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1 ReBirth, Seite 1 Chronisch Der 73-jährige Alfons K., ein ehemaliger Fließbandarbeiter bei Opel in Rüsselsheim, hat seit einigen Tagen einen vor allem nächtlich auftretenden Husten, dessentwegen er zu seinem Hausarzt geht. Dieser kennt seinen Patienten gut, der bei ihm wegen diverser Erkrankungen in Behandlung ist. Alfons hat Diabetes mellitus II seit jetzt 7 Jahren, Hypertonie seit 13 Jahren, er hat eine gastroösophagealen Reflux und vor zwei Jahren einen Bypass bekommen wegen einer Koronararterienstenose, die trotz zweimaliger Dilatation sich immer wieder zu verschließen drohte. Alfons nimmt derzeit Aspirin. Lisinopril, Simvastatin und Ranitidin; sein Diabetes ist mit Metformin 250 mg/d gut eingestellt. Außer dem quälenden Husten hat Alfons keine Symptome. Er verneint auf Nachfrage, dass in den letzten Tagen Fieber, Schüttelfrost, Kopfschmerzen, Muskelschmerzen, Thoraxschmerzen oder Dyspnoe vorgelegen hat. Auch eine triefende oder verstopfte Nase, Rachenschmerzen oder Hämoptoe werden verneint. Eine spezifische Nachfrage zum nächtlichen Husten ist ebenfalls unergiebig; Alfons hat das Fenster nachts nicht geöffnet (es ist jetzt, im März, nachts auch noch kühl), und seine Schlafposition hat er ebenfalls nicht verändert. Sein Hausarzt weiß, dass er ihm keines der Medikamente neu verschrieben hat oder in der Dosierung verändert. Alfons verneint Änderungen in seiner Nahrungszusammensetzung. Alfons raucht seit jetzt 15 Jahren nicht mehr; er hat früher etwa 40 pack years Zigaretten geraucht. Er trinkt gelegentlich ein Bier, und seit er mit dem Rauchen aufgehört hat, ist sein BMI in ungesunde, aber noch alterstypische Regionen gestiegen. Er lebt mit seiner Frau und dem kleinen Hund in einer Etagenwohnung am Stadtrand von Offenbach.

2 ReBirth, Seite 2 Bei der körperlichen Untersuchung ist Alfons nicht akut krank, die Temperatur ist 36,7 C, AF 16/min, RR 157/90 mm Hg, HF 85/min. Die kapilläre Sauerstoffsättigung beträgt 99%. Bei der Inspektion des Rachens findet sich keine Rötung oder Raumforderung. Die Jugularvenen sind nicht gestaut, auskultatorisch findet sich ein 3/6 Systolikum mit Ausstrahlung in die Carotiden. Die Lungen sind auskultatorisch unauffällig, ebenso wie der Rest der körperlichen Untersuchung. Zur Sicherheit läßt der Hausarzt in der Röntgen-Praxis im gleichen Haus einen Röntgen-Thorax anfertigen: Der Hausarzt setzt Lisinopril gegen Candesartan um, und instruiert Adolf, wann er wieder zur Kontrolle kommen soll bzw. muss.

3 ReBirth, Seite 3 Eine Woche später kommt Adolf zum vereinbarten Kontrolltermin. Er hat Lisinopril wie angeordnet gegen Candesartan ausgetauscht, aber der Husten ist schlimmer geworden. Jetzt hustet Adolf auch am Tage, besonders schlimm ist es aber nachts. Mittlerweile wacht er selbst wegen der Hustenattacken auf; seine Frau hat das Schlafzimmer bereits vor einer Woche geräumt. Außer dem Husten hat Adolf keine Änderung seines Gesundheitszustandes. Adolf wird zum Facharzt überwiesen, der ihn noch einmal genau befragt wie genau denn der Husten ist? Ob er weitere Symptome bemerkt hat? Ob ihm schwindlig geworden ist oder er das Bewusstsein verloren hat?

4 ReBirth, Seite 4 Zwischen den Hustenattacken, sagt Adolf, fühle er sich eigentlich ganz wohl. Er kann auch seinen Hobbies nachgehen und den Hund ausführen; Luftnot hat er nie gehabt. Die Refluxkrankheit ist gut kontrolliert, er hat davon auch in den letzten Wochen keine Symptome gehabt. Seine Enkelkinder leben leider weit weg, und diese haben ihn schon lange nicht mehr besucht; aber er trifft sich einmal in der Woche zum Kartenspielen mit Freunden. Leider ist diese Runde in den letzten vier Wochen ausgefallen, nachdem ein Mitspieler ebenfalls angefangen hat zu husten. Und er hat gehört, dass von der Fünfer-Gruppe jetzt auch ein weiterer Freund hustet.

5 ReBirth, Seite 5 Der Pulmonologe wiederholt die Röntgen-Thoraxaufnahme wieder ist kein pathologischer Befund zu erkennen. Zusätzlich entnimmt er einen tiefen Rachenabstrich und schickt diesen zur mikrobiologischen Untersuchung. Zwei Tage später kommt der erste Befund der Fluoreszenz- Direkttest auf B. Pertussis ist negativ. Adolf bekommt ein Rezept für Erythromycin über 14 Tage; auch seine Frau soll das Antibiotikum einnehmen. Nach einer Woche wurde Bordetella pertussis aus der Kultur des Rachenabstrichs isoliert, so dass bei Adolf nach Ausschluss aller anderer Ursachen für persistierenden Husten, Keuchhusten vorliegt. Pertussis ist meldepflichtig, und so wird neben Adolf und seiner Frau auch eine Untersuchung der Kartenfreunde vorgenommen. Dem Verdacht auf Keuchhusten ist bisher noch bei keinem nachgegangen worden, aber bei allen vieren läßt sich aus einem Rachenabstrich mit PCR eine Besiedlung mit B. Pertussis nachweisen. Einen Monat nach Beendigung der Antibiotika-Therapie ist der Husten bei Adolf unverändert.

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