Außenwirtschaftspolitik Modul 7 Devisenmärkte und Wechselkurse. 20. Mai 2008

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1 Prof. Dr. Thomas Straubhaar Universität Hamburg Sommersemester 2008 Vorlesung Außenwirtschaftspolitik Modul 7 Devisenmärkte und Wechselkurse 20. Mai

2 Wechselkurse Direkte oder Preisnotierung Preis der Fremdwährung in einheimischer Währung Bsp: am 3. Mai 2008 kostet 1 Dollar 0,6484 ; also: w = 0,6484 /$ Indirekte oder Mengennotierung Preis der einheimischen Währung in Fremdwährung Bsp: am 3. Mai 2008 kostet 1 Euro 1,5423 $; also: w m =1/w= 1,5423 $/ 2

3 Mengennotierung: Wie viele $ für 1? 1,

4 Wechselkurse Zweierlei Veränderungen von Wechselkursen: Abwertung der einheimischen Währung Der Preis der Fremdwährung in einheimischer Währung steigt. Einheimische Güter werden für Ausländer billiger, und ausländische Güter werden für Bürger des eigenen Landes teurer. Aufwertung der einheimischen Währung Der Preis der Fremdwährung in einheimischer Währung sinkt. Einheimische Güter werden für Ausländer teurer, und ausländische Güter werden für Bürger des eigenen Landes billiger. 4

5 Wechselkurse und relative Preise Nachfrage nach Importen und Exporten wird von den relativen Preisen beeinflusst. Aufwertung der einheimischen Währung: Die relativen Preise der Exporte steigen. Die relativen Preise der Importe sinken. Abwertung der einheimischen Währung: Die relativen Preise der Exporte sinken. Die relativen Preise der Importe steigen. 5

6 Devisenkassakurs und Devisenterminkurs Devisenkassakurs Gilt für den Devisenhandel an Ort und Stelle Devisenterminkurs Der vorab vereinbarte Wechselkurs eines Devisenhandels zu einem zukünftigen Zeitpunkt Termin- und Kassakurse sind nicht unbedingt gleich, doch ihre Entwicklung verläuft in hohem Maße parallel. 6

7 Devisenmarkt bei festen (bandfixierten) Wechselkursen Wechselkurs (DM/$) oberer Interv.-Punkt I O offizielle Parität w 0 Kassakurs w k unterer Interv.-Punkt I U Devisennachfrage Devisenangebot Bandbreite Devisenmenge 7

8 Devisenswaps Verknüpfung von Kassaverkauf und Terminkauf einer Währung Sie machen einen erheblichen Anteil des Devisenhandels aus. Terminkontrakt Der Käufer erwirbt die Zusage, dass er zu einem festgelegten Datum einen festgelegten Betrag in Fremdwährung erhalten wird. Devisenoption Ihr Besitzer hat das Recht, innerhalb ihrer Laufzeit einen festgelegten Währungsbetrag zu einem festgelegten Preis zu kaufen oder zu verkaufen. 8

9 Devisenmärkte: Interdependenzen Kassamarkt Kassakurs w k Terminmarkt Terminkurs w t Swapsatz: S = w Report: S>0 Deport: S<0 t w k w k 9

10 Dreiecksarbitrage DM w 1 = 3,0 (DM/$) w 2 = 0,8 (DM/sfr) Dollar w 3 = 3,70 (sfr/$) Schweizer Franken 10

11 Wechselkursdeterminanten Was bestimmt den Wechselkurs? Keine eindeutige Theorie Kaufkraftparitätentheorie: Gesetz vom einheitlichen Preis Zinsparitätentheorie: Verzinsung muss identisch sein 11

12 Wechselkursdeterminanten Treibt die reale Seite den Wechselkurs oder Treibt die monetäre Seite den Wechselkurs? 12

13 Wechselkursdeterminanten Reale Seite => Wechselkurs => Kapitalflüsse oder Monetäre Seite => Wechselkurs => Reale Seite 13

14 Wechselkursdeterminanten Statisch: Spiegelbild der realen Seite (Güterverkehr) Dynamisch: Spiegelbild der monetären Seite (Erwartungen) 14

15 Wechselkursdeterminanten Wechselkurs und Erwartungen Reale Wachstumsdifferenzen Renditeerwartungen Zinserwartungen 15

16 Die Nachfrage nach Fremdwährungsvermögenswerten Die Nachfrage nach Fremdwährungseinlagen wird von denselben Überlegungen beeinflusst wie die Nachfrage nach jedem anderen Vermögenswert auch. Vermögenswerte und ihre Renditen Definition der Rendite aus Vermögenswerten Die prozentuale Wertsteigerung eines Vermögenswerts über einen bestimmten Zeitraum hinweg. Die reale Rendite Sie wird im breiteren Rahmen eines für die Sparer repräsentativen Warenkorbs berechnet. 16

17 USA: im Konjunkturtief Wachstum des realen BIP in % Quelle: IMF World Economic Outlook vom 9. April 2008; Grafik: Handelsblatt Nr. 70 vom 10. April

18 EU: leicht bessere Prognose Wachstum des realen BIP in % Quelle: IMF World Economic Outlook vom 9. April 2008; Grafik: Handelsblatt Nr. 70 vom 10. April

19 Die Nachfrage nach Fremdwährungsvermögenswerten Risiko und Liquidität Neben der Rendite achten Sparer auf die beiden weiteren wichtigsten Qualitäten eines Vermögenswerts: Risiko Unsicherheits- und Zufallsfaktoren, die das Vermögen eines Sparers beeinflussen Liquidität Die Leichtigkeit, mit der der Vermögenswert verkauft oder gegen Güter eingetauscht werden kann 19

20 Die Nachfrage nach Fremdwährungsvermögenswerten Zinssätze Um die Renditen verschiedener Einlagen zu vergleichen, benötigen die Marktteilnehmer zwei Informationen: Die Entwicklung des Marktwerts der Einlagen Die Entwicklung der Wechselkurse Der Zinssatz einer Währung ist der Betrag, den ein Individuum verdienen kann, indem es eine Währungseinheit für ein Jahr verleiht. Beispiel: Bei einem Dollarzinssatz von 10% jährlich erhält derjenige, der $1 verleiht, zum Jahresende $1,10 zurück. 20

21 Zins-Spread zugunsten des Euro 4,25% Quelle: FAZ.net vom

22 Wechselkurse und Renditen auf Vermögenswerte Die Rendite auf Vermögenswerte, die auf dem Devisenmarkt gehandelt werden, hängt von den Zinssätzen und den Wechselkurserwartungen ab. Um sich zwischen einer Dollar- und einer Euroeinlage zu entscheiden, muss man die Dollarverzinsung einer Euroeinlage berechnen. 22

23 Wechselkurse und Renditen auf Vermögenswerte Der erwartete Unterschied zwischen den Renditen auf Dollar- und auf Euroeinlagen ist: R $ - [R + (E e $/ - E $/ )/E $/ ]= R $ - R - (Ee $/ -E $/ )/E $/ R $ wobei gilt: = der Zinssatz für Dollareinlagen mit einjähriger Laufzeit R = der heutige Zinssatz für Euroeinlagen mit einjähriger Laufzeit E $/ E e $/ = der heutige Dollar/Euro-Wechselkurs (in Dollar pro Euro) = der erwartete Dollar/Euro-Wechselkurs (in Dollar pro Euro) in Jahresfrist 23

24 Tabelle 13.3: Vergleich der Dollarrenditen auf Dollar- und auf Euroeinlagen Dollarzinssatz Erwartete Abwertungsrate des Dollar gegenüber dem Euro Eurozinssatz Erwartete Differenz der Renditen von Dollarund Euroeinlagen 24

25 Der Devisenmarkt im Gleichgewicht Zinsparität: die grundlegende Gleichgewichtsbedingung Der Devisenmarkt befindet sich im Gleichgewicht, wenn die Einlagen in allen Währungen dieselbe erwartete Rendite bieten. Zinsparität Die Gleichheit der erwarteten Renditen auf Einlagen in zwei beliebigen Währungen, gemessen in derselben Währung. Sie impliziert die Gleichwertigkeit sämtlicher Fremdwährungseinlagen in den Augen ihrer potenziellen Besitzer. Die erwarteten Renditen sind dann gleich, wenn gilt: R $ = R + (E e $/ - E $/ )/E $/ 25

26 Der Devisenmarkt im Gleichgewicht Wechselkursänderungen und erwartete Renditen Eine heutige Abwertung der Inlandswährung senkt die erwartete Rendite aus einer Fremdwährungseinlage. Eine heutige Aufwertung der Inlandswährung steigert die erwartete Rendite aus Fremdwährungseinlagen. 26

27 Der Devisenmarkt im Gleichgewicht Tabelle 13.4: Heutiger Dollar/Euro-Wechselkurs und erwartete Dollarverzinsung von Euroeinlagen bei E e $/ = $ 1,05 pro Euro Heutiger Dollar/Euro- Wechselkurs Zinssatz für Euroanlagen Erwartete Abwertungsrate des Dollar gegenüber dem Euro Erwartete Dollarverzinsung von Euroeinlagen 27

28 Abbildung 13.4: Die Beziehung zwischen dem aktuellen Dollar/Euro-Wechselkurs und der erwarteten Dollarverzinsung von Euroeinlagen 28

29 Abbildung 13.5: Bestimmung des Dollar/Euro- Gleichgewichtswechselkurses 29

30 Zinssätze, Erwartungen und Gleichgewicht Auswirkungen veränderter Zinssätze auf den aktuellen Wechselkurs Eine Erhöhung der Verzinsung von Währungseinlagen führt zur Aufwertung der betreffenden Währung gegenüber Fremdwährungen. Ein Anstieg der Verzinsung von Dollareinlagen führt zur Aufwertung des Dollars gegenüber dem Euro. Ein Anstieg der Verzinsung von Euroeinlagen führt zur Abwertung des Dollars gegenüber dem Euro. 30

31 Abbildung 13.6: Auswirkungen eines Anstiegs des Dollarzinssatzes 31

32 Abbildung 13.7: Auswirkungen eines Anstiegs des Eurozinssatzes 32

33 Zinssätze, Erwartungen und Gleichgewicht Auswirkungen veränderter Erwartungen auf den aktuellen Wechselkurs Ein Anstieg des erwarteten zukünftigen Wechselkurses führt zu einem Anstieg des aktuellen Wechselkurses. Ein Sinken des erwarteten zukünftigen Wechselkurses führt zu einem Sinken des aktuellen Wechselkurses. 33

34 Overshooting: kurz- und langfristige Anpassung des WK kurzfr. Reaktion: M (M / P) Z w (wg. ZP) zusätzlich: WS erwarten langfristig: P w= (P / P*) we (im selben Umfang wie M, P) ZP (neuer WK w1) mittel- bis langfr. Reaktion: P (M / P) (auf Ausg.-niv.) Z (auf Ausg.-niv) w (auf wl) 34

35 Die absolute Kaufkraftparitätentheorie Gesetz des einheitlichen Preises P=P * W mit P = Preis in inl. Währung [P]=[ ] P * = Preis in ausl. Währung [P * ]=[$] W= Wechselkurs [W]=[ /$] W=P/P* 35

36 The Big Mac Index Burgernomics is based on the theory of purchasing-power parity, the notion that a dollar should buy the same amount in all countries. Thus in the long run, the exchange rate between two countries should move towards the rate that equalises the prices of an identical basket of goods and services in each country. Our "basket" is a McDonald's Big Mac, which is produced in about 120 countries. The Big Mac PPP is the exchange rate that would mean hamburgers cost the same in America as abroad. Comparing actual exchange rates with PPPs indicates whether a currency is under- or overvalued. 36

37 Quelle: Economist, 12. Januar 2006 The Big Mac PPP is the exchange rate that would mean hamburgers cost the same in America as abroad. Comparing actual exchange rates with PPPs indicates whether a currency is under- or overvalued. The cheapest burger in our chart is in China, where it costs $1.30, compared with an average American price of $3.15. This implies that the yuan is 59% undervalued. 37

38 Die absolute Kaufkraftparitätentheorie Probleme/ Kritik der KKP: - International nicht handelbare Güter - Handelsbeschränkungen - Transaktionskosten (Transport, Versicherung, Zölle, etc.) - Unterschiedl. Verbrauchsgewohnheiten - Offensichtlich teilw. dauerhafte Kaufkraftunterschiede - Empirie 38

39 Die relative Kaufkraftparitätentheorie Annahmen: - Akzeptanz dauerhafter KK- Unterschiede - Zeitliche Entwicklung des WK analog zur Entwicklung der Preise - WK und Inflationsraten eng korreliert 39

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