Zugang und Zulassung von beruflich Qualifizierten zum Hochschulstudium. Dr. Knut Diekmann DIHK

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1 Zugang und Zulassung von beruflich Qualifizierten zum Hochschulstudium Dr. Knut Diekmann DIHK

2 Status Quo nur 1 % aller Studierenden über den sog. dritten Bildungsweg Vielfalt von Regelungen in den Bundesländern Neuerungen in Bayern 2007, Baden-Württemberg 2005, Hessen 2006, NRW 2003, Niedersachsen 2007 institutionelle und mentale Hemmnisse Marktversagen: wo sind die Forschungs-relevanten Angebote für die Fachkräfte?

3 makroökonomische Dimension Dualismus mit Verursachung von (nicht errechneten) Kosten Fall der Bildungsrendite Stagnation der Qualifizierungsentwicklung im Lebenslauf negativer Beitrag zum Fachkräftemangel

4 internationaler Vergleich im UK Open University seit 1969: auch 50 % der Angebote unterhalb universitären Niveaus im UK APEL-Verfahren seit den 1980er Jahren Schweden mit Zugangsregelung seit 1969: Zugang über Eingangsprüfung Frankreich mit Validierung ESEU (Examen Spécial d Entrée a l Université); seit 1994 als Diplom sui generis anerkannt (DAEU = diplome accès aus études universitaires) Österreich mit Studienberechtigungsprüfung; sogar spezialisierte Anbieter zur Unterstützung der Vorbereitung in Niederlanden Colloquium Doctum (Eignungstest für gewählten Studiengang für Personen unter 21 Jahren)

5 internationaler Vergleich Das deutsche Dilemma: historische Vorbelastung; Trennung von zwei Bildungsgängen und -traditionen Humboldt sches Bildungsideal; Glaube an verschiedene Wertigkeiten fehlende Bundesregelung; vis-a-vis einem bundesweiten Arbeitsmarkt und einer weitgehend bundeseinheitlich geregelten Fortbildung

6 bestehende Wege Unterschiedliche Logiken: Begabtenförderung [nach Schroedter, Studium ohne Abitur] Eingangsprüfung Einstufungsprüfung Probestudium, Beratungsgespräch, Direktzugang Doppel-qualifizierende Studiengänge Politischer Wille: In Abstimmung mit den Ländern und den Hochschulen sind bundesweit gültige Zugangs- und Einstufungstests zu entwickeln. (Z. 254f, IKWB-Empfehlungen, )

7 Erfahrungen (1) Ergebnisse Zulassung zum Studium an FHs mit 4 : 1 gegenüber Universitäten 4 % Abbrecherquote nach 4,2 Semestern Umstellungsprobleme auf Leben an der Hochschule bei der Hälfte Nutzen von Berufserfahrungen für das Studium Mithalten und Engagement Probleme bei wissenschaftlichem Arbeiten (Schriftlichkeit, Rhetorik) Vereinzelte Studien: Einhard Rau, 1997 (über die Berliner Regelung); Klaus Schroeter 1998 (über das Probestudium in Schleswig-Holstein); Schulenberg/Scholz/Wolter, 1986 (über Niedersachsen, mit Pilotfunktion); Wolf-Dieter Scholz 1999 (über Niedersachsen) und Wiederholung 2006; Wolfgang Isserstedt für HIS & BiBB, 1994 (bundesweite Umfrage)

8 Erfahrungen (2) Innerhalb der in der modernen Massenuniversität prinzipiell sehr heterogenen Studentenschaft erweisen sich die Studierenden mit fachgebundener Studienberechtigung als eine den Hochschulbetrieb belebende und anregende Gruppe. Mit ihren Erwartungen an das Studium, ihren Studienzielen und nicht zuletzt auch ihren Studienleistungen sind sie ihren formal besser qualifizierten Kommilitonen durchaus vergleichbar, in vielerlei Hinsicht ebenbürtig und verschiedentlich gar überlegen. [Rau, S. 83] Gleichzeitig haben sie aber hinsichtlich allgemeiner Leistungsdispositionen wie Agilität und Risikofreude, Wissensdurst und Lerneifer, Ehrgeiz, Fleiß und Ausdauer, Belastbarkeit, Kritikfähigkeit gegenüber der eigenen Person und den Sachen und der Bereitschaft, sich aus Denk- und Vorstellungsgewohnheiten zu lösen und eigene Wege zu gehen die als bedeutsame für die erfolgreiche Absolvierung des Studiums angesehen werden, zum Teil deutliche Vorteile gegenüber Absolventen des Gymnasiums. [Rau, S. 85]

9 Auf dem Weg - Vorüberlegungen Stärken-Schwächen-Raster der Absolventen der beruflichen Bildung Hochschulprüfung und absolventen theoretisches Fachwissen (fach-) methodische Kompetenz Weiterbildungsprüfung und - absolventen berufspraktisches Wissen (Praxis- )methodische Kompetenz soziale Kompetenz Fertigkeiten (skills) (?) personale Kompetenz

10 Stärkenprofil für berufliche Fortbildung (1) berufliche Handlungsorientierung, aus: Wissen um Prozesskette Kenntnis von Produkten und Dienstleistungen Kulturtechniken, Grundfertigkeiten Erfahrungswissen, z.b.: Kundenorientierung und -umgang Arbeiten in Hierarchien und unter sozialen Spannungen unter Zeitdruck: Konzentration auf Wichtiges Meistern von Krisensituationen Schnelligkeit durch Routine

11 Stärkenprofil für berufliche Fortbildung (2) Lernen im Prozess der Arbeit, z.b.: Beherrschung: routiniertes und eigenständiges Arbeiten soft skills wie Präsentationen, Verhandlungen, Mediation, Teamleistung und Führung Zusammenhang-Wissen Persönlichkeit, z.b.: Schlüsselkompetenzen Sekundärtugenden, wie Pünktlichkeit, Ehrlichkeit, Sorgfalt Motivation, Engagement, Aufstiegswille ökonomisches Grundlagenwissen, aus: technische Abläufe wirtschaftliche Zusammenhänge betriebliche Erfordernisse (z.b. Steuern, Recht)

12 berufliche Situation Lebenszyklus Zielgruppe der Aufstiegsbildung, Prototyp Jahre mehrheitlich Haupt- und Realschulabschluss (80 % Ab und 60 % Wb) Vollzeitbeschäftigter Ziel eines Karrieresprungs Familie [aus: Weiterbildungserfolgsumfrage des DIHK, 2004] Andere Zielgruppen: Grundsätzliche Öffnung für die zweite Hälfte des Erwerbslebens

13 Verfahren - Rahmenbedingungen Mindestbedingungen für den Einsatz von Verfahren: Transparenz und Verlässlichkeit Standardisierung schlank und unbürokratisch; geringer Kostenaufwand Berücksichtigung von beruflichen Vorleistungen Entwicklung von Verfahren nicht ohne Endabnehmer; Aufnahme von Kriterien auch für berufliche Handlungsorientierung, nicht nur Studierfähigkeit.

14 Verfahren nach Funktionen analytische Unterscheidung von Funktionen: 1. Zugang Zugang von Absolventen der beruflichen Bildung auch ohne Abitur; zumindest in fachgebundenen Fächern bzw. Bildungsangeboten (bei vorhergehender Fortbildung) 2. Zulassung Verfahren mit Ziel eines matching zwischen Eignung und Spezialisierung der Hochschule 3. Anrechnung standardisierte Anrechnungen - wenn möglich ohne individualisierte Prüfung

15 Qualitätssicherung Grundsätze der Qualitätssicherung: angemessener Einsatz: Bannen der Gefahr einer Überregelung erforderliche Pilotierung: Erfahrungen sammeln Orientierung an Leistungsversprechen (Kompetenz zum Einsatz = Beschäftigungsfähigkeit), nicht immanenten institutionellen Kriterien (Abschluss)

16 Ausblick Grundsätzliche Erweiterung der Perspektive der derzeitigen Diskussion um nicht-kognitive Aspekte um Profilbildung für berufstätige Studierende als Hochschulprofil mittels spezifischer Angebotsformen über neue Lehr-, Lernformen Erweiterung der Debatte um Zugangstests um andere bildungspolitische Baustellen Kompetenzmessungen nach EQR und DQR Validierung von informell erworbenen Lernleistungen Erfahrungen von ANKOM usw.

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