Psychologische Perspektive Empirische Forschung zu Nutzung und Wirkung des Web 2.0

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1 Psychologische Perspektive Empirische Forschung zu Nutzung und Wirkung des Web 2.0 Max Sollmann & Pawel Schapiro

2 Gliederung I 1. Einleitung 2. Differenzierung des Forschungsfeldes 3. Forschungszugänge 1. Theorieorientiert 2. Empirieorientiert 3. Diskursorientiert 2

3 Gliederung II 4. Sozio-emotionale Dimensionen des Web Identitäten 2. Interpersonale Beziehungen 3. Soziale Gruppen 5. Methoden 3

4 1. Einleitung Im Web 2.0 stehen User und Kommunikation zwischen Usern im Zentrum Computervermittelte Kommunikation (CvK) unterscheidet sich von Face-to-Face Kommunikation Besonderheiten der CvK lassen sich empirisch belegen und theoretisch erklären 4

5 2. Differenzierung des Forschungfeldes I Die Forschung unterscheidet je nach Nutzungsmotiv zwischen: 1. sozio-emotionale Internet-Nutzung Zwischenmenschliche, computervermittelte Kommunikation 2. sach- / aufgabenorientierte Internet-Nutzung Mensch-Computer-Interaktion 5

6 3. Forschungszugänge 3.1 Theorieorientierter Zugang 3.2 Empirieorientierter Zugang 3.3 Diskursorientierter Zugang 6

7 3.1 Theorieorientierter Zugang deduktiv-theoriegeleitet Vom Allgemeinen zum Speziellen Theorien lassen sich aus anderen Subdisziplinen der Psychologie importieren Kognitionspsychologie Emotionspsychologie Entwicklungspsychologie Persönlichkeitspsychologie Sozialpsychologie 7

8 3.1 Theorieorientierter Zugang Theorien zu anderen Medien lassen sich teilweise auf das Internet übertragen Fernsehen Film Radio 8

9 3.2 Empirieorientierter Zugang induktiv-empirieorientiert: Vom Speziellen zum Allgemeinen Als Basis können dienen: Systematische Datensammlungen Eigene Erfahrungen und fremde Erfahrungsberichte Daraus lassen sich dann theoretische Erklärungsmodelle gewinnen 9

10 3.3 Diskursorientierter Zugang Orientierung an: Aktuellen, internetbezogenen Themen, die in der Öffentlichkeit diskutiert werden Beispiele: Kinderschutz Internet-Sucht Gewalt Isolation und Einsamkeit usw. 10

11 4. Sozio-emotionale Dimensionen des Web 2.0 Nicola Döring unterscheidet drei verschiedene sozio-emotionale Dimensionen des Internet Darin finden sich auch die erwähnten drei Forschungszugänge wieder Die folgenden Phänomene sind weder völlig neuartig, noch exakte Wiederholungen bekannter Phänomene aus anderen Disziplinen 11

12 4.1 Identitäten I Identität ist kein wiss. klar definierter Begriff Identität ergibt sich aus der Menge der Teilidentitäten Teilidenitäten [ ] sind relevante Selbstaspekte, die im Spannungsfeld von Eigen- und Fremdperspektive ausgebildet werden (Döring) Selbstaspekte: Ich als Mann Ich als Vater Ich als Mitarbeiter etc. 12

13 4.1 Identitäten II Virtuelle Identität Identität, die man sich selbst im Web schafft Virtuelle Selbstdarstellung wird zu virtueller Identität, wenn der Benutzer sich mit ihr identifiziert und sie regelmäßig in sozialen Netzwerken benutzt Virtuelle Identität kann Selbstwertgefühl steigern 13

14 4.1 Identitäten III Selbstdarstellung in verschiedenen Kommunikationsrahmen A) Kommunikation im unverbindlichen Rahmen: Modifizierte Selbstdarstellung Entfernung von der Realität, um den Unterhaltungswert zu steigern B) Kommunikation im verbindlichen Rahmen: Wahrheit wird von Beteiligten erwartet Reality Checks Problem: wenn Beteiligte uneinig sind über Art des Kommunikationsrahmens 14

15 4.2 interpersonale Beziehungen I Interpersonale (soziale) Beziehung zwischen zwei Personen: Wiederholter Kontakt zwischen ihnen Zwischen Kontakten denken sie aneinander Im Internet entstehen solche Beziehungen oft schneller und sind intensiver als im realen Leben Internet-( oder Cyber-)Beziehung= Erstkontkakt und wichtige Folgekontakte computervermittelt Kennenlernen kann man sich im Web auf zwei Arten: beiläufig zielgerichtet 15

16 4.2 interpersonale Beziehungen II Internetbeziehungen können sich nach einer Reihe von Medienwechseln zu einer realen Offline-Beziehung entwickeln Nicht nur romantische/ freundschaftliche Beziehungen lassen sich durch das Internet aufbauen, sondern auch berufliche Auch die Kommunikation bestehender Offline-Beziehungen kann sich durch das Internet verändern 16

17 4.3 soziale Gruppen I Bei sozialen Gebilden wird unterschieden nach Kleingruppen und soz. Gemeinschaften: Kleingruppen: Max. 30 Personen Mitglieder kommunizieren miteinander über längere Zeit hinweg Gemeinsame Ziele, Normen, etc. Soziale Gemeinschaften: Hohe Mitgliederzahlen Offener u. zeitstabiler als Kleingruppen Basis sind oft Übereinstimmungen in Interessen / Lebensstilen 17

18 4.3 soziale Gruppen II Virtuelle (Klein)Gruppe Lernt sich übers Internet kennen Hat meist eine gemeinsame Aufgabe zum Ziel Löst sich nach Erreichen des Ziels wieder auf Bsp: Lerngruppe Arbeitsgruppe 18

19 4.3 soziale Gruppen III Online-Gemeinschaft Im Gegensatz zur Gruppe größer und dauerhaft Informationsaustausch zu bestimmten Themen Aber auch gegenseitige Unterstützung, Anteilnahme, Geselligkeit Alle web 2.0 communities zählen dazu 19

20 Aufgabe Nennen Sie einige Methoden und Vorgehensweisen, mit denen Sie die im Vortrag genannten psychologischen Aspekte des Web 2.0 untersuchen können. 20

21 5. Methoden Grundlagen exp. Vorgehensweisen: Abhängige Variablen werden ermittelt Unabhängige Variablen werden systematisch verändert Störvariablen werden ausgeschaltet 21

22 5. Methoden Datenqualität: Validität: Die Gültigkeit der Messung Reliabilität: Die Zuverlässigkeit der Messung Objektivität: Der Grad in dem die Ergebnisse eines Tests unabhängig vom Untersuchenden sind 22

23 5. Methoden 5.1 Inhaltsanalyse 5.2 Online Research 5.3 Laborexperiment 23

24 5.1 Inhaltsanalyse I Gegenstand einer Inhaltsanalyse sind kommunikative Symbole Schaffen wichtige Voraussetzungen für die Untersuchung von Nutzungsmotiven und Medienwirkung Bei audio-visuellen Medien ist der non-verbale Kommunikationskanal von hoher Bedeutung 24

25 5.1 Inhaltsanalyse II Lässt sich als Methode der Verhaltensbeobachtung beschreiben Sowohl qualitativ als auch quantitativ 25

26 5.1 Inhaltsanalyse III Probleme bei der quantitativen Inhaltsanalyse im Zusammenhang mit nonverbalem Verhalten: Beobachtbare Phänomene als Indikatoren für nicht-beobachtbare Phänomene Uneinheitlicher Methodenstandard Daher eine eher beschreibende als erklärende Aufgabe 26

27 5.2 Online Research I Datenerhebung im Internet Reaktive Verfahren: Online-Fragebogenuntersuchungen WWW-Experimente Online Interviews Gruppendiskussionen im WWW-Chat 27

28 5.2 Online Research II Nicht-reaktive Verfahren: Serverprotokollanalyse Beobachtungen in virtuellen Welten 28

29 5.2 Online Research III Vorteile: Multimedial Größere Anonymität (bzw. -sempfinden) Datenqualität Nachteile: Keine Repräsentativität Rekrutierung von Testpersonen schwierig Störvariablen 29

30 5.3 Laborexperiment Streng kontrollierte Bedingungen d.h. optimale Ausschaltung von Störvariablen Systematische Variation der UV Messung der AV Drei Arten von Maßen: Echte Online Maße Quasi-online Maße Offline Maße Kombin. mehrerer Maße -> Unabhängigkeit 30

31 Literatur Mangold, R., Vorderer, P. & Bente, G. (2004). Lehrbuch Medienpsychologie. Göttingen Hogrefe Aaronson, E., Wilson, T. D. & Akert, R. M. (2004). Sozialpsychologie. München Pearson Newhagen, J. E. & Rafaeli, S. (1996). Why Communication researchers should study the internet: A dialogue. Journal of Communication, 46(1), 4-13 (http://jcmc.indiana.edu/vol1/issue4/rafaeli.html) 31

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