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1 I N F O R M A T I O N zur Pressekonferenz mit Landesrat Rudi Anschober Martin Bebiak, Analyst Candole Partners, Prag Jan Ondrich, Analyst Candole Partners, Prag 10. Dezember 2013 zum Thema "Neue Studie tschechischer Analysten belegt: Finanzierung von Temelin-Ausbau unter derzeitigen Marktbedingungen unmöglich dramatische wirtschaftliche Konsequenzen!" Rückfragen-Kontakt: Mag. a Tina Schmoranz ( ) oder ( )

2 LR Rudi Anschober Seite 1 "Neue Studie tschechischer Analysten belegt: Finanzierung von Temelin-Ausbau unter derzeitigen Marktbedingungen unmöglich dramatische wirtschaftliche Konsequenzen!" Die neue, heute in Linz vorgelegte Studie der Analysten von Candole & Partners zum geplanten Bau eines dritten und vierten Reaktorblocks in Temelin ist ein einziger Appell, die Ausbaupläne wegen vollständiger Unwirtschaftlichkeit, drohender Strompreiserhöhungen und negativer Auswirkungen auf Bauherren CEZ sofort zu beenden. Denn die neue Studie belegt, dass für Strom aus Temelin 3 & 4 ein garantierter Abnahmepreis von 108 Euro/MWh bezahlt werden müsste - dies ist der dreifache Strombörsepreis. Indexgesichert auf 35 Jahre. Pro Jahr rechnet die Studie mit erforderlichen Subventionen von einer Milliarde Euro, dadurch mit einem stark steigenden Strompreis sowie schweren wirtschaftlichen Problemen für CEZ. Oberösterreichs Umwelt-Landesrat Rudi Anschober, der die Studie mitbeauftragt hat, will den Inhalt der Studie möglichst stark unter Meinungsträgern und der Öffentlichkeit Tschechiens bekannt machen. Gleichzeitig wird die Vorentscheidung über dieses Milliardengrab in den kommenden sechs Monaten von der EU-Wettbewerbskommission getroffen. Sie muss nach Vorlage des Projektes Hinkley Point, dem aktuellen britischen AKW-Projekt, bis kommenden Sommer überprüfen, ob ein derartiger Contract for Difference mit einem strike price, wie in Hinkley Point und Temelin geplant, mit den Wettbewerbsregeln vereinbar ist. Anschober: "Die Kommission muss diese Bankrotterklärung der Atomlobby stoppen. Allerdings ist der Druck aus Großbritannien, Frankreich, Tschechien und anderen Pro-Atom-Ländern enorm, denn es geht um Ende oder Renaissance der Atomenergie in der EU. Österreichs Bundesregierung muss daher schon jetzt eine Klage gegen eine allfällige

3 LR Rudi Anschober Seite 2 Genehmigung ankündigen, um diese vor den unabhängigen EuGH zu bringen. Um die vielen Kritiker in der Kommission zu stärken, muss die Österreichische Bundesregierung die Klage als sichtbare Festlegung im Regierungsübereinkommen niederschreiben. Dann haben wir eine gute Chance, den drohenden Subventions-Wahnsinn zu stoppen und den Einstieg in den europäischen Atomausstieg zu schaffen. Denn ohne Subvention wird es keine AKW-Neubauten mehr geben. Und ohne Neubauten wird der Anteil und die Bedeutung der Atomenergie laufend abnehmen. Eine historische Weichenstellung für die EU." Ohne Förderung in Form der so genannten "garantierten Einspeisetarife" den "Contracts for Difference (CfD) kann Temelin nicht ausgebaut werden das hat der Chef-Stratege der Temelin- Betreiberfirma CEZ, Pavel Cyrani, Anfang Dezember in einem Interview in Prag festgehalten. Und dennoch argumentieren die Befürworter eines Ausbaus des AKWs Temelin damit, dass der Nutzen aus der Errichtung der zwei neuen Reaktor-Blöcke, die Kosten übersteigen, die von den Verbraucher/innen getragen werden müssen. Arbeitsplätze, ein höheres Bruttoinlandsprodukt, Unterstützung der Exportwirtschaft, ein höheres Niveau an Energiesicherheit und niedrige Strompreise, damit werben CEZ und die Tschechische Regierung für das Milliardengrab Temelin-Ausbau. Die Studie Temelinomics 2 von Georgi Vukov, Finanzanalyst, spezialisiert auf Finanzmodelle in der Energie- und Versorgungswirtschaft bei Candole Partners in Prag, kommt zum Ergebnis, dass der Temelin-Ausbau fallen gelassen werden muss die enormen Förderungen, die an den Betreiber CEZ fließen müssten, würden bei weitem die steigenden Dividenden und Steuereinnahmen überragen. Die Studie verbannt somit die Argumentation der Atomindustrie, dass der Ausbau von Temelin eine

4 LR Rudi Anschober Seite 3 finanzpolitische Maßnahme zur Verbesserung der Wirtschaft sei, in das Reich der Mythen. Warum muss der Temelin-Ausbau gefördert werden? Der Strompreis für den/die Endverbraucher/in setzt sich aus dem Großhandelspreis für Energie, dem Netztarif und aus Steuern und Abgaben zusammen. Der/die Stromproduzent/in verkauft seine Produktion den Stromanbietern auf dem Markt zum Großhandelspreis. Dieser wird, auf einem Markt mit variablen Herstellungskosten, festgelegt durch das teuerste Angebot zur Deckung der Nachfrage zu einem bestimmten Zeitpunkt. Dieser Preis ist für alle Produzenten gleich. Die niedrigsten variablen Herstellungskosten haben Solar- und Windenergie. Dieses System funktionierte problemlos, solange im europäischen Energie-Mix die Kapazität der erneuerbaren Energien gering war und die Stromnachfrage stieg. Die Strompreise fielen selten unter 50 Euro/MWh und in den Spitzen stiegen sie über 80 Euro/MWh. Die AKWs waren unter diesen Bedingungen fähig, eine Produktionsmarge zu generieren, die hoch genug war, um die indirekten Betriebsförderungen - beispielsweise in Form von willkürlich festgelegten Versicherungslimits oder Kreditgarantien - nicht auffallen zu lassen. Mit einem immer stärker werdenden Anteil an erneuerbaren Energien am europäischen Strommarkt verringern sich die Gewinnmargen der AKWs, sodass sie es kaum schaffen, ihren Betrieb zu finanzieren. Dies ungeachtet der Investition in einen Ausbau vom Reaktoren, denn die Kombination aus hohen Investitionskosten und langen

5 LR Rudi Anschober Seite 4 Bauzeiten birgt ein Investitionsrisiko, sodass keine Bank unter kommerziellen Bedingungen den Bau eines AKWs finanzieren würde. Wie soll der Ausbau von Temelin 3 & 4 gefördert werden? Ohne öffentliche Förderung können Temelin 3 & 4 nicht errichtet werden. Die in Frage kommende Form der Förderung sind Preisgarantien, so genannte "Contracts for Difference (CfDs)". In diesem System garantiert der Staat dem Investor einen minimalen Kaufpreis für den Strom aus den neuen AKW-Blöcken und verpflichtet sich damit, den Unterschied zwischen dem garantierten Preis und dem Preis, den der Produzent im Großhandel erzielen konnte, zu tragen. Zudem ist der vom Staat garantierte Preis an den Verbraucherpreisindex angepasst und steigt somit jährlich. Es wird damit argumentiert, dass die geplanten Förderungen für AKWs nur eine veränderte Version der Förderungen für erneuerbare Energien sind und beides zu rechtfertigen sei. Die Studie der tschechischen Analysten weist hier aussagekräftig auf die Unterschiede der beiden Energieformen hin. Die Förderungen für erneuerbare Energien sind darauf angelegt, eine Unterstützung bis zur Marktreife zu sein, die Vertragsdauer ist wesentlich kürzer und die Entwicklung geht einher mit technologischen Verbesserungen, die sich auch auf die Rentabilität auswirken. Abbildung 1 stellt die Ergebnisse einer kürzlich veröffentlichten Studie der Boston Consulting Group dar, die vorhersagt, dass bis ins Jahr 2020 Solarund Windenergie im Vergleich zu konventionellen Energiequellen konkurrenzfähig sein werden. Zugleich werden die Produktionskosten für Atomenergie steigen.

6 LR Rudi Anschober Seite 5 Die Förderung für Temelin 3 & 4 wird zu keinen technischen Verbesserungen der Atomtechnik führen, denn die Preisgarantie enthält keinen Anreiz dafür. Dies lässt sich einfach nachweisen. Abbildung 2 zeigt, dass die Baukosten für amerikanische AKWs in den letzten Jahrzehnten konstant angestiegen sind. Abbildung 1. (c) Candole Research, Temelinomics2. Abbildung 2. (c) Candole Research, Temelinomics2.

7 LR Rudi Anschober Seite 6 Wieviel würde die Subvention des Temelin-Ausbaus kosten? Die Studie Temelinomics 2 zeigt, dass ein Fördersystem für die neuen Reaktorblöcke in Temelin durch Preisgarantien (CfDs), wie es bereits von der tschechischen Regierung vorgeschlagen wurde, die Wirtschaft des Landes schädigen würde. Aus den Analysen der Studie geht hervor, dass der garantierte Strompreis bei 108 Euro/MWh liegen und die Förderung auf 35 Jahre Laufzeit ausgerichtet sein muss, damit der Temelin-Betreiber CEZ die neuen Reaktorblöcke errichten kann. Das ist um fast 70 Euro/MWh mehr, als der heutige Großhandelsstrompreis. Ein solches Modell würde den Wert der Betreiberfirma CEZ, an der der tschechische Staat Mehrheitseigentümer ist, zerstören und somit zur Vernichtung von 4,5 Milliarden Euro an Steuergeldern beitragen. Diese enorme Summe kommt zustande, da die Gesamtkosten des Temelin-Ausbaus (Betriebskosten, Kapitalkosten, Stilllegung, Brennstoffkosten etc.) höher sein werden, als die Einkünfte, die die Betreiberfirma CEZ auf dem freien Markt erwirtschaften kann. Abbildung 3 zeigt den Netto-Kapitalwert (NPV) des Projekts zum Temelin-Ausbau mit unterschiedlichen Annahmen für die vom tschechischen Staat geplante Preisgarantie für Strom aus den neuen Temelin-Blöcken.

8 LR Rudi Anschober Seite 7 Abbildung 3. (c) Candole Research, Temelinomics2. Rechnet man mit einer Inflationsrate von 2 Prozent, wird der garantierte Strompreis zum Zeitpunkt der vorausgesetzten Inbetriebnahme der neuen Temelin-Blöcke im Jahr 2026 bei 140 Euro/MWh liegen, und sich während der Laufzeit der Förderung nochmals verdoppeln. Den Berechnungen von Candole und Partners zufolge werden die tschechischen Stromverbraucher/innen für die Förderung von Temelin 3 & 4 rund 1 Milliarde Euro jährlich bezahlen (in Preisen 2013) - und das 35 Jahre lang. Diese Summe ist gleichzusetzen mit 0,67 Prozent des tschechischen Bruttoinlandsproduktes oder auch mit 15,97 Prozent der Bildungsausgaben beide Vergleichszahlen aus dem Jahr Laut Studie sind durch den Temelin-Ausbau höhere Belastungen für die Steuerzahler zu erwarten. Dies aufgrund der Tatsache, dass die Wirtschaftskraft der Betreiberfirma CEZ jedenfalls durch die extrem hohen Kapitalkosten des Projekts signifikant geschwächt wird, Mehrheitseigentümer (70%) von CEZ ist der Staat. (Abbildung 4).

9 LR Rudi Anschober Seite 8 Abbildung 4. (c) Candole Research, Temelinomics2. Die Studie von Candole und Partners zeigt auf, dass CEZ auch bei einem garantierten Einspeisetarif von 108 Euro/MWh auf 35 Jahre, signifikante Zahlungsschwierigkeiten während der Ausbauarbeiten für Temelin 3 & 4 zu erwarten hat. Durch hohe Bindungen bis 2025, laufende Investitionsaufwendungen und dann zusätzliche Investitionskosten für den Temelin-Ausbau würde der Schuldenstand auf ein Vierfaches gegenüber jenem aus 2009 steigen (siehe Abbildung 5). Abbildung 5. (c) Candole Research, Temelinomics2.

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