Befragung: Juni 2010 Veröffentlichung: September 2010

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1 Eurobarometer Spezial Europäische Kommission EUROBAROMETER SPEZIAL 352 DIE EUROPÄER, ENTWICKLUNGSHILFE UND DIE MILLENNIUMS-ENTWICKLUNGSZIELE BERICHT Befragung: Juni 2010 Veröffentlichung: September 2010 Eurobarometer Spezial 352 / Welle TNS Opinion & Social Durchgeführt im Auftrag der Generaldirektion für Entwicklung und die Beziehungen mit den Staaten Afrikas, den Staaten der Karibik und den Pazifischen Staaten" und koordiniert von der Generaldirektion Kommunikation ( Forschung und Verfassen von Reden Unit). Dieses Dokument gibt nicht die Meinung der Europäischen Kommission wieder. Die darin enthaltenen Interpretationen oder Ansichten sind ausschließlich die der Autoren.

2 Eurobarometer Spezial 352 DIE EUROPÄER, ENTWICKLUNGSHILFE UND DIE MILLENNIUMS-ENTWICKLUNGSZIELE Durchgeführt von TNS Opinion & Social im Auftrag der Generaldirektion Entwicklung und die Beziehungen mit den Staaten Afrikas, den Staaten der Karibik und den Pazifischen Staaten Koordiniert von der Generaldirektion Kommunikation TNS Opinion & Social Avenue Herrmann Debroux, Brüssel Belgien

3 INHALTSVERZEICHNIS EINFÜHRUNG TROTZ DER FORTDAUERNDEN WIRTSCHAFTSKRISE BLEIBT DER STELLENWERT DER ENTWICKLUNGSHILFE HOCH MEHRWERT DURCH ZUSAMMENARBEIT EUROPÄISCHE BÜRGER FÜHLEN SICH PERSÖNLICH VERPFLICHTET, DIES ALLERDINGS IN UNTERSCHIEDLICHEM MASSE ARMUT UND WIRTSCHAFTSKRISE: WICHTIGSTE HERAUSFORDERUNGEN EINE ERHÖHUNG DER ENTWICKLUNGSHILFE WIRD BEFÜRWORTET - DIE ZUSTIMMUNG HIERFÜR FÄLLT ALLERDINGS BEHUTSAMER AUS ALS BISHER ENTWICKLUNGSLÄNDER WERDEN DURCH DIE EUROPÄISCHE HANDELS- UND FINANZPOLITIK SOWIE DIE MAßNAHMEN ZUM FRIEDENSAUFBAU UNTERSTÜTZT GROßE INTERNATIONALE ORGANISATIONEN SIND AM BESTEN GEEIGNET HILFE ZU LEISTEN SCHLUSSFOLGERUNGEN ANHANG TECHNISCHE SPEZIFIKATIONEN FRAGOGEN TABELLEN - 1 -

4 EINFÜHRUNG In dem vorliegenden Bericht wird die europäische öffentliche Meinung zur Entwicklungspolitik im Allgemeinen und zur Rolle der EU als Geber von Entwicklungshilfe im Besonderen untersucht. Im Juni 2010 wurden über Menschen in den 27 Mitgliedstaaten der EU befragt 1. Die Ergebnisse der Umfrage können als Hinweis darauf gelten, wie sich gegenwärtig die Einstellung der europäischen Bürger zur Entwicklungshilfe im Hinblick auf zwei bevorstehende Ereignisse entwickelt: Die UN-Konferenz über die Millenniums-Entwicklungsziele (MDGs) 2 wird im September 2010 stattfinden, fünf Jahre vor Ablauf der Frist für die Erreichung der Millenniums-Entwicklungsziele im Jahr Die 8 Milleniums- Entwicklungsziele wurden im Jahr 2000 von den Staats- und Regierungschefs der Welt festgelegt. In der vorliegenden Umfrage wird untersucht, welche Haltung die europäische öffentliche Meinung 5 Jahre vor Ablauf der für die Erfüllung der Verpflichtungen gesetzten Frist einnimmt. Dies geschieht zu einem Zeitpunkt, an dem die Verwirklichung dieser Ziele in Gefahr zu sein scheint. Während sich manche, wie das 1. Entwicklungsziel - die Bekämpfung von extremer Armut und Hunger - sowie das 2. Entwicklungsziel -Primärschulbildung für alle in die richtige Richtung entwickeln, sind andere noch sehr weit von den gesetzten Zielen entfernt. Insbesondere trifft dies auf das Entwicklungsziel 5 die Senkung der Sterblichkeitsrate von Müttern um drei Viertel zu. Nach wie vor sterben täglich 1500 Frauen aufgrund von Komplikationen während der Schwangerschaft und bei der Geburt; 95 Prozent dieser Todesfälle ereignen sich in Afrika oder Asien. Revision der EU-Entwicklungspolitik: Im Herbst 2010 wird die Europäische Kommission ein Grünbuch über die Zukunft der Entwicklungspolitik herausgeben. Der vorliegende Bericht greift einige der Herausforderungen auf, mit denen sich EU-Politiker konfrontiert sehen. Dies gilt insbesondere hinsichtlich der Frage, wie den Bürgern der von der EU übernommene Anteil für die Verwirklichung dieser Ziele vermittelt werden kann. 1 Für ausführliche Informationen zur Methodik siehe technischer Hinweis im Anhang des vorliegenden Berichts

5 Der vorliegende Bericht schließt an eine Reihe von Veröffentlichungen an, die seit dem Jahr 2004 die Wahrnehmung der europäischen Bevölkerung hinsichtlich der unterschiedlichen Themen der Entwicklungszusammenarbeit untersuchen. Die letzten beiden Umfragen 3 wurden vor dem Hintergrund der größten weltweiten Rezession seit den 1930er-Jahren durchgeführt. In einer Zeit, in der Staaten gegen ansteigende Arbeitslosenraten ankämpfen und Sparziele festlegen, um das Wachstum wieder zu beleben, ist es naheliegend, dass die Entwicklungshilfe als Sündenbock gesehen wird und dadurch an Bedeutung verliert. Die Gedanken der europäischen Bürger dürften wohl noch an Problemen in ihrer unmittelbaren Umgebung hängen. Die aktuelle Studie wurde vor dem Hintergrund erheblicher Befürchtungen von Seiten der Öffentlichkeit durchgeführt, die die Stabilität der europäischen Wirtschaft betrafen und die durch die staatliche Schuldenkrise Griechenlands und der darauf folgenden Reaktionen der EU und der Mitgliedstaaten ausgelöst wurden. Dies steht im Kontrast zu der Umfrage des Jahres 2009: Damals konzentrierte sich die Öffentlichkeit eher auf die weltweiten Auswirkungen der Finanzkrise und die Bürger hielten nach den ersten Zeichen wirtschaftlichen Aufschwungs Ausschau. Trotz des wirtschaftlichen Kontextes zeigen die Ergebnisse dieser Untersuchung, dass die europäischen Bürger nach wie vor verlässliche Unterstützer der Entwicklungshilfe sind und die Strategie der Europäischen Union, die Entwicklungshilfe wie versprochen zu erhöhen, weiterhin unterstützen. Neben den offiziellen Entwicklungshilfeprogrammen leisten 30% der europäischen Bürger persönlich Hilfe für ärmere Länder, entweder indem sie Geld spenden oder indem sie in einer entsprechenden Organisation ehrenamtliche Arbeit leisten. 3 Die letzte Studie wurde im Oktober 2009 veröffentlicht: Spezial-Eurobarometer 318 Entwicklungshilfe in Zeiten wirtschaftlicher Turbulenzen unter

6 Dies soll allerdings nicht bedeuten, dass die wirtschaftlichen Turbulenzen keine Spuren hinterlassen haben. Der allgemeine Indikator, mit dem die von den Bürgern eingeschätzte Bedeutung von Entwicklungshilfe gemessen wird, hat sich seit 2009 zwar positiv entwickelt, wir können jedoch anhand der Antworten auf konkretere Fragen nach der akzeptablen Höhe der EU-Entwicklungshilfe feststellen, dass die Menschen - wenn es ums Geld geht - mittlerweile nicht mehr wie vor 12 Monaten bereit sind, dieses für ärmere Länder auszugeben. Darüber hinaus wird die Wirtschaftskrise als zweitwichtigstes Problem der Entwicklungsländer genannt, d.h. sie wird häufiger genannt, als die grundlegenderen und weiter reichenden humanitären Bedürfnisse der Nahrungs- und Gesundheitsversorgung. Hier haben die Europäer allerdings wohl eher die eigenen Schwierigkeiten vor Augen. Diese Kurzsichtigkeit hindert sie daran ein echtes Verständnis für die Probleme zu entwickeln, mit denen die Menschen in Entwicklungsländern konfrontiert sind. Durch diese Umfrage wird auch noch einmal bestätigt, dass sich die EU der kommunikativen Herausforderung stellen und dafür sorgen muss, als Akteur der Entwicklungshilfe ein besseres öffentliches Image zu bekommen. Denn trotz der deutlichen Unterstützung und der positiven Haltung gegenüber der europäischen Entwicklungshilfe, wird die Rolle des weltweit größten Entwicklungshilfegebers von seinen eigenen Bürgern nach wie vor unterschätzt. Zudem bleibt ein bedeutender Anteil von 21% der europäischen Bürger in Bezug auf die Entwicklungshilfe in ärmeren Ländern gleichgültig. Zusammengefasst kann festgestellt werden, dass die starke ethische Wertebasis, auf der die europäische Entwicklungshilfe beruht, von wirtschaftlichen Zyklen größtenteils unberührt bleibt. Die europäischen Bürger fühlen sich verantwortlich, den weniger bemittelten Menschen in der Welt unter die Arme zu greifen. Wenn allerdings die eigenen Schwierigkeiten ins Blickfeld geraten, erklären sich die Bürger seltener als in Zeiten wirtschaftlicher Prosperität bereit, konkret die Herausforderungen der Entwicklungshilfe anzunehmen. * * * Dieser Bericht stellt sowohl die europaweiten Ergebnisse als auch die Länderergebnisse vor. Wo es von Relevanz ist, werden Vergleiche mit früheren Umfragen angestellt und Hintergrundinformationen gegeben, um die Ergebnisse in einem breiteren sozioökonomischen Zusammenhang darzustellen. Auch die soziodemografischen Variablen werden in die Analyse miteinbezogen

7 Die Länder sind in diesem Bericht mit ihren amtlichen Abkürzungen wiedergegeben. Die im Bericht verwendeten Abkürzungen lauten wie folgt: ABKÜRZUNGEN EU27 EU15 NMS12 Europäische Union 27 Mitgliedstaaten Die fünfzehn Mitgliedstaaten, die schon vor dem Eintritt der zehn Kandidatenländer am 1. Mai 2004 Mitglied der EU waren Die zwölf Mitgliedstaaten, die im Rahmen der EU-Erweiterungen in den Jahren 2004 oder 2007 Mitglieder der EU wurden, werden als NMS12 bezeichnet (New member states 12) DK/NA Weiß nicht / Keine Angabe BE BG CZ DK DE EE EL ES FR IE IT CY LT LV LU HU MT NL AT PL PT RO SI SK FI SE UK Belgien Bulgarien Tschechische Republik Dänemark Deutschland Estland Griechenland Spanien Frankreich Irland Italien Republik Zypern Litauen Lettland Luxemburg Ungarn Malta Niederlande Österreich Polen Portugal Rumänien Slowenien Slowakei Finnland Schweden Vereinigtes Königreich - 5 -

8 Am Anfang jedes Kapitels wird die jeweils analysierte Frage vorgestellt. Da der Eurobarometer eine Omnibusbefragung ist, d.h. in jeder Umfrage werden mehrere Themen abgefragt, wird jedes einzelne Thema durch einen bestimmten Buchstaben in der Fragenummer angezeigt ( A bezieht sich auf das erste Thema, B auf das zweite Thema, usw.). In dem vorliegenden Bericht bezieht sich der Buchstabe D in den Fragenummern auf die Position, die das vorliegende Thema unter den weiteren Themen einnimmt

9 WICHTIGSTE ERGNISSE Der Entwicklungshilfe wird ein hoher Stellenwert beigemessen: 89% der europäischen Bürger messen der Entwicklungszusammenarbeit einen hohen Stellenwert bei, davon erklären 45%, dass die Entwicklungshilfe sehr wichtig und 44%, dass sie eher wichtig sei. Diese Ergebnisse entsprechen größtenteils den Daten früherer Erhebungen, obwohl der Befragtenanteil, nach deren Ansicht die Entwicklungshilfe sehr wichtig ist, seit dem im Jahre 2009 festgestellten Wert von 39% zugenommen hat. Deutliche Unterstützung für die EU-Entwicklungszusammenarbeit: Drei Viertel (76%) der europäischen Bürger sind der Ansicht, dass es von Vorteil ist, wenn die EU- Mitgliedstaaten in der Entwicklungshilfe zusammenarbeiten. Ein erheblicher Anteil der Bevölkerung trägt persönlich zur Entwicklungshilfe bei, aber zahlreiche Bürger bleiben unbeteiligt: Ein Anteil von 30% der europäischen Bürger engagiert sich persönlich für ärmere Länder, entweder indem sie Geld spenden (26%) oder indem sie ehrenamtliche Arbeit in einer entsprechenden Organisation leisten (4%). Trotz allem bleibt der größte Anteil der Bevölkerung unbeteiligt: 42% unterstützen die Ziele, ohne sich selbst daran zu engagieren und 21% erklären, dass sie kein Interesse an der Entwicklungszusammenarbeit haben. Armut wird als wichtigstes Problem in den Entwicklungsländern genannt: Unabhängig von den Prioritäten der Millennium-Entwicklungsziele geben 42% der Befragten an, dass Armut das wichtigste Problem darstellt, mit dem Entwicklungsländer konfrontiert sind. Die Befragten sprechen sich damit instinktiv für das 1. MDG die Bekämpfung von extremer Armut und Hunger als wichtigstes Problem aus. Auch im Jahr 2009 wurde die Armut als größte Herausforderung genannt (50% der Befragten). Die Bürger unterstützen weiterhin die Zusage der EU, die Entwicklungshilfen zu erhöhen: Genau die Hälfte der befragten Bürger (50%) ist der Ansicht, dass die Hilfen erhöht werden sollten, um die von der EU gesetzten Ziele zu erreichen. 14% würden die Hilfen sogar noch zusätzlich erhöhen. Ein nicht zu vernachlässigender Anteil (29%) ist allerdings bereit, das abgegebene Versprechen nicht zu halten. Obwohl die Mehrheit (64%) nach wie vor die Meinung vertritt, dass die Hilfen erhöht werden sollten, ist dieser Anteil seit dem Jahr 2009 (72%) zurückgegangen

10 Die positiven Auswirkungen des EU-Handelns in anderen Politikbereichen auf die Entwicklungsländer werden anerkannt: Ein Anteil von 43% der europäischen Öffentlichkeit ist davon überzeugt, dass der Handel und die Finanzpolitik der EU positive Auswirkungen auf die Entwicklungsländer haben. Als nächstes folgen Landwirtschaft (33%) und Migration (22%). Positive Auswirkungen haben nach Meinung der Bürger auch politische Maßnahmen, die sich auf die gegenwärtigen globalen Herausforderungen, wie Umweltzerstörung (22%), Energieversorgung (21%) und den Klimawandel (18%) beziehen. Die UNO und die Weltbank werden noch vor der EU als am besten geeigneter Akteur angesehen, um Entwicklungsländern zu helfen: Ein Anteil von 27% der europäischen Bürger nennt die UNO als den am besten geeigneten Akteur, um Entwicklungsländern zu helfen, gefolgt von der Weltbank (19%) und der EU (17%). Der Befragtenanteil, der sich für die EU ausgesprochen hat, ist von 26% im Jahr 2009 gesunken

11 1. TROTZ DER FORTDAUERNDEN WIRTSCHAFTSKRISE BLEIBT DER STELLENWERT DER ENTWICKLUNGSHILFE HOCH QD2: Ist es Ihrer Meinung nach sehr wichtig, eher wichtig, nicht sehr wichtig oder überhaupt nicht wichtig, den Menschen in Entwicklungsländern zu helfen? In der Folgezeit der schlimmsten weltweiten Rezession seit den 1930-er Jahren ist eine Mehrheit von 89% der Befragten der Ansicht, dass Entwicklungshilfe wichtig ist. Die wirtschaftlichen Turbulenzen gehen nicht spurlos an den Menschen vorüber, aber nachdem der Anteil derjenigen, die Entwicklungshilfe für sehr wichtig halten, vor einem Jahr empfindlich zurückgegangen war, messen mittlerweile wieder mehr Menschen der Entwicklungshilfe einen hohen Stellenwert bei. Dieses Ergebnis unterstreicht erneut das allgemeine Wertefundament, auf das sich die Entwicklungshilfe stützen kann: Wirtschaftliche Zyklen haben demnach keinen großen Einfluss auf die in der EU stark empfundene humanitäre Verpflichtung anderen zu helfen. QD2 Ist es Ihrer Meinung nach sehr... den Menschen in Entwicklungsländern zu helfen? - % EU Sehr wichtig Ziemlich wichtig Nicht sehr wichtig Überhaupt nicht wichtig WN Juni % 44% 7% Mai/Juni % 49% 7% November % 38% 5% Nicht nur während der wirtschaftlichen Turbulenzen der letzten Zeit, sondern auch während der Phase starken Wachstums am Anfang des Jahrzehnts hat sich die deutliche Unterstützung, die die Entwicklungszusammenarbeit in der Öffentlichkeit genießt, nicht verändert. Im Juni 2010 erklärt ein Anteil von 89% der europäischen Bürger, dass Entwicklungshilfe wichtig sei. Im Vergleich zum November des Jahres 2004, als dieser Anteil bei 91% lag, und zum Mai/Juni des Jahres 2009, als er bei 88% lag, hat sich die allgemeine Unterstützungsquote kaum verändert

12 Trotz alledem gehen die wirtschaftlichen Turbulenzen nicht spurlos an den Befragten vorüber und so stellen wir in den letzten drei Umfragen deutliche Veränderungen hinsichtlich der Intensität der Unterstützung fest. Kurz nachdem die Krise ihren Wendepunkt erreicht hatte, sank der Anteil jener Befragten, die die Entwicklungshilfe als sehr wichtig bezeichnen, in erheblichem Maße, und zwar von 53% im Jahr 2004 auf 39% im Jahr In der aktuellen Umfrage kehrt sich diese Entwicklung um: Mittlerweile erklären 45% der europäischen Bürger, dass die Entwicklungshilfe 'sehr wichtig sei. Hieraus können wir schließen, dass ein Erholungsprozess eingesetzt hat

13 Eine Länderanalyse zeigt nur geringe Unterschiede hinsichtlich der allgemeinen Unterstützung. Bei näherer Betrachtung zeichnen sich allerdings eine Reihe von Mustern ab, die wohl teilweise damit zusammenhängen, wie stark die Auswirkungen der Wirtschaftskrise auf das jeweilige Land waren und wie hoch die offiziellen Entwicklungshilfen jeweils sind. Diese Daten entstammen der vorherigen Umfrage aus dem Jahr Die größten Unterstützerländer, wie Schweden (96% halten Entwicklungshilfe für sehr oder eher wichtig), Irland (95%), Dänemark (94%), Finnland (94%), Luxemburg (93%) und das Vereinigte Königreich (91%) sind alles Mitgliedstaaten, in denen der offizielle Entwicklungshilfeanteil im Jahr 2009 auf Höhe des von der EU vorgegebenen Ziels von 0,51% des BIP lag oder dieses überstieg 4. Gleichzeitig sind in einigen Mitgliedstaaten, die, gemessen am BIP, von der Wirtschaftskrise schwer in Mitleidenschaft gezogen wurden 5, verhältnismäßig niedrigere, aber trotz alledem signifikante Anteile von Befragten festzustellen, die die Entwicklungshilfe unterstützen. Zu diesen Mitgliedstaaten gehören Bulgarien (79%), Estland (84%) und Lettland (86%). Mit dieser Eingruppierung können jedoch zahlreiche Ergebnisse der vorliegenden Umfrage nicht erklärt werden. Während Griechenland zum Beispiel gegenwärtig eine schwere Schuldenkrise durchlebt, die in der gesamten Euro-Zone Befürchtungen ausgelöst hat, unterstützt nach wie vor ein durchschnittlicher Befragtenanteil die Entwicklungshilfe (90%). Gleichzeitig messen die Befragten in den Niederlanden der Entwicklungszusammenarbeit verhältnismäßig wenig Bedeutung bei (88%), obwohl dieses Land eine der höchsten Entwicklungshilfeziele von ganz Europa hat (0.8% des BIP im Jahr 2010) und das EU-Ziel des Jahres 2009 übertroffen wurde (0.82%). 4 Europäischer NRO-Dachverband für Katastrophen- und Entwicklungshilfe: Penalty Against Poverty: More and better EU aid can score Millennium Development Goals: siehe 5 Eurostat Pressemitteilung vom 7. Juli 2010 unter:

14 In den vorherigen Umfragen der Jahre 2009 und 2004 wurde festgestellt, dass es zwischen der Einstellung von Befragten aus Mitgliedstaaten, die erst vor kurzem der EU beigetreten sind und jenen, die schon länger Teil der Union sind, einen Unterschied gibt. Die Befragten in den NMS12 (den 12 neuen EU-Mitgliedstaaten) messen der Entwicklungszusammenarbeit weniger Bedeutung bei. Die anfänglichen Unterschiede wurden ab Frühjahr 2009 allmählich geringer und sind mittlerweile nahezu nicht mehr feststellbar: Insgesamt liegt in den EU15 der Befragtenanteil, die die Entwicklungsarbeit unterstützen bei 90% und in den NMS12 bei 89%. Nur hinsichtlich der Intensität der Unterstützung gibt es noch eine messbare Differenz (47% der Befragten in den EU15 halten die Entwicklungsarbeit für 'sehr wichtig gegenüber 40% in den NMS12)

15 Die positivsten Entwicklungen beobachten wir in einigen der Mitgliedstaaten, die erst vor kurzem der EU beigetreten sind, wie Rumänien und Zypern. Wie allerdings aus der obigen Tabelle hervorgeht, kann seit Juni 2009 in nahezu jedem Land eine positive Entwicklung konstatiert werden

16 Wie schon im Jahr 2009 räumen Befragte aus zwei bestimmten soziodemografischen Gruppen mit höherer Wahrscheinlichkeit der Entwicklungszusammenarbeit einen hohen Stellenwert ein. Dies gilt insbesondere für jüngere Befragte und damit übereinstimmend für Studenten sowie diejenigen Befragten, die bezüglich Beschäftigung und Ausbildung einen hohen sozioökonomischen Status haben. Dies zeigt, dass europäische Bürger, die in Zeiten wirtschaftlicher Härte mit nur geringer Wahrscheinlichkeit in Bedrängnis geraten (Jugendliche, die noch nicht berufstätig sind und hochqualifizierte Berufstätige), zu denjenigen Befragten gehören, die die Entwicklungszusammenarbeit am meisten unterstützen. QD2 Ist es Ihrer Meinung nach sehr wichtig, eher wichtig, nicht sehr wichtig oder überhaupt nicht wichtig, den Menschen in Entwicklungsländern zu helfen? sehr wichtig eher wichtig nicht sehr wichtig überhaupt nicht wichtig Weiss nicht / keine Angabe EU27 45% 44% 7% 2% 2% Alter % 40% 5% 2% 1% % 44% 6% 2% 2% % 46% 6% 2% 2% % 45% 7% 3% 3% Ausbildung (Ende der) 15-39% 47% 7% 3% 4% % 45% 7% 2% 2% % 41% 5% 2% 1% Studiert noch 52% 39% 5% 2% 2% Beruf Selbstständige 47% 43% 6% 3% 1% Leitende Angestellte 53% 41% 4% 1% 1% Andere Angestellte 44% 46% 6% 2% 2% Arbeiter 41% 48% 7% 2% 2% Hausfrauen / -männer 46% 43% 6% 2% 3% Arbeitslose 46% 43% 7% 2% 2% Rentner / Pensionäre 42% 44% 8% 3% 3% Schüler / Studenten 52% 39% 5% 2% 2% Selbsteinstufung auf der gesellschaftlichen Skala Niedrig (1-4) 42% 45% 7% 3% 3% Mittel (5-6) 45% 45% 6% 2% 2% Hoch (7-10) 49% 43% 5% 2% 1%

17 Auf der Basis der obigen Ergebnisse können wir die Feststellung treffen, dass die europäische Öffentlichkeit im Hinblick auf die Entwicklungshilfe von der Annahme ausgeht, dass der 'Stärkere' für den 'Schwächeren' Verantwortung trägt. Faktoren wie die wirtschaftliche Lage und die Entwicklungshilfe-Kultur eines Landes spielen sicherlich eine Rolle, letztendlich sind aber nur äußerst wenige europäische Bürger der Ansicht, dass es nicht wichtig ist, Menschen in Not zu helfen. Darüber hinaus hat die Meinung der europäischen Bürger über die Entwicklungshilfe offensichtlich weniger stark unter der Wirtschaftskrise gelitten als einige andere Bereiche des öffentlichen Lebens, wie beispielsweise die Unterstützung und das Vertrauen in die Institutionen der EU sowie die Wahrnehmung der Mitgliedschaft in der EU 6. Damit liegt die Annahme nahe, dass moralische Wertvorstellungen die Entwicklungshilfe tragen. 6 Spezial-Eurobarometer 69 Entwicklungshilfe in Zeiten wirtschaftlicher Turbulenzen Erste Ergebnisse, siehe

18 2. MEHRWERT DURCH ZUSAMMENARBEIT QD6 Sind Sie der Meinung, dass die Zusammenarbeit der Mitgliedstaaten der Europäischen Union bei der Unterstützung von Entwicklungsländern einen Mehrwert bietet? Eine überwältigende Mehrheit der europäischen Bevölkerung (76%) ist der Ansicht, dass es einen Mehrwert bietet, wenn die EU-Mitgliedstaaten in der Entwicklungshilfe zusammenarbeiten. Hierdurch wird das Mandat gestärkt, das sich für die Europäische Union als weltweit größten Entwicklungshelfer ergibt, die Herausforderungen, die sich aufgrund der Bedürfnisse der Entwicklungsländer ergeben, anzunehmen

19 Die europäischen Bürger unterstützen die Entwicklungshilfe nicht nur in hohem Maße, sie sind auch weitgehend der Ansicht, dass die EU-Mitgliedstaaten in der Entwicklungsarbeit zusammenarbeiten sollten. Etwas mehr als drei Viertel der Befragten (76%) vertreten die Meinung, dass die Zusammenarbeit innerhalb der EU einen Mehrwert bietet, wenn es darum geht, die Bekämpfung von Armut, Hunger und Krankheiten in den Entwicklungsländern voranzutreiben. Es sind jeweils Anteile von 38% die der Meinung sind, dass dies auf jeden Fall oder teilweise zutrifft. 14% erklären, dass eine Zusammenarbeit keine Vorteile bringt. 10% der Befragten sehen sich nicht in der Lage, diesbezüglich eine Meinung zu formulieren. In den Augen ihrer Bürger besitzt die EU als Akteur der Entwicklungshilfe ein deutliches Mandat. Diese Beobachtung wurde schon in der vorherigen Umfrage im Frühjahr 2009 gemacht, als 61% der Befragten erklärten, dass es einen Mehrwert bietet, wenn in der weltweiten Debatte über Entwicklung auch die europäische Perspektive eingebracht wird 7. 7 Spezial 318 Entwicklungshilfe in Zeiten wirtschaftlicher Turbulenzen

20 Auch wenn in jedem Mitgliedstaat eine absolute Mehrheit die Meinung vertritt, dass die Zusammenarbeit innerhalb der EU zumindest in einem gewissen Rahmen - einen Mehrwert bietet, stellen wir hinsichtlich der jeweiligen Anteile erhebliche Unterschiede auf Länderebene fest: Die Differenzen zwischen den Befragtenanteilen, die diesbezüglich eine positive Ansicht vertreten, reichen von 94% in Schweden bis 54% in Litauen

21 Allgemein fallen in den Ländern, in denen sich generell eine positive öffentliche Meinung über die Entwicklungszusammenarbeit abzeichnet, auch die Unterstützungswerte für die europäische Zusammenarbeit höher aus. Dieses Muster können wir z.b. in Schweden, Luxemburg, Dänemark und den Niederlanden beobachten. Es handelt sich hierbei um jene Mitgliedstaaten, in denen die nationalen Entwicklungshilfeziele am höchsten sind. Demgegenüber setzen die Befragten in Litauen, der Tschechischen Republik und Slowenien weniger Vertrauen in die Effizienz einer europäischen Entwicklungszusammenarbeit. Dies illustriert die Differenz zwischen den EU15 und den NMS12: In den EU15 ist ein Anteil von 78% der Bevölkerung der Ansicht, dass eine Zusammenarbeit einen Mehrwert bietet, während in den Mitgliedstaaten, die erst später der EU beigetreten sind, nur ein Anteil von 70% der Befragten Vertrauen in eine europäische Zusammenarbeit hat. Diese Kluft kann allerdings direkt den höheren Anteilen von Weiß nicht Antworten in den NMS12 zugeschrieben werden (15% im Vergleich zu 9% in den EU15). Eine vorherige Umfrage, die im Mai/Juni 2007 in dieser Ländergruppe durchgeführt wurde 8 zeigte hinsichtlich der EU-Entwicklungshilfe einen deutlichen Informationsmangel der Befragten. Der Mangel an Informationen erklärt somit zumindest teilweise, weshalb in diesem Bereich die Unterstützung für die europäische Zusammenarbeit niedriger ausfällt. 8 Spezial 286 Die Bürger der neuen EU-Mitgliedstaaten und Entwicklungshilfe. Siehe http//ec.europa.eu/climateaction/index_en.htm

22 QD6 Sind Sie der Meinung, dass die Zusammenarbeit der Mitgliedstaaten der Europäischen Union bei der Unterstützung von Entwicklungsländern einen Mehrwert bietet? Ja, auf jeden Fall Ja, teilweise Nein, eher nicht Nein, auf keinen Fall Weiß nicht / Keine Angabe EU27 38% 38% 10% 4% 10% Alter % 38% 9% 3% 11% % 39% 10% 3% 8% % 38% 9% 4% 9% % 38% 10% 4% 13% Ausbildung (Ende der) 15-31% 38% 11% 4% 16% % 40% 11% 4% 9% % 36% 7% 3% 6% Studiert noch 40% 39% 8% 2% 11% Berufliche Situation der Befragten Selbstständige 43% 37% 9% 3% 8% Leitende Angestellte 49% 35% 7% 3% 6% Andere Angestellte 36% 43% 11% 4% 6% Arbeiter 38% 39% 11% 3% 9% Hausfrauen / -männer 35% 37% 10% 2% 16% Arbeitslose 40% 34% 11% 4% 11% Rentner / Pensionäre 33% 39% 11% 4% 13% Schüler / Studenten 40% 39% 8% 2% 11% Selbstpositionierung über die soziale Treppe Niedrig (1-4) 33% 37% 11% 4% 15% Mittel (5-6) 38% 39% 10% 3% 10% Hoch (7-10) 43% 39% 9% 3% 6% Wie wir in der obenstehenden Tabelle sehen können, räumen Befragte mit einem höheren sozioökonomischen Status der Entwicklungszusammenarbeit generell eher einen höheren Stellenwert ein. Dementsprechend unterstützt diese Befragtengruppe mit höherer Wahrscheinlichkeit die europäische Zusammenarbeit. Möglicherweise hängt dies mit einem besseren Verständnis der Vorteile zusammen, die sich daraus für die Empfänger- wie auch für die Geberländer ergeben: Befragte mit einer höheren Ausbildung und einem hohen beruflichen Status neigen generell dazu, mehr über Entwicklungshilfethemen zu wissen. Da die Probleme in den Entwicklungsländern globaler Natur sind, müssen sie auch in einem globalen Zusammenhang gelöst werden. Wenn es um globale Themen, wie die Förderung von Frieden und Demokratie in der Welt geht, unterstützt die europäische Öffentlichkeit generell eine gemeinsame Vorgehensweise auf europäischer Ebene 9. Die Entwicklungszusammenarbeit stellt in diesem Zusammenhang keine Ausnahme dar: Die europäischen Bürger erteilen der EU ein klares Mandat, im Bereich der Hilfeleistung für arme Länder. 9 Standard 71 Die öffentliche Meinung in der Europäischen Union. Siehe

23 3. EUROPÄISCHE BÜRGER FÜHLEN SICH PERSÖNLICH VERPFLICHTET, DIES ALLERDINGS IN UNTERSCHIEDLICHEM MASSE QD3 Was trifft auf Sie zu, wenn es um Hilfe für Menschen in Entwicklungsländern geht? 9 von 10 europäischen Bürgern vertreten die Ansicht, dass es wichtig sei, den Menschen in Entwicklungsländern zu helfen und 72% erklären, dass sie diese Hilfeleistung aktiv unterstützen. In Bezug auf die Intensität des Engagements gibt es allerdings einige Unterschiede: Der größte Befragtenanteil (42%) unterstützt die Entwicklungshilfeziele grundsätzlich ohne aktives Engagement als Trittbrettfahrer, während 30% der Entwicklungshilfe entweder Geld spenden oder ehrenamtliche Arbeit in einer entsprechenden Organisation leisten

24 Wie wir schon im obigen Text gesehen haben, unterstützt die europäische Öffentlichkeit in hohem Maße nicht nur die Entwicklungshilfe im Allgemeinen sondern auch die europäische Zusammenarbeit in diesem Bereich. Von dieser generell positiven Einstellung einmal abgesehen, erklären weitere 72% der Befragten, dass sie sich diesem Ziel persönlich verpflichtet fühlen. 30% der europäischen Bürger tragen konkret zur Entwicklungshilfe bei, indem sie entweder Geld spenden (26%) oder ehrenamtliche Arbeit in einer entsprechenden Organisation leisten (4%). Ein Anteil von 42% befürwortet zwar die Ziele der Entwicklungshilfe, ist aber persönlich nicht engagiert. Nur ein sehr geringfügiger Anteil der europäischen Bevölkerung spricht sich gegen Entwicklungszusammenarbeit aus, ein erheblicher Anteil von 21% hingegen scheint dem freiwilligen Engagement gleichgültig gegenüberzustehen und erklärt schlicht, dass er sich nicht beteiligen möchte. Einerseits beteiligt sich ein hoher Prozentsatz der europäischen Bürger über die offiziellen EU-Hilfen hinaus persönlich an Entwicklungshilfe. Dies zeigt, dass sich die Europäer engagieren, um bei der Bekämpfung der Probleme, mit denen diese Länder und deren Bürger konfrontiert sind, mitzuhelfen. Andererseits zeigt das Ergebnis, dass es eine Kluft zwischen dem wahrgenommenen Stellenwert und dem konkreten Handeln gibt: Wenn wir die Gruppe, die Entwicklungshilfe als sehr wichtig bezeichnet, näher untersuchen, wird deutlich, dass nur 45% dieser Befragten sich auch aktiv engagieren

25 Sie befürworten Hilfe für Entwicklungsländer, ohne selbst ehrenamtlich tätig zu sein oder Geld zu spenden Sie spenden Geld an eine Organisation, die Entwicklungsländern hilft, sind aber nicht aktiv ehrenamtlich tätig QD3 Was trifft auf Sie zu, wenn es um Hilfe für Menschen in Entwicklungsländern geht? Sie beteiligen sich nicht an Hilfen für Menschen in Entwicklungsländern Sie sind ehrenamtlich in einer Organisation tätig, die Entwicklungsländern hilft Sie sind dagegen, dass Entwicklungsländern geholfen wird Weigerung (SP.) EU27 42% 26% 21% 4% 3% 1% 3% BE 31% 35% 22% 6% 4% 1% 1% BG 59% 4% 21% 1% 4% 2% 9% CZ 51% 16% 26% 2% 4% 1% 0% Weiß nicht 28% 55% 8% 6% 2% 0% 1% DE 41% 35% 13% 4% 3% 1% 3% EE 42% 6% 41% 3% 4% 2% 2% EL 61% 8% 24% 1% 3% 2% 1% ES 47% 19% 25% 7% 1% 0% 1% FR 52% 22% 14% 4% 4% 1% 3% IE 20% 61% 13% 4% 1% 0% 1% IT 55% 23% 8% 5% 2% 2% 5% CY 68% 17% 10% 2% 1% 0% 2% LT 43% 11% 38% 1% 3% 1% 3% LV 28% 5% 59% 2% 3% 1% 2% LU 25% 55% 6% 10% 1% 1% 2% HU 49% 8% 32% 4% 2% 2% 3% MT 16% 56% 22% 2% 2% 1% 1% NL 22% 57% 12% 5% 4% 0% 0% AT 35% 38% 15% 5% 2% 3% 2% PL 45% 14% 34% 1% 2% 1% 3% PT 48% 11% 34% 2% 2% 0% 3% RO 44% 2% 40% 1% 3% 2% 8% SI 32% 19% 39% 2% 7% 1% 0% SK 40% 22% 33% 1% 2% 1% 1% FI 28% 51% 11% 9% 1% 0% 0% SE 27% 58% 10% 4% 1% 0% 0% UK 25% 35% 30% 5% 3% 0% 2% Höchster Prozentsatz per Land Höchster Prozentsatz per Nennung Niedrigster Prozentsatz per Land Niedrigster Prozentsatz per Nennung Weiß nicht / Keine Angabe

26 Anhand dieser Frage, die das Augenmerk auf die persönliche Perspektive legt, zeigen sich zwischen den Mitgliedstaaten größere Differenzen, als in der allgemein gehaltenen Frage über die Bedeutung von Entwicklungshilfe. In Abhängigkeit von der Intensität des persönlichen Engagements, können folgende Ländergruppen unterschieden werden:

27 Mitgliedstaaten, in denen sich die Bürger aktiv beteiligen: Hierzu gehören Irland, Schweden, Malta, Luxemburg, Dänemark, Finnland, Österreich, Belgien und das Vereinigte Königreich. In diesen Mitgliedstaaten zählt der größte Anteil der Befragten zu jener Gruppe von Bürgern, die Hilfsorganisationen Geld spenden. Die Befragten in Luxemburg und Finnland sind mit der höchsten Wahrscheinlichkeit ehrenamtlich in einer entsprechenden Organisation tätig; Diese Mitgliedstaaten sprechen sich generell für höhere Entwicklungshilfeziele aus als innerhalb der EU vereinbart sind und haben in den letzten Jahren ihre diesbezüglichen Versprechen auch eingehalten 10. Auch eine verhältnismäßig positive Entwicklung des BIP ist ein Merkmal dieser Ländergruppe. Malta bildet hier in gewissem Maße eine Ausnahme: Es belegt innerhalb jener Mitgliedstaaten, die erst vor kurzem der EU beigetreten sind, in Bezug auf das Verhältnis zwischen BIP und Entwicklungshilfeanteil den ersten Platz. Mitgliedstaaten, in denen die Bürger die Entwicklungshilfe befürworten, aber selber keine Initiative ergreifen: Hierzu gehören Zypern, Griechenland, Bulgarien, Italien, Frankreich, die Tschechische Republik, Ungarn, Portugal, Spanien, Polen, Rumänien, Litauen, Estland, Deutschland und die Slowakei Diese recht heterogene Ländergruppe setzt sich aus den meisten südlichen Mitgliedstaaten sowie Frankreich und Deutschland und einer Reihe von Ländern, die der EU innerhalb des letzten Jahrzehnts beigetreten sind, zusammen; Wie die öffentliche Meinung über Entwicklungshilfe denkt, lässt sich möglicherweise aus den Ansichten der Befragten dieser größten Ländergruppe ablesen: es ist moralisch gesehen richtig, Menschen in Not zu helfen, was an sich schon ein lobenswertes Ziel darstellt. Dies heißt aber nicht, dass auf persönlicher Ebene konkrete Hilfsmaßnahmen ergriffen werden'; 10 Siehe European NGO confederation for relief and development: Penalty Against Poverty: More and better EU aid can score Millennium Development Goals. -

28 Mitgliedstaaten, in denen sich die Bürger nicht beteiligen: Hierzu gehören Lettland und Slowenien, wobei auch in Estland und Rumänien ein hoher Prozentsatz festgestellt werden kann. Im Vergleich zu anderen Mitgliedstaaten wurden besonders Lettland, Slowenien, Estland und Rumänien verhältnismäßig stark von der Wirtschaftskrise in Mitleidenschaft gezogen. Wir können davon ausgehen, dass die öffentliche Meinung hierdurch beeinflusst wird. Gleichzeitig konnte vorher bereits festgestellt werden, dass die öffentliche Meinung in diesen Mitgliedstaaten der Entwicklungshilfe verhältnismäßig wenig Bedeutung beimisst. Dieser Eindruck scheint sich noch zu verstärken, wenn wir die persönliche Einstellung von Einzelpersonen untersuchen: Auf die Frage, welche persönliche Haltung sie in Bezug auf die Entwicklungszusammenarbeit einnehmen, gibt der größte Befragtenanteil in Lettland und Slowenien an, dieser gleichgültig gegenüberzustehen. QD3 Was trifft auf Sie zu, wenn es um Hilfe für Menschen in Entwicklungsländern geht? EU15 NMS12 Sie sind ehrenamtlich in einer Organisation tätig, die Entwicklungsländern hilft Sie spenden Geld an eine Organisation, die Entwicklungsländern hilft, sind aber nicht aktiv ehrenamtlich tätig 5% 1% 30% 11% Sie befürworten Hilfe für Entwicklungsländer, ohne selbst ehrenamtlich tätig zu sein oder Geld zu spenden 41% 46% Sie beteiligen sich nicht an Hilfen für Menschen in Entwicklungsländern Sie sind dagegen, dass Entwicklungsländern geholfen wird 17% 34% 3% 3% Spontan: Verweigert 1% 1% Weiß nicht / Keine Angabe 3% 4%

29 Das Muster, das sich in Bezug auf die persönliche Haltung der europäischen Bürger ergibt, wiederholt sich auch im Vergleich zwischen den EU15 und den NMS12. Die Bürger in den EU15 beteiligen sich mit deutlich höherer Wahrscheinlichkeit aktiv an der Entwicklungshilfe (35% in den EU15 im Vergleich zu 12% in den NMS12); Umgekehrt erklären weitaus mehr Befragte in den NMS12, dass sie der Entwicklungszusammenarbeit gleichgültig gegenüberstehen (34% in den NMS12 im Vergleich zu 17% in den EU15); Die persönliche Situation der Befragten ist erheblich vom sozioökonomischen Status und vom Alter abhängig, wobei sich teilweise Überschneidungen ergeben. Wie wir schon im bisherigen Text in Bezug auf die wahrgenommene Bedeutung der Entwicklungshilfe angemerkt haben, unterstützen junge Befragte in hohem Maße diese Vorstellung, gleichzeitig bilden sie allerdings auch die größte Gruppe der Trittbrettfahrer, d.h. sie unterstützen zwar die Sache an sich, werden aber selbst nicht aktiv (50%); Wie zu erwarten war, ist die Gruppe der hochausgebildeten Berufstätigen mit der höchsten Wahrscheinlichkeit diejenige, die direkte Unterstützung bietet, indem sie vor allem Geld spendet. Dies ist höchstwahrscheinlich darauf zurückzuführen, dass diese Gruppe nicht nur Verständnis für die Ziele besitzt, sondern auch über die nötigen Mittel verfügt, um Unterstützung zu leisten

30 QD3 Was trifft auf Sie zu, wenn es um Hilfe für Menschen in Entwicklungsländern geht? Sie befürworten Hilfe für Entwicklungsländer, ohne selbst ehrenamtlich tätig zu sein oder Geld zu spenden Sie spenden Geld an eine Organisation, die Entwicklungsländern hilft, sind aber nicht aktiv ehrenamtlich tätig Sie beteiligen sich nicht an Hilfen für Menschen in Entwicklungsländern Sie sind ehrenamtlich in einer Organisation tätig, die Entwicklungsländern hilft Sie sind dagegen, dass Entwicklungsländern geholfen wird Spontan: Verweigert Weiß nicht / Keine Angabe EU27 42% 26% 21% 4% 3% 1% 3% Geschlecht Männlich 43% 24% 22% 4% 3% 1% 3% Weiblich 42% 28% 20% 4% 2% 1% 3% Alter % 18% 21% 5% 2% 1% 3% % 24% 22% 3% 2% 1% 3% % 29% 20% 4% 3% 1% 2% % 29% 21% 4% 3% 1% 4% Ausbildung (Ende der) 15-43% 22% 23% 3% 4% 1% 4% % 24% 24% 3% 3% 1% 3% % 36% 16% 5% 2% 1% 1% Studiert noch 52% 19% 18% 5% 2% 1% 3% Beruf Selbstständige 40% 31% 19% 5% 2% 1% 2% Leitende Angestellte 39% 39% 14% 4% 1% 1% 2% Andere Angestellte 43% 30% 18% 4% 1% 1% 3% Arbeiter 44% 22% 23% 4% 3% 1% 3% Hausfrauen / -männer 44% 23% 22% 3% 3% 1% 4% Arbeitslose 45% 17% 28% 4% 3% 1% 2% Rentner / Pensionäre 38% 28% 22% 3% 4% 1% 4% Schüler / Studenten 52% 19% 18% 5% 2% 1% 3% Selbsteinstufung auf der gesellschaftlichen Skala Niedrig (1-4) 46% 17% 25% 3% 4% 1% 4% Mittel (5-6) 44% 26% 20% 4% 2% 1% 3% Hoch (7-10) 37% 35% 18% 5% 2% 1% 2%

31 Wenn wir alle Aspekte einbeziehen, dann scheint die persönliche Haltung der Befragten mehr über die öffentliche Meinung auszusagen, als die allgemein gehaltene Frage über die Bedeutung der Entwicklungshilfe. Die persönliche Haltung scheint auch direkter von der persönlichen wirtschaftlichen Haushaltssituation sowie der allgemeinen Entwicklungshilfekultur eines Landes abhängig zu sein

32 4. ARMUT UND WIRTSCHAFTSKRISE: WICHTIGSTE HERAUSFORDERUNGEN QD1 Was sind Ihrer Ansicht nach die zwei größten Herausforderungen, denen die Entwicklungsländer momentan gegenüberstehen 11 In Übereinstimmung mit den Prioritäten der Millenium- Entwicklungsziele, sehen die europäischen Bürger nach wie vor die Armut als größte Herausforderung, mit der Entwicklungsländer konfrontiert (42%) sind. Als zweitwichtigstes Problem wird die Wirtschaftskrise angegeben (36%). Dieses Ergebnis entspricht größtenteils den im Jahr 2009 festgestellten jeweiligen Prioritäten. 11 Nota bene: Es wurden die folgenden zwei neuen Antwortoptionen in die vorliegende Umfrage aufgenommen: Wasser und Bildung. Folglich können die Ergebnisse des Jahres 2009 nicht direkt mit denjenigen der aktuellen Untersuchung verglichen werden

33 Seit 2007 wird von den europäischen Bürgern die Armut als Problem Nummer 1 der Entwicklungsländer genannt. In der vorliegenden Umfrage liegt dieser Prozentsatz bei 42%. Wie schon im bisherigen Text angeführt, scheint die europäische Bevölkerung eine klare Vorstellung von dem mit Abstand größten Problem in den Entwicklungsländern zu haben: Die Armut, das Millenium-Entwicklungsziel 1, wird als Problem angesehen, das viele andere Probleme noch verstärkt. Angesichts der aktuellen Situation in der Welt, nennen 36% der Befragten die Wirtschaftskrise als eine der beiden größten Herauforderungen. Es ist allerdings schwer zu sagen, in welchem Maße diese Ansicht nicht eher die Herausforderungen reflektiert, mit denen sich die Europäer im nationalen Kontext konfrontiert sehen, bzw. in welchem Maße dies einem tatsächlichen Verständnis der Probleme entspricht, die sich aufgrund der Rezession in den besonders schwachen Wirtschaftssystemen der Entwicklungsländer stellen. Übereinstimmend mit den Millennium-Entwicklungszielen werden als nächste Bereiche die 'Ernährung' und gesundheitliche Probleme von jeweils einem Fünftel der europäischen Bürger genannt. Wenn wir die aktuell als weltweite Herausforderung angesehenen Probleme, wie den Klimawandel und die Energieprobleme, näher untersuchen, wird deutlich, dass diese nur von wenigen Befragten zu den wichtigsten Problemen der Entwicklungsländer gezählt werden. Demzufolge kann angenommen werden, dass nach Ansicht der europäischen Bürger die vorrangigen Ziele der Entwicklungshilfe in der Befriedigung der grundlegendsten Bedürfnisse des menschlichen Wohlergehens liegen. Die vergleichsweise neueren globalen Herausforderungen, deren Ursprung im wachsenden Konsum der Industrieländer liegt, müssen an anderer Stelle bekämpft werden. Die neuen Antwortoptionen Wasser und Bildung werden von 18% bzw. 13% der Befragten genannt

34 QD1 Was sind Ihrer Ansicht nach die zwei größten Herausforderungen, denen die Entwicklungsländer momentan gegenüberstehen Armut Die Wirtschaftskrise Ernährung Gesundheitliche Probleme Wasser Schlechte Regierung Bildung Zivile Unruhen Der Klimawandel Wanderungsbe wegungen Energie Spontan: Sonstiges (bitte angeben) Weiß nicht / Keine Angabe EU27 42% 36% 20% 19% 18% 18% 13% 10% 7% 5% 4% 1% 1% BE 35% 30% 26% 21% 23% 18% 11% 10% 8% 6% 3% 0% 1% BG 48% 48% 25% 21% 9% 9% 5% 6% 9% 6% 2% 0% 2% CZ 48% 33% 20% 31% 13% 5% 13% 18% 5% 3% 3% 0% 0% DK 42% 26% 12% 32% 12% 14% 26% 16% 14% 3% 1% 1% 0% DE 38% 21% 28% 18% 21% 22% 22% 11% 10% 2% 2% 0% 0% EE 46% 43% 17% 26% 9% 10% 12% 17% 2% 4% 3% 1% 2% EL 53% 42% 18% 19% 16% 11% 10% 7% 6% 7% 4% 1% 1% ES 48% 49% 17% 12% 12% 24% 11% 6% 5% 4% 2% 0% 0% FR 40% 37% 22% 18% 23% 17% 12% 5% 9% 7% 6% 0% 1% IE 36% 29% 26% 28% 19% 24% 14% 9% 4% 2% 2% 1% 1% IT 38% 48% 17% 14% 20% 11% 9% 9% 5% 7% 4% 1% 1% CY 43% 55% 16% 26% 8% 14% 5% 9% 6% 14% 3% 1% 0% LT 42% 59% 10% 13% 3% 19% 9% 10% 1% 16% 8% 1% 2% LV 44% 55% 14% 15% 5% 14% 11% 11% 3% 9% 2% 0% 3% LU 39% 32% 16% 12% 19% 24% 19% 9% 8% 5% 5% 1% 0% HU 52% 43% 23% 21% 20% 7% 4% 9% 9% 1% 6% 1% 0% MT 43% 44% 11% 16% 6% 21% 11% 10% 8% 11% 11% 2% 0% NL 33% 15% 22% 25% 25% 26% 17% 23% 6% 3% 1% 1% 0% AT 38% 25% 26% 21% 25% 16% 13% 10% 9% 6% 4% 0% 1% PL 36% 42% 20% 23% 11% 12% 12% 14% 4% 3% 7% 0% 4% PT 51% 44% 23% 16% 9% 17% 7% 6% 2% 2% 2% 4% 2% RO 60% 64% 16% 14% 4% 16% 7% 4% 4% 2% 1% 0% 1% SI 44% 50% 12% 20% 11% 19% 5% 17% 9% 2% 3% 1% 0% SK 52% 37% 14% 25% 17% 10% 9% 14% 10% 3% 2% 0% 1% FI 45% 11% 22% 28% 24% 21% 22% 17% 2% 2% 1% 1% 0% SE 42% 25% 4% 18% 20% 24% 24% 20% 14% 4% 2% 1% 0% UK 41% 25% 19% 19% 20% 28% 10% 12% 6% 6% 6% 2% 2% Höchster Prozentsatz per Land Niedrigster Prozentsatz per Land Höchster Prozentsatz per Nennung Niedrigster Prozentsatz per Nennung

35 Im bisherigen Text sind wir von der Hypothese ausgegangen, dass sich die eigene wirtschaftliche Situation der Befragten in den von ihnen wahrgenommen Problemen der Entwicklungsländer widerspiegelt. In 18 Mitgliedstaaten wählt der größte Anteil der Befragten die Armut als Problem Nummer 1. Diese Ländergruppe schließt nahezu alle Mitgliedstaaten ein, die der EU schon seit längerer Zeit angehören, sowie einige der neueren Mitgliedstaaten. In 9 Mitgliedstaaten wird gleichzeitig die Wirtschaftkrise als wichtigste Herausforderung genannt, mit der die Entwicklungsländer konfrontiert sind. Zu dieser Gruppe zählen größtenteils neuere Mitgliedstaaten, Länder, die generell ein niedrigeres BIP als im EU-Durchschnitt aufweisen, sowie einige jener Mitgliedstaaten, die besonders heftig unter den aktuellen wirtschaftlichen Turbulenzen zu leiden haben, wie Spanien, Lettland und Litauen. Interessanterweise scheinen die von den europäischen Bürgern identifizierten Probleme mit den Herausforderungen übereinzustimmen, wie sie von den Menschen in einem Teil der hiervon betroffenen Welt wahrgenommen werden und zwar in Afrika. Eine im Jahr 2005 durch GlobeScan durchgeführte Umfrage (siehe Informationen unter zeigt, dass die meisten Afrikaner insbesondere auf die wirtschaftlichen Probleme ihres Landes verweisen d.h. Armut, Arbeitslosigkeit und die allgemeine wirtschaftliche Situation. Diese Bereiche werden deutlich häufiger genannt als alle anderen, einschließlich gesundheitlicher Probleme und korrupter Regierungen ; Länder, die Teil der Umfrage waren: Angola, Kamerun, Ghana, Kenia, Nigeria, Südafrika, Tansania und Simbabwe. Ausgewählte Daten siehe:

36 In Abhängigkeit vom soziodemografischen Profil der Befragten können einige Muster beobachtet werden: Befragte, die ihre Ausbildung vergleichsweise früh beendet haben (im Alter von 15 oder darunter) sowie Arbeitslose, die mit höherer Wahrscheinlichkeit nur eingeschränkte Mittel zur Verfügung haben, neigen zu der Sichtweise, dass Armut die größte Herausforderung ist, mit denen die ärmeren Länder konfrontiert sind; Befragte, die ein höheres sozioökonomisches Profil in Bezug auf Ausbildung und Berufstätigkeit aufweisen, neigen mit höherer Wahrscheinlichkeit dazu, Probleme zu nennen, die einen Bezug zur Innenpolitik haben, wie schlechte Regierung oder zivile Unruhen ; Befragte, die sich noch in Ausbildung befinden, wie Studenten, sowie die jüngste Befragtengruppe nennen häufiger als die anderen soziodemografischen Gruppen Bildung als Problem. Diese beiden Gruppen überschneidenden sich teilweise

37 QD1 Was sind Ihrer Ansicht nach die zwei größten Herausforderungen, denen die Entwicklungsländer momentan gegenüberstehen Armut Die Gesundheitliche Ernährung Wirtschaftskrise Probleme Wasser Schlechte Regierung Bildung Zivile Unruhen Der Klimawandel Wanderungsbe wegungen Energie Spontan: Sonstiges (bitte angeben) Weiß nicht / Keine Angabe EU27 42% 36% 20% 19% 18% 18% 13% 10% 7% 5% 4% 1% 1% Geschlecht Männlich 40% 36% 20% 17% 18% 20% 14% 10% 6% 5% 5% 1% 1% Weiblich 43% 36% 21% 20% 17% 16% 12% 10% 7% 4% 3% 0% 1% Alter % 36% 18% 21% 16% 16% 19% 9% 7% 5% 4% 1% 1% % 40% 19% 20% 15% 19% 14% 10% 7% 4% 5% 0% 1% % 36% 21% 19% 18% 20% 12% 11% 7% 4% 3% 1% 1% % 34% 22% 16% 20% 18% 10% 10% 6% 5% 3% 1% 2% Ausbildung (Ende der) 15-45% 36% 24% 16% 20% 17% 8% 9% 6% 4% 3% 1% 2% % 38% 22% 19% 17% 17% 12% 10% 7% 5% 4% 1% 1% % 33% 15% 19% 18% 23% 17% 12% 8% 5% 4% 1% 0% Studiert noch 41% 34% 19% 21% 17% 17% 20% 10% 7% 5% 4% 1% 1% Beruf Selbstständige 40% 38% 18% 18% 17% 21% 14% 10% 6% 6% 4% 0% 1% Leitende Angestellte 37% 30% 18% 19% 19% 24% 19% 13% 7% 4% 4% 1% 0% Andere Angestellte 38% 37% 19% 20% 17% 18% 13% 13% 8% 5% 4% 1% 0% Arbeiter 41% 40% 20% 20% 16% 18% 12% 8% 8% 4% 5% 0% 1% Hausfrauen / -männer 44% 39% 23% 17% 16% 16% 11% 9% 5% 4% 3% 0% 2% Arbeitslose 47% 40% 21% 17% 17% 19% 11% 9% 6% 3% 3% 1% 1% Rentner / Pensionäre 45% 33% 22% 17% 20% 17% 9% 10% 6% 5% 3% 1% 2% Schüler / Studenten 41% 34% 19% 21% 17% 17% 20% 10% 7% 5% 4% 1% 1%

38 Insgesamt besteht der Eindruck, dass die öffentliche Meinung in Europa eine recht klare Vorstellung von den aktuell größten Herausforderungen hat, denen die Entwicklungsländer gegenüberstehen. Diese Ansichten stimmen mit den Prioritäten der Millennium-Entwicklungsziele überein

39 5. EINE ERHÖHUNG DER ENTWICKLUNGSHILFE WIRD BEFÜRWORTET - DIE ZUSTIMMUNG HIERFÜR FÄLLT ALLERDINGS BEHUTSAMER AUS ALS BISHER QD5 Die EU hat versprochen, ihre Hilfsmittel für Entwicklungsländer zu erhöhen. Welcher der folgenden Vorschläge entspricht angesichts der aktuellen wirtschaftlichen Lage am ehesten Ihrer Meinung? Der Anteil europäischer Bürger, die eine Anhebung der Entwicklungshilfe unterstützen, bleibt mit 64% der Befragten hoch. Exakt die Hälfte der Befragten ist der Ansicht, die EU sollte ihre Zusagen einhalten und die Entwicklungshilfe erhöhen. 14% würden die Entwicklungshilfe sogar stärker erhöhen als bisher versprochen. Trotz alledem macht sich das Ausmaß der Wirtschaftskrise auch in diesen Ergebnissen bemerkbar: In diesem Jahr sprechen sich mehr Befragte als letztes Jahr dafür aus, die Höhe der Entwicklungshilfe auf dem aktuellen Stand zu belassen, bzw. diese zu verringern. Die öffentliche Meinung befürwort nach wie vor das Motto Versprechen müssen gehalten werden, aber mittlerweile scheint diese Überzeugung nicht mehr in Stein gemeißelt zu sein

40 Um zusätzliche Informationen darüber zu erhalten, in welchem Maße Entwicklungshilfe unterstützt wird, haben wir die europäischen Bürger zu ihrer Meinung über die aktuellen Hilfszusagen befragt. Die EU hat zugesagt, die Hilfen bis zum Jahr 2015 bis zu einer Quote zu erhöhen, die einem Anteil von 0,7% des Bruttonationaleinkommens entspricht. Diese Quote stimmt mit dem Ziel der UNO überein. Für die NMS12 wurde das Ziel auf einen Anteil von 0.33% bis zum Jahr 2015 festgelegt. In dieser Frage spiegeln sich die Auswirkungen der Wirtschaftskrise auf die europäische öffentliche Meinung wohl am deutlichsten. Denn obwohl eine breite Mehrheit der Befragten die EU-Entwicklungshilfezusagen nach wie vor unterstützt (50%), bzw. diese sogar noch ausweiten möchte (14%), erklären mittlerweile erheblich mehr Bürger (+10 Prozentpunkte), dass ihrer Ansicht nach die Zusagen nicht eingehalten und die derzeitige Höhe der Hilfszahlungen an Entwicklungsländer beibehalten (15%, +7 Punkte) bzw. diese sogar noch reduziert (14%, +3 Punkte) werden sollten. Dieses Ergebnis ist das Gegenteil der zwischen 2004 und 2007 festgestellten positiven Entwicklung. Damals waren die Zustimmungswerte für Entwicklungshilfe erheblich angestiegen. Der größte Anteil der Bevölkerung in allen Mitgliedstaaten ist nach wie vor der Ansicht, dass die Zusagen eingehalten werden sollten. Zwischen den Mitgliedstaaten werden allerdings erhebliche Unterschiede sichtbar: Erneut sehen wir, dass die Bestrebungen einiger Länder die Entwicklungshilfe zu reduzieren, mit der Wirtschaftslage dieser Länder korrelieren. Bulgarien ist das einzige Land, in dem der Befragtenanteil, die die EU-Zusagen nicht einhalten wollen, höher ist als der Anteil derjenigen, die das Versprechen erfüllen wollen. Auch in Litauen, der Tschechischen Republik, Lettland, Ungarn, Irland und Portugal stellen wir hohe Befragtenanteile (35% oder mehr) fest, die die Hilfszahlungen entweder reduzieren oder einstellen möchten. All diese Mitgliedstaaten leiden unter einer starken Rezession. Die beschriebene Korrelation ist allerdings nicht allgemeingültig, da sich in dieser Gruppe auch Mitgliedstaaten wie die Niederlande und Deutschland befinden, deren Wirtschaftsindikatoren in letzter Zeit positiv sind

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