Die zentralen Trends im Gesundheitswesen

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1 Die zentralen Trends im Gesundheitswesen Dr. iur. Carlo Conti Kadertagung Inselspital und Spitalnetz Bern Ramada Plaza, Basel 19. Februar 2015 Basel Zürich Bern

2 Gliederung 1. Der demographische Wandel 2. Das veränderte Patientenbild 3. Die Solidarität auf dem Prüfstand 4. Die verzerrte politische Wahrnehmung 5. Der kleinräumige Föderalismus 6. Ausblick / Thesen Seite 2

3 Der demographische Wandel Seite 3

4 Der demographische Wandel (1) Demographische Entwicklung Einer der globalen Megatrends Globalisierung Urbanisierung Individualisierung Seite 4

5 Der demographische Wandel (2) Stabil tiefe Geburtenraten Medizinischer Fortschritt, verbesserte Gesundheitsversorgungssysteme Längere Lebenserwartung Anstieg des Anteils der älteren Menschen an der Gesamtbevölkerung (Age Dependency Ratio / Altersquotient) Wer heute in Rente geht, hat noch 20 bis 30 gute Lebensjahre vor sich Seite 5

6 Der demographische Wandel (3) Kontinuierlicher und signifikanter Anstieg der älteren Menschen in der ganzen EU Altersgruppe % bis 2030 Altersgruppe % bis 2030 Quelle: WDA Seite 6

7 Die demographische Entwicklung in der Schweiz (1) Lebenserwartung in der Schweiz: Seite 7

8 Die demographische Entwicklung in der Schweiz (2) Prozentualer Anteil der älteren Menschen an der gesamten Bevölkerung in der Schweiz: Altersgruppe 65+ (2010) 16.6 % Altersgruppe 65+ (2030) 24.7 % Altersgruppe 80+ (2010) 4.7 % Altersgruppe 80+ (2030) 7.3 % Quelle: WDA Seite 8

9 Die demographische Entwicklung in der Schweiz (3) Altersgruppe 65+ : Altersgruppe 80+ : In der Schweiz: In der Schweiz: 25% Anstieg bis % Anstieg bis 2020 von 1,4 auf 1,75 Millionen von auf % Anstieg bis % Anstieg bis 2030 von 1,4 auf 2,2 Millionen von auf (Quelle: BFS, Ständige Wohnbevölkerung nach Kantonen mittleres Szenario / 2010) Seite 9

10 Die demographische Entwicklung in der Schweiz (4) Altersgruppe 0-19: Altersgruppe 20-64: In der Schweiz: In der Schweiz: 1,2 % Anstieg bis ,5 % Anstieg bis 2020 von 1,64 auf 1,66 Millionen von 4,88 auf 5,05 Millionen 3,7% Anstieg bis % Anstieg bis 2030 von 1,64 auf 1,70 Millionen von 4,87 auf 4,92 Millionen (Quelle: BFS, Ständige Wohnbevölkerung nach Kantonen mittleres Szenario / 2010) Seite 10

11 Das veränderte Patientenbild Seite 11

12 Das veränderte Patientenbild (1) Das Alter hat seit 1514 sein Gesicht verändert: Quelle: Bundesamt für Sozialversicherungen 2011 Seite 12

13 Das veränderte Patientenbild (2) Patientenbild der Zukunft: Zunahme von chronisch und mehrfach erkrankten älteren Menschen Zunahme an besonders verletzlichen Menschen in höherem Alter: körperlich und geistig Behinderte an Demenz erkrankte Menschen suchtabhängige Menschen Altersdepressive sozial vereinsamte und nicht integrierte alte Menschen Seite 13

14 Das veränderte Patientenbild (3) Gesundheitsvorsorge Technischer Fortschritt der Medizin Verschiebung in ambulanten Sektor Innovationen Anzahl mentaler Krankheiten steigt Demenz Wandel des Lebensstils; Gesundheitsverhalten Chronische Krankheiten Seite 14

15 Die Solidarität auf dem Prüfstand Seite 15

16 Solidarität auf dem Prüfstand (1) Seite 16

17 Solidarität auf dem Prüfstand (2) Verteilung der OKP-Kosten (netto) Seite 17

18 Solidarität auf dem Prüfstand (3) KVG-Bereich: Die höchsten Gesundheitskosten fallen in den letzten beiden Lebensjahren an, unabhängig vom Alter. 80 % der stationären Kosten fallen im letzten Lebensjahr vor dem Tod an. 20 % der Versicherten verursachen rund 80 % der Gesundheitskosten Seite 18

19 Solidarität auf dem Prüfstand (4) UV-Bereich (SUVA): 70 % der Fälle verursachen 5 % der Kosten 28 % der Fälle verursachen 30 % der Kosten 2 % der Fälle verursachen 65 % der Kosten ca. 5 % der Fälle verursachen 80 % der Kosten Seite 19

20 Solidarität auf dem Prüfstand (5) Entwicklung der Haushaltsgrössen (Singles-Generation und Ein-Personen-Haushalte) Hohe Scheidungsrate (Patchwork-Familien und Alleinerziehende) Erwerbstätigkeit Frauen (Lohn- statt [sozialer] Gratisarbeit) Berufliche Mobilität (Solidarität auf Distanz) Seite 20

21 Solidarität auf dem Prüfstand (6) Gesellschaftliche Veränderungen rechtzeitig angehen: Gesellschaftlicher Zusammenhalt ist zu bewahren Die Sozialwerke müssen (finanziell) gesichert werden Der Generationenwandel und die unterschiedlichen Anliegen innerhalb der älteren Bevölkerung sind zu respektieren Engpässe in der Arbeitswelt generell und im Gesundheits- und Pflegewesen im speziellen mit neuen Denkansätzen antizipieren Seite 21

22 Die verzerrte politische Wahrnehmung Seite 22

23 Die verzerrte politische Wahrnehmung (1) Gesundheitsmarkt Gesundheitswirtschaft ist von eminenter, zunehmender volkswirtschaftlicher Bedeutung Kosten werden auch in Zukunft steigen Neue Arbeitsplätze werden nötig, aber die verfügbaren Arbeitskräfte werden knapp Seite 23

24 Die verzerrte politische Wahrnehmung (2) Medizinisches Personal Finanzierung Numerus Clausus Hausarztmangel Pflegepersonal Duales Ausbildungssystem FAGE Seite 24

25 Die verzerrte politische Wahrnehmung (3) Gesundheitswirtschaft wegen den Gesundheitskosten politisch negativ besetzt Kantone traditioneller politischer Einfluss geht verloren Gesundheitsthemen sind nicht attraktiv, zu komplex Fokus auf Prämien Seite 25

26 Die verzerrte politische Wahrnehmung (4) Seite 26

27 Der kleinräumige Föderalismus Seite 27

28 Der kleinräumige Föderalismus Die Bevölkerung nimmt Kantons- und Landesgrenzen kaum noch wahr 26 verschiedene Gesundheitssysteme Politisch beeinflusste Steuerung des Versorgungsangebots Tendenz zur Abschottung Nationale Gesundheitspolitik Bund - Kantone Seite 28

29 Ausblick / Thesen Seite 29

30 Ausblick / Thesen (1) Bevölkerung / Patienten Leistungseinschränkungen, mit einer Entwicklung zur Zweiklassenmedizin werden auch 2020/2030 politisch kaum akzeptiert sein Die Anspruchshaltung der Bevölkerung wird nach wie vor vom medizinischen Fortschritt gesteuert und das Verfügbare in Anspruch genommen Die Gesundheitskosten werden weiter ansteigen, idealerweise nicht mehr als das Wachstum der Wirtschaftsleistung Seite 30

31 Ausblick / Thesen (2) Leistungserbringer (1) Die demographische Entwicklung wird zur grossen Herausforderung hinsichtlich Mengen, Ansprüchen, Angeboten und Ressourcen Zunehmende Verschiebung von Leistungen vom stationären in den ambulanten Bereich Finanzierungsproblematik Der stationäre Anteil ist künftig zu gross, die Anzahl akutsomatischer Betten wird reduziert werden müssen Seite 31

32 Ausblick / Thesen (3) Leistungserbringer (2) Neue Spitalfinanzierung führt zu einer quantitativen Reduktion der Anzahl Spitäler und zu einer inhaltlichen Bereinigung der Schwerpunkte Um im Wettbewerb zu bestehen, werden sich die Spitäler vermehrt spezialisieren und fokussieren müssen Horizontale und vertikale Kooperationen führen zu neuen Angebotsstrukturen Seite 32

33 Ausblick / Thesen (4) Versorgungspolitik Das Denken in Kantonsräumen ist nicht mehr adäquat Freie Spitalwahl schafft neues massgebliches Kriterium: Gewachsene Agglomerationsräume Fünf bis sieben kantonsgrenzüberschreitende Gesundheitsversorgungsregionen mit integrierten Angeboten rund um Zentrumsspitäler Korrespondierende Prämienregionen vereinfachen die versicherungsmathematischen Grundlagen Seite 33

34 Ausblick / Thesen (5) Demographischer Wandel: Risiko oder Chance? Source: Arnold Odermatt, born 1925, lives in Stans, Switzerland Seite 34

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