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1 Grußwort der Ministerin für Schule und Weiterbildung des Landes Nordrhein-Westfalen, Sylvia Löhrmann "Schulen lernen von Schulen: Netzwerke als unverzichtbare Elemente der Schul- und Unterrichtsentwicklung" 8. Oktober 2013 Es gilt das gesprochene Wort.

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3 3 Meine Damen und Herren, das Netz ist eine uralte Erfindung der Menschheit. Bereits seit der Mittelsteinzeit sind Fischernetze Europa bekannt, geknüpfte Pflanzenfasern lassen sich aber bereits in der mittleren Altsteinzeit, also vor etwa Jahren, nachweisen. Das soziale Netz hingegen ist ein Begriff unserer Tage und die Netze, die wir damit meinen, sind glaube ich die Netze der Zukunft. Netze halten zusammen und sind gleichzeitig sehr beweglich. Sie zeichnen sich durch die Vielzahl und die Vielfalt ihrer Verbindungen aus und brauchen Knoten, um stabil zu bleiben. Netze entstehen nur durch ein Zusammenwirken aller Knoten, und jeder von ihnen ist gleich wichtig. So betrachtet sind Netze und auch Netzwerke im Prinzip frei von Hierarchien. Vielleicht kann deshalb Wissen in sozialen Netzwerken so gut geteilt werden. Und vielleicht ist das Netzwerk deshalb auch so eine besonders gute Basis für das Lernen.

4 4 Viele Schulen scheinen das schon zu wissen. Bereits über Schulen in Nordrhein-Westfalen haben Erfahrungen in Netzwerken gesammelt. Sie tun das, um sich auszutauschen und dabei voneinander zu lernen. Und sie sind dabei sehr erfolgreich! Netzwerke sind lernende Organisationen. Meine Damen und Herren, heute finden wir uns zusammen, um diesen Impuls von unten noch wirksamer und nachhaltiger zu unterstützen und ich freue mich sehr, heute hier zu sein und an der Auftaktveranstaltung des Netzwerks Zukunftsschulen NRW im Regierungsbezirk Düsseldorf teilzunehmen. Herzlichen Dank für Ihre Einladung! Es ist beeindruckend wie viele von Ihnen nach Krefeld gekommen sind. Bereits am 6. März dieses Jahres habe ich im Rahmen einer großen landesweiten Tagung den Startschuss für das Netzwerk Zukunftsschulen NRW gegeben. Und ich wünsche und hoffe, dass Sie dieses Wissen nun noch besser weitertragen können.

5 5 Meine Damen und Herren, bisher waren viele von Ihnen in den Initiativen und Projekten "Gütesiegel Individuelle Förderung", "Komm mit!", Schulen im Team oder "Lernpotenziale" aktiv. Nun können Sie unter dem neuen Dach der Zukunftsschulen NRW Ihre erfolgreiche Arbeit fortsetzen. Sie können zu Recht sehr stolz sein auf die vielen Kompetenzen, die Sie dabei schon mitbringen. Ich bin davon überzeugt, dass das Netzwerk Zukunftsschulen NRW auch dazu beträgt, Ihre bestehenden Stärken zu stärken und Ihnen neue Impulse zu geben. Natürlich ist der Grundgedanke, Netzwerke zwischen Schulen zu bilden, nicht neu. Ich verweise an dieser Stelle gerne auf die Empfehlungen der so genannten Rau-Kommission in den 90er Jahren des vergangenen Jahrhunderts. Offenbar war die Zeit damals noch nicht reif. Aber viele der schon damals richtigen und wichtigen Impulse sehen wir heute und knüofen unmittelbar an sie an: Denken Sie an die Selbstständigen Schulen und die Regionalen Bildungsnetzwerke.

6 6 Sie haben besonders auf die Schulpolitik in Nordrhein- Westfalen nachhaltig gewirkt. Die Idee eines offenen "Hauses des Lernens" ist bis heute aktuell. Mit dem Netzwerk Zukunftsschulen NRW erhält dieses Haus aber nun ein neues und grundsolides Dach für die Zukunft. Unter diesem Dach soll nun die pädagogische Arbeit vor Ort unterstützt werden. Nicht von oben verordnet, sondern durch Ihre Erfahrungen auf lokaler und regionaler Ebene. Sie sind es, die sich mit der individuellen Förderung von Schülerinnen und Schülern profiliert haben. Dies stellen wir auf der Internetplattform des Netzwerks dar. So können andere davon profitieren. Und damit wirken Ihre Erfolgsgeschichten in Ihre Region und damit in das ganze Land hinein. Die Generalisten für Individuelle Förderung und ihre fachlichen Beraterinnen und Berater helfen Ihnen, geeignete Partner zu finden. Netzwerkschulen sollen zukünftig kontinuierlich durch Kompetenzteams begleitet werden. Für diese startet die Bezirksregierung Arnsberg in der nächsten Woche eine umfangreiche Qualifizierung, die

7 7 dann auch von den anderen Bezirksregierungen angeboten werden soll. Durch den gegenseitigen Erfahrungsaustausch und die persönliche Begegnung verändern sich Schulen. Und zwar nicht irgendwie, sondern gezielt und systematisch: Sie bauen auf ihrem vorhandenen Wissen auf und können durch die konstruktive Netzwerkarbeit ihre Kommunikations-, Kooperations- und Evaluationskultur gezielt positiv weiterentwickeln. Nach unseren Erfahrungen lernen Schulen von der Praxis anderer Schulen und im kollegialen Austausch sehr viel. Nicht zuletzt, weil dieser Austausch auf Augenhöhe stattfindet. Eine solche Kooperation ermöglicht eine hierarchiefreie Unterstützung und trägt zu einer größeren Gestaltungsautonomie bei. Schulen in Netzwerken sind vermutlich daher auch schon sehr weit auf dem Weg zu dem, was die Wissenschaft "professionelle Lerngemeinschaft" nennt. Das wirkt sich auf das gesamte schulische Lernen und Leben aus.

8 8 Professionelle Lerngemeinschaften sind teamorientiert und führen auf der Ebene des Kollegiums, aber auch auf der Ebene der Schülerinnen und Schüler und durch Einbeziehung der Eltern zu einer verstärkten gemeinsamen Bemühung um die Unterrichts- und Schulentwicklung und damit auch zu einer stärkeren Verantwortung für das Lernen, die Entwicklung und persönlichem und schulischem Erfolg von Schülerinnen und Schülern. Das Netzwerk selbst entlastet dabei die kooperierenden Schulen. Das Rad muss nur einmal erfunden werden. Und von den weiteren Entwicklungsarbeiten in den Einzelschulen können wiederum alle Kooperationspartner profitieren. Ressourcen können so effektiver eingesetzt und Synergieeffekte genutzt werden. Meine Damen und Herren, so wie ich individuelle Förderung verstehe, sollte sie immer systematisch angelegt und diagnostisch ausgerichtet sein. Im Interesse einer neuen wirksamkeitsorientierten Lehr- und Lernkultur beinhaltet sie natürlich auch die Überprüfung der

9 9 Wirksamkeit von Förderung und eine zunehmend empirische Fundierung schulischer Praxis. Hierzu zählen etwa im Netzwerk "Komm mit!" wird das auch praktiziert die Reflektion schulischer Leistungsergebnisse wie zum Beispiel Wiederholerquoten, erreichte Abschlüsse, schulische Ergebnisse von Lernstandserhebungen und zentrale Prüfungen. Sie werden in unseren Netzwerken insgesamt systematisch in den Blick genommen und für die Weiterentwicklung von Unterricht zugrunde gelegt. Eingebettet ist dies auch in die Trias Referenzrahmen für Schulqualität, Neuausrichtungen der Qualitätsanalyse und der Lehrerfortbildung, mit der wir für passgenaue Angebote sorgen wollen. Um es noch einmal zu sagen: Das Netzwerk Zukunftsschulen NRW basiert auf der freiwilligen und selbstbestimmten Entscheidung der beteiligten Schulen und stellt kollegiale Kooperation, Beratung und Wertschätzung in den Vordergrund des schulischen Miteinanders.

10 10 So bitte ich Sie auch meinen Appell zu verstehen: Gestalten Sie das Netzwerk Zukunftsschulen NRW so mit, dass es offen ist für alle Schulen, die für sich einen Mehrwert in der Zusammenarbeit mit anderen Schulen und der Bildung professioneller Lerngemeinschaften in Schule und zwischen Schulen erkennen. Das Netzwerk soll so ein verlässlicher Rahmen sein und dauerhaft allen Schulen eine Heimat und Unterstützung bieten, die ihre Unterrichtsentwicklung in kollegialer Kooperation in professionellen schulischen Lerngemeinschaften gestalten wollen. Für unsere Schülerinnen und Schüler in Nordrhein-Westfalen. Meine Damen und Herren die heutige Regionaltagung ist bereits die vierte Auftaktveranstaltung in den Regierungsbezirken. In Münster wird es eine vergleichbare Tagung am Freitag dieser Woche geben. Die Rückmeldungen aus Arnsberg, Köln und Detmold sind insgesamt sehr positiv. Sie belegen, dass in unseren Schulen die individuelle Förderung ernstgenommen und als wichtiger Teil der Unterrichts- und Schulentwicklung verstanden wird.

11 11 Im Verlauf der heutigen Veranstaltung werden die Kolleginnen und Kollegen Ihnen Hintergrundinformationen zur Netzwerkarbeit liefern und auch die Unterstützung, die mein Ministerium strukturell bereits stellt, näher erläutern. Hierzu zählen unter anderem verschiedene Arbeitsgrundlagen, die Sie als Angebot, nicht als Verpflichtung verstehen sollten und in Ihren Schulen für die individuelle Förderung einsetzen können. Meine Damen und Herren, ich freue mich sehr und danke Ihnen, dass Sie sich in Netzwerken zusammenschließen und den Netzwerkgedanken weiter tragen. Und ich danke Ihnen auch dafür, dass Sie der Einladung der Bezirksregierung gefolgt sind. Sei es, weil Sie sich bereits im Netzwerk Zukunftsschulen NRW registriert haben oder weil Sie sich über die Vorteile einer Zusammenarbeit mit anderen Schulen informieren möchten. Danken möchte ich aber auch Herrn Schöpke und seinem Team für die Organisation und vor allem Ihnen, Herr Strohe, dass Sie uns die Aula Ihrer schönen Schule

12 für diese Veranstaltung zur Verfügung stellen und auch das Rahmenprogramm organisieren. 12 Nicht zuletzt danke ich aber auch der Unfallkasse NRW, die sich unter anderem sehr im Netzwerk Zukunftsschulen NRW engagiert und viele Veranstaltungen mit ihrem finanziellen Engagement unterstützt. So darf ich an dieser Stelle schon ankündigen, dass wir im April 2014 zusammen mit unseren Partnern, der Unfallkasse NRW, der Karg-Stiftung und der Stiftung Partner für Schule eine landesweite Tagung planen. Bei dieser sollen Netzwerke und Referenzschulen, also Schulen die die Koordination kleinerer thematischer Netzwerke übernehmen, vorgestellt und ihre Arbeit gewürdigt werden. Mit diesem Ausblick auf 2014 wünsche ich Ihnen für heute eine erfolgreiche Veranstaltung und einen regen kollegialen Austausch. Vielen Dank und alles Gute!

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