Ferdy Förder und der Volksbank-Dackel

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1 Ferdy saß geduckt am Steuer seines Braunkohlebaggers. Sein Gesicht hatte sich wütend verzogen und seinen sonst so freundlichen Ausdruck einmal kurz zur Seite geschoben. Mit dem, was die Zornesfalte noch von seinen Augen übrig ließ, visierte er einen Black-Rabbit an, der mit einem Spaten einen seiner Lieblingshügel platt haute. Dabei schaute er ihm grinsend und voller Hohn in die Augen. Na warte!, dachte Ferdy und legte mit der hackeligen Gangschaltung den 28. Volle-Fahrt-Gang ein, der den riesigen Bagger auf das unglaubliche Tempo eines, sagen wir einmal, schneller laufenden Fußgängers beschleunigte. Der gewaltige Motor röhrte auf, die Ketten quietschten ein etwas höheres Lied und Ferdy hielt bei seiner Fahrt über das Feld auf diesen einen von Hunderten Black-Rabbits zu, der seinen geliebten Hügel schon fast dem Erdboden gleich gemacht hatte. Gleich würde er ihn haben! Nur noch fünfzehn Meter...Hunderte Black-Rabbits krabbelten plötzlich von allen Seiten auf den Braunkohlebagger und drückten ihr freches Gesicht an die Scheiben der Fahrerkabine. Ferdy rutschte vor Schreck vom Gaspedal, fand in der Hast nicht den Schalter für den Scheibenwischer und fing wie wild an, mit seinen Schaufeln zu zappeln und rief dabei: Weg! Weg mit euch, ihr Black-Rabbits!...Weg! Irgendetwas schüttelte plötzlich den ganzen Braunkohlebagger hin und her, und er hörte eine irrsinnig laute Stimme direkt an seinem Ohr: Ferdy! Ferdy! Wach auf! Ferdy! Es war Nina, die Erzieherin aus der Feen-Gruppe der DRK-Kita. Ferdy war bei seinem Mittagsschläfchen auf der Fensterbank der Feen-Gruppe eingeschlafen und brachte mit seinem unverständlichen Rufen nicht nur Unruhe in die Ruhe-Phase, sondern drohte auch fast von der Fensterbank zu fallen. Was? Ihr Black...! Was? Wo bin ich?, fragte Ferdy verschlafen und mühte sich ab, die Augen zu öffnen. Ich! Oh! Nina, du bist das! Uiih! Da bin ich wohl eingeschlafen! Nicht nur das! Du scheinst auch einen ordentlichen Schmarren geträumt zu haben!, kicherte Nina. Zumindest hat es sich danach angehört. Ja! Ich erinnere mich! Diese Black-Rabbits-Halunken-Bande! Jetzt machen die auch noch die Träume unsicher!, Ferdy gähnte, reckte und streckte sich und kletterte schließlich zurück auf den Boden. Entschuldige, wenn ich euch gestört habe! Das ganze Buddeln hat mich doch ganz schöne müde gemacht!, sagte Ferdy. Nicht so schlimm! Du hast ja auch schon wirklich einiges geschafft!, erwiderte Nina, tätschelte Ferdy vorsichtig den Kopf und schaute auf sein Werk. Vier große Löcher hatte er geschaufelt. Die waren für die Betonfundamente, die am nächsten Tag kommen sollten. Das wird ein super Stelzenhaus!, sagte Ferdy zufrieden. Ich kann es kaum erwarten, es wird einfach super-ober-hammer-mega...öh...jetzt habe ich das Wort vergessen. Es wird gut! 1

2 Oh, ja, lachte Nina. Das wird es ganz bestimmt! Die Kinder sind auch schon ganz aufgeregt und können alleine deswegen kaum noch Ruhe-Phase machen! Die Kita hatte lange, lange, lange gespart, bis dass das heiß ersehnte neue Stelzenhaus tatsächlich und endlich gekauft werden konnte. Viele hundert Waffeln und Plätzchen waren gebacken und auf diversen Sommerfesten und Martinsbasaren verkauft worden, ebenso wie die tollen Bastelwerke der Kinder. Unermüdlich und immer wieder, bis Frau Welzel endlich stolz verkündet hatte: Wir haben es geschafft! Wir können unser Stelzenhaus kaufen! Juhu! Und in ein paar Tagen würde es auch endlich im Kita-Garten stehen. Fertig, um für unzählige Kletteraktionen und Abenteuerspiele Herberge zu sein. Bloß noch die Fundamente, und dann konnte es losgehen. Ferdy wollte sich gerade wieder in das letzte Loch schmeißen, das die notwendige Tiefe noch nicht erreicht hatte, da kam eine Frau Welzel auf die beiden zu, die völlig aus dem Häuschen war. Ferdy! Du kannst aufhören mit dem Buddeln! Das mit dem Stelzenhaus wird nichts!, rief sie aufgeregt. Waaas?, platzte es aus Nina und Ferdy heraus. Ja! Es tut mir leid, aber daraus wird nichts! Ich kann es selber kaum glauben, aber so ist es! Es war offensichtlich, dass es Frau Welzel viel trauriger machte als sie zugeben wollte. Aber, ich verstehe nicht! Was ist denn auf einmal los? Es ist doch alles bestellt?, rief Ferdy empört. Das stimmt!, antwortete Frau Welzel. Aber es gibt da ein großes Problem! Das Finanzamt hat festgestellt, dass wir mit unserer Abgassteuer der Windeleimer zurückliegen. Und nun müssen wir nachzahlen oder sofort die Windeleimer abschaffen! Ferdy wurde schummerig. Er konnte in dem Moment nicht sagen, ob wegen des Gedankens an volle Windeleimer ohne Eimer oder wegen des plötzlichen Baustopps. Er musste sich erst einmal setzen, um seine Gedanken zu ordnen. Und da gibt es nichts daran zu rütteln?, fragte er. Nein! Das Finanzamt hat schon recht. Es gibt eine neue Verordnung für Kitas, dass Windeln entweder besteuert oder wiederverwendet werden müssen. Rate, wofür ich mich entschieden, aber dann ganz vergessen habe, sagte Frau Welzel schnippisch. Und so fehlen uns im Moment 14 Euro, um das Stelzenhaus zu bezahlen. Ist das nicht furchtbar ungerecht? Frau Welzel rannte schnell wieder hinein, damit keiner ihre dicken Kullertränen sehen konnte. 2

3 Och, das gibt es doch nicht!, rief Ferdy jetzt schon wieder fast so wütend wie in seinem Traum. Ich muss nachdenken!, sagte er zu Nina und verschwand in einem seiner Kita-Hügel. Und so dachte und grübelte er lange vor sich hin. Und beim Thema Geld fiel ihm schließlich nur einer ein, dessen Obsession eben dieses war: der Volksbank-Dackel. Vielleicht weiß er ja Rat, dachte sich Ferdy und nahm den nächsten Schnelltunnel zur Volksbank am Neumarkt. Zu seiner Überraschung war an diesem Tag allerdings einiges unter der Erde los. Eine am Tag zuvor noch nicht dagewesene Baustelle an den Abwasserrohren zwang Ferdy, doch den Weg über Nebentunnel zu nehmen und die waren voller unterirdischer Beschäftigung. Ein Maulwurfskollege mühte sich mit einem Schwertransport von Dörr-Insekten-Futter ab. Dahinter stauten sich einige drängelnde und meckernde Nagetiere, die natürlich keine Zeit und Lust zum Warten hatten. Unter dem Neumarkt war heute Markt, was auch den Futtertransport erklärte. In vielen Stichgängen priesen Verkäufer ihre Ware an, und davor tummelte sich die unterirdische Welt auf der Suche nach frischen Schnäppchen. Ferdy bog in einen seiner Geheimgänge ab und traf dort zu allem Überfluss auf Maulwurfstouristen, die sich in seinen Gang verirrt hatten. He Sie!, fragte ihn die Frau des älteren Gräber-Paares. Sind wir hier richtig? In Datteln? Dem größten Maulwurfsknoten Deutschlands? Sind sie hier der Chef? Es wäre einfach zu köstlich gewesen, einfach Ja zu sagen, aber Ferdy hatte ja Anstand, und in Eile war er auch. Und so klärte er die beiden flink auf. Allerdings zeigten sie sich wenig beeindruckt vom Kanalknotenpunkt Datteln und zogen bedröppelt wieder von dannen. Touristen!, dachte Ferdy. Immer das Gleiche! Eines Tages werdet ihr schon sehen! Wenn Datteln Frankfurt die Drehscheibe wegnimmt...! Und so kam er irgendwann dann doch endlich bei der Volksbank an, schubberte sich an der Fußmatte die Erde ab und ging in die Schalterhalle. Der Volksbank-Dackel war Gott sei Dank da, aber auch beschäftigt, denn er war ein gefragter Finanzhund. So musste er eine ältere Frau aufklären und beruhigen, dass ihr Geld nicht einfach weg sei, wenn sie es der Bank anvertraute, und dass sie später dafür sogar mehr Geld zurückbekommen würde. Der nächste Kunde hatte seinen Schlüssel für sein Schließfach verbummelt und musste ebenso beruhigt werden. Auch das könne, natürlich mit einer großen Portion Sicherheit und Vorsicht geregelt werden. Dann kam ein Kollege und beichtete, dass er aus Vorsehen die Pausenwurst aufgegessen hatte jetzt musste der Dackel beruhigt werden. 3

4 Und irgendwann war dann auch Ferdy an der Reihe und konnte dem Volksbank-Dackel das Kita- Problem erklären. Oh, Mann! Das kann ich verstehen! Das ist ja echt gemein!, winselte er. Bei diesen ganzen Steuern blickt doch echt keiner mehr durch. Und wenn jetzt das Stelzenhaus nicht gebaut werden kann, ist das ja doppelt ärgerlich, auch für uns Hunde! Für euch Hunde?, fragte Ferdy verwundert. Ja, weil doch die Stelzen,...Ach, nichts weiter!, sagte der Dackel schnell. Lass mich mal schauen, was wir da für euch tun können. Der Dackel tippelte auf seine Computertastatur und sagte dann irgendwann: So, da haben wir es doch. Stelzenhäuser. Da gibt es aktuell einen günstigen Kredit, den ich euch anbieten kann. Drölf-Komma-zwünf effektiv. Und was soll das heißen? Was ist denn ein Kredit? Ist das etwas anderes als Münzen und Scheine?, fragte Ferdy. Oh, sorry! Das erkläre ich dir gerne!, der Dackel räusperte sich gewichtig. Wenn jemand nicht genug Geld hat, so wie ihr jetzt, dann kann er sich bei uns das Geld leihen. Wir würden euch die 14 fehlenden Euro geben, dafür müsst ihr uns dann aber irgendwann 15 Euro wiedergeben. Damit das dann nicht so viel auf einmal ist, könnt ihr das in vielen kleinen Portionen zurück zahlen. Wie hört sich das an? Mmmmh! Ich weiß nicht, sagte Ferdy nachdenklich. Er wusste nicht, ob die Kita das so einfach konnte. Es hörte sich ja einfach an, aber auch das klein portionierte Geld musste ja irgendwo herkommen. Das heißt doch, dass die Kita weiter sparen muss, um diesen, wie heißt das, Kredit wieder zurückbezahlen zu können, oder? Ja, genau!, hechelte der Dackel mit wedelndem Schwanz. Oooooch!, seufzte Ferdy enttäuscht. Das ist ja blöd! Die Kita hat doch schon so lange gespart und sich gefreut, dass es jetzt endlich genug für das Stelzenhaus war. Und jetzt muss schon wieder gespart werden. Das ist ja richtig ungerecht, nur wegen dieser doofen Windelsteuer! Der Dackel merkte, dass Ferdy das Geschäft nicht so erfreut aufgenommen hatte wie er es ihm präsentiert hatte und sagte zu Ferdy. Warte einmal einen kleinen Augenblick! Ich habe da eine Idee! Bin gleich zurück! Und damit war der Dackel irgendwo in den Büros verschwunden, und Ferdy stand betrübt in der Schalterhalle und schaute sich Prospekte mit scheinbar ganz tollen Zahlen an, die er aber nicht verstand. Irgendwie konnte man wohl viel mehr mit seinem Geld machen, als sich einfach nur etwas 4

5 zu kaufen. In einem stillen Stündchen würde er den Dackel einmal fragen müssen, was das alles bedeuten sollte. Der Volksbank-Dackel kam schließlich strahlend zurück und berichtete Ferdy: Ich habe mit meinem Vorgesetzten gesprochen. Wir spenden euch die 14 Euro. Das machen wir ohnehin jedes Jahr und so kriegt ihr dieses Mal auch etwas. Und weißt du, was das Lustige ist? Für Spenden müssen wir weniger Steuern bezahlen, und so holen wir einfach wieder etwas zurück von der Windelsteuer! Na, was sagst du dazu? Was ich dazu sage?, jauchzte Ferdy. Das ist fantastisch! Vielen, vielen Dank, lieber Dackel! Und so konnte Ferdy die freudige Nachricht überbringen und das super Stelzenhaus doch noch aufgebaut werden. Er hatte es wieder einmal geschafft! 5

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