Grundlagen der Ökonomie (Teil II) Grundlagen der Makroökonomik und der Wirtschaftspolitik Wirtschaftswachstum

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1 Wirtschaftswachstum Referent: Prof. Dr. Karl-Heinz Kappelmann 76

2 Begriff Wirtschaftswachstum 1. Langfristige Vermehrung der realen Güterproduktion in einer Volkswirtschaft 2. Erhöhung des Produktionspotentials Gegensatz: Konjunktur kurzfristige Veränderung der Produktion durch unterschiedliche Auslastung der Kapazitäten BSP/ Potential Konjunktur Wachstum Zeit Bestimmungsfaktoren des Wachstums a. Erhöhung des Realkapitalbestandes Nettoinvestition Ersparnis 1) Kapazitätseffekt 2) Einkommenseffekt b. Öffentliche Investitionen 1) Aufträge an private Unternehmen 2) Investitionen in die Infrastruktur c. Einführung technischer Fortschritte 1) Produktinnovation 2) Prozessinnovation d. Zahl der Erwerbstätigen 1) Quantitativ -Wohnbevölkerung -Arbeitszeit 2) Qualitativ -Ausbildung e. Verstärkte wirtschaftliche Integration 1) Internationale Arbeitsteilung 2) EG Binnenmarkt Referent: Prof. Dr. Karl-Heinz Kappelmann 77

3 Folge: Technischer Fortschritt und Kapitalvermehrung bewirken eine Erhöhung der AK-Produktivität 1) mehr Güter / mehr Einkommen / mehr Freizeit 2) Rationalisierung => Freisetzung von Arbeitskräften Begründung des Wachstums 1) Erhöhung des wirtschaftlichen Wohlstands (Kritik Sozialprodukt) 2) Sicherung und Steigerung des Angebots an Arbeitsplätzen 3) Steigende staatliche Leistungen 4) Erleichterung der Umverteilung von Einkommen und Vermögen 5) Sozialer Friede / Freiheit Folgen des wirtschaftlichen Wachstums 1) Anstieg der Arbeitsproduktivität - Substitution Arbeit => Kapital - Technischer Fortschritt 2) Anstieg des Pro-Kopf-Einkommens - Wachstum Sozialprodukt größer Wachstum Bevölkerung 3) Anstieg der Kapitalintensivität - Kapital pro Arbeitskraft - Verhältnis Lohn-Zins 4) Konstanz der Kapitalproduktivität - Ertragsgesetz versus techn. Fortschritt 5) Einkommensverteilung konstant Lohneinkommen zu Kapitaleinkommen (Gewinn) Arbeit: Menge konstant => Lohn steigt Kapital: Menge steigt => Zins konstant Wachstumspolitik A. Wachstumskonformes Verhalten fördern B. Direkte staatliche Eingriffe Infrastruktur / Forschung 1. Arbeit Quantitativ: Teilzeit / Überstunden Gastarbeiter Steueranreize Qualitativ: Ausbildung / Fortbildung Lohnarbeiten "Humankapital" Referent: Prof. Dr. Karl-Heinz Kappelmann 78

4 2. Kapital Quantitativ: Qualitativ: Sparförderung Investitionsbeihilfen Investivlohn Staatliche Investitionen Technologiepolitik Innovationsförderung 3. Allokation Verteilung der Produktionsfaktoren - Wettbewerbspolitik - Förderung der Strukturanpassung - Mobilitätsbeihilfen Gründer für eine Strukturpolitik Ökon. Begründung (Versagen der Marktmechanismen) Anstreben außerökon. Ziele (Sicherheit, soz. Gerechtigkeit usw.) in staatl. Hinsicht (fehlerhafte Marktstruktur) in dynam. Hinsicht (fehlerhafter Strukturwandel) Besonderheiten von Angebot und (oder) Nachfrage Fehlende Konsumentensouveränität externe Effekte Preise als unzureichende Parameter für zuk. wirtsch. Erfordernisse zu geringe Mobilität der Produktivitätsfaktoren Mangelnder Wettbewerb hervorgerufen durch unzureichende Information Hervorgerufen durch das Fehlen akzept. Alternativen Referent: Prof. Dr. Karl-Heinz Kappelmann 79

5 Exkurs: Drei-Sektoren-Modell und Strukturwandel Anteil Beschäftigte 80% A 60% 35% 15% 5% B C 5% A: Primärer Sektor: Landwirtschaft, Fischerei, Gärtnerei, Bergbau => Urproduktion B: Sekundärer Sektor: Industrie, Gewerbe, Handwerk => verarbeitende Produktion C: Tertiärer Sektor: => Dienstleistungen (quartärer Sektor: => Kommunikation ist aber eigentlich auch Dienstleitung) Ursachen Produktion: technischer Fortschritt Substitution von Arbeit durch Kapital im Zeitablauf Hierarchie I, II, III I, II, III Primärer Sektor: hohe Steigerung der Arbeitsproduktivität => Abwanderung (der Arbeitskräfte von Sektor I nach Sektor III) => Steuerung durch Arbeitsmarkt (Lohn) => Lohndifferenz Nachfrage: Einkommenselastizitäten ε < 1 => geringe Bedeutung ε > 1 => große Bedeutung I (Nahrungsmittel) III (Dienstleitungen) Strukturwandel in der Landwirtschaft z.b: Mio. Betriebe 5% geben auf Betriebe 3% geben auf Referent: Prof. Dr. Karl-Heinz Kappelmann 80

6 Grenzen des Wachstums 4. Sättigung der Nachfrage PRO: KONTRA: Bedürfnisse sind nicht unbegrenzt Konsum pro Kopf steigt kaum noch Bevölkerung wächst kaum noch Spartätigkeit nimmt zu keine absolute Sättigungsgrenze Neue Produkte => neue Bedürfnisse Bedarf an Dienstleitungen Unveränderte Konsumquote bei steigenden Einkommen 5. Knappheit der Produktionsfaktoren PRO: KONTRA: Arbeit wirkt begrenzend Mangelnde Kapitalverfügbarkeit Technischer Fortschritt Arbeitszeit / Ausbildung => Produktivität Spartätigkeit durch Zinsen anregen 6. Endlichkeit der Ressourcen / Zerstörung der Umwelt PRO: "Mutter schiff Erde" Endliche Rohstoffe nur begrenzt verfügbar => begrenzender Faktor bei der Produktion Knappheit des Gutes Umwelt bewusst machen durch Einführung von künstlichen Preisen Umweltschonung bedeutet Begrenzung des "materiellen Wachstum" Frage: Ist materielles Wachstum möglich bei Einsparung endlicher Rohstoffe und Verbesserung der Umwelt? Produktion bedeutet Umweltverbrauch zur Erhaltung der Lebensgrundlagen Einschränkung des Umweltverbrauchs notwendig => Wachstum begrenzt KONTRA: Neue Technologien bedeuten => weniger Rohstoffe pro Einheit => weniger Umweltverbrauch pro Einheit höhere Preise für endliche Rohstoffe bei zunehmender Knappheit => verstärkte Suche nach Alternativen Recycling => Rohstoffe / Umwelt Ausbau der Dienstleistungen Referent: Prof. Dr. Karl-Heinz Kappelmann 81

7 Ökologisch-ökonomische Wirkungszusammenhänge bei hochintensiver Landwirtschaft zugekaufte Inputs Landwirtschaftliche Produktion vermarktete Outputs Entsorgung Umweltmedien: - Boden - Wasser - Luft Wiederaufarbeitung Landschaft Neg. externe Effekte der Landwirtschaft: - Ausräumung der Landwirtschaft - Reduzierung der Artenvielfalt - Belastung der Umweltmedien Pos. Externe Effekte der Landwirtschaft: - kaum von Bedeutung Immissionen aus Industrie und Verkehr Umweltnutzung: Trinkwasser, Erholungsgebiet usw Referent: Prof. Dr. Karl-Heinz Kappelmann 82

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