2.1 Einleitung Gegenstand der Psychologie Ziele der Psychologie Beschreiben... 4

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1 Praktische Psychologie Lernheft 2 Grundlagen Psychologie Inhaltsverzeichnis 2.1 Einleitung Gegenstand der Psychologie Ziele der Psychologie Beschreiben Erklären Vorhersagen Kontrolle Verbesserung der Lebensqualität Selbstlernaufgaben Zusammenfassung Hausaufgabe Lösung zu den Selbstlernaufgaben Anhang... 9 Copyright Laudius GmbH DE

2 2.1 Einleitung In diesem Lernheft werden Sie mehr über den Gegenstandsbereich der Psychologie das Erleben und Verhalten erfahren, beide voneinander unterscheiden und in Beziehung zueinander setzen. Nachdem Sie sich mit dem Gegenstandsbereich der Psychologie vertraut gemacht haben, besteht die nächste Aufgabe darin, die Ziele der Psychologie, die die Grundlage des psychologischen Gesamtsystems bilden, näher zu analysieren. Lernziele: Sie können nach Durcharbeitung dieses Lernhefts den Gegenstandsbereich der Psychologie: das Erleben und Verhalten näher definieren und voneinander abgrenzen. die Ziele bzw. Tätigkeiten der Psychologie zur Gewinnung von Erkenntnissen: definieren und voneinander unterscheiden. Erklärung der Symbole Selbstlernaufgaben Hausaufgabe Zusammenfassung Hinweis bzw. Tipp Lösungen zu den Selbstlernaufgaben Notizen 2.1 Gegenstand der Psychologie Erinnern Sie sich noch an die Definition der Psychologie? Um den Gegenstand der Psychologie zu definieren, benötigen wir die Definition aus Lernheft 1. Psychologie ist die Lehre vom Erleben und Verhalten des Menschen. 1 Erleben und Verhalten Gegenstand der Psychologie sind demnach das Erleben und Verhalten des Menschen. Erleben und Verhalten spielen sich immer in einer bestimmten Situation ab, Situation meint dabei die momentane bzw. aktuelle Umwelt, in der das Individuum lebt und einen Einfluss auf das Erleben, Verhalten und Handeln ausübt. Manchmal findet man in der Literatur noch eine Unterscheidung zwischen Verhalten und Handeln. Handeln bezeichnet das zielgerichtete und bewusste Verhalten. Verhalten ist demnach als Oberbegriff zu sehen, der Handeln mit einschließt, und wird deshalb nicht weiter erwähnt. Verhalten ist das Mittel, durch welches sich der Mensch an seine Umwelt anpasst. Verhalten bedeutet Aktivität und ist von außen beobachtbar. 1 Konecny/Leitner (2005), S. 4 2

3 Außenbeobachtung Mit Erleben hingegen bezeichnet man Vorgänge im Menschen, die nicht von außen beobachtet werden können und nur von der Person selbst wahrgenommen werden. Innenbeobachtung Verhaltensweisen sind zum Beispiel: Lachen, Weinen, Schlagen, Sprechen, Berühren mit anderen Worten Körperbewegungen, beobachtbare Aktivitäten eines Menschen und Ausdrucksformen. Zum Erleben zählen dagegen zum Beispiel Denkabläufe, Erinnern und Träumen. Während das Verhalten durch Fremdbeobachtung zugänglich ist, ist das Erleben Gegenstand der Selbstbeobachtung. Verhalten und Erleben stehen dabei in Wechselwirkung zueinander, da Verhalten zum einen immer ein Anzeichen für einen bestimmten Vorgang im Menschen ist und zum anderen äußern sich verschiedene Erlebnisweisen im Verhalten eines Menschen. Ich möchte hier auch erwähnen dass Erleben und Verhalten nicht nur durch die jeweilige Situation, durch bestimmte Reize und die Persönlichkeit des Einzelnen bedingt ist, sondern auch durch den menschlichen Organismus mit seiner Funktionsweise (Sinnessystem, Nervensystem und Hormonsystem). Wechselwirkung Um Ihnen die Wechselwirkung zwischen Verhalten und Erleben zu verdeutlichen, orientieren Sie sich an folgendem Beispiel 2 : Jemand der Bauchschmerzen hat (= Erleben), hält seinen Bauch und krümmt sich (= Verhalten); jemand der sich freut (= Erleben), lacht, singt oder springt in die Luft (= Verhalten). Wie bereits oben erwähnt, spielen sich Erleben und Verhalten immer in einer bestimmten Situation ab. Diese momentane Situation bzw. Umwelt, in der sich das Individuum gerade befindet, übt einen Einfluss auf das Erleben und Verhalten aus. So wird sich zum Beispiel ein Manager in der Firma, in der er angestellt ist, anders verhalten als zu Hause bei seiner Familie. Ebenso spielen äußere und innere Reize (zum Beispiel folgt auf den Reiz Beleidigung ein sehr wütendes Verhalten und Erleben) sowie die Persönlichkeit (zum Beispiel Intelligenz, bisherige Erfahrungen) des Einzelnen eine wichtige Rolle. Die genannten Aspekte wirken zusammen und stehen in einer wechselseitigen Beziehung zueinander. Zum besseren Verständnis folgendes Beispiel : Situation bzw. Umwelt Beispiel: Der Schüler Kurt wird in seinem Erleben, Verhalten (Handeln) von seinen Klassenkameraden, der Klasse, dem Lehrer (= Situation) beeinflusst. Kurt beeinflusst wiederum mit seinem Verhalten und Handeln seine Klassenkameraden, die Klasse und den Lehrer, d.h. die Situation, in der sich Kurt befindet. 2 Vgl. Hobmair (1994), S. 14

4 2.2 Ziele der Psychologie Kenntnisse über den Gegenstandsbereich der Psychologie sind eine Sache, aber wie man solche Kenntnisse gewinnt und benutzt, darüber braucht man ebenfalls Kenntnisse. Es werden mehrere grundlegende Tätigkeiten oder auch Ziele unterschieden. Ziele der Psychologie als Wissenschaft sind: Beschreiben, Erklären, Vorhersagen, Kontrolle des Verhaltens Beschreiben Die wichtigste Aufgabe der Psychologie und das trifft auf alle Wissenschaften zu ist die Sammlung relevanter Daten über Erleben und Verhalten und die Bedingungen, die jenen zugrunde liegen. Beschreiben = Beobachtetes oder Gemessenes festhalten Beobachtung Dabei ist es wichtig, dass sich die Beschreibung auf wissenschaftliche Methoden stützt, um zu wahren, überprüfbaren und allgemeingültigen Aussagen zu kommen. Die Beschreibung erfolgt durch Beobachtung mithilfe der Sinne oder durch eine Messung mithilfe von Instrumenten (Test, Mikroskop etc.). Des Weiteren muss die Beschreibung einfach und präzise gehalten werden und sich eindeutiger Begriffe bedienen. Der Beobachter muss dabei genau unterscheiden zwischen dem, was er tatsächlich beobachtet, und dem, was er meint zu beobachten. Bei der Beschreibung werden Tatsachen aufgezeigt, ohne dass daraus Schlüsse gezogen werden. Beschrieben werden: das Erleben, Verhalten und Handeln eines Menschen die Bedingungen, die ihnen zugrunde liegen und die Persönlichkeitsmerkmale jedes Menschen und deren Entwicklungsbedingungen Beispiel eines Beobachtungssystems: Vom Lehrer ausgehendes 1 Gibt Informationen oder Meinungen Verbalverhalten 2 Gibt Anweisung Stellt enge Frage 4 Stellt weite Frage Lehrer-Erwiderung 5 Akzeptiert a. Gedanken, b. Verhalten, c. Gefühle 6 Ablehnung von a. Gedanken, b. Verhalten, c. Gefühlen Nolting/Paulus (1999), S. 17 4

5 Schüler-Erwiderung 7a Voraussagbare Antwort an Lehrer 7b Nicht voraussagbare Antwort an Lehrer 8 Antwort an Mitschüler Vom Schüler ausgehendes 9 Beginnt Gespräch mit Lehrer Verbalverhalten 10 Beginnt Gespräch mit Mitschüler Anderes 11 Stille Z Durcheinander Abb. 1: Beispiel eines Beobachtungssystems (Verbal Interaction Category System von Amidon & Hunter, entnommen aus Grell, 1980, S. 52). Registriert wird die Häufigkeit, mit der die Verhaltensweisen in definierten Zeiträumen vorkommen. 2. Erklären Während sich Beobachtungen an wahrnehmbare Informationen halten müssen, gehen Erklärungen über das Beobachtete hinaus. Erklären = Beziehungen zwischen beschriebenen Merkmalen herstellen Es handelt sich hierbei um Wenn-dann-Beziehungen bzw. um Ursache-Wirkungs- Zusammenhänge, die einen bestimmten Sachverhalt hervorgebracht haben. Weil zum Beispiel ein bestimmtes Verhalten bestraft wurde, wird es nicht mehr wiederholt. Ein Kind kommt zu spät nach Hause und wird mit Fernsehverbot bestraft. In Zukunft wird der Junge versuchen pünktlich nach Hause zu kommen. Als erklärt gilt demnach in der Psychologie ein Sachverhalt, wenn die Gesetzmäßigkeiten, die einem bestimmten Erleben bzw. Verhalten zugrundeliegen, aufgezeigt werden können. Der Psychologie ist es jedoch nicht möglich, Gesetze im Sinne von Naturgesetzen zu formulieren, das heißt, Gesetze, die immer zutreffen ohne Ausnahme. Deshalb spricht man in der Psychologie nicht von einem Gesetz, sondern von einer Gesetzmäßigkeit, da immer eine Abweichung möglich ist. Ursache- Wirkungszusammenhänge Gesetzmäßigkeit Beim Erklären geht es Darum, Beziehungen zwischen beschriebenen Merkmalen herzustellen um das Auffinden von Gesetzmäßigkeiten = Bezeichnung für eine Wahrscheinlichkeitsaussage (durch Untersuchungen festgestellte Beziehungen zwischen den beschriebenen Merkmalen) um das Erforschen des Warums einer Gesetzmäßigkeit mithilfe einer Theorie 5

6 Beispiel: Beispiel für das Erklären eines Zusammenhangs 4 A (z. B. Konsum von Gewaltdarstellungen) 1 2 B (z. B. aggressive Neigung) 1 2 A bedingt B B bedingt A C C bedingt A und B (z. B. soziales Milieu) Abb. 2: Wie ein Zusammenhang zwischen A und B erklärt werden könnte 2..1 Vorhersagen Vorhersagen oder Prognosen = Aussagen über eine zukünftige Auftretenswahrscheinlichkeit von Ereignissen In der Vergangenheit gewonnene Erkenntnisse werden auf zukünftige Situationen angewendet. Vorhersagen sind für die Praxis sehr wichtig, da man durch wissenschaftlich fundierte Aussagen zum einen voraussagen kann, wie ein Verhalten bewusst und gezielt geändert werden kann, und zum anderen, welche Bedingungen und Voraussetzungen erfüllt sein müssen, um ein gewünschtes Verhalten aufzubauen oder zu erhalten und ein unerwünschtes Verhalten zu vermeiden oder abzubauen. Außerdem lassen sich aus den Theorien Handlungsanweisungen ableiten, die zu einer Veränderung des Erlebens und Verhaltens führen. Dadurch ist Psychologie nun imstande das Erleben und Verhalten: bewusst und gezielt zu kontrollieren, zu manipulieren und zu beeinflussen. 4 Nolting/Paulus (1999), S

7 Beispiel: Beispiel für Vorhersagen 5 Prädiktor: Worauf sich die Prognose stützt (z. B. Eindrücke aus Gespräch, Test. Schulnoten) Vorhersagen Kriterium: Was vorhergesagt werden soll (z. B. Berufserfolg, Schulerfolg, krimineller Rückfall) Abb. : Die Treffsicherheit einer Vorhersage hängt nicht nur von der Güte der Prädikatoren ab, auf die man seine Vorhersage stützt, sondern auch von der Güte des Kriteriums 2..2 Kontrolle Besonders für Psychologen ist die Kontrolle des Verhaltens das zentrale und wirksamste Ziel: Kontrolle = Verhalten auftreten bzw. nicht auftreten zu lassen, es zu starten, zu beenden sowie Beeinflussung der Auftretenswahrscheinlichkeit, Form und Stärke Die Kontrolle des Verhaltens ist ein wichtiges Mittel zur Prüfung theoretischer Überlegungen und stellt Psychologen die Möglichkeit zur Verfügung, Menschen dabei zu helfen, durch Verhaltensänderung ihre Lebensqualität zu verbessern. Es gibt allerdings auch die missbräuchlich angewendete Verhaltenskontrolle: Manipulation, Gehirnwäsche. Ziele der Psychologie, aufgezeigt am Beispiel Angst 6 Beschreiben: Erklären: Voraussage: (Prognose) Was ist Angst? Wie äußert sie sich? In welchen Situationen tritt sie (vermehrt) auf? Welche Menschen zeigen besonders häufig Angst, welche weniger? Welche Persönlichkeitsmerkmale begünstigen bzw. schränken die Entstehung von Angst ein? Welche Unterschiede bezüglich der Angst gibt es zwischen Menschen? Wodurch wird Angst verursacht? Welche Beziehungen lassen sich herstellen? Welche Gesetzmäßigkeiten bezüglich der Angst gibt es? Wie kann die Gesetzmäßigkeit erklärt werden? Was lässt sich bezüglich der Angst vorhersagen? Was lässt sich bezüglich des Abbaus von Ängsten vorhersagen? Veränderung: Wie kann die Entwicklung von Ängsten vermieden werden? Wie können mögliche Ängste abgebaut werden? 5 6 Nolting/Paulus (1999), S. 191 Hobmair (1994), S. 26 7

8 2.. Verbesserung der Lebensqualität Psychologien, die Grundlagenforschung betreiben, beschäftigen sich mit den eben aufgezählten vier Zielen. Es gibt jedoch ein weiteres Ziel, mit denen sich Psychologen beschäftigen, die in der Anwendung arbeiten: Sie haben es sich zur Aufgabe gemacht, die Lebensqualität des Menschen zu verbessern. 2.4 Selbstlernaufgaben 1. Was verstehen Sie unter Innenbeobachtung? 2. Was bedeutet Beschreiben in der Psychologie?. Was heißt Erklären? 2.5 Zusammenfassung Zum Gegenstandsbereich der Psychologie gehören das Erleben und Verhaltens des Menschen. Mit Erleben bezeichnet man die Vorgänge im Menschen, die nicht von außen beobachtet werden können, sondern nur von der Person selbst wahrgenommen werden. Verhalten bedeutet Aktivität, ist von außen beobachtbar und bezeichnet das Mittel, durch welches sich der Mensch an seine Umwelt anpasst. Erleben und Verhalten spielen sich immer in einer bestimmten Situation ab und zwischen beiden besteht eine Wechselwirkung. Zu den Zielen der Psychologie gehören das Beschreiben, Erklären, Vorhersagen und die Kontrolle des Verhaltens. 2.6 Hausaufgabe 1. Was ist der Gegenstand der Psychologie? Definieren Sie die Begriffe! 2. Beschreiben Sie, wie sich das Erleben und Verhalten wechselseitig beeinflussen.. Nennen Sie die Ziele der Psychologie. 4. Was gehört zum Beschreiben als eines der Ziele der Psychologie? a. Beschreiben heißt Beobachtetes bzw. Gemessenes festzuhalten b. Beschreiben heißt das festzuhalten, was wir meinen c. Beschreiben heißt das festzuhalten, was wir tatsächlich wahrnehmen 8

9 5. Bitte setzen Sie die richtigen Begriffe ein, um den Satz zu vervollständigen: Zum Begriff des Erlebens eines Menschen gehören z. B.,,, und. Das Erleben ist. Die Reihenfolge spielt dabei keine Rolle: 1. Gedanken 2. Gefühle. Gehen 4. Sprechen 5. Vorstellungen 6. subjektiv 7. Wahrnehmungen 2.7 Lösung zu den Selbstlernaufgaben 1. Innenbeobachtung oder auch Selbstbeobachtung ist Gegenstand des Erlebens. Vorgänge im Menschen können nicht von außen beobachtet, sondern nur von der Person selbst wahrgenommen werden. 2. Beschreiben ist das Festhalten von Beobachtetem bzw. Gemessenem. Das Beschreiben stützt sich dabei auf wissenschaftliche Methoden.. Erklären heißt Beziehungen zwischen Merkmalen herstellen. 2.8 Anhang Literaturverzeichnis: 1. Gerrig, Richard J., Zimbardo, Philip, G.: Psychologie. München Fröhlich, Werner D.: Wörterbuch Psychologie. 24. Aufl., München Hobmair, Hermann (Hrsg.), Altenthan, Sophia, Dirrigl, Werner, Gotthardt, Winfried, Höhlein, Rainer, Ott, Wilhelm: Psychologie für Fachoberschulen. Köln Konecny, Edith, Leitner, Maria-Luise: Psychologie. 8. Aufl., Wien Nolting, Hans-Peter, Paulus, Peter: Psychologie lernen. Weinheim & Basel Seidel, Christoph: Telekolleg II Psychologie. München Straub, Jürgen, Kempf, Wilhelm, Werbik, Hans (Hrsg.): Psychologie. Eine Einführung. 2. Aufl., München

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