Wo Güte und Liebe, da wohnet Gott

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1 Pfarrbrief 38. Jahrgang Oktober 2010 Wo Güte und Liebe, da wohnet Gott Caritas Ökumene Kirchenkunst Ortsgeschichte Termine

2 Inhalt In dieser Ausgabe lesen Sie: Impulsseite Ubi caritas 03 Editorial 05 Tat-Wort 06 Fachdienst Soziale Dienste 08 Grüß Gott, ich bringe Ihr Essen! 09 Alle Jahre zweimal wieder 10 Eindrücke vom ASZ am Wasserturm 11 Bündnis München Sozial = 1 14 Sieben auf einen Streich 16 Kirchenkunst Die Apostelfiguren 17 Geschichte Die Kirche im Dorf 20 Kirchenmusik unter neuer Leitung 22 Fast eine Heilige: Mutter Teresa 23 Termine und Veranstaltungen 24 Der Kleine Quirin Glocken läuten 28 Impressum Redaktion: Dr. Klaus Bichlmayer (kb), Klaus Götz (kg), Max Geierhos (mg), Edith Matyschik (em), P. Abraham Nedumthakidy (an) Herausgeber: Pfarrgemeinderat St. Quirin, Ubostraße 5, München V. i. S. d. P.: Dr. Klaus Bichlmayer, Walter-Schnackenberg-Weg 11, München, Tel Druck: Geißelberger, Altötting; Auflage: 2900 Redaktionsschluss für die nächste Ausgabe: 23. November 2010 Der Pfarrbrief erscheint auch im Internet unter Seelsorgeteam St. Quirin P. Abraham Nedumthakidy, Pfarradministrator Tel P. Paul Pathiyamoola, Kaplan Tel Gerhard Liebl, Gemeindereferent Tel Unser Pfarrbüro erreichen Sie unter: Tel Pfarrbrief St. Quirin

3 Impulsseite Ubi caritas Liebe Gemeinde! Lasse nie zu, dass du jemandem begegnest, der nicht nach der Begegnung mit dir glücklicher ist. Nächstenliebe beginnt heute. Diese beiden kurzen Äußerungen von Mutter Teresa, die am 26. August hundert Jahre alt geworden wäre, führen uns direkt ins Zentrum unseres Glaubens. Das Evangelium, die Frohbotschaft Jesu, ist ein einziger Aufruf zur Gottes- und Nächstenliebe. Ubi caritas et amor, deus ibi est. Wo Güte und Liebe, da wohnet Gott, heißt es in einem Kehrvers aus unserem Gotteslob. Das uns allen vertraute Wort Caritas, das wir vor allem als Bezeichnung einer Organisation der katholischen Kirche kennen, wird hier mit Güte übersetzt. Caritas, das heißt die Liebe und Güte dem Nächsten gegenüber, hat ihren Ursprung in der Liebe Jesu Christi zu uns. Sein ganzes Leben ist davon gekennzeichnet. Jesus verkündet aber nicht nur die Frohbotschaft vom Reich Gottes. Das wäre für ihn zu wenig. Zu seinem Wort gehört auch immer der Dienst für die Menschen, denen er begegnet, die zu ihm kommen. Jesus macht unmissverständlich klar, dass der Glaube nichts nutzt, wenn er keine Werke vorzuweisen hat. Welchen Wert hat die beste Theologie, wenn nichts geschieht? Jede Feier des Gottesdienstes verbindet uns auf ganz besondere Weise mit Gott, aber diese Verbindung muss sich bewähren, sie muss sichtbar werden, wenn wir die Kirche verlassen und unseren Mitmenschen begegnen. Was wir im Gottesdienst verkünden und feiern, darf nicht nur auf die Zeit nach unserem irdischen Leben vertrösten, es darf auch nicht nur in die Ferne gehen, nein, die Güte und Liebe Gottes muss durch uns in unserer unmittelbaren Umgebung erfahrbar werden. Wir alle kennen das Gleichnis vom barmherzigen Samariter. Es ist gleichsam das Hohe Lied der Nächstenliebe. Erst als er den Mann, der unter die Räuber fiel, gut versorgt weiß, ist der Samariter zufrieden. Für sein Ziel ist er ohne Zögern bereit, Zeit und Geld zu investieren. Immer wieder macht Jesus seinen Zuhörern deutlich, dass die Liebe zu den Nächsten das Entscheidende ist. Was ihr für einen meiner geringsten Brüder getan habt, das habt ihr mir getan. Oder seine Mahnung beim letzten Abendmahl: Liebt einander, wie ich euch geliebt habe. Hier geht es nicht um ein schönes Gefühl. Hier geht es um eine Liebe, die sich um den anderen sorgt mit Herz und Hand. Hier geht es darum, Gottes Liebe weiterzutragen. Dieser Auftrag ist nach 2000 Jahren immer noch aktuell, auch in einem Sozialstaat, zu dessen Aufgaben es gehört, Menschen, die Hilfe benötigen, diese Hilfe zu gewähren. Wir sind als Gemeinde, aber auch als einzelne Christen gefragt, die Menschen am Rande unseres Lebensweges wahrzunehmen. Wir müssen sehen, wer uns braucht. Nicht immer liegen die Menschen, die unter die Räuber oder unter die Räder gekommen sind, wie beim barmherzigen Samariter mitten auf der Straße. Es kann Pfarrbrief St. Quirin 3

4 durchaus sein, dass wir nach ihnen suchen müssen, nach ihnen fragen, weil sie sich mit ihrem Leid, mit ihren Nöten und ihren Verletzungen zurückgezogen haben: Menschen, die aus den sozialen Netzen fallen, weil sie mit ihren Lebensaufgaben körperlich, psychisch und oft finanziell überfordert sind; Menschen, die nie wirklich in unserer Gesellschaft angekommen sind, weil sie dazu keine Chance hatten. Selbstverständlich kann sich nicht jeder aktiv an einer sozial-caritativen Gruppe beteiligen. Vielleicht hat er dafür aber die Möglichkeit, sich finanziell einzubringen. Ich möchte es nicht versäumen, allen sehr herzlich zu danken, die durch ihren ganz konkreten Einsatz die Liebe Gottes in ihrer Umgebung aufscheinen lassen. Ubi caritas et amor, deus ibi est. Oder um mit Mutter Teresa zu sprechen: Lasse nie zu, dass du jemandem begegnest, der nicht nach der Begegnung mit dir glücklicher ist. Ihr Pater Abraham Nedumthakidy, Pfarrer Wenn auch nur zu Besuch: Die Störche sind zurück in St. Quirin normalerweise ein gutes Zeichen! (Foto: Herbert Flammensbeck, aufgenommen am 20. September 2010) 4 Pfarrbrief St. Quirin

5 Editorial Liebe Leserinnen, liebe Leser, Not hat viele Ursachen und viele Gesichter.Krankheit und Pflegebedürftigkeit, schwierigste wirtschaftliche Verhältnisse wegen drückender Schulden oder Arbeitslosigkeit oft erfahren wir gar nicht, wenn jemand davon betroffen ist, weil die Notlage aus Scham verschwiegen wird. Die Not des Nächsten erkennen und helfend handeln ist ein Gebot der Nächstenliebe und das fundamentale Anliegen der Caritas. Jedes Jahr rückt die Caritas ihr Bemühen um benachteiligte und hilfsbedürftige Mitmenschen besonders Ende September ins Bewusstsein. Haus- und Straßensammlungen sollen nicht nur Geld für gute Zwecke einbringen, sondern auch eine breitere Öffentlichkeit sensibilisieren. Der von der katholischen Kirche alljährlich gefeierte Caritas-Sonntag stand 2010 unter dem Motto der Jahreskampagne Experten fürs Leben und nahm besonders die älteren Mitmenschen in den Blick. Bei der zentralen Feier am 19. September in Fulda mahnte der Präsident des Deutschen Caritasverbandes, Prälat Dr. Peter Neher, eine neue Bewusstseinsbildung an und forderte : Im Gegensatz zu defizitorientierten Altersbildern sollte das Augenmerk viel stärker auf den Potenzialen liegen, die ältere Menschen haben. Wir wollen Ihnen mit dem neuesten Pfarrbrief die Organisation Caritas näher bringen. Deshalb beschäftigen wir uns in mehreren Artikeln mit den vielfältigen Aufgaben, Angeboten und Diensten der Caritas insbesondere in unserem engeren Umkreis. Wir verbinden damit die Hoffnung, für den einen oder anderen Leser die bisher eher im Verborgenen tätige Wohlfahrtsorganisation aus der Anonymität zu holen und Berührungsängste abzubauen. In der Evangelischen Adventsgemeinde trat ein neues Pfarrerehepaar an, St. Quirin bekam einen neue Organistin und eine neue Chorleiterin. Wir stellen Ihnen die Neuen in Wort und Bild vor. Anlässlich ihres 100. Geburtstages widmen wir Mutter Teresa einen Beitrag, auch wenn sie noch nicht als Heilige kanonisiert ist. Zum Festjahr 1000 Jahre Aubing steuern wir einen Artikel bei, der das Zusammenwirken von Kirche und politischer Gemeinde beleuchtet. Und der Kleine Quirin erklärt uns, was das Läuten der Kirchenglocken bedeutet. Hoffentlich können wir mit dieser Zusammenstellung wieder Ihr Interesse wecken. Viel Freude beim Lesen wünscht Ihnen Ihre Pfarrbriefredaktion Pfarrbrief St. Quirin 5

6 Caritas Tat-Wort Unser Redaktionsmitglied Klaus Götz sprach mit dem Direktor des Caritasverbandes der Erzdiözese München und Freising, Prälat Hans Lindenberger. kg: Der Caritasverband entwickelte sich zu einem der größten Wohlfahrtsverbände in der Bundesrepublik Deutschland. Seit wann existiert der Verband, was war der Anlass zu seiner Gründung und wer war der Initiator? Hans Lindenberger (hl): Der Deutsche Caritasverband wurde 1897 durch Prälat Dr. Lorenz Werthmann gegründet. Sein Anliegen war der Zusammenschluss der vielen katholischen sozialen Einrichtungen und Dienste, um als 6 Caritas der Kirche mit vereinter Kraft in Politik und Gesellschaft auftreten zu können. kg: Inzwischen beschränkt sich die Caritas mit Ihren Hilfsangeboten nicht mehr nur auf Deutschland. Welche Aufgaben erfüllt der Caritasverband heute im In- und Ausland? hl: Zu den Aufgaben des Caritasverbandes mit all seinen Mitgliedern gehört die Hilfe für Menschen in Not. Er versteht sich als Anwalt und Partner benachteiligter Menschen und verschafft deren Anliegen und Nöten Gehör. Der Verband fördert das soziale Bewusstsein in der Gesellschaft und gestaltet die Sozial- und Gesellschaftspolitik mit. Die Caritas verwirklicht ihren Auftrag ferner, indem sie die Trägerschaft von Einrichtungen und Diensten übernimmt, z. B. berufsbildende Schulen, Werkstätten und Wohnheime für behinderte Menschen, Altenpflegeheime, Sozialstationen, Beratungsdienste von der Aids- bis zur Schuldnerberatung, Migrationsdienste, Kindertagesstätten und ein Kinderdorf um nur einige Stichworte zu nennen. (siehe auch: Die Caritas international engagiert sich in einem Netzwerk von über 160 Ländern und hilft Menschen, die von Krisen und Armut betroffen sind, aktuell z. B. den Flutopfern in Pakistan. kg: Wie viele bezahlte Mitarbeiter beschäftigt ihr Diözesanverband und welchen Anteil haben ehrenamtliche Helfer an der Erfüllung der Aufgaben der Caritas? hl: In eigenen Einrichtungen und Diensten unseres Diözesanverbandes sind derzeit ca Frauen (83%) und Männer beschäftigt. Bei all unseren Mitgliedern (z. B. Fachverbände wie die Kath. Jugendfürsorge) gibt es nochmals ca. Pfarrbrief St. Quirin

7 Mitarbeitende. Diese Zahlen lassen etwas vom großen sozialen Engagement der kath. Kirche erahnen. Beginnend in den Pfarrgemeinden mit ihren freiwillig-engagierten Leuten in der Gemeindecaritas bis zur Mithilfe in den vielen Einrichtungen und Diensten (ob nun in einem Altenheim oder einer Flüchtlingsunterkunft) sind Ehrenamtliche herzlich willkommen und unentbehrlich. kg: Viele Menschen kennen die Caritas nur durch die Haus- und Straßensammlungen. Wie hoch ist das Spendenaufkommen und aus welchen anderen Quellen finanziert sich die Caritas? hl: Das Spendenaufkommen bei den Caritas- Sammlungen liegt jährlich bei etwa 5,6 Millionen Euro. Dieses Geld bleibt vor Ort: 40% in den Pfarreien, 60% in den örtlichen Caritas- Zentren. Die Caritas finanziert sich über Leistungsentgelte durch die Kassen, die öffentliche Hand, Kirchensteuer und weitere Spenden und Vermächtnisse, auf die wir dringend angewiesen sind. kg: Herr Lindenberger, Sie sind seit dem Direktor des Caritasverbands der Erzdiözese München und Freising e.v. Wie gestaltet sich bei Ihnen ein ganz gewöhnlicher Arbeitstag? hl: Meine Tage sind geprägt durch Kommunikation verbandsintern wie nach außen hinein in Gesellschaft und Kirche: Vorstandsaufgaben mit meinen Kollegen, Gremien, Arbeitsgruppen, Einzelgespräche, Postbearbeitung, Besuche von Einrichtungen und natürlich Gottesdienste, Predigten, Fest- und Fachvorträge. Jeder Tag hat sein eigenes Gesicht, immer neu spannend. kg: Welche Highlights waren Ihnen in Ihrer Tätigkeit vergönnt? hl: Drei Höhepunkte will ich erwähnen: Die Gründung des Caritas-Ethikrats in unserer Erzdiözese. Er unterstützt die Mitarbeitenden, die in der Pflege in der Alten- und Behindertenhilfe tätig sind, bei ethischen Fragen, die sich in der Praxis stellen. Das Projekt Christliche Hospiz- und Palliativkultur zur Unterstützung und Weiterentwicklung der christlichen Abschiedskultur und Sterbebegleitung, an dem ca. 60 Einrichtungen und Dienste teilnehmen, übrigens finanziert durch eine Million Euro Kirchensteuer. Die Neufassung der Satzung unseres Caritasverbands vor einem Jahr. Dahinter stand ein intensiver Erarbeitungsprozess mit unseren Mitgliedern bis hin zum Diözesanrat und den Ehrenamtlichen. Neben solchen Highlights kommt es aber entscheidend auf die täglich geleistete Caritasarbeit unserer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter an. Sie sind Licht für die Menschen! kg: Und wenn Sie eine Vision formulieren sollten, was würden Sie dann sagen? hl: Dass jedes kirchliche Handeln und Sprechen in unseren Pfarrgemeinden, in unserer Erzdiözese erlebbar diakonisch ist und sich an der Not der Menschen orientiert. Dieses caritative Tat-Wort werden die Menschen auch in Zukunft als frohe Botschaft verstehen. Pfarrbrief St. Quirin 7

8 Dienste Caritas-Zentrum München West und Würmtal Fachdienst Soziale Dienste Der Fachdienst umfasst unterschiedliche Arbeitsaufgaben und versteht sich als wichtige erste Anlaufstelle für Menschen in Not. So kann man sich bei allen persönlichen und familiären Schwierigkeiten an die Soziale Beratung wenden, auch bei finanziellen Problemen und Überschuldung, sowie bei Fragen zu gesetzlichen Leistungen, wie Arbeitslosengeld 2, Wohngeld, Pflegegeld usw. Dabei ist die Beratung durch die Sozialpädagoginnen offen für alle Einwohner im Einzugsgebiet des Caritas-Zentrums, gleich welcher Religion oder Weltanschauung sie angehören, und erfolgt wenn nötig in enger Zusammenarbeit mit entsprechenden Fachstellen. Soziale Beratung Für die soziale Arbeit stehen drei Sozialpädagoginnen zur Verfügung. Die telefonische Terminabsprache ist täglich möglich. In einem persönlichen Gespräch wird dann genau geklärt, in welchen Bereichen der Hilfesuchende Unterstützung benötigt. Was kann er selber erledigen, wo bedarf es der Unterstützung durch Fachkräfte und welche weiteren Fachdienste könnten hilfreich sein? Lebensmittelausgabe Ein Unterstützungsangebot für Arbeitslosengeld-2-Empfänger und Menschen mit geringem Einkommen ist die Lebensmittelausgabe. Die Ausgabe findet wöchentlich statt, die Gruppe von ca. 700 Bedürftigen wurde aufgeteilt. Nach der Überprüfung der sozialen Situation in der Sozialen Beratung besteht die Möglichkeit, alle zwei Wochen Lebensmittel zu beziehen, die von Supermärkten über die Münchner Tafel an Bedürftige abgegeben werden. Über Spendengelder können noch Artikel wie Waschpulver oder Kaffee dazugekauft und verteilt werden. Kleiderkammer Ähnlich geregelt ist die Nutzung der Kleiderkammer. Es gibt dort einen großen Bereich unter dem Dach mit Kleidung für Erwachsene und im Keller einen Bereich für Kinderkleidung. Die Kleidung wird von ehrenamtlichen Mitarbeitern sortiert und nach Größen und Bereichen aufgehängt. Auch Schuhe, Gürtel, Handtaschen und Bettwäsche sind im Sortiment zu finden. In der Kinderkleiderkammer werden vereinzelt auch Spielsachen, Schulranzen, Rollschuhe oder Kinderwagen abgegeben. Fachstelle für pflegende Angehörige Menschen, die einen Angehörigen zu Hause pflegen, sind körperlich und psychisch extrem gefordert, oft zu Hause angebunden und nicht selten dadurch einsam und isoliert d. h. sie kommen zu kurz und sind einer ständigen Überforderung ausgesetzt. In der Fachstelle finden pflegende Angehörige Unterstützung und Begleitung. Spezielle Informationen zu demenziellen Erkrankungen, zu Leistungen der Pflegeversicherung, zu Hilfsangeboten rund um die Pflege und regionalen Entlastungsangeboten können durch telefonische und persönliche Beratung abgefragt werden. Hausbesuche und Vorbereitung bzw. Begleitung von Begutachtungsbesuchen durch den Medizinischen Dienst sind möglich. Es gibt eine Angehörigengruppe, die sich monatlich trifft, und im Herbst wird jedes Jahr ein Pflegekurs angeboten. Weiter können Angehörige zur 8 Pfarrbrief St. Quirin

9 Erfahrungen stundenweisen Entlastung zu Hause geschulte Helfer abrufen. Caritas Sozialstation Die Caritas Sozialstation München West und Würmtal bietet Leistungen auf Grundlage der Pflegeversicherung wie Körperpflege, Inkontinenzversorgung und Hauswirtschaftliche Versorgung an, ebenso Wundversorgung, Injektionen, Blutzucker- und Blutdruckmessungen und Verbände. Beratungsbesuche nach 37 SGB XI und Anleitung am Krankenbett nach 45 SGB XI gehören ebenfalls zu unserem Aufgabengebiet. Sollten Sie unsere Hilfe benötigen oder einfach nur eine Beratung brauchen, können Sie sich jederzeit an uns wenden. Unsere Anschrift: Caritas-Zentrum München West und Würmtal, Paul-Gerhardt- Allee 24 / I. Stock, München Unsere Telefonnummer: (089) Nicole Kaller Grüß Gott, ich bringe ihr Essen! Grüß Gott, Frau Meier, ich bringe Ihr Essen! Zuvor habe ich zweimal geklingelt und die Haustür aufgesperrt. Wir haben nämlich einen Hausschlüssel, weil Frau Meier nur ganz schwer gehen kann. So gehe ich durch den Flur in das Schlafzimmer von Frau Meier. Dort sitzt sie wartend auf ihrem Bett und hat mich schon an der Stimme erkannt. Ja, da Vatta kimmt und bringt scho s Essen. Ich hatte ihr mal erzählt, dass ich Vater von drei erwachsenen Kindern bin. Seitdem bin ich bei ihr nur da Vatta. Jeden Tag, an dem ich Frau Meier das Essen bringe, so ziemlich das gleiche Ritual. Und dann gebe ich die heiße Menüschale in die Warmhaltebox und stelle diese wieder auf den Elektroheizspeicherofen und sage: Da hält s noch gut warm, gell! Und Frau Meier ist gleich wieder beim Thema: Mei, es kimmt ja so koana zu mir! Dabei denke ich: eigentlich kommt jeden Tag jemand von Essen auf Rädern, zweimal täglich jemand vom Pflegedienst und mindestens einmal pro Woche zwei Damen zum Ratschen. Auch den Herrn Pfarrer habe ich schon dort angetroffen. Doch wenn man das Haus nicht mehr verlassen kann, ist der Tag schon arg lang und jede Abwechslung willkommen. Und Sie hamt a koa Zeit zum Ratschen, höre ich von Frau Meier, während ich noch die Suppe und die Nachspeise aus meinem Korb nehme und auf dem Tisch so hinrücke, dass Frau Meier alles gut erreichen kann. Ja mei, antworte ich, die andern Leut warten ja auch schon auf mich, drum muaß i jetzt wieder weiter! Also, pfüa Gott, und bis morgen. Danke, bis morgen! So oder ähnlich geht das etwa zwanzig- oder fünfundzwanzigmal an den Vormittagen, an denen ich für die Caritas in Obermenzing das Essen ausfahre. Da bin ich dann etwa drei bis vier Stunden unterwegs. Die meisten unserer Kunden sind alleinstehend, hochbetagt oder pflegebedürftig. Die menschlichen Kontakte sind oft eingeschränkt auf den Besuch von Angehörigen, der Zugehfrau, von Pflege- und Mahlzeitendienst. Nachbarn und Bekannte sind in der Regel auch alt und gebrechlich und haben mit sich selbst zu tun. So sind die ehrenamtlichen Helferinnen und Helfer, die das Essen bringen, für viele Pfarrbrief St. Quirin 9

10 eine willkommene Abwechslung, die nicht nur den Zweck hat, ältere Menschen mit Essen zu versorgen. Und gelegentlich geht auch schon mal ein kleiner Ratsch z samm. Wichtig ist mir dabei, den Leuten freundlich zu begegnen und gelegentlich einen Spaß zu machen, damit wir gemeinsam darüber lachen können. Denn das Lachen ist bei vielen sehr selten geworden. Gustl Martin Alle Jahre zweimal wieder Grüß Gott, ich sammle für die Caritas und bitte Sie um eine Spende. Ich weiß nicht, wie oft ich nun schon an Haus- und Wohnungstüren klingelte und diesen oder einen ähnlichen Satz sagte. Es war und ist immer wieder interessant, wie die Menschen auf der anderen Seite der Türschwelle reagieren. Anfangs, als ich die Sammeltätigkeit neu übernommen hatte, entgegnete man mir oft: Das macht doch der Herr Amrehn! Dann musste ich erklären, dass Herr Amrehn aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr sammelt und ich sein Nachfolger bin. Ruppig abgewiesen wurde ich aber nirgends. Natürlich begegnete ich auch Menschen, die aus den verschiedensten Gründen nichts spendeten. Am angenehmsten empfand ich es dann immer, wenn man mir das ohne Umschweife sagte. Freilich gab es auch einige Fälle, in denen ich mir ausführliche Begründungen anhören sollte oder mit Ausreden wie Ich habe jetzt gerade kein Geld zu Hause, kommen Sie doch morgen wieder. auf einen neuerlichen, aber ebenso nutzlosen Besuch vertröstet wurde. Auch wenn mein Sammelgebiet recht ausgedehnt ist, wusste ich nach einigen Malen, wo ich mein Anliegen nicht vorzubringen brauche und bei welchen Haushalten ich wohl erfolgreich bin. Inzwischen verlangen meinen Ausweis höchstens noch Neuzugezogene, die sich davon überzeugen wollen, dass ich tatsächlich der rechtmäßig bestellte Sammler bin. Oft werde ich jetzt schon mit meinem Namen begrüßt: 10 Aha, der Herr Götz. Ich habe schon auf Sie gewartet. Andere scherzen: Was, Sie schon wieder? Sie waren doch erst neulich da! Dann stelle ich richtig, dass mein letzter Besuch schon ein halbes Jahr zurückliegt. Manchmal wurde ich sogar schon gefragt: Wie viel haben wir denn letztes Mal gegeben? Da muss ich dann natürlich passen, denn bei den zahlreichen Haushalten, die ich abklappere, kann ich mir das nicht auch noch merken. Viel wichtiger für mich zu wissen ist, wann ich jemanden erreichen kann. Komme ich vormittags oder zu früh am Nachmittag, sind die Leute beim Einkaufen oder in der Arbeit, komme ich zu spät am Abend, sind die Türen schon versperrt und werden vielleicht nicht mehr geöffnet. Deshalb muss ich mich auch einigermaßen beeilen mit der Sammlerei. Für längere Unterhaltungen bleibt mir leider keine Zeit und auch die freundlichen Angebote, etwas zu essen oder zu trinken, muss ich meistens dankend ablehnen. Wenn die Sammlungswoche vorbei ist, habe ich nicht nur viel Bewegung in frischer Luft genossen, sondern auch zwischen 80 und 100 Einzelspenden eingenommen, darunter auch durchaus größere Beträge. So kann ich im Pfarrbüro auch schon mal über 1000 Euro abliefern. Und das, finde ich, lohnt die kleine Mühe allemal! kg Pfarrbrief St. Quirin

11 Dringend gesucht: Neue Sammlerinnen und Sammler In einigen Straßenzügen unseres Gemeindegebietes wird nicht für die Caritas gesammelt, weil wir zu wenig Sammlerinnen und Sammler haben. Wenn Sie zweimal im Jahr ein paar Stunden Zeit aufbringen können und gerne mit Menschen zu tun haben, dann melden Sie sich doch bitte im Pfarrbüro als neue Sammlerin oder als neuer Sammler. Sie können damit einen wertvollen Beitrag zur Erfüllung der caritativen Aufgaben der Pfarrei St. Quirin leisten, denn von jedem eingesammelten Euro verbleiben 40 Cent in unserer Pfarrgemeinde. Besucher im Alten- und Service-Zentrum am Wasserturm in Aubing Mehrmals im Jahr habe ich als Vertreterin der Nachbarschaftshilfe Aubing im Alten- und Service-Zentrum (ASZ) am Wasserturm in Aubing zu tun. Schon beim Eintreten fühle ich mich wohl und aufgenommen. Die Räume sind lichtdurchflutet und mit viel Liebe und Geschmack gemütlich und doch funktionell eingerichtet. Im Empfangsbereich herrscht immer reges Leben. Wenn man will, kommt man sehr schnell mit den Besuchern oder mit den Angestellten ins Gespräch. Die Türen stehen grundsätzlich offen, wenn es das Gespräch, die Beratung oder die Veranstaltung erlauben. Es stehen verschiedene Räume zur Verfügung. Damen handarbeiten und stellen z. B. Patchworkde cken her. In einer Werkstatt richten Männer Geräte. Ehrenamtliche Handwerker führen im Zentrum anfallende kleine Reparaturen durch. Dem a u s h ä n g e n d e n Terminplan kann ich ein breites Angebot entnehmen. Da treffen sich Damen und Herrn zum Sprach- oder Computerkurs. Pfarrbrief St. Quirin 11

12 Joga und Gymnastik stehen auf dem Programm. Regelmäßig gibt es Spiele- und Singnachmittage. Es kann auch nach alten Schlagern getanzt werden, die von einem DJ aufgelegt werden. Das vollständige Programm können Sie aus der Broschüre des ASZ ersehen, die auch bei uns in der Kirche ausliegt. Etwas darf auf keinen Fall vergessen werden, die Küche. An vier Tagen in der Woche wird von ehrenamtlichen Senioren für die Besucher gekocht. Man muss sich anmelden und einen kleinen Unkostenbeitrag zahlen. Ich kann Ihnen sagen, das Essen ist sehr schmackhaft und abwechslungsreich. Ich habe es am eigenen Gaumen schon erfahren. Ein großes Lob an die fleißigen Köche. Das Zentrum wird von Sozialpädagogen unter Leitung von Herrn Böck geführt und betreut. Es werden Beratungen in und für fast alle Lebenslagen, die ältere Menschen betreffen, sehr engagiert und kompetent durchgeführt. Das ASZ ist eine Einrichtung der Stadt München, wird aber personell von der Caritas betreut. Es ist dem Caritas Zentrum München West und Würmtal angeschlossen. Das ASZ wird Ihnen sicherlich gefallen und Sie werden sich, wie ich, von der ersten Minute an wohlfühlen. Es ist ein gegenseitiges Geben und Nehmen. Selbstverständlich kann man sich als Besucher oder aber als ehrenamtlicher Helfer einbringen. Das ASZ kann ich nur empfehlen. Schauen Sie doch einfach mal rein! Monika Götz Die Caritas engagiert sich im Bündnis München Sozial für eine soziale Stadt 12 Caritas als Träger sozialer Einrichtungen Die soziale Arbeit orientiert sich an den Menschen, für die sie da ist. So gibt es Angebote für Senioren, für Menschen mit Behinderungen, für Kinder, Jugendliche und Familien, für Menschen mit psychischen Erkrankungen oder Suchtproblemen, für Migranten und für von Armut betroffene Menschen. Auch die berufliche Bildung in sozialen und sozialpflegerischen Berufen, die Beschäftigung von Menschen mit Handicaps, das Bürgerschaftliche Engagement und die Soziale Beratung, die Gemeindecaritas in den Pfarreien, haben ihren festen Platz. Allein in Stadt und Landkreis München stellt die Caritas mit Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern in ca. 140 Einrichtungen einen bedeutenden Anteil der sozialen Dienstleistungen für die Bürgerinnen und Bürger von Pater Rupert Mayer gegründet, beschäftigt die Caritas in der gesamten Erzdiözese München und Freising heute gar ca Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Längst ist das von Grafiker Bert Jäger im Jahr 1962 entworfene rote Flammenkreuz, zusammen mit dem 1999 geprägten Leitwort Nah. Am Nächsten, das Markenzeichen der Caritas (lateinisch für Nächstenliebe, Wertschätzung). Caritas als Spitzenverband Doch die Caritas ist nicht nur selbst Träger von Einrichtungen. Als Spitzenverband vertritt sie eine Vielzahl und Vielfalt katholischer Fach- Pfarrbrief St. Quirin

13 verbände und ihrer Einrichtungen wie z. B. den Katholischen Männerfürsorgeverein, der im Bereich der Obdachlosenhilfe tätig ist, oder den Sozialdienst Katholischer Frauen oder die Katholische Jugendfürsorge in wichtigen Gremien der jeweiligen Kommunen. Die Caritas versteht sich als Anwältin sozial Hilfebedürftiger. Deshalb mischt sie sich auch politisch ein. Mit innovativen Ideen und ungewöhnlichen Projekten sucht die Caritas in einer sich schnell und nachhaltig verändernden Welt mit Erfolg, neue Herausforderungen zu meistern und am Puls der Zeit zu bleiben. So kam es auch zum Bündnis München Sozial : Caritas als Anwältin sozial Hilfebedürftiger Als im Februar des vergangenen Jahres in Reaktion auf die weltweite Wirtschaftkrise das Bündnis München sozial wir halten die Stadt zusammen ins Leben gerufen wurde, gehörte die Münchner Caritas respektive die Geschäftsführung der Caritas-Zentren München, Stadt Land zu den aktivsten und richtungsweisenden Initiatoren. Die politische und finanzielle Großwetterlage erforderte eine schnelle Bündelung aller im Sozialbereich der Stadt tätigen Kräfte, beschreibt Norbert J. Huber, Geschäftsführer der Caritas- Zentren in München Stadt und Landkreis und seit längerem Sprecher des Bündnisses, die damalige Situation, und zwar unabhängig von Größe, konfessioneller Orientierung, Unternehmensphilosophie oder Wettbewerbssituation. Im Alleingang wäre hier nichts auszurichten gewesen. Caritas als Initiatorin des Bündnis München Sozial Diese Weitsicht machte sich bezahlt: In kürzester Zeit gelang es Norbert J. Huber und seinen Mitstreitern eine wirksame Allianz zu schmieden, die am 7. April 2009 zum ersten Mal an die Öffentlichkeit trat. Vor allem die klare und eindeutige Verurteilung einer Politik, die einerseits mit leichter Hand die unglaubliche Summe von 500 Milliarden Euro zur Rettung von ins Trudeln geratenen Banken aufzubringen bereit war, die Finanzierung dieses sogenannten Rettungsschirms aber ausgerechnet auf die Ärmsten und Hilflosen abzuwälzen beabsichtigte, fand breite Zustimmung. Am 23. Juni 2009 fanden sich vor dem Rathaus der Landeshauptstadt über Menschen aus den verschiedensten Gesellschaftsschichten zusammen, um trotz strömenden Regens der von Bündnissprecher Norbert J. Huber vorgetragenen Forderung des Bündnisses nach einem sozialen Konjunkturprogramm Nachdruck zu verleihen. Das Bündnis hatte zu diesem Zeitpunkt bereits 34 Mitglieder. Caritas zeigt Flagge Zahlreiche Transparente mit dem Flammenkreuz zeugten bei den Veranstaltungen immer wieder von der Entschlossenheit und Bereitschaft der Caritas, sich maßgeblich in diesen gesellschaftlichen Diskurs einzubringen und ihrem Leitbild gemäß als Anwältin der Schwachen, Hilf- und Sprachlosen aufzutreten. Ethik und ökonomisches Denken stellen dabei keinen unvereinbaren Widerspruch dar, so Huber. Auch unsere Einrichtungen sind keine unerschöpflich sprudelnden Almosenverteilungsautomaten, sondern werden allesamt nach betriebswirtschaftlichen Grundsätzen geführt. Nur so können sie ihre Dienstleistungen dauerhaft gewährleisten. Erfolg: keine Kürzungen im Sozialbereich Münchens OB Christian Ude erkannte schnell die politische Bedeutung des Bündnisses und lud dessen Vertreter zu einem ersten Gespräch. Sichtbarer Erfolg dieser von der Caritas federführend gestalteten Aktionen des Bündnisses war die Entscheidung der Stadtspitze, die Sozialausgaben in den vergangenen beiden Kri- Pfarrbrief St. Quirin 13

14 Nachbarn senjahren wie anderenorts längst geschehen nicht zu kürzen, sondern zu erhöhen. Als Anerkennung für Geleistetes und als Ansporn für zu Erreichendes verlieh das Bündnis der Stadt am 11. Juni 2010 in einem feierlichen Akt das Qualitätssiegel Soziale Stadt München. Dieses Gütesiegel wird wegen seiner zweijährigen Laufzeit, der Überprüfung auf negative wie positive Veränderungen und der Möglichkeit von Verlängerung oder Entzug in der Bevölkerung bereits scherzhaft als Sozial TÜV bezeichnet. Der Einsatz geht weiter: Demo am 28.Oktober Sind damit alle Ziele schon erreicht? Ganz und gar nicht sagt Bündnissprecher Huber und ergänzt: Viele Banken machen weiter wie zuvor, das von der Bundesregierung beschlossene Sparpaket ist zutiefst unsozial und die Kommunen drohen bei einer Streichung der Gewerbesteuer ihrer wichtigsten Einnahmequelle beraubt zu werden. Dagegen und für den Erhalt der Rentengarantie gehen wir mit unseren mittlerweile 58 Mitgliedsorganisationen voraussichtlich am 28. Oktober auf die Straße. Geplant ist ein Demonstrationszug vom Sitz der bayerischen Landesbank zur Agentur für Arbeit. Und auch hier wird das Flammenkreuz der Caritas wieder ganz vorne mit dabei sein. Wenn Sie möchten gehen Sie mit! Weitere Infos: Alessandro Barretta = 1 So wird künftig in Ihrer evangelischen Nachbargemeinde gerechnet. Denn wir, das Pfarrerehepaar Kerstin und Bernhard Vocke, sind zwei ganze Personen, jeder von Gott ein bisschen ähnlich, aber auch recht unterschiedlich gedacht und gemacht. Und haben trotzdem nur eine gemeinsame Stelle. Dieses Job-Sharing haben wir erst in Germering an der Dietrich- Bonhoeffer-Kirche und dann die letzten 12½ Jahre in Schonungen am Main reichlich erprobt. Es lässt jeden von uns nach seinen Vorlieben und Fähigkeiten arbeiten und ermöglicht etwas mehr Zeit für die Familie. So werden Sie uns beide auf unterschiedlichen Feldern begegnen, manchmal natürlich auch gemeinsam. 14 Ökumene aber ist uns beiden wichtig, wobei die eine aus einem Gebiet kommt, wo die Katholiken nur eine kleine Minderheit stellen, nämlich aus Bremen. Der andere ist in der römisch-katholischen Bischofsstadt Würzburg aufgewachsen, wo wiederum weniger Evangelische leben. So beginnt Ökumene im alltäglichen Miteinander. Auch später war für uns die Ökumene nicht nur eine Sache der Theorie, sondern des praktischen alltäglichen Tuns. Und wir können sagen: auch des Herzens. In Schonungen waren uns regelmäßige ökumenische Gottesdienste, Bibelgespräche, Trauungen, Segnungen, Kinderbibeltage, Erwachsenenbil- Pfarrbrief St. Quirin

15 dungsveranstaltungen etc. selbstverständlich. Und in München, wo viele Menschen ohne Konfession sind, sollte es das erst recht sein. Ökumene ist also nicht etwas, was auch noch irgendwie gemacht werden sollte. Sondern Auftrag und Verheißung unseres gemeinsamen Herrn, wie Jesus sagt, dass sie alle eins seien. Dabei ist uns vor allem wichtig, dass die Ökumene vor Ort lebendig ist, auch wenn es auf höherer Ebene mal Unstimmigkeiten geben sollte. Behutsamkeit und gegenseitige Achtung sind hier wesentliche Voraussetzungen, dass wir uns näher kommen. Wie Antoine de Saint-Exupéry es über die Liebe sagt: Die Erfahrung lehrt uns, dass Liebe nicht darin besteht, dass man einander ansieht, sondern dass man gemeinsam in gleicher Richtung blickt. Schauen wir also nicht so sehr wertend und vergleichend auf den anderen. Sondern lieber auf den, von dem wir kommen und zu dem hin unser Weg führt. Wir freuen uns auf viele Begegnungen mit Ihnen auf dem gemeinsamen Weg und grüßen Sie herzlich, Ihre Nachbarn Kerstin und Bernhard Vocke Pfarrbrief St. Quirin 15

16 Ökumene Sieben auf einen Streich 16 Nein, geneigter Leser, Sie begeben sich jetzt weder auf eine Reise ins Märchenland der Gebrüder Grimm noch haben wir die Absicht, uns an einer neuen Serie zu versuchen und Ihnen, passend zum Festjahr, etwa die prominentesten Aubinger Mordfälle der letzten 1000 Jahre zu präsentieren. Es wird viel friedlicher zugehen, auch wenn ein 7er-Bund eine Rolle spielen wird. Mit Sieben auf einen Streich mischten sich, ökumenisch vereint, die sieben evangelischen und katholischen Kirchengemeinden im Münchner Westen mit einem gemeinsamen Stand unters Volk, das zum zweiten Ökumenischen Kirchentag im Mai nach München angereist war. Sie wollten deren hungrige Mäuler sättigen und motivierend von den Erfolgen erzählen, die auf der 35 Jahre langen Wegstrecke des evangelisch-katholischen Rats Aubing- Neuaubing-Westkreuz-Lochhausen bisher verbucht werden konnten. Denn trotz mancher Durststrecken liest sich die bisherige Geschichte des Rats insgesamt wie eine Erfolgsstory. Einmal im Frühjahr und einmal im Herbst eines jeden Jahres treffen sich hochrangige Vertreter der Gemeinden (PGR-Vorsitzende, Kirchenvorstände, Pfarrer, Gemeindeleiter und Ökumenereferenten der Adventskirche, der Bartimäusgemeinde, von St. Konrad, St. Lukas, St. Markus, St. Michael und St. Quirin), um nach einer vom ökumenischen Ausschuss vorbereiteten Tagesordnung sich über Entwicklungen und Trends in der Groß-Ökumene zu informieren. Es werden gemeinsame Projekte beraten und organisiert oder beschlossen, sich in die öffentliche Diskussion, etwa bei Schwierigkeiten im Seniorenheim, einzumischen, für die Erweiterung des Aubinger Friedhofs zu kämpfen oder Stellung zu beziehen für die Errichtung einer rumänischorthodoxen Kirche in Aubing. All die Jahre war die Ratssitzung aber auch immer, manchmal sogar die einzige, Gelegenheit für einen Austausch unter den katholischen Gemeindeleitungen. Nicht zuletzt die seit 1995 vom Rat organisierten fünf ökumenischen Kirchentage haben zwischen den Gemeinden ein Netzwerk entstehen lassen, das hilfreich sein dürfte, die negativen Auswirkungen der katholischerseits verordneten Gemeinde-Neustrukturierungen etwas abzufedern. Obwohl das Modell der ökumenischen Zusammenarbeit, das der evangelisch-katholische Rat zu verwirklichen sucht, anderswo immer noch großes Interesse hervorruft und zur Nachahmung ermuntert, wie gerade zum 2. Ökumenischen Kirchentag eine Reihe von Anfragen aus dem Rest der Republik gezeigt haben, soll nicht verschwiegen werden, dass das abgekühlte Verhältnis zwischen den Kirchenleitungen der Konfessionen in Deutschland auch an der Basis seine Spuren hinterlassen hat: Wachsende Ungeduld einerseits und Resignation anderseits. Ein starker personeller Wechsel in den Gemeindeleitungen mit der Folge einer eher linientreuen Ausrichtung in ökumenischen Fragen trat zu diesem Prozess der ökumenischen Entschleunigung hinzu. Nicht (mehr) auf dem Weg der Freundschaft zwischen den Konfessionen so weitergehen zu können, wie viele es Pfarrbrief St. Quirin

17 Kirchenkunst sich wünschen, wirkt wie ein Stachel, der auch im Blick auf die noch verbleibenden Möglichkeiten der Zusammenarbeit seine schmerzende Wirkung nicht verliert. Kontinuität zu wahren angesichts der vielen neuen Laienmitglieder im Rat und neue, realistische Ziele ins Auge zu fassen, das wird die Arbeit dieser ökumenischen Plattform prägen müssen. Dass mit dem evangelischen Pfarrerehepaar Vocke ökumeneerfahrene Partner hinzukommen, stimmt für die Zukunft immerhin zuversichtlich. kb Die Apostelfiguren in St. Quirin Nach den Wirren des 30-jährigen Krieges sorgten sich zwei Aubinger Pfarrherren um eine Neugestaltung des Innenraumes unserer Pfarrkirche. Unter Pfarrer Martin Reiter kamen der Hochaltar (datiert 1668) in das Gotteshaus und um 1675 unter Pfarrer Bernhardin von Prugg die beiden Seitenaltäre. Der Ursulaschrein von 1499 scheidet übrigens als Vorgänger des jetzigen Hochaltars aus, denn schon 1496 wird in der Stiftungsurkunde zu einem Salve Regina unsere Pfarrkirche als die Kirche des lieben heiligen Sankt Quirin zu Aubing bezeichnet. Unser Gotteshaus war nie eine Ursula-Kirche, und zu welcher Zeit der Schrein in unsere Kirche kam, ist höchst ungewiss. Neben den drei barocken Altären und dem Ursulaschrein fällt dem Besucher besonders die Reihe der Apostelfiguren ins Auge. Der besonders rührige und langjährige Aubinger Pfarrer Johann Bernhardin von Prugg gab diese am 10. Januar 1712 in Auftrag. Auf einem im Pfarrarchiv gefundenen so genannten Accords Spaltzettl (siehe unten), einem im Original und zwei gleichlautenden Abschriften erhaltenen Schnitzauftrag, bestellt er zusammen mit dem Ettalischen Verwalter Johann Christian Riederer und den beiden Kirchpröbsten Hans Wurzer und Quirin Stürzer bei dem Bildhauer und Maler Joseph Krenauer aus Bruck zwölff Heillige Aposstlen, sambt Christo und der Muetter Maria. Der Apostelfürst Paulus scheint im Schnitzauftrag (mit den 14 bestellten Statuen) übersehen worden zu sein. Trotzdem wurden insgesamt 15 Figuren geschnitzt und geliefert: Christus Salvator, die Gottesmutter Maria, die zwölf Apostel und der Apostelfürst Paulus. Dieser Joseph Krenauer ist in der K u n s t g e s c h i c h t e als Bildhauer nicht bekannt. Dagegen finden wir einige F r e s k o - A r b e i t e n Krenauers in unserer näheren Umgebung. Von ihm stammen u. Pfarrbrief St. Quirin 17

18 a. das Deckenfresko im Chor der Pfarrkirche St. Vitus in Maisach und vielleicht die Deckengemälde in der Filialkirche St. Sebastian in Puch. Für den anno 1727 in Auftrag gegebenen heute noch vorhandenen alten Aubinger Tabernakel hat der Mahler von Prugg 57 Gulden für die Goldfassung bekommen. Die Formulierung des Schnitzauftrages, die Figuren in Lindenholz guett und sauber schneiden zelassen lässt allerdings offen, ob Krenauer die Skulpturen selbst schnitzen oder von einem anderen Künstler anfertigen lassen sollte. Da er sich aber auf dem Accords Spaltzettl Bildhauer und Mahler in Prugg nennt, darf angenommen werden, dass die Figuren in seiner Werkstätte entstanden sind. Damit muss er aber auch als Bildhauer von beachtlichem Rang bezeichnet werden. Die von Michael Hartig veröffentlichte Zuschreibung an den Erdinger Bildhauer Joseph Prötzner dürfte daher auch kaum in Frage kommen. In welcher Reihenfolge und in welcher Aufteilung auf Presbyterium und Kirchenschiff Pfarrer Bernhardin von Prugg die Statuen aufstellen ließ, ist nicht überliefert. Das Kircheninnere bot damals wegen der beiden rückwärtigen Emporen relativ wenig Wandfläche für die Figuren. Später kam noch eine Kanzel dazu. Erst die Erweiterung des Kirchenschiffes nach Westen brachte großzügigere Gestaltungsmöglichkeiten. Merkwürdig ist, dass auf alten Fotos die Statuen immer wieder unterschiedlich auf den Kirchenraum verteilt zu sehen sind. So finden wir auf mehreren Fotos sechs Figuren im Altarraum. Um das große Kreuz heute über dem Südeingang war auf der linken Seite im Presbyterium Maria und Johannes gruppiert. Später finden wir diese Gruppe an der Turmwand im Kirchenschiff. Offensichtlich wurde wenig Wert auf biblische Aussagen (z. B. Apostelgeschichte 1,13) zu der Apostelreihe gelegt. Man brachte auch kaum Verständnis für die Aussagekraft und den Aussagewillen barocker Künstler auf. Barocke Figuren wollen nicht isoliert und ohne Bindung zum Gesamtraum aufgestellt werden. Nach Aussage von Franz B. Weißhaar, Professor für christliche Kunst und Raumgestaltung, wollen barocke Plastiken miteinander korrespondieren. Ein beredtes Beispiel dafür liefert in unserer Kirche das Brüderpaar Johannes und Jakobus. Auf einander zugewandt führen die beiden Donnersöhne, so könnte man meinen, ein Streitgespräch. Die Restaurierung unserer Pfarrkirche in den letzten Jahren durch die Firma Wiegerling aus Gaißach bot Gelegenheit, in Zusammenarbeit mit dem Kunstreferat der Erzdiözese die Auf- 18 Pfarrbrief St. Quirin

19 stellung der Apostelfiguren neu zu überdenken. Die vier Hauptfiguren Christus Salvator, Maria, Petrus und Paulus sollten natürlich weiterhin im Presbyterium ihren Platz finden. In der bisherigen Aufstellung aber verdeckte vom Kirchenschiff aus gesehen die recht erhobene Hand des Christus Salvator das Gesicht. Durch ein Verschieben der Figur nach vorne um den Pfeiler herum und die damit verbundene Drehung um 45º ist jetzt der Blick auf die ganze Statue ungehindert. Da die linke Seite die Evangelienseite in einer Kirche immer als die bevorzugte betrachtet wird, wurde die Petrusfigur mit der des Hl. Paulus ausgetauscht und auf die Evangelienseite gestellt. Diese vier Hauptfiguren bilden nun im Altarraum zusammen mit St. Quirin, St. Sylvester und St. Margarete am Hauptaltar eine harmonische Einheit. Die restlichen elf Plastiken sollten im Kirchenschiff entsprechend der biblischen Reihenfolge aufgestellt werden. Als Vorbild gilt hierbei die Reihung in der Lateranbasilika in Rom. Des Weiteren sollte die Postierung dem Aussagewillen des barocken Künstlers entsprechen. Die linke Seite des Kirchenschiffes bot Platz für sechs Statuen, die rechte für fünf. Auf diese vorhandenen elf Positionen sind nun alle Figuren nach den genannten zwei Grundsätzen verteilt worden. Das war nicht ohne Kompromiss zu bewerkstelligen. Auf der linken Seite finden wir vorne Johannes, Jakobus d. Ä. und Andreas, der bisher vernachlässigt an letzter Stelle stand. Seine Stelle nimmt jetzt dort der so genannte letzte Apostel Matthias ein. Die oft im Paar genannten Philippus und Bartholomäus stehen rechts vorne. Schließlich bilden Jakobus d. J., Matthäus und Judas Thaddäus an der Turmwand die einzige Dreiergruppe. Alle Heiligenfiguren bekamen nach dem Willen des Erzbischöflichen Kunstreferates wieder die im Accords Spaltzettel genannten originalen eysenen Scheine (Heiligenscheine). Rechtzeitig zum Besuch von Erzbischof Reinhard Marx anlässlich der Feier der 1000-jährigen urkundlichen Erstnennung Aubings wurden noch zwölf Apostelkreuze mit Kerzenständern über den ganzen Kirchenraum verteilt angebracht. Siegfried Bschorer Pfarrbrief St. Quirin 19

20 Geschichte Die Kirche im Dorf 20 Was braucht ma auf an Bauerndorf, was braucht ma auf an Dorf? An Pfarra, der schö singt, a Glockn, die schö klingt, an Meßner, der guat läutn kann, an Schulmoasta, an gscheitn Mann. Wie man im zweiten Teil der historischen Ausstellung zum Aubinger Festjahr nachvollziehen konnte, wurde durch das Zweite Gemeindeedikt von 1818 die Dorfgmain, eine selbst organisierte Wirtschaftsgemeinschaft, zur politischen Gemeinde, die nun eine Reihe von früher staatlichen Aufgaben übernehmen sollte. Die Bürokratie zog in Aubing und andernorts ein, und die frischgebackenen Ortsvorsteher waren alles mögliche, aber keine gelernten Bürokraten, und entsprechend überfordert. Doch es gab ja eine Institution, die von jeher im Ort fest verankert und umfassend ortskundig war, und über fundierte Bürokratieerfahrung verfügte die Kirche. Nun war die katholische Kirche gerade erst durch die Säkularisation schwer gebeutelt worden und auf den reformfreudigen Grafen Montgelas gar nicht gut zu sprechen, doch sie ließ sich staatstragend in die Pflicht nehmen. Ausbaden mussten diese noble Haltung die Ortsgeistlichen. So umfasst eine 1875 in Pasing angelegte Reihenfolge von einem Pfarrer zu liefernder amtlicher Arbeiten nicht weniger als 37 Berichte, die alljährlich an staatliche Stellen zu liefern waren. Das reichte vom Verzeichnis der Tanzmusiken über die Impfliste und das Verzeichnis der Selbstmorde bis hin zu Berichten über entlassene Sträflinge. Sogar für die Erstellung von Leumundszeugnissen wurden die Pfarrer in Anspruch genommen. Diese Leistungen für die weltliche Obrigkeit wurden zwar unentgeltlich erbracht, doch um die Pfarrer jederzeit in die Pflicht nehmen zu können, mussten sie wie Beamte den Treueeid auf König, Verfassung und Gesetze leisten. Das weltliche Wirken der Ortskirchen für die Bürgergemeinde betraf vor allem den Schulbereich, die Armenfürsorge und das Personenstandswesen. Ohne die Verbindung von Schul- und Kirchendienst wäre die gesetzliche Schulpflicht auf dem Land weitgehend ins Leere gelaufen. Denn Schule kostete Geld. War das Schulgeld zu hoch, schickten die Eltern ihre Kinder trotz Strafandrohung nicht in die Schule, war es zu niedrig, konnte der Lehrer nicht davon leben. Es sei denn, er konnte sein Einkommen durch Mesner-, Organisten- oder Kantorendienste aufbessern. In Aubing hatte der Schullehrer in seiner Eigenschaft als Mesner freies Wohnrecht in dem der Kirche gehörenden Mesnerhaus in der Altostraße 16. Die Verordnung vom August 1803, mit der die Schulaufsicht neu geordnet wurde, übertrug das Management für die Dorfschulen den Lokalschulkommissionen, die in der Praxis aber nur aus dem Ortsgeistlichen bestanden. Jedenfalls machte der die Arbeit und hielt seinen Buckel hin, wenn etwas nicht funktionierte. In dieser Funktion nahm der Pfarrer auch an den Sitzungen des Gemeindeausschusses teil, wenn Schulangelegenheiten auf der Tagesordnung standen. Die kirchliche Verantwortung für das örtliche Schulwesen bestand bis zum Ende des Kaiserreiches Die mit dieser Aufgabe verbundenen Möglichkeiten, auf das staatliche Schulwesen und seine Erziehungsund Bildungsziele einzuwirken, waren der Kirche auch etwas wert hat die Kirche das bereits erwähnte Mesnerhaus der Gemeinde Pfarrbrief St. Quirin

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