BIS-ETHIKKODEX FÜR BIBLIOTHEKARE UND INFORMATIONSFACHLEUTE 1

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1 BIS-ETHIKKODEX FÜR BIBLIOTHEKARE UND INFORMATIONSFACHLEUTE 1 Um die Lektüre des Dokuments zu erleichtern und die Lesbarkeit zu erhöhen, wird die männliche Form verwendet, die sowohl Männer als auch Frauen einschliesst. PRÄAMBEL Dieser Ethikkodex richtet sich an BIS-Einzelmitglieder, ungeachtet ihrer beruflichen Qualifikationen und Tätigkeiten. Gemeinsam mit der Charta der Institution, die die Aufgaben einer dokumentarischen Einrichtung festhält und ihre grundlegende Funktionsweise definiert, bestimmt er ihre Positionierung in der Informationsgesellschaft. Er bezieht sich weitgehend auf den IFLA-Ethikkodex, dessen Grundsätze und Werte er teilt, und hat folgenden Zweck: die Auseinandersetzung der mit der eigenen Berufspraxis zu fördern und im beruflichen Alltag als Orientierungshilfe zu dienen; das Auseinandersetzen mit jenen Prinzipien zu unterstützen, auf deren Grundlage Richtlinien erarbeiten, welche zur Lösung ethischer Konflikte sowie zur Unterstützung des eigenen Standpunktes dienen; das berufliche Selbstverständnis zu verbessern und die Werte der zu vertreten ; gegenüber Nutzern und der Gesellschaft insgesamt Transparenz zu schaffen.. Dem Kodex liegen folgende Überzeugungen zugrunde: Die Notwendigkeit, Ideen und Informationen auszutauschen, wird in einer seit Jahrhunderten an Komplexität zunehmenden Gesellschaft immer wichtiger. In der Gesellschaft ist es die Aufgabe von Informationseinrichtungen und n, den Zugang zur Information zu gewährleisten und deren Verbreitung zu fördern. Zum Kern des Bibliothekswesens gehört es, Informationsdienstleistungen im Interesse des sozialen, kulturellen und wirtschaftlichen Wohlergehens bereitzustellen. Daraus folgt, dass soziale Verantwortung tragen. Artikel 19 der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte der Vereinten Nationen von 1948 (genauso wie Artikel 16 der Bundesverfassung) befasst sich ausdrücklich mit dem Recht, Meinungen ungehindert anzuhängen sowie über Medien jeder Art und ohne Rücksicht auf Grenzen Informationen und Gedankengut zu suchen, zu empfangen und zu verbreiten. Dies bildet für die Basis für eine moderne und fortschrittliche Berufspraxis. Die besondere Bedeutung der Informationsrechte wiederum verpflichtet, relevante Gesetze einer prinzipiellen und kritischen Analyse zu unterziehen und sich im Bedarfsfall bei den politischen Verantwortlichen für die Verbesserung sowohl der Gesetzesinhalte selbst als auch ihrer Auslegung einzusetzen. Sie ermuntert sie ebenfalls, eine konstruktive Interessensgruppe zu bilden, der die 1 Um die Lektüre zu erleichtern, wird im restlichen Text der allgemeinere Begriff verwendet. 1

2 Verbesserung der Rahmenbedingungen, in denen tätig sind, anstrebt. Die weiteren Aussagen dieses Ethikkodex stützen sich auf die in der Präambel dargelegten Grundsätze mit dem Ziel, Empfehlungen für das angemessene Verhalten von Fachpersonal zu präsentieren. Die BIS wird die Entwicklungen der Informationspraxis verfolgen und diesen Kodex bei Bedarf überarbeiten. 1. ZUGANG ZU INFORMATIONEN Zur Kernaufgabe von n gehört es, den Zugang zu Informationen für alle zu gewährleisten zum Zwecke der persönlichen Entwicklung, Bildung, kulturellen Bereicherung, Freizeitgestaltung, Wirtschaftstätigkeit, der informierten Teilnahme an demokratischen Prozessen sowie der Festigung demokratischer Strukturen. In diesem Zusammenhang respektieren sie auch die sprachlichen Minderheiten eines Landes und ihr Recht auf Zugang zu Informationen in der eigenen Sprache Lehnen jegliche Form von Zugriffsverweigerungen und -einschränkungen auf Informationen und Ideen ab, insbesondere Zensurmassnahmen. Sie beschaffen, verarbeiten und verbreiten Informationen daher ganz ohne Zwang. bemühen sich darum, den kostenfreien Zugang zu ihren Beständen und Dienstleistungsangeboten zu ermöglichen. machen auf ihre Bestände und Dienstleistungen aufmerksam, damit aktuelle und potentielle Nutzer sich der Existenz und Verfügbarkeit dieser Angebote bewusst werden. ermöglichen allen auf die wirkungsvollste Weise den Zugang zu ihren Beständen und Dienstleistungen. Daher bemühen sie sich darum, dass die Webseiten von Informationseinrichtungen den internationalen Standards der Zugänglichkeit und Barrierefreiheit entsprechen. unterstützen und leisten ihren Beitrag zur Transparenz, sowohl der Informationen als auch ihrer Berufspraxis. 2. VERANTWORTUNG GEGENÜBER EINZELNEN UND DER GESELLSCHAFT Um Integration zu fördern und Diskriminierung zu beseitigen, setzen sich dafür ein, dass das Recht auf Zugang zu Informationen allen gewährleistet wird und dass identische Dienstleistungen für jeden zugänglich sind ohne irgendeiner Form von Benachteiligung. strukturieren und präsentieren Inhalte auf eine Weise, die es eigenverantwortlichen Nutzern ermöglicht, benötigte Informationen zu finden. Sie helfen den Nutzern und unterstützen sie bei der Informationsrecherche. bieten Dienstleistungen zur Förderung der Informationskompetenz an, 2

3 einschliesslich der Fähigkeit, Informationen zu identifizieren, zu lokalisieren, zu bewerten, zu ordnen, zu erzeugen, zu nutzen und zu kommunizieren. Sie tragen massgebend zum lebenslangen Lernen bei. Sie fördern ausserdem den ethischen Gebrauch von Informationen. achten insbesondere auf spezielle Nutzergruppen, die eines besonderen Schutzes bedürfen. Als Hüter von überliefertem Kulturgut sorgen in Übereinstimmung mit den Zielen ihrer Institution für sachgerechte Erhaltung und Aufbewahrung der ihnen anvertrauten Sammlungen. nutzen auf effiziente, die Umwelt respektierende Weise die Ressourcen und Mittel, welche ihnen zur Verfügung stehen. 3. PRIVATSPHÄRE, VERTRAULICHKEIT Das Verhältnis zwischen Informationseinrichtung und Nutzer ist vertraulich. respektieren die Privatsphäre und den Schutz der persönlichen Daten, die zwischen Nutzern und Informationseinrichtungen geteilt werden. Sie treffen die gebotenen Massnahmen, die gewährleisten, dass Nutzerdaten nicht über die ursprüngliche Zweckbestimmung hinaus zugänglich sind. 4. OPEN ACCESS UND GEISTIGES EIGENTUM Es liegt im Interesse von n, Nutzern den bestmöglichen Zugang zu Informationen und Ideen unabhängig von Medium und Format anzubieten. Sie unterstützen die Grundsätze von Open Access, Open Source und Open Licence. zielen darauf, Nutzern ausreichenden, schnellen, wirtschaftlichen und effektiven Zugang zu Informationen zu ermöglichen. arbeiten partnerschaftlich mit Autoren, Verlagen und sonstigen Schöpfern urheberrechtlich geschützter Werke zusammen. Sie erkennen deren geistige Eigentumsrecht an und setzen sich dafür ein, dass deren Rechte respektiert werden. Gleichzeitig verteidigen sie die Ausnahmen und Einschränkungen von Urheberrechtsrestriktionen für Informationseinrichtungen. handeln im Namen ihrer Nutzer die günstigsten Bedingungen in Bezug auf den Zugang zu Werken aus und setzen sich dafür ein, dass der Zugang nicht unnötigerweise durch die Verwaltung von Urheberrechten aufgrund der missbräuchlicher Auslegung der Gesetze des geistigen Eigentums oder einschränkender technischer Hilfsmittel verhindert oder behindert wird. Sie vergewissern sich, dass Lizenzen nicht die in nationaler Gesetzgebung garantierten Ausnahmen für Informationseinrichtungen ausser Kraft setzen. Sie ermutigen Regierungen, gesetzliche Grundlagen im Bereich des geistigen Eigentums zu schaffen, die auf angemessene Weise einen Ausgleich zwischen den Interessen von Rechteinhabern und Informationseinrichtungen, die in deren Dienst stehen, ermöglichen. 3

4 setzen sich auch dafür ein, dass urheberrechtliche Bestimmungen grundsätzlich zeitlich eingeschränkt werden und dass Informationen, die als Public Domain öffentliches Gemeingut geworden sind, weiterhin öffentlich zugänglich und kostenfrei bleiben. Sie bemühen sich, das Eigentumsverhältnis ihrer Daten beizubehalten, und unterstützen Initiativen, die den Fortbestand des Kulturguts, egal in welcher Form sich dieses präsentiert, garantieren. 5. NEUTRALITÄT, PERSÖNLICHE INTEGRITÄT UND FACHKOMPETENZ sind dazu verpflichtet, hinsichtlich Bestand, Benutzung und Dienstleistungsangebote eine neutrale und unvoreingenommene Haltung einzunehmen. Neutralität ist die Grundlage dafür, dass Bestand und Zugang zu Informationen so ausgewogen wie möglich sind. definieren und veröffentlichen ohne Zwang Richtlinien zu Auswahl, Organisation, Archivierung, Bereitstellung und Vermittlung von Informationen. unterscheiden zwischen ihren persönlichen Überzeugungen und ihren beruflichen Pflichten. Sie stellen ihre privaten Interessen oder persönlichen Überzeugungen zugunsten des Neutralitätsgebots zurück. haben das Recht auf freie Meinungsäusserung am Arbeitsplatz, vorausgesetzt, das Neutralitätsgebot gegenüber Nutzern ist dadurch nicht gefährdet. bekämpfen Korruption in ihrem eigenen beruflichen Umfeld, beispielsweise in den Bereichen Beschaffung und Lieferung von Informationen und Dokumenten, der Besetzung von Stellen in Informationseinrichtungen und der Verwaltung von Verträgen und Finanzen. streben nach beruflicher Exzellenz, indem sie das Wissen und die Kompetenzen, die für die Ausübung ihres Berufs notwendig sind, erwerben, pflegen, aktualisieren und vertiefen. Sie profitieren von Fort- und Weiterbildung und fördern den guten Ruf des Berufsstandes, indem sie die Qualität ihrer Dienstleistungsangebote durch das Verwenden höchstmöglicher Standards sicherstellen. setzen sich für die Anerkennung ihrer Berufes ein und fördern den Einsatz von qualifiziertem Personal in ihren Informationseinrichtungen. 6. BEZIEHUNGEN ZU KOLLEGEN UND ZWISCHEN VORGESETZTEN UND MITARBEITERN gehen fair und respektvoll miteinander um. Sie konkurrieren nicht mit ihren Kollegen mittels unfairer Methoden und fördern die Zusammenarbeit und die Dialogbereitschaft am Arbeitsplatz. Lehnen jegliche Diskriminierung am Arbeitsplatz und bei der Anstellung ab und setzen sich dafür ein, dass Männer und Frauen gleichen Lohn für gleiche Arbeit erhalten. 4

5 teilen ihre Berufserfahrung mit ihren Kollegen, geben ihr Wissen weiter, helfen und unterstützen neue Arbeitskollegen, sich in die Berufsgemeinschaft zu integrieren und ihre Kompetenzen zu erweitern. sind in ihrem Berufsverband aktiv und beteiligen sich an Forschung und Veröffentlichungen zu fachbezogenen Fragestellungen besitzen ein berufliches Netzwerk und erleichtern die Zusammenarbeit zwischen n und -einrichtungen. bemühen sich um ein hohes Ansehen und streben nach Anerkennung aufgrund ihrer Professionalität und ihres ethischen Verhaltens. 5

6 Mitglieder der Arbeitsgruppe BIS, die an der Erarbeitung des Kodex mitgearbeitet haben: Jean-Philippe ACCART Chargé de recherche, Bibliothèque et Archives de Lausanne Président de l agbd Christophe BEZENÇON Assistant d enseignement HES HEG-Genève, Département Information documentaire Membre du Comité de l agbd Britta BIEDERMANN Head Librarian Universität Zürich, Soziologisches Institut, Bibliothek Member of IFLA Social Science Libraries Standing Committee Rachel BIRRI BLEZON Bibliothécaire-système - Coordination Alexandria Bibliothèque Am Guisanplatz, Bern Benigno DELGADO Documentaliste responsable docip Centre de documentation, de recherche et d'information des peuples autochtones, Genève Florent DUFAUX Adjoint scientifique Bibliothèques municipales de la Ville de Genève Cellule Études et projets Myriam ERWIN Collaboratrice scientifique Archives fédérales suisses Michel GORIN, président du Groupe de travail Chargé d enseignement HES HEG-Genève, Département Information documentaire Vice-président de la CLP Benita IMSTEPF Direktorin Médiathek Wallis Brig Mitglied des SAB-Vorstandes Danielle MINCIO Conservateur des manuscrits et responsable PAC Bibliothèque cantonale et universitaire, Lausanne 6

7 Chair of the IFLA Preservation and Conservation Section Former Member of IFLA Governing Board Hélène MONDIA Cinémathèque suisse Lausanne Sandrine PERNIER Responsable bibliothèques hepia, Genève Marie-Aude PYTHON Responsable de l'unité Projets Transversaux Direction du Département de la culture et du sport de la Ville de Genève Guy ROLAND Responsable Université de Genève, Bibliothèque de théologie Jürg SCHLEGEL Systembibliothekar Universität Zürich, Hauptbibliothek Sandrine THALMANN Lib4RI - Library for the Research Institutes within the ETH Domain: Eawag, Empa, PSI & WSL Birmensdorf Marie-Claude TROEHLER Directrice Bibliothèque communale de Nyon Membre du Comité de BiblioVaud Amélie VALLOTTON PREISIG Alliance Sud Lausanne, Centre de documentation Membre de IFLA/FAIFE et membre du groupe de rédacteurs du code de l'ifla MG/6. März

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