Die Notenbank feuert aus allen Rohren Die Nationalbank rechnet mit einer tiefen Rezession und sieht Deflationsgefahren

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1 News Aktuelles aus Politik, Wirtschaft und Recht Nationalbank Die Notenbank feuert aus allen Rohren Die Nationalbank rechnet mit einer tiefen Rezession und sieht Deflationsgefahren Die Nationalbank versucht mit allen Mitteln, die Rezession zu lindern. Sie senkt ihren Leitzins ein weiteres Mal, sie kauft Obligationen direkt am Markt, und sie verkauft Schweizer Franken, um dessen Kurs zu drücken. Ungewöhnliche Zeiten. Dass fast alle Wirtschaftsprognosen in den letzten 12 Monaten falsch gelegen sind, ist zwar nicht ungewöhnlich. Doch das Ausmass der Fehlprognosen und das Tempo der Korrekturen sind spektakulär. Im März 2008 über ein halbes Jahr nach dem Ausbruch der internationalen Finanzkrise sah das Wirtschaftsjahr 2009 für die Schweiz noch sehr passabel aus: Die typische Prognose deutete auf ein Wirtschaftswachstum von etwa 2 Prozent. Seither ging es nur noch bergab: Das Ausmass der Finanzkrise hat wiederholt die schlimmsten Befürchtungen übertroffen, und die Folgen dieser Krise für die Weltwirtschaft und damit auch für die Schweiz waren weit heftiger als erwartet. Minus 2,5 bis 3 Prozent Die Nationalbank (SNB) erwartet nun sogar, dass die Schweizer Wirtschaft heuer um 2,5 bis 3 Prozent schrumpfen wird. Dies vor allem wegen «der Verstärkung der weltweiten Rezession», wie die Notenbank gestern mitteilte. Ohne Gegenmassnahmen droht der Schweiz laut der SNB möglicherweise eine Deflation ein breiter Preisrückgang. Deflation kann noch deutlich gefährlicher sein als Inflation. Dies vor allem aus drei Gründen: 1. Erwarten die Konsumenten ständig sinkende Preise, könnten sie in den Kaufstreik treten, da später ja alles billiger sein wird. 2. Kreditnehmer sind mit einer laufenden Steigerung des realen Wertes ihrer Schulden konfrontiert was eine Pleitewelle auslösen kann. 3. Steigen die Reallöhne in der Rezession, wird dies die Arbeitslosigkeit noch zusätzlich erhöhen. Die Nationalbank feuert nun aus allen Rohren, um die Folgen der Rezession zu lindern: Sie senkt ihren Leitzins noch einmal von 0,5 auf 0,25 Prozent. Im Herbst 2008 lag der Satz noch bei 2,75 Prozent und sie bietet den Geschäftsbanken zusätzliche Billigkredite an. Sie kauft direkt am Markt Franken-Obligationen von privaten Schuldnern und verkauft am Devisenmarkt Schweizer Franken, um den Kurs zu drücken. Die Leitzinssenkung ist noch das Unspektakulärste. Der Satz lag vorher schon fast bei null. Zudem kann die SNB den Geschäftsbanken nicht befehlen, zu welchen Sätzen sie sich gegenseitig Kredite geben. Sie kann die Banken nur indirekt «motivieren», indem sie ihnen entsprechend billige Kredite anbietet. Schon bisher bot sie den Notenbanken gesicherte Mehrmonatskredite fast zum Nulltarif an. Gestern konnten sich Geschäftsbanken Kredite für 3, 6 oder 12 Monate zu einem Jahressatz von läppischen 0,05 Prozent holen gegen Sicherheiten. Durch ihre Politik der Fast-Gratis-Kredite hat es die Nationalbank nach früheren Zinsentscheidungen jeweils geschafft, den Libor-Satz allmählich an die jeweilige Zielmarke heranzuführen. Gestern stand der Libor vor Ankündigung der neusten Entscheide bei 0,45 Prozent. Der Libor-Satz ist aber nicht zu unterschätzen, wie SNB-Sprecher Werner Abegg betont: «Als Referenzsatz in der Wirtschaft ist der Libor nach wie vor von grosser Bedeutung.» Viele Hypotheken und andere Kredite beruhen zum Teil auf dem Libor-Satz: Der Libor dient als Basis, auf der die Geschäftsbanken noch einen Risikozuschlag und eine Marge hinzurechnen die Summe ergibt den Zinssatz für den Kreditnehmer. Die Senkung der Zinsen und die Steigerung der Liquidität sollen die Kapitalkosten der Kreditnehmer senken und damit die Investitionen fördern. Und: Je tiefer die Frankenzinsen, desto eher sollte der Frankenkurs sinken was die gebeutelten Schweizer Exporteure entlasten kann. Der Franken taucht Der Euro war Mitte 2008 noch mehr als Fr wert. Bis vorgestern Abend war er auf Fr getaucht. Diese Frankenaufwertung hat der Nationalbank nicht geschmeckt. Sie kündigte gestern daher an, auch direkt am Devisenmarkt zu intervenieren: Fremdwährungen zu kaufen und Franken zu verkaufen. Die Ankündigung alleine kann hier schon einen Effekt haben wenn die Marktteilnehmer in Erwartung von Notenbankverkäufen ihre Finger vom Franken lassen. Ein Effekt war gestern jedenfalls sichtbar: Der Euro und der US-Dollar haben gestern gegenüber dem Franken um je 3 bis 4 Rappen zugelegt. Diverse Ökonomen zweifelten allerdings daran, ob die Notenbank den Frankenkurs dauerhaft tief halten kann. Der Bund, Fragen und Aufträge 1. Welche Prognose stellt die Nationalbank für die Schweizer Wirtschaft? Nennen Sie zwei Aspekte. 2. Eine drohende Deflation kann für die Schweiz sehr gefährlich sein. Nennen Sie drei Gründe. 3. Welche drei Massnahmen ergreift die SNB konkret, um die Folgen der Rezession zu lindern? 4. Welche konkreten Auswirkungen hat die Senkung des Leitzinses? 5. Welcher Effekt konnte kurz nach der Veröffentlichung der Massnahmen durch die SNB beobachtet werden? Begriffe Rezession Libor Deflation Devisen Obligationen Liquidität Lösungshinweise

2 Nationalbank Zum Film Fragen und Antworten 1. Welche Prognose stellt die Nationalbank für die Schweizer Wirtschaft? Nennen Sie zwei Aspekte. Die Nationalbank erwartet eine Schrumpfung der Wirtschaft um 2.5 bis 3 Prozent. Die weltweite Rezession könnte eine Deflation auslösen. Damit ist ein breiter Preisrückgang gemeint.

3 2. Eine drohende Deflation kann für die Schweiz sehr gefährlich sein. Nennen Sie drei Gründe. - Ständig sinkende Preise führen bei den Konsumenten zu einer abwartenden Haltung die Preise könnten ja noch weiter sinken. Die Wirtschaft stockt. - Die Schulden von Kreditnehmern erfahren eine Werterhöhung. Konkurse sind möglich. - Reallohnerhöhungen führen dazu, dass Unternehmen Arbeitskräfte entlassen, da sie Kosten sparen wollen. 3. Welche drei Massnahmen ergreift die SNB konkret, um die Folgen der Rezession zu lindern? Die SNB senkt den Leitzins von 0.5 auf 0.25 Prozent und sie kauft Obligationen in CHF von privaten Schuldnern, damit mehr Geld in Umlauf kommt. Ebenso bewirkt der Verkauf von Schweizer Franken am Devisenmarkt einen Wertverlust.

4 4. Welche konkreten Auswirkungen hat die Senkung des Leitzinses? Die Senkung des Leitzinses hat zur Folge, dass Geld für Geschäftsbanken günstiger wird. Deshalb beziehen die Banken vermehrt Schweizer Franken und bringen diese in Umlauf. Sinkende Zinsen führen dazu, dass Kreditnehmern billigeres Geld zur Verfügung steht und sie damit vermehrt Investitionen tätigen können. Tiefere Zinsen sollten den Wert des Schweizer Frankens verringern. Ein sinkender Frankenkurs entlastet die Exportwirtschaft, da die Preise im Vergleich zum Ausland konkurrenzfähig bleiben. 5. Welcher Effekt konnte kurz nach der Veröffentlichung der Massnahmen durch die SNB beobachtet werden? Ausländische Währungen wie der Euro oder der Dollar haben an Wert gewonnen, der Schweizer Franken hat an Wert verloren je 3 bis 4 Rappen.

5 Begriffe Rezession: Rückgang der Konjunktur, Abschwung Deflation: Verminderung der Geldmenge, Preissenkungen, Geldwertanstieg Obligationen: festverzinsliches Wertpapier, Schuldverschreibung Libor: Leitzins; Basis für Zinsberechnungen von Banken; gibt an, wie viel Zins eine Geschäftsbank bezahlen muss, wenn sie bei einer andern Geschäftsbank Schweizer Franken ausleiht Devisen: Währungen Liquidität: flüssige Geldmittel, Zahlungsfähigkeit, Möglichkeit Sachwerte in Geld umzuwandeln

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