WSR Evolutionäre Umwandlung eines End-User Programms in eine profesionelle Software: Eine Fallstudie. Daniel Kulesz

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1 WSR 2010 Evolutionäre Umwandlung eines End-User Programms in eine profesionelle Software: Eine Fallstudie Daniel Kulesz Institut für Softwaretechnologie Universität Stuttgart

2 Daniel Kulesz 2 / 13 Agenda Motivation Szenario Inventur und Analyse Evolutionsschritte Ausblick

3 Daniel Kulesz 3 / 13 Motivation Die meisten Software Reengineering-Projekte beschäftigen sich mit großen, geschäftskritischen Legacy-Systemen. Kleinere, vermeintlich weniger geschäftskritische Software wird von Managern oft übersehen: Spreadsheets ( Excel Tabellen ) Shell-Skripte Makros

4 Daniel Kulesz 4 / 13 End-User Programme Was ist an diesen End-User Programmen besonders? Entwickler = Anwender (keine SE-Kenntnisse) Keine Dokumentation Keine oder nur unsystematische Tests und Prüfungen ad-hoc Entstehung Keine formalen Projekte, kein beschlossenes Budget Qualität oft mangelhaft. Dennoch kein Reengineering. [1] Weidemann T. et al. Spreadsheet errors and decision making: Evidence from field interviews. Journal of Organizational and End User Computing, 19, 2007 [2] S.G. Powell et al. Errors in operational spreadsheets: A review of the state of the art. pages 1-8, 2009 [3] Greenville J. Croll. The importance and criticality of spreadsheets in the city of London. CoRR, abs/0709/4063, 2007

5 Daniel Kulesz 5 / 13 Szenario Hilfskraftverwalter unserer Universität wird pensioniert. Geschäftsleitung beschließt Aufspaltung der bisherigen Stelle und Verteilung der Arbeit auf zwei Köpfe. Die Nachfolger analysieren den bisherigen Geschäftsprozess. Ergebnis: Der bisherige Geschäftsprozess muss stark umgestaltet werden. Und die Software?

6 Daniel Kulesz 6 / 13 Altsystem: Perpro Datenverarbeitung erfolgte bislang mit einem Spreadsheet namens Perpro. Perpro entstand in den 80er-Jahren und wurde fortlaufend weiterentwickelt. Perpro besteht aus zwei Tabellenblättern: Blatt 1: Zellen, davon ca. 45% befüllt Blatt 2: 4300 Zellen, davon ca. 15% befüllt

7 Daniel Kulesz 7 / 13 Screenshot Perpro

8 Daniel Kulesz 8 / 13 Inventur und Analyse Probleme der Implementierung: Bedingte Ausdrücke mit Schachtelungstiefe bis 7 Duplizierte, hartcodierte Konstanten Sehr breite Tabellen Fehler in den Berechnungsformeln Probleme des Designs: Keine Trennung zwischen Datenhaltung und Präsentation Keine Unterstützung gleichzeitiger Schreibzugriffe Domänenmodell nicht umfassend genug Jährliche Neuerstellung des Spreadsheets notwendig

9 Daniel Kulesz 9 / 13 Bewertung der Situation Der neue Geschäftsprozess kann mit dem existierenden Spreadsheet nicht umgesetzt werden. Reengineering alleine kann die Probleme nicht lösen. Wechsel auf Online-Spreadsheet aus Datenschutzgründen nicht möglich. Redevelopment notwendig.

10 Daniel Kulesz 10 / 13 Evo 1: Neues End-User Programm Implementierung eines neuen Datenmodells MySQL-Datenbank als Backend OpenOffice.org Base als UI für die Endanwender Zusätzlich (ganz) kleine Java-Anwendung Vor- und Nachteile: Kurze Entwicklungsdauer Grundfunktionalität gewährleistet Eingeschränkte Bedienbarkeit

11 Daniel Kulesz 11 / 13 Screenshots Evo 1

12 Daniel Kulesz 12 / 13 Evo 2: Professionelle Anwendung Evo 1 wurde über 9 Monate lang erfolgreich eingesetzt. Jetzige Endanwender konnten gezielt bzgl. Ihrer Verbesserungswünsche befragt werden. Realisierung von Evo 2 als Java-Anwendung im Rahmen des Softwarepraktikums an der Universität Stuttgart (Umfang: 720 Entwicklerstunden) Hybrid: Durch Kompatibilität zum Datenmodell bleibt Evo 1 in Zukunft weiterhin einsatzfähig.

13 Daniel Kulesz 13 / 13 Fazit Auch End-User Programme brauchen Software Reengineering. Hoffen auf Eigeninitative der End-User ist utopisch. Reengineering-Trigger sind meist externe Ereignisse. Ausgangssituation wie in dieser Fallstudie ist nicht untypisch. Läuft es auf eine Neuentwicklung hinaus, empfehle ich eine evolutionäre Umwandlung statt einer radikalen Umstellung.

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