Das macht mich kaputt Was macht die Pflege demenzkranker Menschen so schwierig?

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1 Das macht mich kaputt Was macht die Pflege demenzkranker Menschen so schwierig? Fachtagung Landratsamt Aichach am Dr. A. Hiedl

2 Zunahme pflegebedürftiger Menschen in der BRD Aktuell 2,6 Mio. pflegebedürftige Menschen Prognose 2030: 3,5 Mio., Zunahme um ca. 40% Derzeit sind in der BRD Fachkräfte in der Pflege tätig Bis 2030 wird der Bedarf an Pflegekräften um die Hälfte steigern.

3 Zur Prävalenz von Demenzkranken in Pflegeheimen Aktuell leben in der BRD ca. 1,3 Mio. demenzkranke Menschen, 2050 werden es ca. 3 Mio. sein. Im Durchschnitt leiden 69% der Bewohner von Pflegeheimen an einer Demenz, davon 57% an einer schweren Demenz. Gut die Hälfte der Bewohner mit Demenz sind über 85 Jahre alt. Menschen mit Demenz bilden die größte Bewohnergruppe in Pflegeheimen. Schäufele et al., Medizinische Hochschule Mannheim. Prävalenz von Demenzen und ärztliche Versorgung in deutschen Pflegeheimen. Psychiatrische Praxis 4/2013

4 Was berichten Pflegekräfte? Ich kann nicht mehr Tun Sie etwas, damit dieses Schreien aufhört Verordnen Sie endlich ein Medikament, der schlägt uns doch... Nehmen Sie ihn am Besten gleich mit

5 Was berichten Pflegdienstleitungen/Einrichtungsleiter?...das Schreien, die Aggressivität des Bewohners ist meinen Mitarbeitern nicht mehr zumutbar! Wollen Sie, dass meine Mitarbeiter arbeitsunfähig werden? Tun Sie etwas! Der Bewohner muss ins BKH und auf Medikamente eingestellt werden!

6 Was ist eine Demenz? Kognitive Symptome Bezirkskrankenhaus Augsburg Das demenzielle Syndrom, als Folge einer Krankheit des Gehirns (z.b. Alzheimer-Krankheit, Schlaganfall, Gehirnblutung, M. Parkinson, Schädel-Hirn-Verletzungen, Entzündungen) verläuft gewöhnlich chronisch oder fortschreitend unter Beeinträchtigung viele höherer kortikaler Funktionen, einschl. Gedächtnis, Denken, Orientierung, Auffassung, Aufmerksamkeit, Rechnen, Lernfähigkeit, Sprache und Urteilsvermögen. Dies sind die kognitiven Symptome einer Demenz.

7 Was ist eine Demenz? Sog. Nichtkognitive Symptome Wahnhaftes Erleben, Halluzinationen Depression, Angst, Reizbarkeit Unruhe, Agitiertheit, ablehnendes Verhalten Apathie, Teilnahmslosigkeit, Schreien, Rufen, Aggressivität

8 Was belastet die Pflegekräfte? Die Vorwürfe und Anschuldigungen des Kranken trotz der aufopfernden Betreuung und Pflege ( Du hast mir mein Geld gestohlen! ) Das Rufen und Schreien der demenzkranken Bewohner Die sich wiederholenden Äußerungen der demenzkranken Bewohner ( Ich will nach Hause, Hilfe, Hilfe, Hau ab..) Das Ablehnen von Essen und Trinken Das Ablehnen der Körperpflege

9 Was belastet die Pflegekräfte? Die Aggressivität und die körperlichen Übergriffe (Kratzen, Beißen, Schlagen) Die fehlende Dankbarkeit trotz intensiver Zuwendung und Betreuung Die Wünsche und Forderungen der Vorgesetzten Die Wünsche und Forderungen der Angehörigen ( warum ist mein Mann nicht rasiert? ) Der Zeitdruck

10 Was sind die Auswirkungen auf die Pflegekräfte? Schlechtes Gewissen, den Bewohnern nicht gerecht zu werden Gefühl von Inkompetenz Erschöpfung Wut und Ärger über zu wenig Unterstützung durch Vorgesetzte, Angehörige, behandelnde Ärzte Gereiztheit gegenüber den Bewohnern Beharren auf Regeln und Durchsetzen von Vorschriften

11 Weitere Folgen Unzufriedenheit mit der beruflichen Tätigkeit Resignation Verlust der Achtung und des Respekts gegenüber Demenzkranken Häufige und längerfristige Arbeitsunfähigkeit

12 Grundsätzliche Überlegungen Eine belastende Pflegesituation löst nicht bei jedem Pflegenden die gleiche Belastung aus Eine anstrengende Tätigkeit bleibt eine anstrengende Tätigkeit Nicht jeder Bewohner ist gleich Nicht jeder Tag ist gleich

13 Was sind unabdingbare Voraussetzungen für die Pflege Demenzkranker? Persönliche Eignung Ausbildung, einschl. das Erlernen einer angepassten Kommunikation mit Demenzkranken Innere Zustimmung zur Geleichwertigkeit eines Menschen mit fortgeschrittener Demenz - nur dann entsteht respektvoller, wertschätzender Umgang Akzeptanz der Wirklichkeit, in der der demenzkranke Bewohner gerade lebt, ohne wenn und aber Aus Marina Kojer und Martina Schmidl, Demenz und palliative Geriatrie in der Praxis. Springer 2011

14 Was sind unabdingbare Voraussetzungen für die Pflege Demenzkranker? Einfühlsame und genaue Beobachtung Das Tempo der betreuten Person akzeptieren Bereitschaft, jeden Tag und jedes Mal von vorn anzufangen Die Bereitschaft, Macht und Führung abzugeben Die Bereitschaft, die Arbeitsaufgaben ernsthaft und mit Einsatz durchzuführen aus Marina Kojer und Martina Schmidl, Demenz und palliative Geriatrie in der Praxis. Springer 2011

15 Was muss die Leitung tun? Betreuungs- und Pflegekonzepte vorhalten und weiterentwickeln Anforderungen klar definieren Sinnvolle Fortbildungsangebote Ermunterung zur Qualifizierung Vermeidung von Überlastung Förderung und Ermunterung der Mitarbeiter Anerkennung des persönlichen Engagements der Mitarbeiter

16 Gemeinsame Überlegungen von Leitung +Team Welche Bedürfnisse haben Demenzkranke? Von welchen Begleitangeboten profitieren sie? Wie wird die Betreuung und Pflege sichergestellt? Welche Wohnatmosphäre ist hilfreich? Ev. externe Beratung für schwierige Pflegsituationen?

17 Leitung + Team Leitlinien sind sinnvoll, schaffen Sicherheit, ergänzen Konzepte Notfallpläne sind hilfreich Weiterentwicklung von Handlungsabläufen Reflektieren von positiven und negativen Pflegesituationen Vernetzung von Kompetenzen (Pflege, Arzt, Seelsorge, Hospiz...)

18 Kernprobleme bleiben Der Demenzkranke kann sich nicht ändern sein Verhalten ist Ausdruck der Erkrankung Dieses Verhalten ist nicht immer verstehbar Es ist nicht alles machbar Die Spielräume sind begrenzt Es gibt für komplexe Probleme keine einfachen Lösungen Manchmal gibt es keine Lösung

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