1. Teil: Grundlagen. 1. Abschnitt: Einführung. 2. Abschnitt: Geschichtliches. 3. Abschnitt: Finanzierung. 4. Abschnitt: Rechtsquellen

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1 1 1. Teil: Grundlagen 1. Abschnitt: Einführung 2. Abschnitt: Geschichtliches 3. Abschnitt: Finanzierung 4. Abschnitt: Rechtsquellen 5. Abschnitt: Versicherungsbegriff

2 2 1. Abschnitt: Einführung "Sicherheit"/Sicherungsbedürfnis Risiko beseitigen Nicht eliminierbares Risiko vermindern Restrisiko Folgen beseitigen oder vermindern Zweck der Versicherung = Sicherheit vor wirtschaftlichen Einbussen

3 3 2. Abschnitt: Geschichtliches I. Antike II. Mittelalter und frühe Neuzeit III. 17. und 18. Jahrhundert IV. 19. Jahrhundert Entwicklung der Versicherung in der Schweiz V. 20. Jahrhundert bis heute I. Antike Gefahrengemeinschaft: Mehrheit von Personen, die durch dieselbe Gefahr bedroht werden. Gegenseitigkeit: Schaden wird von allen Mitgliedern der Gefahrengemeinschaft gemeinsam getragen. Gefahren der Seefahrt (Phönizier, Griechen, Römer). A. Lex Rhodia de iactu Gesetz über den Seewurf. Ca. 2. Jahrhundert v. Chr. Zur Rettung eines vom Kentern bedrohten Schiffes wurde die Ladung über Bord geworfen alle beteiligten Parteien kamen durch anteilige Beiträge für Schaden auf. Heute bekannt unter: Havarie Grosse. B. Seedarlehen Ursprünge: Phönizier und Griechen. Von den Römern in der Form des foenus nauticum übernommen. Kreditgeschäft: Kapitalgeber überliess Kaufmann Geldsumme zur Finanzierung einer Seereise;

4 4 Rückzahlung des Kapitals sowie hoher Zins, wenn das Schiff den Bestimmungshafen unbeschadet erreichte. Quasi umgekehrter Fall der Versicherung (vorab Kapitalzahlung). Weiterentwicklung gegenüber lex Rhodia de iactu Dritter Darlehensgeber trägt Verlustrisiko. Foenus nauticum von Justinian als wucherisch untersagt, hat sich dennoch bis ins Mittelalter hinein erhalten. Um 1230 unter dem Druck des kanonischen Zinsverbotes von Papst Gregor IX. verboten. Parallelen zum Versicherungsgeschäft beeinflussten spätere Entwicklung des Versicherungswesens. C. Krankenkassenvereine und Sterbevereine Bereits im alten Rom. Bezahlung eines Eintrittsgeldes und regelmässiger Beiträge. Bei Unfall, Krankheit oder Tod Leistungen in Form von ärztlicher Hilfe, Heilmitteln und Geldbeiträgen. Gedanke der Gefahrengemeinschaft. Bemerkenswert: staatliche Aufsicht (!). II. Mittelalter und frühe Neuzeit A. Seeversicherung Wegen kanonischen Zinsverbots von 1230 verzinsliche Risikodarlehen nicht mehr zulässig. Suche nach neuen Möglichkeiten: Im 14. und 15. Jahrhundert Entwicklung der Vorläufer der heutigen Versicherung. Stundung der Kapitalzahlung bis zum Eintritt des schädigenden Ereignisses. Gegenleistung: Prämie als Entgelt für die Risikotragung.

5 5 B. Gilden Ca. ab dem 11. Jahrhundert (Dänemark und Flandern bereits ab 10. Jahrhundert). Zusammenschluss von Kaufleuten in der CH: Zunft. Genossenschaftliche Organisation. Gegenseitige Hilfe bei Unglücksfällen (Brandgilden, Totengilden, Schiffergilden). Von besonderer Bedeutung: Schutzgilden (Schutz vor Blutrache, Eideshilfe, polizeiliche Schutzaufgaben). III. 17. und 18. Jahrhundert A. Seeversicherung Älteste Versicherungssparte der Welt. Meilenstein Kaffeehaus des Edward Lloyd in London: Ab dem 17. Jahrhundert: Kaufleute boten in Lloyd s Kaffeehaus in London ihre Seehandels-Risiken Privatpersonen zur Zeichnung an; später Ausgabe eigentlicher Policen Inhalt wurde als Lloyd s marine insurance policy zum Standard der Seeversicherung und diente 1906 als Grundlage des Marine insurance act ; heute: Lloyd s of London. B. Öffentliche Brandkassen und private Gegenseitigkeitsvereine Selbsthilfeorganisationen mit dem Zweck gegenseitiger Versicherung. Bereits seit dem 15. und 16. Jahrhundert. Starker Aufschwung im 17. und 18. Jahrhundert. Ähnlichkeit mit heutigen Genossenschaften. Vorläufer der Gegenseitigkeitsversicherungen, die als besondere Versicherungsform bis heute erhalten geblieben ist.

6 6 C. Lebensversicherung Ende 18. Jahrhundert. Lebensversicherung in ihrer heutigen Form. Erfindung der Sterbetafeln (Ermittlung der Sterbe- und Überlebenswahrscheinlichkeit) in England: Damals wie heute wichtige Rechnungsgrundlage der Lebensversicherung. In Kontinentaleuropa zuerst grosse Skepsis: Geschäft mit dem Tod. Grundmodell: Tontine : Bezahlung einer Rente gegen Entrichtung einer Einmaleinlage; vorerst auf eingeschränkten Kreis von Teilnehmern begrenzt entwickelte der Basler Mathematiker Leonhard Euler die so genannte kontinuierliche Tontine : Unbeschränkte Anzahl von Versicherten; Grundstein für heutige Lebensversicherung. IV. 19. Jahrhundert Entwicklung der Versicherung in der Schweiz A. Feuerversicherungsanstalten Im 18. Jahrhundert Gemeindeverbände und so genannte Verbrüderungen : Gegenseitige Hilfeleistungen bei Brandfällen (meist Naturalleistungen wie Bauholz, Lebensmittel etc.). Erste Versicherungen in der Schweiz erst zu Beginn des 19. Jahrhunderts. Isoliertes Binnenland konnte sich fortschrittlichen Tendenzen länger entziehen erste allgemeine Feuerassekuranzanstalt im Kanton Aargau. Bald darauf: ähnliche Versicherungseinrichtungen in Bern, Thurgau, St. Gallen, Basel, Zürich und Solothurn (Hauptzweck: Sicherung von Hypothekarkrediten).

7 7 B. Sachversicherung im Besonderen Versicherung beweglicher Sachen: Anfänglich nur Handels- und Industrieunternehmen. Grossteil der Bevölkerung verfügte über keine namhaften Güter. Versicherungsverträge bei ausländischen Gesellschaften sehr teuer 1826 Gründung Schweizerische Mobiliarversicherungsgesellschaft Brand von Glarus Schub für das Versicherungswesen in der Schweiz. Gründungswelle: 1862 Helvetia; 1863 Basler Feuer und Schweizerische Rückversicherungsgesellschaft. C. Transportversicherung Wegfall der prohibitiven Inlandzölle führte zum Aufschwung des nationalen Handels. Entwicklung der Eisenbahn revolutionierte Personen- und Güterverkehr. Bedürfnis nach Absicherung von Transportrisiken. Gründung verschiedener Transportversicherungsgesellschaften. V. 20. Jahrhundert bis heute A. Aufsichtsgesetzgebung 1885: Schweiz schafft als einer der ersten Staaten ein Versicherungsaufsichtsgesetz (VAG). Ziel: Überwachung und Kontrolle der Versicherungseinrichtungen; Verhinderung von Insolvenzen und Missbräuchen. 1979: Neues VAG. 1. Januar 2006: Inkrafttreten des geltenden VAG.

8 8 B. Versicherungsvertragsgesetz Bis ins 20. Jahrhundert Vertragsfreiheit. Übermacht der Versicherer sollte beschränkt werden. 1. Januar 1910: Inkrafttreten Bundesgesetz über den Versicherungsvertrag (VVG). 1. Januar 2006: Inkrafttreten Teilrevision des VVG (v.a. Umsetzung konsumentenschutzrechtlicher Anliegen). Zurzeit Gesamtrevision des VVG: Vorentwurf mit Datum vom 31. Juli 2006 veröffentlicht; Vernehmlassungsentwurf am 24. Februar 2009 veröffentlicht; Vernehmlassung im Sommer 2009 abgeschlossen; Vernehmlassungsbericht am 13. Januar 2010 veröffentlicht; Botschaft am 7. September 2011 zuhanden der Bundesversammlung verabschiedet. C. Sozialversicherung Zweite Hälfte des 20. Jahrhunderts: Entstehung und Weiterentwicklung der Sozialversicherung. Kranken- und Unfallversicherung bereits 1911 durch das Kranken- und Unfallversicherungsgesetz (KUVG) geregelt (Seit 1984: KVG und UVG). Ende vierziger Jahre: Alters- und Hinterlassenenversicherung (AHVG). Anfang sechziger Jahre: Invalidenversicherung (IVG). Anfang achtziger Jahre: Arbeitslosenversicherung (AVIG). 1985: Berufliche Alters-, Hinterlassenen- und Invalidenvorsorge (BVG). VI. Zusammenfassung Antike bis Neuzeit: Leitideen der Gefahrengemeinschaft und der Gegenseitigkeit. Aufkommen der institutionellen Versicherer im 19. Jahrhundert Paradigmenwechsel:

9 9 Schäden werden fortan auf dritte Risikoträger Versicherer abgewälzt; Gefahrengemeinschaft trägt Risiko nur noch indirekt über Prämienzahlungen. Gefahrengemeinschaft und Gegenseitigkeitsgedanke verlieren an Bedeutung. Heutige Versicherung: Risikotransfer des Einzelnen auf den institutionellen Risikoträger Versicherer.

10 10 3. Abschnitt: Finanzierung der Privatversicherung I. Auslagen II. Einnahmen III. Finanzierungsverfahren I. Auslagen A. Versicherungsleistungen Verbindlichkeit des Versicherungsunternehmens im Versicherungsfall. B. Verwaltungskosten Die Verwaltungskosten dienen zur Deckung der Aufwendungen für den Versicherungsbetrieb. Beispiele Miet- und Lohnkosten. C. Gewinnkosten Versicherungen sind i.d.r. gewinnorientierte Unternehmen. Aktionäre erwarten einen Ertrag für ihre Investitionen (Dividende). Prämieneinnahmen. Kapitalerträge. II. Einnahmen Hauptanteil der Finanzierung. A. Prämien Dienen v.a. der Deckung der Versicherungsleistungen.

11 11 B. Kapitalerträge Jedes Versicherungsunternehmen verfügt über Kapitalanlagen, die gewinnbringend angelegt werden. Können im Bedarfsfall zur Tilgung von Verbindlichkeiten herangezogen werden. Als Einnahmequelle heute von grösster Relevanz. III. Finanzierungsverfahren A. Umlageverfahren Ausgaben werden durch laufende Prämieneinnahmen gedeckt. Es werden keine Mittel angesammelt. Bei Schwankungen der Ausgaben verändern sich auch die Prämien. Beispiel Krankenversicherung. Setzt Fortbestand des Versicherungsunternehmens voraus. Private Versicherungsunternehmen können grundsätzlich den Geschäftsbetrieb einstellen Umlageverfahren daher verboten. B. Kapitaldeckungsverfahren Sämtliche Ausgaben werden durch Bereitstellung ausreichender Kapitalien vorausfinanziert. Berechnung der Rückstellungen mit Hilfe von mathematischen und statistischen Grundsätzen. Fortbestand des Versicherungsunternehmens nicht vorausgesetzt Privatversicherungen betreiben ihr Geschäft nach dem Kapitaldeckungsverfahren.

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