Konzept der Krankenabteilung der Jungtäter-Anstalt Vechta:

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1 1 Konzept der Krankenabteilung der Jungtäter-Anstalt Vechta: 1) Geschichte: Das Lazarettgebäude wurde Anfang des 20. Jahrhunderts geplant und erbaut; seit fast 100 Jahren befindet sich die Krankenabteilung in diesem Gebäude. Dieses zeigt auch der eingemauerte Äskulap- Stab über dem Haupteingang. Ursprünglich befand sich im Erdgeschoß der ambulante Bereich, im 1. Stock der stationäre Bereich. Nach dem 2. Weltkrieg wurde der Flächenbedarf der "Medizin" auf ein Stockwerk reduziert wurde weiter verkleinert; die Krankenabteilung belegte nur noch 70% der Fläche im 1. Obergeschoß. Im November 2003 wurde die Krankenabteilung erneut renoviert und belegt seitdem zu 100 % das Erdgeschoß mit ambulanten und stationären Bereich. Im 1. und 2. Stock wurde gleichzeitig (2003) die Sozialtherapie" neu eingerichtet. Von der engen räumlichen und auch personellen Verzahnung profitieren beide Abteilungen. Leiter der Krankenabteilung ist Frau Dr. Jutta Fels -Fachärztin für Allgemeinmedizin. 2) Personalausstattung: 1 Leitende Ärztin (hauptamtliche Vollzeit-Stelle), 8 Sanitäter, 1 Ärztin für Psychiatrie (Konsiliardienst - 4 Std. wöchentlich), 1 Vertrags-Zahnärztin, 1 externer Krankengymnast. Das Team der Krankenstation wird erweitert durch einen Psychologen, einen Sozialarbeiter und durch den VAL (Vollzugs-Abteilungsleiter). Dieser ist für die Regelung der formal-vollzuglichen Dinge der Gefangenen auf der Krankenstation zuständig. 2

2 3) Sachausstattung: Wie in einer modernen Allgemeinpraxis auch mit Akut-Labor (Reflotron), EKG, Sonografie, UV-Bestrahlungsgerät, KW-Gerät, Interferenz-Reizstrom-Massage-Gerät und AED-Geräte (AED=automatischer externer Defibrillator). Kleinere chirurgische Eingriffe (Warzen etc.) können vor Ort durchgeführt werden. Behandlungsraum (Verbandsraum) Physiotherapie Labor Zusätzlich existiert ein separater Zahnarzt-Bereich (Zahnarzt-Praxis). Die Vertrags-Zahnärztin hält zweimal pro Woche (montags u. mittwochs) hier ihre Zahnarzt-Sprechstunde ab. Zahnarztraum Weiterhin existiert eine Spezial-Toilette zur Überwachung bei der Abgabe von Urin-Kontrollen, die auf Drogen untersucht werden sollen. 3

3 4) Ambulanter Bereich: (2 Wartezimmer) Täglich werden Patienten während der Sprechstunden vom Arzt behandelt; (inklusive Neuaufnahmen, Therapie-Gutachten, etc.) Flur Krankenabteilung Arztsprechzimmer Täglich werden zusätzlich Patienten durch die Sanitäter versorgt: z.b. Medikamenten-Vergabe bis zu 5 x täglich, Methadon-Vergabe, meisten Medikamente müssen in flüssiger Form unter Schluckkontrolle verabreicht werden!), Bestrahlungen, Reizstrom-Massagen, Verbände, Labor-Kontrollen, Urin-Kontrollen, etc. (die 5) Stationärer Bereich (6 Betten in 4 Einzelhafträumen und 1 Doppelhaftraum) a) Aufnahme von körperlich kranken Gefangenen: z.b. frische Infektionskrankheiten, (akute ansteckende Hepatitis, Krätze, Röteln, Windpocken, o.ä.); Nachbehandlung von meistens recht früh aus dem öffentlichen Krankenhaus entlassenen Gefangenen (z.b. Zuckerkranke, Knochenbrüche, Blinddarm-OP, Drogen-Intoxikationen, Herz-OP etc.) b) Aufnahme von psychisch kranken Gefangenen: z.b. mit chronischer Psychose, die häufig unter der Haftsituation dekompensieren und mit Selbstverletzungen und Selbstmordversuchen darauf reagieren; auch Gefangene mit schweren Depressionen, akuten Haftreaktionen", "posttraumatischen Belastungsstörungen, "Angst- Neurosen" und "Suizid-Neigungen" zeigen ähnliche Symptome. Flur Krankenstation 4

4 Behandlungskonzept auf der Krankenstation (stationärer Bereich): Auf der Krankenstation besteht ein therapeutisches Klima, bei dem der Patient durch Gruppengespräche, intensive Betreuung und durch die kleine Gemeinschaft lernt, mit seinen Stärken und Schwächen besser umzugehen. Küche / Gruppenraum der Krankenstation Milieutherapie: Tagsüber offene Türen, Wohngruppenvollzug gemeinsames Essen in der Stationsküche, erfahrene Sanitäter nehmen als Betreuer daran teil. Gruppengespräche: (alle 14 Tage) mit psychologisch erfahrenen Sanitätern; auch der Pastor, der Sozialarbeiter und der VAL nehmen zeitweilig daran teil. Alle 6 Gefangene auf der Krankenstation sollen (falls möglich) daran teilnehmen! Einzelgespräche mit dem Arzt, der Psychiaterin und dem Psychologen. Arbeits- und Beschäftigungstherapie ist seit Oktober 2004 möglich. Pädagogische Maßnahmen: Schulische Fördermaßnahmen Strukturierte Freizeitaktivitäten, wie z.b. Kochen, Basteln, Sport Soziales Training: angeboten durch den Sozialarbeiter der Sozialtherapie, Krankenzimmer P.S.: Um die Nachtruhe der kranken Gefangenen zu gewährleisten und zur Einübung eines normalen Schlaf-Wach-Rhythmus wird der Strom für die Fernseher der Krankenstation nachts von 0-6 Uhr (per Zeitschaltuhr) abgeschaltet. 5

5 6) Besondere Problemfelder: 1) Hepatitis C: Es gibt eine große Anzahl Gefangene, die an chronischer Hepatitis C erkrankt sind. Ursache ist meistens die intravenöse Drogensucht. Eine Kombinations-Therapie mit Interferon und Ribaverin über 6 Monate kann über das JVK vermittelt werden. Eine akute Drogensucht oder schwerwiegende Depressionen gelten allerdings als Kontraindikationen für eine Interferon- Therapie. 2) Psychisch labile Gefangene mit LKH-Erfahrung: Es gibt leider, zunehmend, psychisch labile Gefangene im Vollzug: Viele, die nicht krank genug sind, um dauerhaft im LKH untergebracht zu werden; die aber leider auch nicht gesund und stabil genug sind, um den normalen Streß einer normalen Haft ertragen zu können. Diese reagieren darauf häufig mit Selbstverletzungen, Depressionen, Selbstmordversuchen und Fremdkörper-Schlucken. Sie benötigen deshalb eine intensive personelle Betreuung, ggf. auch eine medikamentöse Behandlung und möglichst auch eine räumlich ansprechende Umgebung. Dieses ist auf der Krankenstation gegeben. 3) Drogensüchtige Gefangene: Der körperlicher Entzug von harten Drogen wird (medikamentös gestützt) hier in der JVA durchgeführt; eine Einweisung dafür auf eine externe Intensivstation bzw. auf eine geschlossene Abteilung eines LKH=Landeskrankenhauses ist deshalb nicht notwendig! Bei unseren Jungtätern (18-26 Jahre alt) sollte eine Abstinenz-orientierte Langzeit-Therapie im Vordergrund stehen. Eine Methadon-Dauer-Substitution wird nur in Ausnahmefällen durchgeführt; (z.b. bei HIV-HCV-Infizierten, die weiterhin frische Einstiche während der Haft zeigen). Drogensüchtige Gefangene der Jungtäter-Anstalt Vechta haben hier eine reelle Chance, nach - dem körperlichen Entzug - das Leben ohne Drogen wieder zu erlernen! Wenn der Gefangene es will, kann er die Anstalt clean verlassen. Über die interne Suchtberatung kann er bei entsprechenden Vorraussetzungen gemäß 35 BtMG in eine "externe Therapie" vermittelt werden. Dann hat die Haftzeit für ihn einen großen Nutzen und auch einen Sinn gehabt! 4) Alkoholsüchtige Gefangene: (selten bei den Jungtätern) Der Alkoholentzug wird ebenfalls hier vor Ort in der JVA-Vechta durchgeführt, eine externe intensivmedizinische Überwachung entfällt dadurch in der Regel. Die interne Suchtberatung kümmert sich dann auch um diese Patienten bei der Vermittlung in "externe Therapien". 5) Notfallversorgung: Durch das AED-Gerät (Automatischer Externer Defibrillator), Herzmassagen und die Anwendung von Atemspende konnte die Notfall-Versorgung in der JVA weiter verbessert werden und bereits mehrfach konnten Gefangene erfolgreich reanimiert werden. Die schnelle Alarmierung der Sanitäter im Haus bei einem Notfall ist gewährleistet. Regelmäßig finden auch Schulungen des Vollzug-Personals in "Erster Hilfe" statt. JVA-Vechta (Jungtäteranstalt) Stand: Juli 2014

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