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1 Gestern. Heute. Morgen. AEK Bibliothek Wissen teilen, Wissen vermehren Fakten und Hintergründe zu Währungskrisen, Schulden, Nationalbanken und Inflation Aus Erfahrung

2 Immer Gut zu wissen, wo wir stehen: DIE GLOBALEN FINANZMÄRKTE

3 Immer gut zu wissen: Wo stehen wir! Finanzmärkte in Zahlen Volumen Handelsvolumen Tagesvolumen Anzahl Titel USD mio pro Jahr / USD mio Pro Tag / USD mio Anlageklasse Gesamter Finanzmarkt 2'098'143'015 2'112'712'240 8'450' '992 Obligationen 49'519'965 23'979'738 95' '949 Aktien 54'953'615 63'077' '829 45'508 Derivate 1'993'669'435 1'022'864'976 4'091'460 k.a. Währungen k.a. 1'002'789'750 4'011' Anlageinstrumente Fonds 300'001 1'200 16'971 Exchange Traded Funds (ETF) 9'607'170 38'429 5'564 Verbriefte Derivate 1'132'492 4'530 k.a. Zum Vergleich die Weltwirtschaft Bruttoinlandprodukt BIP 84'949'200 84'949'200 84'949'200 Finanzmarkt zum BIP 24 x 24 x 9.9 % Quelle: Obligationen, Aktien, Derivate, Fonds, ETFs (World Federation of Exchanges WEF), Währungen (Bank for International Settlement BIS), BIP (International Monetary Fund IMF) Seite 3

4 Der Finanzmarkt Pac Man? BIP 24 x Finanzmärkte Seite 4

5 Von wichtigen und weniger wichtigen Zusammenhängen WÄHRUNGEN WAS ZÄHLT

6 Welche Währung ist wie stark? Quelle: Bloomberg, Deutsche Bank

7 Was treibt die Währungen? Quelle: Bloomberg

8 Inflation: Motor der Währungen Quelle: Elroy Dimson

9 Globales Wachstum, aber wie? WELTWEITE SCHULDENLAST

10 Hintergrundwissen: Von Schulden Sind Schulden gut oder schlecht? Grundsatz: Schuldzins tiefer als Investitionsrendite resp. BIP-Wachstum = Positiv. Viele Theorien, viele Perspektive, keine Einigkeit: Keynes, Riccardo etc. Privatwirtschaft muss bei Schulden sparen, sonst entsteht Konkurs. Beim Staat gilt sog. Rationalitätsfalle Sparen um jeden Preis kann gefährlich sein. Staatsverschuldung ist eine Frage der Betrachtungsoptik und Definitionsfrage: sichtbar/verdeckt, Inland-/Auslandgläubiger, Heim-/Fremdwährung etc.

11 Hintergrundwissen: Von Kredit und Zins Die Einführung vom standardisiertem Kreditwesen und Anleihenmärkten führte erst zu dem heute normalen uns bekannten Wirtschaftswachstum. Zinsen = Preis für zur Verfügung gestelltes Kapital. Preis des Geldes Sie wollen Geld. Sie Fragen: Wieviel kostet es. Der Geldgeber fragt: Wieviel zahlen Sie? Wir wissen: Je grösser das Risiko, das Geld nicht wieder zu erhalten, desto höher der Zins. Der Zins hat dadurch Signalcharakter (zeigt sog. Kreditrisiko). Aber: Bei Verschuldung sind die Zinsen, nicht die Schulden vorrangig das Problem.

12 Die Schulden tragen... Land Schuldenquote Land Schuldenquote Griechenland 165.3% Niederlande 65.2% Italien 120.1% Polen 56.3% Irland 108.2% Schweiz 52.4% Portugal 107.8% Finnland 48.6% USA 100.1% Slowenien 47.6% Belgien 98.0% Dänemark 46.5% Euro-Zone 87.2% Slowakei 43.3% Frankreich 85.8% Lettland 42.6% Grossbritannien 85.7% Tschechien 41.2% Deutschland 81.2% Litauen 38.5% Ungarn 80.6% Schweden 38.4% Österreich 72.2% Rumänien 33.3% Malta 72.0% Luxemburg 18.2% Zypern 71.6% Bulgarien 16.3% Spanien 68.5% Estland 6.0% Quelle: Eurostat, Internationaler Währungsfonds (IWF)

13 Schulden und Wirtschaftsleistung Quelle: Internationaler Währungsfonds (IWF)

14 Schulden und Wirtschaftsleistung Quelle: Internationaler Währungsfonds (IWF)

15 Lösung mit Sparen Noch zu wenig Quelle: Internationaler Währungsfonds (IWF)

16 Staat: Einnahmen und Ausgaben Land Ein- / Ausgaben In Mrd Griechenland Staatseinnahmen EUR Griechenland Staatsausgaben EUR Griechenland Saldo EUR Italien Staatseinnahmen EUR Italien Staatsausgaben EUR Italien Saldo EUR Spanien Staatseinnahmen EUR Spanien Staatsausgaben EUR Spanien Saldo EUR Deutschland Staatseinnahmen EUR 974 1'017 1'066 1'088 1'066 1'082 1'133 1'158 1'179 1'203 1'228 1'255 Deutschland Staatsausgaben EUR 1'050 1'054 1'059 1'086 1'139 1'164 1'176 1'186 1'201 1'205 1'222 1'243 Deutschland Saldo EUR Schweiz Staatseinnahmen CHF Schweiz Staatsausgaben CHF Schweiz Saldo CHF Quelle: IMF (Effektive Zahlen , Prognosen )

17 Staat: Einnahmen und Ausgaben Quelle: IMF (Effektive Zahlen , Prognosen )

18 Staat: Einnahmen und Ausgaben Quelle: IMF (Effektive Zahlen , Prognosen )

19 Staat: Einnahmen und Ausgaben Quelle: IMF (Effektive Zahlen , Prognosen )

20 Staat: Einnahmen und Ausgaben Quelle: IMF (Effektive Zahlen , Prognosen )

21 Eurozone Ausstehende Schulden Quelle: Bloomberg, Oktober 2011

22 Eurozone Ausstehende Schulden Quelle: Bloomberg, Oktober 2011

23 Zinslast Griechenland: Nicht tragbar Quelle: Bloomberg, November 2011

24 Zinslast Risikostaaten: Tragbarkeit wankt 7 % Niveau = Hilfeniveau: Irland / Portugal beantragen Hilfe, können sich nicht mehr am Kapitalmarkt verschulden. Quelle: Bloomberg, November 2011

25 Zinslast Sichere Staaten : Wohin? Quelle: Bloomberg, November 2011

26 Die Umschuldung: Zwei Wege Sanfte Umschuldung: Gläubiger gewährleisten mehr Zeit oder tiefere Zinsen Ziel: Staat soll sich erholen und später Schulden zurückzahlen Harte Umschuldung: Gläubiger erlassen Schuldner einen Teil der Schulden (= Schuldenschnitt oder Haircut ) Ziel: Besser einen Teil zurückerhalten als gar nichts

27 Die Schuldenkrise Im Bilde sein

28 Fakten STAATS UND BANKBANKROTTE

29 Argentinien: Eine Chronologie 1991: Peso wird an USD angebunden: Inflation sinkt, Stabilität steigt. 1992: Zu starker Peso führt zu schrumpfendem Export und Konkursen. Kapitalflucht setzt ein. 1999: Brasilien, wichtigster Handelspartner, wertet Real ab. Investoren verlagern Interesse nach Brasilien. Anbindung an USD schränkt eigene Beweglichkeit stark ein. 2000: IWF gibt Argentinien Kredite, aber mit hohen Auflagen (zu hoch?) 2001: Stabilisierungen werden durch 9/11 zunichte gemacht. 2001: Bank-runs führend zu Vertrauensverlust in Wirtschaft. 2002: Argentinien koppelt Peso ab (zu spät?), hat 100 Mrd. USD Schulden. Schuldenschnitt bei 70 %. 2003: Schwacher Peso, Schuldenschnitt, wachsende Weltwirtschaft führen zu Erholung in Argentinien.

30 Staatsbankrotte: Nichts Neues Quelle: Lindert and Morton (1989), Macdonald (2003), Purcell and Kaufman (1993), Reinhart, Rogoff, and Savastono (2003), Standard & Poor s (diverse Jahre). Vereinfachet Darstellung der AEK BANK 1826 auf Basis Reinhart & Rogoff (2008) Quelle: Reinhart & Rogoff (2008)

31 USA: Bankenkrise geht weiter - unbemerkt Quelle: FDIC

32 USA: Bankenkrise - Nicht das erste Mal Quelle: FDIC

33 USA: Im Land der unbegrenzten Möglichkeiten WACHSTUM OHNE GRENZEN?

34 Beschleunigung? S&P 500: 4.17 % p.j. Gewinne: 3.87 % p.j Quelle: Robert Shiller

35 Beschleunigung! Gerechtfertigt? Quelle: Robert Shiller

36 Überzahlung der Gewinne? S&P 500: 8.28 % p.j. Gewinne: 5.60 % p.j Quelle: Robert Shiller

37 US-Schulden: Wachstumsmotor? Quelle: Robert Shiller, US Regierung

38 Schnelle Schulden, langsame Gewinne? Quelle: Robert Shiller, US Regierung

39 Fazit: Börsenwachstum dank Schulden? Quelle: Robert Shiller, US Regierung

40 Das Prinzip der NATIONALBANKEN

41 Zentralbanken Unterschiedliche Aufträge SNB Fed EZB BOE BOJ Ziele Preisstabilität Der konjunkturellen Entwicklung Rechnung tragen Setzt grundlegende Rahmenbedingungen für Entwicklung der Wirtschaft Preisstabilität und damit der Beitrag zur gesunden Entwicklung der Gesamtwirtschaft Vorrangiges Ziel Gewährleistung der Preisstabilität stabile Preise Höchstgrad an Beschäftigung moderate Langfristzinsen Keine Prioritätensetzung Peisstabilität Unterstützung allgemeiner Wirtschaftspolitik in der Gemeinschaft ohne Beeinträchtigung der Preisstabilität Gewährleistung der Preisstabilität Preisstabilität (quantifiziert durch das Schatzamt Unterstützung der Wirtschaftspolitik der Regierung einschließlich Wachstumsund Beschäftigungsziele(vorbehaltli ch der Preisstabilität) Gewährleistung der Preisstabilität Gewährleistung der Preisstabilität Quelle: SNB, Wikipedia, AEK BANK 1826

42 SNB-Intervention Entwertung des CHF: Unlimitierte Geldmengen. SNB kann CHF beliebig drucken. Gefahr: Überangebot an CHF führt zu Verbilligung und Inflation Aufwertung des CHF: Beschränkte Geldmengen. SNB kann nur aufwerten, solange Sie im Besitz von Fremdwährungsreserven ist. Gefahr: Spekulanten können Währung abwerten, ohne dass SNB dagegen steuern kann.

43 Prinzip der Währungsarbitrage CHF Oder: 1.20 / = 1.42 Frage: Muss die SNB auch den USD stützen? Warum bleibt der USD nicht bei 0.79 CHF? Vorgehen: Wenn der USD bei CHF 0.79 bleiben würde, dann: Würde ein Anleger den gegen USD noch starken CHF verkaufen und USD zu günstigen 0.79 CHF kaufen. Mit diesen USD würde er EUR zu 1.42 kaufen. Umgerechnet hätte er dann CHF im Wert von 0.79 x 1.42 = 1.12 CHF in EUR-Einheiten. Mit diesem starken CHF in EUR-Einheiten würde er dann günstige CHF zu 1.20 kaufen. Profit: 1.20/1.12 = +6.9 % EUR 1.42 USD Antwort: Die SNB muss nur im EUR intervenieren. Alle anderen Währungskurs-Paare werden im Devisenhandel durch aufmerksame Händler sofort angepasst (Der Händler nutz die kleinsten Abweichungen aus = Arbitrage). Der Devisenmarkt zeigt hier das Prinzip eines hocheffizienten Marktes: Verliert der CHF gegenüber dem EUR, verliert er umgehend auch gegen die anderen Währungen, abzüglich der Schwankungen die diese Währungen untereinander haben.

44 Die immer wiederkehrende Herausforderung INFLATION

45 Inflation Wenige Gewinner, viele Verlierer Gewinner: Schuldner Eigentümer von Sachwerten Wenige Unternehmer (Händler von Sachwerten) Verlierer: Sparer: Verzögerte Zinsen Rentner, Fixbesoldete: Ausgleich Arbeitnehmer: Verzögerter Ausgleich Unternehmer: Unsicherheit, Rentabilität, Kosten Investoren Staat: Steuerausfälle, Streiks, Unruhen, Staatseingriffe Inflation führt zur Enteignung von Sparer, Rentner, Mittelstand Konsequenz: Steigende Zinsen, Einbusse der Konkurrenzfähigkeit, Schwache Währung, Kapitalabfluss, importierte Inflation. Bespiel: England => Inflation 5 %, Rentnerinflation 6.5 %, notwendiger Zins 8.5 %

46 Inflation Einblick in die Schulen Monetäre Neoklassik: Zusammenspiel Geldmenge (M), Geldumlauf (U) mit Preisniveau (P) und realer Produktion (Y): M*U = P*Y, aufgelöst nach P = M*U/Y Nicht-Monetäre Nachfrageseitig: Grössere Nachfrage führt zu steigenden Preisen Angebotsseitig: Steigende Produktion führt zu mehr Arbeit und Lohn Keynes: Beziehung zwischen Inflation und Arbeitslosigkeit (Phillips-Kurve) Monetäre Schule scheint sich durchzusetzen.

47 Inflation - Ganz einfach P = M x U Y Preis = Geld Güter P = Preisniveau M = Geldmenge U = Geldumlaufgeschwindigkeit Y = Reale Produktion Bsp: Lohnverdoppelung aller Bürger bei gleicher Menge Autos mittelfristig führt zu doppelt so hohen Autopreisen (Angebot und Nachfrage, wer bietet mehr?)

48 Inflation Nicht alles ist drin im LIK LIK = Landesindex der Konsumentenpreise Nicht alle Preissteigerungen drin: Aktien Immobilien Rohstoffe Derivate Kunst Produzentenpreise Quelle: BFS

49 Geldmengenausweitung über vier Kanäle 1. Vermögenskanal: Tiefe Zinsen lassen Vermögenswerte steigen (Aktien, Immobilien etc.). Es wird mehr Vermögen für Investitionen und Konsum frei. 2. Zinskanal: Tiefe Zinsen machen Sparen unattraktiv. Investitionen und Konsum werden bevorzugt. 3. Kreditkanal: Tiefe Refinanzierungskosten der Banken führen zu attraktiveren Kreditkosten, höherer Verschuldung und höheren Investitionen/Konsum. 4. Wechselkurskanal: Tiefe Zinsen entwerten Währung. Ausländische Nachfrage steigt und erhöht Preisdruck. Dies führt alles zu höherer Nachfrage nach Arbeit und Rohstoffen und erhöht den Preisdruck.

50 Keine Inflation in den letzten Jahren? 1. Globalisierung und Arbeitsteilung: Billige Importe Starke Ausweitung an kaufbarer Menge an Gütern, Dienstleistungen und Vermögenswerten. Asien produziert mehr als es konsumiert. Deflation der Konsumgüterpreise. 2. Handel: Erhöhter Wettbewerb Starker indirekter Effekt: Erhöhter Konkurrenzkampf zwischen Westen und Asien. 3. Finanzmärkte: Qualitatives und quantitatives Wachstum Weltweite grosse Zunahme des Kapitalstocks: Durch Finanzmarktinnovationen und Liberalisierung wird dieser aber zunehmend am Kapitalmarkt gehandelt und absorbiert so einen Teil der Geldmengeninflation. Grosse Kapitalflüsse in Schwellenländer. 4. Kreditmärkte: Verschuldung über Kapitalmarkt Refinanzierung an Kapitalmärkten statt über Bankkredit schwächt Prinzip der Geldschöpfung Notenbank-Bank-Kreditnehmer. Waren die letzten Jahre eine Ausnahme oder eine Weiterentwicklung? Wahrscheinlich am ehesten eine Periode, die nun zu Ende geht.

51 Die Angst vor Deflation. Berechtigt? Was ist Deflation? Allgemeiner, signifikanter und anhaltender Rückgang des Preisniveaus Ursache: Sinkende Nachfrage, Überhang an Produkten und Dienstleistungen. Preissenkungen, weniger Umsatz und Gewinn, weniger Einnahmen, mehr Konkurse und höhere Arbeitslosigkeit. Das Beispiel Japan: Japan weist seit 20 Jahren sehr tiefe Inflation und sogar deflationäre Tendenzen auf trotz tiefer Zinsen. Grund: Deleveraging (Enthebelung) = Entschuldung des privaten Sektors: Nach platzen der Immobilienblase sassen Unternehmen auf grossen Schuldenbergen. Diese Schulden mussten abgebaut werden. Kreditnachfrage sank drastisch und günstiges Geld der Notenbank konnte gar nicht ins Wirtschaftssystem fliessen. Achtung: Hier geht es um Verschuldung der Unternehmen, nicht des Staates! Sorge vor Deflation steigt wieder, weil Entschuldung ansteht.

52 Konklusion: Inflation Ja oder Nein? Dagegen spricht: Zu schwaches Wirtschaftswachstum führt zu negativem Output-Gap (BIP unter Potenzial), Angst vor Deflation, Staatsverschuldung verunmöglicht zu hohe Ausgaben Vermögenswerte werden weniger stark zunehmen Taylor-Regel zeigt keine zu tiefen Zinsen an Geldmenge scheint entkoppelt von Inflation Dafür spricht: Viele Inflationshemmende Faktoren der letzten Jahre entfallen: Schwellenländer produzieren teurer, Konsumieren mehr (doppelter Druck) Geldmenge weitet sich enorm aus Druck in System gewinnt überhand Monetarisierung der Schulden (Aufkauf der Schulden, sichtbar bei Fed und EZB) als Lösung der hohen Verschuldung historisch immer letzte Lösung CHF ist an EUR angebunden: Nimmt an Schuldenmonetarisierung teil Globales Wachstum treibt Rohstoffpreise in die Höhe, Arbeitskosten steigen wieder an (Produktionsrückführung in Heimland oder teurere Länder)

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