Sinn und Zweck der Nutzung von zertifiziertem Tropenholz in Europa

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1 Sinn und Zweck der Nutzung von zertifiziertem Tropenholz in Europa Fachdialog: Nachhaltige Beschaffung von zertifiziertem Holz als Bau- und Brennstoff im Land Berlin , Berlin GIZ Programm Sozial- und Umweltstandards Deutsche Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) GmbH Andreas Brede Programme Social and Environmental Standards Page 1

2 Die GIZ ist ein in 130 Ländern tätiges Bundesunternehmen der internationalen Zusammenarbeit für nachhaltige Entwicklung. ca Mitarbeiter (70% international, Geschäftsvolumen 2,1 Mrd. (2012). arbeitet im Auftrag der Bundesregierung sowie für andere öffentliche und private, nationale und internationale Auftraggeber. unterstützt komplexe Reformen und Veränderungsprozesse in unterschiedlichsten Sektoren, z.b.: Nachhaltige Wirtschaftsentwicklung, Energie, Transport, Infrastrukturmanagement, Gesundheit, Umwelt, Klima und Biodiversität. Ziel ist die nachhaltige Verbesserung der Lebensbedingungen und Perspektiven der Menschen in Entwicklungs- und Transformationsländern. Page 2

3 Heutige globale Waldsituation Ca. 4 Mrd. ha oder rund 31 Prozent der weltweiten Landoberfläche sind mit Wäldern bedeckt 53% dieser Wälder befinden sich in fünf Ländern (Russland, Canada, USA, China & Brasilien) 1,6 Mrd. ha Waldfläche in der Tropen 13 Mio ha Wald werden jährlich in Agrar- und Weideflächen umgewandelt. Das ist etwa ein Drittel der Fläche Deutschlands und mehr als die Gesamtfläche des deutschen Waldes Entwaldung ist für die Entstehung von ca. 17 % der weltweiten Treibhausgase verantwortlich Entwaldung schreitet gerade dort voran, wo der Erhalt von Wäldern nicht lohnenswert erscheint Page 3

4 Vor allem in Tropen anhaltende Verluste der Waldflächen und -qualitäten durch: Umwandlung in Agrarflächen Raubbau / illegaler Einschlag Degradierung durch Übernutzung (falsches Management) Verlust von Biodiversität Einschränkung/Verlust traditioneller Nutzungsformen Page 4

5 Nutzung von Tropenholz (Videoclip) Page 5

6 Herausforderung Tropenholz Tropenholz wird in Deutschland nach wie vor mit Raubbau und Waldvernichtung assoziiert. Unternehmen die sich einer Nachhaltigkeitszertifizierung unterziehen stehen mit Ihren erhöhten Produktionskosten im Wettbewerb mit den illegalen Produzenten die wesentlich billiger anbieten können. Verstärkte Nachfrage des Konsumenten und der öffentlichen Beschaffung nach zertifiziertem Tropenholz trägt dazu bei dass mehr Unternehmen und Waldnutzer auf eine nachhaltige Bewirtschaftung umstellen. Tropenholz ist ein Nischenprodukt für bestimmte Applikationen, hier hat es seine Berechtigung. Wer Bauholz, Gartenmöbel, Parkettböden oder Furniere aus Tropenholz verwenden möchte, muss auf forstliche Nachhaltigkeitssiegel (FSC/PEFC) achten. Diese dienen als Nachweis, dass das Holz nicht aus illegalen Quellen, sondern aus nachhaltiger Waldwirtschaft stammt. Page 6

7 Probleme illegaler Waldnutzung Einnahmen aus illegaler Abholzung haben bewaffnete Konflikte befördert (Liberia, DRC). Illegalität im Forstsektor ist häufig mit kriminellen Aktivitäten wie Korruption, Gewalt und Geldwäsche verknüpft Arbeiterrechte, Gesundheit und Sicherheit finden wenig Berücksichtigung Die Verbreitung illegalen Holzes zu niedrigen Preisen verhindert die Verbesserung von Waldbewirtschaftungsmethoden Illegales Holz sorgt für unfaire Wettbewerbsbedingungen auf dem Markt Page 7

8 Zertifizierung Synonym für nachhaltige Waldbewirtschaftung, die ökologische, ökonomische und soziale Kriterien gleichermaßen berücksichtigt. Nicht nur das Produkt Holz wird zertifiziert, sondern auch das forstliche Management, inklusive des Holztransports bis zum Verarbeiter. In der "Verarbeitungskette" des Holzes, vom Wald bis zum fertigen Produkt, stellt jedes einzelne Unternehmen ein wichtiges Kettenglied dar (Produktkettenzertifizierung). Alle Unternehmen, welche mit Holz und Holzprodukten innerhalb einer Lieferkette arbeiten beziehungsweise handeln, können sich zertifizieren lassen (Rückverfolgbarkeit). Page 8

9 Ziele der Zertifizierung Marktanreiz um den verantwortungsvollen Umgang mit natürlichen Ressourcen zu unterstützen Umsetzung von glaubwürdigen Zertifizierungsverfahren inklusive Überprüfung von Verfahren und Tätigkeiten eines Unternehmens gegen anerkannte externe Standards durch unabhängige Dritte Marktzugang für zertifizierte Produkte verbindet lokale zertifizierte Unternehmen & internationale Verbrauchermärkte Page 9

10 Holz aus kontrollierten und zertifizierten Wäldern Akkreditierte, unabhängige Prüfer kontrollieren regelmäßig die Umsetzung der Standards im Wald und entlang der Lieferketten und stellen bei Erfüllung mit einem Zertifikat einen glaubwürdigen Nachweis für nachhaltige und umweltverträgliche Waldbewirtschaftung aus. Eine lückenlose Dokumentation der Produktkette kann zertifiziertes Holz vom Endkunden über Ländergrenzen hinweg bis zum Wald zurückverfolgen (CoC). Die globalen Standards des FSC und PEFC werden von nationalen Standardinitiativen an die lokalen Bedürfnisse angepasst. Sie zielen auf einen Ausgleich zwischen Rentabilität, Schutz der Umwelt und sozialer Verantwortung ab. Page 10

11 Schutz durch Nutzung - Warum eine Zertifizierung? Sozial: Verbesserung der lokalen Infrastruktur der Produktionsgebiete (Straßenbau, Gesundheitsversorgung, Schulen) Gesicherte Einhaltung der Rechte der im Unternehmen Beschäftigten und der lokalen Bevölkerung Einhaltung der internationalen Sozial- und Umweltstandards Einbeziehung aller durch die Holzgewinnung involvierten Gruppen in Management- und Planungsprozesse Ökonomisch: Höhere Wertschöpfung durch verantwortungsvoll bewirtschaftete Wälder Ökologisch: Keine illegale Einschläge, kein Raubbau oder Nutzung von Wäldern mit hohem Schutzwert (HCV s), Nachhaltige Waldbewirtschaftung nur nach Erstellung eines Bewirtschaftungsplanes Page 11

12 In der deutschen öffentlichen Beschaffung anerkannte forstliche Zertifizierungssysteme Forest Stewardship Council (FSC) Programme for the Endorsement of Forest Certification Schemes (PEFC) Page 12

13 Forest Stewardship Council (FSC) Gegründet in 1993 von NGOs, Großhändlern und tw. Forstindustrie FSC International in Bonn, FSC Deutschland in Freiburg Ziel ist eine ökologisch verantwortungsvolle, sozial balancierte und ökonomisch tragfähige Bewirtschaftung der Wälder weltweit Entwicklung der global gültigen FSC Prinzipien und Kriterien Mitgliederbasierte Organisation offen für alle außer Regierungen Page 13

14 Programme for the Endorsement of Forest Certification Schemes (PEFC) Gegründet 1999, private Waldbesitzer und Forstindustrie in der EU PEFC International in Genf, PEFC Deutschland in Stuttgart Mechanismus für die gegenseitige Anerkennung von nationalen forstlichen Zertifizierungssystemen Globale Standard- und Systemanforderungen Mitgliedschaft offen für nationale Systeme und Verbände Page 14

15 Vorteil Zertifizierung: Markt Produktdifferenzierung Antwort auf Kritik bezüglich sozialer/ökologischer Missstände Zugang zu neuen Märkten und Erhaltung von bestehenden Marktzugang Evtl. höhere Preise um erhöhte Produktionskosten wiederzuspiegeln leider nicht immer International anerkannte Systeme und Label Image Unterscheidung des Unternehmens/Organisation gegenüber Wettbewerbern Soziale und ökologische Bedenken glaubwürdig beantwortet Internes Monitoring Empfehlungen durch externe Prüfung, auch wie Unternehmen effizienter Nachhaltigkeitsziele erreichen können Interne Audits Page 15

16 Brauchen wir Tropenholz? Verbraucher und Umweltverbände stehen der Nutzung von Tropenholz nach wie vor kritisch gegenüber, auch wenn diese zertifiziert sind. Aber: Der Kauf von nachhaltig zertifiziertem Holz unterstützt positive Entwicklungen im (tropischen) Waldmanagement und der forstlichen Gesetzgebung auch in Gebieten mit schwacher Durchsetzung gesetzlicher Vorgaben. Im Außenbereich verwendetes Holz muss besonders witterungsbeständig sein. Deswegen werden dafür häufig Hölzer der (sehr) dauerhaften Klassen 1 und 2 eingesetzt. Diese stammen häufig aus den Tropen. Page 16

17 Weiter.. Tropenhölzer haben häufig hohe Widerstandsfähigkeit gegenüber holzzerstörenden Pilzen, Chemie oder Wetter und eine nur geringe Abnutzung = hohe Dauerhaftigkeit. Tropenhölzer sind daher oft ein ideales Holz für den Außeneinsatz ohne besondere Vorbehandlung und nur geringem Pflegeaufwand (Parkbänke, Gartenmöbel, Verkleidungen). Verantwortungsvoll produziertes Holz ist nachhaltiger innerhalb seines Lebenszyklus wie synthetische oder extraktive Rohstoffe. Im Küstenschutz und Wasserbau wird z.b. Bongossi, Greenwood oder Okan verwendet für Uferbefestigungen, Brücken und Stege, Schleusentore oder Molenbefestigungen. Für bestimmte konstruktive Fragestellungen bieten viele zertifizierte Tropenhölzer gute Lösungen!. Page 17

18 Holzeinfuhren in die EU Die EU-Holzverordnung (EUTR) verbietet das Inverkehrbringen von illegal geschlagenem Holz und Holzerzeugnissen illegaler Herkunft in der EU. Die Rechtsvorschrift schreibt allen Unternehmen, die Holzerzeugnisse erstmals auf dem EU-Markt in Verkehr bringen, eine Sorgfaltspflicht vor. Page 18

19 Herausforderungen EUTR Begrenzte institutionelle Kapazität in Mitgliedsländern (ungleiche Implementierung innerhalb der Mitgliedstaaten) Unvollständiger Produktumfang der EU Timber Regulation Ausbildung/Training der Kontrolleure sowie weiterer involvierter Kontrollorgane Kenntnis und Verständnis unter Marktteilnehmern bezüglich Verpflichtungen und Möglichkeiten zur Erfüllung Übersicht über Wertigkeit von Nachweisdokumenten aus einigen Herkunftsländern Anerkennung von freiwilligen Zertifizierungssystemen innerhalb des DDS Umsetzung von Legalitätsnachweissystemen in VPA-Partnerländern Page 19

20 EU-Aktionsplan Rechtsdurchsetzung, Politik und Handel im Forstsektor (FLEGT), Bekämpfung des illegalen Holzhandels durch freiwillige Partnerschaftsabkommen (Voluntary Partnership Agreements, VPA) zwischen der EU und einzelnen Holz erzeugenden Ländern. Seit Februar 2012 gibt es Partnerschaftsabkommen der EU mit Kamerun, der Zentralafrikanischen Republik, Ghana, Indonesien, Liberia und der Republik Kongo. Im Wesentlichen gilt Holz, das im Rahmen des FLEGT-Aktionsplans zertifiziert ist, als legal im Sinne der EU-Holzverordnung. Nur Holz mit FLEGT oder CITES Zertifikaten, ausgestellt von den exportierenden Ländern, weist die legale Herkunft aus. Bisher noch keine FLEGT Lizenzen auf dem Markt Page 20

21 Stand der VPA-Verhandlungen Page 21

22 Forstliche Zertifizierung & FLEGT Forstliche Zertifizierung Freiwilliges System, Hauptststeuerung durch Marktnachfrage Fokus auf Nachhaltigkeit, Legalität als Voraussetzung der Zertifizierung Umsetzung auf Ebene einer Betriebsorganisation FLEGT Vorgegeben von Markt und Regierungen Fokus auf Einhaltung geltender Gesetze, Legalitätsanforderungen sind im nationalen/regionalen Rahmenwerk definiert, (Aufbau von Verifizierungssystemen) Umsetzung auf Ebene eines Landes und einer Betriebsorganisation Page 22

23 Ausblick Tropenholz ist in Deutschland ein Nischenprodukt, bietet aber gute Lösungen für spezielle Applikationen. Nachhaltigkeitszertifizierungen wie FSC und PEFC gewährleisten einen verantwortungsvollen Umgang mit den Wäldern und sichern damit langfristig den Erhalt des Ökosystems und die Lebensgrundlage der lokalen Bevölkerung der Produktionsgebiete. Die Ausschreibungsgesetze der Bundesländer erlauben den Handel mit Unternehmen die Wälder nachhaltig bewirtschaften. Wenn Tropenholz dann nur zertifiziert! Der Verbraucher muss die glaubhafte Gewährleistung haben dass er ein wirtschaftlich, sozial und ökologisch nachhaltig erzeugtes Produkt erwirbt. Page 23

24 Vielen Dank Andreas Brede GIZ Programm für Sozial- und Umweltstandards Programme Social and Environmental Standards Page 24

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