Gesundheitsmanagement in der ZSVA / Optimierung der Ergonomie am Arbeitsplatz

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1 Gesundheitsmanagement in der ZSVA / Optimierung der Ergonomie am Arbeitsplatz Die Sterilog Luzern, eine 100% Tochterfirma der B. Braun, Holding AG, CH-Sempach hat seit Juli 2003 den Auftrag die Medizinprodukte der Spitäler Luzern / Sursee und Wolhusen aufzubereiten. Verschiedene Punkte führten Ende 2006 zum Entscheid, mit Hilfe der Ergonomie die Gesundheit und die Zufriedenheit der Mitarbeiter zu fördern. 1 Ausgangslage 1.1 Hohe Fehlzeiten Die Fehlzeiten bei Sterilog waren durchwegs um ein Vielfaches höher, als der Durchschnitt bei B. Braun Schweiz. Im Dezember 06 waren 5 MA (bei einem MA Stand von damals 38 Personen) seit über 31 Tagen bis zu 100% arbeitsunfähig. Die Kurzzeitabsenzen nahmen in der Folge zu, mussten doch die gesunden Arbeitnehmer die zusätzliche Arbeit übernehmen. 37% der MA fühlten sich bei einer Umfrage im Winter 06 nicht gesund und klagten über Rückenschmerzen, Verspannungen, Migräne etc. 1.2 Mitarbeiter Unzufriedenheit Der nächste ausschlaggebende Punkt war die steigende Unzufriedenheit der MA. Diese Unzufriedenheit war vorerst einfach nur spürbar, doch im Herbst 2006 wurde diese messbar. Die von B. Braun, Schweiz durchgeführte MA Umfrage zeigte schwarz auf weiss, dass die MA der Sterilog unzufrieden mit der Zusammenarbeit im Team waren. Dazu kam noch der Umstand, dass viele MA die Landessprache mangelhaft verstanden und somit die Zusammenarbeit zusätzlich erschwert wurde. Das von so vielen verschiedenen Kulturen geprägte Team Sterilog beschäftigt MA aus 10 verschiedenen Ländern, sollte lernen respektvoll einander zu begegnen und Unterschiede zu akzeptieren. 1.3 Ressourcen Der dritte Punkt schliesslich war der, dass die MA die bereitgestellten ergonomischen Ressourcen gar nicht richtig zu nutzten wussten. Sie wussten zum Beispiel nicht, wie hoch oder 1

2 tief sie die Stühle im Verhältnis zum Tisch stellen mussten. Auch die Wichtigkeit der richtigen Position der Monitore war vielen MA nicht bekannt. 2 Zielsetzung 1. Reduzierung der Fehlzeiten 2. Steigerung der Mitarbeitermotivation 3. Förderung der Teamzusammenarbeit 4. Einhaltung der Ergonomierichtlinien, die korrekte Nutzung der vorhandenen Hilfsmittel Mit dem Erreichen dieser Ziele sollte die Arbeitsqualität und somit auch die Kundenzufriedenheit gesteigert werden. 3 Ergonomie Die Ergonomie ist die Wissenschaft von der Gesetzmässigkeit menschlicher Arbeit und beschäftigt sich mit der Anpassung der Arbeitsbedingungen an die Fähigkeiten und Eigenschaften des arbeitenden Menschen (Quelle: und zwar in Bezug auf: Arbeitsplätze Licht Platz Lärm Temperatur Ergonomisches Mobiliar Arbeitnehmer Förderung Anerkennung Zufriedenheit Motivation durch Vorgesetzte Erst wenn alle obenerwähnten Komponenten stimmen, ist ein gutes Betriebsklima möglich. Eine Steigerung der MA Zufriedenheit steht im direkten Zusammenhang mit Produktivitätssteigerung und der Erhöhung der Kundenzufriedenheit. In einem guten Betriebsklima werden Fehlzeiten reduziert und können Kosten gesenkt werden. 2

3 4 Durchführung Gemeinsam mit der Firma fit Consulting 1 wurde einen Projektplan erarbeitet und im April 2007 startete das Projekt. Als erstes wurde ein Rückenschulseminar durchgeführt. Die MA lernten in diesem Seminar die Anatomie und Physiologie des Bewegungsapparates kennen und lernten verstehen, was im Körper vorgeht, wenn der Rücken falsch belastet wird. Die Wichtigkeit der richtigen Bewegung wurde deutlich gemacht. Sie lernten Entspannungs-, Dehn- und Mobilisationsübungen kennen, welche im Alltag eingebaut werden können. Die Wichtigkeit der Flüssigkeitszufuhr und der Ausgleich durch Bewegung in der Freizeit wurden immer wieder erläutert. Anschliessend wurde durch die Firma fit.consulting in allen Bereichen Filmaufnahmen gemacht. In Vordergrund standen die Fragen: Welche Tätigkeiten werden verrichtet, wie bewegen sich die Mitarbeiter bei diesem oder jenem Vorgang. Wie werden die Gelenke, die Schultern, der Rücken belastet. Die Gewohnheitsmuster der Abläufe und der Bewegungen wurden filmisch festgehalten, mit den Mitarbeitern wurden neue Bewegungsmuster erarbeitet und die rückengerechten, neuen Bewegungsabläufe erneut aufgenommen. Zusätzlich wurden individuelle Schulungen an den Bildschirmarbeitsplätzen (Packen der Siebe) durchgeführt. 5 Massnahmen fit-consulting befragte die MA über deren Bedürfnisse, stellte eigene Beobachtungen an und zusammen mit der Betriebsleitung wurden diverse Massnahmen definiert: Einbau von Wasserspendern Optimierung der Klimatechnik Individueller Gehörschutz Ergonomische Stühle Optimierung der Steharbeitsplätze (Kybound Matten) Optimierung der Monitorhalterungen Dank offenen Ohren in der Chefetage konnten alle Massnahmen umgesetzt werden. 1 Tägerwilen, St. Gallen Schweiz) 3

4 6 Teamentwicklung Solange es um die Verbesserung und Optimierung der Ergonomie an den Arbeitsplätzen ging, waren die MA mit Eifer und Freude dabei. Sie fanden es toll, dass die Firma etwas für ihre Gesundheit am Arbeitsplatz unternahm. Als aber das Thema der Teamentwicklung aufgegriffen wurde, war der Enthusiasmus schnell verflogen. Im Gegensatz zu dem Teil des Projektes, in dem es um die Arbeitsplatzgestaltung ging, waren hier gewisse Widerstände zu spüren. Die Mitarbeiter äusserten Ängste, dass wenn sie etwas sagen würden, sie dann auch darunter zu leiden hätten. Den Widerständen zum Trotz wurde im Juni 2006 ein obligatorischer Teamnachmittag durchgeführt. Ziel war das gemeinsame Erarbeiten und Auflisten der Punkte, welche immer wieder zu Unmut und Unruhe im Team führen. Die Mitarbeiter sollten erkennen welches sind die Stärken / Schwächen in der Zusammenarbeit im Team wie soll in Zukunft miteinander umgangen werden In Kleingruppen äusserten die Mitarbeiter mittels Brainstorming ihre Gedanken. Zusammen mit den Mediatoren des Teamtages erstellten danach zwei Mitarbeiter aus all den Gedanken, Wünschen und Vorschlägen des Teams eine Fairness- und Feedbackkarte. Diese Karte dient seither als Führungsinstrument für die Vorgesetzten auf der einen Seite, aber auch als Hilfsmittel bei Konflikten für jeden einzelnen MA. Als direkte Folge der Auswertungen des Teamtages wurde die Organisationsstruktur optimiert, und Schulungen für die Teamleitungen, Schichtleitungen und Bereichsverantwortliche eingeführt. Es muss eine Selbstverständlichkeit sein, dass MA, welche in einer Vorgesetzten Funktion tätig sind, die nötigen Schulungen erhalten 7 Betrachtung bezüglich Wirtschaftlichkeit Studien in der Schweiz zeigen, dass sich die Produktionsausfallkosten durch krankheitsbedingte Ausfalltage auf umgerechnet 3,75 Milliarden Euro pro Jahr belaufen. In den letzten Jahren zeigen verschiedene Untersuchungen, dass sich betriebliche Gesundheitsförderung in jedem Fall auszahlt. 8 Projekterfolg Senkung der Beanstandungsquote (monatlich ausgewertet) die Reduktion der Fehlzeiten (monatlich ausgewertet) 4

5 Senkung der Personalkosten (Ende 2007) Die Motivation der MA ist deutlich gestiegen und dank der Steigerung der Effizienz der MA konnten wir mit weniger Personal eine höhere Produktivität erreichen. 9 Nachhaltigkeit Die Nachhaltigkeit eines solchen Projektes ist nur gegeben, wenn konsequent weiter daran gearbeitet wird. Mitarbeiter müssen auf Fehlhaltungen aufmerksam gemacht werden, neue MA müssen in die Ergonomie eingeführt werden. Wichtig ist jedoch auch die gezielte, fachliche und zwischenmenschliche Schulung der MA, die jährlich stattfindenden STAO Gespräche und die Überwachung der gemeinsam gesetzten Zielvereinbarungen. Dass MA aufgefordert werden Teamentwicklung mitzugestalten, offene Gespräche möglich sind und Gedanken ausgetauscht werden. Erst wenn wir all diese Massnahmen in unseren Alltag einbauen, sie zu Selbstverständlichkeit werden lassen, wird man langfristig den Erfolg sehen, welchen wir am April 07 mit dem Projekt Gesundheitsmanagement in der ZSVA angestrebt haben. Regula Widmer-Kennel Betriebsleitung Produktion Sterilog AG Kantonsspital Luzern 16 5

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