Konzept zur Schulsozialarbeit im Rahmen von Bildung und Teilhabe an der Heinrich-Lübke-Schule

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1 Konzept zur Schulsozialarbeit im Rahmen von Bildung und Teilhabe an der Heinrich-Lübke-Schule Im Folgenden sind immer sowohl Schüler als auch Schülerinnen oder Lehrer und Lehrerinnen angesprochen, zur besseren Lesbarkeit wird jedoch die nur männliche Form verwendet. Die Schulsozialarbeit soll daraufhin wirken, Chancengleichheit unter den Schülern voranzutreiben, und durch eine Verbesserung des sozialen Miteinanders das Schulklima zu fördern und ein Wir-Gefühl der Schüler zu verstärken bzw. entstehen zulassen. Darüber hinaus soll sie Schülern, Eltern und Lehrern Unterstützung bei inner- und außerschulischen Problemen bieten. Die Schulsozialarbeit im Rahmen des Bildungs- und Teilhabepakets hat im Speziellen die Förderung sozial benachteiligter Kinder und Jugendlicher zum Ziel. Durch den Abbau der Folgen wirtschaftlicher Armut soll die oben angesprochene Chancengleichheit zur arbeitsmarktlichen und gesellschaftlichen Integration geschaffen werden. Es ist erwiesen, dass Kinder aus einkommensschwachen Familien, die aus Leistungen des Staates ihren Unterhalt bestreiten, geringere Chancen haben, später im Berufsleben erfolgreich zu sein und somit die Wahrscheinlichkeit, dass sie später selbst wieder auf ebendiese Leistungen angewiesen sind, gegenüber den Kindern aus finanziell unabhängigen Familien steigt. Die Gründe hierfür sind vielfältig. Ein wichtiger Punkt hierbei ist, dass die Kinder zu Hause oftmals nicht die notwendige Förderung erfahren (können), ihre intellektuellen Fähigkeiten zu entfalten und sie dadurch den Anforderungen des Unterrichts nicht nachkommen können. Diese Defizite durch außerschulische Förderung (z.b. durch Nachhilfe) zu kompensieren, ist den Familien aus finanzieller Sicht zumeist nicht möglich. Die Defizite verstärken sich, und nach und nach verliert das Kind den Anschluss, so dass ein erfolgreicher Schulabschluss, der zumeist Voraussetzung zum Start in das Berufsleben ist, zunehmend schwieriger wird. Das Bildungs- und Teilhabepaket versucht, diesem Prozess durch gezielte finanzielle Hilfen, die direkt den Kindern zugutekommen, entgegenzuwirken. Dieses geschieht auf verschiedenen Ebenen. So soll den Kindern Nachhilfe ebenso ermöglicht werden wie z.b. die Mitgliedschaft in einem Fußballverein oder die Teilnahme an Klassenfahrten oder Ausflügen, da es für die soziale Entwicklung und gesellschaftliche Integration des Kindes von großer Bedeutung ist, dass ihnen der Zugang zum kulturellen Leben nicht durch finanzielle Hürden versperrt ist. Um die Situation der Kinder und Jugendlichen erfolgreich zu verändern, ist es wichtig, auf verschiedenen Ebenen zu arbeiten und alle Faktoren, die in den Schulalltag aber auch der außerschulischen Sozialisation der Kinder und Jugendlichen einfließen, mit einzubeziehen. Deshalb ist für eine erfolgreiche Durchführung der Schulsozialarbeit eine enge Zusammenarbeit mit dem am Prozess beteiligten Personen und Institutionen unerlässlich. Dabei wird die jeweilige Zusammenarbeit grundsätzlich auf die individuellen Bedürfnisse des Kindes oder des Jugendlichen abgestimmt. Das Schaubild soll zeigen, mit welchen Kooperationspartnern eine Zusammenarbeit denkbar ist. Bei der Darstellung wird jedoch kein Anspruch auf Vollständigkeit erhoben und eine Erweiterung des Personenkreises ist je nach Situation jederzeit möglich. Bei der Kooperation wird der Schüler eingebunden und gegebenenfalls gefragt, ob er mit der Kontaktaufnahme und der Weitergabe von Daten und Gesprächsinhalten einverstanden ist. 1

2 Eine zentrale Bedeutung bei der Zusammenarbeit haben zum einen die Lehrer und zum anderen die Eltern. Auf beide wird im Folgenden näher eingegangen. Die Lehrer, insbesondere die Klassenlehrer, sind in der Regel diejenigen, die durch den regelmäßigen Kontakt zum Schüler entweder unmittelbar mit Schwierigkeiten und Auffälligkeiten des Schülers konfrontiert sind, oder aber durch das Verhalten des Schülers oder Gespräche mit dem Schüler und den Erziehungsberechtigten auf Missstände oder Unterstützungsbedarf aufmerksam werden. Daher erfolgt die erste Kontaktaufnahme mit dem Schüler häufig über den Klassenlehrer. Da die Ursachen für die Probleme vielfältig sind und zumeist nicht im Klassenverband aufgearbeitet werden können, bietet die Schulsozialarbeit die Chance, der (zusätzlichen) individuellen und umfassenden Betreuung, die über die (zeitlichen) Möglichkeiten des Lehrers hinausgehen. Dabei soll durch die Unterstützung des einzelnen Schülers auch dazu beigetragen werden, die Atmosphäre in der Klasse (wieder) zu verbessern und ungestörtes Unterrichten zu ermöglichen. Da der (Klassen-)Lehrer für den Schüler häufig eine wichtige Bezugsperson ist, wird er in den Unterstützungsprozess mit einbezogen und das Einverständnis des Schülers vorausgesetzt über die einzelnen Schritte und deren Zielsetzung informiert. Die Elternarbeit nimmt ebenfalls einen hohen Stellenwert ein. Zum einen kennen sie ihre Kinder besonders gut und haben in der Regel großen Einfluss auf sie, sowohl 2

3 positiv wie leider manchmal auch negativ. Je jünger die Kinder sind, desto größer ist zumeist der Einfluss der Eltern. Es ist daher wichtig, auf Auffälligkeiten des Kindes frühzeitig zu reagieren und dabei nach Möglichkeit den Einfluss der Eltern als positive Ressource zu nutzen, indem man mit den Kindern und Eltern gemeinsam Ziele ausarbeitet und die Eltern die Kinder bei der Erreichung ihrer Ziele unterstützen. Zum anderen liegen häufig die Ursachen für die Schwierigkeiten zumindest zum Teil im Elternhaus selbst. Die Schulsozialarbeit soll durch die intensive Arbeit mit den Eltern dazu beitragen, die Probleme bewusst zu machen und durch direkte Unterstützung oder gegebenenfalls der Vermittlung weiterführender Hilfen die Eltern dazu befähigen, ihre Schwierigkeiten zu bewältigen. Insbesondere bei großen finanziellen Belastungen, die oftmals zu einer angespannten familiären Situation beitragen, bieten sich durch das Bildungs- und Teilhabepakets für die Schulsozialarbeit zahlreiche Möglichkeiten, den Eltern konkrete Unterstützung zu zukommen zu lassen. So ist vielen z.b. nicht bekannt, welche Leistungen sie im Rahmen des Bildungs- und Teilhabepakets in Anspruch nehmen können. Für andere stellt der Kontakt zu Behörden teils hervorgerufen durch negative Erfahrungen eine große Hürde da, so dass sie auf das Geltendmachen ihrer Ansprüche ganz verzichten. Konkret kann die Arbeit mit den Eltern je nach Bedarf daher folgende Punkte umfassen: Beratung und Information über Möglichkeiten zu Inhalt und Nutzung des Bildungs- und Teilhabepakets Klärung der Anspruchsberechtigung, dabei auch Informationen zu ALG II, Wohngeld oder Kinderzuschlag sowie Motivation zu Überwindung der Ängste zur Inanspruchnahme oder Beantragung staatlicher Leistungen, gegebenenfalls Unterstützung bei der Antragstellung Unterstützung bei der Antragstellung für einzelne Leistungen aus dem Bildungs- und Teilhabepaket Vermittlung bei der Kontaktaufnahme zu Vereinen oder anderen Einrichtungen zur sinnvollen Freizeitgestaltung des Kindes Beratung über Möglichkeiten zur Lernförderung des Kindes, gegebenenfalls Herstellung des Kontakts Vermittlung weitergehender Hilfen bei familiären Konflikten sowie sozialen und/oder Erziehungsschwierigkeiten Da die Schulsozialarbeit von den Eltern als eine Möglichkeit zur Unterstützung und nicht als Eingriff oder Bevormundung bei der Erziehung wahrgenommen werden soll, ist es wichtig, die Kontaktaufnahme so zu gestalten, dass die Eltern diese als Hilfsangebot erkennen. Dafür ist es notwendig, dass der Kontakt zur Schulsozialarbeit möglichst niedrigschwellig angesetzt ist, da viele Eltern wie oben bereits beschrieben, den Umgang mit offiziellen Stellen entweder aufgrund schlechter Erfahrungen oder aus grundsätzlicher Unsicherheit als große Hürde empfinden und dadurch Hilfsangebote nicht nutzen oder bestehende Leistungsansprüche gar nicht erst geltend machen. Den Eltern wird daher genauso wie den Schülern die Möglichkeit gegeben, ohne Terminvereinbarung die offene Sprechstunde zu nutzen. Darüber hinaus wird in Form von Hausbesuchen aber auch die Möglichkeit der aufsuchenden Sozialarbeit gegeben, die sich vor allem zeitlich an die Gewohnheiten der Betroffenen richtet und sich an deren Lebenswelt orientiert, so dass den Eltern der Zugang erleichtert wird. Dabei wird den Eltern stets die Wahl gelassen, das Angebot anzunehmen oder abzulehnen. 3

4 Auch die Schüler sollen die Schulsozialarbeit nicht als zusätzliches Instrument der Maßregelung sondern vor allem als Angebot zur Unterstützung wahrnehmen, das ihnen bei der Überwindung schulischer, familiärer oder anderer sozialer Probleme helfen kann. Dazu ist es wichtig, eine Atmosphäre zu schaffen, in der Offenheit entstehen und Vertrauen aufgebaut werden kann. Von zentraler Bedeutung ist hierbei das Erstgespräch. Jedem Schüler wird, unabhängig von dem Grund oder dem Zustandekommen des Gesprächs (z.b. durch die Bitte des Lehrers), mit Respekt begegnet. Außerdem wird der Schüler als ganzheitliche Persönlichkeit wahrgenommen, der Focus wird also nicht nur auf die aktuellen Begebenheiten gelenkt. Dem Schüler wird beim Erstgespräch ausdrücklich erklärt, dass die Weitergabe von Gesprächsinhalten nur mit seinem Einverständnis erfolgt und er nur so viel von sich preisgeben sollte wie er selbst bereit ist. Konkrete Inhalte des Erstgesprächs können (neben dem grundsätzlichen Anlass für das Gespräch) dann sein: Bisheriger schulischer Werdegang (besuchte Schulen, Lieblingsfächer, Schwierigkeiten, Klassenwiederholungen) Familiäre Situation Freunde, Klassenkameraden Position in der Klasse Kontakt zu den Lehrern Freizeitgestaltung, Hobbys Ziele (schulisch, privat, gegebenenfalls beruflich) Darüber hinaus wird der Schüler dazu veranlasst sich folgende Fragen stellen: - Was kann ich selbstständig tun um die Situation zu verändern und wo benötige ich Unterstützung? - Bin ich bereit, mich aktiv zu bemühen/etwas zu verändern? - Bin ich bereit, mir helfen zu lassen? - Was kann der Schulsozialarbeiter dabei tun? - Welche Angebote der Unterstützung gibt es noch? Welche Personen kommen in Frage? Durch diese Fragen erlebt der Schüler sich selbst als Handelnden und hat nicht das Gefühl, das etwas über seinen Kopf hinweg passiert. Ziel dabei ist, das Zutrauen in seine Handlungskompetenzen und seine Ressourcen zu stärken. Auch wenn defizitäre Strukturen oder Verhaltensweisen häufig der Anlass zur Kontaktaufnahme mit dem Schüler oder dessen Eltern sind, wird grundsätzlich nach einem ressourcenorientierten Ansatz gearbeitet. Dieses erfolgt aufgrund des Verständnisses, dass es viel eher möglich ist, defizitäre Verhaltensmuster zu überwinden oder Schwächen auszugleichen, wenn dem Schüler (oder den Eltern) verdeutlicht wird, dass er durch sein spezielles Wissen und Können in der Lage ist, bestimmte Schwierigkeiten zu meistern und ihm dies in der Vergangenheit auch bereits gelungen ist. Der Blick auf die erzielten und möglichen Erfolge motiviert den Schüler sehr viel mehr auch diejenige Probleme, denen er sich bislang nicht zu stellen wagte oder sich möglicherweise auch gar nicht stellen wollte, anzugehen als wenn ihm nur das vor Augen geführt wird, was er nicht oder nicht gut genug kann. 4

5 Bei vielen Schülern ist zu beobachten, dass sie mit dem damit verbundenen Druck überfordert sind. Zudem hat der Schüler immer das Gefühl minderwertig zu sein und den Anforderungen sowieso nie entsprechen zu können, was mitunter dazu führen kann, dass er gar keinen Sinn mehr darin sieht, sich überhaupt noch anzustrengen. Wichtig ist es dabei auch, dass der Schüler sich innerhalb seines sozialen Netzwerkes über seine sonstigen Ressourcen bewusst wird, die ihm bei der Erreichung seiner Ziele behilflich sein können (Eltern, Geschwister, Freunde, Lehrer, Institutionen, ). Die Schulsozialarbeit selbst kann dabei auch eine Ressource für den Schüler darstellen. Stand:

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