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1 Mein Ausbildungsalltag sieht ganz unterschiedlich aus. Es kommt darauf an, ob ich hier bei der Telekom in der BBi oder ob ich in der Berufsschule bin. In der Berufsbildung fangen wir morgens um halb acht an und meistens bekommen wir dann Arbeitsaufträge, die wir in einem bestimmten Zeitraum erledigen müssen. Dazu bekommen wir Formulare und dann bilden wir Gruppen. Wir sind ja nur acht Azubis im ersten Lehrjahr ITSK (IT-Systemkaufmann/-frau), davon zwei Mädchen, und deswegen setzen wir uns oft in Zweiergruppen oder so zusammen und schreiben die wichtigen Sachen raus. Dann arbeiten wir das Thema aus und am Ende stellt jede Gruppe sozusagen ihr Projekt vor. Das Ergebnis wird dann auch visualisiert, also mit PowerPoint und Beamer an der Wand, mit dem Overheadprojektor oder wie immer man präsentieren möchte. Im Betriebseinsatz ist es davon abhängig, wo man ist. Ich bin gerade bei T-Online, im technischen Support. Dort fangen wir um acht an. Die bekommen Aufträge rein oder Sachen, die erledigt werden müssen. Wenn mal etwas dabei ist, was wir auch erledigen können, z.b. wenn in einem Studio neue Call-Center Agents anfangen, dann brauchen sie auch einen PC zum Arbeiten. Dann müssen wir den PC aufbauen oder wir müssen Programme draufspielen. Oder auch mal ein Kabel verlegen, den Keller aufräumen oder Möbel schleppen, alles was so anliegt. Auch in der Berufsschule findet Gruppenarbeit statt, meist zu viert. Denn gerade die Projekt- arbeit und die Präsentation ist nachher auch Teil der Abschlussprüfung, ich glaube zu 40%. Das ist also sehr wichtig, und wird in der Schule und im Unternehmen ganz viel trainiert. Bei uns in der Klasse werden Informatikkaufleute und IT-Systemkaufleute zusammen unterrichtet, das ist eigentlich die gleiche Ausbildung. Wir haben Blockunterricht (sieben Blöcke in der Ausbildung, ca. jedes halbe Jahr einen). Wir sind jetzt 27 und davon fünf Mädchen. Eigentlich haben wir eine ganz gute Gemeinschaft, wo jeder auch seinen Platz hat und keiner untergebuttert wird. Es ist nicht so, dass wir Mädchen sagen müssten: Wir müssen jetzt zusammenhalten, wir sind nur ein paar Mädchen. Wir werden alle von den Jungs voll akzeptiert und ich hab auch noch keine blöden Sprüche in der Berufsschule gehört, gegen Frauen oder so. Es gibt bei uns ein paar Freaks. Einige sind echt so, die scheinen schon so mit Computer geboren worden zu sein. Und andere, die sind 19

2 einfach kollegial, die sind auch sehr fähig, im Team zu arbeiten und hilfsbereit auf jeden Fall. Es macht auch echt Spaß und ist auch lustig. Letztes Mal in der Berufsschule haben wir das Betriebssystem Linux kennen gelernt. Da wurden wir in Zweiergruppen nach dem Zufallsprinzip zusammengesetzt und jede Gruppe hat einen PC bekommen. Wir sollten die Festplatte konfigurieren, also ganz platt machen und dann partionieren, d.h. einteilen, und ein neues Betriebssystem aufspielen, also einmal das Windowsbetriebssystem und einmal Linux. Und dann sollten wir noch einige Sachen in Linux programmieren. Wir bekommen Aufgaben, wie: Richten Sie für die und die Benutzer irgend- etwas, z.b. eine Kennung oder Passwörter ein, und das müssen wir dann machen. An der Teamarbeit finde ich diesen Austausch gut. Also dass verschiedene Leute aufeinander treffen, die alle verschiedene Ansichten von einer Sache haben, verschiedene Ideen und jeder bringt seine Kreativität mit. Das find ich ganz toll. Man muss nur auf einen grünen Zweig kommen, aber alles in allem ist das schon toll, wenn so viele unterschiedliche Ideen zusammenkommen, das ist manchmal leichter, als wenn man das allein machen muss. Manchmal fehlt einem ja ein Gedankengang und den hat dann vielleicht jemand anders. Wir machen das bei der Gruppenarbeit meisten so: Am Anfang haben wir immer ein Brainstorming, wo jeder einfach drauflossagt, was ihm so einfällt. Dann wird das festgehalten und die besten Punkte werden herausgesucht. Man kann wirklich alles sagen, was einem dazu einfällt, auch wenn's der größte Schwachsinn ist, vielleicht hilft es ja trotzdem. Also das ist sehr flexibel und man kann frei raus reden. Man muss nicht überlegen: Sag ich das jetzt, sag ich das nicht? Was denken die anderen, wenn ich das sag? Find ich toll. Es ist auch gut, dass sich die Ausbilder so viel Mühe geben, also so etwas merkt man ja. Die sind immer für uns da und der Spaß kommt auch nicht zu kurz, es werden auch schon mal doofe Witze gemacht oder so. Wie würde ich meinen Beruf beschreiben? Es ist eine Symbiose von Technik und Büro, sprich auch kaufmännischen Sachen. Das ist total ausgewogen und bringt wirklich Spaß. Man kann am PC herumbasteln. Man baut Computer auseinander und setzt die wieder zusammen, man spielt ein Betriebssystem drauf, damit sie überhaupt funktionieren und dann verschiedene Programme, damit man sie benutzen kann. Eigentlich ist das so in dem Beruf der IT-Kauffrau: Kommt ein Kunde und sagt: Ich möchte einen PC haben. Ich hab ein Geschäft und möchte einen PC haben. Dann sagt die Kauffrau: Ja, wir können das mal zusammen ausarbeiten, was sie brauchen. Dann arbeiten sie das zusammen aus. Danach fährt die Kauffrau los, besorgt die Teile bzw. baut diese Teile für den Kunden zusammen. Macht vielleicht noch eine Schulung für den Kunden, damit er mit seiner Software auch klarkommt. Der Kunde bedankt sich, die Kauffrau fährt weg, schreibt noch eine Rechnung und schickt die hin. Also das, wofür früher vier, fünf verschiedene Abteilungen zuständig waren, das ist jetzt eins geworden, IT-Systemkaufleute machen davon alles. So kann man das eigentlich ganz gut charakterisieren. Das ist alles zusammen, von jedem ein bisschen, und das ist das Tolle, die Abwechslung. 20

3 Ich hatte während der Schulzeit einen Nebenjob bei Condomi im Sophienhof. Da hab ich gemerkt, es macht mir total Spaß mit Menschen, mit vielen Menschen, zusammenzukommen und mit denen zu reden. Ich bin kontaktfreudig, ein reiner Bürojob ist nichts für mich. Für mich ist es ein Vorteil gewesen, dass ich da gearbeitet habe. Ich hab gelernt, wie man mit Kunden redet, wie man mit Kunden Verkaufsgespräche führt. Es ist eigentlich egal, was für Waren man verkauft, es ist immer das gleiche Prinzip: Man muss nett und freundlich zum Kunden sein, auch wenn der Kunde mal unangenehm wird. Man darf sich nicht ärgern lassen und man darf nicht sauer werden, auch wenn der Kunde einen anpöbelt, das machen die ja manchmal. Da darfst du dich nicht persönlich angegriffen fühlen. Vorkenntnisse hatte ich ja leider nicht so mit dem PC, aber auf jeden Fall habe ich meine Aufgeschlossenheit mitgebracht. Also ein bisschen konnte ich schon, weil ich ein Jahr Informatik in der Schule hatte. Die Jungs konnten das immer alle schon und ich hatte da total Probleme, weil ich es nicht richtig erklärt bekommen habe. Aber dann habe ich mir überlegt, in dieser Ausbildung, das ist ein bisschen Technik, das ist eine Herausforderung. Ich kann s ja mal versuchen, ich hab ja nichts zu verlieren. Und hatte überhaupt keine Ahnung, hab noch nie einen eigenen PC besessen. Heute immer noch nicht, leider. Und hab nie wirklich am PC gearbeitet und dann die Ausbildung anzufangen, das ist schon ein Sprung ins kalte Wasser! Aber es klappt. Und seltsam, also ich muss sagen, ich entwickle gerade eine Beziehung zur Technik. Also auch so diese Liebe zum Computer beginne ich jetzt zu entwickeln. Jetzt wo ich ein bisschen tiefer in diese ganze Geschichte eindringe, fängt es an, mich zu faszinieren. Vorher war mir das alles total egal, weil ich noch nie etwas damit zu tun hatte. Warum hätte ich mich damit beschäftigen sollen? Mittlerweile ist es aber so, dass ich mich selbst dabei ertappe, dass ich Computerzeitschriften les und total interessiert zuhöre, wenn im Fernsehen mal ein Bericht über so etwas kommt. Das war mir früher egal, da hab ich weggeschaltet. Also ich entwickle Interesse, das keimt so langsam auf. Man muss sich auch dafür begeistern, sonst schafft man s auch nicht. Aber es bringt Spaß und ist schon toll. Welche Interessen und Fähigkeiten braucht man für die Ausbildung? Man muss auf jeden Fall aufgeschlossen sein, man kann sich nicht in eine Ecke setzen und sagen: "Ich trau mich nicht." Man muss schon ein bisschen mutig sein, muss auf die Leute selber zugehen können. Dann muss man teamfähig sein, das ist total wichtig. Wenn man nicht mit Leuten zusammenarbeiten kann, dann braucht man das gar nicht anzufangen, weil man dann nur in der Ecke sitzt, nicht mit einbezogen wird und auch nichts lernt. Denn Teamarbeit heißt auch, sich selbst was beibringen, Learning by Doing. Man muss einfach Mut haben, an neue Sachen zu gehen und man muss sich auch im Klaren darüber sein, dass das wirklich ein lebenslanges Lernen gerade in diesem Beruf ist, weil die Entwicklung in der IT-Branche immer weiter 21

4 vorantreibt. Man kann nie sagen: So, jetzt hab ich keinen Bock mehr weiterzulernen. Dazu muss man bereit sein, dann geht das auch. PC Vorkenntnisse sind auch nicht unbedingt nötig, denn in der Berufsschule wird bei Null angefangen. Das ist wirklich so, man lernt erst die Hardware, also die einzelnen Teile kennen, und dann, wie man einen PC zusammenbaut. Das finde ich klasse, weil ich selber da ein Problem hatte. Aber dadurch, dass ich keinen eigenen PC hatte, hab ich auch nicht groß was wissen können. Berufsorientierung Als ich ganz klein war, wollte ich immer Tierärztin werden, wie das so ist bei kleinen Mädchen und dann mit elf wollte ich Ärztin werden. Mit 15, 16 wollte ich unbedingt Schauspielerin werden, weil ich an der Schule und auch privat ganz viel Schauspiel gemacht habe und es mir ganz viel Spaß gemacht hat. Dann dachte ich, damit verdienst du eh keine Kohle und die Ausbildung muss man selber bezahlen, ist zu teuer. Als es nachher auf das Abitur zuging, wusste ich nicht, was ich machen sollte. Dann habe ich mich überall beworben, in vielen Berufen, als Bürokauffrau, Kauffrau für Bürokommunikation, Werbekauffrau und auch als IT-Systemkauffrau. Bei einem Unter-nehmen wurde mir die Ausbildung als Bürokauffrau angeboten. Ich wollte einfach eine Ausbildung machen. Ich wollte Geld verdienen. Ich wollte nicht studieren, ich hatte nach 13 Jahren Schule erstmal die Nase voll. Ich hatte gleichzeitig meine Bewerbung zur Telekom geschickt, war auch beim Einstellungstest, aber da kam halt nichts. Dann habe ich von der anderen Firma, wo ich auch einen Einstellungstest hatte, Bescheid bekommen: "Sie können bei uns anfangen, kommen Sie zum Vertrag unterschreiben an dem und dem 22

5 Tag. Und genau eine Stunde bevor ich da sein sollte, bekam ich Post von der Telekom, dass ich hier anfangen soll. Beim Vorstellungsgespräch bei der Telekom hat man mir gesagt, dass man viel mit Leuten zu tun hat. Dass man mit Kunden, mit Menschen zu tun hat, das war mir wichtig. Dass man ein bisschen tüfteln kann, das fand ich auch ganz interessant, und ich dachte mir, Zukunftschancen hat man ja auch ganz viele. Dann fing ich an, mich dafür zu begeistern. Erstens kriegst du mehr Geld, hab ich gedacht, das Doppelte nämlich und es ist einfach zukunftsorientierter. Wenn ich Bürokauffrau geworden wäre, dann wäre ich mit Abitur wahrscheinlich unterfordert. Und zweitens hätte ich mich damit nicht wohl gefühlt. Außerdem gibt es Bürokauffrauen wie Sand am Meer und die werden nicht unbedingt gesucht. Und heute in der IT-Branche, da hat man Chancen ohne Ende! Wenn ich ausgelernt habe in drei Jahren, dann kann ich überall anfangen oder ein Anschlussstudium machen. Und dann bin ich gefragt. War ich froh, dass ich bei dem anderen Unternehmen noch nicht unterschrieben hatte! 23

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