeitsplatzüber die psychologischen Variablen der TPB hinaus?

23 Methode: FaBA N=1, Jahre alt 24% kardiologische/ 76% orthopädische Rehabilitanden, 43% Männer 81% arbeitend Messung von Sozio-demografischen Variablen (Alter ) Motivation zum Rückkehr an den Arbeitsplatz (- Berentungswunsch) TPB Variablen (Verhalten/körperliche Aktivität, Intention ) Planung, bisheriges Verhalten Improvement of a Physically Active Lifestyle in Orthopedic and Cardiac Rehabilitation Patients with an Expert System (Förderung eines aktiven Bewegungs-Alltags bei Rehablitanden: Unterstützung durch ein Expertensystem)

24 Studiendesign REHABILITATION Beginn Reha Ende Reha 6 Wochen Post-Reha 6 Monate Post-Reha T1 T2 T3 T4 24

25 Motivation zur an den Arbeitsplatz % 22 N=1,018 orthopädische und kardiologische Rehabilitanden keine Motivation Motivation 78 Lippke, Pomp, Fleig& Pimmer(2012)

26 Alter der Motivierten und der Unmotivierten 50 49,5 49 Alter 49, Jahre 48, , Jahre Alter 47 Lippke et al. (2012) motiviert unmotiviert F(1,1002)=5.84; p=.02

27 Alter Die erweiterte TPB Vorhersage von Intention Einstellungen T Subjektive Norm T Intention T2 Planung T3 Körperliche Bewegung T4.12* Selbstwirksamkeitserwartung T1 Motivation zurrückkehr T1.06 Adj. R²=.19 Lippke et al. (2012)

28 Alter Die erweiterte TPB Vorhersage von Verhalten Einstellungen T Subjektive Norm T1 -.13* Intention T * Planung T3 Körperliche Bewegung T4 Selbstwirksamkeitserwartung T1.20* -.16* Motivation zurrückkehr T1 Adj. R²=.11 Lippke et al. (2012)

29 Alter Die erweiterte TPB Vorhersage von Verhaltensänderung Einstellungen T Subjektive Norm T1 -.15* Intention T * Planung T3 ΔKörperliche Bewegung prä-6mo Selbstwirksamkeitserwartung T1.14*.09 Motivation zurrückkehr T1 Adj. R²=.19 Lippke et al. (2012)

30 Implikationen für Interventionen Subjektive Norm/ sozialen Druck reduzieren Verbesserungvon Planung und Selbstwirksamkeitserwartung z.b. durch Angehörige einbeziehen nicht zu hohe Erwartungen, richtiges Maß an instrumenteller sozialer Unterstützung Planungstraining Erfolgserfahrungen, Modelllernen, positive Verstärkung, Symptomen funktional interpretieren

31 Rahmenmodell Gesundheitlicher Zwischenfall Teilhabe an Arbeit Gesundheit/Fitness Med. Rehabilitat. Krankschreibung Rückkehr- Hilfen (STW) Vorzeitige Berentung

32 Depressive Rehabilitanden haben größere Schwierigkeiten, körperlich aktiv zu werden Ergebniserwartungen T1.30* Ergebniserfahrungen T2 -.24* Depressive Symptome T1 -.17* -.11 (-.19*).10.21* Aufnahme körperliche Aktivität T2 Kontrolliert für Geschlecht, gesundheitlichen Zwischenfall und Verhalten vor der Reha Pomp et al. (in prep)

33 Implikation Rehabilitanden mit depressiver Symptomatik erwarten weniger, machen weniger positive Erfahrungen und haben größere Schwierigkeiten, nach der Reha ausreichend körperlich aktiv zu sein. Rehabilitation sollte auch an den depressiven Symptomen ansetzen Verbesserung der Rehabilitationseffekte

34 Rahmenmodell Gesundheitlicher Zwischenfall Teilhabe an Arbeit Gesundheit/Fitness Med. Rehabilitat. Krankschreibung Rückkehr- Hilfen (STW) Vorzeitige Berentung

35 Verläufe der Intention, Planung, Schmerzen und Verhalten über die Zeit 4 Intention Planung Schmerzen körperliche Aktivitäten 3 2 Reha-Beginn 6 Mo Katamnese 3 Jahres Katamnese T1 T2 T3 Paech, Lippke & Ziegelmann (in Druck). Die Rehabilitation

36 Prävalenzen Aufnahme und Aufrechterhaltung der körperlichen Aktivitäten körperliche Aktivitäten zu Katamnesemesszeitpunkte 6 Monate (n= 469) 3 Jahre (n= 301) Reha-Beginn (n= 639) 100 (16%) 159 (25%) 45 (7%) 121 (19%) 22 (3%) 188 (30%) 35 (6%) 100 (16%) = körperliche Aktivität nicht beibehalten bzw. nicht gesteigert = körperliche Aktivität beibehalten bzw. gesteigert Paech, Lippke & Ziegelmann (in Druck). Die Rehabilitation

37 Veränderung der körperlichen Aktivität Veränderung der körperlichen Aktivität zwischen den MZP 5.Block von T1 zu T2 von T2 zu T3 OR CI p OR CI p Geschlecht 1,17 0,71 1,94 0,54 1,08 0,58 2,01 0,80 Alter 1,00 0,98 1,02 0,90 1,01 0,98 1,04 0,53 Intention T1 1,02 0,73 1,41 0,92 0,82 0,54 1,25 0,36 Planung T1 1,01 0,77 1,31 0,97 0,84 0,58 1,20 0,33 Schmerz T1 1,27* 1,01 1,60 0,04 1,31* 1,00 1,73 0,05 Intention T2 1,94* 1,37 2,75 < 0,01 2,30* 1,45 3,66 < 0,01 Planung T2 1,29 0,96 1,74 0,10 1,31 0,89 1,94 0,17 Schmerz T2 0,61* 0,49 0,77 < 0,01 0,58* 0,44 0,76 < 0,01 Paech, Lippke & Ziegelmann (in Druck). Die Rehabilitation

38 Implikation Schmerzen nehmen deutlich ab durch die Rehabilitationsmaßnahme Intention und Planung werden leicht gesteigert Für erfolgreiche Verhaltensänderung sind Schmerzen und Intention bedeutsam: Schmerzen zu Reha-Beginn=motivierend Schmerzen nach 6 Monaten=Barriere Hohe Motivation, etwas für die Gesundheit zu tun, nach der Reha Verhaltensänderungen 2x wahrscheinlicher (nicht jedoch zu Reha-Beginn)

39 Implikationen für die Reha und Reha-Nachsorge Motivation und Vorbereitung: Planung, Selbstwirksamkeit Rückkehr an den Arbeitsplatz vorbereiten: Kompetenzen Depressive Symptomatik berücksichtigen Unterstützung bei Aufrechterhaltung Problemlösekompetenz Barrierenwie Erfahrungen, Schmerzen und gesundheitliche Rückfälle bewältigen Arbeits(platz)orientierte Maßnahmen

40 Motiviert, wieder zu arbeiten und etwas für die eigene Gesundheit zu tun aber es gibt viele Barrieren und viel zu tun! Sonia Lippke, Bremen

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