Die Wertschöpfung der Zahlung

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1 Die Wertschöpfung der Zahlung Seminararbeit eingereicht bei Prof. Dr. Bernd Skiera Lehrstuhl für Betriebswirtschaftslehre, insbesondere Electronic Commerce Fachbereich Wirtschaftswissenschaften Johann Wolfgang Goethe-Universität Frankfurt am Main von cand. rer. pol. Manuel Zieger Studienrichtung: BWL

2 Die Wertschöpfung der Zahlung - II - Inhaltsverzeichnis Abbildungsverzeichnis...IV Tabellenverzeichnis...V Abkürzungsverzeichnis...VI 1 Problemstellung Bargeldlose Online-Zahlungssysteme in Deutschland Der Zahlungsprozess im Überblick Pay-Later-Systeme Kreditkarten Billing/Inkasso-Systeme Pay-Now-Systeme Lastschriftverfahren Mobile Payment emoney - Elektronisches Geld Prepaid-Systeme Tabellarische Darstellung der wesentlichen Merkmale Anforderungen, Nutzung und Zukunft bargeldloser Zahlungssysteme Zahlungssysteme als Wettbewerbsvorteil Anforderungen aus Händler- und Kundensicht Angebot und Nutzung vorhandener Zahlungssysteme in Zahlen Sicherheit und Komfort als Schlüsseleigenschaften Vereinfachung bereits sicherer Verfahren Erhöhung der Sicherheit bestehender Zahlungsmöglichkeiten Optimierung des Zahlungsprozesses Die Vielfalt der Datenformate als Problem Unterschiede zwischen B2B und B2C Einsatz von Cash-Management-Systemen Payment Service Provider als Business Enabler...14 Zusammenfassung...16 Literaturverzeichnis...17 Ehrenwörtliche Erklärung...19

3 Die Wertschöpfung der Zahlung - III - Anzahl Wörter: 4340 Dateiname: zieger_fscm_wertschöpfung der Zahlung_ doc

4 Die Wertschöpfung der Zahlung - IV - Abbildungsverzeichnis Abb. 1: Bestandteile des Zahlungsprozesses...1 Abb. 2: Zahlungsabwicklung ohne PSP 15 Abb. 3: Zahlungsabwicklung mit PSP...15

5 Die Wertschöpfung der Zahlung - V - Tabellenverzeichnis Tabelle 1: Übersicht über Internet-Zahlungssysteme...2 Tabelle 2: Eigenschaften von Zahlungssystemen...8 Tabelle 3: Anforderungen an Zahlungssysteme...9 Tabelle 4: Nutzung und Angebot von Zahlungssystemen in Deutschland...10

6 Die Wertschöpfung der Zahlung - VI - Abkürzungsverzeichnis PSP SET SSL SWIFT XML Payment Service Provider Secure Electronic Access Protocol Secure Socket Layer Society for World-wide Interbank Financial Telecommunication Extensible Markup Language

7 Die Wertschöpfung der Zahlung Problemstellung Innerhalb einer Geschäftstransaktion zwischen verschiedenen Parteien nimmt der Zahlungsvorgang eine zentrale Rolle ein. Während dieser bei einer Bargeldübergabe zur Zahlung eines Kaufs im Supermarkt unmittelbar und für beide Seiten zufriedenstellend abgewickelt wird, zeigen sich bei bargeldlosen Zahlungssystemen, vor allem im B2C-Bereich, Unterschiede in Bereichen wie Sicherheit oder Geschwindigkeit der Abwicklung. Ziel dieser Arbeit ist die Darstellung der Bestandteile des Zahlungsprozesses an sich sowie der relevanten Merkmale der in Deutschland eingesetzten bargeldlosen Zahlungssysteme. Durch Vergleich der theoretischen Anforderungen an ein Zahlungssystem mit der tatsächlichen Nutzung durch Käufer sowie des Angebotes der Händler sollen die Schwachstellen aktueller Zahlungsstandards benannt und ein Ausblick auf mögliche Lösungen gegeben werden. Im letzten Teil der Arbeit wird die Nutzung der durch Zahlungen ausgelösten Informationsströme dargestellt und mögliche Effizienzgewinne, aber auch Problemfelder aufgezeigt. 2 Bargeldlose Online-Zahlungssysteme in Deutschland 2.1 Der Zahlungsprozess im Überblick Die zunehmende Vernetzung über Unternehmensgrenzen ermöglicht in vielen Bereichen der Wertschöpfungskette eine Prozessoptimierung, beispielsweise durch schnelleren oder umfangreicheren Informationsfluss. Auch der Ablauf des Zahlungsprozesses steht dabei auf dem Prüfstand. Er lässt sich, einer Abgrenzung der Aberdeen Group 1 folgend, in vier Bereiche einteilen: Abbildung 1: Bestandteile des Zahlungsprozesses Payment Payment Remittance Initiation Method Data Payment Aggregation Quelle: in Anlehnung an Aberdeen Group (2001), S vgl. Aberdeen (2001), S

8 Die Wertschöpfung der Zahlung Nach der Einleitung des Zahlungsvorganges ( Payment Initiation ) über die Website des Händlers/Marktplatzes oder ein ERP-System steht die Auswahl der zu verwendenden Zahlungsmethode ( Payment Method ) an. Das Fehlen der physischen Anwesenheit der Vertragspartners bedingt, dass sich die beteiligten Parteien auf andere Mechanismen verlassen müssen, um die Transaktion erfolgreich abzuschließen. Dabei muss sich der Käufer zwischen den vom Verkäufer angebotenen Möglichkeiten entscheiden. Die Sicherheit der Abwicklung und der zugrundeliegenden Daten, die Geschwindigkeit, die Kosten als auch der Komfort sind bei den verschiedenen Zahlungssystemen unterschiedlich ausgeprägt. Eine Abgrenzung erfolgt in dieser Arbeit über den Zahlungszeitpunkt, wobei zwischen Pre-Paid, Pay-Now und Pay-Later unterschieden werden kann. Andere mögliche Unterscheidungsmerkmale sind die Höhe der Zahlungsbeträge sowie die Möglichkeit der anonymen Zahlung 2. Tabelle 1: Übersicht über Internet-Zahlungssysteme Pre-Paid Pay-Now Pay-Later Hardwarebasiert: - Geldkarte Softwarebasiert: - PaySafeCard - MicroMoney Elektronisches Geld: - (ecash) - (CyberCoin) Lastschrift Nachnahme Mobile Payments: - Paybox - StreetCash Kreditkarte: - unverschlüsselt - SSL - SET Billing/Inkasso: - FirstGate Click & Buy - net900 Quelle: in Anlehnung an IWW (2002a) 2 vgl. Köhler/Best (2000), S

9 Die Wertschöpfung der Zahlung Pay-Later-Systeme Kreditkarten Die zu der Gruppe der Pay-Later-Systeme gehörenden Kreditkarten ermöglichen eine Online- Zahlung mittels unverschlüsselter oder per SSL-Verschlüsselung geschützter Übertragung der Kreditkartennummer. Dadurch wird dem Verkäufer seitens des Karteninhabers die Zahlung des Rechnungsbetrages durch ihn, die Kartenorganisation oder ein Kreditinstitut zugesagt. Eine Sonderrolle nimmt das SET-Verfahren ein, bei welchem eine gegenseitige Authentifizierung der Transaktionspartner durch Austausch digitaler Zertifikate erfolgt, wodurch die Sicherheit für beide Parteien steigt 3. Zur Nutzung dieses Verfahrens ist jedoch seitens der Verkäufer kostspielige und komplizierte Integrationsarbeit zu leisten, auch der Käufer muss das digitales Zertifikat auf seinem PC installieren. Die Verwendung von Zertifikaten hat den weiteren Nachteil, dass sie immer nur auf einem Rechner genutzt werden können, der Nutzer also ortsgebunden ist. Bei einer Kreditkartenzahlung wird dem Verkäufer die Abwicklung der Zahlung im Rahmen der Kreditfunktion der Karte garantiert. 4 Der Käufer ist jedoch gegen Missbrauch bei Kreditkarten gut geschützt, da er als Besitzer Zahlungen rückgängig machen kann was allerdings auch zum Nachteil des Händlers ausgenutzt werden kann. Der Emittent der Karte ist gesetzlich dazu verpflichtet, den vollen Betrag zurückzuerstatten. Eine Besonderheit bei der Zahlung mit der Kreditkarte ist die problemlose internationale Einsetzbarkeit, welche sie klar von allen anderen Zahlungssystemen unterscheidet Billing/Inkasso-Systeme Um eine Kontobewegung aufgrund der anfallenden Transaktionskosten wirtschaftlich sinnvoll zu machen, sollte der zu bewegende Betrag eine gewisse Mindesthöhe besitzen. Dieses Problem hindert Anbieter geringwertiger oder nutzungszeitabhängiger (Informations-)Produkte wie z.b. Datenbankbetreiber daran, ihre oft geringwertigen Leistungen einzeln über Zahlungsformen wie die Kreditkarte abzurechnen. 3 vgl. Manninger (2001), S. 209f. 4 vgl. Schierenbeck/Hölscher (1998), S. 471

10 Die Wertschöpfung der Zahlung Eine mögliche Lösung dieses Problems stellen die Billing-/Inkasso-Systeme dar, die Zahlungen im Bereich Mini- und Micropayment 5 anbieten. Dabei fungieren die Zahlungssystemanbieter als Sammler der einzelnen Zahlungen eines Käufers, wobei diese aufaddiert werden. Am Ende eines Abrechnungszeitraums, zumeist ein Monat, wird der aufgelaufene Gesamtbetrag durch den Zahlungssystemanbieter per Lastschrift oder Kreditkarte abgerechnet und an die jeweiligen Empfänger weitergeleitet. So integriert der Anbieter FIRSTGATE Zahlungsinformationen in Hyperlinks, die auf der Website des Verkäufers verwendet werden 6. Käufer können die angebotenen Produkte anschließend per Mausklick und Eingabe eines Passworts erwerben. Einen anderen Weg stellt die Computereinwahl über gebührenpflichtige Telefonnummern dar, wobei die Kosten für die genutzten Dienste über die Telefonrechnung abgerechnet werden. Durch Verwendung der oben genannten Verfahren zur Begleichung der aufgelaufenen Kosten ist eine anonyme Zahlung per Billing/Inkasso nicht möglich. Eine Zahlungsgarantie erhält der Händler nicht im Falle der Nichtzahlung wird die Identität des Käufers aufgedeckt und die beiden Parteien müssen sich untereinander einigen. Die Nutzung des Systems selbst ist für den Käufer in der Regel kostenlos. Anbieter zahlen jedoch eine monatliche Grundgebühr sowie eine prozentuale Umsatzbeteiligung, können dafür aber auch die Preise für die angebotenen Produkte innerhalb gewisser Grenzen bestimmen. Darin liegt auch ein latentes Sicherheitsproblem für den User, da die Preisgestaltung höchst intransparent und kaum überprüfbar ist. Das wurde auch durch das Problem der sogenannten 0190-Dialer zeigt, die sich automatisch in kostenpflichtige Angebote einwählen und so zu hohen Kosten für den betroffenen Nutzer führen. 2.3 Pay-Now-Systeme Lastschriftverfahren Durch Nutzung des Lastschriftverfahrens räumt der Käufer dem Verkäufer das Recht ein, die der Rechnung zugrundeliegende Summe vom Konto des Käufers abbuchen und auf das 5 Es existiert keine einheitliche Definition, bis zu welchem Betrag man von Mini- bzw. Micropayments spricht. Eine mögliche Abgrenzung findet sich bei Köhler/Best (2000), S. 61f. 6 vgl. Firstgate (2002)

11 Die Wertschöpfung der Zahlung Verkäuferkonto transferieren zu lassen. Voraussetzung dafür ist die Deckung des Kontos des Käufers, andernfalls erfolgt eine kostenpflichtige Rücklastschrift, der Zahlungsvorgang kann nicht erfolgreich abgeschlossen werden. Währenddem das Lastschriftverfahren im Offline- Bereich juristisch problemfrei ist, bewegen sich Händler bei Einsatz des sogenannten EDD (Electronic Direct Debit) in einer rechtlichen Grauzone: da die Digitale Signatur als Unterschriftersatz zur eindeutigen Identifizierung einer Person im Internet noch nicht eingesetzt wird, lässt sich die Identität des Käufers nicht zweifelsfrei nachweisen, ein Rechtsanspruch des Verkäufers auf Zahlung besteht somit nicht 7. Aus der Preisgabe der Bankverbindung heraus folgt ebenfalls, dass anonyme Zahlungen mit diesem Verfahren nicht möglich sind Mobile Payment Der steigende Bedarf an mobilen Lösungen manifestiert sich auch in entsprechenden Zahlungslösungen. Die im Mobilfunk verwendeten SIM-Karten ermöglichen eine Identifikation des Benutzers, weshalb sich Mobiltelefone auch zur Abwicklung von Bezahlvorgängen eignen. So lässt sich mit dem von der Firma paybox betriebenen Zahlungssystem sowohl bei Online- Shops bargeldlos einkaufen als auch beim Taxifahrer die Taxirechnung bezahlen 8. Dazu ruft der Käufer eine kostenlose Telefonnummer an, übermittelt per Tasteneingabe Betrag und Empfänger und bestätigt die Eingabe mittels seiner persönlichen PIN. Anschließend wird das Geld per Lastschrift von seinem Konto eingezogen und an den Empfänger übermittelt. Ähnliche Systeme, z.b. STREET CASH, setzen auf die Kurznachricht SMS zur Übermittlung der Zahlungsdaten 9. Mittlerweile ist es bei Anbietern wie paybox sogar möglich, Überweisungen auf Girokonten zu tätigen 10. Damit wird eine Funktion angeboten, die vormals dem klassischen Bankgeschäft vorbehalten war. Grundsätzlich liegt den unterschiedlichen Systemen im Bereich Mobile Payment das Lastschriftverfahren zugrunde. Die Systemanbieter treten als Intermediäre auf, die Zahlungsdaten empfangen und eine Belastung des Kontos des Käufers auslösen. Bedingt durch das Lastschriftverfahren kann dem Verkäufer keine Zahlungsgarantie erteilt werden. 7 vgl. Lenord/Nisbach (2002), S vgl. paybox (2002a) 9 vgl. STREET CASH (2002) 10 vgl. Entenmann (2001), S

12 Die Wertschöpfung der Zahlung Durch Maßnahmen wie Credit Scoring, Risikomanagement und Zusammenarbeit mit Auskunfteien und Inkassodiensten versuchen Anbieter wie paybox, das Ausfallrisiko zu senken 11. Die Verwendung der SIM-Karte als Identifikationsmedium in Verbindung mit der persönlichen PIN stellt eine ausreichende Sicherheit dar, wobei sich die Identität des Käufers jedoch nicht zweifelsfrei bestimmen lässt. So können Zahlungen von anderen Personen als dem Karteninhaber ausgelöst werden, sofern ihnen die PIN bekannt ist emoney - Elektronisches Geld Als Elektronisches Geld bezeichnet man Zahlungsmittel in Form von Geldeinheiten, die auf einem Datenträger in digitaler Form gespeichert sind 12. Dabei muss bei Transaktionen nicht unbedingt auf ein Bankkonto zugegriffen werden, wodurch sich Elektronisches Geld von Produkten wie z.b. Debitkarten oder auch Prepaid-Zahlungssystemen unterscheidet. Es zeigte sich jedoch, dass die bisher in Deutschland angebotenen Lösungen, CyberCoin und ecash, vom Kunden nicht angenommen wurden und ihren Dienst einstellten. Um den Zahlungsvorgang abwickeln zu können, musste der Käufer auf seinem PC einen elektronischen Geldbeutel mittels einer speziellen Software installieren, das sogenannte ewallet. Dieser diente als Aufbewahrungsort für persönliche Daten und konnte mit Geldbeträgen aufgeladen werden, die dabei vom real existierenden Konto des Käufers auf ein Schattenkonto verbucht wurden. Mit dem vorhandenen Guthaben konnte dann bei Händlern, die das System unterstützten, online bezahlt werden. 13 Beide Systeme arbeiteten mit einer sicheren Datenverschlüsselung, womit eine anonyme Zahlungsabwicklung ermöglicht wurde. Da während der Online-Zahlung die Existenz und Echtheit des Geldes überprüft wird, ist eine erfolgreiche Abwicklung für den Verkäufer mit einer Zahlungsgarantie verbunden. Das auf ihn übergegangene elektronische Geld musste jedoch zuerst durch den Zahlungssystemanbieter seinem realen Konto gutgeschrieben werden, um darüber verfügen zu können. Dieser Vorgang konnte bis zu einer Woche dauern. Trotz der Sicherheit und der Tatsache, dass beide System funktionierten, haben sie sich in Deutschland 11 vgl. paybox (2002b) 12 vgl. EZB (2001), S vgl. Köhler/Best (2000), S

13 Die Wertschöpfung der Zahlung nicht durchsetzen können. Eine Ursache dafür dürft in der relativ umständlichen Installation und Handhabung gelegen haben Prepaid-Systeme Als Prepaid-Zahlungssystem bezeichnet man die Möglichkeit, vorab eingezahltes Geld unter Verwendung soft- und/oder hardwarebasierter Mechanismen an einen Transaktionspartner zu übermitteln. Ein typisches Beispiel für ein softwarebasiertes Produkt ist die Paysafecard. Dabei erwirbt der Käufer für einen feststehenden Geldbetrag eine Scratch-Card, welche mit einer PIN versehen ist. Bietet ein Verkäufer Paysafecard als Zahlungssystem an, so kann der Käufer die ausgewählten Produkte durch Eingabe der PIN bezahlen. Diese wird vom Paysafecard-Server geprüft und anschließend das Geld auf das Konto des Verkäufer weitergeleitet 15. Ein hardwarebasiertes Produkt stellt die auf der ec-card basierende GeldKarte dar, zu deren Nutzung ein Karten-Lesegerät benötigt wird. Die auf nichts als der serverseitigen Autorisierung über eine Geheimzahl basierende Abwicklung ermöglicht die Durchführung anonymer Zahlungen. Dies bietet sich vor allem bei digitalen Produkten, die über das Internet distribuiert werden, sowie Erotik- oder Glücksspielangeboten an. Die Anonymität bedingt aber auch einen geringeren Schutz für den Käufer, da getätigte Zahlungen nicht rückgängig gemacht werden können. Während der Verkäufer somit eine faktische Zahlungsgarantie erhält, ist der Käufer auf die Ehrlichkeit des Verkäufers angewiesen, was den Versand der Ware anbelangt. Auch ein Verlust der PIN, z.b. durch Diebstahl der Karte, führt zu einem Verlust des damit verbundenen Guthabens. Um dieses Sicherheitsrisiko zu beschränken, ist der maximale Wert einer Karte beschränkt. Dadurch eignen sich Prepaid- Zahlungsformen kaum zum Erwerb kostspieliger Produkte, sondern hauptsächlich als Micropayment-System. 14 vgl. Böhle (2001c), S vgl. Paysafecard (2002)

14 Die Wertschöpfung der Zahlung Tabellarische Darstellung der wesentlichen Merkmale Tabelle 2: Eigenschaften von Zahlungssystemen Lastschrift Kreditk. Prepaid Billing Mobile emoney Anonyme Zahlung Zahlungsgarantie Zeitpunkt der Zahlung Risikoverteilung Internationale Einsetzbarkeit Nein. Nein Möglich Nein Nein möglich Nein Nein* Ja Nein Nein Ja Pay-Now Pay-Later Pre-Paid Pay-Now Pay-Now Pay-Now Verkäufer Verkäufer Käufer Verkäufer Verkäufer Käufer Nein Ja Nein** Nein Nein** Nein * bei Zahlung mittels SET erhält der Verkäufer eine Zahlungsgarantie ** teilweis e ist eine Nutzung in Nachbarländern wie Österreich möglich 3 Anforderungen, Nutzung und Zukunft bargeldloser Zahlungssysteme 3.1 Zahlungssysteme als Wettbewerbsvorteil Der Verkäufer legt durch Auswahl fest, zwischen welchen Zahlungsalternativen der Käufer sich entscheiden kann. Ein unausgewogenes Angebot führt dabei voraussichtlich zu einer geringeren Anzahl von Käufen und damit zu einem niedrigeren Umsatz seitens des Händlers, da ein Teil der potentielle Kunden den Kaufvorgang nicht abschließen wird, sofern keine ihren Vorstellungen entsprechende Möglichkeit zur Zahlung vorhanden ist. So brachen laut einer Studie von Vividence 16 41% bzw. 35% der befragten Käufer Einkäufe vorzeitig ab, weil der Bezahlvorgang zu lange dauere oder zuviel persönliche Information benötigt wurde. Im Umkehrschluss kann sich eine optimierte Auswahl an Zahlungsverfahren als umsatzsteigernd und auch als Wettbewerbsvorteil gegenüber anderen Anbietern erweisen. 16 vgl. Vividence (2001)

15 Die Wertschöpfung der Zahlung Anforderungen aus Händler- und Kundensicht Obwohl in der öffentlichen Diskussion eher der Käufer als potentielles Opfer von Online- Betrügern auftaucht, sind es in der Regel jedoch die Verkäufer, die für die bei Betrugs- und Missbrauchsfällen entstehenden Kosten aufkommen müssen. Als Beispiel mag hier die Zahlung per Lastschriftverfahren dienen, bei der Käufer getätigte Zahlungen innerhalb eines bestimmten Zeitraums ohne Einflussmöglichkeit des Verkäufers wieder zurücknehmen können. Unter alleiniger Berücksichtigung der Zahlungssicherheit wäre diese Zahlungsform dem Händler nicht uneingeschränkt zu empfehlen, andererseits dürfte die Akzeptanz unter den Käufern recht hoch sein, da der Großteil der Bevölkerung über ein Girokonto verfügt. Ausgehend von rationalen Käufern und Verkäufern lassen sich folgende Anforderungen an Zahlungssysteme: definieren 17 : Tabelle 3: Anforderungen an Zahlungssysteme Anforderungen der Händler - Datensicherheit - Zahlungssicherheit bzw. Minimierung des Ausfallrisikos - Bequemlichkeit für Händler - Verbreitung beim Kunden - Niedrige Kosten - Einfache Integration - Zusatzleistungen Anforderungen der Käufer - Datensicherheit - Authentifizierbarkeit des Händlers vs. Anonymität des Kunden - Bequemlichkeit für Kunden - Verbreitung beim Händler - Niedrige Kosten - Portabilität - Zusatzleistungen Quelle: in Anlehnung an Henkel (2002), S. 113, Wichmann (2002), S. 121 Innerhalb dieser Anforderungen gibt es gegenläufige Aspekte, die eine schnellere Verbreitung mancher Zahlungsform behindern können. So wartet der Händler möglicherweise auf eine weitere Verbreitung der Prepaid-Systeme, bevor er diese Zahlungsform anbietet, während der Kunde sich aufgrund der geringen Anzahl von Akzeptanzstellen ebenfalls gegen diese Zahlungsform entscheidet. 17 vgl. Henkel (2002), S. 113, Wichmann (2002), S. 121

16 Die Wertschöpfung der Zahlung Angebot und Nutzung vorhandener Zahlungssysteme in Zahlen Wie stellen sich nun vor dem Hintergrund der dargestellten Anforderungen Angebot und Nutzung von Zahlungssystemen in Deutschland dar? Anhand der Daten in Tabelle 4 zeigt sich, dass die Händler ihr Angebot an den Präferenzen der Kunden ausrichten, auch wenn sie selbst die einzelnen Systeme eher in umgekehrter Reihenfolge bewerten. Die Vorsicht der Käufer, was den Zahlungszeitpunkt und damit ihre eigene Sicherheit anbelangt, wird durch den klaren Vorsprung der Pay-Later-Systeme deutlich. Die darauffolgenden Zahlungsformen Vorkasse und Kreditkarte (SSL) belegen, dass die große Mehrheit der Käufer zur Zeit moderneren Zahlungsmethoden wie Mobile Payment gegenüber noch nicht allzu aufgeschlossen ist. Die relativen Nutzungssteigerungen von jeweils mehr als hundert Prozent signalisieren jedoch eine Akzeptanzzunahme innerhalb der Bevölkerung. Auch ist zu berücksichtigen, dass neue Zahlungssysteme eine gewisse Zeit zur Marktdurchdringung benötigen 18, so dass abzuwarten bleibt, wie sich die Akzeptanzwerte der neueren bargeldlosen Zahlungssysteme zukünftig entwickeln.. Tabelle 4: Nutzung und Angebot von Zahlungssystemen in Deutschland Zahlungssystem von Käufern genutzt 2000 von Käufern genutzt 2001 von Händlern angeboten 2001 ZS-Bewertung des Händlers 2001 (1-6) Rechnung 72,3 % 83,1% 44,3% 3,3 Lastschrift 47,6% 63,1% 41,2% 3,1 Nachnahme 46.6 % 63,6% 57,3% 2,2 Vorauszahlung 11.7 % 30,9% 47,2% 2,1 Kreditkarte/SSL 32.6 % 36,9% 44,9% 2,2 KK/unverschl. 5.2 % 11,0% k.a. 3,3 Kreditkarte/SET 3.2 % 8,2% k.a. 2,2 Mobile Payment 3.4 % 6,8% 24,5% 2,0 Billing-/Inkasso 3.1 % 7,5% 21,4% 1,5 Quellen: IWW (2001), IWW (2002a), IWW(2002b) 18 vgl. Entenmann (2001), S. 271f.

17 Die Wertschöpfung der Zahlung Sicherheit und Komfort als Schlüsseleigenschaften Vergleicht man die o.g. statistischen Werte mit den Anforderungen, die Käufer und Verkäufer an Zahlungssysteme stellen, so scheint der Sicherheitsaspekt in Hinblick auf Daten- und Zahlungssicherheit für beide Seiten die dominante Rolle zu spielen. Die höchste Sicherheit für beide Seiten weisen jedoch gerade die Systeme auf, die entweder gescheitert sind (CyberCoin/eCash) oder nur in geringem Maße verwendet werden (SET). Beide bieten dem Händler bei erfolgreich durchgeführter Prüfung eine Zahlungsgarantie, alle relevanten Daten unterliegen einer sicheren Verschlüsselung. Gleichzeitig erfordern diese Systeme aber ein höheres Maß an Integrationsarbeit und kosten beim Verkäufer sowie eine verhältnismäßig umständlichen Installation spezieller Software und dadurch bedingte Nicht-Portabilität beim Käufer. Darin dürfte auch der Grund für die geringe Verbreitung bzw. das Scheitern zu sehen sein. Unter Berücksichtigung des Trade-Off zwischen Sicherheit und Komfort eröffnen sich zwei Perspektiven, um die Eigenschaften von Zahlungssystemen mit den Präferenzen der Käufer und Verkäufer in Einklang zu bringen Vereinfachung bereits sicherer Verfahren Eine Vereinfachung bestehender Systeme wie SET mit einfacherer Handhabung und geringeren Integrationskosten wäre sowohl im Sinne der Händler als auch der Kunden. Dabei ist vor allem die Entwicklung von serverseitigen ewallets zu nennen, die den Kunden von der Installation spezieller Software entbindet und eine ortsunabhängige Nutzung per Webbrowser ermöglicht 19. Eine derartige Lösung hat den Vorteil, dass auf den Rechnern der Käufer keine sensiblen Daten mehr gespeichert werden müssen, was die Sicherheit deutlich erhöht. So unterstützt eine Weiterentwicklung von SET namens 3D-SET, unter anderem wieder von VISA und EuroCard vorangetrieben, bereits die serverseitige ewallet-technik. Da die beteiligten Unternehmen über eine große Marktmacht verfügen und die Kreditkarte in fast allen anderen Ländern signifikant häufiger häufiger genutzt wird als in Deutschland 20, sind die Entwicklungen auf diesem Gebiet mit großer Aufmerksamkeit zu verfolgen. 19 vgl. Böhle (2001a), S vgl. CPSS (2002), S.173 sowie S.178

18 Die Wertschöpfung der Zahlung Als zweiter, konkurrierender Ansatz ist die SmartCard zu erwähnen, die in Verbindung mit Kartenlesegeräten eine eindeutige Identifikation des Inhabers ermöglicht. Dadurch ist eine Nutzung der Karten in verschiedensten Funktionen möglich, so auch die Autorisierung einer Zahlung. Aufgrund der mangelhaften Ausstattung der Nutzer mit benötigten Kartenlesern 21 sowie einer unklaren Rechtslage spielen SmartCards heute jedoch noch keine Rolle in Deutschland Erhöhung der Sicherheit bestehender Zahlungsmöglichkeiten Hier sind die Zahlungssystemanbieter sowie Intermediäre gefragt, im Sinne der Verkäufer entsprechende Maßnahmen zu ergreifen. Ein Beispiel ist der Mobile Payment-Anbieter paybox, der durch Bonitätsprüfung seiner Kunden und Analysemethoden wie dem Credit Scoring das Risiko von Zahlungsausfällen zu minimieren versucht. Eine andere Möglichkeit besteht in der Zwischenschaltung sogenannter Trust Center, die als unabhängiger Dritter der Vertrauensbildung zwischen Geschäftspartnern dienen Optimierung des Zahlungsprozesses Währenddem mit den Teilbereichen Payment Initiation und Payment Method der Hauptprozess der Zahlung abläuft (vgl. Kapitel 2.1), basieren die Aspekte Remittance Data (Übertragung von Überweisungsdaten) / Reconciliation (Begleichung ausstehender Beträge, wörtlich: Aussöhnung) sowie Payment Aggregation (Zusammenfassung von Zahlungen) auf der Nutzung von durch Zahlungen entstandenen Daten. Durch verstärkten und rascheren Fluss von Informationen zwischen Käufer, Verkäufer und den beteiligten Finanzinstituten lassen sich Effizienzreserven in Bezug auf Geschwindigkeit und Kosten innerhalb des Zahlungsprozesses freizusetzen, die eine papierbasierte Abwicklung nicht zulässt. 4.1 Die Vielfalt der Datenformate als Problem Voraussetzung für die Überwindung der beleggebundenen hin zur beleglosen Zahlung war die Schaffung von standardisierten Datenformaten, um Zahlungsinformationen digital ohne Medienbrüche übertragen zu können. Im Bankenbereich hat sich mit dem SWIFT-Format 21 vgl. Böhle (2001b) 22 vgl. Meyer zu Selhausen (2000), S. 135

19 Die Wertschöpfung der Zahlung bereits ein Standard etabliert, der jedoch auf Inter-Bank-Kommunikation beschränkt ist und zum nur als reines Nachrichtenformat dient 23. Mittlerweile benutzen rund 7500 Finanzinstitutionen weltweit SWIFT als Standardformat zur Nachrichtenübermittlung von Finanztransaktionen 24. Im Unternehmensbereich zeigte sich jedoch, dass die Einigung auf allgemein gültige Standards und deren gemeinsame Nutzung kein Selbstläufer ist. Unter anderem beflügelt durch das universell einsetzbare Datenaustauschformat XML entwickelten sich zahlreiche miteinander konkurrierende Formate wie XMLPay, ECML, OBI und andere, ohne dass sich ein dominierendes Format durchsetzen konnte 25. Gerade dadurch wird die Weiterentwicklung der automatisierten Zahlungsabwicklung jedoch gebremst. 4.2 Unterschiede zwischen B2B und B2C Von großer Bedeutung ist hierbei die Abgrenzung zwischen B2B- und B2C-Transaktionen. Während das Internet und damit der Anwendungsbereich von B2C eher organisch und unorganisiert gewachsen ist, finden sich im B2B-Bereich klarere und homogenere Strukturen 26. So existieren zwischen Unternehmen vielfach längerfristige Beziehungen, die teilweise bereits zu einer gegenseitigen Teilintegration von Datenströmen führten. Da die große Mehrzahl der getätigten Transaktionen im B2B-Bereich per Rechnung bezahlt wird 27, die ebenfalls elektronisch gestellt erstellt und versandt werden kann, ist zu erwarten, dass sich die Integration zahlungsbezogener Informationsströme im B2B-Bereich deutlich schneller als im B2C-Bereich vollzieht. Ein mögliches Werkzeug zur Optimierung des Zahlungsprozesses stellen die Cash Management Systeme dar. 4.3 Einsatz von Cash-Management-Systemen Generelles Ziel der Nutzung von Cash Management Systemen ist die Unterstützung eines Unternehmens bei der liquiditäts-, rentabilitäts- und risikoorientierten Steuerung der Finanzströme 28. Voraussetzung dafür ist die Bereitstellung der entsprechenden Informationen 23 vgl. Schierenbeck/Hölscher (1998), S. 481f. 24 vgl. SWIFT (2002) 25 vgl. Böhle (2001a), S vgl. Böhle (2001c), S vgl. Böhle (2001c), S vgl. Schierenbeck/Hölscher (1998), S

20 Die Wertschöpfung der Zahlung seitens des beteiligten Finanzinstitutes (Bank) bzw. des jeweiligen Transaktionspartner. Der Einsatz sogenannter Cash Management Systeme, die an die übrigen Unternehmensapplikationen angebunden werden, ermöglicht u.a. folgende für den Zahlungsprozess relevante Funktionen 29 : - Die Kenntnis bereits getätigter, aber noch nicht verbuchter Einzahlungen verhilft zu einer exakteren kurzfristigen Liquiditätsplanung. - Durch das Netting werden unterschiedliche Forderungen und Verbindlichkeiten zwischen Unternehmen aufgerechnet und können anschließend mit einer einzigen Zahlung ausgeglichen werden. Dadurch lassen sich Transaktionskosten sparen, Zinsgewinne realisieren sowie der Liquiditätsbestand optimieren. 4.4 Payment Service Provider als Business Enabler Die Vielzahl der vorhandenen Zahlungsformen und Datenaustauschformate sowie die damit verbundene Intransparenz stellt zweifelsohne ein Hindernis für die Verbreitung der elektronischen Zahlungsabwicklung dar. Um den Einsatz elektronischer Zahlungssysteme zu ermöglichen bzw. rentabel zu machen, kann sich die Inanspruchnahme eines Intermediärs im Sinne eines Payment Service Providers (PSP) lohnen. Dieser bietet als Dienstleistung die Integration unterschiedlicher Zahlungssysteme in das Angebot des Verkäufers, zum anderen kann der PSP je nach technologischer Infrastruktur auch Informationen über Daten wie Status, Höhe, Anzahl und Auslöser getätigter Zahlungen zur Verfügung stellen, die über ein Cash Management System zur Optimierung der Zahlungsabwicklung genutzt werden können. 29 Cash Management Systeme stellen (je nach System) noch umfangreiche weitere Funktionen zur Verfügung, die jedoch nicht mehr dem Zahlungsprozess allein zuzuordnen sind. Für eine umfassendere Darstellung vgl. Meyer zu Selhausen (2001), S

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