Bebauungsplan XVI-81 Fürstenwalder Allee Ergebnisse der Zauneidechsenumsetzung 2014

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1 Bebauungsplan XVI-81 Fürstenwalder Allee Ergebnisse der Zauneidechsenumsetzung 2014 Zauneidechsenmännchen gefangen am 2. Juni 2014 in Falle 37

2 Bebauungsplan XVI-81 Fürstenwalder Allee Ergebnisse der Zauneidechsenumsetzung 2014 bearbeitet von: Dipl. - Biologe Klaus-Detlef Kühnel Auftraggeber: Schrickel + Partner Brunnenstr Berlin Auftragnehmer: Klaus-Detlef Kühnel Ökologische Gutachten, Herpetologie, Bildarchiv Am Horst Bestensee Tel November 2014

3 INHALTSVERZEICHNIS 1. AUFGABENSTELLUNG 2 2. FANG- UND AUSSETZUNGSGEBIET 2 3. FANGMETHODE UND -ZEITRAUM 4 4. ERGEBNISSE 4 5. FAZIT, ARTENSCHUZRECHTLICHE BEWERTUNG 5 6. LITERATUR 6 ABBILDUNGEN Abbildung 1: Standorte der Fangzäune (2014 fängig gestellt = rote Linien, nur 2013 fängig = hellblaue Linien) mit den Fallen (blaue Punkte) sowie der Rücklaufsperren (gelbe Linien). Schwarze Doppellinien = Fußgängerdurchlass in der Rücklaufsperre. 3 TABELLEN Tabelle 1: Anzahl und Verteilung der zwischen dem 17. April und 22. Juni 2014 in den Fangzäunen gefangenen Zauneidechsen. 5 Ökologische Gutachten. Herpetologie Bildarchiv Seite 1

4 1. AUFGABENSTELLUNG Im Jahr 2013 wurden auf dem für Wohnbebauung vorgesehenen Gebiet des B-Planes XVI-81 Zauneidechsen (Lacerta agilis) gefangen und in eine temporäre Aussetzungsfläche umgesiedelt. Insgesamt wurden 102 Zauneidechsen gefangen und umgesiedelt. Im Ergänzungsbescheid der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Umwelt vom zur Ausnahmezulassung IE 223-OA-AS/G (Fassung vom ) gemäß 45 Abs. 7 Satz 1 Nr.5, Satz 2 Bundesnaturschutzgesetz (BNatSchG) wurden u.a. nachfolgend aufgeführte Auflagen erteilt: Um diesen Auflagen nachzukommen wurde im April 2014 der Fang der Zauneidechsen wieder aufgenommen. In der vorliegenden Bericht werden Fang und Umsiedlung im Jahr 2014 dokumentiert. 2. FANG- UND AUSSETZUNGSGEBIET Das gesamte Fanggebiet umfasste wie 2013 die östliche B-Planfläche, dort wo Wohnbebauung geplant ist. Die Gesamtgröße betrug ca. 7 ha. Die Aussetzung gefangener Zauneidechsen erfolgte im gleichen Aussetzungsgebiet wie im Vorjahr. Dieses lag knapp 100 m westlich des Fanggebietes auf einer Fläche, die für Maßnahmen zum Schutz, zur Pflege und zur Entwicklung von Boden, Natur und Landschaft vorgesehen ist. Es hat eine Fläche von ca m². Ein zweites Aussetzungsgebiet weiter südlich war geplant, jedoch sollte erst einmal abgewartet werden, ob überhaupt eine größere Anzahl von Zauneidechsen gefangen werden konnte. Das vorhandene Aussetzungsgebiet hatte noch eine Aufnahmenkapazität von 10 bis 20 Individuen. Die Anlage des zweiten Gebietes sollte erfolgen, wenn sich abzeichnete, dass die erwähnte Aufnahmekapazität überschritten wird. Die Lage und Struktur sowohl des Fanggebiets als auch des Aussetzungsgebietes sind in der Dokumentation des Jahres 2013 dargestellt (KÜHNEL 2013). Ökologische Gutachten. Herpetologie Bildarchiv Seite 2

5 Abbildung 1: Standorte der Fangzäune (2014 fängig gestellt = rote Linien, nur 2013 fängig = hellblaue Linien) mit den Fallen (blaue Punkte) sowie der Rücklaufsperren (gelbe Linien). Schwarze Doppellinien = Fußgängerdurchlass in der Rücklaufsperre. Ökologische Gutachten. Herpetologie Bildarchiv Seite 3

6 Auf Grund der Ergebnisse im Fangzeitraum 2013 wurde der Fang im April 2014 zuerst in den Fangzäunen A, B und F wieder aufgenommen. In diesen Fangzäunen, besonders im Fangzaun A, war die Fangdichte im Jahr 2013 besonders hoch, bzw. wurden dort auch noch im Spätsommer Eidechsen gefangen. Es war geplant die Fangaktion auch auf die anderen Fangzaunstandorte des Jahres 2013 auszudehnen, wenn bis Ende Mai in den Zäunen A, B, und F eine nennenswerte Anzahl von Eidechsen gefangen wurde. Ein Grund für die Reduzierung der fängig gehaltenen Fangzäune war auch der Schutz anderer Tierarten. In die Eimerfallen Fallen auch Kleinsäuger (Mäuse, Spitzmäuse) und Arthropoden, die darin auch zu Tode kommen können. Eine Ausweitung der Fangaktion auf den Umfang des Jahres 2013 wäre nur dann vertretbar gewesen, wenn bis Mai/Juni eine größere Anzahl von Zauneidechsen gefangen würde. Weiterhin wurde die Rücklaufsperre an der Westgrenze des Baufeldes von der Fürstenwalder Allee bis zum Uferweg durchgehend ausgeführt. Lediglich an den asphaltierten Wegen wurde jeweils ein ca. 1 m breiter Fußgängerdurchlass offen gelassen, um Wandalismus vorzubeugen. Um zu verhindern, dass durch diese Durchlässe Zauneidechsen in das Baufeld einwandern wurden jeweils an beiden Seiten Eimerfallen eingegraben. 3. FANGMETHODE UND -ZEITRAUM Die Fangmethode entsprach der im Jahr Es wurden Fangzäune aus 50 cm hoher glatter Kunststofffolie, die 10 cm tief in den Boden eingegraben war, mit insgesamt 115 überdachten Eimerfallen (5 l- bzw. 10 l-eimer) installiert. Die Fallen wurden im zweitägigen Rhythmus kontrolliert und die gefangenen Tiere in das vorbereitete Aussetzungsgebiet umgesetzt. Alle eingefangenen Zauneidechsen wurden zu Dokumentationszwecken fotografiert. Die Standorte der Fangzäune sind in der Abbildung 1 dargestellt. Sie lagen im Bereich der nichtbewaldeten Flächen. Die Fangaktion begann am 17. April 2014 und wurde am 22. Juni 2014 eingestellt, nachdem nur eine gering Anzahl von Zauneidechsen gefangen und keine mehr gesichtet wurden. 4. ERGEBNISSE Im Fangzeitraum 2014 wurden lediglich sechs Zauneidechsen gefangen (Tabelle 1). Diese setzen sich wie folgt zusammen: 3 adulte Männchen, 1 adulte Weibchen, 2 Subadulte (Jungtiere aus dem Jahrgang 2013). Alle Zauneidechsen wurden in das umzäunte Aussetzungsgebiet verbracht. Die in den Fallen gefangenen Zauneidechsen verteilten sich gleichmäßig auf die Fangzäune A und B, in jedem wurden drei Zauneidechsen gefangen (Tabelle 1). Ökologische Gutachten. Herpetologie Bildarchiv Seite 4

7 Die erste Zauneidechse wurde am 19. April, die letzte am 2. Juni in den Fallen festgestellt. Nachdem nach dem 2. Juni weder Zauneidechsen in den Fallen gefunden wurden noch Individuen außerhalb der Fallen gesichtet werden konnten, wurde auf die Wiederherstellung der anderen Fangzäune des Jahres 2013 verzichtet, zumal dort die Fangzahl schon 2013 geringer war. Nachdem im Jahr 2013 zwischen dem 27. August und 7. Oktober nur noch zwei adulte Zauneidechsen und zwischen dem 17. April und 22. Juni 2014 nur sechs Zauneidechsen gefangen wurden (zwischen dem 2. und 20. Juni 2014 wurde gar keine Zauneidechsen mehr gefangen), erschien das weitere Fängighalten der Fangzäune unverhältnismäßig, auch aus Gründen des Schutzes anderer Tiere (s. Abschnitt 2). Deshalb wurden die Fangeimer verschlossen. Auch bei zwei weiteren Begehungen des Geländes im Juli und August 2014 konnten keine Zauneidechsen gesichtet werden. Datum Fangzaun Falle Männchen Weibchen Subadult A B B A A B 37 1 Tabelle 1: Anzahl und Verteilung der zwischen dem 17. April und 22. Juni 2014 in den Fangzäunen gefangenen Zauneidechsen. 5. FAZIT, ARTENSCHUZRECHTLICHE BEWERTUNG Im Jahr 2013 wurden im gesamten Fanggebiet 102 Zauneidechsen gefangen. Mit den sechs im Jahr 2014 gefangenen Eidechsen ergibt sich eine Gesamtfangzahl von 108 Individuen. Die geringe Fangzahl im Jahr 2014 im Zusammenhang mit der langen Periode im Spätsommer 2013, in der kaum noch Zauneidechsen gefangen wurden, legt nahe, dass die Bestände in dem Baufeld weitgehend abgefangen sind. Auf Grund der Umsiedelung der Zauneidechsen sind ausreichend Maßnahmen ergriffen worden, dass durch die anstehenden Bauarbeiten die Verbotstatbestände nach 44 Abs. 1 Nr. 1 BNatSchG nicht verletzt werden. Die Baufreiheit für die geplante Baumaßnahme ist damit gegeben. Da es jedoch unmöglich ist, wirklich alle Eidechsen zu fangen und daher immer noch vereinzelte Individuen auf der Fläche vorhanden sein können, muss bei der Obersten Naturschutzbehörde trotz der erfolgreichen Fangaktion ein Antrag auf Ausnahmezulassung von den Verboten des 44 Abs. 1 Nr.1 BNatSchG gestellt werden. Um den Erfolg des Abfangens und der Umsiedlung nicht zu gefährden müssen die Fläche sobald wie möglich beräumt werden. Ansonsten kann sich wieder eine neuen Zauneidechsenpopulation etablieren. Neben einer möglichen Zuwanderung, die man nie ausschließen kann, kann die Vermehrung eventuell verbliebener Eidechsen dazu führen. Zu berücksichtigen ist weiterhin, dass die Lebensraumkapazitäten in der gezäunten Aussetzungsfläche begrenzt sind. In das m² große Aussetzungsgebiet wurden in beiden Jahren 108 Zauneidechsen Ökologische Gutachten. Herpetologie Bildarchiv Seite 5

8 eingesetzt. Das entspricht rechnerisch 183 m² pro Tier, bzw. eine Individuendichte von 834 Zauneidechsen pro ha. Das überschreitet die Werte von Freilandpopulationen oder liegt zumindest an der oberen Grenze. Höhere Individuendichten konnten in Berlin mit den hier angewandten Methoden nur auf Bahntrassen ermittelt werden (eig. unpubl. Beobachtungen). Es ist deswegen notwendig so bald wie möglich, spätestens 2015/16, die Eidechsen aus der Umzäunung zu entlassen oder das Gehege zu erweitern, da ansonsten eine Zunahme der Individuen auf Grund zukünftiger Reproduktion eingeschränkt wird. Eine zu lange Hälterung in der Anlage kann dazu führen, dass auf Grund der Konkurrenz nur wenige Jungtiere aufwachsen, was in der Folge zu einer unnatürlichen Populationsstruktur mit hoher Dominanz älterer adulter Tiere führen kann (KRAFT 2013). 6. LITERATUR KRAFT, K. (2013): Erfolgskontrolle einer Zauneidechsenumsiedlung in Berlin. Zeitschrift für Feldherpetologie 20: KÜHNEL K.-D. (2013): Bebauungsplan XVI-81 Fürstenwalder Allee, Ergebnisse der Zauneidechsenumsetzung Auftraggeber: Schrickel + Partner: 8 S. Ökologische Gutachten. Herpetologie Bildarchiv Seite 6

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