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1 VORWORT Nachdem ich wiederholt öffentlich die These vertrat, ein dauerhaftes Single-Dasein verdanke sich keineswegs dem Zufall, sondern sei von den Betroffenen selbst herbeigeführt, brandete unter Lesern und in Internetforen eine angeregte Diskussion auf. Bei allen Protesten leuchtete meine provokative These aber auch vielen Betroffenen ein, und meine Beratungspraxis erhielt fortan regen Single-Zulauf. Kamen bisher vorwiegend Paare, um ihre Beziehung zu verbessern oder zu retten, wollten jetzt auch zahlreiche Alleinstehende für sich herausfinden,»warum es nicht klappte«oder andersherum: wie sie ihr Single-Dasein selbst herbeiführten und Beziehungen erfolgreich verhinderten. Tun Singles das tatsächlich? Aber ja, auch wenn sie es natürlich unabsichtlich tun! Das einzusehen, fällt nicht unbedingt leicht. Wer ein Problem mit seinem Partner hat, der weiß zumindest, dass er diesen gewählt hat und niemand anderen verantwortlich dafür machen kann, gerade diesen Partner zu haben und keinen anderen. Bei Singles verhält es sich ebenso. Auch der Single wählt. Er wählt allerdings nicht aus, sondern ab. Er wählt»diesen nicht«und»jenen nicht«und»den schon gar nicht«. Er wählt sein Alleinsein.

2 ablehnende Reaktion hervorrufen. Mit seinem schnellen Urteil will sich der suchende Single nun erneute Unannehmlichkeiten, Frust oder gar Schmerzen ersparen. Seine Gefühlswelt sperrt sich mit Händen und Füßen dagegen, sich mit einem derart unmöglichen Partner weiter einzulassen. Er ist sich sicher:»wenn ich einen sächselnden Partner habe, werden mich meine Freunde auslachen«,»wer die Rechtschreibung nicht beherrscht, hat einen einfältiges Wesen«oder»Wer weiße Socken trägt, ist geschmacklos und altmodisch«. Das Schnellgericht beruft sich auf Überzeugungen von der Bedeutung eines Merkmals, wie sie in der Vergangenheit entstanden sind. Die negativen Gefühle gelten aber dem Merkmal und eben nicht der Person, die dem suchenden Single gegenwärtig gegenüber steht. Das aber interessiert den suchenden Single wenig. Wer einen Schnellrichter zur Revision seines Urteils bewegen möchte, könnte ebenso eine Katze baden wollen. Es wird ihm nicht gelingen, weil der suchende Single sich sicher ist:»das kann nicht gut gehen.das brauche ich mir nicht anzutun.da kannst du sagen, was du willst.damit kenne ich mich aus.das lassen wir mal lieber.das hat keinen Sinn!«Damit will ich nicht sagen, dass jedes Aussortieren falsch wäre. Aber ob es richtig oder falsch ist, lässt sich sehr selten sofort erkennen, und

3 wenn das Urteil zu schnell fällt, wird man nicht erfahren, ob es angebracht war. Schnell kennenlernen, schnell urteilen Wie rasant Urteile vor dem Schnellgericht gefällt werden, lässt sich beim Speed-Dating erkennen, bei dem Singles nur einige Minuten Zeit für einen ersten Kontakt haben. Jeder testet sein Gegenüber blitzschnell ab, sucht nach ersehnten, erwarteten Merkmalen und bleibt am Störenden hängen. Er fokussiert selbst bei diesem kurzen Kontakt auf störende Merkmale, er starrt den Pickel an und übersieht den schönen Mund. Damit schiebt sich der Schatten einer Vergangenheit zwischen ihn und den Partner. Aber daran lässt sich seiner Meinung nach selbst dann nichts ändern, wenn der Schnellrichter sein Urteil bemerkt. Gegen seine Gefühle, so meint er, komme er nicht an. Außenstehende mögen den Kopf schütteln ob der Sicherheit des suchenden Singles, ob der Starrheit seines Urteils, ob der Sturheit, mit der er seine Gefühle verteidigt. Männer mit weißen Socken können anregende Partner sein, Schamhaare weisen nicht auf einen verkommenen Charakter hin. Das ändert nichts. Es scheint dem suchenden Single in solchen Situationen unmöglich, von seinen Erfahrungen abzusehen oder seine Gefühle zu relativieren. Ganz im

4 Gegenteil hält er sich für konsequent, wenn er den Partner jetzt schon aussortiert. Doch natürlich kann der suchende Single an seinen Gefühlen etwas ändern, er weiß nur nicht, wie er das anstellen soll. Aber dazu später mehr. Zuvor möchte ich mich der nächsten Phase auf dem Weg zu einer Beziehung widmen: der Anbahnungsphase. Obwohl es eigentlich an ein Wunder grenzt, dass potenzielle Partner überhaupt so weit kommen so viel, wie in der Kontaktphase aussortiert wird! PHASE 3: ES BAHNT SICH ETWAS AN Überlebt eine Beziehung die Kontaktphase, gerät sie in die Anbahnungsphase. In dieser dritten Phase ergeben sich erste bindende Gefühle. Die Partner hatten wiederholt schönen Kontakt, vielleicht hatten sie intensive erotische Begegnungen oder tolle Gespräche. Allmählich wird es ernster und verbindlicher, man rückt näher aneinander. Aufgrund der aufkeimenden Bindung verbringen die potenziellen Partner mehr Zeit miteinander und lernen sich besser kennen. Sie erhalten weitere Einblicke in

5 das Leben des anderen, in Gewohnheiten und Vorlieben, und erfahren dessen Sehnsüchte, Träume und Pläne. Das kann gut gehen doch bei dauerhaft suchenden Singles wird spätestens in dieser Phase endgültig aussortiert. Sonst hätten sie eine Beziehung und bräuchten nicht mehr zu suchen. Allerdings unterscheidet sich die Art und Weise des Aussortierens von der in den beiden ersten Phasen. Die suchenden Singles entwickeln sich jetzt zu echten Tätern. Sie trennen sich nicht wegen ausbleibender Sympathie oder weil keine guten Gefühle entstanden wären. Sie trennen sich trotz guter Gefühle. Sie schneiden sich sozusagen ab. Das macht diese Phase besonders interessant und aufschlussreich. Diese kurze Beschreibung deutet schon an, dass die Abläufe in der Anbahnungsphase komplexer sind als jene in der Kontaktphase und einer ausführlicheren Schilderung bedürfen. Diese werde ich im nächsten Kapitel»Der Single als Fallensteller«(siehe >) anhand von konkreten Beispielen der Partnersuche liefern und dabei typische Verhaltensweisen und deren Folgen darlegen. In jedem dieser Beispiele werde ich folgende Fragen beantworten: Welche Erwartungen stehen auf der Checkliste des suchenden Singles? Welche Strategien wendet er an, um diese

6 Erwartungen durchzusetzen? Welchen Eindruck macht er auf sein Gegenüber und welche Reaktion ruft er damit hervor? Zuvor möchte ich noch einige allgemeine Bemerkungen zur Checkliste, zu den Strategien des suchenden Singles und zu den Reaktionen seines Gegenübers machen. Die innere Checkliste Um in der Anbahnungsphase erfolgreich auszusortieren, zückt der suchende Single seine innere Checkliste. Auf ihr befinden sich sowohl bewusste als auch unbewusste Erwartungen. Erfüllt der potenzielle Partner eine Erwartung, kann dieser Punkt abgehakt werden, und der Test läuft weiter. Die Checkliste enthält aber auch No-Goods und No-Gos. Das sind Dinge, die der suchende Single nur schwer oder gar nicht akzeptieren kann, die»noch gehen«oder»gar nicht gehen«. Was kann auf einer Checkliste konkret an positiven Erwartungen und auch an No-Goods oder No-Gos stehen? Der Partner soll beispielsweise nicht rauchen oder Raucher sein; in der Wohnung die Türen nicht offen lassen; Kinder wollen; den Klodeckel runterklappen; größer oder kleiner sein; geschmackvoll

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