Anleiten. Wissenserwerb = Aufnehmen und Einspeichern von abrufbaren Informationen (Wissen)

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1 Anleiten Eine wichtige Aufgabe in der Altenpflege ist das Anleiten. Anleiten heißt, dem Lernenden Wissen so zu vermitteln, dass er es selbstständig anwenden kann. Angeleitet werden alte Menschen pflegende Angehörige und Bezugspersonen neue Mitarbeiter ohne entsprechende Ausbildung Wissenserwerb = Aufnehmen und Einspeichern von abrufbaren Informationen (Wissen) Anleiten = Aufbereitung und Darbietung von Wissen in geeigneter Form, das heißt am Vorwissen anknüpfen Überblick geben Inhalte gut strukturieren zu Fragen auffordern, die der Lernende mit eigenen Worten beantworten kann Ziele der Anleitung Anleitung alter Menschen: Stabilisierung von Alltagskompetenzen bzw. das (Wieder-) Erlernen von Verhaltensweisen Anleitung von Angehörigen: Unterstützung des pflegebedürftigen Familienmitgliedes in den Lebensaktivitäten Anleitung von Nichtpflegefachkräften: Vermittlung von Berufswissen

2 Anleiten und Beraten Beratung und Anleitung alter Menschen Probleme beim Kommunizieren Krankheitsbilder Demenz oder Depression eingeschränkte Fähigkeit zur Mitteilung oder Gesprächen zu folgen Medikamentenwirkung eingeschränkte Sinneswahrnehmung Hörfähigkeit/Sehfähigkeit soziale Faktoren familiäre Herkunft, Ausbildung, früherer Beruf Sprachverhalten Dialekt oder Fremdsprache Rahmenbedingungen der Einrichtung und Umweltfaktoren Tagesablauf, Gewohnheiten, Lebensbedingungen, Zeitmangel/Pflegepersonal Qualifikation des Personals sind spezifische Regeln der Kommunikation bekannt? Probleme mit Angehörigen Angehörige erwarten umfassende Hilfe, Pflegekraft regt zur Selbstständigkeit an biografische Faktoren z. B. Tod des Partners

3 Die Kommunikation mit alten, kranken Menschen sollte so erfolgen, dass Verständigung und Verständnis möglich werden. Mögliche Folge bei Nichtbeachtung: Der alte Mensch verstummt und ist zur Kommunikation nicht mehr bereit oder fähig Deprivation mangelnde Bedürfnisbefriedigung Aufgabe: Erklären sie, wie die Kommunikation gestaltet werden sollte für: a) Menschen mit eingeschränkter Fähigkeit, sich mitzuteilen Fragen mit Ja oder Nein, Zeit geben für Antwort, keine Ungeduld aufkommen lassen, nicht überfordern, mit Bild/Kommunikationsmittel arbeiten, Gestik und Mimik b) Menschen mit eingeschränkter Fähigkeit, Gesprächen zu folgen Kurze Sätze, einfache Sprache, genaue Anweisungen, Mimik und Gestik beobachten, Logik in der Abfolge beachten, langsam reden, Reizstörquellen abschalten c) Menschen mit eingeschränkter Hörfähigkeit Gestik und Mimik, Zeichensprache verwenden, Angesicht zu Angesicht, Erschrecken vermeiden, Hilfsmittel verwenden, aufmerksames Zuhören, Berührung d) Menschen mit eingeschränkter Sehfähigkeit Orientierungspunkte geben und zeigen, Hilfestellung geben, detaillierte und klare Anweisungen geben, Hilfsmittel im ordentlichen Zustand, als vollwertigen Menschen ansehen e) Menschen, die gerade ihren Partner verloren haben Zuhören, keine gespielte Anteilnahme, Fragen beantworten, auf Wünsche eingehen, nicht von eigenen Erlebnissen erzählen, Nähe anbieten aber nicht aufzwingen, Mitteilungsbedürfnis akzeptieren, Schweigen ertragen Es soll anleitend erklärt werden, welche prophylaktischen Maßnahmen zur Vermeidung von Kontrakturen durchgeführt werden: a) einer übernimmt die Rolle der PK, ein anderer die Rolle eines blinden alten Menschen (Augen verbinden/schließen b) einer übernimmt die Rolle der PK, ein anderer die Rolle eines schwerhörigen Menschen (Ohren zuhalten/ohrenstöpsel)

4 Anleitung alter Menschen Nur in einem kontinuierlichen Lernprozess von kleinen Schritten möglich, dabei sollte die Bekräftigung und Ermutigung gearbeitet werden. Beispiel: Anleitung zum selbstständigen Essverhalten Pflegefachkraft 1. führt die Hand mit dem Löffel vom Teller bis zum Mund 2. führt die Hand mit dem Löffel bis zur Schulterhöhe 3. führt die Hand, bis der Löffel gefüllt ist 4. füllt den Löffel 5. reicht den leeren Löffel 6. gibt gezielte Anweisungen Ziel Pflegebedürftiger Lässt sich das Essen reichen führt den Löffel von Schulterhöhe alleine bis zum Mund und isst hebt den gefüllten Löffel, führt ihn bis zum Mund und isst nimmt den gefüllten Löffel, führt ihn zum Mund und isst füllt den Löffel, führt ihn zum Mund und isst isst ohne Hilfestellung Aufgabe: Entwickeln Sie eine weitere Anleitung nach vorgegebenem Schema für ein selbst gewähltes Verhalten des Pflegebedürftigen, welches zu mehr Selbstständigkeit führen soll Mundpflege/Anleitung zum Zähne putzen 1. führt die Hand mit der Zahnbürste vom Becher zum Mund - lässt sich von PK die Zähne putzen 2. nimmt die Zahnbürste selbstständig in die Hand und kann die Brüste in der Hand halten gibt dem PE die Zahnbürste in die Hand und führt die Hand/Arm zum Mund 3. streicht Zahnpasta über die Bürste nimmt die Zahnbürste mit Zahnpaste und führt sie zum Mund 4. reicht zu Zahnbürste streicht sich selbstständig Zahnpasta über die Bürste 5. gibt Anweisungen putzt Zähne ohne Hilfestellung Setzen Sie Ihr Beispiel im Rollenspiel in die Praxis um! Beobachten Sie sich dabei gegenseitig und reflektieren Sie den Akteuren, ob die Anleitung fachgerecht gelungen ist.

5 Anleitung von Angehörigen Besonders in der häuslichen Pflege besteht für folgende Bereiche Anleitungsbedarf: Umgang mit Hilfsmitteln Mobilitätsübungen individuell angepasste Lagerungen Gebrauch von Inkontinenzhilfen, Kontinenztraining Übungen zu speziellen Lebensaktivitäten Umgang mit speziellen Therapeutika (Medikamente) Beachte: Zur Einübung von Techniken sollten die Angehörigen diese zuerst am eigenen Leibe erfahren. Bei der Anleitung zur Mobilisation zunächst den Angehörigen selbst mobilisieren, um zu verdeutlichen, auf welche Griffe es ankommt. Anleitung hilft den Angehörigen, Angst abzubauen und Sicherheit zu verschaffen. Aufgabe 1: Erstellen Sie eine schriftliche Anleitung zu 5 verschiedenen Mobilitätsübungen. Machen Sie den Text durch Zeichnung anschaulich

6 Anleitung von Schülern und nicht ausgebildeten Mitarbeitern 1. Lernziele formulieren: Lernziele beschreiben, was der Lernende nach der Anleitung innerhalb eines bestimmten Zeitabschnittes (z.b. nach der ersten Woche oder dem ersten Monat) können soll. Lernziele können lauten: - Hilfestellung bei den Mahlzeiten geben können - bettlägerige alte Menschen beim Aufsetzen und Aufstehen unterstützen können - eine Ganzkörperwaschung bei bettlägerigen alten Menschen durchführen können - beim Betten schwer behinderter alter Menschen mithelfen können 2. Aufteilung der Anleitung in mehrere Schritte Schritt 1: Überblick geben, was zum Tätigkeitsablauf gehört Beispiel/ Ganzkörperwaschung - Pflegeutensilien, Vorbereitung - Einverständnis des alten Menschen einholen und ihn über die einzelnen Schritte informieren - Waschvorgang - Aufsetzen oder Drehen des alten Menschen - Bedeutung des Waschens für das Wohlbefinden alter Menschen erklären - Aufräumen und Reinigen der benutzten Utensilien - Dokumentation Schritt 2: neue Informationen mit schon vorhandenen Wissen in Verbindung bringen, Ergänzungen machen und auf Unterschiede hinweisen, Betonung der Wichtigkeit, dass von wechselndem Pflegepersonal möglichst mit denselben Methoden und in derselben Reihenfolge gearbeitet werden sollte Schritt 3: Erläuterung der einzelnen Schritte Beispiel Waschvorgang - Auskleiden und Zudecken - Reihenfolge des Waschens - Wasserwechsel - Spezielles Vorgehen: Waschen der Augen, Intimbereiches, der Hautfalten Schritt 4: Dem Lernenden Gelegenheit zum Fragen stellen, geben, der Anleiter stellt Fragen zur Verständnissicherung Beispiel Beschreiben Sie noch einmal das Vorgehen und erläutern Sie die Gründe dafür

7 Schritt 5: Vormachen, Der Lernende beobachtet den Anleiter bei der Durchführung, Dabei erhält er Beobachtungsaufträge oder Arbeitsaufträge Beispiel Arbeitsauftrag: Bereiten Sie alles vor, was wir brauchen Beispiel Beobachtungsauftrag: Beobachten Sie, wie ich den alten Menschen aufsetze Auch unterwartete Störungen sind zu besprechen, z. B.: jemand betritt das Zimmer, der alte Mensch verweigert die Pflege, er klagt über Schmerzen, der Bettnachbar benötigt Hilfe. Schritt 6: Der Lernende erhält Gelegenheit, über seine Beobachtungen zu sprechen und Fragen zu stellen Schritt 7: Der Lernende führt den ganzen Vorgang oder Teile davon unter Aufsicht aus (Absprachen im Vorfeld günstig, wie Anleiter bei Fehlern eingreift) Schritt 8: Der Lernende dokumentiert den Pflegevorgang Schritt 9: Nachgespräch mit Rückmeldung des Anleiters. Der Lernende nimmt Stellung dazu Aufgaben: 1. Formulieren Sie Lernziele für die Anleitung von Zivildienstleistenden 2. Formulieren Sie für die Pflegehandlung Essen reichen die Anleitungsschritte 1 und 3

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