Sie auf Ihre Füße? Ratgeber. Diabetes! Hören. zur Früherkennung und Behandlung von diabetesbedingten Nervenschädigungen (Neuropathien)

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1 Diabetes! Hören Sie auf Ihre Füße? Ratgeber zur Früherkennung und Behandlung von diabetesbedingten Nervenschädigungen (Neuropathien) Die Aufklärungsinitiative zur diabetischen Neuropathie

2 Diabetes! Hören Sie auf Ihre Füße? Ihre Füße sprechen mit Ihnen! Auf meine Füße hören? Wie soll das denn bitteschön gehen? Das fragen Sie sich vielleicht. Ganz einfach: Empfindungsstörungen wie Kribbeln, Brennen, Taubheitsgefühle oder Schmerzen in den Füßen können Anzeichen einer Neuropathie einer Folgeerkrankung des Diabetes sein. Von dieser Nervenschädigung ist etwa jeder dritte Diabetiker in Deutschland betroffen. Aber oft wissen sie es noch gar nicht. Je früher eine Neuro pathie erkannt wird, desto erfolgreicher kann man Folge kom pli kationen, wie z. B. dem diabetischen Fußsyndrom, ent gegenwirken. Umso wichtiger also, darüber aufzuklären. Das Heimtückische am Diabetes ist, dass er lange Zeit eine zumeist schleichende Erkrankung ist. Denn ein hoher Blutzucker verursacht in der Regel keine Schmerzen. Sind die Blutzuckerwerte allerdings über längere Zeit erhöht, können sich diabetische Folgeschäden entwickeln vor allem an den Blutgefäßen und Nerven, besonders an den Füßen. Das kann zu Veränderungen führen, die Sie dann sehr wohl wahrnehmen können. Ihre Füße sprechen sozusagen mit Ihnen! Hören Sie also rechtzeitig auf Ihre Füße und sprechen Sie mit Ihrem Arzt über mögliche Symptome. Wie Sie Anzeichen der diabetischen Neuropathie erkennen, wie Sie starke Nerven behalten und welche Behandlungsmöglichkeiten es gibt, erläutert Ihnen die Aufklärungsinitiative Diabetes! Hören Sie auf Ihre Füße? Diabetes! Hören Sie auf Ihre Füße? Weitere Informationen finden Sie auch auf: 5

3 Diabetes und seine Folgen warum gehen die auf die Nerven? Diabetische Neuropathie wie fühlt sich das an? Durch die diabetesbedingten Schäden an Gefäßen und Nerven kann es zu Folgeerkrankungen des Herz-Kreislauf-Systems, der Augen (Retinopathie), der Nieren (Nephropathie) und der Nerven (Neuropathie) bis hin zum diabetischen Fußsyndrom kommen. Letzteres betrifft Nerven, Gefäße, Knochen, Gelenke und Haut. Die diabetische Neuropathie zählt zu den häufigsten Folgeschäden des Diabetes. Etwa jeder dritte Diabetiker entwickelt im Laufe der Zeit eine Neuropathie. Wenn die peripheren Nerven die außerhalb des Gehirns und Rückenmarks gelegenen Nerven an den Füßen oder Händen betroffen sind, dann spricht man von der peripheren diabetischen Neuropathie. Ist das vegetative, das nicht über unseren Willen beeinflussbare Nervensystem, erkrankt, liegt eine autonome diabetische Neuropathie vor. Diabetische Folgeerkrankungen betreffen u.a.... Gehirn Augen Die Symptome einer peripheren Neuropathie können ganz unterschiedlich sein. Es kann sein, dass Sie eine Veränderung des Schmerz-, Berührungsoder Temperaturempfindens bemerken. Oder Sie stellen Empfindungsstörungen wie Kribbeln, Brennen, Taubheit und Schmerzen in den Füßen fest. Solche Missempfindungen sollten Sie unbedingt ernst nehmen, denn diese können ein Zeichen sein, dass der erhöhte Blutzucker bereits Nerven und Gefäße angegriffen hat. Verschafft man diesen Warnsignalen kein Gehör, können schwerwiegende Komplikationen wie das diabetische Fußsyndrom entstehen. Durch die Empfindungsstörungen können Verletzungen unbemerkt bleiben. Es kommt zu schlecht heilenden Gewebsdefekten, die sich auf den ganzen Fuß ausbreiten können. Dies führt in ca Fällen jährlich zu Amputationen*. Umso wichtiger ist es, Nerven und Gefäße rechtzeitig zu schützen. Hören Sie auf Ihre Füße! Und sprechen Sie mit Ihrem Arzt. Herz Nieren Nerven Gefäße *Quelle: DDG, AG Fuß, Presseinformation

4 Zucker warum ist der schlecht für die Nerven? Nervensache welche körperlichen Veränderungen gibt es? Bei Diabetes werden vermehrt schädliche Zuckerabbauprodukte, sogenannte AGEs (Advanced Glycation Endproducts), gebildet. Diese AGEs entstehen durch die Überzuckerung des Blutes, in dem sich die im Übermaß vorhandenen Zuckerbausteine mit Eiweißen verbinden. Sie können das Nervengewebe und die Gefäße in ihrer Funktion stark beeinträchtigen. Darüber hinaus können die AGEs sich an den Innenwänden der Arterien ablagern und so Durchblutungsstörungen in wichtigen Organen verursachen. Besonders viele AGEs werden gebildet, wenn es nach dem Essen zu Blutzuckerspitzen kommt. Diese kurzzeitigen, starken Anstiege des Blutzuckers können selbst bei sehr guten HbA 1c -Werten (= Langzeit-Blutzuckerwerte) vorkommen. Bei Diabetikern: vermehrte Bildung von AGEs, die Nervenzellen und Gefäßwände schädigen Zucker- Baustein Eiweiß- Baustein AGEs Der erhöhte Blutzucker kann nicht nur Nerven und Gefäße an den Füßen angreifen, sondern auch das vegetative Nervensystem. Es steuert die inneren Organe und reguliert automatisch ablaufende Körperfunktionen, ohne Einflussnahme unseres Willens. Beobachten Sie deshalb auch Veränderungen und Auffälligkeiten im Körper, die auf eine sogenannte autonome diabetische Neuropathie hindeuten: Hell-Dunkel-Anpassung des Auges Wahrnehmung von Unterzuckerungen Blasenentleerungsstörungen wiederholte Blasenentzündungen Völlegefühl Schwindel beim Aufstehen Erektionsstörungen Teilen Sie Ihrem Arzt unbedingt alle auffälligen Wahrnehmungen mit. 8 9

5 Nervenschädigungen wie erkennt man sie frühzeitig? Fuß-Check wie schenkt man seinen Füßen Aufmerksamkeit? Den Füßen wird meist wenig Beachtung geschenkt. Aus diesem Grund werden bei einer diabetischen Neuropathie Fußprobleme oft lange nicht erkannt. Dabei können einige typische Veränderungen schon darauf hinweisen. Hören Sie auf Ihre Füße! Und erkennen Sie Nervenschäden anhand subjektiver Empfindungen und optischer Veränderungen schon frühzeitig selbst. Oberstes Gebot für Diabetiker: die tägliche Fußinspektion! Pflegen Sie Ihre Füße täglich. Eine korrekte Fußpflege können Sie lernen. Inspizieren Sie Ihre Füße und Beine täglich! Nehmen Sie dazu einen Spiegel zur Hand oder bitten Sie eine andere Person, Ihre Füße zu untersuchen. Achten Sie dabei auf Verletzungen und die Hautbeschaffenheit. Hören Sie auf Ihre Füße! Hat sich das Empfinden verändert? Nehmen Sie leichte Berührungen und Temperatur unterschiede noch wahr? Beobachten Sie Kribbeln, Brennen, Taubheit oder Schmerzen in den Füßen, Unterschenkeln oder Händen? Haben Sie den Eindruck kalter Füße, obwohl sie warm sind? Sind Sie unsicher beim Gehen? Haben Sie Schmerzen in Ruhe, besonders nachts? Fühlen Sie Schmerzen bei Verletzungen kaum oder gar nicht mehr? 10 11

6 Empfindungstest wie legt der Arzt Hand an den Fuß? Gesund leben was kann man sich Gutes tun? Ihr Arzt hat die Möglichkeit, Sie mit einfachen und schmerzfreien Methoden auf das Vorliegen von Nervenschädigungen zu untersuchen. Beindurchblutung: Ausführliche Inspektion der Haut, Tasten der Pulse an den Arterien des Fußes (Fußpulse) Druck- und Berührungsempfinden: Test der Fußsohle mit einem standardisierten Nylonfaden (Monofilament) Temperaturempfinden: Test mit einem Instru ment mit zwei sich unterschiedlich anfühlenden Oberflächen (Tip Therm ). Eine Kunststoffoberfläche, die bei Zimmertemperatur als relativ warm empfunden wird. Und eine aus Metall, die durch ihre physikalischen Eigenschaften ein Kälte gefühl auslöst. Vibrationsempfinden: Prüfung durch Aufsetzen einer speziellen Stimmgabel Muskeleigenreflexe: Test mit einem Reflexhammer Knöchel-Arm-Index: Test mittels Blutdruckmessungen Behandeln Sie Ihr Nervenkostüm pfleglich. Reduzieren Sie Stress und vermeiden Sie nervenschädigende Einflüsse wie Alkohol und Zigaretten weitgehend. Eine ausgewogene Ernährung, verbunden mit ausreichend Bewegung, sind in jeder Hinsicht gut für die Gesundheit. Dies ist die Grundlage, um diabetische Folgeerkrankungen zu vermeiden oder aufzuhalten. Das Wichtigste gegen diabetesbedingte Komplikationen ist eine konsequente Blutzuckereinstellung. Messen Sie daher in Absprache mit Ihrem Arzt zu definierten Zeiten Ihren Blutzucker. Außerdem sollten der Blutzucker-Langzeitwert (HbA 1c ) sowie Blutdruck, Taillenumfang, BMI und Blutfette kontrolliert werden. Sprechen Sie mit Ihrem Arzt! In strukturierten Schulungen erfahren Sie alles rund um eine gesunde Lebensführung bei Diabetes. Lassen Sie sich von Ihrem Arzt darüber beraten, welche Angebote es in Ihrer Nähe gibt. Denn je früher ein Diabetes erkannt und behandelt wird, desto erfolgreicher können auch Folgeerkrankungen wie die diabetische Neuropathie behandelt und verhindert oder aufgehalten werden. 12

7 Diabetes! Hören Sie auf Ihre Füße? Aufklärungsinitiative Diabetes! Hören Sie auf Ihre Füße? Albstraße Stuttgart Wissenschaftlicher Beirat: Prof. Dr. med. Ralf Lobmann, Stuttgart Prof. Dr. med. Karlheinz Reiners, Würzburg Prof. Dr. med. Kristian Rett, Frankfurt Prof. Dr. med. Oliver Schnell, München Prof. Dr. med. Dan Ziegler, Düsseldorf Stand 04/13 Druck 04/13 Die Aufklärungsinitiative zur diabetischen Neuropathie

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