Dr. Constantin H. Alsheimer, Vorsitzender des Vorstands der Mainova AG Frankfurt am Main, 27. November Chancen und Risiken der Energiewende

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1 Dr. Constantin H. Alsheimer, Vorsitzender des Vorstands der Mainova AG Frankfurt am Main, 27. November 2014 Chancen und Risiken der Energiewende

2 InhaltSeite Status und Herausforderungen der Energiewende Auswirkungen der Energiewende auf Stadtwerke 3. Fazit 2

3 Zweifel am Gelingen der Energiewende nehmen zu

4 Erdgas Kernenergie Mineralöl Kohle Weitere Saldo Fehlsteuerung 1: Verdrängung hoch effizienter Kraftwerke Kraftwerkszu- & -abbau (in MW) 1 Bsp.: Betroffene Versorger Statkraft verzichtet vorerst, ein für 350 Mio. Euro gebautes, neues Gaskraftwerk (430 MW) in Hürth in Betrieb zu nehmen Laut Trianel wird 750 MW- Steinkohlekraftwerk in Lünen bereits im ersten Betriebsjahr 2014 rund 100 Mio. Euro Verlust schreiben. Bei geschätzten Überkapazitäten zwischen und MW mittelfristig keine Erholung des Erzeugungsmarktes zu erwarten 1. BNetzA Stand , 2. BNetzA Kraftwerksstilllegungsanzeige, weitere Anlagen (5.739 MW) zur Stilllegung angemeldet, Stand , 3. DJ Energy Weekly 4

5 Fehlsteuerung 2: Gefährdung der deutschen CO 2 -Ziele Entwicklung CO 2 - Ausstoß Deutschland [Mio. t CO 2 ] e Ziel 2020 Energiebedingte Emissionen Gesamtemissionen Braunkohleverstromung erreicht 2013 einen Höchststand seit BMWi Energiedaten Tab. 9, Wert 2013: faz.net vom Prognose +2%; Ziel 2020 nach Kyoto-Protokoll 750 Mio. t Kohlendioxid-Äquivalent 2. DJ Energy Weekly ; Thüga marktnachrichten

6 Fehlsteuerung 3: Strompreise belasten Endkunden und Industrie Haushaltsstrompreise in Europa TOP 15 [ct/kwh] kwh kwh p.a ,0 17,0 17,4 19,1 19,6 20,0 20,8 20,8 21,0 21,7 22,3 22,9 23, ,6 29,2 30,0 Strompreise Privatkunden liegen knapp 46 % über dem EU- Durchschnitt 2 Belastung der Bürger löst soziale Diskussion aus Industriestrompreise in Europa TOP 15 [ct/kwh] MWh MWh p.a ,8 18,9 19,5 13,4 13,4 13,6 14,0 14,1 14,2 14,8 14,9 14,9 15,3 15, ,4 25,0 Industriestrompreise führen zu Belastung der Wettbewerbsfähigkeit der dt. Wirtschaft Abwanderungsgefahr steigt 1 BDEW Europäischer Strompreisvergleich auf Basis Eurostat, Stand: 1. Halbjahr 2013 (Durchschnitt); 2 DJ Energy Weekly

7 Herausforderung neues Marktdesign: Kosteneffizienz und Versorgungszuverlässigkeit Vergütung der Stromerzeugung in Deutschland bei einem EE-Anteil von 35 % 1 Preis (ct/kwh) 20 EEG Weiteren Ausbau der EE kosteneffizient realisieren EEG-Novelle (EEG 2.0) drosselt Abgabelast durch Förderreduktion bei Neuanlagen EEG 2.0 Versorgungssicherheit kosteneffizient gewährleisten Energy-Only-Markt für residuale Erzeugung % Erneuerbare 65% Konventionelle 1 Kabinettvorlage des BMWi zu Eckpunkten des EEG, Stand: Kapazitätsmechanismus Stromerzeugung (TWh) Ein möglicher Kapazitätsmechanismus erhöht die Kosten und kompensiert ggf. den Einspareffekt aus dem EEG 2.0 Eine deutliche Preissenkung ist daher kaum zu erwarten 7

8 InhaltSeite Status und Herausforderungen der Energiewende Auswirkungen der Energiewende auf Stadtwerke 3. Fazit 8

9 Seit Beginn der Liberalisierung steigt der Margendruck in der Energieversorgung Entwicklung von EBITDA und Umsatz, indexierte Darstellung, Basisjahr 2004 [in %] Quelle: Roland Berger 2014

10 Die zunehmende Verschuldung reduziert den finanziellen Handlungsspielraum Verschuldungsgrad 4,5 4,0 3,5 tendenziell schwierigerer Kennzahlenbereich 3,0 2,5 2,0 1,8 1,9 2,1 2,4 1,5 1,0 0,5 0, mittlere 50 %-Streuung Median Verschuldungsgrad = Nettofinanzverschuldung EBITDA Quelle: PwC 2014

11 Langfristig ergeben sich jedoch auch Chancen aus der Energiewende Zentrale Erzeugung KURZ-/MITTELFRISTIG Spreads unter Druck LANGFRISTIG Neue Marktmechanismen Dezentrale/ Erneuerbare Erzeugung EEG-Förderung wirtschaftlich attraktiver und risikoärmer Renditen unter Plan Ggf. verändertes Risikoprofil Geschäftsfeld Stromspeicher Netz Netz stabiler Ergebnisbringer, aber Handel/ Vertrieb Energiedienstleistungen Chancen durch niedrige Handelspreise Regulierungsdruck Margen-/Wettbewerbsdruck Geschäftsfeld Direktvermarktung Geschäftsfeld Energieeffizienz Chance Risiko Steigender Kostendruck 11

12 Die Steuerung der Finanzierungskapazität gewinnt daher für Stadtwerke an Bedeutung Traditionelle Finanzierung Kommune Holding Versorger Anteilseigner Anteilseigner Ausschüttung EAV/Ausschüttung Anteilseigner EAV/Ausschüttung Projektgesellsch. Ggf. Sicherheiten Kredite Zins/Tilgung Bank Problemlose Bankenfinanzierung (Laufzeiten, Sicherheiten, Verzinsung, keine/weiche Covenants) Aktuelles Bankenumfeld Finanzkrise und Bankenregulierung (EK- Erfordernisse/Basel III) Gesamtverbund Stadt/Kommune wird zunehmend kreditrelevant (KWG-Großkreditgrenze) Chancen und Risiken der Energiewende erhöhen Risikoprofil der Kredite an Versorger (Marge gering, aber steigendes Risiko) Einzelfallbetrachtung statt Branchen-Bonus Restriktivere Kreditvergabe durch Banken zu erwarten; Kommunen ebenfalls in schwierigerer Finanzlage; Eigenkapitalausstattung zunehmend kritisch 12

13 Kurz- bis mittelfristig Fokus auf Kostenmanagement und Prozessoptimierung Verschuldungsgrad Beispiele Optimierungshebel Netto-Finanzschulden Investitionsdisziplin Finanzierungspartnerschaften (Co-Investoren, Bürgerbeteiligungsmodelle bei Erneuerbaren Energien) EBITDA Kostensenkung Prozessoptimierung Größenvorteile durch Kooperationen (Beschaffung) Wachstumschancen Kerngeschäft (EE, Regelenergie, Netzkonzessionen, Vertrieb) Langfristig: Aufbau neuer Geschäftsfelder 13

14 InhaltSeite Status und Herausforderungen der Energiewende Auswirkungen der Energiewende auf Stadtwerke 3. Fazit 14

15 Fazit Die Energiewende stellt Energieversorger vor große Herausforderungen Ein neues Marktdesign muss die Kosteneffizienz und Versorgungszuverlässigkeit wieder stärker berücksichtigen Kurz- bis mittelfristig sind die Margen der Stadtwerke durch sinkende Spreads, Wettbewerb und Regulierung unter Druck Insbesondere die konventionelle Erzeugung ist kaum noch wirtschaftlich zu betreiben Bei steigendem Investitionsbedarf sinkt die Verschuldungskapazität der Stadtwerke Kurz- bis mittelfristig Fokus auf Kostenmanagement und Prozessoptimierung Langfristig ergeben sich Chancen in den Bereichen Speicher, Direktvermarktung und Energieeffizienz 15

16 Dr. Constantin H. Alsheimer, Vorsitzender des Vorstands der Mainova AG Frankfurt am Main, 27. November 2014 Mainova AG Leistung mit Energie 16

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