Alles was Recht ist! Sexualität und Verhütung von Menschen mit Behinderung

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1 Alles was Recht ist! Sexualität und Verhütung von Menschen mit Behinderung Ralf Specht, Hamburg Institut für Sexualpädagogik (isp) Wiesbaden, 1. April 2011

2 Aufbau 1. Grundlegendes zur Sexualität und Sexualpädagogik von und mit Menschen mit Behinderung 2. Sexualität und Behinderung: eine Zeitreise über sexualpädagogisches Handeln 3. Ausblick auf eine inklusive Sexualität: Ergebnisse des Projekts Eigenwillig

3 1. Grundlegendes zur Sexualität und Sexualpädagogik von und mit Menschen mit Behinderung Die Sexualität von Menschen mit Lernschwierigkeiten ist nicht besonders triebhaft, nicht besonders lieb, und doch besonders. Die Sexualität von Menschen mit Lernschwierigkeiten ist so individuell und besonders wie die Menschen selbst. Wenn Menschen mit einer Behinderung Probleme mit ihrer Sexualität haben, so ist dies häufig weniger auf die Behinderung zurückzuführen, als vielmehr auf die Beeinträchtigung ihrer Lebensverhältnisse.

4 1. Grundlegendes zur Sexualität und Sexualpädagogik von und mit Menschen mit Behinderung Das Fehlen von Lern- und Erfahrungsräumen Abhängigkeit und Machtgefälle Strukturelle Ausgrenzung

5 Zeitreise: Sexualität und Behinderung a.von der Ausgrenzung zur Normalisierung b.von der Normalisierung zur Integration c. Ausblick auf eine sexualfreundliche Zukunft Von der Integration zur Inklusion

6 Zeitreise: Sexualität und Behinderung Von der Ausgrenzung zur Normalisierung Ausgrenzung Allgemein: Separierung in Grosseinrichtungen Medizinisch- pflegerische Versorgung Patientin und Patient Grundversorgung Thema Sexualität: Tabu Sexualität als Problem Verleugnung der sexuellen Bedürfnisse Normalisierung Allgemein: Verkleinerung und Differenzierung der Einrichtungen Pädagogische Förderung hin zur Normalität Klientin und Klient Anpassung an den Standard Thema Sexualität: Enttabuisierung Sexualität als Aufgabe Anerkennung der sexuellen Bedürfnisse

7 Zeitreise: Sexualität und Behinderung Von der Normalisierung zur Integration Normalisierung Allgemein: Verkleinerung und Differenzierung der Einrichtungen Pädagogische Förderung hin zur Normalität Klientin und Klient Anpassung an den Standard Integration Allgemein: Differenzierung der Angebote Unterstützung in der Umsetzung eigener Lebenspläne Bürgerin und Bürger Größtmögliche Selbstbestimmung Thema Sexualität: Enttabuisierung Sexualität als Aufgabe Anerkennung der sexuellen Bedürfnisse Thema Sexualität: Etablierung Sexualität als Recht Individualisierung der sexuellen Bedürfnisse

8 c. Zeitreise: Ausblick auf eine sexualfreundliche Zukunft: Von der Integration zur Inklusion Sexuelle Bildung von Anfang an Qualifizierung der UnterstützerInnen Entwicklung und Verbreitung sexualpädagogischer Medien Zielgruppenbezogene Forschung und Entwicklung differenzierter Angebote

9 c. Zeitreise: Ausblick auf eine sexualfreundliche Zukunft: Von der Integration zur Inklusion Konzeptionelle Verankerung und Teamarbeit Kooperation und Vernetzung Entwicklung inklusiver Strukturen Barrierefreiheit als Standard

10 EIGENWILLIG ein Projekt im Familienplanungszentrum Hamburg e.v. Das Projekt EIGENWILLIG wurde gefördert von: Andrea- Brudermüller- Stiftung

11 Eigenwillig: Der Projektauftrag das Konzept Ziel: Menschen mit Lernschwierigkeiten ein Angebot zur Verfügung stellen, dass Ihnen ermöglicht, ihr Recht auf Teilhabe am gesellschaftlichen Leben, Information, Beratung und selbstbestimmte Sexualität umzusetzen. Rahmenbedingungen: Projektstart am 1. Oktober 2008, Zeitraum 2 Jahre Projektteam Sexualpädagogin, Sexualpädagoge, Gynäkologin mit insgesamt 30 Wochenstunden Das gesamte Team des Familienplanungszentrums einbezogen

12 Eigenwillig: Der Projektauftrag das Konzept Aufgaben: Bereitstellung eines Beratungsangebots für Menschen mit Lernschwierigkeiten und deren Umfeld Fortbildung und Begleitung des gesamten Teams des Familienplanungszentrums Recherche zielgruppenspezifischer Arbeitshilfen für Beratung und Gruppenarbeit Entwicklung und Erprobung geeigneter Medien und Materialien Recherche themenbezogener regionaler Angebote Aufbau eines regionalen Netzwerks Erstellung eines Wegweisers mit themenbezogenen Angeboten, der nach Projektabschluss online zur Verfügung gestellt werden soll

13 Eigenwillig: Was ist im Projektzeitraum geschehen Das Angebot: Alle Angebote des FPZ stehen Menschen mit Lernschwierigkeiten und deren Umfeld durch das gesamte multiprofessionelle Team zur Verfügung Einzel- und Paarberatung Fachberatung Fortbildung Gruppenveranstaltungen

14 Eigenwillig: Was ist im Projektzeitraum geschehen Daten, Zahlen Fakten - Beratungen Über 100 Einzel-, Paar- und Teamberatungen Menschen mit Lernschwierigkeiten UnterstützerInnen Angehörige MultiplikatorInnen 0% 50% 100% In mehr als 25% wurden Männer beraten.

15 Eigenwillig: Was ist im Projektzeitraum geschehen Daten, Zahlen Fakten - Beratungen Beratungsanliegen: 0% 50% 100% sexualpädagogische Beratungen medizinische Beratungen psychologische Beratungen Soziale Hilfen Schangerschaftskonflikt

16 Eigenwillig: Was ist im Projektzeitraum geschehen Daten, Zahlen Fakten - Beratungen Beratungsanliegen: Alle Themen waren Kernthemen der Beratungsstelle In 33 % der Beratungen war Verhütung Thema allgemein Spirale Pille Kondome Pflaster Sterilisation Frau Diaphragma Lea sonstige Verhütung 0% 5% 10% 15% 20% 25% Pille danach

17 Eigenwillig: Was ist im Projektzeitraum geschehen Daten, Zahlen Fakten - Beratungen Beratungsanliegen: Psychologische und sexualpädagogische Beratung Themen: Sexualität Körper- und Sexualaufklärung Partnerschaft sexuelle Gewalt Kinderwunsch 0% 20% 40%

18 Eigenwillig: Was ist im Projektzeitraum geschehen Leichte Sprache: Intensive Auseinandersetzung über mögliche neue Kommunikationswege die Internetseite der Anrufbeantworter Angebotsflyer Informationstexte/-broschüren Abbildungen Modelle

19 Eigenwillig: Was ist im Projektzeitraum geschehen? Räumliche Veränderungen: Treppenraupe, Hinweisschilder, Rollstuhlgerechte Toilette Fortbildung des gesamten Teams: 2 eintägige Fortbildungen, dazu regelmäßige Kurzfortbildungen, kontinuierliche Begleitung der einzelnen Fachbereiche, Fallbesprechungen Runder Tisch: 3 Treffen des Runden Tisches, insgesamt 30 Teilnehmende, 17 verschiedene Hamburger Träger

20 Welche Erfahrungen wurden gemacht? Was ist spezifisch/anders bei der Beratung von Menschen mit Lernschwierigkeiten?? Themen kommen manchmal später im Lebenslauf Es braucht andere Zugänge Prozessorientierung Unterschiedliche Beratungsinteressen von Menschen mit Lernschwierigkeiten und deren Umfeld Nicht über sondern mit Menschen mit Lernschwierigkeiten reden Die besondere Sozialisation von Menschen mit Lernschwierigkeiten Wissen über Körpervorgänge und Sexualität und das Recht auf sexuelle Selbstbestimmung

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