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1 SWISS FINANCIAL SERVICES NEWSLETTER Financial Services / Januar 2011 Special Edition Investment Management 2 Editorial 3 Entwicklung der Regulierung und Beaufsichtigung von Anlagestiftungen 7 IFRS neueste Entwicklungen für Beteiligungsgesellschaften und Vermögensverwalter 11 Die Zukunft von alternativen Investments 15 EU Richtlinie für Alternative Investment Fund Managers (AIFM) 18 Bewertung von Anlageportfolios Vermeidung von Bewertungsrisiken und Realisierung von Kosteneinsparungen 21 Hedge Fund Managers ziehen in die Schweiz 24 Einhaltung der Global Investment Performance Standards (GIPS) 26 Aktuelle Entwicklungen im Steuerreporting kollektiver Kapitalanlagen für Schweizer Anleger 31 Dienstleistungen von KPMG im Investment Management

2 Editorial Sehr geehrte Leserinnen und Leser Rückblickend auf das alte Jahr ist einerseits eine weitere Beruhigung der Fondsmärkte mit leichtem Wachstum der Anzahl kollektiver Kapitalanlagen sowie auch deren Volumen auszumachen. Es ist andererseits auch weiterhin eine gewisse Skepsis der Anleger sichtbar, die sich in hohen Beständen an Liquidität und Edelmetallen in den Portfolios manifestiert. Während das Vertrauen der Investoren in die kollektiven Kapitalanlagen wieder steigt, lässt sich die zukünftige Marktentwicklung schwer abschätzen und wird hauptsächlich von internationalen Trends bestimmt, welche voraussichtlich auch den Schweizer Markt betreffen werden. Dagegen nimmt die aufsichtsrechtliche Seite der Fondsindustrie klarere Konturen an und übt via neuer Regelwerke und rigiderer Aufsichtspraxis grossen Einfluss auf die Märkte aus. Davon sind auch die schweizerischen Anlagestiftungen, deren Gesamtvermögen einen beachtlichen Anteil der beruflichen Vorsorge ausmachen, nicht ausgenommen. Unser Interview mit dem Präsidenten der Konferenz der Geschäftsführer für Anlagestiftungen (KGAST) vermittelt einen Einblick in die kommende Regulierung und Beaufsichtigung dieser Anlagestiftungen. Neben den umfassenden Erläuterungen der Neuerungen in bereits etablierten Standards wie IFRS und GIPS befasst sich unser Newsletter mit der Zukunft alternativer Investments, der neuen EU-Richtlinie für Manager von alternativen Investments (AIFM) sowie der Attraktivität der Schweiz als Standort solcher Manager. Steuerreporting für kollektive Kapitalanlagen und die Bewertung von Aktienportfolios sind weitere aktuelle Themen im Investment Management Umfeld, die möglichen Handlungsbedarf für Ihre Institute aufzeigen. Wir wünschen Ihnen eine interessante und aufschlussreiche Lektüre. Markus Schunk Partner, Sektorleiter Investment Management 2 / Swiss Financial Services Newsletter / Januar 2011

3 Entwicklung der Regulierung und Beaufsichtigung von Anlagestiftungen Verordnung über die Anlagestiftungen) er läutert Richard Hunziker wichtige Aspekte im Zusammenhang mit der Entwicklung der Regulierung und Beaufsichtigung von Anlagestiftungen. Richard Hunziker CEO der Pensimo Management AG Präsident Konferenz der Geschäftsführer für Anlagestiftungen (KGAST) Dr. Armin Kühne Partner, Legal T: E: Markus Schunk Partner, Audit Financial Services T: E: Anlässlich unseres Informationsanlasses vom 7. September 2010 hat Richard Hunziker über die Neuigkeiten bei der Regulierung und Beaufsichtigung von Anlagestiftungen informiert und seine erfrischenden Ansichten zu häufigen Irrtümern und Denkfehlern dargelegt. Als Präsident der Konferenz der Geschäftsführer für Anlagestiftungen (KGAST) ist Richard Hunziker mit der Regulierung und Beaufsichtigung von Anlagestiftungen bestens vertraut. Er hat ausserdem massgeblich bei der Erarbeitung der Rechtsgrundlagen für Anlagestiftungen im Rahmen der «Strukturreform BVG» mitgewirkt. Die im KGAST vertretenen 40 Anlagestiftungen bewirtschaften ein Gesamtvermögen von über 85 Milliarden Schweizerfranken und machen damit einen substan tiellen Teil der beruflichen Vorsorge sowie der Säule 3a aus. Im nachfolgenden Interview vom 22. November 2010 (noch vor der Eröffnung des Vernehmlassungsverfahren für die neue 1. Was wird sich in Bezug auf die Regulierung und Beaufsichtigung von Anlagestiftungen ändern und bis wann? Wo liegen die Schwerpunkte in organisatorischer und qualitativer Hinsicht? Mit den neu in das BVG eingefügten Artikeln 53g bis 53k bekommen die Anlagestiftungen erstmals in ihrer Geschichte eine explizite Rechtsgrundlage, nachdem sie bis anhin im Wesentlichen wie die Destinatärsstiftungen im ZGB geregelt waren. Was die Kodifizierung und die Neuordnung der Aufsicht für die Anlagestiftungen in organisatorischer und qualitativer Hinsicht bedeutet, kann erst beurteilt werden, wenn Klarheit über die Regelungen auf Verordnungsebene besteht. 2. Weshalb ist eine separate Kodifizierung der Anlagestiftungen ausserhalb des KAG besser als eine Unterstellung unter das KAG? Man kann hier nicht von «besser» oder «schlechter» sprechen. Die Frage einer Unterstellung der Anlage stiftungen unter das KAG wurde bereits anlässlich der Ablösung des alten Anlagefondsgesetzes (AFG) durch das KAG diskutiert. Die KGAST hatte diese Unterstellung damals begrüsst, allerdings hätten die Anlagestiftungen gemäss dem Entwurf des Bundesrates eine eigene Rechtskategorie gebildet und deren Weiterbestand in der bisherigen Form wäre gewährleistet gewesen. Weil wir gleichzeitig die Beibehaltung des Anlageregimes (BVV2) gefordert hatten, wurde schliesslich auf die Unterstellung verzichtet. Die Diskussion im Zusammenhang mit der Vorlage «Strukturreform BVG» war eine ganz andere: Der Bundesrat liess wiederum die Unterstellung der Anlagestiftungen unter das KAG prüfen, jedoch unter Umwandlung der Anlagestiftungen in SICAV s. Das kam für uns nicht in Frage. 3. Was bedeuten diese Änderungen für die Anlagestiftungen? Die Änderungen sind ein regulatorischer Quantensprung, der zur Folge hat, dass die Anlagestiftungen nun klar und eindeutig im Universum der beruflichen Vorsorge verankert sein werden. Die Aufsicht wird einheitlich geregelt. Sowohl jene Anlagestiftungen, die bisher von der Aufsicht berufliche Vorsorge im Bundesamt für Sozialversicherungen beaufsichtigt waren als auch jene, die unter kantonaler bzw. regionaler Aufsicht standen, kommen unter die Aufsicht der Oberaufsichtskommission. Swiss Financial Services Newsletter / Januar 2011 / 3

4 4. Welches ist aus Ihrer Sicht die Aufgabe der Aufsichtsbehörde über Anlagestiftungen? Beim gegenwärtigen Stand des Diskurses ist es fast zielführender zu fragen, was nicht die Aufgabe der Aufsicht ist. Hier ist meine Antwort klar: Einmal abgesehen davon, dass aus unternehmerischer Sicht das Vermeiden von Risiken auch ein Auslassen von Chancen bedeutet, ist es nach meinem Verständnis nicht die Aufgabe der Aufsicht, Risikobeurteilungen vorzunehmen. Das ist die Verantwortung der Stiftungsräte der Vorsorgeeinrichtungen. Nur unsere Anleger selbst können beurteilen, welche Risiken und welche Chancen in der Vermögensverwaltung sie vor dem Hintergrund ihrer individuellen Asset- und Liability-Situation eingehen wollen und können. 5. Wie wird sich die Beziehung der Anlagestiftungen zur Aufsichtsbehörde verändern? Wir versprechen uns von der Oberaufsichtskommission eine von der Verwaltung unabhängigere, praxisnahe und zielorientierte Aufsichtstätigkeit. Sie wird analog zur FINMA über ein eigenes Sekretariat verfügen, das nur administrativ dem BSV beigeordnet ist. Wie die Beziehungen zwischen Aufsicht und Beaufsichtigten im Detail ausgestaltet sein werden, hängt stark von der Ausgestaltung der Verordnung über die Anlagestiftungen ab, die derzeit verwaltungsintern erarbeitet wird. 6. Wie ist das Enforcement der regulatorischen Vorschriften für Anlagestiftungen geplant? Der Vollzug der neuen Bestimmungen ist auf den 1. Januar 2012 vorgesehen. Die im Rahmen der Vorlage «Strukturreform» neu in das BVG aufgenommenen Bestimmungen über die Organisation der Anlagestiftungen und über deren Aufsicht müssen nunmehr auf Verordnungsebene konkretisiert werden. 7. Wie sehen Sie die Entwicklung der Anlagestiftungen in den nächsten Jahren im Vergleich zu den kollektiven Kapitalanlagen gemäss KAG? Wird es zahlreiche neue Anlagestiftungen geben? Mit einem Gesamtvermögen von über 85 Milliarden Franken bewirtschaften die 40 Anlagestiftungen einen substantiellen Teil des Vermögens der beruflichen Vorsorge sowie der Säule 3a. Die Anlagestiftungen erfreuen sich einer ungebrochenen Beliebtheit: Mehr als ein halbes Dutzend Anlagestiftungen befinden sich entweder in der Gründungsphase oder sind innerhalb des letzten Jahres neu entstanden. 8. Haben die Anlagestiftungen noch eine Daseinsberechtigung vor dem Hintergrund, dass die meisten traditionellen Investitionen der Vorsorgeeinrichtungen über Fonds für qualifizierte Anleger getätigt werden? Besteht allenfalls nur noch ein Nischenmarkt für Immobilien, Private Equity, Hypotheken etc.? Die Vermutung ist richtig: Die Anlagestiftungen haben ihre grössten Stärken in den genannten Segmenten und dort ist auch das grösste Wachstum zu verzeichnen. Die Anlagestiftungen haben jedoch auch in den traditionellen Segmenten nicht an Attraktivität eingebüsst. Die vermeintlichen Steuernachteile gegenüber institutionellen Anlagefonds sind inzwischen fast ausnahmslos durch entsprechende Massnahmen beseitigt worden. Die Anlagestiftungen bieten ihren Anleger infolge ihres korporativen Aufbaus sehr weitgehende Mitwirkungsrechte in den Organen (Stiftungsrat, Anlegerversammlung, Anlageausschüsse), wie sie in anderen Kollektivanlagen unbekannt sind und von den Anlegern sehr geschätzt werden. Sie weisen ein hohes Niveau an Transparenz und Kosteneffizienz auf. 9. In welche Richtung wird sich die Regulierung der Anlagestiftungen nach Ihrer Meinung in den nächsten Jahren entwickeln? Wird es eine Verschärfung der regulatorischen Vorschriften geben? Wird es eine Angleichung an die Entwicklung der Regulierung der unter der Aufsicht der FINMA stehenden Finanzinstitute geben? Welches werden die Schwerpunkte der Regulierung sein? Verstärkt die Aufsichtsbehörde allenfalls künftig die Produkteaufsicht? Das Fehlen einer expliziten Rechtsgrundlage für die Anlagestiftungen hatte zur Folge, dass heute auch keine Ausführungsverordnungen vorhanden sind. Die nicht vorhandene Rechtssetzungssystematik hat dazu geführt, dass die Aufsichtsbehörde grundlegende Regelungsbereiche der Anlagestiftungen usurpiert hat, was aus rechtsstaatlicher Sicht höchst bedenklich war. Es wird sich zeigen, ob sich der Verordnungsgeber zu einer umfassenden Neukonzeption der Aufsicht durchringt, oder ob nicht doch eher einfach die bisherigen «Anforderungen an Anlagestiftungen» fortgeschrieben und weiter entwickelt werden. Ich befürchte eher letzteres. Die Pièce de Résistance in der neuen Verordnung wird die Formulierung der Anlagevorschriften sein. Aus unserer Sicht ist eine Produkteaufsicht nicht erforderlich, ja eigentlich auch gar nicht zulässig. Die BVV2 regelt die Investitionstätigkeit der Vorsorgeeinrichtungen und damit 4 / Swiss Financial Services Newsletter / Januar 2011

5 der Kunden der Anlagestiftungen abschliessend. Alle Anlagen, die den direkt anlegenden Vorsorgeeinrichtungen gestattet sind, müssen auch für die Anlagestiftungen möglich sein. Es geht höchstens noch um die Frage des Ausmasses der Diversifikation. Auch für eine ex ante Vorprüfung bei der Lancierung neuer Produkte durch die Aufsichtsbehörde reichen meiner Ansicht nach die gesetzlichen Grundlagen nicht aus. Eine Angleichung an die Regulierung in Richtung KAG/ FINMA ist meiner Ansicht nach nicht erforderlich. Es ist eben gerade nicht «same business», weshalb es auch nicht «same rules» braucht. 10. Welche Rolle spielt die KGAST bei der Regulierung der Anlagestiftungen? Ist vorgesehen, dass die KGAST die Funktion einer Selbstregulierungsorganisation wahrnimmt? Wie erfolgt das Enforcement allfälliger Selbstregulierungsvorschriften? Die KGAST hat sich schon verschiedentlich mit der Frage einer möglichen Selbstregulierung auseinandergesetzt. Bei den Immobilien-Anlagegruppen gibt es bereits erste Ansätze einer freien Selbstregulierung. So haben wir zum Beispiel in enger Anlehnung an die Selbstregulierung der Fondsindustrie ein Set von Kennzahlen definiert, die von allen KGAST-Mitgliedern zu ermitteln und zu publizieren sind. Die Aufsichtsbehörde hat daraufhin unsere Lösung in den Anforderungen an Anlagestiftungen tel quel übernommen. Auch die von der KGAST erlassenen Qualitätsstandards, die ab dem kommenden Jahr u.a. die Transparenzanforderungen nochmals erhöhen werden, sind ein Beispiel für eine wirksame Selbstregulierung. Auch einer aufsichtsrechtlich anerkannten Selbstregulierung könnten wir einiges abgewinnen, da wir uns mit einem solchen Instrument eine marktnahe Regulierung versprechen. Einer obligatorischen Selbstregulierung stehen wir eher skeptisch gegenüber. Wohin die Reise geht, wissen wir allerdings nicht. 11. Wird es künftig wie bei den der FINMA unterstellten Finanzinstituten auch Vorschriften über die wesentlichen Kontrollfunktionen geben (IKS, Risk Management, Compliance)? Davon gehe ich aus. Ich bin der Meinung, dass dies ein Schwerpunkt der Regulierung sein sollte. Die Schaffung gewisser Mindestanforderungen im Bereich der Organisation, der Governance, des Risk Management und der Compliance liegt auch im Interesse der Anlagestiftungen und deren Anleger. Die KGAST begrüsst ausdrücklich alle Bestrebungen zur Transparenz. Das betrifft sowohl die Organisation der Stiftung als auch die Produkte. Die Anleger müssen wissen, wie der Investitionsprozess in der Anlagestiftung organisiert ist. Durch eine umfassende Produktedeklaration muss sichergestellt werden, dass die Anleger zweifelsfrei wissen, in welche Assets eine Anlagegruppe investiert, von der sie Ansprüche erwerben wollen. 12. Müssen die Mitglieder des Stiftungsrats und der Geschäftsleitung wie bei den dem KAG unterstellten Finanzinstituten von der Aufsichtsbehörde als Gewährsträger bewilligt werden? Mir ist nicht bekannt, ob im Rahmen der Verordnung über die Anlagestiftungen eine Bewilligungspflicht für Organe geschaffen werden soll. Persönlich hätte ich dagegen nichts einzuwenden, namentlich bei den Geschäftsleitungen. Das würde einen Beitrag zur Qualitätssicherung leisten. 13. Wie kann ein Regulierungs-Tsunami verhindert werden? Das möchte ich auch gerne wissen! Die Entwicklung der Regulierung der Märkte lässt mich hier ziemlich pessimistisch in die Zukunft blicken. Das Drehen an der Regulierungs- und Kontrollschraube ist zwar völlig kontraproduktiv: Je mehr man interveniert, desto mehr muss man kontrollieren und «nachsteuern». Je kleiner die Lücken, desto grösser der Aufwand, sie zu schliessen. Eine Überregulierung führt weder zu besseren Ergebnissen noch zu geeigneteren Akteuren. Aber es gibt zu viele Akteure, die von einer Ausweitung der Regulierung und der Aufsicht direkt profitieren: Die Politik, weil sie eine Reaktion auf Störfälle nachweisen kann, die Wirtschaftsprüfungsgesellschaften, weil sie im Rahmen des Audits die Vorarbeiten für die Aufsichtstätigkeit schafft, die Verwaltung, die Anwaltskanzleien, um nur die wichtigsten zu nennen. 14. Im Kollektivanlagenrecht besteht ein differenzierter Anlegerschutz, das heisst das Niveau des Anlegerschutzes für qualifizierte Anleger (z.b. auch Vorsorgeeinrichtungen) ist tiefer als bei Publikumsanlegern. Wie sehen Sie das Niveau des Anlegerschutzes bei Anlagestiftungen im Vergleich zu Fonds für qualifizierte Anleger? Eine Differenzierung des Anlegerschutzes ist im Bereich der Anlagestiftungen nicht notwendig. Die Anleger der Swiss Financial Services Newsletter / Januar 2011 / 5

6 Anlagestiftungen sind ausschliesslich Vorsorgeeinrichtungen und damit institutionelle Anleger, die keines besonderen Schutzes bedürfen, wie dies im Kollektivanlagenrecht für Publikumsanleger vorgesehen ist. Im Übrigen ist darauf hinzuweisen, dass die Anleger der Anlagestiftungen ausnahmslos einer Aufsicht unterstehen. 15. Wie sehen Sie die künftige Rolle der Oberaufsichtskommission? Wie stark sind die Anlagestiftungen darin vertreten? Ist eine Koordination der Tätigkeiten zwischen der Oberaufsichtskommission und der FINMA notwendig? Ich gehe davon aus, dass die Sozialpartner in der Oberaufsichtskommission vertreten sein werden, aber nicht die Anlagestiftungen als Beaufsichtigte. Man darf nicht vergessen, dass die primäre Aufgabe dieser Kommission darin besteht, für eine einheitliche Aufsichtspraxis der kantonalen bzw. regionalen Aufsichtsbehörden zu sorgen. Für eine Koordination der Tätigkeiten zwischen der Oberaufsichtskommission und der FINMA sehe ich keinen Anlass: Es sind nicht die selben Anleger und es geht um zwei vollkommen verschiedene Anlageregimes. 16. Was wissen Sie über den Inhalt der geplanten Verordnung zur Konkretisierung und Umsetzung der gesetzlichen Vorschriften? Gibt es neben der bundesrätlichen Verordnung zusätzlich eine Verordnung der Aufsichtsbehörde? Es zirkulieren erste Entwürfe der neuen «Verordnung über die Anlagestiftungen», deren Inhalt nach Auffassung der Anlagestiftungen noch verbesserungsbedürftig ist. Die Oberaufsichtskommission wird aller Voraussicht nach die bundesrätliche Verordnung durch den Erlass von Verfügungen, Weisungen und Standards konkretisieren. 17. Wie ist das Kosten-/Nutzenverhältnis der Aufsicht über Anlagestiftungen und wie fällt ein Vergleich mit den dem KAG unterstellten Anlagevehikeln aus? Wird mit erheblichen Kostenerhöhungen gerechnet? Die Kosten für die Aufsicht durch das BSV sind bereits heute ausserordentlich hoch. Sie stehen in keinem vernünftigen Verhältnis zu den von der Aufsicht erbrachten Leistungen. Ein Vergleich zeigt, dass Kosten für die Beaufsichtigung einer Anlagestiftung sehr viel höher sind als die für einen ungefähr gleich grossen Fonds. Wir hoffen natürlich, dass sich dieses Verhältnis nicht weiter zulasten der Anlagestiftungen verschlechtert. 6 / Swiss Financial Services Newsletter / Januar 2011

7 IFRS neueste Entwicklungen für Beteiligungsgesellschaften und Vermögensverwalter Patricia Bielmann Partner, Audit Financial Services T: E: Anmar Badenhorst Senior Manager, Audit Financial Services T: E: Einführung Bedingt durch die Kreditkrise erhöhte sich der Druck von Aufsichtsbehörden, Lesern der Jahresberichte und anderer Stakeholder auf das International Accounting Standards Board (IASB), die grosse Zahl aktiver Projekte weiterzuführen. Zwei dieser Projekte sind Gegenstand dieses Artikels, da diese einen wesentlichen Einfluss auf die IFRS-Jahresrechnungen für Beteiligungsgesellschaften und Vermögensverwalter haben werden. Es sind dies die Projekte Konsolidierung und Darstellung der Jahresrechnung Projekt Konsolidierung Dieses von der IASB und dem Financial Accounting Standards Board (FASB) («den Boards») gemeinsam verfolgte Projekt ist in die beiden Teile Konsolidierung und Ausweis (Teil I) und Beteiligungsgesellschaften (Teil II) gegliedert. Die Publikation der endgültigen Version des Standards, der den gegenwärtigen IAS 27 Konzern- und Einzelabschlüsse und SIC-12 Konsolidierung Zweckgesellschaften entspricht, wird im ersten Quartal 2011 erwartet, während der Entwurf für Projektteil II im zweiten Quartal 2011 geplant ist. Konsolidierung oder Fair Value für Beteiligungsgesellschaften? Als Reaktion auf den Entwurf ED 10 Konsolidierte Jahresrechnungen wurden verschiedene Bedenken hinsichtlich der Angemessenheit des Kontrollprinzips für Beteiligungsgesellschaften geäussert. Diese halten Investitionen (Beteiligungen) gewöhnlich mit der Absicht, in ein paar Jahren entweder einen Kapitalgewinn oder aber entsprechenden regelmässigen Ertrag daraus zu generieren. Für Investitionen von Beteiligungsgesellschaften sind der Fair Value, seine Änderungen und der daraus resultierende Erfolg die wichtigsten Informationen. «der Ausweis des Fair Value ist angemessen, weil Anwender Investitionsentscheide aufgrund des Fair Value der gehaltenen Investitionen vornehmen und nicht basierend darauf, wie die einzelnen Aktiven und Passiven durch die verschiedenen Konzerngesellschaften verwaltet werden Unserer Erfahrung nach wären konsolidierte Jahresrechnungen für diese Arten von Unternehmungen nutzlos, da sie die für die Investoren relevante Informationen nicht enthalten würden» (CL 47 User Advisory Council of the Accounting Standards Board of Canada (AcSB)). Verschiedene Stakeholder begrüssten daher den Entscheid des Boards, eine Ausnahme von den normalen Konsolidierungspflichten von Beteiligungsgesellschaften zu machen. Dies bedeutet, dass eine Gesellschaft, die den Kriterien einer Beteiligungsgesellschaft entspricht (gemäss vorgeschlagener Definition in Abbildung 1) ihre Investitionen in von ihr kontrollierte Gesellschaften zum Fair Value bemessen und Bewertungsänderungen erfolgswirksam verbuchen müsste. Die Vorschläge entsprechen einer bereits unter US GAAP existierenden Ausnahme von der Konsolidierungspflicht. Die praktische Anwendung dieser Ausnahme erwies sich als schwierig, da viele Gesellschaften den Kriterien einer Beteiligungsgesellschaft nicht entsprachen. Die aus Sicht des IFRS s Swiss Financial Services Newsletter / Januar 2011 / 7

8 Das IASB hat provisorisch entschieden, dass eine Beteiligungsgesellschaft / Investmentgesellschaft folgenden Kriterien entsprechen sollte: ausdrücklicher Geschäftszweck mögliche identifizierte Ausstiegsmöglichkeiten, insbesondere Zeitrahmen im Wesentlichen Investment Aktivitäten Eigentumsverhältnisse durch Beteiligungseinheiten repräsentiert zusammengeführte finanzielle Mittel Investitionen verwaltet und Messung der Performance zum Fair Value rapportierende Geschäftseinheit keine Rückgriffsrechte der Fremdkapitalgeber Abbildung 1: IASB s «provisorische» Kriterien zur Beurteilung von Beteiligungsgesellschaften/Investmentgesellschaften vorgeschlagene Definition einer Beteiligungsgesellschaft ist noch nicht definitiv und Änderungen noch möglich. Das IASB hat vorläufig entschieden, die im ersten Paragraphen von IAS 28 Anteile an assoziierten Unternehmen und IAS 31 Anteile an Gemeinschaftsunternehmen (Joint Ventures) zitierte Liste der Gesellschaften durch die vorgeschlagenen Kriterien für Beteiligungsgesellschaften wie in Abbildung 1 dargestellt zu ersetzen. Eine Beteiligungsgesellschaft müsste ihre Investitionen in assoziierte Unternehmen und Joint Ventures zu Fair Value bemessen und Bewertungsänderungen erfolgswirksam erfassen. Anwendung in einer Gruppenstruktur, in welcher andere Gesellschaften als Beteiligungsgesellschaften gehalten werden Ein wesentlicher Punkt, welcher von den interessierten Parteien genannt wurde, war die Frage, wie die Befreiung von der Konsolidierung in einem Gruppenszenario, in welchem die Muttergesellschaft einer Beteiligungsgesellschaft selbst keine Beteiligungsgesellschaft ist, angewendet werden soll. nicht kontrolliert, inklusive Investitionen in assoziierten Unternehmen und Beteiligungen an Gemeinschaftsunternehmen der Tochtergesellschaft, beibehalten darf. Die Auswirkungen der oben erwähnten Entscheide lassen sich am folgenden Beispiel (siehe Diagramm in Abbildung 2) veranschaulichen. Subco ist eine Tochtergesellschaft welche vollständig im Besitz der Holdco ist. Holdco qualifiziert nicht als Beteiligungsgesellschaft. Subco hält Beteiligungen an drei verschiedenen Industriegesellschaften (im Folgenden als Beteiligungen A, B und C bezeichnet). Die Beteiligungen umfassen einen beherrschenden Anteil von 60%, eine Beteiligung von 30% mit massgeblichem Einfluss und eine Beteiligung von 10%. Für dieses Beispiel wird angenommen, dass sich Subco als Beteiligungsgesellschaft qualifiziert. Auf Stufe Subco ist keine Konsolidierung erfordertlich, obwohl Subco die Industriegesellschaften kontrolliert. Subco würde die Beteiligungen A und B erfolgswirksam zum Fair Value bewerten. Die Beteiligung C kann ebenfalls erfolgswirksam zum Fair Value bewertet werden, sofern die Anforderungen des Finanzinstrumente Standards für diese Bewertung erfüllt sind. Auf Stufe Holdco sieht dies anders aus. Holdco darf die Bilanzierung zum Fair Value, welche von Subco (einer Beteiligungsgesellschaft) für die Beteiligung A bei der Erstellung Holdco 100% Subco 60% 30% 10% Es wurde entschieden, dass die Muttergesellschaft einer Beteiligungsgesellschaft, die Holding (welche selbst keine Beteiligungsgesellschaft ist), die Bilanzierung zum Fair Value, welche die Tochtergesellschaft für die Erstellung ihrer Jahresrechnung anwendet, auf konsolidierter Stufe nicht beibehalten darf. (Beteiligung A) (Beteiligung B) Industriegesellschaft Industriegesellschaft Industriegesellschaft (Beteiligung C) Hingegen wurde provisorisch entschieden, dass die Holding die Bilanzierung zu Fair Values bei Investitionen, welche sie Abbildung 2: Diagramm zur Veranschaulichung des Beispiels 8 / Swiss Financial Services Newsletter / Januar 2011

9 der konsolidierten Jahresrechnung angewendet wird, nicht beibehalten. Folglich müsste Holdco Subco und schliesslich auch die Beteiligung A, welche von Subco gehalten wird, konsolidieren. Bezüglich der Beteiligungen B und C darf Holdco jedoch die Bilanzierung zum Fair Value in der konsolidierten Jahresrechnung beibehalten. Dies ist auch in einer Banken- oder Vermögensverwaltungsgruppe relevant, welche verschiedene Geschäftsaktivitäten, inklusive Investmentaktivitäten, ausüben. Gruppengesellschaften auf einer tieferen Stufe könnten die vorgeschlagene Definition einer Beteiligungsgesellschaft erfüllen, während die oberste Gruppengesellschaft (ultimate holding company) diese Definition nicht erfüllt. Die vorgeschlagene Befreiung von den normalen Konsolidierungspflichten wird voraussichtlich grosse Auswirkungen auf diejenigen Gesellschaften haben, welche die Kriterien erfüllen, um als Beteiligungsgesellschaft klassifiziert zu werden. Der Wechsel von einer Vollkonsolidierung zu einer Bewertung zum Fair Value könnte einen wesentlichen Einfluss auf die Jahresrechnungen von Beteiligungsgesellschaften haben. Agent oder Prinzipal? Der neue Standard bietet Richtlinien für die Beurteilung, ob eine Gesellschaft als Agent oder als Prinzipal einer anderen Gesellschaft handelt. Dies ist insbesondere für Gesellschaften relevant, welche als Investmentmanager von Fonds agieren. Wenn ein Investmentmanager eines Fonds selber auch Anteile des Fonds hält, ist eine genaue Analyse erforderlich, um zu bestimmen, ob diese Doppelrolle dazu führt, dass der Investmentmanager als Agent oder als Prinzipal handelt. Die vorgeschlagenen Faktoren, welche vom Investmentmanager berücksichtigt werden müssen, beinhalten die folgenden Punkte: Die Entscheidungsbefugnis des Investmentmanagers; Rechte, welche andere Parteien halten (z.b. «Kick-Out» Rechte, Liquidationsrechte); Die Vergütung des Investmentmanagers, z.b. Management Fee, Performance Fee; Das Exposure des Investmentmanagers gegenüber der Volatilität der Erträge. Es sollte festgehalten werden, dass es bei der Anwendung der vorgeschlagenen Faktoren keine klaren Grenzen gibt, und dass die Frage, ob ein Investmentmanager als Agent oder Prinzipal handelt, somit individuell beurteilt werden muss. Verschiedene Beispiele wurden im Treffen des IASB und des FASB im März 2010 präsentiert. In einem Beispiel verwaltet der General Partner das Partnership und hat keine weiteren Anteile an dem Partnership. Der General Partner erhält eine fixe Gebühr von 1% des verwalteten Vermögens und 20% aller Gewinne, welche eine bestimmte Grenze (Hurdle) übersteigen (diese Gebühr ist eine marktübliche Entschädigung, welche für diese Leistung angemessen ist). Die beschränkt haftenden Partner des Partnerships besitzen keine wesentlichen «Kick-Out»- oder andere Rechte. Bei diesem Beispiel wurde entschieden, dass der General Partner als Agent betrachtet wird. In einem anderen Beispiel verwaltet ein General Partner den Anlagefonds und hält einen 40% Anteil am Anlagefonds. Die drei beschränkt haftenden Partner (mit einem Anteil von je 20%) haben zusammen das Recht, den General Partner ohne Grund abzusetzen. Der General Partner hat ein breites Entscheidungsspektrum und erhält eine fixe Gebühr von 1% und eine Performance Fee von 10% der Ausschüttungen an die Teilhaber. Bei diesem Beispiel wurde entschieden, dass der General Partner als Prinzipal betrachtet wird. Projekt zur Darstellung der Jahresrechnung Im Juli 2010 publizierten das IASB und das FASB einen Arbeitsentwurf Darstellung der Jahresrechnung (Entwurf). Dieser bildet einen Teil des gemeinsamen Projekts zur Darstellung der Jahresrechnung und beinhaltet Vorschläge, welche die Art, wie Jahresrechnungen präsentiert werden, grundlegend verändern könnten. Als Standard publiziert, würde dieser sowohl IAS 1 Darstellung des Abschlusses als auch IAS 7 Kapitalflussrechnungen ersetzen. Der Entwurf schlägt zwei Kernprinzipien für die Präsentation vor, d.h. Kohäsion und Disaggregation. Die folgenden Elemente der Jahresrechnung werden eine gemeinsame Struktur in der Form von erforderlichen Sektionen, Kategorien oder Unterkategorien und damit verbundenen Zwischensummen (siehe Abbildung 3 für eine Zusammenfassung) haben: Bilanz Erfolgsrechnung und Geldflussrechnung Eine Gesellschaft würde ihre Aktiven und Passiven als aus Geschäftstätigkeit oder aus Finanzierungstätigkeiten resul Swiss Financial Services Newsletter / Januar 2011 / 9

10 tierend klassifizieren. Aus Geschäftstätigkeiten resultierende Aktiven und Passiven würden dann weiter aufgeteilt zwischen Betriebs-, Investitions-, und betriebliche Finanzierungstätigkeiten. Die Finanzierungstätigkeiten bestehen aus zwei Kategorien: Schulden und Eigenkapital. Während die Aufteilung zwischen Geschäfts- und Finanzierungssektion ziemlich klar erscheint, wird die Aufteilung zwischen Geschäfts- und Investitionskategorien weniger einfach sein. Abhängig vom Geschäftsmodell, welches die Gesellschaft gewählt hat, stellen sich die Fragen: Wie würde eine Beteiligungsgesellschaft ihre Tätigkeiten in Geschäfts- und Finanzierungstätigkeiten aufteilen und Liefert diese Aufteilung mehr Informationen? In Bezug auf die Geldflussrechnung müsste künftig eine Gesellschaft die direkte Methode anwenden, um die Geldflüsse in jeder ihrer Sektionen und Kategorien darzustellen, d.h. Brutto-Einzahlungen und Brutto-Auszahlungen. Dies bedeutet, dass die indirekte Methode nicht länger erlaubt wäre. Zurzeit verwenden sehr wenige Gesellschaften die direkte Methode für die Geldflussrechnungen. Die direkte Methode würde voraussetzen, dass die Gesellschaften Informationen auf der Basis von einzelnen Transaktionen hätten, sowie dass wesentliche Änderungen im Buchungssystem erforderlich würden. Daraus folgt, dass die Implementierung der Vorschläge zur Darstellung der Jahresrechnung wahrscheinlich ein umfassendes Projekt ist und insgesamt weitgehende Auswirkungen auf die IT-Systeme, welche zurzeit für die Erstellung der Finanzinformationen verwendet werden, haben könnten. Schlussfolgerung Die Projekte über die Konsolidierung und Darstellung der Jahresrechnungen könnten einen wesentlichen Einfluss auf Beteiligungsgesellschaften und Vermögensverwalter haben, wenn die aktuellen Vorschläge in definitive Standards übernommen werden. Die Änderungen wären nicht nur aus einer Rechnungslegungsperspektive bedeutungsvoll, sondern auch im Hinblick auf die aktuellen Reporting Prozesse und Systeme der Beteiligungsgesellschaften und Vermögensverwalter. Beteiligungsgesellschaften und Vermögensverwalter sind aufgefordert, an den Diskussionen teilzunehmen, nachdem die Entwürfe publiziert sind. Ein proaktiver Ansatz gegenüber diesen Projekten wird zunehmend wichtig, damit Beteiligungsgesellschaften und Vermögensverwalter in der Lage sind, zukünftige Veränderungen und Herausforderungen der Berichterstattung gemäss IFRS zu antizipieren. Bilanz Gesamtergebnisrechnung Geldflussrechnung Geschäftstätigkeit Geschäftstätigkeit Geschäftstätigkeit Operative Kategorie Finanzierung in der operativen Kategorie Operative Kategorie Finanzierung in der operativen Kategorie Operative Kategorie Investitionen Investitionen Investitionen Finanzierung Fremdfinanzierung Eigenfinanzierung Finanzierung Fremdfinanzierung Andere Kategorien Finanzierung Andere Kategorien Ertragssteuern Ertragssteuern Ertragssteuern Nicht weitergeführte Geschäftseinheiten Nicht weitergeführte Geschäftseinheiten, netto Nicht weitergeführte Geschäftseinheiten Übriges Ergebnis, netto Abbildung 3: Übersicht zum Arbeitsentwurf betreffend Darstellung der Jahresrechnung 10 / Swiss Financial Services Newsletter / Januar 2011

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