Informationstechnik für Ingenieure

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1 Informationstechnik für Ingenieure Computernetze und Internet Teil 2: Anwendungsschicht Wintersemester 2004/2005 Prof. Dr. Thomas Wieland

2 Übersicht Teil Internet-Anwendungen 2.2 Protokolle der Anwendungsschicht 2

3 2.1 Internetanwendungen

4 Client-Server-Computing Mehrere Clients greifen auf Ressourcen eines (zentralen) Servers zu Varianten: Thick Client Umfangreiche grafische Applikation auf Client nur wenig Datenverkehr mit Server Anwendungslogik auf dem Client Thin Client Einfache Applikation auf Client Umfangreicherer Datenverkehr mit Server Anwendungslogik weitgehend auf dem Server Ultra-thin Client Client übernimmt nur Darstellung der Inhalte und Behandlung von Benutzereingaben Vollständige Aufbereitung der Darstellung auf dem Server, umfangreicher Datenverkehr (Web-Applikation) Anwendungslogik vollständig auf dem Server 4

5 Client/Server-Interaktion im Netz Quelle: Kurose/Ross: "Computernetze" 5

6 Client-Server-Verbindungen Grundlegende Voraussetzungen: Leistungsfähige Endgeräte "Einfache" Entwicklung von Anwendungen für Endgeräte Schnelle und unkomplizierte Kommunikation Ggf. auch über drahtlose Netze Situation heute C/S-Modell Standard bei Web- und Unternehmensanwendungen Drahtlose Datenverbindungen langsam, teuer und unzuverlässig Vorwiegend "thick clients" bzw. Browser Ziel Robuste, preisgünstige, überall verfügbare Datenverbindungen Web-Applikation mit mobilen Endgeräten ("Ultra-thin clients") 6

7 Design von Client/Server- Applikationen Keine überflüssigen Daten (wie Bilder) verschicken, wenn es auch mit einer URL geht Auf Latenzzeiten beim Server achten Einsatz von Caching, wo immer es möglich ist Wenn andere Aufgaben blockiert werden könnten, auf asynchrone Kommunikation ausweichen Beim Client die Möglichkeit des Serverausfalls beachten und entsprechende Fehler abfangen Statt in jedem Aufruf ein Datum abzufragen, mehrere Daten in einen Aufruf zusammenfassen Ziel: Zahl der Aufrufe minimieren 7

8 Anforderungen an Netzanwendungen Anwendung Datenverlust Bandbreite zeitsensitiv Filetransfer Kein Verlust Elastisch Nein Kein Verlust Elastisch Nein Web-Dokumente Kein Verlust Elastisch (wenige kbps) Nein Echtzeitaudio/-video Verlusttolerant Audio: wenige kbps bis 1Mbps Ja, einige hundert ms Video: 10 kbps bis 5 Mbps Gespeichertes Audio/Video Verlusttolerant wie oben Ja: wenige Sekunden Interaktive Spiele Verlusttolerant Bis zu 10 kbps Ja, einige hundert ms Finanzanwendungen Kein Verlust Elastisch Tlw. 8

9 2.2 Protokolle der Anwendungsschicht

10 HTTP Protokoll des World Wide Web Textbasiert, einfaches Format Lose Kopplung zwischen Client und Server Client sendet Anfrage, die der Server beantwortet Verbindung zwischen Anfragen nur durch Zusatzaufwand möglich Session management, z.b. mit Cookies, URL-IDs etc. Transportiert textuelle und binäre Inhalte Get /somedir/page.html HTTP/1.1 Host: Connection: close User-Agent: Mozilla/6.0 Accept-language: de (Daten) 10

11 SMTP (Simple Mail Transfer Protocol) Protokoll für Übermittlung von s Definition des Formats des Mailheaders der Kommandosyntax der Rückmeldungen von Empfängern von SMTP-Kommandos typischer Ablauf: Öffnen einer TCP-Verbindung durch Absender Senden der Identifikation des Absenders der Nachricht (MAIL) Senden der Identifikation der Empfänger (RCPT) Übermittlung der Nachricht (DATA) Schließen der TCP-Verbindung (QUIT) Probleme: keine Sonderzeichen wegen Beschränkung auf 7-Bit-ASCII keine Übermittlung von Binärdateien 11

12 Format einer SMTP-Nachricht HELO <hostname> MAIL FROM: < -Adresse des Absenders> RCPT TO: < -Adresse des Empfängers> DATA From: < -Adresse des Absenders> To: < -Adresse des Empfängers> Subject: <Betreff> Nachricht mit beliebig vielen Zeilen. QUIT Leerzeile zur Trennung von Header und Nachricht Punkt als Endezeichen der Nachricht 12

13 MIME (Multipurpose Internet Mail Extensions) Erweiterung der Headerdefinition aus SMTP durch genauere Beschreibung des Nachrichteninhalts Content-Transfer-Encoding: Beschreibung der Codierung, um Übermittlung per SMTP zu ermöglichen 7bit, 8bit, binary, quoted-printable, base64, x-token Content-Type: Art der übermittelten Daten Typ Subtyp Beschreibung Text Plain Unformatierter ASCII-Text Richtext ASCII-Text mit einfachen Formatierungen Im age Gif Standbild im GIF-Format Jpeg Standbild im JPEG-Format Audio Basic Klangdaten Video Mpeg Bewegtbilder im MPEG-Format A p plication O ctet-stream N icht interpretierbare B ytefolge Postscript Druckbares Dokum ent im Postscript-Form at Mixed Unabhängige Teile in der angegebenen Reihenfolge A lternative G leiche N achricht in verschiedenen Form aten M ultipart Informationstechnik für Ingenieure - Computernetze, Parallel Wintersemester Teile 2004/2005 m üssen gleichzeitig ausgegeben werden Digest Jeder Teil bildet vollständige Nachricht 13

14 Mail-Zugangsprotokolle POP3 Post Office Protocol, Vers. 3 Drei Phasen: Autorisierung Benutzername und Passwort gesendet Transaktion Nachrichten abrufen Nachrichten zum Löschen markieren Mail-Statistiken ausgeben Aktualisierung Nach dem "quit" des Clients Löschen der markierten Nachrichten IMAP Internet Mail Access Protocol Ermöglicht mehrere Mail- Ordner auf dem Server Jeder Benutzer hat Ordner- Hierarchie Server bietet Suchmöglichkeiten Auch nur Teile einer Nachricht (Header, MIME- Part) können abgerufen werden 14

15 SNMP (Simple Network Management Protocol) Protokoll zur Netzwerkverwaltung Unterstützung für Datenanalyse, Fehlerbehebung... Abfrage und Setzen von Parametern sog. Agenten Benachrichtigung des Netzwerkmanagers über besondere Vorkommnisse momentan vorwiegend SNMPv2 (1996 als Standard verabschiedet) im Einsatz SNMPv3 im März 2002 verabschiedet zusätzlich Unterstützung für Authentifikation, Verschlüsselung und Zugangskontrolle 15

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