Beitrag: Geprellte Kunden, belästigte Mitarbeiter Die Werkstattkette A.T.U.

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1 Manuskript Beitrag: Geprellte Kunden, belästigte Mitarbeiter Die Werkstattkette A.T.U. Sendung vom 9. April 2013 von Christian Esser und Dana Nowak Anmoderation: Wer mit dem Auto in die Werkstatt fährt, muss einfach gutgläubig sein. Denn wissen Sie, was in Wahrheit kaputt ist? Da kann der KFZ-Mechaniker Ihnen alles Mögliche erzählen. Und tut s auch. Etwa bei Auto-Teile-Unger, der großen Werkstatt-Kette. A.T.U. leidet unter schlechten Geschäften, und scheint nun rauszuholen was eben geht. Auch im Umgang mit dem Personal wird s richtig unschön. Was eine ehemalige Führungskraft unseren Autoren Christian Esser und Dana Nowak aus der Firma erzählte das will man echt nicht erleben. Nicht als Kunde. Und nicht als Mitarbeiterin. Text: Fünf Jahre war Doris Günther-Brundidge Leiterin der Revision bei der Werkstattkette Auto-Teile-Unger. Sie hat gern für das Unternehmen gearbeitet, obwohl sie immer wieder sexuell belästigt worden sei von einem Kollegen. Bei mir persönlich ist es so, dass ich von ihm aufgefordert wurde, doch ohne BH zur Arbeit zu kommen, weil das doch sehr viel schöner aussehen würde, und überhaupt man sollte doch auch mal an ihn denken. Diese ganzen gleich geformten Brüste, die er hier den ganzen Tag zu sehen bekommt, weil die Damen offensichtlich alle die gleiche BHs tragen, wie langweilig das wäre. Und es wäre doch sehr viel schöner, wenn ich ohne kommen würde. Ähnliche Vorwürfe erheben auch andere Mitarbeiterinnen aus der A.T.U.-Zentrale. Eine Kollegin, die mir das auch erzählt hat, die wurde also auch fast jeden Tag zu ihm ins Büro bestellt. Da war dann die

2 Standardfrage: Welche Farbe Unterhose trägst du heute? Mir, aber auch anderen Kolleginnen, die mir das erzählt haben, wurde angeboten, doch mal ein Gespräch mit seiner Frau zu führen, die uns dann erzählen könnte, wie viel besser der Sex ist, seitdem er Intim-Piercings hat. Schon 2011 verteilen Mitarbeiterinnen Flugblätter in den Waschräumen und warnen: Leider gibt s hier niemanden an den man sich wenden kann, keinen Betriebsrat und keine Frauenbeauftragte. Die Reaktion des Unternehmens: ein Infoblatt mit Ansprechpartnern. Sonst nichts. Betroffene Frauen wenden sich an die Gewerkschaft. O-Ton Peter Donath, IG Metall, Leiter Betriebspoltik: Es gab diese sexuellen Belästigungen. Damit ist auch der verantwortliche Mitarbeiter dann konfrontiert worden, der das letztendlich auch zugegeben hat. Doch erst im Dezember 2012 zieht A.T.U. personelle Konsequenzen. Und das, so erklärt A.T.U. gegenüber Frontal21, obwohl - Zitat: ( ) die arbeitsrechtliche Prüfung ergab, dass die Vorfälle nicht schwerwiegend genug waren ( ). Heute heißt es in einer internen A.T.U.-Mitteilung: Der Betroffene verlässt das Unternehmen im gegenseitigen Einverständnis. Gestörtes Betriebsklima. Den Vorwurf erheben Mitarbeiter auch, als sie in der Zentrale einen Betriebsrat gründen wollten. Die Geschäftsführung habe das verhindern wollen. Es habe Kündigungen gegeben, die Abstimmung sei chaotisch verlaufen und gescheitert. O-Ton Katrin Mecklinger, ehm. A.T.U.-Mitarbeiterin: Es waren immer wieder Zwischenrufe, richtig böse Zwischenrufe. Zum Beispiel, was haben die gesagt? O-Ton Katrin Mecklinger, ehm. A.T.U.-Mitarbeiterin: Dass niemand einen Betriebsrat will und keiner einen braucht und warum wir das hier überhaupt machen. Also, das war - die Stimmung war richtig schlecht. Die Leute standen da, die ganzen Abteilungsleiter waren sehr geschickt positioniert. Überall stand einer, dass er sehen konnte, wer die Hand hebt. Also, es war wirklich niemand unbeobachtet.

3 O-Ton Peter Donath, IG Metall, Leiter Betriebspolitik: Ich habe das Gefühl, jeder Abteilungsleiter hat seinen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern deutlich gesagt, dass die Geschäftsleitung hier keinen Betriebsrat wünscht. Und das man von den Mitarbeitern erwartet, wenn darüber abgestimmt wird, ob es einen Betriebsrat gibt, dass sie sich dagegen wenden. Wenn sie das dekorieren mit der Entlassung von Beschäftigten und mit der Versetzung von Beschäftigten, entsteht ein Klima, wo ich es schon als mutig bezeichne, dass sich 65 Kolleginnen und Kollegen in offener Abstimmung dafür ausgesprochen haben, dort einen Betriebsrat zu wählen. Manfred Symanzik hat sich getraut. Der Fuhrpark-Leiter ist seit über 26 Jahren bei A.T.U., war lange schwer krank. Der Geschäftsführer habe ihm den Vorruhestand angeboten. Doch als Symanzik für den Betriebsrat stimmte, sei das vom Tisch gewesen. O-Ton Manfred Symanzik, Fuhrparkleiter Er hat gesagt, weil sie sich für den Betriebsrat gemeldet haben. Er hat noch nicht mal gesagt, dass ich mehr oder weniger Mitarbeiter aufgehetzt habe oder, oder, oder, dass ich mich dementsprechend negativ gegenüber der Geschäftsführung verhalten habe - sondern nur den Satz: Weil ich mich gemeldet habe, müsste ich dementsprechend mit den Konsequenzen leben. So ist es bei mir angekommen. Und dass er mich dafür jetzt natürlich bestrafen wollte. Auch im A.T.U.-Logistikzentrum in Werl gab es Unruhe bei der Betriebsratswahl. O-Ton Peter Donath, IG Metall, Leiter Betriebspoltik: Man hat versucht die Leute unter Druck zu setzen, in offener Art und Weise sie dazu zu gewinnen gegen einen Betriebsrat zu stimmen und sich gegen den zu wenden oder man hat bis hin zu solchen kuriosen Maßnahmen, indem man Privatgespräche am Arbeitsplatz verboten hat. A.T.U. bestreitet Betriebsratswahlen jemals verhindert oder gestört zu haben. Man ist offenbar nervös bei der Werkstattkette: Die Umsätze sind schwach. Seit 2004 gehört das Unternehmen dem Finanzinvestor KKR. Einer sogenannten Heuschrecke. O-Ton Ferdinand Dudenhöffer, Experte Automobilwirtschaft: Der Plan und die Ziele von KKR sind mit Sicherheit nicht aufgegangen, denn die Situation hat sich sehr stark verschlechtert, von A.T.U. und bei Finanzinvestoren ist es oft

4 so, dass man mit wenig eigenen Mitteln, mit wenig Eigenkapital, aber viel geliehenem Geld von der Bank Unternehmen kauft. Und diese Unternehmen müssen dann diese Schuldenlast mitschleppen, müssen diese Schulden mitabtragen, das Geld mitverdienen. Da hat nicht geklappt bei A.T.U. Die Schulden lasten auf A.T.U. Im nächsten Jahr werden zwei Anleihen fällig rund 600 Millionen Euro. Ferdinand Dudenhöffer glaubt, dass Unternehmensteile verkauft werden müssen. Zwar habe A.T.U. in der Hälfte aller Filialen Betriebsräte, aber nicht in der Zentrale. Und das sei entscheidend. O-Ton Ferdinand Dudenhöffer, Experte Automobilwirtschaft: Für die Geschäftsführung kann es profitabler sein, ohne Betriebsrat auszukommen, weil ich dann mein Unternehmen leichter international verkaufen kann. Und damit unter Umständen höhere Gewinne oder geringere Verluste für mich erzielen kann. Und zum Zweiten, ich kann Sanierungspläne viel schneller durchdrücken, als mit dem Betriebsrat. Und dann werden die für mich preisgünstiger, also profitabler. Durch die schwierige finanzielle Lage steigt auch der Druck auf die Angestellten in den Filialen. Immer weniger Mitarbeiter müssen mehr arbeiten. Die Kunden hätten das ausbaden müssen. Doris Günther-Brundidge zeigt uns Unterlagen aus einer Filiale. Also, das hier sind Aufträge, wo dem Kunden Verschleißteile bei Inspektionen in Rechnung gestellt wurden. Aber ganz offensichtlich wurden diese Teile nicht in die Fahrzeuge eingebaut und lagen somit zur Inventur im Lager der Filiale und wurden als Plus-Differenz ausgewiesen. Das sind aber ganz schön viele Fälle. Das sind einige hundert Fälle. Und weiß der Kunde darüber eigentlich Bescheid, dass er da betrogen wurde?

5 Nein. Und wenn ich mir das jetzt hier angucke, dass die Werkstatt, was die hier alles für erledigt bzw. geprüft abgehackt hat. Das ist total unrealistisch, das kann nicht sein, das ist zeitlich nicht zu schaffen. Auch die Mietwagenfirma Terstappen soll betroffen sein. Ein Familienunternehmen mit Fahrzeugen weltweit. Wir zeigen dem Geschäftsführer die Aussagen und Unterlagen der ehemaligen Leiterin der Revision. O-Ton Hubert M. Terstappen, Geschäftsführer Terstappen: Es schockiert mich deswegen, weil ich von einer hanseatischen Kaufmannskultur geprägt bin, und wir letztendlich uns auch auf unsere Partner verlassen müssen - wie sich auch unsere Kunden auf uns verlassen. Und insofern bin ich halt schockiert über die Dinge, die ich jetzt gerade gehört habe. Bei Terstappen will man den Vorgang jetzt nachverfolgen. Auch die Autovermietung Hertz soll geschädigt worden sein. Auch hier will man prüfen, gegebenenfalls Maßnahmen gegen A.T.U. ergreifen. A.T.U. schreibt uns, man habe lediglich einen Überbestand an Ölfiltern in dieser Filiale entdeckt. Woher dieser komme, sei nicht nachvollziehbar. Man habe jedoch Zitat: ( ) aufgrund der Unregelmäßigkeiten personelle Konsequenzen gezogen. Als Leiterin der Revision kannte Doris Günther-Brundidge das Unternehmen aus dem FF. Deswegen hofft sie auf eine neue Unternehmenskultur. Zur Beachtung: Dieses Manuskript ist urheberrechtlich geschützt. Der vorliegende Abdruck ist nur zum privaten Gebrauch des Empfängers hergestellt. Jede andere Verwertung außerhalb der engen Grenzen des Urheberrechtgesetzes ist ohne Zustimmung des Urheberberechtigten unzulässig und strafbar. Insbesondere darf er weder vervielfältigt, verarbeitet oder zu öffentlichen Wiedergaben benutzt werden. Die in den Beiträgen dargestellten Sachverhalte entsprechen dem Stand des jeweiligen Sendetermins.

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