Die Arbeit in den Sprachheil Internatsklassen

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1 Die Arbeit in den Sprachheil Internatsklassen Rahmenbedingungen Die Aufnahmekapazität des Sprachheilzentrums beträgt 48 Plätze. Diese Kinder werden in unserem Hause beschult. Für diese Kinder halten wir fünf Lehrkräfte vor, die alle für die sonderpädagogische Fachrichtung Sprache qualifiziert sind, darüber hinaus haben sie die Qualifikation für die Fachrichtungen sozial emotionaler Förderbedarf und Lernen. Die Beschulung der Kinder erfolgt in fünf Sprachheilklassen. Die Aufnahme der Kinder in das Sprachheilzentrum erfolgt aus ganz Niedersachsen und Bremen. Zugangskriterium ist ein intensiver Förderbedarf im Bereich Sprache, der den Aufenthalt im Sprachheilzentrum als Rehabilitationsmaßnahme ausweist. Es ist eine medizinische Entscheidung. Daher ist das Schülerklientel ausgesprochen heterogen: Wir beschulen reguläre Grundschüler, Kinder mit zusätzlichem Förderbedarf im Bereich Lernen bis an die Grenze zum Förderbedarf geistige Entwicklung und Kinder mit sozial emotionalem Förderbedarf. Die pädagogische Grundorientierung der Sprachheilinternatsklassen Alle Kinder weisen einen multiplen Förderbedarf aus. Sie haben Beeinträchtigungen im Bereich der Sprache und des Sprechens, des Lernens und Förderbedarf im sozial emotionalen Bereich. Die Schüler werden überwiegend von einem Klassenlehrer betreut, der möglichst die gesamten Unterrichtsfächer abdeckt. Dadurch wird ein Schonraum geschaffen, in dem Vertrauen wachsen kann als Grundlage für die Stabilisierung des psychischen und sprachlichen Verhaltens. Dieses ist besonders wichtig, da die Schüler, bedingt durch die Sprach- und Lernbeeinträchtigungen, häufig psychisch labil und wenig belastbar sind. Viele der Schüler haben bereits abgebrochene Sprachtherapien, psychologische Betreuungen und nicht zuletzt sehr deprimierende schulische Erfahrungen hinter sich. Des Weiteren unterstützt das Klassenlehrerprinzip die kontinuierliche Gestaltung des schulischen Vormittags und stellt damit einen äußeren Rahmen dar, der für die Entwicklung der sprachbeeinträchtigten Kinder eine große Bedeutung hat.

2 Die Klassenzusammensetzung ist altersstufen und klassenheterogen. Es wird versucht, die Schüler in möglichst leistungshomogene Gruppen zusammenzufassen. Als entscheidendes Kriterium für die Einteilung der Klassen gilt der Leistungsstand und das Leistungsvermögen. Lediglich die Kinder der ersten Klassen werden in Eingangsstufen unterrichtet. Obwohl versucht wird, die Klasse entsprechend dem Leistungsniveau zusammenzusetzen, differieren die individuellen Fähigkeiten entsprechend der Klassenstufen, dem kognitiven Niveau, der Reife und den unterschiedlichen Lernvoraussetzungen. Deshalb ist der Lernstoff besonders differenziert anzubieten. Es ergibt sich ein hohes Maß an Individualisierung und Differenzierung. Die Sprachstörungen betreffen alle sprachlichen Ebenen (phonetisch-phonologisch, semantisch lexikalisch, morphologisch-syntaktisch, pragmatisch- kommunikativ): - Sprachentwicklungsverzögerungen - Phonetisch-phonologische Aussprachestörungen - Sprachverständnisschwierigkeiten - Dysgrammatismus - Stottern - Funktionelle Beeinträchtigungen der Sprechmotorik - Erhebliche Beeinträchtigungen im pragmatisch kommunikativen Bereich. Weitere Störungsbereiche betreffen: - die Speicherfähigkeit - den Bereich der auditiven Wahrnehmung (u.a. auditive Differenzierung) - den Bereich der visuellen Wahrnehmung (optische Differenzierung, Figur Grund Wahrnehmung, Raum Lage, visuomotorische Wahrnehmung) - einen reduzierten aktiven und passiven Wortschatz mit unmittelbaren Auswirkungen auf die Assoziationsfähigkeit, die Antizipierungsfähigkeit, die Dekodierungsfähigkeit, Transferleistungen und folgend exemplarisches Lernen. - ein reduziertes Abstraktionsvermögen (verstärkte Veranschaulichung als durchgängiges Unterrichtsprinzip in allen Fächern) - Lernbeeinträchtigungen - psychische Redehemmungen, z.b. selektiver Mutismus - emotionale Störungen in Kommunikationssituationen

3 - Beeinträchtigungen in der Motorik. Dadurch sind die Lern- und Leistungsfähigkeit und die soziale Kompetenz erheblich beeinträchtigt. Die Sprachheilklassen haben die spezielle Aufgabenstellung zu erfüllen, die Kinder möglichst schnell zu fördern und zu unterstützen, um eine zukünftige Beschulung am Heimatort an einer Grundschule oder einer Förderschule mit dem Schwerpunkt Lernen zu ermöglichen. In allen Klassen erfolgt ein therapieimmanenter Unterricht. Das bedeutet, dass in allen Unterrichtsphasen neben den fachlichen Inhalten auch die individuellen sprachlichen Förderbedürfnisse entsprechend gefördert werden. Prinzipien des therapieimmanenten Unterrichts sind z.b. korrektives Feedback, Expansion und Extensionen der Schüleräußerungen, der Lehrer als sprachliches Vorbild, Einsatz von Lautgebärden, In den Sprachheilklassen ist die Förderung der visuellen, auditiven, taktilen und kinästhetischen Perzeption und Recodierung von Reizen grundlegend. Die redundante Vermittlung fachlicher Inhalte ist vernetzt mit Kompensationshilfen in den Bereichen der Sprache, der Verhaltensmodifikation, der Psychomotorik und der Wahrnehmung. Für die Unterrichtsplanung gelten grundsätzlich die Unterrichtsprinzipien, die auch für die Arbeit mit Kindern mit sonderpädagogischem Förderbedarf im Bereich Lernen gelten (Handlungsorientierung, Lernen mit allen Sinnen, Anschaulichkeit, Ganzheitlichkeit, usw.). Ein globales Unterrichtsprinzip ist die innere Differenzierung. Der Schüler als Individuum steht mit seinen Stärken und Schwächen, seinen individuellen Bedürfnissen, im Mittelpunkt des schulischen Lernens. Ausgehend von der individuellen Lernausgangslage werden gezielt Unterrichtsinhalte ausgewählt, sowie didaktische und methodische Entscheidungen getroffen. Die innere Differenzierung nutzt alle Sozialformen des Lernens: Einzel-, Partner- und Gruppenarbeit, Gesprächs- und Erzählkreise. Schüler können als Helfer und Lernbegleiter eingesetzt werden. Auch eine räumliche Differenzierung ist sinnvoll, z.b. durch Lernecken, abgetrennte Arbeitsbereiche, eine Leseecke,

4 Um den individuellen Schwierigkeiten der sprachbeeinträchtigten Kinder gerecht zu werden, müssen zusätzliche didaktische und methodische Schwerpunkte gesetzt werden. Didaktische Schwerpunkte: - Auswahl eines Minimalkataloges, der intensiv bearbeitet wird - Enge Verzahnung des Deutsch- und Sachunterrichts, um sprachliche Aspekte zu betonen - Gezielte Auswahl und Vorbereitung des Lehrmaterials - Schaffung von Möglichkeiten der Kompensation (die Schüler können ihr Wissen in verschiedenen Darstellungsformen äußern). Methodische Schwerpunkte: - Es wurde eine Auswahl spezieller Unterrichtswerke getroffen (Momel Fibel; Fara und Fu). Da die vorhandenen Lehrbücher ein intaktes Sprachverständnis und Gefühl voraussetzen, über das sprachauffällige Kinder zum Teil nicht verfügen, werden zusätzlich bestehende Lernprogramme verändert und erweitert und individuelle Arbeitsmittel erstellt und gestaltet. Zeitrahmen Die komplexen Sprachbeeinträchtigungen der Kinder, die meist alle sprachlichen Ebenen betreffen (s. oben), erfordern neben didaktischen und methodischen Besonderheiten des Unterrichts auch Modifikationen in der wöchentlichen Stundenplanung. Letzteres wird laut Beschluss der Gesamtkonferenz der Herbartschule von 1981 zum Thema Pädagogisches Selbstverständnis der Herbartschule besonders hervorgehoben. Zitat aus dem Protokoll: Bei besonders schwachen Schülern muss die Möglichkeit geschaffen werden, das Schwergewicht unterrichtlicher Arbeit auf die Fächer Deutsch und Mathematik zu legen. Dafür sollen zeitweilig Fächer wie politische Bildung usw. ausfallen dürfen. Dieses Vorgehen ist notwendig, da die Schwerpunktsetzung bei den Internatskindern auf der Rehamaßnahme im Sprachheilzentrum liegt. Da die dortigen Therapien im Vordergrund stehen, ergibt sich automatisch eine reduzierte Stundentafel für diese Klassen.

5 Der Unterricht in den Sprachheilklassen orientiert sich an den Kerncurricula für die Grundschule des Niedersächsischen Kultusministeriums unter Berücksichtigung der besonderen Lernausgangslage von Schülern mit den Förderschwerpunkten Sprache und Lernen, sehr häufig auch emotionale und geistige Entwicklung: - Der mehrdimensionale, differenzierte Unterricht - Die schuljahrgangsheterogene Klassenzusammensetzung - Der individuelle multiple Förderbedarf (Sprache und Lernen, häufig auch soziale und emotionale Entwicklung, geistige Entwicklung) - Unterschiedliche Lernausgangslagen, bedingt durch die Aufnahme von Schülern aus verschiedenen Schulen in Niedersachsen - Zum Schulhalbjahr wechselnde Klassenzusammensetzungen (bedingt durch die Aufnahme der Schüler in das Sprachheilinternat) erfordern einen erheblich höheren Zeitaufwand zur Vermittlung der angestrebten Lernziele und finden Berücksichtigung in der Quantität der Lerninhalte und in modifizierten Stundenplänen.

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