DEVISENMARKT. Abwertungswettlauf Mythos und Realität. Eine Research-Publikation der DZ BANK AG GELD/DEVISEN

Größe: px
Ab Seite anzeigen:

Download "DEVISENMARKT. Abwertungswettlauf Mythos und Realität. Eine Research-Publikation der DZ BANK AG GELD/DEVISEN"

Transkript

1 1/22 DEVISENMARKT Eine Research-Publikation der DZ BANK AG Abwertungswettlauf Mythos und Realität GELD/DEVISEN Überlegungen zur zunehmenden Politisierung von Wechselkursen und der Einflussnahme von Notenbanken auf die Devisenmärkte Egal, wie man es nennt: Währungskrieg, kompetitive Abwertung, Abwertungswettlauf oder Wechselkursmanipulation. Die Aufmerksamkeit für Fragen der Währungspolitik hat jüngst explosionsartig zugenommen. Die Prüfung der harten Fakten ergibt ein Bild jenseits der Wahrnehmung, die derzeit mehrheitlich an den Finanzmärkten herrscht. Unserer Einschätzung nach fehlt es für einen Währungskrieg sowohl an den Merkmalen unangemessener Wechselkursbewegungen als auch an geldpolitischer Lockerung, die rein währungspolitisch motiviert wäre. Darüber hinaus zeigen wir, warum weder die Eurozone noch die USA und letztlich nicht einmal Japan Interesse an einem Abwertungswettlauf haben sollten. Eine schwächere Währung als Allheilmittel für Konjunktur und Deflation zu sehen, verkennt wichtige volkswirtschaftliche Zusammenhänge. Flash Die Kursverluste des Yen machen Schlagzeilen. Dessen Abwertung mag politisch gewollt und in ihrer Dynamik besorgniserregend sein. Allerdings handelt es sich auch um eine längst überfällige Korrektur einer über lange Zeit zu hoch bewerteten Währung. Auch wenn der makroökonomische Paradigmenwechsel in Japan einschneidend ist und als Auslöser der Trendwende im Yen gelten kann, sind die Gründe für die Yen-Schwäche zu vielschichtig, als dass man eine rein politische Motivation unterstellen sollte. Auch der geldpolitische Vergleich der G4-Länder zeigt keine Exzesse, die auf einen Währungskrieg hindeuten würden. Dass die globale Liquiditätsversorgung ausgesprochen expansiv ist, steht ebenso außer Frage wie die Notwendigkeit einer glaubwürdigen Exit-Strategie. Falls neben der Stabilisierung der Finanzmärkte, Konjunkturförderung und Deflationsbekämpfung jetzt auch noch der Wechselkurs in die geldpolitische Entscheidungsfunktion einfließen würde, würde sich die Frage nach dem richtigen Exit-Zeitpunkt weiter verkomplizieren. In der gegenwärtigen Diskussion wird die Kausalkette zwischen Wechselkurs und Geldpolitik gerne umgekehrt. Wir legen Wert darauf, dass es immer noch die Geldpolitik ist, die den Wechselkurs beeinflusst, und nicht umgekehrt die Steuerung des Wechselkurses zur Zielgröße der Notenbanken geworden ist. Geldpolitische Unterschiede (=Zinsdifferenzen) als Einflussfaktor zur Wechselkursfindung heranzuziehen, ist eher alte volkswirtschaftliche Schule als Ausdruck eines neu aufziehenden Währungskriegs. Autor(en) und Ersteller: Dorothea Huttanus, ANALYST

2 DZ BANK RESEARCH 2/22 ABWERTUNGSWETTLAUF: MYTHOS UND REALITÄT Das plötzlich wiederentdeckte Interesse an internationalen Währungsfragen Wir befinden uns inmitten eines internationalen Währungskriegs." Guido Mantega, brasilianischer Finanzminister, im Oktober Gemeinsam mit der Bank von Japan müssen wir Maßnahmen entwickeln, um die Deflation zu bekämpfen und die Yen-Stärke zu korrigieren, da diese die Wettbewerbsfähigkeit kleiner Firmen schädigen. Shinzo Abe, japanischer Premierminister am 15. November Der Euro-Wechselkurs ist gefährlich hoch. Jean-Claude Juncker, scheidender Chef der Eurogruppe, am 15. Januar Ich bin irritiert über Japans geldpolitische Haltung und besorgt aufgrund des Risikos einer beggar-thy-neighbor Politik. James Bullard, Präsident der Fed von St. Louis, am 10. Januar Egal, wie man es nennt: Währungskrieg, kompetitive Abwertung, Abwertungswettlauf oder Wechselkursmanipulation. Die Aufmerksamkeit für Fragen der Währungspolitik hat in den letzten Wochen explosionsartig zugenommen. Neu ist die I- dee allerdings nicht, hat doch Brasiliens Finanzminister bereits im Herbst 2010 mit Blick auf die USA diesen Vorwurf formuliert. Welche fatalen Folgen ein Abwertungswettlauf haben kann, der eskaliert und in einem protektionistischen Handelskrieg mündet, lehren uns die Erfahrungen der dreißiger Jahre. Nach dem Kollaps des Goldstandards und der Abwertung des Britischen Pfunds um über 30% im September 1931 folgte ein bis dato ungekannter Handelskrieg, dessen protektionistische Eskapaden mit zu den Auslösern der Weltwirtschaftskrise zählt. Eine wachsende politische Einflussnahme auf alle Finanzmärkte ist seit Ausbruch der Finanzkrise zur traurigen Gewohnheit geworden, sei es durch die Rettung von Banken und ganzen Staaten, sei es durch erhöhte Regulatorik oder sei es durch das Verhängen von Kapitalverkehrskontrollen. Dass das Euro-Sentiment in den letzten Quartalen stärker von politischen Meinungsäußerungen geprägt war als von harten Konjunkturfakten, haben wir inzwischen auch akzeptiert. Aber jetzt scheint die nächste Stufe der Eskalationsleiter erreicht zumindest dann, wenn die Häufung von Diskussionen über den drohenden Währungskrieg als Maßstab dient. Politische Einflussnahme wächst Wir wollen im Folgenden prüfen, was die harten Fakten jenseits der politischen Diskussion hergeben. Stehen wir am Auftakt eines globalen Währungskriegs? Befinden wir uns längst in einem geldpolitischen Abwertungswettlauf und haben es bislang nur nicht gemerkt? Oder besteht Hoffnung, dass sich der Wettlauf der Währungen auf die verbale Ebene beschränkt und nicht von politisch geprägten Markteingriffen und entsprechenden Kursausschlägen begleitet wird? Währungspolitik: Status Quo Die Grundidee der kompetitiven Abwertung ist fast so alt wie die Devisenmärkte selbst: Durch eine Abwertung versucht eine Volkswirtschaft ihre internationale Wett- Erhoffte Exportvorteile durch schwächere Währung

3 DZ BANK RESEARCH 3/22 bewerbsfähigkeit zu verbessern und den Absatz von im Inland produzierten Waren über günstigere Preise im Ausland anzukurbeln. Sobald der Währungskrieg ausgebrochen ist, wird jedes Land versuchen, diesen Vorteil für sich in Anspruch zu nehmen, wodurch der erhoffte positive Effekt für alle zunichte gemacht wird. Warum erfährt die Diskussion ausgerechnet zum jetzigen Zeitpunkt eine Neuauflage? Schon im Herbst 2010 hatte Brasilien stellvertretend für viele Schwellenländer die US-Geldpolitik kritisiert und das Schlagwort des Währungskriegs ins Spiel gebracht. Kurz darauf hat die Eskalation der Euro-Schuldenkrise allerdings die weltweite Aufmerksamkeit auf sich gezogen und die Idee des Währungskriegs ins Abseits gestellt. Konkreter Auslöser der aktuellen Diskussion ist fraglos die wirtschaftspolitische Wende in Japan, die die neue Regierung eingeleitet hat. Dabei geht es nicht nur um die massive politische Einflussnahme auf die Notenbank; vor allem das gezielte Hinwirken auf eine Yen-Schwäche bezeichnen viele Kommentatoren als den ersten Schuss in einem globalen Währungskrieg. Es steckt aber mehr hinter der aufkeimenden Diskussion als die Entwicklung in Japan. Der eigentliche Grund liegt eher in einer Verschiebung der Prioritäten. Das Thema Wachstum wird wieder zunehmend eine Rolle spielen, während die Jahre zuvor primär als Krisenjahre der Finanzmärkte gesehen wurden und deren Stabilisierung die vorrangige Aufgabe der Politik war. Jetzt wo die krisenbedingten Turbulenzen der Weltfinanzmärkte beherrschbar scheinen und auch der Kollaps der Eurozone vermieden sein dürfte, gewinnen realwirtschaftliche Fragen an Bedeutung. Der Aufschwung steht weltweit auf wackeligem Boden und kein Land kann es sich leisten, durch eine übermäßige Aufwertung der eigenen Währung das bisschen an Wachstum zu verspielen, auf das man sonst hoffen könnte. Dass sich Notenbanken weltweit einer ultralockeren Geldpolitik verschrieben haben, weckt schon länger die Zweifel an deren langfristiger Tragfähigkeit und die Frage nach dem Exit. Jetzt, wo die diversen Krisen der letzten Jahre ihren Schrecken verloren haben, wird die zuvor noch so gepriesene Handlungsfreude der Notenbanken plötzlich uminterpretiert als unpassende Übertreibung. Der ultralockeren und innovativen Geldpolitik, die noch vor wenigen Monaten so freudig von Politik und Märkten begrüßt worden war, unterstellt man plötzlich, einem unlauteren Wettbewerb der Währungen zu dienen. So schnell ändert sich die Wahrnehmung an den Finanzmärkten. Neuauflage des Währungskriegs von Japan gibt den Anstoß Verschiebung der Prioritäten von Finanzkrise zur Realwirtschaft Das Paradoxe an der Situation ist, dass sich niemand für den Täter, sondern meist für das Opfer hält. Es wird nur auf die vermeintliche Kursmanipulationen und die Politik des billigen Geldes der anderen Länder verwiesen. Japan betrachtet den Yen gegenüber dem US-Dollar als überbewertet und versucht, seine Währung schwach zu reden. Die US-Amerikaner wiederum drängen die Chinesen, eine stärkere Aufwertung des Yuan zu akzeptieren. Brasilien beschränkt den freien Kapitalverkehr. Aber natürlich nur, um eine weitere Aufwertung des Reals zu verhindern, die durch die Liquiditätsschwemme der US-Notenbank ausgelöst wird, während an anderer Stelle wiederum die quantitative Lockerung in den USA als wichtiges Instrument in der globalen Krisenbekämpfung gelobt wird. Heiliger St. Florian, verschon' mein Haus, zünd' andre an. Das Sankt-Florian-Prinzip Nicht jede geldpolitische Handlung, die den Wechselkurs beeinflussen könnte, zielt auch zuvorderst auf eine solche Beeinflussung ab. Manchmal ist eine Reaktion des Wechselkurses auch einfach nur die Nebenwirkung, die Hauptintention liegt aber auf anderen Themen. Dies immer klar zu trennen, kann kaum gelingen. Es gibt aber un-

4 DZ BANK RESEARCH 4/22 terschiedliche Grade der Wechselkursbeeinflussung, die wir abzugrenzen versuchen werden. Im Folgenden nehmen wir uns die großen Währungen vor und prüfen sie auf den Grad der Beeinflussung. Dabei prüfen wir: Checkliste für Beeinflussung - ob es überhaupt kritische FX-Bewegungen gegeben hat. - ob das geldpolitische Umfeld übermäßig expansiv scheint. - ob der Offenheitsgrad der Volkswirtschaft potentiell Erfolgsaussichten für währungspolitische Übergriffe verspricht. Gibt es auffällige Wechselkursbewegungen? Das offensichtlichste Symptom eines Abwertungswettlaufs sind auffällige Wechselkursveränderungen. Zwar hat der Yen mit seinen Kursverlusten der letzten Monate die Schlagzeilen erobert, und die Kursgewinne von 20% im Euro bzw. knapp 15% im US-Dollar sprechen zunächst für sich. Aber der Blick auf den handelsgewichteten Yen relativiert den Eindruck bereits, da die Yen-Schwäche nicht zu allen Währungen gleich stark ausgeprägt ist. Angesichts des Stands der aktuellen Diskussion wird das Bild noch überraschender, wenn nicht nur die letzten Wochen und Monate betrachtet werden, sondern die Entwicklung seit Ausbruch der Finanzkrise. Trotz der jüngsten Korrektur ist die japanische Währung noch immer nahe historischer Höchstkurse. Das Britische Pfund dagegen ist schon seit vielen Jahren relativ schwach, ohne dass dies nennenswerte Proteste ausgelöst hätte. Das Verständnis des Yen als Schwachwährung ist fraglos von den Entwicklungen der letzten drei Monate geprägt. Ein Großteil der zuletzt zu beobachtenden Yen-Abwertung dürfte aber auch der längst überfälligen Korrektur auf die viel zu hohen Bewertungsniveaus aus vorangegangenen Krisenzeiten zuzuschreiben sein. Wechselkursbewegungen im größeren zeitlichen Kontext betrachtet Der Yen ist schwächer geworden, aber er ist nicht schwach TROTZ JÜNGSTER ABWERTUNG IST JPY IMMER NOCH EXTREM FEST BEREINIGT UM PREISENTWICKLUNG IST DER CNY SPITZENREITER Nominale effektive Wechselkurs, 01/2007=100% USD EUR GBP JPY CNY Reale effektive Wechselkurs, 01/2007=100% USD GBP CNY EUR JPY Quelle: BIZ Quelle: BIZ

5 DZ BANK RESEARCH 5/22 Einen weit besseren Gradmesser für die internationale Wettbewerbsfähigkeit als der am Devisenmarkt im Mittelpunkt stehende nominale bilaterale Wechselkurs liefert der reale Wechselkurs. Dieser berücksichtigt auch die Veränderung von Preisen und Kosten in einem Land. Der Blick auf die Entwicklung des realen effektiven Wechselkurses (also handelsgewichtet und bereinigt um die relative Konsumentenpreisentwicklung) liefert verblüffende Ergebnisse. Nicht etwa der Yen ist die Währung, die seit 2007 am stärksten zugelegt hat, sondern der Chinesische Yuan, wo sich die deutlich höheren Preissteigerungen in China niederschlagen. Statt der Länder China und Japan als derzeit auf der Anklagebank sitzende Währungsmanipulatoren sollte man eher den Euro und den US-Dollar als stetig real abwertende Währungen kritisch beäugen. Alleine die Tatsache, dass China seinen nominalen Wechselkurs durch umfangreiche Interventionen künstlich vor einer verstärkten Aufwertung abschirmt, schützt die chinesische Volkswirtschaft nicht vor einer Verschlechterung seiner internationalen Wettbewerbsposition. Realer effektiver Wechselkurs ist besserer Gradmesser für internationale Wettbewerbsfähigkeit Ist das geldpolitische Umfeld auffällig expansiv? Die Wertung der geldpolitischen Rettungsmaßnahmen seit Ausbruch der Finanzkrise erfährt derzeit einen Wandel. Während der ultraexpansive Lockerungskurs der Notenbanken während der Hochpunkte der Krise von Märkten und Politik aufs Herzlichste willkommen geheißen wurde, mehren sich jetzt die kritischen Stimmen bezüglich der Nebenwirkungen. Nicht weniger als die Rettung der Finanzwelt wurde von der Geldpolitik erwartet. Jetzt, wo dies gelungen ist, und sich die Angst vor dem Systemkollaps in ein Gespenst der Vergangenheit gewandelt zu haben scheint, wird das Ausmaß der monetären Lockerung in Frage gestellt. Droht nicht langfristig ein Inflationsschub aufgrund der Überschussliquidität? Sehen wir nicht längst erste Anzeichen einer Vermögenspreisblase an den Wertpapier- und Immobilienmärkten? Führt die überreichliche Liquiditätsbereitstellung nicht zu einer monetären Staatsfinanzierung durch die Notenbanken? Die Liste der Vorwürfe ist lang und jetzt kommt ein neuer Anklagepunkt hinzu: durch die fortgesetzte Lockerung der Geldpolitik könnte auch der Wechselkurs gezielt unter Druck gesetzt werden, um mit der resultierenden Abwertung weitere Konjunkturimpulse zu setzen. Expansive Geldpolitik: erst als Retter gefeiert, jetzt als zu expansiv kritisiert Die Erkenntnis, dass wir weltweit eine ausgesprochen lockere Geldpolitik sehen, ist aber nun wirklich keine Neuigkeit. Seit Ausbruch der Finanzkrise im Zuge des Lehman-Kollapses haben die großen Notenbanken alle einen massiven Lockerungskurs eingeschlagen. Das Ausmaß der Lockerung war so unterschiedlich wie die Instrumente, die von klassischen Leitzinssenkungen über Langfristtender bis hin zu gezielten Wertpapierankäufen reichen. Ausschließlich Japan in den Fokus zu stellen und auf die jüngsten Lockerungspläne der Bank of Japan zu verweisen, wäre aber sowohl einseitig als auch kurzsichtig. Der in folgender Grafik dargestellte Vergleich der Bilanzsummen der G4- Notenbanken scheint zunächst für sich zu sprechen. Allerdings ist der direkte Volumen-Vergleich der Lockerungen irreführend. Der Blick auf die Lockerung in Relation zur Größe der Volkswirtschaft ist ein erster Schritt der Relativierung. Auffällig ist a- ber bereits hier, dass Japan keinesfalls der einzige Währungsraum mit einer -im Verhältnis zur Wirtschaftsgröße- ausgeprägten Lockerung ist. Vergleich der G4-Notenbankbilanzen

6 DZ BANK RESEARCH 6/22 AUSWEITUNG DER NOTENBANKBILANZEN UNTERSCHIEDLICH STARK UND ABHÄNGIG AUCH VON GRÖßE DER VOLKSWIRTSCHAFT Bilanzsumme, in Mrd. USD 35% 30% Bilanzsumme, in % vom BIP % % % 1000 FED EZB BOE BOJ 10% 500 5% FED EZB BOE BOJ % Q Q Q Q Q Q Um zu messen, inwieweit die Lockerung als Reaktion auf die Finanzkrise zu verstehen ist, definieren das Jahr 2007 (bzw. im zweiten Schritt 2010) als Startpunkt und indexieren die Bilanzgröße zu diesem Zeitpunkt auf 100%. Die dann folgende Aufblähung der Notenbankbilanzen zeigt das Ausmaß der erfolgten geldpolitischen Lockerung im Rahmen der Krisenbekämpfung besser auf. Nicht etwa Japans Geldpolitik wäre demnach seit 2007 besonders aggressiv, sondern die Großbritanniens. Die Bilanz der japanischen Notenbank hat sich seit 2007 gerade einmal um nur 35% ausgeweitet, während die der Bank of England sich beinahe verfünffacht hat wenn auch von einem deutlich geringeren Niveau aus. Vergleich der geldpolitischen Expansion seit Ausbruch der Krisen VERGLEICH DER RELATIVEN BILANZVERLÄNGERUNG SEIT 2007 UND MIT STARTPUNKT 2010 BIETET ANDERES BILD FED EZB 400 BOE BOJ 150 FED EZB 300 BOE BOJ Bilanzsumme der G4-Notenbanken, 01/2007=100% Bilanzsumme der G4-Notenbanken, 01/2010=100%

7 DZ BANK RESEARCH 7/22 Setzt man den Startpunkt der Krise nicht auf 2007, sondern auf das Jahr 2010, gibt es eine leichte Verschiebung in der Wahrnehmung. Seit 2010 war es die EZB, die ihre Bilanz besonders stark ausgeweitet hat, und auch die Expansion Japans fällt etwas stärker auf. Zugegeben handelt es sich hier nur um die bisherige Expansion in Japan; nicht berücksichtigen lässt sich das Versprechen aus Japan die Geldpolitik notfalls unbegrenzt zu lockern. Ein solch vages Versprechen mit einer Reihe von Implementierungsrisiken lässt sich weder messen noch grafisch darstellen. Auch die Anleihekaufprogramme der G4-Notenbanken unterscheiden sich; natürlich im Volumen, aber vor allem in der Zielsetzung. Das Volumen des SMP-Programms der EZB ist zur Beurteilung des Lockerungsgrades irreführend, da die Käufe sterilisiert werden. Die EZB hat ihr inzwischen durch das OMT-Programm abgelöstes Anleihekaufprogramm explizit nicht als Instrument der quantitativen Lockerung verstanden und die dadurch in den Markt gegebene Liquidität umgehend wieder abgeschöpft. Die anderen Notenbanken sehen ihren Ankauf von Wertpapieren dagegen als Mittel, um frisches Geld in den Wirtschaftskreislauf zu bringen. Die Anleihekäufe der EZB fallen im internationalen Vergleich sehr gering aus, da sich die europäischen Währungshüter auf die Liquiditätsbereitstellung via Langfristtender konzentriert haben. Der Vergleich der Wertpapierbestände in den Notenbankbilanzen bildet also nicht das komplette Ausmaß der geldpolitischen Lockerung ab und lässt vor allem die EZB weniger expansiv erscheinen. Wertpapier-Kaufprogramme nur mit eingeschränkter Aussagekraft Wertung der geldpolitischen Lockerung in Japan - Bezug zur Währungspolitik Egal, welchen Maßstab der geldpolitischen Lockerung wir heranziehen, nicht immer sticht die Geldpolitik Japans als besonders aggressiv oder gar unpassend ins Auge. Gemessen an der Diskussion an den Märkten und auch gemessen an der Größe der japanischen Volkswirtschaft ist die geldpolitische Expansion dort fraglos besonders intensiv. Das kommt nicht von ungefähr, da Japan über eine lange Tradition bei der politischen Beeinflussung der Märkte verfügt. Nicht umsonst gilt die Bank of Japan auch als die Erfinderin der Quantitativen Lockerung, und Interventionen im Yen gehörten in den letzten Jahrzehnten zur Normalität des Devisenmarktes. Der letzte direkte Eingriff Japans in den Devisenmarkt ist allerdings über ein Jahr her (November 2011) und nicht etwa wenige Wochen. Trotz der Vorwürfe aus aller Welt hat Japan die wichtigste Waffe in dem unterstellten Währungskrieg also in jüngster Zeit noch nicht eingesetzt. Auch der Ankauf von ausländischen Wertpapieren (statt nur japanischer Titel) im Rahmen der quantitativen Lockerung wäre eine währungspolitische Option, auf die aber ebenfalls noch verzichtet wird. Wichtigste Waffe im Währungskrieg wären Interventionen - Japan verzichtet darauf seit 2011 Die aktuelle Runde der quantitativen Lockerung läuft in Japan schon seit Auch vor dem Regierungswechsel im Dezember 2012 war eine ausgesprochen expansive Geldpolitik charakteristisch für Japan, Nullzinspolitik war in den letzten Jahren eher geldpolitische Regel als Ausnahme. Den Yen hat dies aber nicht von seinem Höhenflug der letzten fünf Jahre abgehalten. Allein die Höhe der geplanten Anleihekäufe ist sicher nicht der Schlüssel zur Yen-Entwicklung. Dass statt 35 Bio JPY (Zielgröße im Oktober 2010) oder 68 Bio JPY (Zielgröße Dezember 2012) eine Anhebung auf 120 Bio JPY bis 2014 angekündigt worden ist, ist auch nicht entscheidend für die Wertung der Geldpolitik. Hier kommt es vielmehr auf die begleitende Rhetorik an: es steht das Versprechen im Raum, notfalls auch unbegrenzt Anleihen zu erwerben. Mit dem im März anstehenden Wechsel an der Spitze der Bank von Japan sowie Expansive Geldpolitik ist keine neue Erfindung für Japan

8 DZ BANK RESEARCH 8/22 dem Austausch weiterer wichtiger Notenbankmitglieder dürfte ein noch deutlich expansiverer Kurs verbunden sein als unter dem bisherigen Gouverneur Shirakawa. Und die Rede ist nicht nur von einem geldpolitischen Kurswechsel - der entscheidende Punkt ist die enge Verknüpfung von Geld- und Fiskalpolitik, wie sie in keiner anderen der großen Volkswirtschaften zu beobachten ist. Das Ausmaß der politischen Einflussnahme, das wir derzeit beobachten, ist Resultat des Regierungswechsels im Dezember. Die japanische Währung wurde zum Wahlkampfinstrument und zum Propagandamittel im aussichtslos scheinenden Kampf gegen Deflation und Konjunkturmalaise. Die Yen-Schwächung wird als politisch gewollt dargestellt und durch eine großzügige Geldpolitik unterstrichen. Soweit das Offensichtliche. Doch die Yen-Entwicklung der letzten Monate ist mehr als nur Spiegelbild der lockeren Geldpolitik der letzten Wochen. Begünstigt wird die Yen-Schwäche von einem global deutlich aufgehellten Risikoumfeld, das den Bedarf für den Yen als Sicheren Hafen spürbar senkt. Japan strotzt nur so vor fundamentaler Schwäche. Sei es die ausufernde Schuldenstand, seien es die chronische Deflation und die anhaltende Konjunkturmalaise, seien es die drohende Überalterung der Bevölkerung und die negativen Implikationen dieser demographischen Veränderung für die Finanzmärkte. Zu den Yen-Stützen der Vergangenheit gehörte u.a. auch der strukturelle Leistungsbilanzüberschuss, der nicht nur zu einem stetigen Kapitalzufluss nach Japan geführt hatte, sondern den Yen auch weitgehend immun gegenüber spekulativen Attacken gemacht hatte. Veränderte Konsumstrukturen im Inland sowie der strukturelle Wandel bei den Exporten lassen aus dem Überschuss als traditioneller Yen-Stütze eine latente Belastung in Form eines (wenn auch nur geringen) Defizits werden. Schwächerer Yen nicht nur geldpolitisch bedingt Krisenberuhigung, strukturelle Schwäche Japans, tragen auch dazu bei Ohnehin dürfte das, was derzeit im Yen wie eine Einbahnstraße wirkt, nicht von Dauer sein. Derzeit ist die Yen-Abwertung der letzten Wochen als potentielles Mittel gegen Deflation und Exportschwäche gern gesehen. Der Verlust der Binnenkaufkraft, der damit einhergeht, wird derzeit wohl völlig ausgeblendet. Nicht nur die japanischen Exporte verbilligen sich, auch die Importe verteuern sich. Bei vielen Importprodukten ist eine Substitution zu billigeren Inlandsprodukten nicht möglich. Vor allem die wechselkursbedingt höheren Ausgaben für Energieimporte dürften die Kaufkraft der Konsumenten erheblich belasten. Diese importierte Inflation mag dabei helfen, die Deflation zu bekämpfen, sie ist aber kaum geeignet, den japanischen Käuferstreik zu beenden. Ob die japanische Bevölkerung die Yen-Abwertung auch dann noch begrüßt, wenn sie die Folgen in ihren Geldbörsen zu spüren bekommt? Yen-Abwertung schwächt Binnennachfrage Die geldpolitische Haltung der Bank of Japan mag die Yen-Schwäche begünstigen, und die resultierende Yen-Schwäche wird sicherlich auch im Kampf gegen die Deflation gerne gesehen. Ohne die globale Risikoberuhigung und das schwierige konjunkturelle sowie strukturelle Umfeld Japans wäre es aber kaum zu einer so heftigen Yen-Reaktion gekommen damit liegen aber zwei der drei großen Faktoren für die Yen-Schwäche außerhalb der direkten Steuerung der Politiker. Während als Instrument im potentiellen Währungskrieg die geldpolitische Lockerung im Mittelpunkt steht, stehen bei den Verbalinterventionen keinesfalls die Geldpolitiker im Vordergrund ganz im Gegenteil. Die jüngsten währungspolitischen Kommentare und Versuche, den Wechselkurs als konjunkturpolitisches Element einzusetzen, kamen ausschließlich von Ministern, Regierungschefs und Lobby-Vertretern,

9 DZ BANK RESEARCH 9/22 nicht jedoch von geldpolitischen Offiziellen. Nicht einmal in Japan oder Frankreich haben sich Vertreter der Geldpolitik selber bislang offen zur Yen-Schwächung bekannt. Zu hören sind lediglich aggressive Forderungen an die Geldpolitik, aber nicht von der Geldpolitik. Anlass zu tiefen Sorgenfalten gibt fraglos, dass die japanischen Geldpolitiker immer stärker unter dem Einfluss der Regierung stehen und sogar die personelle Neubesetzung des BoJ-Vorsitzenden zum Spielball der Politik wird. Die Unabhängigkeit der Notenbank, die in den USA, Europa und vor allem nach deutschem Stabilitätsverständnis eine so zentrale Rolle spielt, sollte für Japan aber nicht allzu hoch bewertet werden. Von einer verwurzelten Kultur geldpolitischer Unabhängigkeit kann wahrlich nicht die Rede sein. Die Bank of Japan hatte ihre formale Unabhängigkeit erst mit der Liberalisierung der Finanzmärkte 1998 erlangt. Zuvor waren Einflussnahme aus Politik und Bürokratie vor allem seitens des Finanzministeriums Teil des regulären geldpolitischen Prozesses. Jetzt droht ein Rückschritt in alte Zeiten. Die Sorge, dass die Unabhängigkeit der Notenbank auch formell wieder aufgehoben werden könnte, ist inzwischen zwar vom Tisch allerdings wohl auch nur deshalb, weil auf anderem Weg sichergestellt werden kann, dass die Geldpolitik künftig im Sinne der Regierung handeln wird. Durch die für März anstehende Neubesetzung des Notenbankgouverneurs und zwei seiner Stellvertreter hat Premierminister Abe jetzt (fast) freie Bahn, die Geldpolitik in die Hände von Entscheidungsträgern zu legen, die seiner Vorstellung entsprechen. Die Einschränkung fast erfolgt, da Abe seine Wunschkandidaten noch durch das Parlament bringen muss, was aber - abgesehen von den obligatorischen Protesten der Opposition- als Formalie betrachtet werden darf. (N.b.: die Neubesetzung der besagten drei Posten in der Bank of Japan sind Teil eines regulären Wechsels und nicht etwa Amtsenthebungen, die von Regierungschef Abe aus Unzufriedenheit mit der aktuellen Geldpolitik erzwungen worden wären. Darüber, wie weit Abe gegangen wäre, wenn sich dieser geldpolitische Staffelwechsel nicht freiwillig ergeben hätte, darf gerne spekuliert werden.) Um die Unabhängigkeit der BoJ war es noch nie gut bestellt Jetzt droht weiterer Rückschritt Dass eine solche intensive Einflussnahme die Geldpolitik keinesfalls erfolgreicher macht, zeigen die verspätete Reaktion auf die Bankenkrise der neunziger Jahre und der jahrelange erfolglose Kampf gegen die Deflation. Dennoch darf zu Recht von einem Paradigmenwechsel in der japanischen Wirtschaftspolitik gesprochen werden. Die Aussicht auf weitere umfangreiche geldpolitische Lockerung, zur Not auch unbegrenzt, ist nur ein Baustein hiervon; eine weitere Expansion der Fiskalpolitik gehört fraglos dazu. Noch entscheidender ist allerdings, dass die Autonomie der Geldpolitik so stark verwässert ist, dass die Notenbank in der öffentlichen Wahrnehmung nur noch als Handlanger der Regierung gesehen wird. Damit werden künftig geldpolitische Entscheidungen möglich, die mit den bisherigen Zielen der Geldpolitik nicht vereinbar gewesen wären. Paradigmenwechsel in japanischer Wirtschaftspolitik Insbesondere der Weg zur monetären Staatsfinanzierung ist nicht mehr weit. Bisher steht der Ankauf von Staatsanleihen zwar unter der Zielsetzung der Liquiditätsbereitstellung, und bisher kauft die Bank of Japan ihre Staatsanleihen im Rahmen ihres Asset Purchase Program auch nur am Sekundärmarkt auf. Angesichts der gegenwärtigen politischen, aber auch der ökonomischen Landschaft in Japan sollte nicht mehr kategorisch ausgeschlossen werden, dass die Notenbank auch in dieser Hinsicht vom Pfad der geldpolitischen Tugend abkommt. Noch sind japanische Pensionsfonds und Geschäftsbanken rege Käufer von JGB s und finanzieren damit die Monetäre Staatsfinanzierung: Verlässt die BoJ den Pfad der geldpolitischen Tugend?

10 DZ BANK RESEARCH 10/22 überbordende Staatsverschuldung. Der fortschreitende demographische Wandel sowie das wachsende Bewusstsein für die Endlichkeit der Schuldenblase dürften fast unweigerlich dafür sorgen, dass der private Sektor die japanische Staatsverschuldung nicht mehr tragen kann oder tragen will. Als letzter solventer Käufer blieben dann nur noch das Ausland, sofern es nicht von einer strukturellen Yen- Schwäche abgeschreckt würde, und eben die japanische Notenbank, die als rechte Hand der Regierung die Notenpresse anwerfen muss. Sollte dieses neue Verständnis von Geldpolitik weltweit Schule machen, wären die Destabilisierung des Weltfinanzsystems die Folge und die Angst vor einem Abwertungswettlauf das geringste unserer Probleme. Euro-Aufwertung: Für die EZB eher Kompliment als Problem Sollte sich eine der großen Notenbanken zu einer Abkehr von ihrem expansiven geldpolitischen Kurs entschließen ( Exit ), hätte dies für die zugehörige Währung natürlich entsprechende Konsequenzen. Wie schnell sich derartige Spekulationen im Wechselkurs niederschlagen können, zeigt uns derzeit der Euro eindrucksvoll. Die Meldung, dass europäische Banken 137 Mrd. EUR aus den LTROs der EZB vorzeitig zurückzahlen wollen, hat dem Euro zusätzlichen Schub verliehen. In einem Umfeld, in dem die Bank of Japan unbegrenzte Lockerung verspricht, die Fed ihre monatlichen Anleihekäufe (QE3) bekräftigt und auch die Bank of England angesichts der drohenden Triple-Dip-Rezession keine Exit-Absichten an den Tag legt, wirkt die Bilanzverkürzung der EZB wie ein Katalysator für den Euro-Anstieg. Rückzahlung des LTROs beflügelt Euro-Kurs Dass wir hier davon ausgehen, dass eine geldpolitische Straffung positiv für eine Währung ist, ist alles andere als selbstverständlich. (Mehr zum Zusammenhang von Leitzinsen und Wechselkursen folgt in Kürze im DZ BANK Devisenmarkt Flash Wechselkurse und Zinsen gilt der traditionelle Zusammenhang noch? ) Im Zuge des Ausbruchs der Finanzkrise waren vielmehr diejenigen Währungen gefragt, deren Notenbanken sich besonders handlungsfreudig gezeigt haben, die also schneller und in größerem Volumen auf die Krise mit geldpolitischen Lockerungen reagiert hatten. Quantitative Lockerung und Leitzinssenkungen wurden geradezu zum Qualitätsmerkmal, da damit die Überlebenschancen des entsprechenden Finanzmarktes erhöht wurden. Auch die Liquiditätsbereitstellung durch die Drei-Jahres-Tender der EZB war nicht etwa Euro-belastend, obwohl das monetäre Umfeld dadurch expansiver wurde. Während der Phase der erhöhten Risikoaversion ging es nicht um den Vergleich von Renditedifferenzen, sondern primär um Sicherheit (Return-on-money vs. Return-of-money). Dass wir den geldpolitischen Unterschieden inzwischen wieder stärkere Bedeutung schenken, ist ein wichtiges Zeichen, dass sich die Finanzmärkte wieder der Normalität nähern. Geldpolitische Lockerung: gut oder schlecht für eine Währung? Bisher haben weder Euro noch Dollar die negativen Folgen der Liquiditätsflut ihrer Notenbanken zu spüren bekommen. Die lockere Geldpolitik, die während der Krise eine lebenswichtige Medizin war, könnte künftig zur schädlichen Droge werden. Ü- berlegungen über das Wann und Wo des geldpolitischen Exits dürften schon bald die Diskussionen an den Märkten erreichen. Noch ist nicht entschieden, welche der großen Notenbanken als erste den Exit einleiten wird. Aber schon heute sollte klar sein, dass dieser Spagat schwierig genug ist und keine weitere Komplikation durch eine zusätzliche währungspolitische Komponente erhalten sollte. Ein im Timing gelungener Exit wäre ein perfekter Nährboden für eine aufwertende Währung. Er würde die Glaubwürdigkeit der Notenbank unterstreichen, wäre Ausdruck einer wieder Exit-Strategie aus expansiver Geldpolitik auch für Währungsfragen entscheidend

11 DZ BANK RESEARCH 11/22 erstarkenden Konjunktur und würde auch aus Renditeaspekten positiv für den Wechselkurs sein. Ein übereilter Exit könnte dagegen die noch labile Konjunkturerholung abwürgen. Ebenfalls negative Währungsimplikationen hätte ein Exit, zu dem sich die Notenbank nur deswegen gezwungen sieht, um die außer Kontrolle geratene Inflation einzufangen, ohne dass das BIP-Wachstum oder der Zustand des Finanzsektors dies rechtfertigen würden. (RELATIVER) LOCKERUNGSGRAD DER GELDPOLITIK ALS WECHSELKURSFAKTOR ,50 1,45 1,40 1, ,30-20 Relative Geldpolitik -30 (Bilanzsumme Fed vs. EZB, 1,25 01/2010=100, Differenz) EUR-USD (rechte Achse) -40 1, , eigene Berechnung Falls sich die Euro-Rallye mit dem Tempo der letzten Tage fortsetzen sollte, könnte die Eurozone bald vor einem Problem stehen, das während der Auflösungserscheinungen noch im Sommer 2012 undenkbar schien: einem zu festen Euro. Ab welchem Niveau der Euro tatsächlich zu fest für die europäische Wirtschaft ist, ist ein anderes Thema. Unbestreitbar ist aber, dass es innerhalb der Eurozone nationale Unterschiede gibt, wie groß die Leidensfähigkeit der Exportindustrie ist. Frankreich dürfte bereits unter den aktuellen Notierungen leiden, da seine Produkte tendenziell preissensitiver sind, während der deutsche Export aufgrund des höheren Spezialisierungsgrads widerstandsfähiger sein sollte. So, wie jedes Land der Eurozone am liebsten einen maßgeschneiderten Leitzins von der EZB einfordern würde, gibt es auch verschiedene Wünsche bezüglich eines optimalen Euro-Kurses. Der griechische Wunsch nach einer Rettung durch Abwertung mag im Zusammenhang mit den GrExit-Diskussionen des letzten Jahres noch in den Ohren klingen. Dabei ging es allerdings nicht etwa um die Abwertung des Euro gegenüber dem Dollar, sondern um die Abwertung der neuen Drachme gegenüber dem Rest-Euro. Gerade den notleidenden Peripheriestaaten fehlt es an einem leistungsfähigen Exportsektor, so dass der Impuls einer Euro-Abwertung dort nur wenig zur Exportstimulierung beiträgt und dafür die labile Binnennachfrage einen weiteren Schock verkraften müsste. Welchen Euro-Kurs hätten Sie denn gerne? Dass die EZB den Euro-Wechselkurs gezielt zu beeinflussen versucht, ist auf absehbare Zeit wenig wahrscheinlich. Selbst in der schärfsten Phase der Schuldenkrise hat die EZB der Versuchung widerstanden, die Schwäche der Peripherie- Konjunktur über eine Abwertung zu lösen. Ganz im Gegenteil war EZB-Chef Draghi Rolle der EZB fester Euro ist eher Kompliment als Problem

12 DZ BANK RESEARCH 12/22 immer darauf bedacht, die Stabilität des Euros hervorzuheben. Die EZB sieht im Euro die Verkörperung des europäischen Projekts, also ein zu hohes Gut als dass es zu konjunkturpolitischen Zwecken manipuliert werden sollte. Falls eine überzogene Abwertung ein Inflationsproblem hervorzurufen droht, wie etwa im Jahr 2000, ist ein Eingreifen der EZB auch weiterhin plausibel - plausibel im Rahmen ihres Mandats zur Sicherung der Preisstabilität. Sich gegen eine Euro-Aufwertung zu stemmen, die die liquiditätsbedingten Inflationsrisiken sogar noch mindern würde, ist von der EZB nicht zu erwarten. Ein fester Euro ist für die EZB-Vertreter wohl eher ein Kompliment für die Attraktivität der Eurozone als ein Problem, das es zu bekämpfen gilt. Gerade diese bewusste Neutralität gegenüber Wechselkursfragen könnte dazu führen, dass der Euro in den Währungskrieg hineingezogen wird - und zwar als leichtes Opfer, das sich nicht gegen eine Aufwertung wehrt, sondern sogar noch die sprichwörtliche andere Wange hinhält, während andernorts abgewertet wird. Während von der EZB wenig zu erwarten ist, dürfte die Gegenwehr von politischer Seite mit jedem Cent größer werden, den der Euro aufwertet. Die Schuldenkrise als dominierendes Thema der letzten Jahre rückt immer weiter in den Hintergrund, so dass die kommenden großen Gipfeltreffen Wechselkursfragen in den Mittelpunkt stellen können. Nächster Meilenstein dürfte hier das G20-Treffen am 15./16. Februar in Moskau sein. USA: Von der Anklagebank auf die Ersatzbank im Abwertungswettlauf? Ginge es nach den Vorwürfen der Schwellenländer, wären die USA die größten Aggressoren im Währungskrieg. Die ultralockere Geldpolitik schwäche den Dollar künstlich und würde zu Kapitalumschichtungen aus den USA in die aufstrebenden Märkte führen, so der Vorwurf. Allerdings kann von einer Dollar-Schwäche auf globaler Ebene gerade in jüngster Zeit nicht die Rede sein. Ganz im Gegenteil war der US-Dollar doch gerade während der Krisenphasen der Sichere Hafen der Wahl und hat sogar weltweites Fluchtkapital angezogen. Dollar-Schwäche steht unter Beschuss aber so schwach ist der US-Dollar gar nicht BREITE USD-ABWERTUNG DES LETZTEN JAHRZEHNTS GESTOPPT STATT KAPITALFLUCHT SOGAR KRISENBEDINGTER ZUFLUSS IN USA Handelsgew ichteter USD (Index, 01/2003=100%) Netto-Zufluss in US-Wertpapiere, kumuliert seit 2007, in Mrd. USD Broad Index Majors Sonstige 65 01/03 01/04 01/05 01/06 01/07 01/08 01/09 01/10 01/11 01/12 01/ / / / / / / / 13 Rückblickend seit 2003 fällt es leicht, eine breit angelegte Dollar-Schwäche zu erkennen. Aber der Vorwurf der künstlich herbeigeführten Dollar-Schwäche steht ja

13 DZ BANK RESEARCH 13/22 erst seit zwei Jahren im Raum, und die Dollar-Bewegungen in diesem Zeitfenster sehen alles andere als ungewöhnlich aus. Dabei macht es auch keinen wesentlichen Unterschied, ob man einen breiten Währungskorb betrachtet oder sich nur auf die Major-Währungen beschränkt. In bilateralen Kursverhältnissen gibt es sicherlich Währungen, bei denen eine ausgeprägte Dollar-Schwäche zu beobachten ist, auf globaler Ebene ist der Vorwurf aber nicht zu halten. Ohnehin sitzt die US-Volkswirtschaft schon auf einem inflationären Pulverfass aufgrund der ausufernden Überschussliquidität. Ein weiteres Inflationsrisiko in Form importierter Preissteigerungen durch eine gezielte Dollar-Abwertung einzugehen, wäre kaum erstrebenswert. Der Exportsektor der USA ist nicht von einer Größenordnung, dass sich das Land aus der Krise exportieren könnte. Die positiven Folgen einer Abwertung für die Konjunktur sollten daher nicht überbewertet werden und stehen in keinem vernünftigen Verhältnis zu dem Preisrisiko. US-Überschussliquidität birgt bereits Inflationsrisiko, Dollar- Abwertung würde Preisgefahr noch verschärfen Auch die Rolle des US-Dollar als weltweit führende Reservewährung widerspricht einer gezielt angelegten Schwachwährungspolitik. Eine der tragenden Säulen der US-Schuldenfinanzierung ist das ungebrochen hohe Interesse ausländischer Anleger an US-Treasuries und anderen US-Wertpapieren. Sollten sich nachhaltige Abwertungserwartungen gegenüber dem US-Dollar ausbilden, wäre nicht nur dessen Rolle als Weltleitwährung in Gefahr, sondern sogar das gesamte Kartenhaus der US-Verschuldung. Hier liegt ein großer Unterschied zu Japans Verschuldung: diese ist -vorsichtig ausgedrückt- nicht minder ausufernd, ihre Finanzierung liegt allerdings bislang weitgehend in inländischer Hand, so dass Japan nicht Gefahr läuft, das Wohlwollen ausländischer Investoren mit währungspolitischen Experimenten zu gefährden. Abgesehen von der Beobachtung, dass die US-Geldpolitik ausgesprochen locker ist, gibt es keinen Grund, von einer gezielten oder auch nur wohlwollenden Politik der Dollar-Schwäche auszugehen, geschweige denn von einem expliziten Währungskrieg. Rolle als Leitwährung und Finanzierung der US-Schulden wäre in Gefahr Im Ergebnis beeinflusst die Geldpolitik natürlich die Währungen. Aber eine explizit an einem Wechselkurs ausgerichtete Geldpolitik sehen wir weder in Japan noch den USA, geschweige denn bei der EZB. Dass es Geldpolitiker begrüßen, wenn die Wechselkursentwicklung in die gleiche Richtung wirkt wie ihre Geldpolitik, ist nur verständlich (also Aufwertung bei restriktiverer Geldpolitik und Abwertung bei expansiverem Kurs). Die Wirkungskette sollte hier aber nicht von der falschen Seite betrachtet werden. Es ist immer noch die Geldpolitik, die den Wechselkurs beeinflusst, und nicht etwa der Wechselkurs, der geldpolitische Reaktionen auslöst. Kein Grund für Umkehr der Kausalkette: Geldpolitik beeinflusst den Wechselkurs, nicht umgekehrt Jenseits der G4-Währungen sind die Verteidigungsmauern längst errichtet Bis zu diesem Punkt dürfte unsere Studie für die Verfechter eines globalen Währungskriegs recht ernüchternd verlaufen. Zwischen den großen Währungen gibt es selbst bei Berücksichtigung Japans kaum Anzeichen dafür, dass wir uns gegenwärtig einer Geldpolitik (geschweige denn einer Währungspolitik) gegenüber sehen, die als unangemessen kritisiert werden kann. Dieses Bild ändert sich, wenn wir den Kreis der beobachteten Währungen erweitern. Von den G4-Ländern zur globalen Perspektive Bisher lag der Fokus auf den Ländern, die mit einer hochexpansiven Geldpolitik ihre Währungen tendenziell schwächen könnten. Auf der anderen Seite stehen diejeni-

14 DZ BANK RESEARCH 14/22 gen Währungen, die sich plötzlich einem latenten Aufwertungsdruck ausgesetzt sehen, da die globale Überschussliquidität auf der Suche nach höheren Renditen oder einer intakten Wachstumsstory in diese Märkte fließt. Die Gegenwehr folgt dann in Form von Interventionen und Kapitalverkehrskontrollen. Damit lassen sich auf globaler Ebene zwei Indizien für einen aufkeimenden Währungskrieg ausmachen: die Ausweitung der Notenbankbilanzen der G4-Staaten könnte als Angriff gewertet werden, beispielsweise durch quantitative Lockerung, und das Reservewachstum der Nicht-G4-Länder durch Interventionen als Gegenwehr. Der enge Gleichlauf seit Ausbruch der Krise 2007 ist frappierend. Nicht nur die Richtung, sondern sogar die Größenordnungen entsprechen sich. Das Reservewachstum ist eine klare Folge erhöhter Interventionstätigkeit. Die globale Verteidigung gegen eine Aufwertung ist also längst in vollem Gang, obwohl wir in den großen Währungsräumen die Geldpolitik gar nicht als Angriff werten wollten. Weltweiter Reserveanstieg und expansive Geldpolitik gehen Hand in Hand AUSWEITUNG DER G4-NOTENBANKBILANZSUMMEN UND STETIGER RESERVEANSTIEG Bilanzsumme der G4-Notenbanken, in Mrd. USD (Fed, EZB, BoE, BoJ) Devisenreserven, w eltw eit ohne G4, in Mrd. USD Anders als die Wechselkursentwicklung der G4-Währungen, die wie oben dargestellt kaum Auffälligkeiten aufweisen, lassen sich bei den kleineren Währungen zunehmende Ungleichgewichte ausmachen. Viele der kleineren Volkswirtschaften, etwa die Schweiz, Norwegen, Australien und Neuseeland, aber auch Schwellenländer wie Brasilien haben in den Jahren der Krise einen massiven Kapitalzufluss erfahren und sehen ihre Währungen teils erheblichem Aufwertungsdruck ausgesetzt. Insofern sind sie die Opfer eines Währungskriegs, der eigentlich gar nicht als solcher gedacht ist. Eher handelt es sich um Kollateralschäden, die durch die expansive Notenbankpolitik andernorts verursacht werden. Die Wechselkursverschiebungen aber ausschließlich auf die lockere Geldpolitik der G4-Länder zurückzuführen, wäre zu kurz gegriffen. Diese Länder sind nicht nur deshalb als Alternative für Investoren interessant, weil es in Europa und den USA eine lockere Geldpolitik gibt. Das höhere Zinsniveau und die intakte Wachstumsstory sind hausgemachte Faktoren, die die Währungen stärken. Dass die Zinsen in den Epizentren der Finanzkrisen, also in den USA und der Eurozone niedriger sind, begünstigt fraglos den Kapitalstrom in die Kleinere Währungen unter Aufwertungsdruck und mit Kapitalzufluss Kollateralschäden

15 DZ BANK RESEARCH 15/22 Schwellenländer. Zu einem Währungskrieg gehört aber mehr als nur eine unterschiedliche geldpolitische Ausrichtung. Dennoch wird der vermeintliche Abwertungswettlauf der großen Währungen als Entschuldigung dafür genommen, im Kampf gegen die unerwünschte Aufwertung auch Mittel einzusetzen, die nicht mit der Idee des freien Kapitalverkehrs vereinbar sind. So versucht Brasilien seit 2009 mit Kapitalverkehrskontrollen den Kapitalzufluss in sein Land und damit die unerwünschte Aufwertung zu verhindern. Sogar der IWF heißt entsprechende Reglementierungen inzwischen gut. China steuert schon seit vielen Jahren die Aufwertung seiner Währung durch erhebliche Interventionen. Im Zuge der Finanzkrise hat sich auch die Schweiz dazu entschlossen, der Franken- Aufwertung eine offizielle Grenze zu setzen. Bemerkenswert sowohl für die Schweiz als auch für China ist, dass es im letzten halben Jahr keine nennenswerten Interventionen mehr gegeben hat. Gerade in jener Zeit, in der sich die Diskussion um die Manipulation von Wechselkursen zuspitzen, ziehen sich zwei der größten Manipulatoren aus der Steuerung der Kurse zurück. Reserveanstieg in China und der Schweiz zum Stillstand gekommen SCHWEIZER NOTENBANK BAUT VERTEIDIGUNGSWALL AUF ABER SELBST IN CHINA WACHSEN DIE RESERVEN NICHT MEHR FX-Reserven Schw eiz in Mrd. USD Veränderung (y/y, in Mrd. USD) FX-Reserven China, in Mrd. USD Veränderung (y/y, in Mrd. USD) / / / / / / / / / / 13 Länder, die nicht bereit sind, mit so umfangreichen Interventionen gegenzusteuern oder den freien Kapitalverkehr zu beschränken, sind in ihrem Kampf gegen eine unerwünschte Aufwertung hilflos. Vor allem kleineren Ländern bleibt nur die Politik feiner Nadelstiche, etwa in Form von Zinssenkungen (Schweden) oder der Warnung, dass Zinserhöhungen sich wechselkursbedingt verzögern könnten (Norwegen). Erhoffte Vorteile vs. gerne übersehene Nachteile einer Abwertung Während wir bei den großen Währungsräumen keine Anzeichen für eine geldpolitische Lockerung mit währungspolitischem Motiv ausmachen konnten, spielen Wechselkursfragen für kleinere Länder schon heute eine deutlich größere Rolle. Ist es wahrscheinlich, dass in naher Zukunft auch die großen Länder zu gezielter Währungsmanipulation greifen? Wir glauben nicht.

16 DZ BANK RESEARCH 16/22 Mit Blick auf die währungspolitische Theorie sollte dieses Ergebnis nicht verwundern. Kleine, offene Volkswirtschaften (also solche mit intensiven Außenhandelsverflechtungen) sind demnach besonders anfällig für externe Schocks. Die Auswirkungen einer Wechselkursbewegung für große, geschlossene Volkswirtschaften sind dagegen eher gering. Wenn es überhaupt für ein Land sinnvoll sein kann, den Wechselkurs zu beeinflussen, dann am ehesten für ein kleines Land mit hohem Offenheitsgrad. Für große, geschlossene Währungsräume wie die USA fallen die potentiellen Vorteile einer Abwertung geringer aus. Theorie offener Volkswirtschaften Für ein Land, das gezielt versucht, seine Währung abzuwerten, stehen die erhofften Wettbewerbsvorteile der Exportindustrie im Vordergrund. Durch die schwächere Währung verschafft sich das Land relative Preisvorteile und fördert damit den Absatz. Soweit die einfache Theorie. Wie stark sich eine Wechselkursbewegung auf eine Volkswirtschaft auswirkt, hängt u.a. von deren Offenheitsgrad (=Summe von Exporten und Importen in Relation zum BIP) ab. Nur wenn es viele Transaktionen mit dem (Währungs-)Ausland gibt, entfalten Ab- oder Aufwertungen Wirkung. WIRKUNG VON FX-BEWEGUNG HÄNGT VOM OFFENHEITSGRAD AB EFFEKT WÄCHST MIT (RELATIVER) BEDEUTUNG DES EXPORTS Offenheitsgrad der Güter- und Dienstleistungsmärkte (Stand: 2011) Deut schland Schweden Schweiz Euroraum Norwegen Großbritannien Kanada Spanien Neuseeland Italien China Australien USA Japan 0,0 0,2 0,4 0,6 0,8 1,0 Export quot e (St and: 2011) Schweiz Deut schland Schweden Euroraum Norwegen Großbrit annien Kanada Spanien Neuseeland Italien China Australien Japan USA 0,0 0,1 0,2 0,3 0,4 0,5 0,6, IWF Der einfache Offenheitsgrad sagt aber nur etwas über die Bedeutung des Außenhandels insgesamt aus, nicht darüber, ob es um Importe oder Exporte geht. Ein Land, das in Relation zu seinem gesamten BIP viel exportiert und nur sehr wenig importiert, profitiert tendenziell stärker von einer Währungsabwertung als ein sehr importlastiges Land. Umgekehrt sind die negativen Folgen einer unerwünschten Währungsstärke dort tendenziell größer. Daher führen wir eine weitere Kennziffer ein: die Exportquote als Verhältnis von Exporten zum BIP. Offenheitsgrad und Exportquote Hervorzuheben ist die geringe Exportquote Japans. Dafür, dass die neue japanische Regierung hofft, sich aus der Konjunkturkrise exportieren zu können, indem sie den Yen schwächt, ist der Wert eigentlich viel zu gering. Japan gehört zwar zu den größten Exporteuren weltweit, aber auch der Binnenmarkt ist groß. Auch in den USA ü- Japan mit überraschend geringer Exportquote

17 DZ BANK RESEARCH 17/22 berlagert die Größe des Binnenmarktes die Exportquote, so dass die US- Volkswirtschaft die geringste Exportquote der hier dargestellten Länder aufweist, was auf einen nur sehr begrenzten positiven Effekt einer Abwertung schließen lässt. Die hohe Exportquote Deutschlands ist etwas irreführend, da ein erheblicher Teil der deutschen Ausfuhren innerhalb der Euro-Länder bleibt (Intra-EWU-Handel) und somit keinem direkten Wechselkurseinfluss unterliegt. Während Abwertungswettläufe im letzten Jahrtausend vor allem den realwirtschaftlichen Außenhandel im Auge hatten, sollte heute die stärkere Rolle von grenzüberschreitenden Portfolioflüssen bedacht werden. Eine schwächere Währung mag die Wettbewerbsposition des Exporteurs verbessern, für ausländische Investoren verliert ein Finanzmarkt damit aber massiv an Attraktivität. HOHER ANTEIL AUSLÄNDISCHER INVESTOREN ERHÖHT FX-EFFEKT AUCH AUSLANDSVERSCHULDUNG SPIELT EINE ROLLE Offenheitsgrad der Finanzmärkte (Stand: 2011) Großbrit annien Schweiz Schweden Deutschland Norwegen Euroraum Spanien USA Italien Neuseeland Australien Japan Kanada China 0,0 5,0 10,0 15,0 Externe Verschuldung gemessen am BIP Großbritannien Schweiz Schweden Spanien Deut schland Norwegen Euroraum Italien USA Australien Kanada Japan 0,0 1,0 2,0 3,0 4,0 5,0, IWF Eine politisch forcierte Währungsschwäche setzt das Vertrauen der Anleger aufs Spiel, die in ihre Investitionsentscheidungen die Erwartung weiterer Währungsverluste einpreisen werden. Eine zu erwartende Aufwertung wiederum könnte ausländische Investoren anziehen und damit über steigende Assetpreise zu einem inländischen Vermögenszuwachs führen. Für Länder mit hoher Auslandsverschuldung in Fremdwährung wird auch der Schuldendienst von Währungsentwicklungen beeinflusst. Analog zum Offenheitsgrad des realwirtschaftlichen Außenhandels gibt es auch einen Grad der Finanzmarktoffenheit, definiert als Summe von ausländischen Assets und Verbindlichkeiten in Relation zum BIP. Offenheitsgrad nicht nur realwirtschaftlich, sondern auch für Finanzmärkte In folgender Grafik geben wir einen zusammenfassenden Überblick über die verschiedenen Offenheitsgrade ausgewählter Länder und damit deren Empfänglichkeit für Wechselkursbewegungen. Es wird keine Aussage getroffen darüber, ob die Effekte positiv oder negativ sind, nur dass sie in Relation zu anderen Ländern besonders stark wirken.

18 DZ BANK RESEARCH 18/22 ÜBERBLICK ÜBER ABHÄNGIGKEITSGRADE VON WECHSELKURSBEWEGUNGEN 16 Offenheitsgrad der Finanzmärkte UK 12 CH 8 SW NO DE 4 EWU US ES NZ JP AU IT VR 0 0,0 0,1 0,2 0,3 0,4 0,5 0,6 0,7 0,8 0,9 1,0 Offenheitsgrad des realen Außenhandels Überraschendes Schlussschlicht ist Japan, während der geringe Offenheitsgrad der US-Volkswirtschaft weniger überrascht. Besonders offen und damit besonders empfänglich für Wechselkursbewegungen sind Großbritannien und die Schweiz. Bemerkenswert ist die Position Chinas und Japans, die diesen Kennziffern zufolge über einen relativ geringen Offenheitsgrad verfügen und dennoch zu den größten Verfechtern einer aktiven Wechselkursbeeinflussung gehören. Deutschland wiederum würde tendenziell besonders stark von einer Währungsabwertung profitieren, hält sich aber weitgehend mit Forderungen nach einer gezielten Währungspolitik zurück. Der hohe Offenheitsgrad der Schweiz unterstreicht die Anfälligkeit der Schweizer Wirtschaft für eine unerwünschte Aufwertung. Insofern passen das Eingreifen der SNB und die Einführung einer Wechselkursuntergrenze zu den Rahmendaten dieser Volkswirtschaft. Bei überraschend vielen anderen Ländern ist die währungspolitische Haltung nicht unbedingt kongruent mit den volkswirtschaftlichen Rahmendaten, sie sind entweder zu offensiv oder zu zurückhaltend. Vergleich der Offenheitsgrade: Japan und USA gering - Großbritannien und die Schweiz hoch In der Praxis stellt sich der erhoffte Wachstumsimpuls bestenfalls mit einer zeitlichen Verzögerung ein, da die Preise in Lieferverträgen nicht sofort angepasst werden können. Zuvor kommt es typischerweise sogar zu einer Verschlechterung der Außenbilanz ( J-Kurven-Effekt ). Eine Quasi-Subventionierung der Exportindustrie durch einen schwächeren Wechselkurs trägt tendenziell dazu bei, notwendige Strukturreformen zu verzögern. Ein Exportsektor, der eigentlich international nicht mehr wettbewerbsfähig wäre, beispielsweise aufgrund zu hoher Lohnstückkosten, wird durch eine schwächere Währung alimentiert, anstatt dass der Anpassungsdruck in die notwendigen Strukturreformen geleitet wird. J-Kurven-Effekt Weitere potentielle Nachteile einer Abwertung sind die verteuerten Importe, die sich in Kaufkraftverlust, geringeren Unternehmensmargen und letztlich höheren Inflationsraten niederschlagen können. Unternehmen, die als Exporteure von der schwächeren Währung profitieren, müssen abwertungsbedingt höhere Preise für importierte Vorprodukte und insbesondere für importierte Rohstoffe bezahlen. Welcher Effekt Importierte Teuerung mindert gesamtwirtschaftlich die positive Wirkung für Exporte

19 DZ BANK RESEARCH 19/22 überwiegt, hängt von der Struktur der Volkswirtschaft ab. Falls der Vorteil der Industrie groß genug ist, dass neue Arbeitsplätze geschaffen werden, erfahren auch Private einen Vorteil aus der Abwertung. Für Konsumenten dürften aber in der Regel der negative Effekt durch die verteuerten Energieimporte und damit der Kaufkraftverlust überwiegen. Der gesamtwirtschaftliche Effekt einer Währungsabwertung ist also bei weitem nicht so positiv wie die Diskussion über einen Abwertungswettlauf vermuten lässt. Der mit der Währungsschwäche verbundene Preisschub und die drohende Inflationsspirale galten früher als erfolgreicher Abwehrmechanismus gegen einen Abwertungswettlauf. Die Angst vor einer langjährigen Inflation wurde stärker gewichtet als die Vorzüge kurzfristiger Exportförderung. Allerdings ist das preisliche Umfeld heute ein anderes. Viele Länder haben eher mit deflationären Gefahren zu kämpfen oder sind zumindest von niedrigen Teuerungsraten gekennzeichnet. Die Wahrnehmung steigender Preise als abwertungsbedingter Nachteil hat sich in einen potentiellen Vorteil gewandelt. In einigen Ländern, etwa Japan und der Schweiz, wären wieder steigende Preise nach längerer Zeit mit Deflation eine willkommene Entwicklung. Dass aufgrund der jahrelangen höchstexpansiven Geldpolitik längst eine Zeitbombe in Form liquiditätsgetriebener Inflationsrisiken tickt, wird in der aktuellen Situation scheinbar ausgeblendet. In einem deflationären Umfeld ist importierte Inflation sogar gewünscht Schlussbemerkungen In einer Welt mit langjähriger Rezession, Weltwirtschaftskrise, Deflation und Finanzmarktturbulenzen hätte ein globaler Währungskrieg eine weit höhere Wahrscheinlichkeit als im gegenwärtigen von Krisenentspannung geprägten Umfeld. Wenn die großen Währungsräume es geschafft haben, während der schlimmsten Phasen der Finanzkrisen zu kooperieren und gemeinsam nach Lösungen zu suchen, warum sollte sich dies ausgerechnet jetzt ändern, wo die Krisenbewältigung erste Erfolge zeigt? Wenn alle anderen Mittel erfolglos getestet worden wären, könnte auch noch der Wechselkurs als vermeintliche Trumpfkarte gespielt werden. Zu einem Szenario mit Krisenentspannung und moderater Wachstumsbeschleunigung will die Idee bei näherer Prüfung nicht mehr so recht passen. Nicht umsonst ist seit vielen Jahren das Mantra der G8-Staaten zu Währungsfragen Übermäßige Schwankungen an den Devisenmärkten sind unerwünscht. Es ist also nicht etwa die Rede von übermäßigen Abwertungen, sondern allgemein von überzogenen Schwankungen. Japans Versuche der Yen-Schwächung dürften noch intensiver als bisher auf politischer Ebene diskutiert werden. Die nächsten großen Gipfeltreffen stehen bereits an, nächster wichtiger Termin ist hier das G20-Treffen am 15./16. Februar. Das heißt aber nicht, dass alle anderen Währungen in den Abwertungswettlauf einsteigen. Es würde auch genügen, den Yen wieder einzufangen. G8-Mantra: Übermäßige Schwankungen an den Devisenmärkten sind unerwünscht Die ultraexpansive Geldpolitik, die seit Ausbruch der Finanzmarktkrise weltweit zu beobachten ist, hat längt zu gefährlichen Ungleichgewichten geführt. Eine glaubwürdige Exit-Strategie ist erforderlich, auch ohne dass die Diskussion um eine währungspolitische Komponente verkompliziert würde. Da die letzten Quartale von den diversen Schuldenkrisen dominiert waren, haben Verfechter der Forderungen nach Ausstiegsszenarien kaum Gehör gefunden. Je deutlicher sich abzeichnet, dass sich die Euro-Krise nicht nur temporär beruhigt, sondern dass eine dauerhafte Befriedung gelungen ist, desto lauter werden die Forderungen nach dem geldpolitischen Ausstieg werden. Globale Ungleichgewichte jenseits währungspolitischer Fragen

20 DZ BANK RESEARCH 20/22 Eine Notenbank, die trotz Spread-Einengung, trotz Konjunkturaufhellung und trotz verbesserten Liquiditätsflusses der Geschäftsbanken untereinander an ihrer ultralockeren Geldpolitik festhält, spielt mit ihrer Glaubwürdigkeit. Wer den nötigen Exit verzögert, riskiert eine tendenziell schwächere Währung und verspielt das Vertrauen der Investoren. Die erhofften Vorteile der Abwertung sind aber gerade in einem solchen Umfeld der Konjunkturerholung nicht mehr vonnöten. Eine globale anziehende Nachfrage ist für die Exportwirtschaft eines Landes ein weitaus größerer Segen und eine stabilere Ertragsquelle als ein künstlich herbeigeführter und damit sehr labiler Vorteil aus dem Wechselkurs. Die Nebenwirkungen einer künstlich geschwächten Währung treten langfristig zu Tage und sollten gravierend genug sein, um abschreckende Wirkung zu entfalten. Inflationsgefahren zusätzlich zu der ohnehin schon bedrohlichen Überschussliquidität; der Kaufkraftverlust durch die verteuerten Energieimporte, der die Kaufkraft der Konsumenten schwächt; das schwindende Vertrauen ausländischer Investoren, die den Finanzmarkt aus Sorge vor Wechselkursverlusten meiden; die Liste der Punkte ist lang und nimmt der kurzfristigen Chance auf einen abwertungsbedingten Exportvorteil deutlich an Attraktivität. Die Liste der Nachteile einer schwachen Währung ist länger als die der Vorteile

Quartalsupdate Oktober Dezember 2013 für Devisen (30.09.13)

Quartalsupdate Oktober Dezember 2013 für Devisen (30.09.13) Kurzfassung: Quartalsupdate Oktober Dezember 2013 für Devisen (30.09.13) Das Comeback des US-Dollar, kurzfristig unterbrochen durch die Entscheidung der US- Notenbank die Reduzierung der Anleihekäufe nicht

Mehr

Der Weg in die Zinsfalle

Der Weg in die Zinsfalle Der Weg in die Zinsfalle tenen Länder deutlich. Hierbei ist anzumerken, dass die EZB im Gegensatz zu anderen Zentralbanken nicht systematisch Staatsanleihen von Mitgliedsstaaten aufgekauft hat und die

Mehr

Internationale Ökonomie II. Vorlesung 7:

Internationale Ökonomie II. Vorlesung 7: Internationale Ökonomie II Vorlesung 7: Übersicht: Das internationale Währungssystem bis 1973 Prof. Dr. Dominik Maltritz Gliederung der Vorlesung 1. Ein- und Überleitung: Die Zahlungsbilanz 2. Wechselkurse

Mehr

Frankfurter Handelsplatz kaum helfen, seine magere Devisenbilanz aufzubessern.

Frankfurter Handelsplatz kaum helfen, seine magere Devisenbilanz aufzubessern. Große FX-Bewegung steht bevor Wellenreiter-Kolumne vom 07. Mai 2014 FX steht für Foreign Exchange. Der Währungsmarkt stellt mit einem handelstäglichen Volumen von 5,3 Billionen US-Dollar den größten Finanzmarkt

Mehr

Iconomix-Fachtagung 3. September 2011. Romain Baeriswyl Schweizerische Nationalbank

Iconomix-Fachtagung 3. September 2011. Romain Baeriswyl Schweizerische Nationalbank Iconomix-Fachtagung 3. September 2011 Romain Baeriswyl Schweizerische Nationalbank Übersicht 1. Die Schweiz als kleine, offene Volkswirtschaft in der Mitte Europas a. Bedeutung des Exportsektors für die

Mehr

Volkswirtschaftliche Lagebeurteilung September 2012. Marcel Koller Chefökonom

Volkswirtschaftliche Lagebeurteilung September 2012. Marcel Koller Chefökonom Volkswirtschaftliche Lagebeurteilung September 2012 Marcel Koller Chefökonom Highlights September 2012 Makroökonomisches Umfeld Globale Konjunktur: Erste vorsichtige Anzeichen einer Stabilisierung USA

Mehr

Kredit in Schweizer Franken: Und was jetzt? 16. März 2015, Marc Brütsch Chief Economist Swiss Life

Kredit in Schweizer Franken: Und was jetzt? 16. März 2015, Marc Brütsch Chief Economist Swiss Life Kredit in Schweizer Franken: Und was jetzt? 16. März 2015, Marc Brütsch Chief Economist Swiss Life «Ein gutes Verständnis der schweizerischen Geldpolitik ist für Kreditnehmer und Kreditgeber von Frankenkrediten

Mehr

«Die SNB hatte keine Chance»

«Die SNB hatte keine Chance» «Die SNB hatte keine Chance» William White, der ehemalige Chefökonom der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich, erklärt, warum die SNB zum Befreiungsschlag ausgeholt hat.die Schweizerische Nationalbank

Mehr

Finanzmarktperspektiven 2015

Finanzmarktperspektiven 2015 Finanzmarktperspektiven 2015 Makroökonomischer Ausblick Bruno Gisler Unabhängig, umfassend, unternehmerisch. Und eine Spur persönlicher. Makroökonomisches Fazit vom November 2013 Die Industriestaaten werden

Mehr

Hard Asset- Makro- 34/15

Hard Asset- Makro- 34/15 Hard Asset- Makro- 34/15 Woche vom 17.08.2015 bis 21.08.2015 Warum nur Gold? Von Mag. Christian Vartian am 23.08.2015 Diese Woche sah ein Loch in der Blitzliquidität und unser Algorithmus zeigte es gegen

Mehr

Quantitative Easing der EZB Fluch und Segen zugleich?

Quantitative Easing der EZB Fluch und Segen zugleich? Quantitative Easing der EZB Fluch und Segen zugleich? Agenda Mandat der EZB Definitionen Inflation Klassische Instrumente der Geldpolitik der EZB Quantitative Easing Diskussion Mandat der EZB Artikel 127

Mehr

Thema: Wirtschaftspolitik der EU Die Wa hrungsunion

Thema: Wirtschaftspolitik der EU Die Wa hrungsunion Thema: Wirtschaftspolitik der EU Die Wa hrungsunion Anforderungsbereich I: Reproduktion: 1. Arbeiten Sie die Spielregeln für den Euro heraus und ermitteln Sie was dadurch sichergestellt werden soll. 2.

Mehr

Jahresausblick 2015 Der Euro als Einbahnstraße? Sonja Marten (Leiterin Devisenresearch)

Jahresausblick 2015 Der Euro als Einbahnstraße? Sonja Marten (Leiterin Devisenresearch) Jahresausblick 2015 Der Euro als Einbahnstraße? Januar 2015 Sonja Marten (Leiterin Devisenresearch) 2 EZB auf Autopilot Draghi sorgt für Unruhe Bilanzausweitung der EZB aggressiver als vom Markt erwartet

Mehr

Die Schweiz und die Frankenstärke: Herausforderungen

Die Schweiz und die Frankenstärke: Herausforderungen Die Schweiz und die Frankenstärke: Herausforderungen Prognose Rundschau, Kanton Thurgau 24. Juni 2015 Serge Gaillard, Direktor EFV Aufbau Wieso ist die Schweiz gut durch die Finanz- und Schuldenkrise gekommen?

Mehr

Euro-US-Dollar: Ein neues Kapitel in einer wechselhaften Beziehung

Euro-US-Dollar: Ein neues Kapitel in einer wechselhaften Beziehung Überblick Euro-US-Dollar: Ein neues Kapitel in einer wechselhaften Beziehung Der verbindet die zwei wichtigsten Währungen der Weltwirtschaft. Die europäische Einheitswährung hat sich nach ihrer Geburt

Mehr

informieren Steht die Schweiz vor einer Hyperinflation? Tagung der Finanzverwaltern/innen der Thurgauer Gemeinden, 24.

informieren Steht die Schweiz vor einer Hyperinflation? Tagung der Finanzverwaltern/innen der Thurgauer Gemeinden, 24. informieren Steht die Schweiz vor einer Hyperinflation? Tagung der Finanzverwaltern/innen der Thurgauer Gemeinden, 24. Oktober 2013 Inflation Was genau ist Inflation eigentlich? Definition Inflation Inflation

Mehr

Wir informieren Sie!

Wir informieren Sie! Wir informieren Sie! 1. Aktuelles vom Markt 2. Portfolio per 3. Bericht des Fondsmanagers per 4. Vermögensaufstellung per 1 AKTUELLES August 2015 24.08.2015 20.08.2015 2 Portfolio Strategische Asset Allokation

Mehr

Konsequenz: Höhere Realzinsen für Kreditnehmer, da Risikoprämie im Zins für Inflationsrisiko

Konsequenz: Höhere Realzinsen für Kreditnehmer, da Risikoprämie im Zins für Inflationsrisiko Musterlösung für Klausur Europäische Makro I. Austritt Italiens aus der EWU 1. Nachteile a) Italien verliert eine stabilitätsorientierte Geldpolitik. Nationale Notenbank hätte geringere Glaubwürdigkeit

Mehr

Konjunktur- und Kapitalmarktperspektiven : Warum die Zinsen noch lange niedrig bleiben

Konjunktur- und Kapitalmarktperspektiven : Warum die Zinsen noch lange niedrig bleiben Konjunktur- und Kapitalmarktperspektiven : Warum die Zinsen noch lange niedrig bleiben Präsentation in Hamburg am 13. Mai 2014 1. Ökonomischer Ausblick: Weltwirtschaft Weltwirtschaft: Wichtige makroökonomische

Mehr

Bankenrettung Ist das nötig, und wenn ja, wie am Besten?

Bankenrettung Ist das nötig, und wenn ja, wie am Besten? Bankenrettung Ist das nötig, und wenn ja, wie am Besten? Prof. Richard A. Werner, D.Phil. (Oxon) Centre for Banking, Finance University of Southampton Management School werner@soton.ac.uk 18. Juni 2012

Mehr

EUROKRISE: URSACHEN AUSWIRKUNGEN FÜR DEUTSCHLAND LÖSUNGSANSÄTZE. Professor Dr. Peter Bofinger

EUROKRISE: URSACHEN AUSWIRKUNGEN FÜR DEUTSCHLAND LÖSUNGSANSÄTZE. Professor Dr. Peter Bofinger EUROKRISE: URSACHEN AUSWIRKUNGEN FÜR DEUTSCHLAND LÖSUNGSANSÄTZE Professor Dr. Peter Bofinger Der Euro ist eine stabile Währung 12 1 8 6 4 2 Inflation (212) % 15 1 5-5 Langfristige Inflationstrends Deutschland

Mehr

Topic 4 Offene Wirtschaft (Blanchard Ch. 18,19)

Topic 4 Offene Wirtschaft (Blanchard Ch. 18,19) Topic 4 Offene Wirtschaft (Blanchard Ch. 18,19) drei Dimensionen der Offenheit: 1.Offene Gütermärkte: Beschränkungen: Zölle und Quoten. 2.Offene Finanzmärkte: Beschränkungen: Kapitalkontrollen 3.Offene

Mehr

Inflation oder Deflation? Was ist die größere Gefahr?

Inflation oder Deflation? Was ist die größere Gefahr? Inflation oder Deflation? Was ist die größere Gefahr? Führt ausufernde Staatsverschuldung in Zukunft zu hoher Inflation? Oder führt die Schwäche der makroökonomischen Kräfte zu einem deflationären Szenario?

Mehr

Europäischer Fiskalpakt ohne

Europäischer Fiskalpakt ohne Europäischer Fiskalpakt ohne Alternative? MdB BERLIN, DEN 11. JUNI 2012 Wirkungen des Europäischen Fiskalpaktes MdB Mitglied im Finanzausschuss des Deutschen Bundestages BERLIN, DEN 11. JUNI 2012 Überblick

Mehr

Marktkommentar Zinsen Euro-Zone

Marktkommentar Zinsen Euro-Zone Ausblick auf die Finanzmärkte Marktkommentar Zinsen Euro-Zone Kurzfristige Zinsen Euro-Zone Die Geldmarktzinsen dürften im Euro-Raum noch über einen längeren Zeitraum auf einem rekordtiefen Niveau bleiben.

Mehr

Deutsche Bank Private Wealth Management. PWM Marktbericht. Markus Müller, Leiter Investment Office Frankfurt am Main, 27.

Deutsche Bank Private Wealth Management. PWM Marktbericht. Markus Müller, Leiter Investment Office Frankfurt am Main, 27. PWM Marktbericht Markus Müller, Leiter Investment Office Frankfurt am Main, 27. Juni 2011 USA Erholung verläuft frustrierend langsam Äußerungen von Ben Bernanke im Nachgang zur US-Notenbanksitzung Ben

Mehr

Von der Niedrig- zur Negativzins-Welt

Von der Niedrig- zur Negativzins-Welt Von der Niedrig- zur Negativzins-Welt Wellenreiter-Kolumne vom 02. November 2014 Ein Hypothekendarlehen mit 10jähriger Laufzeit ist in Japan für 1,3 bis 1,5 Prozent zu haben. Daran hat sich in den letzten

Mehr

Die heimliche. EntEignung. So schützen Sie Ihr Geld vor Politikern und Bankern

Die heimliche. EntEignung. So schützen Sie Ihr Geld vor Politikern und Bankern Die heimliche EntEignung So schützen Sie Ihr Geld vor Politikern und Bankern FBV Michael Rasch Michael Ferber Inhalt Vorwort 13 Prolog Die Retter der Welt sind zum Risiko geworden 17 Einleitung Die grossen

Mehr

Sonderthema. Investmentstrategie. November 2014

Sonderthema. Investmentstrategie. November 2014 Investmentstrategie Sonderthema November 2014 Thema des Monats: Gute Aussichten für europäische Gewerbeimmobilien Mieten an den meisten Standorten im Aufwärtstrend Europäischer Gewerbeimmobilienmarkt am

Mehr

% gg. Euro im Vergleich zum Vormonat (vom 08.09. bis zum 07.10.2014) -0,1 -2,8-1,6 -1,6 -0,8

% gg. Euro im Vergleich zum Vormonat (vom 08.09. bis zum 07.10.2014) -0,1 -2,8-1,6 -1,6 -0,8 Helaba Volkswirtschaft/Research DEVISEN KOMPAKT 8. Oktober 2014 AUTOR Christian Apelt, CFA Telefon: 0 69/91 32-47 26 research@helaba.de REDAKTION Claudia Windt HERAUSGEBER Dr. Gertrud R. Traud Chefvolkswirt/Leitung

Mehr

Was ist los an den Finanzmärkten?

Was ist los an den Finanzmärkten? Was ist los an den Finanzmärkten? Erlen, 27. Oktober 2011 Karel E. Ehmann Leiter Portfolio Management Thurgauer Kantonalbank Aktuelle Rahmenbedingungen der Märkte Konjunkturmotor stottert aber läuft noch.

Mehr

Lösungen zu Aufgabensammlung. Aussenwirtschaftstheorie: Aufgabensammlung I

Lösungen zu Aufgabensammlung. Aussenwirtschaftstheorie: Aufgabensammlung I Thema Dokumentart Makroökonomie: Aussenwirtschaftstheorie und -politik Lösungen zu Aufgabensammlung LÖSUNGEN Aussenwirtschaftstheorie: Aufgabensammlung I Aufgabe 1 1.1 Was versteht man unter der Zahlungsbilanz

Mehr

Marktkommentar Zinsen Euro-Zone

Marktkommentar Zinsen Euro-Zone Ausblick auf die Finanzmärkte Marktkommentar Zinsen Euro-Zone Kurzfristige Zinsen Euro-Zone Wir behalten die jeweilige Bandbreite für den 3m- Euribor und die EZB-Zielrate bei. Die Geldmarktzinsen dürften

Mehr

ifo Weltwirtschaftsklima etwas besser

ifo Weltwirtschaftsklima etwas besser 1 ifo Weltwirtschaftsklima etwas besser Wie das Münchener ifo-institut am Donnerstag mitteilte, hellt sich das Weltwirtschaftsklima im ersten Quartal des Jahres leicht auf. Der Indexwert liegt nach 78,7

Mehr

Die Nutzung von ausländischem Kapital in China

Die Nutzung von ausländischem Kapital in China ( ) Die Nutzung von ausländischem Kapital in China Wie sich im Vergleich zeigt, stimmt die Art und Weise der Nutzung ausländischen Kapitals in China im Wesentlichen mit der Nutzung auf internationaler

Mehr

WORKSHOP AKTUELLE VOLKSWIRTSCHAFTSLEHRE

WORKSHOP AKTUELLE VOLKSWIRTSCHAFTSLEHRE 1 WORKSHOP AKTUELLE VOLKSWIRTSCHAFTSLEHRE Geldmengen Geldschöpfung Geldpolitik: Auswertung von SNB Geldmengen-Statistiken Marcel Bühler mu.buehler@bluewin.ch 5.3 Die Entstehung von Geld 5 2 SNB kauft Devisen

Mehr

Grundbegriffe der monetären Ökonomie: Geld und Währung

Grundbegriffe der monetären Ökonomie: Geld und Währung Grundbegriffe der monetären Ökonomie: Geld und Währung Geldpolitik in der langen Frist Langfristig ist Geld neutral, d.h. eine nominale Geldmengenvermehrung führt zu einer entsprechenden Inflation: P /

Mehr

Makro Research Volkswirtschaft Währungen

Makro Research Volkswirtschaft Währungen Zinsanstieg zu schwach für Wende am Devisenmarkt Der Euro sah sich in den vergangenen Wochen einem starken Zinsanstieg ausgesetzt. Allein seit Anfang Juni sind die Renditen der zehnjährigen Bundesanleihen

Mehr

Intermarketanalyse Ziel aus dem Verhalten von Märkten, Rückschlüsse auf Bewegungen anderer Märkte prüfen

Intermarketanalyse Ziel aus dem Verhalten von Märkten, Rückschlüsse auf Bewegungen anderer Märkte prüfen Strategieupdate das große Bild 05.05.2013 Teil 2.2.4. Intermarketanalyse 2.2.4.1. Einleitung Intermarketanalyse Ziel aus dem Verhalten von Märkten, Rückschlüsse auf Bewegungen anderer Märkte prüfen Wir

Mehr

Das Verhältnis des Schweizer Frankens zum Euro

Das Verhältnis des Schweizer Frankens zum Euro Das Verhältnis des Schweizer Frankens zum Euro Referat von Prof. Dr. Thomas J. Jordan Stellvertretendes Mitglied des Direktoriums Leiter Finanzmarktoperationen Schweizerische Nationalbank Tagung «Finanzplatz

Mehr

Die Notenbank feuert aus allen Rohren Die Nationalbank rechnet mit einer tiefen Rezession und sieht Deflationsgefahren

Die Notenbank feuert aus allen Rohren Die Nationalbank rechnet mit einer tiefen Rezession und sieht Deflationsgefahren News Aktuelles aus Politik, Wirtschaft und Recht 13.03.09 Nationalbank Die Notenbank feuert aus allen Rohren Die Nationalbank rechnet mit einer tiefen Rezession und sieht Deflationsgefahren Die Nationalbank

Mehr

Rückblick und Ausblick

Rückblick und Ausblick Rückblick und Ausblick Woche 45/2011 Freie Ausgabe (leicht gekürzt) Kaum Verbesserung im US-Arbeitsmarkt Die amerikanische Arbeitslosenquote ist auf 9,0 Prozent gesunken. Das geht aus den am Freitag veröffentlichten

Mehr

Rückblick und Ausblick

Rückblick und Ausblick Rückblick und Ausblick Woche 2/2012 Freie Ausgabe (leicht gekürzt) US-Arbeitsmarkt hellt sich weiter auf Die positiven Konjunkturzeichen setzen sich in den USA fort. Am Freitag präsentierte sich der Arbeitsmarktbericht

Mehr

Wirtschaftsaussichten 2015

Wirtschaftsaussichten 2015 Prof. Dr. Karl-Werner Hansmann Wirtschaftsaussichten 2015 Vortrag beim Rotary Club Hamburg Wandsbek 5. Januar 2015 Hoffnungen in 2015 1. Wirtschaftswachstum positiv (global, EU, Deutschland) 2. Reformfrüchte

Mehr

Aktuelle wirtschaftliche Lage in der EU

Aktuelle wirtschaftliche Lage in der EU Aktuelle wirtschaftliche Lage in der EU Dr. Klaus Weyerstraß Institut für Höhere Studien (IHS), Wien Abteilung Ökonomie und Finanzwirtschaft Gruppe Konjunktur, Finanzmärkte & europäische Integration Lehrerseminar,

Mehr

Finanzgruppe Deutscher Sparkassen- und Giroverband

Finanzgruppe Deutscher Sparkassen- und Giroverband Standpunkt Kann ein schwacher Euro die Probleme im Euroraum lösen? der Chefvolkswirte der Sparkassen-Finanzgruppe 19. Januar 2015 Chefvolkswirt Uwe Burkert - LBBW Chefvolkswirt Uwe Dürkop - Berliner Sparkasse

Mehr

Unterstützung I. Das britische BIP ist voraussichtlich im ersten Quartal um 0,3 % gewachsen

Unterstützung I. Das britische BIP ist voraussichtlich im ersten Quartal um 0,3 % gewachsen Die starke Korrelation zwischen den Aktienmärkten und dem Euro brach in dieser Woche zusammen: Der Euro erholte sich von seinem Tiefststand, aber die Aktienmärkte testeten die Flash-Crash-Tiefststände

Mehr

Wirtschaft & Finanzen

Wirtschaft & Finanzen Konjunktur In Deutschland ist die Wirtschaftsleistung im zweiten Quartal erwartungsgemäß um 0,4% gestiegen. Neben dem Konsum hat der Außensektor wieder deutlicher zum Wachstum beigetragen. Die Frühindikatoren

Mehr

Deutsche Bank Private Wealth Management. PWM Marktbericht. Björn Jesch, Leiter Portfoliomanagement Deutschland Frankfurt am Main, 18.

Deutsche Bank Private Wealth Management. PWM Marktbericht. Björn Jesch, Leiter Portfoliomanagement Deutschland Frankfurt am Main, 18. PWM Marktbericht Björn Jesch, Leiter Portfoliomanagement Deutschland Frankfurt am Main, 18. Juli 2011 Euro erneut im Mittelpunkt des Marktgeschehens Euro versus ausgewählte Währungen Minimum-Maximum-Bandbreite

Mehr

Wechselkurse. Sorten = Banknoten und Münzen in ausländischer Währung. Devisen = nur Bankguthaben (bargeldloser Zahlungsverkehr)

Wechselkurse. Sorten = Banknoten und Münzen in ausländischer Währung. Devisen = nur Bankguthaben (bargeldloser Zahlungsverkehr) Wechselkurse - zur finanziellen Abwicklung des Außenhandels benötigt man ausländische Währungen - Zahlungsmittel = Devisen - Wechselkurse = Austauschverhältnis zwischen zwei Währungen - spiegelt den Außenwert

Mehr

Exkurs: Führt Monetisierung von Staatschulden zu Inflation?

Exkurs: Führt Monetisierung von Staatschulden zu Inflation? Exkurs: Führt Monetisierung von Staatschulden zu Inflation? Monetisierung von Staatschulden kann erfolgen durch... Ankauf von Staatsschulden auf dem Primärmarkt (der EZB verboten) Ankauf von Staatsschulden

Mehr

EUD-konkret 2/2010. Häufig gestellte Fragen zur Finanzkrise Griechenlands. 1. Warum braucht Griechenland Geld?

EUD-konkret 2/2010. Häufig gestellte Fragen zur Finanzkrise Griechenlands. 1. Warum braucht Griechenland Geld? EUD-konkret 2/2010 Häufig gestellte Fragen zur Finanzkrise Griechenlands 1. Warum braucht Griechenland Geld? 1 2. Warum setzt sich die Europa-Union Deutschland für die Unterstützung Griechenlands ein?

Mehr

Die Katastrophe in Japan und der Yen

Die Katastrophe in Japan und der Yen Woche 12/2011 Freie Ausgabe (leicht gekürzt) Die Katastrophe in Japan und der Yen Wenn man darüber nachdenkt, wie sich der Yen auf Grund der Katastrophe in Japan nun entwickeln wird, lohnt ein Blick 16

Mehr

Makroökonomik II. Veranstaltung 2

Makroökonomik II. Veranstaltung 2 Makroökonomik II Veranstaltung 2 1 Ausgangspunkt 1. Das Keynesianische Kreuz konzentriert sich auf den Gütermarkt. Problem: Zinssatz beeinflusst Nachfrage. 2. Das IS LM Modell: fügt den Geldmarkt hinzu,

Mehr

Privatanleger sehen Schuldenkrise nicht gelöst

Privatanleger sehen Schuldenkrise nicht gelöst 12. Dezember 2013 DZ BANK AG Deutsche Zentral- Genossenschaftsbank Pressestelle Privatanleger sehen Schuldenkrise nicht gelöst Privatanleger mit mehr Börsen-Optimismus, aber ohne Euphorie / Risiken durch

Mehr

(i) Bei einer Preisentwicklung, die um den Zielwert schwankt, wird der Zielwert von null zeitweise unterschritten (Deflation).

(i) Bei einer Preisentwicklung, die um den Zielwert schwankt, wird der Zielwert von null zeitweise unterschritten (Deflation). Klausurfragen SS 2012 2. Termin 1. Geldpolitik der EZB (22 Punkte) a) Welches ist das Oberziel der EZB? Wie hat sie dieses Ziel konkretisiert? Preisniveaustabilität im Euroraum. Konkretisierung: Inflationsrate

Mehr

WECHSELKURSE Unterstützung Unterstützung Instrument Trend

WECHSELKURSE Unterstützung Unterstützung Instrument Trend Besuchen Sie etoros neues soziales Handelsnetzwerk: openbook.etoro.com Die Aktienmärkte konsolidierten diese Woche, da die Investoren einen hervorragenden September, einen der besten der Geschichte, verdauten.

Mehr

Volkswirtschaftslehre inkl. Lösungen

Volkswirtschaftslehre inkl. Lösungen Prüfungsfach: Prüfungsdauer: Volkswirtschaftslehre inkl. en 1 Stunde Maximale Punktzahl 60 Anzahl Aufgabenblätter 8 Anzahl sblätter... Bitte bei den sblättern nicht auf die Rückseite schreiben! Bitte beachten

Mehr

starker franken die schweiz profitiert von einem offenen kapitalmarkt

starker franken die schweiz profitiert von einem offenen kapitalmarkt starker franken die schweiz profitiert von einem offenen kapitalmarkt Informationsblatt 1: Negativzinsen und Kapitalverkehrskontrollen Das Wichtigste in Kürze: Über drei Viertel des täglich gehandelten

Mehr

Die Krise in der Eurozone Mythen, Fakten, Auswege

Die Krise in der Eurozone Mythen, Fakten, Auswege Die Krise in der Eurozone Mythen, Fakten, Auswege Seminar: Geld ist genug da? Möglichkeiten zur Finanzierung einer neuen Wirtschafts- und Sozialpolitik 17.9.211, DGB Region Niedersachsen-Mitte, Celle Florian

Mehr

TREASURY. Konjunktur- und Finanzmarkttrends 12. November 2013. Dir. Dipl.-BW (BA) Tim Geissler Hauptabteilungsleiter Treasury

TREASURY. Konjunktur- und Finanzmarkttrends 12. November 2013. Dir. Dipl.-BW (BA) Tim Geissler Hauptabteilungsleiter Treasury Konjunktur- und Finanzmarkttrends 12. November 2013 Dir. Dipl.-BW (BA) Tim Geissler Hauptabteilungsleiter Treasury Diese Publikation enthält Informationen über frühere Wertentwicklungen. Diese Zahlenangaben

Mehr

Handel mit Staatsanleihen: Der Tabubruch

Handel mit Staatsanleihen: Der Tabubruch Handel mit Staatsanleihen: Der Tabubruch 1. Kompetenzen Die Schülerinnen und Schüler sollen... 1. die derzeitigen Entwicklungen im Markt für Staatsanleihen, die hierfür verantwortlichen Ursachen sowie

Mehr

Das Welt- Währungssystem

Das Welt- Währungssystem Das Welt- Währungssystem Helga Wieser & Corina Wallensteiner Überblick Bimetall-Standard Gold Standard (1870-1914) Zwischenkriegszeit (1918-1939) Warum funktionierte Bretton Woods nicht? Wie sieht es heute

Mehr

Währungsreserven und Devisenumsatz

Währungsreserven und Devisenumsatz Währungsreserven und Devisenumsatz In absoluten Zahlen, 1980 weltweit bis 2007 1980 bis 2007 Währungsreserven 3.500 3.250 3.000 3.210 3.543 Devisenumsatz 3.500 3.250 3.000 2.750 Devisenumsatz pro Handelstag,

Mehr

Volkswirtschaftliche Folgen des Niedrigzinsumfeldes und mögliche Auswege. Prof. Dr. Michael Hüther 5. Juni 2014, Berlin

Volkswirtschaftliche Folgen des Niedrigzinsumfeldes und mögliche Auswege. Prof. Dr. Michael Hüther 5. Juni 2014, Berlin Volkswirtschaftliche Folgen des Niedrigzinsumfeldes und mögliche Auswege Prof. Dr. Michael Hüther 5. Juni 014, Berlin Der Weg ins Niedrigzinsumfeld Auswirkungen auf die Volkswirtschaft Der Ausweg aus dem

Mehr

Was ist mit dem Dollar los? Manuel Ammann und Rico von Wyss. St. Galler Tagblatt, 9.4.2008, S. 2.

Was ist mit dem Dollar los? Manuel Ammann und Rico von Wyss. St. Galler Tagblatt, 9.4.2008, S. 2. Was ist mit dem Dollar los? Manuel Ammann und Rico von Wyss St. Galler Tagblatt, 9.4.2008, S. 2. Der Wert der amerikanischen Währung hat sich in den letzten Jahren im Vergleich zu anderen Währungen stark

Mehr

Weltkonjunktur bleibt fragil Ölpreisrückgang bringt aber globalen Wachstumsschub

Weltkonjunktur bleibt fragil Ölpreisrückgang bringt aber globalen Wachstumsschub Weltkonjunktur bleibt fragil Ölpreisrückgang bringt aber globalen Wachstumsschub Januar 21 Stefan Bielmeier, Bereichsleiter Research und Chefvolkswirt DZ BANK AG Leitzinsen weltweit stark gefallen und

Mehr

trotz frankenstärke: die schweiz profitiert von einer unabhängigen währungspolitik

trotz frankenstärke: die schweiz profitiert von einer unabhängigen währungspolitik faktenblatt: GELD- UND WÄHRUNGSPOLITIK trotz frankenstärke: die schweiz profitiert von einer unabhängigen währungspolitik 23. Oktober 2011 Der starke Franken bereitet unserer exportorientierten Wirtschaft

Mehr

Währung und internationale Zusammenarbeit

Währung und internationale Zusammenarbeit Unterrichtsidee Phase 1: Problematisierung Wechselkurs Lehrerimpuls, Entwicklung verschiedener Wechselkurse gegenüber dem Euro (Unterrichtsmaterial I) Beschreiben Sie, was diese Grafik darstellt. Was drückt

Mehr

UE5: Fragen zu Geldpolitik

UE5: Fragen zu Geldpolitik UE5: Fragen zu Geldpolitik 1) Was ist das vorrangige Ziel der Europäischen Zentralbank (EZB) und welche geldpolitischen Instrumente werden eingesetzt für die Erreichung dieses Ziels? 2) a) Woraus besteht

Mehr

Kleinunternehmer am stärksten betroffen von Kreditverknappung

Kleinunternehmer am stärksten betroffen von Kreditverknappung Wien 1. August 2014 Pressemitteilung Kreditvergabe bei G7 stagniert Kredite an Schwellenländer immer noch steigend Kleinunternehmer am stärksten betroffen von Kreditverknappung Die Kreditvergabe im Privatsektor

Mehr

Ausgabe 09/2015 September / Oktober 2015

Ausgabe 09/2015 September / Oktober 2015 Das "große Warten" auf Leitzinserhöhungen Die Geldpolitik ist ein wichtiger Einflussfaktor an den Devisenmärkten. So hat sich vor dem Hintergrund der unterschiedlichen Wege der Geldpolitik in den USA und

Mehr

Die Euro Krise. Ursachen, Folgen und Lösungsmöglichkeiten Prof. Dr. Kathrin Johansen (Juniorprofessur Empirische Wirtschaftsforschung) Vortrag im Rahmen des 5. Jahreskongress der Landeszentrale für politische

Mehr

Euro Abwertung sichert Erfolg des EZB-Aufkaufprogramms

Euro Abwertung sichert Erfolg des EZB-Aufkaufprogramms April 2015 BarometerSpezial Euro Abwertung sichert Erfolg des EZB-Aufkaufprogramms Zusammenfassung Dr. Klaus Bauknecht klausdieter.bauknecht@ikb.de Das Aufkaufprogramm der EZB steht in der Kritik: die

Mehr

Makro Research Volkswirtschaft Währungen

Makro Research Volkswirtschaft Währungen Euro: EZB Intervention zeigt Wirkung Der Euro-US-Dollar Wechselkurs gibt nur einen unzureichenden Blick auf die preisliche Wettbewerbsfähigkeit im Außenhandel und einen möglichen Inflationsimpuls. Denn

Mehr

Ist die Krise wirklich vorbei? Bestandsaufnahme und Ausblick

Ist die Krise wirklich vorbei? Bestandsaufnahme und Ausblick Ist die Krise wirklich vorbei? Bestandsaufnahme und Ausblick Gustav A. Horn Vortrag zur Tagung des Kocheler Kreises am 8.01.2010 www.boeckler.de Gliederung Ein schaudernder Blick zurück Wie sieht es aus?

Mehr

LuxCredit: Zinsvorteile nutzen und Finanzierungskosten senken Währungskredite das innovative Finanzierungskonzept für Privat- und Firmenkunden

LuxCredit: Zinsvorteile nutzen und Finanzierungskosten senken Währungskredite das innovative Finanzierungskonzept für Privat- und Firmenkunden LuxCredit: Zinsvorteile nutzen und Finanzierungskosten senken Währungskredite das innovative Finanzierungskonzept für Privat- und Firmenkunden LuxCredit Andere Länder, vorteilhaftere Konditionen Profitieren

Mehr

GELDMENGE UND PREISE Arbeitsauftrag

GELDMENGE UND PREISE Arbeitsauftrag 1. Geldmenge und Preise Kreuzen Sie die korrekten Aussagen an. Begründen Sie Ihren Entscheid bei den falschen Aussagen mit einem oder zwei kurzen Sätzen. Die Schweizerische Nationalbank kann die gesamte

Mehr

WOCHEN- BERICHT. 31. August - 6. September 2015 DISCLAIMER & MITTELUNGEN. CH-1196 Gland forex.analysis@swissquote.ch

WOCHEN- BERICHT. 31. August - 6. September 2015 DISCLAIMER & MITTELUNGEN. CH-1196 Gland forex.analysis@swissquote.ch WOCHEN- BERICHT DISCLAIMER & MITTELUNGEN - Ein Überblick p3 p4 p5 p6 p7 p8 Wirtschaft Wirtschaft Wirtschaft Wirtschaft FX Märkte Haftungsablehnung Chinas Maßnahmen könnten die Fed-Politik beeinflussen

Mehr

Der Schweizer Immobilienmarkt im internationalen Vergleich

Der Schweizer Immobilienmarkt im internationalen Vergleich Der Schweizer Immobilienmarkt im internationalen Vergleich Prof. Dr. Roland Füss Veranstaltungsreihe: : «Immobilien Sicherer Hafen oder zunehmend riskant?» 27. Februar 2015, Weiterbildungszentrum Holzweid

Mehr

Haushalts- und Finanzkrise

Haushalts- und Finanzkrise Einführung in das politische System der Europäischen Union WS 2012/13 Haushalts- und Finanzkrise Wird der Euro überleben? Prof. Dr. Jürgen Neyer Die Theorie optimaler Währungsräume Eine gemeinsame Währung

Mehr

Quartalsupdate Januar März 2013 für Anleihemarkt (Zinsen) 30.12.12

Quartalsupdate Januar März 2013 für Anleihemarkt (Zinsen) 30.12.12 Quartalsupdate Januar März 2013 für Anleihemarkt (Zinsen) 30.12.12 Kurzfassung: Zinsen am Tiefpunkt Zinswende Börsenpsychologisch erreicht? Eine Meldung in der FT vom 20.11.2012 sagt aus, dass Pensionskassen

Mehr

WECHSELKURSE DIE EREIGNISSE DIESER WOCHE. openbook.etoro.com. Besuchen Sie etoros neues soziales Handelsnetzwerk: Wöchentlicher Marktüberblick

WECHSELKURSE DIE EREIGNISSE DIESER WOCHE. openbook.etoro.com. Besuchen Sie etoros neues soziales Handelsnetzwerk: Wöchentlicher Marktüberblick Besuchen Sie etoros neues soziales Handelsnetzwerk: openbook.etoro.com Die Aktienmärkte stiegen diese Woche höher, da besser als erwartete Daten aus China den Märkten zu beginn der Woche einen Schub gaben.

Mehr

Staatsschulden in der Eurozone

Staatsschulden in der Eurozone Staatsschulden in Prozent des Bruttoinlandsprodukts 95 Staatsschulden in der Eurozone 90 85 Beginn der Wirtschaftsund Finanzkrise 80 75 70 65 60 1997 2008 2012 Quelle: Ameco-Datenbank Grafik: Andrej Hunko,

Mehr

Oktober 2012 gewählt, wobei der besondere Fokus auf die letzten drei Jahre gelegt wurde, in welchen aufgrund

Oktober 2012 gewählt, wobei der besondere Fokus auf die letzten drei Jahre gelegt wurde, in welchen aufgrund Entwicklung des Kreditvolumens und der Kreditkonditionen privater Haushalte und Unternehmen im Euroraum-Vergleich Martin Bartmann Seit dem Jahr kam es im Euroraum zwischen den einzelnen Mitgliedsländern

Mehr

DirektAnlageBrief Der Themendienst für Journalisten. Ausgabe 24: Oktober 2012. Inhaltsverzeichnis

DirektAnlageBrief Der Themendienst für Journalisten. Ausgabe 24: Oktober 2012. Inhaltsverzeichnis DirektAnlageBrief Der Themendienst für Journalisten Ausgabe 24: Oktober 2012 Inhaltsverzeichnis 1. In aller Kürze: Summary der Inhalte 2. Zahlen und Fakten: Fremdwährungskonten immer beliebter 3. Aktuell/Tipps:

Mehr

Der aktuelle Zins-,Aktien-,Devisenmarktreport November 2015

Der aktuelle Zins-,Aktien-,Devisenmarktreport November 2015 Der aktuelle Zins-,Aktien-,Devisenmarktreport November 2015 Hauptszenario (hohe Negativszenario (niedrige Positivszenario (geringe Beschreibung Aktuelles Kapitalmarktumfeld Europäische Zentralbank stellt

Mehr

Wirtschaftliches Umfeld und Finanzmärkte

Wirtschaftliches Umfeld und Finanzmärkte Wirtschaftliches Umfeld und Finanzmärkte Mag. Rainer Bacher / Kommunalkredit Austria 25.10.2011 ÖSTERREICHS BANK FÜR INFRASTRUKTUR Auf dem Weg in eine düstere Zukunft? ÖSTERREICHS BANK FÜR INFRASTRUKTUR

Mehr

TREASURY. Ausblick auf die Finanzmärkte & die Bankenwelt der Zukunft. Dir. Dipl.-BW (BA) Tim Geissler Hauptabteilungsleiter Treasury

TREASURY. Ausblick auf die Finanzmärkte & die Bankenwelt der Zukunft. Dir. Dipl.-BW (BA) Tim Geissler Hauptabteilungsleiter Treasury Ausblick auf die Finanzmärkte & die Bankenwelt der Zukunft Dir. Dipl.-BW (BA) Tim Geissler Hauptabteilungsleiter Treasury Schuldenkrise lastet massiv auf auf Eurozonen-Konjunktur Indexpunkte BIP-Prognose

Mehr

Zahlungsbilanz unesco projekt - schule. Cäcilienschule Oldenburg unesco projekt schule

Zahlungsbilanz unesco projekt - schule. Cäcilienschule Oldenburg unesco projekt schule Zahlungsbilanz unesco projekt - schule Workshop 5: Zahlungsbilanz Überblick Ökonomie an der Cäcilienschule Kurs Internationale Wirtschaftsbeziehungen Überblick Zahlungsbilanz im Unterricht Einordnung in

Mehr

Mundell-Fleming Modell. b) Was versteht man unter der Preis- und der Mengennotierung des Wechselkurses?

Mundell-Fleming Modell. b) Was versteht man unter der Preis- und der Mengennotierung des Wechselkurses? Mundell-Fleming Modell 1. Wechselkurse a) Was ist ein Wechselkurs? b) Was versteht man unter der Preis- und der Mengennotierung des Wechselkurses? c) Wie verändert sich bei der Preisnotierung der Wechselkurs,

Mehr

Musterlösung Übung 8 zur Vorlesung Makroökonomik (WS 2011/12)

Musterlösung Übung 8 zur Vorlesung Makroökonomik (WS 2011/12) PROF. DR.MICHAEL FUNKE DR. MICHAEL PAETZ Musterlösung Übung 8 zur Vorlesung Makroökonomik (WS 2011/12) Aufgabe 1: Nominal- und Realzinsen a) Lesen Sie bitte den Artikel zu Negativzinsen auf http://www.taz.de/!77395/.

Mehr

Währungskrise in Europa?

Währungskrise in Europa? Währungskrise in Europa? Die ökonomischen Hintergründe der Staatsschuldenkrise Prof. Dr. Stefan May, Hochschule Ingolstadt, ikf Institut GmbH 1 Themen I. Anhaltende Divergenz in Europa das Hauptproblem

Mehr

Sonderthema. Investmentstrategie. August 2014

Sonderthema. Investmentstrategie. August 2014 Investmentstrategie Sonderthema August 4 Thema des Monats: Trendwende in der US-Geldpolitik sollte deutliche Abwertung des Euro einleiten EZB bricht Aufwertungstendenz des Euro Euro fundamental überbewertet

Mehr

Factsheet 1 WARUM BRAUCHT DIE EU EINE INVESTITIONSOFFENSIVE?

Factsheet 1 WARUM BRAUCHT DIE EU EINE INVESTITIONSOFFENSIVE? Factsheet 1 WARUM BRAUCHT DIE EU EINE INVESTITIONSOFFENSIVE? Seit der globalen Wirtschafts- und Finanzkrise leidet die EU unter einer Investitionsschwäche. Daher müssen wir auf europäischer Ebene kollektive

Mehr

Die Griechenlandkrise

Die Griechenlandkrise Die Griechenlandkrise Ein Symptom der europäischen Schuldenkrise Prof. Dr. U. Guckelsberger Die Griechenlandkrise SS 2012 Inhalt Konvergenzkriterien Griechenlands Weg in die Währungsunion Grundlagen der

Mehr

7. Fixe Wechselkurse und Interventionen zur Stabilisierung der Wechselkurse

7. Fixe Wechselkurse und Interventionen zur Stabilisierung der Wechselkurse 7. Fixe Wechselkurse und Interventionen zur Stabilisierung der Wechselkurse Wechselkurse sind nicht vollständig flexibel; in manchen Ländern sind sie fix. Wie intervenieren Zentralbanken zur Fixierung

Mehr

Die Krise des Euroraumes

Die Krise des Euroraumes Die Krise des Euroraumes Juniorprofessor Dr. Philipp Engler Freie Universität Berlin Vortrag am Gymnasium Wiesentheid, 21.12.2011 Die Krise des Euroraumes Was ist in den letzten zwei Jahren passiert? Manche

Mehr

Volkswirtschaftliche Entwicklung und Finanzmarktperspektiven 2014

Volkswirtschaftliche Entwicklung und Finanzmarktperspektiven 2014 Volkswirtschaftliche Entwicklung und Finanzmarktperspektiven 2014 Prof. Dr. Stefan May, ikf Institut GmbH, Hochschule für angewandte Wissenschaften, Ingolstadt Die folgenden Angaben, Informationen und

Mehr

27. Januar 2015, 11:00 Uhr. Gold- und Silber. Online-Konferenz. Referent: Hannes Zipfel

27. Januar 2015, 11:00 Uhr. Gold- und Silber. Online-Konferenz. Referent: Hannes Zipfel 27. Januar 2015, 11:00 Uhr Gold- und Silber Online-Konferenz Referent: Hannes Zipfel Referent Hannes Zipfel Chefökonom VSP Financial Services AG Qualifikationen: Wirtschaftsabitur Studium der Volkswirtschaftslehre

Mehr