System Sozialer Sicherung. Prof. Dr. Ronald Lutz FH E / FB S SS 2010 Kapitel 2

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3 Termine Seitherige Termine: ; 20.4.; 27.4.; Weitere Termine: 11.5.;18.5.; 25.5; 1.6.; 8.6. entfällt, dafür 7.6. um 16 Uhr oder am 6.6. um 10 Uhr entfällt, dafür Uhr

4 1. Ursprünge sozialer Sicherung (Sozialversicherungssystem, Sozialpolitik, Das Soziale) 2. Formationen des Kapitalismus soziale Integration (Fordismus > Postfordismus) 3. Transformation des Sozialen (Versorgungs- zum Gewährleistungs- bzw. Aktivierungsstaat) 4. Diskurse des Ausschlusses ( underclass, exklusion, neue Unterschicht ) 5. Analyse von Integrationsprogrammen ( Integration in Förderprogrammen) 6. Wandel des Integrationsverständnisses (Folgen für die Sozialpolitik) 7. Sozialarbeit als Integrationsinstanz (Rolle der Sozialen Arbeit und Alternativen)

5 Grundlagen, Prinzipien, Begriffe, Finanzierung und Finanzierungskrise - Allgemeine Prinzipien - Strukturen und Handlungsprinzipien - Strukturen und Finanzierung

6 Allgemeine Prinzipien Subsidiarität: Vorrangigkeit der kleineren Einheit Grundlegend: Erst wenn die individuellen Hilfsquellen erschöpft sind, hat der übergeordnete Verband das sittliche Recht und die Pflicht Hilfe zu erbringen - Rangfolge : Staat als letzter Ausfallbürge - Versagen/Ausfall untergeordneter Instanzen muss vorliegen (Familie, Verwandte, Freunde etc.) - Leistungserfüllung in aufsteigender Reihenfolge (Wohlfahrtsverbände, Landes-, Bundes-, EU-Ebene)

7 Allgemeine Prinzipien Äquivalenz: Leistungen entsprechen den Beitragszahlungen Solidarität: Einstehen füreinander, Beiträge einkommensabhängig. - Solidaritätsprinzip: umverteilendes Element - Deutsches Sozialrecht: - Abgeschwächtes Äquivalenzprinzip gemischt mit Solidaranteilen (anteilige Berechnung von Versicherungszeiten ohne Beiträge im Falle Kindererziehung; beitragslose Mitversicherung von Angehörigen) - Solidarische Orientierung: keine Risiko- oder Leistungsausschlüsse - Begrenzung der Umverteilung: Beitragsbemessungsgrenze; Einkommen darüber sind in RV, KV, AV, PV abgabenfrei

8 Allgemeine Prinzipien Versicherung, Versorgung, Fürsorge - Politische Gewichtung dieser Prinzipien hat Auswirkungen auf Art und Umfang der Finanzierung und der Leistungsgewährung

9 Allgemeine Prinzipien Ø Versicherung: - Versicherung der Risiken durch Beiträge der Personen, Finanzierung (ursprünglich hälftig) durch Arbeitgeber und -nehmer, These der Gefahrengemeinschaft - Soziale Risiken gelten als berechenbar - Grundsätzlich äquivalent (bei privat immer) - Sozialversicherungen: mehr solidarische Verteilungsaufgaben - bei Geldleistungen (AV, RV) eher äquivalent - bei Sachleistungen (KV) eher beitragsunabhängig

10 Allgemeine Prinzipien Ø Versicherung: - Gesetze regeln Mitgliedschaften (Ausnahmen Beamte, Selbständige und Bezieher höherer Einkommen: über Beitragsbemessungsgrenze), - mitversicherte Familienangehörige, - Finanzmittel aus Steuereinkommen (z.b.: Ökosteuer) lassen Beiträge weniger steigen (Intention)

11 Allgemeine Prinzipien Ø Versorgung - Leistungen: Finanzierung aus dem Staatshaushalt - Beihilferegelung der Beamten, Richter und Soldaten (Pflicht des Dienstherren zur Alimentation ); kein Erwerb durch Beitragsleistungen, sondern durch Dienstleistungen - Weitere Versorgung für Personen mit besonderen Belastungen: Eltern, Auszubildende, Kriegsbeschädigungen, etc. - Versorgungsleistungen sind in Art und Höhe normiert

12 Ø Allgemeine Prinzipien Fürsorge - Armenpolitik, Wohlfahrt, Sozialhilfe, Grundsicherung - Notlagenbearbeitung nach Ausschöpfen anderer Quellen - Gewährung von Leistungen, wenn Selbsthilfe nicht mehr möglich, ohne vorherige Beitragszahlung - Weder Beitragszahlung noch andere Vorleistungen - Leistungsgewährung geht Bedarfsprüfung voraus - Nichtinanspruchnahme: verschämte (verdeckte) Armut - Fürsorge: in der Regel dem Grunde nach, Festlegung nach Ermessen (Spielraum!) durch Befugte - Leistung auf Zeit - Ziel: Selbständige Lebensführung

13 Strukturen und Handlungsprinzipien Universalität / Selektivität - Generelle Zuteilungskriterien (Universalität): unabhängig von der individuellen und ökonomischen Situation (Kindergeld, Pflegeleistungen nach SGB XI) - Leistungen auf Grund individueller Bedürftigkeit (Selektivität): Basis Einkommen und/oder Bedarfsprüfung (Leistungen in Sozialhilfe/ALG II oder Erziehung nach SGB VIII (KJHG))

14 Strukturen und Handlungsprinzipien Kausalprinzip / Finalprinzip - Kausal: Leistungsgewährung liegt in bestimmter Ursache (Unfall), Anlassfall ist im Vertrag als solcher anerkannt - Final: Orientierung am konkreten Bedarf und unabhängig von Ursache (z.b. Rente, Pflege)

15 Strukturen und Handlungsprinzipien Prävention / Ausgleich - Präventive Leistungen: mindern den Eintritt und die Wahrscheinlichkeit eines Risikofalles - Ausgleich: stellen bei eingetretenen Beeinträchtigungen Ausgleich her - Leistungsgrund = Benachteiligung durch einen Risikofall

16 Strukturen und Regulierungen Sozialpolitik: Interventionen greifen in den Steuerungsund Verteilungsmechanismus des Marktes ein Sozialpolitische Interventionsebenen und formen - Rechtliche Regulierung von Märkten (Arbeitsmarkt, Schutzbestimmungen, Entgeltfortzahlungen, Tarifrecht etc.) - Geldzahlungen als Ausgleich für nicht ausreichendes Einkommen (Korrektur der Einkommensverteilung, Armutsvermeidung) - Bereitstellung von Diensten und Einrichtungen (nach Bedarf und weitgehend unentgeltlich, öffentliche Güter, Bildung, Sozialwesen, gesundheitliche Versorgung) - Abgaben zur Finanzierung der Leistungen (Steuern, Gebühren)

17 Strukturen und Finanzierung Sozialpolitik ist Einkommensverteilungspolitik (Umleitung von Geldströmen) Allerdings: Den Ansprüchen / Bedürfnissen der Bevölkerung steht immer nur das zur Verfügung, was die erwerbstätige Bevölkerung in der jeweils aktuellen Produktion erwirtschaftet (Finanzierungsvorbehalt)

18 Strukturen und Finanzierung Sozialbudget Im Sozialbudget werden Leistungen des Systems der Sozialen Sicherung zusammengestellt, die öffentlich finanziert werden oder auf gesetzlicher Grundlage beruhen: - Direkte monetäre Transfers (Einkommensübertragungen wie Renten, ALG, Grundsicherung) - Indirekte monetäre Transfers (Steuerermäßigungen) - Realtransfers (Sach- und Dienstleistungen)

19 Strukturen und Finanzierung Institutionen des Sozialbudget - Fünf Zweige der Sozialversicherung - Leistungen wie Erziehungsgeld/ Elterngeld; Kindergeld; Wohngeld - Beamtenrechtliche Leistungen - Arbeitgeberleistungen (Lohnfortzahlung im Krankheitsfall, betriebliche Altersversorgung) - Sozialhilfe, Grundsicherung, ALG II, Kinder- und Jugendhilfe, - Sondersysteme wie Altershilfe für Landwirte - Entschädigungen für Kriegsopfer

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21 Strukturen und Finanzierung Bruttoinlandsprodukt Summe aller im Inland produzierten Güter und Dienstleistungen - Sank 2008 ab: Wirtschaftskrise : Milliarden Euro - Die deutsche Wirtschaft ist 2009 zum ersten Mal seit sechs Jahren geschrumpft. Mit 5,0 Prozent war der Rückgang des preisbereinigten Bruttoinlandsprodukts (BIP) so stark wie noch nie in der Nachkriegszeit. - Die Wirtschaftsleistung im zweiten Quartal 2009 wurde von 40,2 Millionen Erwerbstätigen mit Arbeitsort in Deutschland erbracht, das waren Personen oder 0,1 Prozent weniger als ein Jahr zuvor : Milliarden Euro (27% der EU)

22 Strukturen und Finanzierung Bruttoinlandsprodukt - Maastricht-Kriterien, Vertrag von Der staatliche Schuldenstand darf nicht mehr als 60% des Bruttoinlandsprodukts ausmachen - Die jährliche Nettoneuverschuldung darf nicht mehr als 3% des Bruttoinlandsprodukts ausmachen (Griechenland bei 10,1; Irland bei 32%, BRD in 2011 wieder unter 3,0%)

23 Strukturen und Finanzierung Bruttoinlandsprodukt / Zahl der Erwerbstätigen Im Durchschnitt: rund 40,37 Millionen Personen mit Wohnort in Deutschland erwerbstätig. - Statistisches Bundesamt (Destatis): nach ersten vorläufigen Berechnungen entspricht dies im Vorjahresvergleich einer Zunahme um Personen oder 0,5%. - Zahl der Erwerbstätigen im Jahr 2010 in Deutschland: neuer Höchststand. - Entwicklung ist vor dem Hintergrund zu sehen, dass die Erwerbstätigenzahl auch im Jahr 2009 trotz des kräftigen Einbruchs der Wirtschaftsleistung nur relativ moderat um Personen unter den bisherigen Höchststand aus dem Jahr 2008 gesunken war.

24 Strukturen und Finanzierung Volkseinkommen Arbeitnehmerentgelt und Unternehmens- und Vermögenseinkommen 2009 erstmals seit Wiedervereinigung gesunken, und zwar um 4,0 Prozent auf Milliarden Euro. Arbeitnehmerentgelt sank nur geringfügig unter das Niveau des Vorjahres ( 0,2 Prozent auf rund Milliarden Euro). Unternehmens- und Vermögenseinkommen gingen 2009 deutlich um 11,0 Prozent zurück und betrugen 588 Milliarden Euro. Volkseinkommen 2010: bei Milliarden

25 Strukturen und Finanzierung Volkseinkommen / Lohnquote Lohnquote brutto (misst Anteil des Arbeitnehmerentgelts am Volkseinkommen), stieg gegenüber dem Jahr 2008 um 3 Prozentpunkte auf 68,4 Prozent (tendenzieller Fall der Lohnquote seit 2000 im Interesse der Unternehmer) In 2010 wieder bei 66,3 % Lohnquote netto - nach Abzug von Steuern und Abgaben sank 2010 von 40,9 Prozent im Jahr 2008 und 41,1 Prozent 2009 auf 39,4 Prozent im ersten Halbjahr Die Nettogewinnquote der Unternehmen stieg zwischen 2009 und dem ersten Halbjahr 2010 von 32,6 auf 34 Prozent. Nähert sich wieder dem vom letzten Aufschwung geprägten Rekordjahr 2008, als es 34,9 Prozent waren.

26 Strukturen und Finanzierung Sozialleistungsquote - Verhältnis von Sozialleistungen zum Bruttoinlandsprodukt: Prozentualer Anteil der Summe aller Ausgaben mit sozialpolitischem Charakter (Sozialausgaben) am Bruttoinlandprodukt eines Landes. - OECD: Ausgaben, die der sozialen Sicherung von Haushalten und Individuen dienen, in Form von Gütern oder Dienstleistungen oder finanziellen Transfers oder die von staatlichen Institutionen erbracht werden

27 Strukturen und Finanzierung Sozialleistungsquote 2009 bei 31,3 % des BIP; davon ca. 2/3 % bei den Sozialversicherungen 2010 bei ca. 32 % (Folgen der Wirtschaftskrise) - Für 2012 werden 31,0 prognostiziert - Sozialleistungsquote enthält keine unentgeltlichen Dienstleistungen (Familie etc.) und auch keine privat finanzierten Aufwendungen (Zuzahlungen z.b.)

28 Strukturen und Finanzierung Sozialleistungsquote

29 Strukturen und Finanzierung Staatssektor Setzt sich aus den Ausgaben von Bund, Ländern, Gemeinden und Sozialversicherungen zusammen 2009 ein Finanzierungsdefizit in Höhe von 105,5 Milliarden Euro aus. Gemessen am Bruttoinlandsprodukt in jeweiligen Preisen errechnet sich für den Staat eine Defizitquote (Finanzierungsdefizit) von 3,2 %. Maastricht: 3,0 %

30 Strukturen und Finanzierung Staatssektor Finanzierungsdefizit verringerte sich im Jahr 2010 auf 77,9 Milliarden Euro. Finanzierungsdefizit um ca. 28 Milliarden Euro niedriger als im Jahr Öffentliche Einnahmen stiegen im Jahr 2010 um 3,0% auf 1 049,7 Milliarden Euro, während die öffentlichen Ausgaben mit einem Volumen von 1 127,7 Milliarden Euro nahezu unverändert (+ 0,1%) auf dem Vorjahresniveau blieben. Der Rückgang im Jahr 2010: Finanzierungsüberschuss der gesetzlichen Sozialversicherung in Höhe von 2,9 Milliarden Euro; 2009 hatte die Sozialversicherung noch ein Finanzierungsdefizit von 14,7 Milliarden Euro

31 Strukturen und Finanzierung Finanzierung: Umlagefinanzierung Verzicht auf Vermögensrücklagen Leistungen werden aus dem laufenden Beitragsaufkommen finanziert (z.b. Rente)

32 Strukturen und Finanzierung Finanzierung: Kapitaldeckung Kombination von Ansparen und Entsparen Bildung eines Kapitalstocks (Anlagen in Immobilien und Wertpapieren) Individueller Aufbau des individuellen und späteren Bedarfs

33 Strukturen und Finanzierung Finanzierung: Beiträge und Steuern Ø Ø Beitragsfinanzierung: Leistungen, die den Ausfall des Einkommens ersetzen bzw. Funktionen einer Risikovorsorge besitzen (Rente, ALG, etc.) - Beiträge sind zweckgebunden und äquivalent Steuerfinanzierung: Systeme ohne erkennbaren Zusammenhang zwischen Finanzierung, Leistungsberechtigung und Leistungshöhe (Elterngeld, Grundsicherung, Arbeitsmarktprogramme etc.)

34 Strukturen und Finanzierung Finanzierung: Beiträge und Steuern Beitragszahler: Versicherungspflichtige Beschäftigte Beiträge; wesentlich paritätisch erhoben (allerdings Ausnahmen und Veränderungen: Krankengeld ab 2005 durch Arbeitnehmer allein, Unfallversicherung zahlen Arbeitgeber, Krankenkassen: Ende der paritätischen Finanzierung mit Einführung Gesundheitsfonds) Beitragszahlungen: auch durch Rentner, durch freiwillig Versicherte, bestimmte Gruppen von Selbständigen und durch Sozialversicherungsträger (BA zahlt für Arbeitslose)

35 Strukturen und Finanzierung Finanzierung: Beiträge und Steuern Versicherungspflichtgrenze: ab einem definierten Einkommen unterliegen Arbeitnehmer nicht mehr der Versicherungs- und Beitragspflicht der GKV (Wechsel zu privaten möglich) q q Pflichtversicherungsgrenze bedeutet: Arbeitnehmer können nur dann die gesetzliche Krankenversicherung verlassen, wenn sie mehr verdienen als mit der Pflichtversicherungsgrenze festgelegt wurde. Es zählt das gesamte Jahreseinkommen inkl. Urlaubs-, Weihnachtsgeld usw. (Regelmäßiger Verdienst.

36 Strukturen und Finanzierung Finanzierung: Beiträge und Steuern Pflichtversicherungsgrenzen: Pflichtversicherungsgrenze 2011: Einkommen mindestens ,- bzw. mtl ,00 Pflichtversicherungsgrenze 2010: Einkommen mindestens ,- bzw. mtl ,50 Pflichtversicherungsgrenze 2009: Einkommen mindestens ,- bzw. mtl ,00 Pflichtversicherungsgrenze 2008: Einkommen mindestens ,- bzw. mtl ,50

37 Strukturen und Finanzierung Finanzierung: Beiträge und Steuern Pflichtversicherungsgrenzen Gesundheitsreform 2011: ein Wechsel in die private Krankenversicherung künftig leichter. Durch die Reform wurde die Versicherungspflichtgrenze 2011 auf ,- herabgesenkt. Diese muss ein Arbeitnehmer nur noch ein Jahr lang übertreffen.

38 Strukturen und Finanzierung Finanzierung: Beiträge und Steuern Beitragsbemessungsgrenze: Beiträge orientieren sich am Einkommen, prozentuale Anteile (Beitragssätze), ab einer bestimmten Höhe steigen sie nicht weiter (bleiben in Höhe konstant) q Beitragsbemessungsgrenze bedeutet, dass bis zu dieser Summe Beiträge gezahlt werden müssen. q Einkommen darüber wird nicht mit Beiträgen belastet.

39 Strukturen und Finanzierung Finanzierung: Beiträge und Steuern Beitragsbemessungsgrenze: Beiträge orientieren sich am Einkommen, prozentuale Anteile (Beitragssätze), ab einer bestimmten Höhe steigen sie nicht weiter (bleiben in Höhe konstant) RV / AV Grenzwerte West: 5400 EUR - Ost: 4550 EUR RV / AV Grenzwerte West: EUR - Ost: EUR - RV / AV Grenzwerte West: Euro - Ost: Euro

40 Strukturen und Finanzierung Finanzierung: Beiträge und Steuern Beitragsbemessungsgrenzen in der GKV: Beitragsbemessungsgrenze 2011: ,- bzw. mtl ,50 Beitragsbemessungsgrenze 2010: ,- bzw. mtl ,00 Beitragsbemessungsgrenze 2009: ,- bzw. mtl ,00 Beitragsbemessungsgrenze 2008: ,- bzw. mtl ,00

41 Strukturen und Finanzierung Finanzierung: Beiträge und Steuern Beitragssätze in der Sozialversicherung 2011 Rentenversicherung 19,9% 2011 Arbeitslosenversicherung 3,0% 2010 Arbeitslosenversicherung 2,8% 2011 gesetzliche Krankenversicherung 15,5% q Arbeitnehmer 8,2; Arbeitgeber 7, gesetzliche Krankenversicherung 14,9%

42 Strukturen und Finanzierung Sozialausgaben und Öffentliche Haushalte Öffentliche Haushalte finanzieren alle Sozialleistungen außerhalb der Sozialversicherung Bundeszuschüsse werden aus Steuermitteln finanziert: ergänzende Finanzierung der Sozialversicherung (Leistungen mit eher allgemeinem Charakter, ALG II, Grundsicherung Rente) Staat: Letzte Garantie für die Finanzierung der Sozialversicherung (Bundesgarantie) Keine Zweckbindung von Steuern Bundeshaushalt: Mehr als 50% für Soziale Sicherung; 13,5% für SGB II (Grundsicherung Arbeitnehmer) Tendenz: Steigende Sozialausgaben Gemeinden: ca.37% für Sozialausgaben

43 Strukturen und Finanzierung Kommunen haben zentrale Bedeutung: - Regelung aller Aufgaben, für die weder Bund noch Länder zuständig sind, Bund und Länder können Kommunen zu Aufgaben verpflichten - Infrastruktur und Daseinsvorsorge: Straßenbau, Verkehrswesen, Schule und Erziehung, Sicherheit und Ordnung, Kultur, Gesundheit, Sport und Erholung, Energie und Wasser, Bau- und Wohnungswesen - Sicherstellung eines bedarfsgerechten und bürgernahen Angebots an sozialen Diensten, Träger Sozialhilfe

44 Strukturen und Finanzierung Kommunale Ebene - Gesetzliche Pflichtaufgaben: durch Bund und Länder festgelegte Leistungen, zumeist standardisiert (SGB), mit Ermessensspielraum - Staatliche Aufgaben: Kommune als staatliche Unterbehörde (Wohngeld) - Freiwillige Aufgaben der Kommune: eigenständige Projekte

45 Strukturen und Finanzierung Kommunale Einnahmen - Steuern und Finanzzuweisungen vom Land - Steuerrecht = Bundesrecht, nur geringe Spielräume für Kommunen, kein Mitentscheidungsrecht bei Aufteilung des Steueraufkommens, kaum Gestaltungsspielraum der Kommunen - Gewerbesteuer, Einkommenssteueranteil, Grundsteuer - Örtliche Aufwand- und Verbrauchssteuer; Konsumsteuern wie: Zweitwohnungsteuer, Spielautomatensteuer, Hundesteuer, Jagdsteuer - Beiträge (Umlagen wie Anliegerbeiträge) - Gebühren (Äquivalent für kommunale Leistungen) - Nutzungsentgelte im sozialen, kulturellen und sportlichen Einrichtungen (KiTa-Gebühren, Hallennutzungen, etc.): Kostendeckung kaum möglich

46 Strukturen und Finanzierung Kommunale Ebene - Verwaltungshaushalte (regelmäßige Ausgaben) und Vermögenshaushalte (Investitionen und deren Finanzierung, Kreditaufnahme möglich) - Kommune kann soziale Dienste anbieten; nach Subsidiaritätsprinzip Vergabe an nicht-staatliche Träger vorrangig - Kosten außerhalb der Soziaversicherungen gehen zu großen Teilen zu Lasten der Kommune - Kommunalisierung von Pflichtaufgaben (vorher beim überörtlichen Träger) verschärft die Situation

47 Finanzierungskrise - Einnahmen abhängig von der Zahl versicherungspflichtiger Beschäftigter - Kontinuierliche Verringerung seit Aber: Konstante Zahl der Erwerbstätigen; Umschichtung von versicherungspflichtigen hin zu sozialversicherungsfreien Beschäftigungsformen (Selbständige, geringfügig Beschäftigte, Werk- und Honorarvertrag, Praktika) - Schwache Lohnhöhenentwicklung seit 2000; sinkende Lohnquote (Anteil Bruttoeinkommen aus abhängiger Arbeit am Volkseinkommen) - Beitragserhebung bezieht sich auf einen kleiner werdenden Bevölkerungsteil - Finanzierungsprobleme als Einnahmeschwäche

48 Finanzierungskrise - Ungünstige Wirtschafts- und Arbeitsmarktlage erhöht Ausgaben - Empfänger von ALG II und Wohngeld steigen - Erhöhung der Bundeszuschüsse an BA und Rentenversicherung - Finanzierung der Sozialen Sicherung ist (derzeit, BRD) abhängig von Höhe und der Entwicklung Arbeitnehmereinkommen

49 Demographischer Wandel - Geburtenrückgang und aging society, Probleme mit der Umlagenfinanzierung von Sozialen Leistungen - Rückgang der Sterblichkeit im hohen Alter - Außenwanderungsbilanz (Zuzüge von außerhalb) - Prognosen mit Unsicherheit belegt - Trends: Geburtenhäufigkeit (Fertilität) wird auf niedrigem Niveau verharren - Lebenserwartung (Mortalität) wird zunehmen - Verschiebung der Altersstruktur, Durchschnittsalter wird deutlich zunehmen - Abnehmende Bevölkerungsdichte - Bevölkerungsrückgang nicht aufzuhalten

50 Demographischer Wandel Rückgang der Fertilität durch - Absicherung von immer mehr Lebensrisiken durch Sozial- und Wohlfahrtsstaat - Übernahme von immer mehr Familienfunktionen durch öffentlich finanzierte Einrichtungen - Relativierung und Veränderung traditioneller Normen und Werte - Opportunitätskosten von Kindern (Kinder bedeuten Verzicht ) - Anpassung von Bildungs- und Erwerbsbiographien an Vorgaben des Arbeitsmarktes - Steigende Bildungs- und Erwerbsbeteiligung von Frauen (Vereinbarkeit Beruf und Kinder)

51 Demographischer Wandel Familienstrukturen als Beschleuniger - Steigender Anteil zeitlebens kinderloser Frauen (ca. 35 %), vor allem Akademikerinnen - Rückgang von Familien mit zwei und mehr Kindern - Steigendes Durchschnittsalter von Frau bei Geburt des ersten Kindes - Rückläufige Heiratsneigung - Steigende Zahl nicht-ehelicher Partnerschaften - Steigende Zahl von Ein-Eltern-Familien - Steigende Zahl von Trennungen und Scheidungen

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