Weiterbildung für die Wissensgesellschaft

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1 Weiterbildung für die Wissensgesellschaft Online-Befragung des unternehmerischen Ehrenamtes der IHK-Organisation Aus- und Weiterbildung IHK-Unternehmensbarometer

2 Mit der Auswertung zur WEITERBILDUNG FÜR DIE WISSENSGESELLSCHAFT präsentiert der DIHK die Ergebnisse einer Online-Befragung des unternehmerischen Ehrenamtes der IHK-Organisation. Grundlage der Auswertung sind mehr als 900 Unternehmensantworten. Die Antworten verteilen sich auf Industrie und Bauwirtschaft (31 Prozent), den Handel (21 Prozent) und die Dienstleistungen (48 Prozent). In regionaler Hinsicht kommen die Antworten aus dem Norden (18 Prozent), dem Westen (39 Prozent), dem Osten (19 Prozent) und dem Süden (24 Prozent). Dabei werden dem Norden die Bundesländer Bremen, Hamburg, Niedersachsen und Schleswig-Holstein, dem Westen die Bundesländer Hessen, Nordrhein-Westfalen, Rheinland-Pfalz und das Saarland, dem Osten die Bundesländer Berlin, Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern, Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen sowie dem Süden die Bundesländer Baden-Württemberg und Bayern zugerechnet. Die aktuelle Umfrage fand Mitte September 2005 statt. Die Auswertung im DIHK wurde Ende September 2005 abgeschlossen. Deutscher Industrie- und Handelskammertag (DIHK) Berlin 2005 Copyright Herausgeber Alle Rechte liegen beim Herausgeber. Ein Nachdruck auch auszugsweise ist nur mit ausdrücklicher Genehmigung des Herausgebers gestattet. Deutscher Industrie- und Handelskammertag Berlin Brüssel DIHK Berlin: Postanschrift: Berlin Hausanschrift: Breite Straße 29 Berlin-Mitte Telefon (030) Telefax (030) DIHK Brüssel: Hausanschrift: 19 A-D, Avenue des Arts B-1000 Bruxelles Telefon Telefax Internet: Durchführung DIHK Deutscher Industrie- und Handelskammertag Dr. Axel Nitschke (verantwortlich) Jan Kuper (Organisation) Dr. Knut Diekmann (Text) Stand September 2005

3 Auswertung IHK-Unternehmensbarometer September 2005 Weiterbildung für die Wissensgesellschaft 1. Investitionen in Weiterbildung werden zunehmend an Bedingungen geknüpft Neun von zehn Unternehmen wollen auch künftig in die Weiterbildung ihrer Mitarbeiter investieren. Die Unternehmen sind sich allerdings bewusst, dass Investitionen in die Weiterbildung nicht ziel- und bedingungslos vorgenommen werden sollten vor allem nicht unter den Bedingungen des erhöhten Kostendrucks, unter dem die Unternehmen stehen. Das freiwillige Engagement und die Beteiligung der Mitarbeiter haben bei den betrieblichen Überlegungen zur Weiterbildung eine große Bedeutung: Durch die steigende Arbeitsintensität fällt es Betrieben immer schwerer, die Mitarbeiter für die Weiterbildung freizustellen. Die Mehrheit der Unternehmen (58,8 %) ist zu höheren Investitionen bereit, wenn die Mitarbeiter dafür Urlaubs- und Freizeit einbringen. Zudem erklärt jeder fünfte Unternehmer (18,7 %), dass mit einer finanziellen Beteiligung des Mitarbeiters für betriebsspezifische Weiterbildungen seine Bereitschaft steigt, mehr zu investieren. Sind Sie bereit, stärker in die Weiterbildung Ihrer Mitarbeiter zu investieren? Mehrfachnennungen möglich Bei Urlaubs- oder Freizeitverzicht der Mitarbeiter 58,8% Wenn sie sich amortisiert 49,0% Bei betriebsspezifischerer Weiterbildung 47,1% Bei besserer Geschäftserwartung 19,8% Bei finanzieller Beteiligung der Mitarbeiter 18,7% Nicht notwendig 11,3% 0% 10% 20% 30% 40% 50% 60% 70%

4 Weiterbildung muss sich für das Unternehmen in angemessener Zeit rechnen. Das machen 49 % der Betriebe zur Bedingung für erhöhte Investitionen in die Weiterbildung. Das erfordert vor allem von den Anbietern und den Personalentwicklern, wesentlich mehr als in der Vergangenheit auf den Transfer des Lernens in die Praxis zu achten. Angebote müssen stärker auf die konkreten Anforderungen am Arbeitsplatz und die Unternehmensziele ausgerichtet sein. Gleichzeitig sollte verstärkt ein Bildungscontrolling vorgenommen werden. Das hilft, die Weiterbildung besser zu evaluieren und Zögerer von ihrer Effizienz zu überzeugen. Rund die Hälfte der Betriebe (47,1 %) würde mehr investieren, wenn die Weiterbildung noch betriebsspezifischer wird. Das heißt: Im Mittelpunkt von Weiterbildungsangeboten müssen die Anforderungen des Betriebes und des Arbeitsplatzes stehen zum Beispiel der Umgang mit einer neuen Maschine, das Erlernen einer Fremdsprache oder das Führen eines spezifischen Teams. Die Anbieter von beruflicher Weiterbildung sind deshalb gefordert, ihre Angebote betriebsnäher zu gestalten. Immerhin ein gutes Fünftel aller Unternehmen (19,8 %) will nur dann mehr weiterbilden, wenn sich die geschäftlichen Perspektiven aufhellen. Diese Bedingung spielt vor allem in strukturschwächeren Gebieten, wie in den neuen Bundesländern, eine Rolle. Dort plant sogar ein Drittel, die Maßnahmen an den Geschäftserfolg zu binden. Nur einer von zehn der befragten Unternehmer (11,3 %) sieht keine Notwendigkeit für weitere Investitionen. 2. Unternehmen erwarten umfassendes Kompetenzprofil Deutsche Unternehmen erwarten von ihren Mitarbeitern mehr als nur Fachwissen. Bei Einstellung und Beförderung achten sie vor allem auch auf Lernbereitschaft, Zuverlässigkeit und Teamfähigkeit. Im Einzelnen ergibt sich diese Rangfolge: Lernbereitschaft: Leistungswille und Innovationsstärke der Mitarbeiter haben für deutsche Unternehmen den höchsten Stellenwert (Durchschnittsnote 1,5). Allerdings bestehen gerade hier bei den Arbeitnehmern in Deutschland große Lücken: So nimmt nur ein Drittel der Erwerbsbevölkerung an Maßnahmen der beruflichen Weiterbildung teil. Und weniger als ein Fünftel ist mit der eigenen Arbeit zufrieden, ein erheblicher Teil der Arbeitnehmer geht in die innere Emigration. Damit entsteht ein großer volkswirtschaftlicher Schaden nicht nur für den einzelnen Betrieb. Deshalb muss zukünftig ein weit größeres Engagement von den Mitarbeitern aufgebracht werden. Sekundärtugenden: Unternehmen wollen Mitarbeiter, die zuverlässig sind, ein gutes Auftreten haben, freundlich sind und Pünktlichkeit zeigen. Dies gilt sowohl für den internen Umgang als auch für die Außenbeziehungen zu den Kunden. Aufgrund der besonderen Anforderungen erreichen die diesbezüglichen Erwartungen bei Unternehmen vor allem im Handel und im Dienstleistungsbereich Spitzenwerte (Durchschnittsnote 1,7). 2

5 Soziale Kompetenzen: Die sozialen Beziehungen der Mitarbeiter untereinander werden für den Erfolg eines Unternehmens ebenfalls besonders hoch eingeschätzt (Durchschnittsnote 1,7). Diese werden zunehmend notwendig durch flache Hierarchien sowie Team- und Projektarbeit. Davon erhoffen sich die Unternehmen auch kreativgestalterische Kraft und Motivation der Mitarbeiter. Diese müssen sich rasch und flexibel auf unterschiedliche Menschen und Rollen einstellen können. Gleichzeitig verlangen moderne Arbeitsbeziehungen von den Mitarbeitern auch den adäquaten Umgang mit für sie schwierigen und belastenden Situationen. Auf welche Kompetenzen kommt es Ihnen bei Ihren Mitarbeitern an? Bitte bewerten Sie anhand von Schulnoten (1 = sehr bis 6 = sehr un): Lernbereitschaft 1,5 Pünktlichkeit, Zuverlässigkeit 1,7 Soziale Kompetenzen 1,7 Selbstlernkompetenz 2,0 Fachwissen 2,2 Grundfertigkeiten 2,5 sehr Durchschnittsnote Selbstlernkompetenz: Unternehmen erwarten, dass sich Mitarbeiter selbstständig um die Weiterbildung bemühen (Durchschnittsnote 2,0). Das schließt Beratung einholen, Angebote auswählen, sie diszipliniert besuchen und anschließend bewerten ein. Für den Aufbau der Selbstlernkompetenz sind die Schulen verantwortlich, für ihre Fortentwicklung die Erwerbspersonen selbst. Fachwissen: Fachwissen hat bei Unternehmen nicht mehr den höchsten Stellenwert (Durchschnittsnote 2,2). Allerdings gehen die Betriebe aller Branchen davon aus, dass das Fachwissen selbstverständlich vorhanden ist. Das ist vor allem bei Industrie und Bau der Fall. Im Vergleich zu den anderen Regionen legen die Unternehmer in den neuen Bundesländern größeren Wert auf Fachwissen. Der vergleichsweise niedrigere Stellenwert des Fachwissens bei den Unternehmen zeigt: In der Wirtschaft sind Abschlüsse nicht mehr der ste Faktor der Beurteilung von Mitarbeitern verlangt wird ein umfassendes Kompetenzprofil. 3

6 Solide Grundfertigkeiten: Neben Lesen, Rechnen und Schreiben werden von Betrieben heutzutage zusätzlich die modernen Grundfertigkeiten, wie das Beherrschen er Fremdsprachen und des Computers, als selbstverständlich angesehen (Durchschnittsnote 2,5). Das allerdings wirft Probleme auf, wie der Blick in die Erstausbildung zeigt: Vor allem die mangelnde Ausbildungsreife der Jugendlichen ist verantwortlich dafür, dass viele den Anforderungen von Ausbildungsplätzen nicht gewachsen sind. Notenvergabe der Unternehmen je Kompetenzbereich in Prozent sehr mäßig mäßig un un sehr un Lernbereitschaft 67,4 27,3 2,2 0,1 0,8 2,2 Pünktlichkeit, Zuverlässigkeit 48,0 41,0 6,9 1,5 1,7 0,9 Soziale Kompetenzen 46,2 43,0 6,9 1,6 1,4 1,0 Selbstlernkompetenz 32,6 49,2 13,2 1,9 1,6 1,4 Fachwissen 21,4 46,1 24,1 5,0 2,9 0,6 Grundfertigkeiten 10,9 47,0 29,5 8,7 3,2 0,6 3. Gesetzliche Verpflichtungen drücken Weiterbildungsbereitschaft der Unternehmen Die Politik ist stets in der Versuchung, bei den Wählern mit Versprechungen zur Bildung zu punkten. Vor allem die Linke fordert eine so genannte vierte Säule des Bildungssystems mit umfassenden gesetzlichen Reglementierungen zur Weiterbildung in Deutschland. Damit könnte neben den Schulen und Hochschulen ein zusätzliches vom Staat reguliertes System entstehen, das die Bildung aller Erwerbstätigen organisiert. Oder es würden Auflagen gemacht, die mit einer weiteren finanziellen Belastung für die Betriebe verbunden wäre. Zwei Drittel der Unternehmen lehnen jedoch jeglichen Eingriff in den bestehenden Markt der beruflichen Weiterbildung ab. Ein Großteil der Unternehmen will bei der Einführung gesetzlicher Pflichten wie beispielsweise einer Weiterbildungsabgabe sogar Konsequenzen ziehen. Die Hälfte der Betriebe (49,1 %) gibt an, dann nur noch den gesetzlichen Mindestrahmen zu erfüllen und das weitere freiwillige Engagement für die Weiterbildung einzustellen. Bislang ist die Wirtschaft der größte Geldgeber für die berufliche Bildung. Diese Quelle würde dann versiegen. Eine Verpflichtung zur Weiterbildung würde sogar zu Lasten der Ausbildung gehen: Rund ein Drittel der Unternehmen (29,6 %) kündigt für den Fall an, aus der beruflichen Erstausbildung auszusteigen. Denn die zusätzliche Verantwortung für die Weiterbildung würde dann die finanziell erträglichen Belastungen übersteigen. Die Ausbildungsbereitschaft würde damit zurückgehen. 4

7 Ein Drittel der Unternehmen (28,4 %) würde auf neue und zusätzliche Festanstellungen mindestens in Teilbereichen verzichten, um den Lasten von gesetzlichen Auflagen für fest angestellte Mitarbeiter zu entgehen. Stattdessen würden sie verstärkt Zeitarbeitskräfte einsetzen. In der Summe würden voraussichtlich weniger Beschäftigte eine innerbetriebliche Weiterbildung wahrnehmen können. Über zehn Prozent der Unternehmen (10,9 %) denken sogar daran, Produktion ins Ausland verlagern, um den Auflagen zu entgehen. Das würde nicht nur der Weiterbildung schaden, sondern auch dem Arbeitsmarkt in Deutschland. Diese Ergebnisse zeigen: Lebenslanges Lernen muss auch zukünftig ein weitgehend staatsfreier Raum bleiben. Die Politik muss sich darauf konzentrieren, optimale Rahmenbedingungen für den freien Weiterbildungsmarkt zu garantieren. Wie würden Sie reagieren, wenn der Staat den Unternehmen umfassende gesetzliche Auflagen zur Weiterbildung macht? Mehrfachnennungen möglich Ausstieg aus freiwilligem Engagement in der Weiterbildung 49,1% Keine Reaktion auf Auflagen 35,9% Ausstieg aus freiwilligem Engagement in der Erstausbildung 29,6% Zeitkräfte beschäftigen 28,4% Produktionsverlagerung ins Ausland 10,9% 0% 10% 20% 30% 40% 50% 60% 5

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