Friedrich Moglich - sein Beitrag zum Aufbau

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1 Annalen der Physik. 7. Folge, Band 47, Heft 4, 1990, S J. A. Barth, Leipzig Friedrich Moglich - sein Beitrag zum Aufbau der Physik in der DDR Friedrich Mi5glich - langjshriger Mitherausgeber und Chefredakteur der,,annalen der Physi k" Von ROBERT ROMPE Zentraliistitut fur Elektronenphysik der Akademie der Wissenschaften der DDR, Berlin Inhaltsubersicht. Friedrich Moglich, ein Schuler von Max von Laue und Erwin Schrodinger, ubernahm 1947 die Chefredaktion der,,annalen der Physik". Friedrich Moglich - His Contributions to the Formation of Physics in GDR Abstract. Friedrich Moglich a student of Max von Laue and Erwin Schrodinger took over as editor in chief of "Annalen der Physik" in In der langen Reihe der Herausgeber der,,annalen der Physik", die mit F. A. G. Gren 1790 beginnt, findet sich mit dem Datum 1947 F. Moglich als Mitherausgeber, gemeinsam rnit E. Griineisen und nach dessen Ableben mit H. Kopfermann. Seine Berufung als Mitherausgeber der altesten physikalischen Zeitschrift der Welt ist wegen mehrerer Umstande bemerkenswert : Nach dem Zusammenbruch des Deutschen Reiches und der bedingungslosen Kapitulation der nazistischen Machthaber am wurde der Kontrollrat der vier Machte der Antihitlerkoalition mabgebende Instanz. Da aktuellste Gebiete der exakten Naturwissenschaften im Kriege fur Zwecke der Militartechnik eingesetzt worden waren, verbot der Kontrollrat die Betatigung auf solchen Gebieten der Physik, wie z. B. Kernphysik, Halbleiterphysik, Hochfrequenzphysik, Elektronik. Angesichts dieser Beschriinknngen war die Frage einer Wiederzulassung physikalischer Zeitschriften problematisch, da zunachst kaum Aussicht bestand, durch eigene Beitrage auf aktuellen Gebieten die Auflagen zu fullen und eine internationale Beteiligung angesichts der verstandlichen Antipathie, rnit der das, was in Deutschland vor sich gegangen war, in der Welt betrachtet wurde, weitgehend aussichtslos. So konnte E. Griineisen in Marburg in der westlichen Besatzungszone kaum auf die Erteilung einer Lizenz fur die Neuherausgabe der,,annalen" hoffen. Max von Laue nahm sich nach seiner Ruckkehr nach Berlin dieses Problems an. Er war fest entschlossen und unterstutzte uns, alle wertvollen Traditionen der Wissenschaft nach dem Zusammenbruch in Deutschland zu erhalten, unabhangig von der politischen Entwicklung, die damals noch schwer zu ubersehen war. So hat er sich z. B. um das Magnushaus in Berlin am Kupfergraben als Sitz der Physikalischen Gesellschaft und auch um die Erhaltung der,,annalen" gekummert.

2 320 L4M. Physik Leipzig 47 (1990) 4 Sein Vorschlag war, Griineisen nahezulegen, F. Moglich als Mitherausgeber zu gewinnen. Moglich war seit der Wiedereroffnung der Berliner Universitat 1946 (damals hatte sie sich noch nicht den Namen Humboldt-Universitat beigelegt) Professor fur theoretische Physik und Direktor des Instituts fur Theoretische Physik und betatigte sich daneben als Mitarbeiter der Deutschen Verwaltung fur Volksbildung in der SBZ. Er war in diesen Funktionen den Mitarbeitern der Abteilung Volksbildung der SMAD in Karlshorst bestens bekannt und genod deren Vertrauen. So kam tatsachlich die Erteilung der Lizenz mit Gruneisen und Moglich als Herausgeber 1947 zustande. Hierbei hat der damalige Mitarbeiter der Abteilung Volksbildung, der Astrophysiker Dr. P. I. Nikitin, ein Schiiler V. A. Ambarzumjans, eine sehr positive Rolle gespielt. Er war damals der Vertreter fur Volksbildung im Kontrollrat. Uber F. Moglich habe ich mich nach seinem Ableben in einem Nachruf geaubert und mochte das, was dort geschrieben ist, nicht in extenso wiederholen, wobei ich aber ausdrucklich feststellen mochte, dab von dem damals Gesagten meines Erachtens nichts an Gultigkeit verloren hat. Aber einige Erganzungen und Kommentare sind doch angebracht [ l]. Moglich, dessen Mutter aus England stammte und ihre walisisch-keltische Herkunft betonte, war eine markante Personlichkeit des deutschen wissenschaftlichen Lebens, von der man durchaus sagen kann, sie ware zugleich auch europaisch. Er absolvierte das Ernst-Moritz-Arndt-Gymnasium in Berlin-Dahlem, eine Schule, die bevorzugt von Kindern aus aristokratischen und hochbeguterten Hausern frequentiert wurde. In seine Schulzeit fallen wertvolle Kontakte mit F. Haber, uber die ich im Nachruf bereits berichtet habe. Zweifellos stand Moglich zeitweilig politisch unter dem EinfluB seines Lehrers M. v. Laue, der ja zusammen mit M. Planck der Partei W. Rathenaus, der Deutschen Volkspartei, Anfang der 20er Jahre beigetreten war. Von diesem ubernahmen sie die Orientierung auf Forderung der Kooperation mit der Sowjetunion. - Planck organisierte Reisen von Physikern in die SU, v. Laue wurde Ehrenmitglied der Akademie der Wissenschaften der SU. AbgestoBen vom parlamentarischen Schwindel und Hmterschacher der Weimarer Republik und vor allem der mablosen Korruption, die bis in Organisationen der Arbeiterklasse reichte, fie1 Moglich auf die antimonopolistische Demagogie der Nazis herein, mit der Weltfremdheit, die haufig bei Kindern wohlsituierter Familien in okonomisch gesicherten Kreisen anzutreffen ist. Moglich hatte bereits 1933 als Mitglied der NSDAP wegen offener Ablehnung der Politik Hitlers, insbesondere des Antisemitismus und der Judengesetzgebung und Weigerung, Anordnungen des Propagandaministeriums durchzufiihren, Schwierigkeiten bekommen, die so weit gingen, dab ihm eine Verhaftung auf Veranlassung von Goebbels drohte. In dieser Situation entschlob sich M. v. Laue, ihn zur Emigration zu bewegen, und fuhr ihn personlich mit seinem Auto nach Prag. Laues Fiirsorge fur Moglich dauerte auch uber die spateren Jahre an. Moglich wurde, wie ich in dem Nachruf geschildert habe, durch eine Berufung auf die vakante Professur fur theoretische Physik in Heidelberg durch offizielle Vertreter der Deutschen Botschaft in Paris zur Ruckkehr nach Deutschland bewogen und dann sofort unter fingierter Beschuldigung verhaftet - er wurde der,,rassenschande" bezichtigt. Nach der Entlassung aus der Untersuchungshaft brachte v. Laue Moglich als Berater bei der Studiengesellschaft fur elektrische Beleuchtung, bei der ich als Physiker tatig war, unter. Laue kannte zwei Mitglieder des Vorstandes der OSRAM-K.G. gut, Dr. K. Mey und Dr. A. Meier (,,Monokel-Meier" genannt), die beide Doktoranden von

3 R. ROMPE, Friedrich Moglich und die Physik in der DDR 321 E. Warburg waren und als Physiker promoviert hatten. Moglich wurde von ihnen eingestellt. Laue verstandigte mich davon und bat, mich um Moglich zu kummern, was ich dann auch gemacht habe. Von diesem Jahre an bis zu seinem Tode habe ich eng rnit F. Moglich zusammengearbeitet und viele gemeinsame Veroffentlichungen herausgebracht. Die Zusammenarbeit zwischen uns dehnte sich alsbald auch auf W. Weizel, N. Riehl, P. Jordan und N. W. Timofkeff-Ressovsky aus. Von unseren gemeinsamen Veroffentlichungen hat Moglich selbst folgende als besonders erwahnenswert angegeben : ifber Energieumwandlung im Festkorper Z. Phys. 115 (1940) Zur Statistik der Vielfachstolje Z. Phys. 117 (1940) ifber den EinfluB der Warmedehnung auf das Absorptionsspektrum von Isolatoren. Z. Phys. 119 (1942) ,,Plasmaschwingungen" als Ursache der Supraleitung Ann. Physik 6. Folge 1 (1947) Und gemeinsam rnit N. W. Timofheff-Ressovsky Bemerkungen zu physikalischen Modellvorstellungen iiber Energieausbreitungsmechanismen im Treffbereich bei strahlenbiologischen Vorgangen Naturwiss. 30 (1942) In diesem Zusammenhang wurde ich noch unsere gemeinsame Arbeit mit N. W. Timof6eff-Ressovsky anfiihren : ifber die Indeterminiertheit und Verstarkungseigenschaften in der Biologie. Diese Arbeit hat zu den spateren Diskussionen iiber die Beziehungen von Genetik und molekularer Biophysik eine erhebliche Rolle gespielt. Sie wurde von uns verfa5t als Beitrag zur Diskussion rnit P. Jordan iiber die Rolle der spezifisch neuen Erkenntnis der Quantenphysik in der Biologie. Die bekannte Arbeit,,Licht und Leben" von N. Bohr wurde vielfach, vor allem auch von P. Jordan, dahingehend ausgelegt, da5 das Leben als Quantenphanomen,,mi generis" zu verstehen sei. Gegen diese Auffassung erhoben sich sogleich zahlreiche Stimmen von Biologen. Auch aus unserem Kreis waren Moglich und W. Weizel nicht davon uberzeugt, und auch Timofkeff-Ressovsky schlo5 sich unserem Zweifel an, obgleich seine erste Arbeit rnit G. Zimmer und M. Delbruck im Sinne der rigorosen Auffassung ausgelegt werden konnte. Unser Versuch war, zu zeigen, da5 sich die Spezifik der Quantenphanomene im wesentlichen uber die Chemie rnit ihrer Bestandigkeit der chemischen Elemente und der Reaktionsgenetik (Arrhenius-van't Hoffsche Gleichung) manifestierte und aul3er bei den Organen der Sinneswahrnehmung sonst keine besonderen Auswirkungen hatten. Wir reichten unsere Arbeit bei der Redaktion der,,naturwissenschaften" ein, die zugesagt hatte, unser Manuskript Jordan vorzulegen. Das Erscheinen dieser Arbeit ging in den Wirren des Endes des zweiten Weltkrieges unter. Wir haben sie erst nachtraglich in die Hand bekommen, nach mehreren Jahren. Vielleicht ist es angebracht, auch hierzu einige Dinge aus der Erinnerung zu rekapitulieren. Moglich hat seine enge Bindung an die Berliner Universitat niemals verloren, auch als nach dem Freispruch aus Mange1 an Beweisen die Nazis ihn von jeder Hochschultatigkeit ausschlossen und ihm sogar das Betreten der Universitat untersagt hatten kehrte er mit Begeisterung an sein altes Institut, diesmal als Ordentlicher Professor fur

4 322 Ann. Physik Leipzig 47 (1990) 4 theoretische Physik und Direktor des Theoretischen Instituts, zuruck, wobei seine Freude uber die hervorragende Bibliothek des Instituts fur Theoretische Physik, die vollkommen erhalten war, mir noch gut im Gedachtnis ist. Er hatte sich sehr energisch und effektiv an der Vorbereitung der Wiederzulassung der Lehrtatigkeit an der Universitat beteiligt und war mir in vielen Fragen durch seine umfangreiche Kenntnis des deutschen akademischen Lebens, seiner guten und auch seiner schwarzen Seiten, von auberstem Wert. Moglich hat promoviert bei M. v. Laue mit einer Arbeit aus der Elektrodynamik, die eine Weiterfuhrung der Theorie von G. Mie iiber die Streuung elektromagnetischer Strahlung an Teilchen von rnit der Wellenliinge vergleichbaren GroBen darstellt. Diese Doktorarbeit war umfangreich und wurde stark beachtet, so dab sie geschlossen im,,handbuch fur physikalische Optik", Bd. 26, abgedruckt wurde. Moglich wurde nach der Promotion Assistent bei M. Born in Gottingen, dann bei R. Becker an der TH in Charlottenburg. Er war damals zusammen rnit Delbruck einer der Propagandisten der Ideen von P. A. M. Dirac in Berlin und trat mehrmals im Mittwoch-Kolloquium rnit mehr oder weniger kuhnen Themen auf [2]. Bekannt ist die Bemerkung von M. v. Laue zu diesen Darbietungen - auf die kritische Anfrage von P. Pringsheim antwortete er:,,lieber Pringsheim, Sie konnen mir glauben, ich glaube den jungen Leuten kein Wort, aber ich fiihle mich nicht berechtigt, die Meinungsbildung der Physiker einzuschranken." In diesem Zusammenhang ist verstandlich, dab er nach der Protomotion zu M. Born nach Gottingen ging, wo er gleichzeitig rnit J. v. Neumann, P. Jordan, V. A. Fock, J. R. Oppenheimer, E. P. Wigner gearbeitet hat. Obgleich zweifellos der Gottinger Aufenthalt eine Erweiterung seines Horizontes bedeutet hat, legte er die spezifische Auffassung der Berliner Theoretiker zu vielen wesentlichen Fragen der Physik und des Unterrichts in Physik nicht ab. So ist es nicht verwunderlich, dab er von M. v. Laue und E. Schrodinger von der TH Charlottenburg zur Universitat wegberufen wurde. Man kann annehmen, dab seine Auffassungen uber die neue Quantentheorie denen von Laue und Schrodinger naher standen als die von W. Heitler und P. London. Es war eine Eigentumlichkeit der Berliner Theoretiker, dab sie es ablehnten, von sich aus theoretische AbschluBarbeiten anzuregen. So verfuhren H. v. Helmholtz, M. Planck, A. Einstein, M. v. Laue und auch E. Schrodinger. Sie vertraten immer den Standpunkt, dab die Ausbildung in der Physik die Einheit von Theorie und Experiment umfassen mub und dab eine vorzeitige Spezialisierung auf mathematisch-theoretische Tatigkeit fur Physiker nicht produktiv ist, was naturlich nicht fur Mathematiker gilt. So kam es, dab v. Laue, wie Planck, sehr wenig,,direkte" Schiiler hatten ; und diese,,brachten ihr Doktor-Thema selbst mit". Es ist ja auch bekannt, dab einer der wenigen Doktoranden von Planck, der sein Thema wirklich von Planck bekommen hatte, aus dessen Diskussion mit L. Boltzmann uber das Problem der Irreversibilitat, E. Zermelo, eigentlich ein Mengentheoretiker war, der danach in Gottingen als Vertreter dieses Spezialgebietes bekannt geworden ist. Moglich hat diese Gepflogenheit nach 1946, als er Direktor des Instituts fur Theoretische Physik wurde, fortgefuhrt auf der Ebene der Diplom-Arbeiten. So hervorragende junge Theoretiker, wie z.b. B. G. Hohler und H. Lehmann, haben experimentelle Diplomarbeiten angefertigt, beide rnit Auszeichnung. Neben seiner Lehrtatigkeit als Ordentlicher Professor fur theoretische Physik hatte F. Moglich bereits seit dem Herbst 1945 die Leitung der Arbeitsstelle fur Festkorperphysik im Institutskomplex Berlin-Buch, des ehemaligen KWI fur Hirnforsdhung rnit Abt. Genetik, die zunachst nach 1945 dem Gesundheitswesen unterstand. Im Jahre 1949 wurde diese dann der Volksbildung und der Akademie ubergeben, und die Arbeitsstelle in ein Institut fur Festkorperphysik umgewandelt, dessen Leiter F. Moglich wurde. Es ist hier nicht Anliegen dieses Beitrages, die Geschichte, die zur Bildung der Festkorper-Arbeitsstelle in Buch gefuhrt hat, im einzelnen darzulegen ; es so11 hier nur gesagt werden, dab auf Anregung von Timofkeff-Ressovsky und Riehl - nach dem Auszug der

5 R. ROMPE, Friedrich Moglich und die Physik in der DDR 323 Hirnforscher in den Jahren nach Gottingen - in die frei gewordenen Raume der Berliner Universitat physiologische Chemiker unter K. Lohmann und Teile von Laboratorien der Studiengesellschaft fur elektrische Beleuchtung untergebracht wurden (mit Mitarbeitern und Ausrustung) rnit der offiziellen Begrundung, vor allen Dingen wegen der offenbar geringeren Bombengefahrdung. JXese Arbeiten von Moglich in der Arbeitsstelle fur Festkorperphysik, und spater Institut fur Festkorperphysik, gingen nach seinem Tode ein in den bereits von ihm begonnenen Neubau des spateren Physikalisch-Technischen Instituts, dessen Leitung ich dam 1957 nach seinem Tode ubernommen habe. Ein besonderes Anliegen von F. Moglich war der permanente Kontakt und ein nicht abreibender Dialog rnit Mathematikern. Er hat nach der Berufung von H. Hasse nach Berlin rnit ihm zusammen ein auberordentlich interessantes Kolloquium abgehalten, das viele Anregungen hinterlassen hat, was ich z.b. von K. Schroder weib, zu dem er auch gute Beziehungen hatte. Ich darf daran erinnern, dab die Beziehungen von Moglich zu Hasse auch eine politische Seite gehabt haben. Sie haben eine sehr positive Rolle gespielt als es darum ging, dem judischen Professor R. Qans, bis 1935 Professor fur theoretische Physik an der Universitat in Konigsberg, das Leben zu erhalten. Moglich hat in seiner Jugend, wie wir alle, die Vorlesungen von E. Schmidt iiber Mengentheorie gehort und wurde beeindruckt von der wissenschaftlichen Atmosphare, die von ihr ausstrahlte. Er wubte auch, welche hervorragende Wirkung die mathematischphysikalische Arbeitsgemeinschaft unter Anleitung des Assistenten von E. Schmidt, Veigel, in Konkretisierung des Erlernten gehabt hat. Moglich war, wie viele seines Alters, Ende der 20er Jahre zusammen mit M. Delbruck einer der aktivsten Propagandisten der Ideen P. A. M. Diracs und hielt Vortrage im Mittwoch-Kolloquium. Hier entstand auch der bekannte Ausspruch von Laue zu Pringsheim - den ich weiter oben bereits zitierte. Dieser Grundsatz, den Laue auch als Herausgeber der,,zeitschrift fur Physik" praktizierte, wurde von Moglich bei der Herausgabe der,,annalen der Physik" innegehalten, wodurch er ejne Tradition fortgefuhrt hat, die auch heute in der Herausgabe durch H.-J. Treder gepflegt wird. So uberzeugt, wie Moglich von der enormen Bedeutung der Quantenphysik war und vor allem durch ihre Behandlung durch P. Jordan, P. A. M. Dirac und J. v. Neumann, so hat er doch immer den Standpunkt Plancks und Laues respektiert, dab die Sicherheit, hier etwas Endgultiges erlebt zu haben, sich im wesentlichen auf die nichtrelativistische Physik der Elektronenhulle bezieht, und dab dariiber hinaus viele Probleme offen bleiben, wie es W. Pauli in seinem Artikel uber Wellenmechanik im,,handbuch der Physik" 1933 an die Spitze des Kapitels uber Quantenelektrodynamik gestellt hat. Der Standpunkt von Planck und Laue kann kurz SO gekennzeichnet werden, dab die Physik weitestens imstande ist, Aussagen iiber objektive Sachverhalte zu liefern, die endgiiltigen Charakter haben, die frei sind von subjektivistischen Interpretationsproblemen, im Rahmen der Adaquanz ihrer Begriffe fur das betreffende Problem, wobei der Kegriff Wahrscheinlichkeit eine physikalische Eigenschaft kennzeichnet. Aus dieser Auffassung Moglichs resultiert sein Verstandnis fur die Rolle der theoretiwhen Physik, nicht nur fur die Physik selbst, sondern fur alle Naturwissenschaften und die Technik, die man als Teile der,,exakten" Wissenschaften ansehen kann, die als eine Fortsetzung der Auffassung von Helmholtz und Planck betrachtet werden kann. Ich bin uberzeugt, dab die Thesen, die vor zwei Jahren von P. A. Thiessen, H.-J. Treder und mir [3] an die Spitze eines Aufsatzes zur Wiirdigung des 300. Jahrestages der Publikation Newtons,,principia mathematica" voll seine Billigung gefunden hatten. Es druckt sich darin die Spezifik der Auffassung der Berliner Physiker zu diesem Problem aus.

6 324 Ann. Physik Leipzig 47 (1990) 4 Litcwaturverzeichnis [l] ROMPE, R.: Ann. Physik (Leipzig) 1 (1958) 1. [2] M~GLICH, F.: Zeitschrift fur Physik 48 (1928) 852. Zitat im Handbuch-Artikel von W. Pauli. W. Pauli zitierte F. Moglich in seinem beruhmten Artikel uber Wellenmechanik im,,handbuch der Physik", obwohl Pauli Moglichs Arbeit, als im Schrijdingers Geiste geschrieben, skeptisch gegeniiberstand. [3] ROMPE, R.; THIESSEN, P. A.; TREDER, H.-J.: Ann. Phys. (Leipzig) 44 (1987) 161. Bei der Redaktion cingegangen am 2. Oktober Anschr. d. Verf.: Prof. Dr. ROBERT ROMPE Zentralinstitut fur Elektronenphysik der Akademie der Wissenschaften der DDR Hausvogteiplatz 5/7 Berlin, DDR-1086

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