Portfolioabsicherung von Banken

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1 Stuttgart, den 15. März 2005 REDAKTIONELLER BEITRAG Portfolioabsicherung von Banken Einsatzmöglichkeiten der Restschuldversicherung im Konsumentenkreditgeschäft Die Vergabe von Konsumentenkrediten hängt in besonderem Maße von der Bonität des Kreditnehmers ab. Diese wird anhand objektiver Kriterien (Scoringmodelle) beurteilt, die allerdings weitestgehend die aktuelle und vergangene Situation des Kunden widerspiegeln. Wie sich die finanzielle Lage des Kreditnehmers während der Vertragslaufzeit entwickeln wird, lässt sich vielfach nicht vorhersagen. Risiken im Konsumentenkreditgeschäft Ein bedeutendes Finanzierungsrisiko ist der Arbeitsplatzverlust des Kreditnehmers. In Deutschland sind mittlerweile sieben Prozent aller verschuldeten 1 Haushalte von mindestens einer Arbeitslosigkeit betroffen. Innerhalb dieser Gruppe der von Arbeitslosigkeit betroffenen Haushalte beträgt die relative Überschuldungsquote 1 fast 60 Prozent. Damit ist das Ausfallrisiko der Haushalte mit mindestens einem Arbeitslosen doppelt so hoch wie das Ausfallrisiko jener Haushalte, die nicht von Arbeitslosigkeit betroffen sind. Hier liegt die Überschuldungsquote bei unter 30 Prozent so ein Ergebnis des SCHUFA Schulden-Kompass Die Erhöhung des Ausfallrisikos in Folge eines Arbeitsplatzverlustes ist darauf zurückzuführen, dass bei Bezug von Arbeitslosengeld zwischen 33 und 40 Prozent des letzten Nettoeinkommens fehlen. Die Ausfallwahrscheinlichkeit dürfte sich angesichts der Neuregelungen der Arbeitslosenhilfe in Form von Hartz IV durch das Arbeitslosengeld II in diesem Jahr weiter erhöhen. Als weitere Risiken für die Kreditrückzahlung lassen sich der Tod und die Arbeitsunfähigkeit des Kreditnehmers ausmachen. Bei Bezug von Krankengeld nach Ablauf der Lohnfortzahlung fehlen dem Kreditnehmer fast 25 Prozent des letzten Nettoeinkommens, sofern sein Verdienst unter der Beitragsbemessungsgrenze zur gesetzlichen Krankenversicherung von Euro lag. Da das Krankengeld maximal aus dieser Beitragsbemessungsgrenze berechnet und gezahlt wird, haben Besserverdienende im Krankheitsfall weitaus größere Einkommensverluste hinzunehmen. Und im Todesfall fällt das Einkommen sofort weg. Im Rahmen der Bonitätsprüfung können biometrische Risiken wie das Todesfall- und Krankheitsrisiko oder ökonomische Risiken wie das Arbeitsplatzrisiko des Kreditnehmers nur begrenzt erfasst werden. Die sich aus diesen Risiken ergebende Ausfallwahrscheinlichkeit kalkuliert die Bank daher in die Risikomarge ein. Die

2 Kalkulation stützt sich dabei auf Scoringdaten, wie sich die Kredite anhand dieser Risiken in der Vergangenheit entwickelt haben. Über den Einschluss einer Restschuldversicherung (RSV) kann das Ausfallrisiko und damit auch die Risikomarge reduziert werden. Die Kredite werden bei Eintritt des Störfalles nicht notleidend, weil die Ratenzahlungen bzw. die Ablösung des Konsumentenkredites sichergestellt werden. Die Bank kann damit ihre bilanzwirksame Risikovorsorge reduzieren. Hinzu kommt, dass Kosten, die ein notleidender Kredit verursacht, durch den Einschluss der RSV ebenfalls gesenkt werden können. Dazu zählt zum einen das Mahnwesen, das über mehrere Stufen aktiv wird, wenn der Kunde mit seinen Ratenzahlungen in Rückstand gerät. Sind die Raten nicht mehr einzubringen, werden eventuell vorhandene Sicherheiten verwertet, was ebenfalls Kosten für die Bank verursacht. Sind dann immer noch Restbeträge offen, müssen diese abgeschrieben werden. Waren Arbeitslosigkeit, Arbeitsunfähigkeit oder der Tod des Kreditnehmers der Auslöser, können diese Kosten durch den Einschluss der RSV vermieden werden. Inwieweit die Einbindung einer Restschuldversicherung die Höhe des Ausfallrisikos begünstigen kann, wird im Folgenden erläutert. Dazu werden die Kredite in verschiedene Einzelportfolios unterteilt: ν das Kredit-Neugeschäft ν die bereits bestehenden Kredite ν die Verbriefung von Kreditforderungen ν die Non-Performing-Loans Szenario: Kredit-Neugeschäft Die Bank hat zwei Möglichkeiten, die Kunden im Neugeschäft abzusichern: Entweder sie bietet den Kreditnehmern die Deckung fakultativ oder obligatorisch an. Im Falle eines fakultativen Angebots zahlt der Kreditnehmer den Beitrag selbst. Dieser wird von der Bank in der Regel mitfinanziert. Der Vorteil des fakultativen Einschlusses der RSV besteht darin, dass die Bank zusätzliche Deckungsbeiträge generieren kann. Der Kunde ist allerdings nicht verpflichtet, sich abzusichern. Damit verbleibt bei der fakultativen Einbindung der Restschuldversicherung ein unverändertes Risiko bezüglich der Kreditnehmer, die nicht bereit sind, ihren Kredit abzusichern. Entsprechend des IRB-Ansatzes nach Basel II für Retail-Portfolien müssen homogene Forderungspools gebildet werden. Um eine Homogenität zu erreichen, sind bestimmte Risikotreiber zu berücksichtigen: Neben den Risikomerkmalen des Schuldners selbst (z. B. Beruf und Alter) fließen u. a. auch die Sicherheitenarten und der Sicherheitenwert in das Zuordnungsverfahren mit ein. Dementsprechend müsste es möglich sein, Kredite mit RSV von denen ohne RSV zu separieren und in einen gesonderten Pool einzuordnen. Der Forderungspool mit RSV unterliegt einer geringeren Ausfallwahrscheinlichkeit, wodurch hier auch eine geringere Eigenkapitalunterlegung erforderlich sein dürfte. Angenommen, die Restschuldversicherung soll obligatorisch in alle neuen Konsumentenkredite, revolvierenden Kredite und Kreditkartenkonten eingebunden werden, so hat dies zur Folge, dass die Zahl der Zahlungsausfälle

3 deutlich minimiert werden kann. Die obligatorische Absicherung ist mit geringen Kosten verbunden, da eine Negativselektion 2 von vornherein ausgeschlossen werden kann. Die Beiträge können entweder direkt von der Bank übernommen werden, ohne dass sie kreditkostenwirksam sind, oder über den Zins an die Kunden weitergegeben werden. Die Absicherung kommt den Kunden zu Gute, da ihnen die Angst genommen wird, die Raten über kurz oder lang nicht mehr zahlen zu können. Da dies in der Kreditwirtschaft noch nicht die Regel ist, kann sich die Bank einen Wettbewerbsvorsprung verschaffen. Die Sorge um den eigenen Arbeitsplatz ist nach wie vor eine der größten Ängste der Deutschen die Arbeitslosenstatistik hat zu Beginn dieses Jahres erstmals die 5 Millionengrenze überschritten. Die Absicherung durch die RSV gibt dem Kunden die Sicherheit, auch in finanziell schlechteren Zeiten, z. B. bei Bezug von Kranken- oder Arbeitslosengeld, seinen Zahlungsverpflichtungen aus dem Kredit nachkommen zu können. Der Kunde ist so eher bereit, sich seine Wünsche mittels einer Kreditaufnahme zu erfüllen, was das Aktivgeschäft der Bank fördert. Zudem wird die Bonität des Portfolios insgesamt erhöht, da die Hauptausfallrisiken der Kunden weitestgehend eliminiert werden. Dies wiederum wirkt sich positiv auf die Verlustparameter aus, die geringer geschätzt werden können. Somit dürfte es auch möglich sein, die Eigenkapitalunterlegung nach Basel II insgesamt geringer anzusetzen. Szenario: Bestehende Kredite Ähnlich wie im Kreditneugeschäft stellt sich die Situation im Kreditbestand dar. Allerdings kann hier nur eine obligatorische Absicherung in Betracht gezogen werden, weil der Beitrag nicht mehr mitfinanziert werden kann. Eine fakultative Absicherung wäre zudem mit erheblichem Aufwand für das Kreditinstitut verbunden, da alle Bestandskunden informiert werden müssten. Die Bereitschaft der Kunden, ihre monatliche Belastung durch den Abschluss der RSV zu erhöhen, dürfte angesichts der wirtschaftlich angespannten Situation gering ausfallen. Hinzu kommt, dass die Bereitschaft, einen Kredit noch nachträglich abzusichern, bei den Kunden am höchsten ist, die bereits gefährdet sind, beispielsweise ihren Arbeitsplatz zu verlieren. So würde es zwangsläufig zu einer Negativselektion kommen, die nur über eine erhöhte Prämie aufzufangen wäre. Die Prämie für eine obligatorische Deckung ist auf Grund der günstigeren Risikomischung gering. In diesem Zusammenhang erscheint es wichtig, dass Basel II auch für bereits bestehende Kredite verlangt, dass es sich beim Portfolio um einen möglichst homogenen Forderungspool handelt. Anhand dieses Pools werden die Verlustparameter geschätzt, die für die Höhe der Eigenkapitalunterlegung herangezogen werden. Werden alle Kredite in diesem Pool abgesichert, verringert sich die Ausfallwahrscheinlichkeit, da nur noch wenige Risikokomponenten zum Tragen kommen, wie beispielsweise Scheidung. Die Beiträge können in diesem Fall allerdings nicht mehr nachträglich über den Zins an den Kunden weitergegeben werden, d. h. die Beiträge sind vom Kreditgeber zu zahlen.

4 Szenario: Verbriefung von Kreditforderungen International ist die Verbriefung von Kreditforderungen schon seit längerer Zeit üblich. In Deutschland ist dieser Geschäftszweig erst in den letzten Jahren erschlossen worden. Es gibt bisher nur wenige deutsche Großbanken, die bereits erste Erfahrungen in diesem Segment gesammelt haben. Dabei zählt die True-Sale-Verbriefung international bereits zu einem anerkannten Refinanzierungsinstrument von Kreditinstituten. Die Bundesbank führte im Spätherbst 2003 eine Befragung unter den zehn an den Märkten für Kreditrisikotransfer (Kreditderivate und Verbriefungen) aktivsten deutschen Banken durch. Diese rechneten mit einem deutlichen Wachstum der True-Sale-Verbriefungen in den nächsten Jahren, da der Druck zur Erschließung weiterer Refinanzierungsmöglichkeiten steigen wird. Durch den Verkauf von Kreditbeständen kann sich die Bank einerseits von Portfolien trennen, die beispielsweise nicht mehr in die Unternehmensstrategie oder in die Struktur des Gesamtkreditbestandes passen, und andererseits Eigenkapital generieren. Der Kreditbestand, der verbrieft wird, wird in unterschiedliche Risikoklassen eingeteilt, anhand derer die Marge für das jeweilige Portfolio festgesetzt wird. Die Klassifizierung wird von einer unabhängigen Rating-Agentur vorgenommen. Das Rating des einzelnen Portfolios spiegelt die Ausfallwahrscheinlichkeit der Kredite wider. Dieses ist eines der wichtigsten Elemente in der Bewertung von True-Sale-Verbriefungen, da die Forderung und damit auch das Risiko vollständig auf den Käufer übergehen. Verbrieft werden in Deutschland derzeit noch mehrheitlich Forderungen an Unternehmen. Die Einbindung der Restschuldversicherung in Forderungen gegenüber Unternehmen ist nicht möglich, weil nur natürliche Personen abgesichert werden können. Daher lässt sich für die Verbriefung dieser Forderungen auch keine günstigere Marge über den Einschluss einer RSV erzielen. Insbesondere Captive Banken verbriefen in letzter Zeit verstärkt Kreditbestände aus ihren Absatzfinanzierungen. Da diese Kreditverträge mit Privatpersonen abgeschlossen wurden, lässt sich die RSV auf einfache Art einbinden. Dadurch kann sich der Wert des Konsumentenkreditportfolios, das in großen Tranchen verbrieft wird, auf Grund des reduzierten Ausfallrisikos erhöhen. Die Bank kann beim Verkauf ein geringeres Risiko unterstellen, was sich wiederum günstig auf die Marge auswirkt. Sie kann sich von nicht profitablen Aktiva trennen, die unter Umständen nicht mehr in die Geschäftsstrategie passen, ohne größere Abschläge hinnehmen zu müssen. Der Käufer profitiert insofern, als er eine äußerst sichere Forderung erwirbt, die nur noch ein geringes Restrisiko birgt. Szenario: Non-Performing-Loans Der Markt für den Verkauf von sogenannten Non-Performing-Loans bzw. faulen Krediten befindet sich in Deutschland noch in den Kinderschuhen. Als Käufer dieser Non-Performing-Loans treten Private-Equity- Unternehmen auf, die mehrheitlich aus den USA kommen, wo der Handel mit notleidenden Krediten bereits seit längerem üblich ist. Da der Verkauf dieser Kredite in Deutschland jedoch noch nicht standardisiert ist, ist er für die deutschen Banken noch mit hohen Transaktionskosten verbunden. Für die Banken lohnen sich Verkäufe daher erst ab einer gewissen Mindestgröße des zum Verkauf stehenden Portfolios. Der Kaufpreis hängt unter

5 anderem davon ab, wie die Kredite besichert sind. Für unbesicherte Kredite kann er bei wenigen Cent je Euro Kreditvolumen liegen, bei mit Eigenheimen besicherten Darlehen bei bis zu 60 Cent je Euro. Eine Einbindung der Restschuldversicherung in diese Portfolien ist nicht möglich, wenn die faulen Kredite an Unternehmern vergeben wurden. Immobilienkredite an Privatpersonen könnten zwar abgesichert werden, da diese jedoch bereits notleidend sind, bietet sich auch hier kein Ansatz. Schließlich dient die RSV der Risikoprävention, dass ein Kredit notleidend wird und nicht umgekehrt. Resumée Insbesondere im Neu- und im Bestandsgeschäft führt die Portfolioabsicherung über eine Restschuldversicherung zu einer Verringerung des Ausfallrisikos. Die fakultative Deckung im Konsumentenkredit-Neugeschäft hat den Vorteil, dass zusätzliche Deckungsbeiträge erwirtschaftet werden können. Hier verbleibt jedoch ein gewisses Ausfallrisiko, da die Kunden nicht verpflichtet sind, ihre Kreditverpflichtungen abzusichern. Die größten Effekte lassen sich über die obligatorische Absicherung der Konsumentenkredite erzielen, da das Ausfallrisiko insgesamt reduziert wird und damit weniger Verluste entstehen, die sich negativ auf die Bilanz auswirken. Zudem können die Kosten, die ein notleidender Kredit verursacht, gesenkt werden. Hinzu kommt, dass sich die obligatorische Absicherung ganzer Portfolien positiv auf die Eigenkapitalunterlegung nach Basel II auswirken kann, da die Ausfallwahrscheinlichkeit geringer angesetzt werden kann. Für Spezial-Portfolien wie Verbriefungen kann die RSV nur im Konsumentenkreditgeschäft eingebunden werden und hier positive Effekte erzielen. Für Non- Performing-Loans ergibt sich kein Ansatz, den Wert der Portfolien durch den Einschluss einer RSV zu erhöhen. Die Autorin: Regina Peters, Stuttgart verantwortet seit vier Jahren den Bereich Marketing/Verkaufsförderung bei den Cardif Versicherungen. Nach einer Ausbildung zur Bankkauffrau war sie mehrere Jahre im Finanzdienstleistungsbereich tätig, bevor sie das Studium der Betriebswirtschaftslehre an der Fachhochschule Pforzheim absolvierte. Cardif hat sich mit über 30 Jahren internationaler Erfahrung auf die Absicherung von Zahlungsausfallrisiken spezialisiert. Mit innovativen Produkten sowohl in der Erst- als auch in der Rückversicherung bietet Cardif als einer der führenden Versicherer zusätzliche Absicherungsmöglichkeiten für Konsumentenkredite an. 1 Definitionen (Quelle: Schulden-Kompass 2004 der SCHUFA): Als Verschuldung wird jede Form des Eingehens von Geldverbindlichkeiten, die juristisch oder ökonomisch geregelt sind, bezeichnet. Als relative Überschuldung wird bezeichnet, wenn die Bilanz der Einnahmen und Ausgaben inkl. Kreditbelastungen negativ ist. 2 Eine Negativselektion liegt vor, wenn sich hauptsächlich schlechte Risiken, bei denen sich z. B. bereits eine Arbeitslosigkeit abzeichnet, versichern.

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