Intercoderreliabilität für MAXqda2 und MAXqda 2007

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1 Intercoderreliabilität für MAXqda2 und MAXqda 2007 (Version 2.0) Hinweis: In dieser Anleitung wird die Nutzung des Tools zur Berechnung der Intercoderreliabilität anhand von MAXqda2 beschrieben. Mit Version 2.0 ist das Tools kompatibel zu MAXqda Alle Angaben in dieser Anleitung gelten damit auch für MAXqda 2007, ohne dass darauf gesondert hingewiesen wird. Allgemeines: Die Prüfung der Intercoderreliabilität gehört in der qualitativen Inhaltsanalyse zu den Anforderungen hinsichtlich wissenschaftlicher Standards. Sie kann in kleineren und größeren Projekten mit einem oder mehreren Mitarbeiten extrem zeitaufwendig sein, wenn sie von Hand erledigt werden muss. Auf der MAXqda-Homepage wird seit einiger Zeit ein Excel-Makro angeboten, das eine derartige Prüfung automatisch ausführen kann. Dieses Makro beinhaltet zwei grundlegende Einschränkungen: Erstens können nur genaue Übereinstimmungen von Codings gezählt werden. Bei der Kodierung von Texten sind derartige genaue Übereinstimmungen jedoch in der Praxis kaum zu erreichen, selbst bei sehr strengen Regeln hinsichtlich der Kodiereinheiten. Zweitens müssen die einzubeziehenden Codes bei jedem Aufruf des Makros neu von Hand zugeordnet werden, was bei größeren Codesystemen und mehrmaligen Berechnungen sehr zeitaufwendig ist. Die im folgenden beschriebene Routine zur Berechnung der Intercoderreliabilität wurde programmiert, um diese Probleme zu umgehen und bietet einen Funktionsumfang, der nur noch durch die technischen Grenzen von MAXqda2 eingeschränkt wird. Funktionsumfang: Berechnung der Intercoder- oder Intracoderreliabilität Reliabilitätsberechnung für genaue Übereinstimmung von Codings ( harte Prüfung) Alternative Reliabilitätsberechnung für Überschneidungen von Codings ( weiche Prüfung ) Definition eines Karenzbereichs (maximal mögliche Zeichenzahl zu Beginn und Ende der Codings, die bei einer harten Prüfung noch als Übereinstimmung gewertet werden soll; Ausgleich für leichte Unsauberkeiten beim Kodieren) Definition eines Überschneidungsbereichs (minimale Zeichenzahl für Überschneidungen der Codings, die bei einer weichen Prüfung noch als Übereinstimmung gezählt werden soll) Direkte Schnellauswahl der Texte und der Codes, die in die Prüfung einbezogen werden sollen (nur für einen Kodierer erforderlich) Speicherung der Liste der zuletzt ausgewählten Codes (für eine folgende Neuberechnung) Gruppierung von Codes für den Auswertungsbericht (Prüfung von Subgruppen von Codes) Automatische Erstellung eines detaillierten Auswertungsberichts (Reliabilitätskoeffizienten gesamt, pro Subgruppe, pro Code, Rohwerte pro Code und pro Text) Systemanforderungen: MAXqda2 Microsoft Excel 2000 (oder höher) Microsoft Access-Importfilter (in der Regel in Excel enthalten) bzw. Access 2000 (oder höher) Theoretisches Bei einer Prüfung der Intercoderreliabilität wird ermittelt, inwieweit zwei Kodierer, die dasselbe Material mit demselben Kodesystem bearbeiten, zu einem ähnlichen Ergebnis gelangen. Eine Prüfung kann zwischen zwei verschiedenen Kodierer/innen erfolgen (Intercoderreliabilität) oder die Werte eines Kodierers, der dasselbe Material mit zeitlichem Abstand noch einmal bearbeitet hat, miteinander vergleichen (Intracoderreliabilität). Für letztere Variante kodiert ein Kodierer das zu prüfende Material einfach noch einmal unter einem anderen Benutzernamen. Die Vorgehensweise für die Berechnung erfolgt analog zur Prüfung der Intercoderreliabilität, die in dieser Anleitung schwerpunktmäßig behandelt wird.

2 Intercoderreliabilität für MAXqda2 2 Die Prüfung der Intercoderreliabilität liefert als Ergebnis einen Reliabilitätskoeffizienten, der per definitionem zwischen 0 (keine Übereinstimmung) und 1 (völlige Übereinstimmung) liegt. Die Bewertung seiner Höhe ist von der Interpretation der Forscher/innen abhängig. Reliabilitätskoeffizienten können pro Text und pro Code oder auch für ein Set von Codes und Texten ermittelt werden. Die hier zu Grunde gelegte Formel zur Berechnung lautet: 2 CÜ R = C1+C2 R = Reliabilitätskoeffizient CÜ = Anzahl der übereinstimmenden Kodierungen C1 = Anzahl der Codierungen von Kodierer 1 C2 = Anzahl der Codierungen von Kodierer 2 Vorbereitungen: Stellen Sie die Makrosicherheit in Excel (EX- TRAS/MAKRO/SICHERHEIT ) auf mittel oder niedrig ein. Stellen Sie sicher, dass sich in MAXqda2 die zu prüfenden Codings dadurch unterscheiden, dass zwei Kodierer mit unterschiedlichen Namen die Kodierungen durchgeführt haben. Tipp: Die Namen der Kodierer werden Ihnen in MAXqda2 bei der Visualisierung der Codings im Text- und Retrievalfenster angezeigt. Achten Sie bitte darauf, immer unter dem richtigen Benutzernamen angemeldet zu sein. Wenn Sie eine Datei eines anderen Benutzers bearbeiten (bspw. eine Datei von Kodierer B, und Änderungen durchführen, werden diese unter dem aktuell angemeldeten Benutzer durchgeführt. Codings können daher bspw. beim Verschieben schnell versehentlich hinsichtlich ihrer Kodierernamen geändert werden, was später zu Fehlern bei der Berechnung der Intercoderreliabilität führen kann. MAXqda2 unterstützt die Anmeldung unter einem spezifischen Benutzernamen. Dies ermöglicht jedoch noch kein echtes Teamwork in einer einzigen MAXqda2-Datei durch mehrere Kodierer/innen. Sie können dies selbst testen, wenn Sie in einer Datei Kodierungen vornehmen, sich unter einem anderen Namen anmelden und gleiche Codes ähnlichen Stellen zuweisen. Treten dabei Überschneidungen gleicher Codes auf, wird trotz verschiedener Benutzerkennung das ursprüngliche Coding einfach verlängert. Dieser Umstand erschwert eine Prüfung der Intercoderreliabilität besonders. Zur Lösung werden hier zwei Varianten angeboten. Je nach Variante werden zur Berechnung eine oder zwei MAXqda2-Dateien eingesetzt. Die Arbeit mit zwei Dateien wird vom Autor an dieser Stelle ausdrücklich empfohlen. Variante 1: Beide Kodierer arbeiten an der gleichen Datei oder die Codings werden vor der Prüfung in einer Datei zusammengefasst. In diesem Fall müssen sich die Codes unterscheiden. Für die Prüfung muss diese Unterscheidung bei einem Kodierer durch einen gleichbleibenden String in jedem Code erfolgen (z.b. "Code1" bei Kodierer A und "IRCode1" bei Kodierer B. Dieser String wird nach dem Import automatisch vor der eigentlichen Berechnung wieder aus der Tabelle der Codes gelöscht und ermöglicht dem Programm, gleiche Codes von Kodierer A und B zu identifizieren. Codes können bspw. so umbenannt werden, dass dieser String am Anfang oder Ende des Codenamens auftaucht. Er muss über alle zu berechnenden Codes gleich lauten und auf unterster Ebene (s.u.) der Codes in der Vorreitung eingefügt werden. Beispiel: In einer Datendatei nutzt der erste Kodierer den Code Biologie/Genetik/Argumente. Bei einem Unterscheiderstring von IR muss bspw. der zweite Kodierer entsprechend diesen Code Biologie/Genetik/IRArgumente oder Biologie/Genetik/ArgumenteIR Hinweis: Der Unterscheidungsstring kann frei gewählt werden, darf aber in keinem Fall mit den Namen der Codes kollidieren. Im obigen Beispiel wäre demnach IR kein geeigneter String, wenn ein anderer Code Psychologie/IRGENDWO/Gründe heißen würde.

3 Intercoderreliabilität für MAXqda2 3 Nachteile dieser Variante: Neben dem Umstand, dass zwei Kodierer hier nicht parallel arbeiten können bzw. vor der Berechnung die Dateien erst zusammengeführt werden müssen, ist der größte Nachteil dieser Methode, dass in einem MAXqda2-File sozusagen zwei Codesysteme angelegt werden müssen, die sich nur durch die Verwendung des Strings unterscheiden. Das Codesystem wird damit doppelt so umfangreich wie nötig und unübersichtlich. Zudem muss bei der Arbeit größte Sorgfalt darauf gelegt werden, dass der Bearbeiter unter dem richtigen Benutzernamen angemeldet ist und die richtige Hälfte des Codesystems (mit oder ohne String) nutzt. Variante 2 (empfohlen): Zwei Kodierer arbeiten mit identischen Kodesystemen und übereinstimmenden Texten an eigenen MAXqda-Dateien. Außer der Kontrolle, dass Text- und Codenamen in beiden Dateien identisch sind und die Codings in der ersten Datei von einem anderen Benutzer erstellt worden sind als in der zweiten, sind keine weiteren Vorbereitungen notwendig (Beachten Sie dennoch den Hinweis im folgenden roten Kasten). Der Vorteil dieser Variante liegt nicht allein darin, dass beide Kodierer parallel arbeiten können (aber natürlich keine Änderungen am Codesystem durchführen dürfen!), sondern auch darin, dass vor Arbeitsbeginn eine Masterdatei als Vorlage erstellt werden kann, die beliebig kopiert und den Kodierern ohne ständigen Abgleich zur Verfügung gestellt werden kann. Diese Masterdatei kann auch als leere Vorlage genutzt werden, in die die Kodierer vor der Prüfung ihre mex-dateien importieren (in diesem Fall für jeden Kodierer eine Kopie der Masterdatei). Wichtige Voraussetzung für beide Varianten: Die Prüfung der Intercoderreliabilität kann nur dann erfolgreich sein, wenn die Codes des Codesystems auf der untersten Ebene trennscharf unterschieden werden können. Gegebenenfalls muss zuvor das Kategoriensystem in beiden Dateien entsprechend angepasst werden. Beispiel: Die Codes "Biologie/Genetik/Argumente" und "Psychologie/Psychoanalyse/Argumente" liefern beide auf der untersten Codeebene die gleichen Subcodes ("Argumente") und führen somit zu falschen Zahlen, da sie durch die folgenden Rechenoperation zusammengefasst würden. Benutzen Sie bspw. stattdessen nachvollziehbare Präfixe auf unterster Codeebene. Die beiden obigen Codes könnten dementsprechend in MAXqda2 in "Biologie/Genetik/BG_Argumente" und "Psychologie/Psychoanalyse/PP_Argumente" umbenannt werden. Vorsicht: Diese Präfixe oder Suffixe dürfen bei der Nutzung von Variante 1 nicht dem Unterscheidungsstring entsprechen! Zudem dürfen Ihre Text- und Codenamen keine Sonderzeichen enthalten, die bei Suchvorgängen fehlinterpretiert werden könnten (bspw. *). Aufruf des Programms zur Berechnung der Intercoderreliabilität für MAXqda2: Starten Sie das Programm INTERCODERRELI- ABILITÄT aus dem Windows-Startmenü. Alternativ: Bei der Installation wird im MAXqda2-Programmordner ein Unterordner INTER- CODERRELIABILITÄT erzeugt. Starten Sie in diesem Ordner die Datei INTERCODERRELIABI- LITÄT.XLS. Klicken Sie nach dem Öffnen auf dem ersten Tabellenblatt (ALLGEMEINES) auf die Schaltfläche BERECHNUNG. Falls Sie diese Anleitung gelesen haben, können Sie die Hinweise auf den Tabellenblättern und in den Dialogboxen in der Regel übergehen, da Ihnen die entscheidenden Informationen bereits bekannt sind. Wichtige Hinweise: Benennen Sie die Datei INTERCODERRELIABI- LITÄT.XLS nicht um! Dies führt dazu, dass die Makros für die Berechnung nicht mehr gestartet werden können! Wenn Sie nach erfolgreicher Berechnung Ihre Dialogeingaben für spätere erneute Berechnungen speichern wollen, speichern Sie einfach die Datei INTERCODERRELIABILITÄT.XLS. Wenn Sie Ihre Ergebnisse archivieren möchten, können Sie die Datei unter einem anderen Namen speichern.

4 Intercoderreliabilität für MAXqda2 4 Dann kann jedoch solange mit dieser Datei keine erneute Berechnung durchgeführt werden, bis sie erneut in INTERCODERRELIABILI- TÄT.XLS umbenannt wird. Durch Klick auf ABBRUCH (4) können Sie den Dialog vorzeitig beenden. Variante 2 (empfohlen): Schritt 1: Dateiauswahl Im folgenden Dialog werden Sie nach dem Speicherort des oder der MAXqda2-Files gefragt, für die die Intercoderreliabilitätsprüfung erfolgen soll. Wählen Sie zunächst anhand der Optionsbuttons (1) die Variante 1 ("CO- DINGS IN 1 MAXQDA-FILE") oder Variante 2 ( CODINGS IN 2 MAXQDA-FILES ). Variante 1: Geben Sie durch Klick auf AUSWAHL (2) den Speicherort Ihrer MAXqda2-Datei an. Geben Sie zusätzlich den Unterscheiderstring an (3), durch den sich die Subcodes auf unterster Ebene zwischen Kodierer A und B unterscheiden. Nach Eingabe Ihrer Angaben klicken Sie auf WEITER (5). Ihre MAXqda2-Daten werden importiert und die Vorbereitungen zur Kodierer-, Text und Codeauswahl werden getroffen. Je nach Größe Ihrer MAXqda2-Datei kann dieser Vorgang mehrere Minuten in Anspruch nehmen, in denen Sie den Rechner nicht für andere Aufgaben nutzen können. Geben Sie durch Klick auf AUSWAHL (2) den Speicherort Ihrer MAXqda2-Dateien an. Nach Eingabe Ihrer Angaben klicken Sie auf WEITER (4). Ihre MAXqda2-Daten werden importiert und die Vorbereitungen zur Kodierer-, Text und Codeauswahl werden getroffen. Je nach Größe Ihrer MAXqda2-Datei kann dieser Vorgang mehrere Minuten in Anspruch nehmen, in denen Sie den Rechner nicht für andere Aufgaben nutzen können. Durch Klick auf ABBRUCH (4) können Sie den Dialog vorzeitig beenden. Wichtige Hinweise: Beim Import der MAXqda2-Files werden Ihre Originalfiles nicht verändert. Es erfolgt ausschließlich ein lesender Zugriff! Um ganz sicher zu gehen, sollten Sie dennoch Ihre Original-MAXqda2-Datei zuvor unter einem anderen Namen sichern! Während des Importes dürfen Ihre MAXqda2- Files nicht in MAXqda2 oder einer anderen Anwendung geöffnet sein! Andernfalls erhalten Sie eine Fehlermeldung.

5 Intercoderreliabilität für MAXqda2 5 Achtung! Sowohl während des Dateiimports als auch bei der späteren Berechnung (Schritt 3) können Sie in der Wartezeit jederzeit die automatischen Programmroutinen unterbrechen, indem Sie ESC drücken. Sie können die Ausführung später durch FORTFAHREN wieder aufnehmen oder wahlweise komplett durch ABBRECHEN beenden. Berücksichtigen Sie dabei bitte, dass ein Beenden während der Berechnungsroutine in Schritt 3 dazu führt, dass alle Daten neu importiert werden müssen. Der Datenimport kann bei umfangreichen MAXqda2-Projekten gegebenenfalls länger dauern als die eigentliche Berechnung. Schritt 2: Auswahlen für die Berechnung Treffen Sie in der oben gezeigten Dialogbox Ihre Auswahlen für die Kodierernamen (1), Texte (2) und Codes (3), die in die Intercoderreliabilitätsbrechnung einbezogen werden sollen. Die Listenfelder (2 + 3) lassen Mehrfachauswahlen zu. Über die Schaltflächen mit Pfeilen können Sie ausgewählte Texte und Codes von der Gesamtliste (links) in die Auswahlliste (rechts) transferieren. Wollen Sie ausgewählte Texte oder Codes wieder aus der Auswahl entfernen, wählen Sie diese im rechten Listenfeld an und transferieren Sie sie einfach zurück.

6 Intercoderreliabilität für MAXqda2 6 Über die Schaltfläche ZURÜCK (8) gelangen Sie wieder zum Dateiauswahldialog des ersten Schrittes. Achtung: Dabei gehen Ihre Auswahlen verloren und die Dateien müssen erneut importiert werden. Über die Schaltfläche ALLE AUSWAHLEN ZU- RÜCKSETZEN (9) werden die Auswahllisten für Kodierer, Texte und Codings geleert. Gruppierung von Codes für den Auswertungsbericht Wählen Sie aus der Auswahl für die Berechnung der Codes (3, rechtes Listenfeld) eine Gruppe von Codes aus und weisen Sie diesen durch Klick auf die Schaltfläche ZUWEISEN (5) eine Nummer zu. Die Codes werden daraufhin im Bericht gruppiert dargestellt (vgl. Grafik auf der folgenden Seite) und die Reliabilitätswerte werden gruppenweise berechnet. Wenn Sie Gruppierungen vornehmen, müssen Sie alle Codes der Codeauswahl einer Gruppe zuordnen. Falls Sie keine gruppierten Codes wünschen, ignorieren Sie diese Option. Mischvarianten sind allerdings nicht möglich. Wenn Sie einer Auswahl der Codes in der Codeauswahl eine Gruppennummer zugewiesen haben, erhöht sich der Wert im Feld GRUPPE automatisch um 1. Sie können jederzeit Eingaben in dieses Feld vornehmen, falls Sie bspw. zuvor einen Code vergessen haben. Die Gruppierungen werden im scrollbaren Infofeld (4) angezeigt. Optionen für die Berechnung In diesem Bereich legen Sie fest, ob eine Überschneidung von Codings oder eine genaue Entsprechung als Übereinstimmung gezählt wird. Auf letztere Möglichkeit ist die zu Beginn der Anleitung verwiesene Programmroutine auf der MAXqda2-Homepage beschränkt. Die Möglichkeit, nach Überschneidungen zu suchen, erweitert den Funktionsumfang der hier vorgestellten automatische Berechnungsroutine deutlich. Möglichkeit 1: Suche nach Überschneidungen Wählen Sie im Optionsbereich die Option ÜBERSCHNEIDUNG (6) und geben Sie im Eingabefeld an, ab wie viel Zeichen eine Überschneidung gezählt werden soll. Standardmäßig ist hier ein Überschneidungsbereich von 20 Zeichen voreingestellt. Auf diese Weise wird gewährleistet, dass die sich überschneidenden Codes eine gewisse Mindestlänge haben und Überschneidungen nicht durch unsauberes Kodieren zustande kommen. Möglichkeit 2: Suche nach genauen Übereinstimmungen Wählen Sie im Optionsbereich die Option GENAUE ÜBEREINSTIMMUNG (7) und geben Sie im Eingabefeld einen Wert für die Karenz an. Standardmäßig ist hier eine Karenz von 3 Zeichen voreingestellt. Auf diese Weise wird gewährleistet, dass im Falle unsauberen Kodierens um drei Zeichen verschobene Codings gleicher Länge noch als Übereinstimmung gewertet werden. Der Wert für die Karenz gibt an, um wie viele Zeichen nach oben und unten bezogen auf Beginn und Ende des Codings Abweichungen zum Vergleichscoding erlaubt sind. Für umfangreiche qualitative Projekte und im Falle, dass durch den Interpretationsspielraum der Kodierer trotz Festlegung der Kodiereinheiten Abweichungen der Codings zu erwarten sind, ist diese Suche nach genauer Übereinstimmung kaum brauchbar und eher im Bereich quantitativer Inhaltsanalyse einsetzbar. Entscheiden Sie sich im angesprochenen Fall besser für eine Suche nach Überschneidungen. Die Suche nach genauer Übereinstimmung wird oft jedoch als Standard für eine Prüfung der Intercoderreliabilität deklariert. Schritt 3: Berechnung starten Ein Klick auf die Schaltfläche BERECHNUNG STARTEN (10) setzt die automatische Berechnung der Intercoderreliabilität in Gang. Für diese werden alle Ihre Angaben der gezeigten Dialogbox berücksichtigt. Die Berechnung selbst kann je nach Text-, Code- und Codingzahl Ihrer MAXqda2-Dateien sehr lange dauern. Vergewissern Sie sich vor dem Start der Berechnung also, ob Ihre Angaben korrekt bzw. wunschgemäß sind.

7 Intercoderreliabilität für MAXqda2 7 Die Intercoderreliabilitätsprüfung beenden Nach erfolgreicher Berechnung gelangen Sie zurück zur Arbeitsmappe. Das Tabellenblatt ALLGEMEINES wird angezeigt. Die Arbeitsmappe INTERCODERRELISBILI- TÄT.XLS enthält jetzt zwei Arbeitsblätter ( ER- GEBNISSE und BERICHT ), die Ihnen einen Überblick über die einzelnen Berechnungsergebnisse geben. Die Tabelle ERGEBNISSE stellt die Einzelwerte für R, CÜ, C1 und C2 pro einbezogenem Code und nach Gruppierungen zusammengefasst dar. Die Tabelle BERICHT liefert noch detaillierte Werte für R, CÜ, C1 und C2 für jeden einbezogenen Code und Text. Speichern Sie jetzt die Datei INTERCODERRE- LIABILITÄT.XLS (unter gleichem Namen überschreiben), falls Sie Ihre Ergebnisse für spätere Berechnungen archivieren wollen, und beenden Sie anschließend Excel. Hinweis: Falls beim Beenden von Excel eine Aufforderung zur Passworteingabe für die Mappe IN- TERCODERRELIABILITÄT erscheint, können Sie diese Aufforderung durch ein- oder mehrmaliges Klicken auf ABBRECHEN schließen. Mitgelieferte Textdateien Die mitgelieferten Textdateien ermöglich Ihnen das Testen der Programmroutine. Bevor Sie Prüfungen der Intercoderreliabilität durchführen, empfiehlt es sich, verschiedene Testläufe durchzuführen, insbesondere bei größeren Projekten. Reduzieren Sie dazu die Zahl der gewählten Codes und Texte entsprechend. Stichprobenartige Kontrollen von Hand sind in diesem Zusammenhang ebenfalls sinnvoll. Im Rahmen des Setups werden drei Testdateien installiert, die Sie im Unterordner Intercoderreliabilität Ihres MAXqda2- Programmordners finden (falls der Installationspfad von Ihnen nicht geändert wurde). Die Datei test.mx2 beinhaltet verschiedene sich überschneidende und nicht überschneidende Codings für drei Texte und vier Codes. Die Prüfung erfolgt nach Variante 1 (ein Inputfile, Unterscheiderstring: IR, Kodierer A: mlenz, Kodierer B: mlenz1). Die Datei test2.mx2 enthält für jeden Text eine andere Überschneidungsvariante, so dass geprüft werden kann, ob die im Anhang erklärte technische Umsetzung der Intercoderreliabilitätsprüfung auch wirklich die erwarteten Ergebnisse liefert. Die Prüfung erfolgt nach Variante 1 (ein Inputfile, Unterscheiderstring: IR, Kodierer A: mlenz, Kodierer B: mlenz1).

8 Intercoderreliabilität für MAXqda2 8 Die Datei test3.mx2 enthält wie die Datei test2.mx2 für jeden Text eine andere Überschneidungsvariante. Mit Hilfe der Dateien test2.mx2 und test3.mx2 können die Ergebnisse der Berechnung von test2.mx2 unter Verwendung von zwei Inputfiles repliziert werden. Dies ist zudem ein Beispiel für die oben empfohlene Nutzung der Variante 2. Da test2.mx2 zusätzlich den Code IRCode1 enthält, darf dieser bei der Berechnung nicht gewählt werden. Die Prüfung erfolgt nach Variante 2 (zwei Inputfiles, Kodierer A: mlenz, Kodierer B: mlenz1, Code: nur Code1). Anhang: Technische Referenz Für den Einsatz im wissenschaftlichen Bereich ist hilfreich, wenn bekannt, welche genauen Schritte eine automatisierte Berechnungsroutine vornimmt. Ohne zu sehr ins Detail zu gehen sollen im Folgenden die Grundzüge der Technik erläutert werden, auf denen die Berechnungsroutine basiert. Grundlegendes Eine MAXqda2-Datei (Endung: *.mx2) ist im Prinzip eine Datenbankdatei, die mit Hilfe von Microsoft Access betrachtet werden kann. Wenn Sie eine MAXqda2-Datei öffnen, können Sie die einzelnen Tabellen einsehen, die Coding, Variablen und Systemwerte enthalten. In diesen Tabellen sind viele Daten jedoch anhand von Zahlenwerten dargestellt, so dass sie sich dem Forscher ohne Hintergrundwissen nicht unmittelbar erschließen. Import der MAXqda2-Datei(en) Im ersten Schritt des Makros Intercoderreliabilität für MAXqda2 werden verschiedene dieser Access-Tabellen der MAXqda2-Datei(en) importiert und in entsprechenden Excel-Tabellen abgelegt (Liste der Texte, Codes und Codings des ersten und zweiten Kodierers). Auf die Original-MAXqda2-Datei wird dabei nur lesend zugegriffen: Es wird eine temporäre Kopie der MAXqda2-Datei erstellt und ihre Endung in *.mdb geändert, so dass sie für Excel lesbar wird. Nach dem Import der Tabellen aus dieser Kopie wird sie wieder gelöscht. Die Routine nimmt demnach keinerlei Veränderungen an Ihren MAXqda2- Originaldateien vor. Erstellung einer globalen Codingliste Anschließend werden in den Codinglisten von Kodierer A und B bestimmte Zahlenwerte für die Text- und Codenamen durch die entsprechenden Einträge der anderen Tabellen ersetzt, so dass erstere jetzt für den Nutzer lesbar sind und in die Listenfelder der Dialogboxen für Code- und Textauswahl übernommen werden können.

9 Intercoderreliabilität für MAXqda2 9 Die nicht mehr benötigten Importtabellen in Excel werden anschließend gelöscht. Die Codinglisten von Kodierer A und B werden in einer Tabelle zusammengefasst, die zur besseren Übersicht nach erfolgter Berechnung ausgeblendet wird. Sie kann bei Interesse über FORMAT/BLATT/EINBLENDEN und Auswahl von CODINGS nach Abschluss der Berechnung angezeigt werden. Ein mögliches Beispiel zeigt die obige Grafik. Diese globale Tabelle der Codings enthält auch für jedes einzelne Coding Angaben zum ersten und letzten Zeichen, woraus sich somit die genaue Position im Text und die Länge des Codings ermitteln lässt. Für die Berechnung der Intercoderreliabilität sind dies essentielle Informationen, die die Datenbasis für die im zweiten Schritt durchgeführte Berechnungsroutine liefert. Durchführung der Berechnung Auf der Grundlage der Liste der vom Benutzer für die Berechnung ausgewählten Texte, Codes und Berechnungsoptionen wird im zweiten Schritt die Berechnung der Intercoderreliabilität durchgeführt. Diese basiert auf automatischen Such- und Vergleichsroutinen, die in Schleifenform durchlaufen werden. An dieser Stelle werden die Ausführungen auf die Suche nach Überschneidungen beschränkt und vereinfachend dargestellt. Die grundlegende Logik erschließt sich aus der folgenden Grafik: Erfassung von Berechnungsoptionen Die Liste der Textnamen, Codenamen, Kodierernamen und Berechnungsoptionen werden in einer Tabelle VARIABLEN gespeichert. Auf diese Weise wird sichergestellt, dass bei erneutem Aufruf der Berechnungsroutine die Eingaben der letzten Text- und Codeauswahl nicht noch einmal von Hand durchgeführt werden müssen, falls die Berechnung auf gleicher Text- und Codegrundlage wiederholt werden soll. Die Tabelle VARIABLEN wird nach Berechnung ebenfalls ausgeblendet und kann analog der oben beschriebenen Vorgehensweise eingesehen werden.

10 Intercoderreliabilität für MAXqda2 10 Für jeden Text und jeden Code wird überprüft, ob die Codingtabelle sich überschneidende Einträge enthält. Werden diese gefunden, wird ein Zähler heraufgesetzt, dessen Ergebnis nach allen Schleifendurchläufen in die entsprechenden Tabellenzellen der Ergebnistabellen (CÜ) eingetragen werden. Für die Identifikation von Überschneidungen werden drei Varianten geprüft, die später genauer beschrieben werden. Eine Kontrollprozedur verhindert, dass eine Überschneidung aufgrund einer möglichen Zuordnung zu mehr als einer Variante fälschlicherweise mehrfach gezählt wird. Die Summe der Codings des ersten Kodierers (C1) und des zweiten Kodierers (C2) werden auf eine ähnliche Weise ermittelt und hier nicht weiter ausgeführt. Innerhalb der drei Varianten wird bei der Suche nach Überschneidungen zudem geprüft, ob der Überschneidungsbereich mindestens der Größe des vom Benutzer angegebenen Wertes entspricht. Andernfalls wird die Überschneidung nicht gezählt. Überschneidungsvarianten Für Codings von zwei Kodierern sind bezogen auf einen einzelnen Text verschiedene Möglichkeiten von Überschneidungen denkbar. Jede Möglichkeit wurde einem von drei zusammenfassenden Varianten zugeordnet, für die jeweils ein eigener Identifikationsalgorithmus programmiert wurde (vgl. Tabelle). Jede Überschneidungsmöglichkeit ist damit einer der drei Varianten zugeordnet. Jede auftretende Überschneidung fließt nur einmal je nach Variante in die Summe der Überschneidungen (CÜ) ein. Die nachfolgende Tabelle gibt einen Überblick über die möglichen Überschneidungen, ihre Zuordnung zu den drei Überschneidungsvarianten und die zu zählenden Soll-Werte für C1, C2 und CÜ. Variante Beschreibung Identifikationsalgorithmus Typ 1 Typ 2 Typ 3 Coding 2 liegt innerhalb von Coding1 oder beide Codings gleichlang Coding 2 überschneidet zu Beginn von Coding 1 u.a. Coding 2 überschneidet am Ende von Coding 1 u.a. AnfangCoding2 >= AnfangCoding1 und EndeCoding2 <= EndeCoding1 AnfangCoding2 < AnfangCoding1 und EndeCoding2 > AnfangCoding1 EndeCoding2 > EndeCoding1 und AnfangCoding2 < EndeCoding1 Möglichkeit Variante C1 C2 CÜ Möglichkeit Variante C1 C2 CÜ Typ Typ 2 (Typ 3) Typ Typ Typ Typ Typ Typ Sonderfall Sonderfall Typ keine 1 1 0

11 Intercoderreliabilität für MAXqda2 11 Im Falle, dass das erste Coding innerhalb des zweiten liegt, wird nur Typ 2 mit positivem Ergebnis durchlaufen. Die eingebaute Kontrolle eine Zählung nach Typ 3 automatisch. Die in der Tabelle aufgeführten Sonderfälle weisen auf die folgende Problematik hin: Falls ein Coding mehrere Überschneidungen aufweist, stellt sich die Frage nach der Zählweise der Überschneidungen in besonderer Form: Werden alle Überschneidungen gezählt und die Zahl der Codings von Kodierer A und Kodierer B ermittelt, ergeben sich Abweichungen bei der Errechnung des Reabilitätskoeffizienten. Beispiel: In der vorletzten Zeile der obigen Tabelle liegen drei Überschneidungen vor. Kodierer 1 hat drei Stellen kodiert, Kodierer 2 nur eine. Der Reliabilitätskoeffizient hätte demnach den Wert 2 x 3 : (3 + 1) = 1,5. Da beide Kodierer dieselben Stellen kodiert haben (Kodierer 2 allerdings umfangreicher), liegt der Sollwert allerdings bei 1,0. Für diesen Fall wurde eine automatische Bereinigung der Werte für C1 und C2 programmiert, die bei mehreren Überschneidungen die Werte entsprechend anpasst. Dazu wird in jeder der drei Überschneidungsvarianten ermittelt, ob die entsprechenden Codings bereits zuvor als Überschneidung gezählt worden sind. Was bedeutet Überschneidung inhaltlich? Weist ein Coding eines Kodierers mehrere Überschneidungen mit Codings des anderen Kodierers auf, so werden alle Überschneidungen einzeln gezählt und die Gesamtzahl der Codings der einzelnen Kodierer entsprechend angepasst. Bei mehreren Überschneidungen wird das längere Coding sozusagen in einzelne Codings zerlegt, die einzeln als Überschneidung gezählt werden. Theoretisch begründet wird dies damit, dass beide Kodierer an der entsprechenden Stelle denselben Inhalt interpretiert und kodiert haben, einer der beiden jedoch umfangreicher und der andere sequentiell. Eine Übereinstimmung der inhaltlichen Interpretation wird hier angenommen. Erstellung der Ergebnistabellen Die Berechnung der Reliabilitätskoeffizienten erfolgt im letzten Schritt anhand der automatisch ausgefüllten Tabellenzellen der Ergebnis- und Berichtsblätter. Testläufe und Erfahrungswerte Die Programmroutinen wurden mit größter Sorgfalt entwickelt und mit verschiedenen MAXqda2-Datenfiles getestet, um mögliche Fehler schon bei der Entwicklung auszuschließen. Da der Entwickler keine Ausbildung in VBA-Programmierung genossen hat, sind die Routinen größtenteils über Versuch und Irrtum mit anschließenden Testläufen und Korrekturen entstanden. Kleinere MAXqda2- Testfiles mit allen möglichen Überschneidungstypen führten bisher zu den zu erwartenden Ergebnissen. Es kann jedoch nicht ausgeschlossen werden, dass die Programmroutinen unter bestimmten Bedingungen doch zu Fehlern führen könnten. Die Berechnung auf der Grundlage der im Setup enthaltenen Testfiles lag in der Regel im Sekunden- bis einstelligen Minutenbereich. Der Test eines MAXqda2-Files mit 5 Texten, 18 ausgewählten Codes und einer Codingtabelle mit etwa 9000 Codings dauerte etwa 12 Minuten(7 Minuten für den Variablenimport und 5 Minuten für die Berechnung der Intercoderreliabilität).

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