Whitepaper IPv6. OpenScape UC Suite Übergangsstrategie zu IPv6

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1 Whitepaper IPv6 OpenScape UC Suite Übergangsstrategie zu IPv6

2 Inhaltsverzeichnis 1. Executive Summary 3 2. Einleitung 4 3. Technische Grundlagen IPv4nIPv6 Umsetzung IP-in-IP Tunnel 7 4. Auswahl der Übergangsstrategie 8 5. Implementierung IT-Infrastruktur OpenScape UC Suite VoIP- und UC - Dienste Management-Applikationen der OpenScape UC Suite Beispiel einer Umstellung auf IPv Weiterführende Literatur Abkürzungen 17 2

3 1. Executive Summary IPv6 wird zunehmend auch in Kommunikationsnetzwerken eingesetzt. Ursache dieses Trends ist, dass bereits in nächster Zukunft nicht mehr genügend öffentliche IPv4- Adressen zur Verfügung stehen werden. Unify GmbH & Co. KG hat diesen Engpass erkannt, lange bevor unsere Kunden seine Auswirkungen zu spüren bekommen. Mit OpenScape Unified Communications (UC) bietet Unify die Funktionalität, die den sanften Übergang von IPv4 zu IPv6, der neuesten Version der IP-Konnektivität, gewährleistet. Die Geräte und Dienste der OpenScape UC Suite können in ein bestehendes Netz in praktisch jedem Übergangszustand eingebunden werden, d.h. unabhängig davon, ob der Kunde gerade den Übergang plant oder ob er bereits erste IPv6-Geräte installiert hat. Alle Komponenten der OpenScape UC Suite verfügen über eine Dual-Stack Implementierung und unterstützen daher IPv4, IPv6 und den Dual-IP - Betrieb. Der Begriff Dual-IP bezeichnet eine Betriebsart, in der IPv4 und IPv6 gleichzeitig genutzt werden können; die Auswahl der zu verwendenden IP-Version geschieht dynamisch, d.h. im Rahmen des Verbindungsaufbaus. Falls auch Dual-IP nicht alle Anforderungen der Übergangsphase erfüllen kann, kommen spezielle IPv4nIPv6-Umsetzer zum Einsatz. Dieses Whitepaper beschreibt die von Unify empfohlene Vorgehensweise für den Einsatz der OpenScape UC Suite, um einen problemlosen Übergang von IPv4 zu IPv6 sicher zu stellen. Abschließend wird anhand eines fiktiven Kundenszenarios der Übergang zu IPv6 unter Einsatz der OpenScape UC Suite beispielhaft gezeigt. Mit der preisgekrönten Open Communications Architecture stellt Unify seinen Kunden leicht implementierbare Lösungen zur Verfügung, die sich nahtlos in ihre vorhandenen IT-Umgebungen einfügen, die Produktivität erhöhen und Kosten sparen. Solutions Secure Cloud Differentiation Highly reliable and secure carrier-grade UCC SaaS portfolio Managed Services Collaborative Applications Full spectrum of proven, ITIL -based multi-vendor services available globally Easy, affordable enterprise-grade collaboration and contact center software with deep application/social integrations Unified Communications Massively scalable, open and virtualized software architecture Automated Networks Automation, visibility, and control across integrated wired and wireless networks Flexible deployment and consumption choices Premise deployment Hybrid deployment Cloud deployment * ITIL ist ein eingetragenes Warenzeichen von AXELOS Limited. 3

4 2. Einleitung Aktuell beobachten wir, dass immer mehr Kommunikations-Netzwerke auf IPv6-Basis installiert oder zumindest geplant werden. Diese Entwicklung ist darauf zurück zu führen, dass der Vorrat an freien öffentlichen IPv4-Adressen sich dem Ende zuneigt. Szenarien mit dem Einsatz von Hunderten oder Tausenden neuer IP-Geräte werden die ersten sein, die den Mangel an freien IPv4-Adressen zu spüren bekommen. Unified Communication (UC) ist hier ein gutes Beispiel: Sowohl die Installation eines völlig neuen Systems, als auch der Ersatz eines älteren Telefonsystems durch UC-Lösungen auf IP- Basis, erfordern sehr viele neue IP-Adressen. Daher wird UC in der nächsten Zeit eine der wichtigsten Antriebskräfte für IPv6 darstellen. Ausgangspunkt der Umstellung ist typischerweise ein vollständig auf IPv4 basierendes Netz. Die Vorgehensweise ist, zunächst die IT-Infrastruktur für die Benutzung von IPv6 vorzubereiten. Dann können die Applikationen, eine nach der anderen, hochgerüstet werden. Die Umstellung ist abgeschlossen, wenn nur noch IPv6-Adressen benutzt werden und der gesamte Datenverkehr rein über IPv6 abgewickelt wird. Die Übergangsphase kann sehr lange dauern, vor allem wenn mindestens eine Applikation - aus welchen Gründen auch immer - nicht von IPv4 auf IPv6 umgestellt werden kann. Eine derartige Applikation wird für den Rest ihrer Lebensdauer mit all den anderen Applikationen, die IPv6 benutzen, koexistieren müssen. Strenggenommen ist die Umstellung noch nicht abgeschlossen, solange diese Anwendung in Betrieb ist. Sobald die Umstellung zu IPv6 begonnen hat, ist das Netz kein homogenes IP-Netzwerk mehr. Es kann Geräte enthalten, die nur eine IPv4-Adresse, oder nur eine IPv6- Adresse, oder beides besitzen. Daher sind einige Geräte nicht mehr in der Lage, direkte Verbindungen mit allen anderen Geräten im Netz aufzubauen. Um die vollständige Konnektivität weiterhin sicher zu stellen, müssen zusätzliche Techniken angewandt werden, z.b. IPv6-in-IPv4-Tunnel und IPv6nIPv4-Umsetzung. Die Geräte für diese Dienste spielen bei der Umstellung eines Netzes auf IPv6 eine Schlüsselrolle. Der Umstieg auf IPv6 kann nicht "so nebenher" erledigt werden! Er muss in mehreren Stufen geplant und realisiert werden: 1. Detaillierte Planung 2. Umsetzung der geplanten Schritte 3. Ausführliche Testphase Auch wenn alle genannten Stufen wichtig sind, beschreibt dieses Whitepaper nur die Stufe 2 und konzentriert sich dabei auf Lösungen mit unserer OpenScape UC Suite von Unify GmbH & Co. KG. 4

5 3. Technische Grundlagen Bevor wir ein konkretes Fallbeispiel betrachten, sollen die technischen Grundlagen kurz erläutert werden. Im Prinzip gibt es zwei Konzepte für den Übergang zu IPv6: 1. Dual-IP - Betrieb und 2. Single-IP - Betrieb. In konkreten Kundenszenarien wird man in der Regel eine Mischung der beiden Konzepte finden. Um der Sprachverwirrung entgegenzuwirken, verwenden wir durchgängig die folgenden Begriffe: Dual-Stack / Single-Stack für die SW-Implementierung "Dual-Stack" steht synonym für "Dual-Stack - Implementierung", also der Fähigkeit eines Geräts - auf allen betroffenen Schichten - mit beiden IP-Versionen gleichzeitig umgehen zu können, unabhängig davon, wie es tatsächlich betrieben wird. Dual-Stack schließt somit die Implementierung bis hinauf zur Applikationsschicht mit ein. Typischerweise können Dual- Stack- Geräte sowohl im Single-IP- als auch im Dual-IP - Modus (s.u.) betrieben werden. Alle Produkte von Unify, die IPv6 unterstützen, sind in Dual-Stack - Technik implementiert. "Single-Stack" bezeichnet dagegen die Art der Implementierung, bei der von der Software nur eine IP-Version unterstützt wird. Single-Stack ist insbesondere bei älteren IPv4 - Geräten anzutreffen. Applications FTP, SIP Session RPC Transport Sockets/Streams UDP TCP/IP Network IP + ICMP Phys. Prot. Ethernet TCP Medium Fiber, 10baseT... Schichtenmodell Dual-IP / Single-IP für die Betriebsarten Die Betriebsart der Dual-Stack-Knoten, bei der die Adressen beider IP-Versionen auch tatsächlich konfiguriert wurden und am selben physischen Interface nutzbar sind, wird "Dual-IP" genannt. Ein Dual-IP -Knoten wählt dynamisch diejenige IP-Version aus, die für eine bestimmte Verbindung genutzt werden soll. Im Gegensatz zu Dual-IP nutzt ein "Single-IP" - Knoten nur eine einzige IP-Version (IPv4 oder IPv6). Bei einem in Dual-Stack - Technik implementierten Knoten hängt es von der Konfiguration ab, welche IP-Version verwendet wird. Im Falle einer Single- Stack - Implementierung wird die IP-Version bereits durch die Implementierung selbst festgelegt. IPv4-only (A) Dual-IP (C) Dual-IP (D) IPv4 IPv4 oder IPv6 IPv6 Dual-Stack Implementierung IPv6-only (B) 5

6 3.1. IPv4nIPv6 Umsetzung Ein IPv4 - Gerät und ein IPv6 - Gerät können nicht direkt miteinander kommunizieren. Vielmehr müssen beide Endgeräte einen IPv4nIPv6 - Adressumsetzungsdienst nutzen, der von einem zwischengeschalteten Gerät angeboten wird. IPv4-only (A) Umsetzer IPv4óIPv6 IPv4 x IPv6 IPv6-only (B) Ein IPv4nIPv6 - Umsetzungsdienst: verarbeitet die IP-Adressinformation innerhalb der Daten der Applikation verwaltet die Zuordnung der IPv4/IPv6 -Adresspaare, tauscht die Transportadressen (IPv4nIPv6) aus. Die jeweilige Implementierung des IPv4nIPv6-Umsetzers hängt vom umzusetzenden Protokoll ab und kann von der einfachen Umsetzung der IP-Adressen auf IP-Ebene bis hin zur Übersetzung der Applikationsprotokolldaten und der Modifikation der darin enthaltenen IP-Adressen reichen. Beispiel Der Medientransport über RTP nutzt die IP-Adressen nur auf IP-Ebene ("Network"- Schicht 1 ), um Ziel und Quelle der Mediendaten anzugeben, die über das Netz geschickt werden sollen. Für diesen Dienst ist die einfache IP-Adressübersetzung auf IP-Ebene ausreichend (ähnlich wie von NAT her bekannt). Die für die Einstellung des Umsetzers notwendigen Daten müssen jedoch zuvor durch Interpretation der entsprechenden SIP Signalisierung gewonnen werden. SIP-Signalisierungsmeldungen ("Applications"-Schicht 1 ) transportieren u.a. die IP- Adressen der Medienströme innerhalb der SIP Meldungen. In diesem Fall muss ein IPv4nIPv6-Umsetzer zusätzlich zur Umsetzung auf IP-Ebene die IP-Adressen innerhalb der Signalisierungsdaten ermitteln und umsetzen. Gleichzeitig wird die so gewonnene Adressinformation dazu genutzt, die Umsetzer für den Medientransport einzustellen (s.o.). 6 1 siehe Schichtenmodell auf Seite 5.

7 3.2. IP-in-IP Tunnel Zwei IPv6 - Teilnetze können nicht direkt miteinander kommunizieren, falls ein IPv4 - Netz passiert werden muss. Das gleiche gilt für IPv4 - Netze mit dazwischenliegendem IPv6 - Netz. IP-in-IP Tunnel ermöglichen das Routing von IP-Paketen der einen IP-Version durch ein Teilnetz der anderen IP-Version. IPv6 Tunnel Endpunkt X IPv4 IPv6 in IPv4 Tunnel Tunnel Endpunkt X IPv6 Teilnetz A z.b. Internet Teilnetz B Ein IP-in-IP Tunnelendpunkt: packt die am Tunneleingang vom eigenen Teilnetz empfangenen Pakete in IP-Pakete der IP-Version des dazwischenliegenden Netzes ein versendet die so verpackten Pakete an den anderen Tunnelendpunkt entpackt am Tunnelende die eingepackten IP-Pakete und stellt sie seinem Teilnetz zur Verfügung Auf diese Weise ermöglicht ein IP-in-IP Tunnel direkten, transparenten Datentransport zwischen den Teilnetzen. Im Rahmen dieses Whitepapers werden nur Tunnel betrachtet, deren Endpunkte in dafür geeigneten IP-Routern konfiguriert werden. Von den Endpunkten selbst erstellte Tunnel (z.b. Teredo) sind nicht Gegenstand dieser Beschreibung. 7

8 4. Auswahl der Übergangsstrategie Im Folgenden werden wir uns darauf konzentrieren, eine Strategie für den Übergang zu IPv6 unter Einsatz der OpenScape UC Suite zu entwerfen. Komponenten der IP-Infrastruktur, wie z.b. Router oder DHCP- und DNS-Server, werden nur erwähnt, wenn sie in unmittelbarem Zusammenhang mit der hier beschriebenen Übergangsstrategie stehen. Die Beschreibung einer kompletten Umstellung einschließlich aller IT-Applikationen und der gesamten Infrastruktur würde jedoch den Rahmen dieses Whitepapers sprengen. Ein Netz, das von IPv4 auf IPv6 umgestellt wird, ist dramatischen Veränderungen unterworfen. Dennoch sollte das Netz zu jeder Zeit uneingeschränkt funktionsfähig bleiben. Deshalb ist die detaillierte Planung eine der wichtigsten Stufen des Übergangsprozesses. Sorgfältiges Arbeiten ist erforderlich, um negative Auswirkungen so gering und kurzfristig wie möglich zu halten. Der Versuch, die Umstellung auf IPv6 "nebenher" zu erledigen, birgt ein hohes Risiko, in einer Sackgasse zu landen; der Weg aus dieser Sackgasse kann viel Zeit und Geld kosten und unnötige Netzwerkausfälle verursachen. Der Ausgangspunkt für die Planung ist die Bestimmung des Status Quo; gemeint sind bestehende Netze beim Kunden (Telefonie, VoIP, UC). Wichtige Punkte sind: die Netzwerk-Topologie (d. h. wie ist das Netz weltweit strukturiert, redundante Elemente), welche VoIP/UC-Dienste und -Geräte werden innerhalb dieses Netzes genutzt, und auf welche Netzwerk-Infrastrukturdienste (z.b. DHCP, DNS) greifen sie zu. Im nächsten Schritt wird die vom Kunden angestrebte VoIP/UC-Umgebung in die Analyse mit einbezogen. Beispiele hierfür sind die Umstellung von VoIP-Anwendungen oder UC-Diensten von IPv4 zu IPv6, die Nutzung eines neuen UC-Dienstes in Dual-IP, oder der Einsatz einer großen Stückzahl neuer VoIP-Anwendungen in IPv6, wie er sich z.b. beim Umzug von klassischen Telefonanschlüssen in das VoIP/UC-Netz ergibt. Nun wird man darangehen, die Übergangsstrategie - basierend auf den bisherigen Analysen - auszuarbeiten. Wichtige Faktoren für die Übergangsstrategie sind: Die Größe des verfügbaren IPv4-Adresspools Wenn zu wenige IPv4-Adressen im Pool verfügbar sind - möglicherweise der Anlass für die Umstellung auf IPv6 - dann können nur IPv6-Adressen an neue Geräte vergeben werden. Diese werden deshalb von vornherein als IPv6 - Geräte in das Netz integriert. 8

9 Vorhandene ältere Geräte (VoIP/UC) Bei einigen dieser Geräte ist ein Upgrade auf IPv6 eventuell nicht mehr rentabel oder gar unmöglich. Falls ein Austausch dieser Geräte nicht gewünscht wird, müssen sie weiterhin als IPv4 - Geräte betrieben werden. Spezielle Geräte, die nur während des Übergangs zu IPv6 benötigt werden Gerade große Netze sind häufig aus vielen Teilnetzen aufgebaut. Sollen nur Teile dieses Netzes auf IPv6 umgestellt werden, ist das Ergebnis eine Mischung aus IPv4, IPv6 und Dual-IP - Teilnetzen. In diesem Falle sind spezielle Geräte für das Tunneln von IP-in-IP und/oder die IPv4nIPv6-Umsetzung erforderlich. Der Plan für die Übergangsstrategie sollte detailliert festlegen Welche Teile des Netzes / welche Geräte im Dual-IP- oder IPv6 - Modus betrieben werden sollen, und welche im IPv4 - Betrieb bleiben müssen Welche Netzwerk-Infrastrukturdienste auf IPv6 umgestellt werden sollen, und welche nicht, Ob eine IPv4nIPv6-Umsetzung erforderlich ist und wo die entsprechenden Geräte platziert werden Ob IP-in-IP -Tunnel erforderlich sind und wo die entsprechenden Geräte platziert werden Entscheidungshilfen Im VoIP/UC Server-Bereich, wo besonders viele Protokolle gleichzeitig genutzt werden, bietet Dual-IP folgende Vorteile: es wird keine IPv4nIPv6-Umsetzung benötigt direkte Kommunikation sowohl zu alten (IPv4), als auch neuen (IPv6) Endgeräten und Servern nur für diese (relativ wenigen) Server werden IPv4-Adressen weiterhin benötigt der doppelte Verwaltungsaufwand beschränkt sich auf diese (relativ wenigen) Server Aus diesen Gründen wird empfohlen, Server (OSV, OS UC ) vorzugsweise in Dual-IP zu betreiben. Im VoIP Endgeräte-Bereich dagegen überwiegen die Argumente, die gegen den Betrieb in Dual-IP sprechen: für den Dual-IP - Betrieb sind Protokollerweiterungen erforderlich, die im Zusammenspiel mit bestimmten komplexen Leistungsmerkmalen problematisch sind. die doppelte Verwaltung für eine hohe Zahl von Geräten erzeugt einen erheblichen Mehraufwand für den Einsatz einer großen Stückzahl von Endgeräten im Dual-IP - Betrieb sind oft nicht genügend öffentliche IPv4-Adressen verfügbar Aus diesen Gründen wird empfohlen, Endgeräte vorzugsweise in Single-IP zu betreiben. Schlussfolgerung: Wie oben gezeigt wird eine Mischung aus Single-IP und Dual-IP die Umstellung auf IPv6 kosteneffizient gestalten. Nutzen Sie IPv6 von Beginn an, wo immer möglich. 9

10 5. Implementierung Bei der Umstellung selbst sollte man von unten nach oben vorgehen (sog. "bottom up" Ansatz). 2 Es empfiehlt sich, folgende Schritte nacheinander auszuführen: 1. Beschaffung eines IPv6-Adresspools (z.b. vom Internet Service Provider, ISP), damit z.b. Firewall-Einstellungen u.ä. frühzeitig geplant werden können 2. Upgrade der IT-Infrastrukturkomponenten 3. Upgrade der Hosts (Server, Clients bzw. Endgeräte) und Applikationen IT-Infrastruktur Die IT-Infrastruktur gewährleistet sowohl den Datentransport durch das Netz hindurch, als auch die unterstützenden Basis-Dienste. Komponenten der OpenScape UC Suite nutzen folgende Dienste (Beispiele, die Liste erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit): Routing-Infrastruktur: Router müssen in IPv6- oder Dual-Stack- Technik implementiert sein. Falls Dual-IP - Betrieb erforderlich ist, die neuen Router aber nur über IPv6 verfügen, können sie parallel zu den vorhandenen IPv4-Routern installiert werden. Sind Tunnel als Teil der Übergangsstrategie vorgesehen, müssen die Router das Einrichten solcher Tunnel unterstützen. Firewalls: Zusätzlich zum vorhandenen IPv4-Sicherheitssystem ist ein neues IPv6- Sicherheitssystem (evtl. parallel zum IPv4) zu implementieren. DHCP: DHCPv6 und DHCPv4 sind unterschiedliche Protokolle, die ausschließlich IP - Adress informationen ihrer eigenen IP-Version verarbeiten. Dies bedeutet, dass zwei verschiedene Server erforderlich sind: ein neuer DHCPv6-Server parallel zum vorhandenen DHCPv4-Server. Wichtig ist, dass beide DHCP-Server herstellerspezifische Optionen unterstützen, damit beispielsweise unsere OpenStage- Endgeräte mit der Adresse des Gerätemanagement-Servers versorgt werden können. DNS: Aktuelle DNS-Server können IPv4- oder IPv6- oder beide Adressen zugleich innerhalb ein und derselben Anfrage-Antwort liefern. Dies ist unabhängig davon, ob die Antwort über IPv4 oder IPv6 transportiert wird. Sogar eine Antwort, die nur IPv6- Adressen enthält, kann über IPv4 transportiert werden, und umgekehrt. Deshalb ist es sinnvoll, den DNS-Server für den Dual-IP - Betrieb hochzurüsten. NTP: Da auch der NTP-Server eventuell gleichzeitig IPv4- wie auch IPv6-Geräte mit Zeitinformationen versorgen muss, ist es ebenfalls sinnvoll, ihn für den Dual-IP - Betrieb hochzurüsten In diesem Dokument werden prinzipielle Szenarien beschrieben und davon ausgegangen, dass IPv6 in allen genannten Komponenten unterstützt wird. Über den Zeitpunkt der Verfügbarkeit werden jedoch keine Aussagen getroffen.

11 5.2. OpenScape UC Suite Die Komponenten der OpenScape UC Suite laufen auf verschiedenen HW-Plattformen / Hosts: Server-Maschinen (Windows, Linux) mit Server-Applikationen, wie OpenScape Voice Client-Maschinen (Windows, Linux ) mit Client-Applikationen, wie OpenScape Desktop Clients Spezialisierte Systeme (Embedded-Systeme) mit Telefonie-Anwendungen, wie OpenStage VoIP Telefone Für die meisten Komponenten der OpenScape UC Suite wird die komplette SW ausgeliefert, d.h. einschließlich der SW für Betriebssystem und Applikationsschicht. Das Upgrade dieser Komponenten auf IPv6 kann in einem Schritt durchgeführt werden Lediglich einige Komponenten, wie die OpenScape Desktop Clients, bestehen nur aus der Applikations- SW. In diesem Fall muss ggf. zuerst das Betriebssystem der Host-Maschine hochgerüstet werden, bevor der Upgrade der Applikation möglich ist VoIP- und UC - Dienste Alle Komponenten der OpenScape UC Suite, die IPv6 unterstützen, sind in Dual-Stack - Technik implementiert. Dies ermöglicht es dem Administrator, jedes einzelne Gerät ganz nach Wunsch für den Betrieb in IPv4, IPv6 oder Dual-IP zu konfigurieren. Zum Verständnis der schematischen Darstellungen im Beispiel werden nachstehend die dort verwendeten Sinnbilder einzeln vorgestellt: Server-Komponenten Die OpenScape UC Suite ermöglicht die VoIP/UC - Funktionalität mit Hilfe einiger Server- Komponenten, wie z.b. OSV Softswitch, OS Media Server, OS UC Server, and Gateways Server-Komponenten sind normalerweise mit vielen Client-Geräten gleichzeitig verbunden. Während der Umstellung auf IPv6 laufen die Client-Geräte möglicherweise in verschiedenen Betriebsarten, manche in IPv4, manche in IPv6 oder in Dual-IP. Daher ist es sinnvoll, Server-Komponenten im Dual-IP - Modus zu betreiben. Client-Komponenten Mit der OpenScape UC Suite können zahlreiche Typen von 4 Endgeräten betrieben werden. 6 Wichtige Beispiele sind die OpenStage IP Phones betreiben, vor allem 6 wenn der Mangel an IPv4-Adressen der Auslöser für den Übergang 4 6 und die OpenScape Desktop Clients Aufgrund ihrer großen Stückzahl empfiehlt es sich, Endgeräte im IPv6 - Modus zu zu IPv6 war

12 IPv4 IPv6 Umsetzer In einigen Komponenten der OpenScape UC Suite sind IPv4nIPv6-Umsetzer 4 6 für unterschiedliche Aufgaben implementiert: Ein Softswitch setzt nur die SIP/SDP-Signalisierung um und steuert den Media-Server. 4 Ein Media-Server setzt die RTP-Medienströme 6 um. Da Media-Server selbst keine Signalisierungsinformationen haben, werden sie vom Softswitch gesteuert. Ein Session Border Controller (SBC) kann sowohl Signalisierung als auch Medienströme umsetzen. Da ein SBC von Signalisierung und den Medienströmen durchflossen wird, verfügt er über alle notwendigen Informationen und kann unabhängig agieren, ohne vom Softswitch gesteuert werden zu müssen Management-Applikationen der OpenScape UC Suite Auch die Management-Applikationen der OpenScape UC Suite sind in Dual-Stack - Technik implementiert. Dies erlaubt es dem Administrator je nach Bedarf sowohl über IPv4, als auch über IPv6 vom Management-Client aus die Management-Server zu bedienen und auf die zu administrierenden Geräte zuzugreifen. Viele administrierte Geräte (z.b. VoIP/UC-Serverkomponenten) verfügen über spezielle Management-Schnittstellen, die völlig unabhängig von den VoIP/UC- Schnittstellen konfiguriert werden können. Beispielsweise kann ein Softswitch die SIP-Signalisierung bereits über IPv6 abwickeln, während die Management-Applikation auf denselben Softswitch über IPv4 zugreift. Dies bedeutet, dass VoIP/UC-Dienste und Management- Dienste nicht immer gleichzeitig auf IPv6 umgestellt werden müssen. Oft ist es in der Übergangsphase möglich, weiterhin Management-Applikationen zu benutzen, die nur den Datentransport über IPv4 unterstützen. 12

13 6. Beispiel einer Umstellung auf IPv6 Dieses Beispiel erläutert die Grundlagen der Umstellung auf IPv6. Es ist bewusst einfach gehalten worden und konzentriert sich auf die firmeninternen Telefonverbindungen. Internet-Verbindungen zu Teleworkern und Zugriffe auf SIP-Serviceprovider werden hier außer Acht gelassen. Betrachtet wird ein IPv4-Netz mit einer Gruppe von VoIP Teilnehmern, und ein klassisches Telefonnetz mit einer größeren Anzahl von ISDN-Teilnehmeranschlüssen und Zugang zum öffentlichen Telefonnetz. Erstes Ziel ist, die ISDN- Teilnehmeranschlüsse durch VoIP- Teilnehmeranschlüsse zu ersetzen. Die neuen VoIP- Teilnehmeranschlüsse sollen nur IPv6-Adressen erhalten. Gründe für diese Entscheidung: Aufgrund ihrer großen Stückzahl sind nicht genügend öffentliche IPv4-Adressen verfügbar jetzt IPv6-Geräte einzusetzen spart später die Kosten für ein Upgrade auf IPv6. In einem zweiten Schritt ist geplant, auch das übrige VoIP-System auf IPv6 umzustellen. Ausgangssituation: Das vorhandene VoIP/UC-System wird vollständig über IPv4 betrieben. Es besteht aus einem Softswitch, einem UC-Server, einer gewissen Anzahl Endgeräte und einem Gateway zum Telefonnetz, wobei hier vereinfacht das private und das öffentliche Telefonie-Netz in einer gemeinsamen Wolke gezeigt werden. Telefonie (privat. & öffentl. Netz) IPv4 13

14 Erster Schritt: Installation eines neuen OSV Softswitches und eines neuen OS UC-Servers, beide für die neuen VoIP-Teilnehmer. Die neuen Endgeräte werden im IPv6-Modus betrieben. Der OSV und OS UC-Server werden im Dual-IP-Modus betrieben: Die Signalisierung zwischen dem Dual-IP OSV und den neuen Endgeräten wird über IPv6 geführt; die Signalisierung zum älteren Softswitch dagegen über IPv4. Das gleiche gilt sinngemäß für den neuen UC-Server. Zusätzlich wird ein IPv4nIPv6-Umsetzer den Medienverkehr zwischen den alten IPv4-Endgeräten und den neuen IPv6-Endgeräten umsetzen. Solange das Gateway zum Telefonnetz nur IPv4 unterstützt, muss der Medienverkehr zwischen den IPv6-Endgeräten und dem Gateway ebenfalls den IPv4nIPv6-Umsetzer durchlaufen. Telefonie (privat. & öffentl. Netz) IPv4 IPv6 4 6 Dual-IP 14

15 Zweiter Schritt: Nun werden auch die IPv4-Anschlüsse des ursprünglichen VoIP-Netzes auf IPv6 umgestellt und folglich von den neuen zentralen Komponenten OSV und OS UC-Server gesteuert. Evtl. bietet es sich an, die letzten IPv4 Endgeräte, wie unten gezeigt, für eine Übergangszeit von den neuen Servern steuern zu lassen. Dies würde bereits jetzt das Abschalten der alten Server erlauben. Spätestens jetzt sollte dafür gesorgt werden, dass auch das Telefonie-Gateway im Dual-IP - Modus bereitgestellt wird. Eines nach dem anderen der alten IPv4-Endgeräte wird nun durch neue IPv6-Geräte ersetzt. Wenn das letzte IPv4 Gerät außer Betrieb genommen wird, ist der Übergang zu IPv6 fast abgeschlossen. IPv4 Telefonie (öffentliches Netz) IPv6 4 6 Dual-IP Letzter Schritt: Der IPv4nIPv6-Umsetzer, der alte IPv4-Softswitch und der alte IPv4-UC-Server sind nicht mehr in Gebrauch; sie können aus dem Netz entfernt werden. Die bislang in Dual-IP betriebenen Komponenten können abschließend für den IPv6 Betrieb konfiguriert werden. IPv6 Telefonie (öffentliches Netz) IPv6 Internet (SIP Provider) Der Übergang hin zu IPv6 ist abgeschlossen. Um das Szenario zu komplettieren, wird hier wenigstens im Abschlussbild noch der Übergang zum Internet /SIP-Provider gezeigt, der üblicherweise mit Hilfe eines SBC realisiert wird. 15

16 7. Weiterführende Literatur 1 Unify Products and Services 2 Enterasys Networks Products & Services 3 RFC 2460 Internet Protocol, Version 6 (IPv6), Specification IETF, The Internet Engineering Task Force, Dezember RFC 3261 SIP: Session Initiation Protocol IETF, The Internet Engineering Task Force, Juni RFC 3550 RTP: A Transport Protocol for Real-Time Applications IETF, The Internet Engineering Task Force, Juli RFC 4057 IPv6 Enterprise Network Scenarios IETF, The Internet Engineering Task Force, Juni RFC 4213 Basic Transition Mechanisms for IPv6 Hosts and Routers IETF, The Internet Engineering Task Force, Oktober RFC 4566 SDP: Session Description Protocol IETF, The Internet Engineering Task Force, Juli RFC 5211 An Internet Transition Plan IETF, The Internet Engineering Task Force, Juli RFC 5245 Interactive Connectivity Establishment (ICE) IETF, The Internet Engineering Task Force, April RFC 6157 IPv6 Transition in the Session Initiation Protocol (SIP) IETF, The Internet Engineering Task Force, April RFC 6180 Guidelines for Using IPv6 Transition Mechanisms during IPv6 Deployment IETF, The Internet Engineering Task Force, April draft-elwell-mmusic-ice-updated-offer-02 ICE Updated Offer Problematic IETF, The Internet Engineering Task Force, Dezember 12,

17 8. Abkürzungen ALG DHCP Application Layer Gateway Dynamic Host Configuration Protocol DHCPv6 DHCP for IPv6 DNS FTP IP IT LAN NAC NTP OS OSI OSV POTS PSTN SBC SDP SIP SNMP SNTP SW TCP TDM UC UDP UI VoIP WAN Domain Name System File Transfer Protocol Internet Protocol Information Technology Local Area Network Network Access Control Network Time Protocol OpenScape Open System Interconnection OpenScape Voice (softswitch) Plain Old Telephone Service Public Switched Telephony Network Session Border Controller Session Description Protocol Session Initiation Protocol Simple Network Management Protocol Simple Network Time Protocol Software Transmission Control Protocol Time Division Multiplexing Unified Communications User Datagram Protocol User Interface Voice over IP Wide Area Network 17

18 Über Unify Unify ist ein weltweit führendes Unternehmen für Kommunikationssoftware und -services, das annähernd 75 Prozent der Global 500 -Unternehmen mit seinen integrierten Kommunikationslösungen beliefert. Unsere Lösungen vereinen unterschiedliche Netzwerke, Geräte und Applikationen auf einer einzigen, einfach bedienbaren Plattform, die Teams einen umfassenden und effizienten Austausch ermöglicht. Damit verändert sich die Art und Weise, wie Unternehmen kommunizieren und zusammenarbeiten, nachhaltig die Teamleistung wird verstärkt, das Geschäft belebt und die Business-Performance erheblich verbessert. Unify verfügt über eine lange Tradition aus verlässlichen Produkten, Innovationen, offenen Standards und Sicherheit. unify.com Copyright Unify GmbH & Co. KG 2014 Hofmannstr. 51, D München Alle Rechte vorbehalten. Sachnummer: A31002-P3010-D Die Informationen in diesem Dokument enthalten lediglich allgemeine Beschreibungen bzw. Leistungsmerkmale, die je nach Anwendungsfall nicht immer in der beschriebenen Form zutreffen oder sich durch Weiterentwicklung der Produkte ändern können. Eine Verpflichtung, die jeweiligen Merkmale zu gewährleisten besteht nur, sofern diese ausdrücklich vertraglich zugesichert wurden. Liefermöglichkeiten und technische Änderungen vorbehalten. Unify, OpenScape, OpenStage und HiPath sind eingetragene Warenzeichen der Unify GmbH & Co. KG. Alle anderen Marken-, Produkt- und Servicenamen sind Warenzeichen oder eingetragene Warenzeichen ihrer jeweiligen Inhaber.

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