Sozialpädagogisches Zentrum St. Martin Schwaz Pädagogisches Konzept

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1 Sozialpädagogisches Zentrum St. Martin Schwaz Pädagogisches Konzept 1

2 KINDER- UND JUGENDWOHNGEMEINSCHAFTEN ST. MARTIN Inhaltsverzeichnis 1. Sozialpädagogisches Zentrum St. Martin 2. Pädagogisches Konzept 2.1 Zielgruppen Kinderwohngemeinschaften Bay 1 und Jugendwohngemeinschaften 1 und Aufnahmekriterien 2.3 Aufnahmeverfahren 2.4 Sozialpädagogisches Leitbild 3. Sozialpädagogische Betreuungsangebote 3.1 Kinderwohngemeinschaften Bay 1 und Jugendwohngemeinschaften 1 und Gangway Betreutes Außenwohnen 4. Instrumentarium 4.1 Interne Kommunikation 4.2 Externe Kommunikation 4.3 Externe Unterstützungsangebote 4.4 Qualitätssicherung 2

3 1. Sozialpädagogisches Zentrum St. Martin Das Sozialpädagogische Zentrum St. Martin ist eine Einrichtung des Landes Tirol. Die sozialpädagogischen Kinder- und Jugendwohngemeinschaften St. Martin bilden den Kernbereich des Zentrums. Die Größe des im Besitz des Landes befindlichen Areals lässt eine vielseitige Nutzung zu. In den Räumlichkeiten des Zentrums sind zusätzlich folgende Einrichtungen untergebracht: Integrativer Kindergarten St. Martin Zentrum für Ehe- und Familienfragen (Beratungsbüro) Frauen im Brennpunkt (Beratungsbüro) Haus der Völker Museum für Kunst und Ethnografie Zwei Kunstateliers Kirche St. Martin Sozialpädagogische Kinder- und Jugendwohngemeinschaften St. Martin In den Kinderwohngemeinschaften Bay werden Mädchen und Buben ab 6 Jahren und in den beiden Jugendwohngemeinschaften männliche Kinder/Jugendliche ab 10 Jahren im Rahmen der vollen Erziehung nach 14 des Tiroler Jugendwohlfahrtsgesetzes betreut. Ein differenziertes Betreuungsangebot (verschiedene Lebensformen wie Wohngemeinschaften, Gangway, Betreutes Außenwohnen) soll eine umfassende, alters- und entwicklungsadäquate Hilfestellung garantieren. Ein erfahrenes und professionelles Team von SozialpädagogInnen unterstützt durch vier Haushälterinnen kümmert sich um das Wohl der Kinder und Jugendlichen. 3

4 2. Pädagogisches Konzept 2.1 Zielgruppen Kinderwohngemeinschaften Bay 1 und 2 Aufgenommen werden Mädchen und Buben im Pflichtschulalter (6. bis 12. Lebensjahr) mit einem sozialpädagogischen Aufnahmeprofil im Rahmen der vollen Erziehung. Bei Geschwistern kann in Ausnahmefällen das Aufnahmealter gesenkt werden. Die Kinder können dann bis zur Beendigung der Pflichtschule in der Kinderwohngemeinschaft bleiben. Für Buben gibt es zudem die Möglichkeit in eine der hausinternen Jugendwohngemeinschaften zu wechseln. In beiden Kinderwohngemeinschaften werden insgesamt 16 Betreuungsplätze angeboten. Jugendwohngemeinschaften 1 und 2 In den Jugendwohngemeinschaften werden männliche Kinder/Jugendliche vom 10. Lebensjahr bis zur Volljährigkeit im Rahmen der vollen Erziehung aufgenommen. Die beiden Jugendwohngemeinschaften bieten jeweils 6 Plätze in der Wohngemeinschaft selbst an. Jene Jugendlichen, die imstande sind, ihren individuellen Lebensalltag weitgehend eigenverantwortlich zu bewältigen, können als zusätzliche altersgemäße Angebote die hausinternen Gangwayzimmer und im Anschluss daran eine angemietete Außenwohnung (Betreutes Außenwohnen) beziehen. 2.2 Aufnahmekriterien Die Kinder- und Jugendwohngemeinschaften St. Martin bieten ein professionelles sozialpädagogisches Betreuungsangebot für Kinder und Jugendliche bei/mit... Überforderung des Herkunftssystems (Familien, allein erziehende Eltern, etc.) Schul- und Lernproblemen sowie Leistungsverweigerung schulischen und/oder beruflichen Integrationsschwierigkeiten sozialen Fehlanpassungen sowie Störungen des Sozialverhaltens erhöhter Gewalt- und Aggressionsbereitschaft Gewalt- und Missbrauchserfahrungen sowie risikobehafteten Lebensentwürfen Für einen gelingenden Entwicklungsprozess bedarf es der Bereitschaft der Kinder/Jugendlichen, sich auf die neue Situation und auf neue Strukturen (hausinterne Regulative) einzulassen. Dazu gehören auch eine altersspezifische Problemeinsicht, die Ernsthaftigkeit bei der Erfassung der Ist- Situation und die Bejahung der Sinnhaftigkeit der in den Gesprächen gemeinsam getroffenen Vereinbarungen. Eine professionelle Hilfestellung bei der individuellen Lebensplanung erfordert auch die aktive Unterstützung durch das Herkunftssystem (Eltern, Obsorgeberechtigte). 4

5 2.3 Aufnahmeverfahren Nach einer professionellen Vorbereitung (Informations-/Erstgespräche und Vereinbarungen mit allen Beteiligten, Vorhandensein aller fallrelevanten Dokumentationen und Informationen, Festlegung der Aufnahmebedingungen, Akzeptanz der Kinder/Jugendlichen der hausinternen Regulative) und einem positiven Verlauf kann im Aufnahmegespräch der Aufnahmetermin in die Kinder- und Jugendwohngemeinschaften St. Martin festgelegt werden. Bei diesem Gespräch nehmen außer dem Minderjährigen selbst die Eltern (bzw. Obsorgeberechtigten) und ein/e Vertreter/in des Jugendwohlfahrtsreferates teil. Erst nach Erteilung eines Betreuungsauftrages und der schriftlichen Kostenzusicherung ist die Aufnahme verbindlich. Nach ca. 2-3 Monaten in der Fremdunterbringung ist eine Reflexion der Eingangsphase im Rahmen einer Helferkonferenz vorgesehen, in der die gemeinsam getroffenen Zielvereinbarungen und Maßnahmen reflektiert werden. 5

6 2.4 Sozialpädagogisches Leitbild In den Kinder- und Jugendwohngemeinschaften St. Martin bemühen sich die SozialpädagogInnen darum, über professionell gestaltete persönliche Beziehungsangebote neues Vertrauen zu entwickeln. Dabei werden für jedes Kind/Jugendlichen individuell abgestimmte Persönlichkeit fördernde Ansätze entwickelt, die in einem ganzheitlich ausgerichteten Betreuungskonzept umgesetzt werden sollen. Das Entwicklung fördernde Klima einer Lebensgemeinschaft soll die Kinder/Jugendlichen dabei ermutigen, sich ehrlich und konstruktiv mit den eigenen Themen zu beschäftigen. Positive Beziehungserfahrungen, vertrauensbildende pädagogische Maßnahmen und sinngebende Strukturen im Alltag sind Voraussetzungen dafür, dass der persönliche Lebens- und Bildungsprozess gelingen kann. Um Perspektiven einer eigenverantwortlichen Lebensbewältigung zu entwickeln, wird die Stärkung der Eigenverantwortung und die Erhöhung der Selbstgestaltungsfähigkeit für den eigenen Lebensbereich bereits in den alltäglichen Prozessen eingeübt. Gleichzeitig sollen die Kinder/Jugendlichen Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten gewinnen, um ihre individuellen Entwicklungspotentiale zu optimieren. Ein wichtiges Ziel des pädagogischen Bemühens besteht darin, elementare Fähigkeiten des Sozialverhaltens zu vermitteln und die Gemeinschaftsfähigkeit auch durch freizeit- und erlebnispädagogische Angebote zu fördern. Durch die pädagogische Vermittlung von Orientierungswissen und neuen Lernarrangements im Rahmen gruppendynamischer Prozesse soll eine Entwicklung eingeleitet werden, die es Kindern/Jugendlichen langfristig ermöglicht, ihre belastenden Denk- und Handlungsmuster selbst zu verändern, um Konflikte gewaltfrei lösen zu lernen. Dem sozial- integrativen Ansatz verpflichtet, müssen die erworbenen Kompetenzen auch außerhalb unserer Einrichtung in den Institutionen und Handlungsräumen unserer weithin jugendkritischen Gesellschaft erprobt werden. So kann soziale Akzeptanz erfahrbar gemacht werden und die schulische oder berufliche Integration gelingen. Damit Kinder/Jugendliche lernen können, Verbindlichkeiten herzustellen und Verantwortung für ihren Lebensbereich zu übernehmen, bemühen sich die SozialpädagogInnen darum, sinnorientierte und partizipative Impulse in der eigenen Lebensgemeinschaft anzubieten. Kinder/Jugendliche erfahren dabei, dass sie selbst ernst genommen werden und dass ihre Beiträge je nach Bedarfs- und verfügbarer Ressourcenlage Berücksichtigung finden. Eine Fortsetzung dieses Partizipationsgedankens findet sich in den regelmäßig stattfindenden Helferkonferenzen, wo die BetreuerInnen mit den Kindern/Jugendlichen, den Eltern, den VertreterInnen der JUWO individuelle Hilfepläne erstellen und eine gemeinsam getragene Lösung suchen. Im Bedarfsfall wird auch die multiprofessionelle Vernetzung aktiviert, um ein besseres Fallverstehen zu gewährleisten und um stabile Perspektiven für eine gelingende Lebensführung unserer Kinder/Jugendlichen zu ermöglichen. 6

7 2. Sozialpädagogische Betreuungsangebote 2.1 Kinderwohngemeinschaften Bay 1 und 2 Bay 1 und 2 sind sozialpädagogische Wohngemeinschaften für Mädchen und Buben im Pflichtschulalter. Kinder, die Probleme in ihrem familiären, schulischen und sozialen Umfeld haben, wird ein ganzheitlich ausgerichtetes Betreuungssetting zur Verfügung gestellt. Die Begleitung erfolgt durch ein gemischtgeschlechtliches Team mit fachspezifischer Ausbildung, bestehend aus einem Leiter, acht BetreuerInnen und zwei Haushälterinnen. Die Wohngemeinschaften verstehen sich als Lebensgemeinschaft und sind ganzjährig rund um die Uhr besetzt. Durch die kontinuierliche Anwesenheit der Haushälterinnen wird die familienähnliche Struktur von Bay verstärkt. Bay möchte Kindern eine längerfristige Unterbringung bieten, in der sich jedes Kind auf seine Art wohl fühlen kann. In professionell gestalteten persönlichen Beziehungen versuchen wir Kinder individuell, ressourcenund lösungsorientiert zu fördern und ganzheitlich zu unterstützen. 2.2 Jugendwohngemeinschaften 1 und 2 In den zwei Jugendwohngemeinschaften wohnen und leben jeweils 6 männliche Kinder/Jugendliche im Alter von Jahren. Betreut werden die Kinder/Jugendlichen von jeweils drei erfahrenen und ausgebildeten SozialpädagogInnen, unterstützt durch jeweils eine Haushälterin. Die Wohngemeinschaften verstehen sich als Lebensgemeinschaften, in denen ein gelingendes Zusammenleben in einer gemeinsam getragenen Verantwortung erfahrbar wird. In den regelmäßig stattfindenden Einzelund Gruppengesprächen mit den Kindern/Jugendlichen lernen die Kinder sukzessive, sich aktiv in Planungs- und Entscheidungsprozesse einzubringen, Verbindlichkeiten herzustellen und die gemeinsam getroffenen Vereinbarungen einzuhalten. Dies betrifft auch die Übernahme und Erledigung von anfallenden Arbeiten im Haushalt. Ergeben sich bei der beruflichen Integration Wartezeiten, sind Arbeitserfahrungen als Überbrückung auch im Zentrum St. Martin vorgesehen. In dem Entwicklung fördernden Klima der einzelnen Gruppen können die individuellen Fähigkeiten und sozialen Kompetenzen aber auch Grenzen der Kinder/Jugendlichen erprobt und die unterschiedlichen Bedürfnisse und Interessen entsprechend berücksichtigt werden. 7

8 3.2.1 Gangway Aufbauend auf die Betreuung in den Wohngemeinschaften bietet das Zentrum St. Martin für Jugendliche auf dem Weg zur Selbständigkeit eine weitere Betreuungsform im Rahmen der vollen Erziehung an. Die Gangwayzimmer sind separate, komplett ausgestattete Wohnungseinheiten innerhalb des Zentrums, die einen attraktiven Anreiz für Jugendliche bieten, ihren Lebensbereich weitgehend eigenverantwortlich zu gestalten. Altersgemäße Rahmenbedingungen erlauben den Jugendlichen sich in erweiterten Handlungsräumen zu erproben und diese zu verantworten. Ziel ist es, die Jugendlichen auf ein selbständiges und sinnerfülltes Leben in unseren Außenwohnungen oder auf ein Leben außerhalb unserer stationären Einrichtung vorzubereiten. Betreut werden die Jugendlichen vom Betreuungsteam der jeweils Fall führenden Wohngemeinschaft. Diese Wohnform kann auch von jenen Jugendlichen in Anspruch genommen werden, die direkt von den Jugendwohlfahrtsreferaten vermittelt werden. Normalerweise ist aber eine Vorbereitungsphase in einer Wohngemeinschaft vorgesehen. Voraussetzung ist jedoch das Bestehen eines Beschäftigungsverhältnisses bzw. der Besuch einer weiterführenden Schule und eine altersgemäße Alltagskompetenz, die eine sukzessive Entwicklung zu einer eigenverantwortlichen Lebensführung erwarten lässt. Sollte sich das Anforderungsniveau als nicht realisierbar erweisen, ist eine Aufnahme in die Wohngemeinschaft vorgesehen Betreutes Außenwohnen Einen weiteren Schritt zu einer eigenverantwortlichen und selbständigen Lebensführung bietet das Zentrum St. Martin mit der Betreuung von Jugendlichen in einer Außenwohnung im Rahmen der vollen Erziehung. Geeignet erscheint diese Wohnform für jene Jugendlichen, die in den Gangwayzimmern bereits die Selbstgestaltungsfähigkeit für den eigenen Lebensbereich verantwortungsbewusst wahrgenommen haben. Die Außenwohnungen werden im Raum Schwaz angemietet um die pädagogische Begleitung und den regelmäßigen Kontakt der Jugendlichen mit den BetreuerInnen zu erleichtern. Auch in diesem Rahmen arbeitet das Betreuungsteam der Fall führenden Wohngemeinschaft mit den Jugendlichen eng zusammen, um gemeinsam stabile Perspektiven für eine gelingende Lebensbewältigung entwickeln zu können. Bei einer ständigen Überforderung des Jugendlichen ist auch hier die Rückkehr in ein Gangwayzimmer oder in die Wohngemeinschaft vorgesehen. 8

9 4. Instrumentarium 4.1 Interne Kommunikation Täglich dokumentierte Dienstübergabe (reservierte Dienstzeiten) Hausforum: Regelmäßige Besprechung aller Betreuungsteams mit dem Leiter Teaminterne Arbeitsgespräche der BetreuerInnen (fallweise mit dem Leiter) Fallbesprechungen für ein besseres Fallverstehen Einzel- und Gruppengespräche der BetreuerInnen mit den Kindern/Jugendlichen Besprechungen der Haushälterinnen (fallweise mit dem Leiter) 4.2 Externe Kommunikation Aufnahmeprotokolle Protokollierte Helferkonferenzen bzw. Entwicklungsberichte Individuelle Hilfepläne, Betreuungskonzepte und Zielvereinbarungen Abschlussberichte Vernetzungsgespräche mit externen Systempartnern (Kindergarten, Schule, Arbeitgeber, TherapeutInnen, Klinik, etc.) Vernetzungsgespräche mit SozialarbeiterInnen und LeiterInnen der JUWO - Referate IGSWG - Gesprächsforen mit den stationären JUWO-Einrichtungen Tirols 4.3 Externe Unterstützungsangebote (Auswahl) Zusätzliche erlebnis- und freizeitorientierte Angebote Künstlerische und kreative Impulsveranstaltungen Im Bedarfsfall stehen auch folgende Ressourcen zur Verfügung: Therapeutische Angebote Zusätzlicher Förderunterricht 4.4 Qualitätssicherung Einzel-, Team- und Fallsupervision Fachspezifische interne und externe Fort- und Weiterbildungsangebote Arbeitskreise zu aktuellen Themen MitarbeiterInnen - Gespräche Dokumentationen, Berichte, Statistiken 9

10 5. Impressum Für den Inhalt verantwortlich: Georg Kiechl Leiter des Sozialpädagogischen Zentrums St. Martin Dr. Armin Kammerer Sozialpädagoge im Sozialpädagogischen Zentrum Kontakte: Sozialpädagogisches Zentrum St. Martin St. Martin Schwaz Österreich Phone: 05242/62402 Fax: 05242/ Home: 10

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