Als Autorin von der Liebe Dich selbst -Reihe stellt sich die Frage, ob satt und glücklich über Liebe Dich selbst

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1 1 Als Autorin von der Liebe Dich selbst-reihe stellt sich die Frage, ob satt und glücklich über Liebe Dich selbst hinausgeht oder ob es eine Alternative darstellt. EMZ: Für mich ist Satt und glücklich spezieller. Liebe Dich selbst betrifft uns Menschen, das ist der Kern von unserem Menschsein, dass wir nur in dem Maß, in dem wir uns selbst entdecken unsere Reise nach Innen antreten und auch dieses Abenteuer darin entdecken, herausfinden was wir sind, wer wir sind, und dann festzustellen, je mehr wir das Leben und je mehr wir uns trauen, wirklich wir selbst zu sein, ganz einzigartig, um so erfüllter und glücklicher wird unser Leben. Meiner Erfahrung nach ist da draußen nichts zu holen, wenn man glücklich und erfüllt sein will. Satt und glücklich ist für mich die Erfahrung, dass wir Frauen eine ganz spezielle Geschichte haben. Für Frauen fühlt es sich noch fataler an nur im Kopf und nicht im Körper zu leben, als für die Männer. Mit Satt und glücklich geht es mir darum, die Frauen wieder zurück in ihren Körper zu holen, zurück in das Sich-spüren, zurück in die Hüften, zurück in dieses Frau-Sein, in unmittelbarem Sinne. Liebe Dich selbst betrifft uns Frauen auch, aber bei Satt und glücklich geht es darum, Frauen in Ihre Kraft zu bringen. Warum sind Frauen nicht mehr in diesem Gefühl? Was ist passiert, dass Frauen das Satt-und-glücklich nicht mehr in den Hüften haben? EMZ: Ich glaube, dass wir in unserer Gesellschaft sowohl was die Männer, als auch was die Frauen angeht, die Weiblichkeit vollkommen vernachlässigt haben. In uns allen ist ein weiblicher Aspekt: das Empfänglich-Sein, das Offen-Sein, das Wahrnehmen und das Rezeptive. Wir leben in einer Gesellschaft, die über die letzten Jahrhunderte mehr und mehr auf das Machen ausgerichtet ist, auf das außen und darauf, intellektuelle Entscheidungen zu treffen. Das hat die Frauen aus meiner Sicht wie aus ihren Körpern gerissen. Je mehr ich mich damit beschäftige, sehe ich immer mehr Frauen, die einfach wie aus sich herausgerissen leben. Wenn ich eine Frau frage: Wie geht es Ihnen? Dann sagt sie: Ich denke gut. Da weiß ich, das Dilemma ist so groß, weil wir nur noch denken können, ob es uns gut geht. Wir können immer schärfer, immer schneller denken.

2 2 Wo stehen die Frauen heute in unserer Gesellschaft? Ich sehe immer mehr Frauen, die das männliche Territorium um Sturm erobern, immer mehr Frauen, die all diese männlichen Domänen mit links hinkriegen. Ich sehe immer mehr alleinerziehende Mütter, die erfolgreich, gutaussehend und glücklich sind. Aber innerlich sind sie wie Menschen, die sich verirrt haben, ohne einen festen Halt in sich. Das Tragische daran ist, dass es so diffus ist. Ich kann nicht sagen: ich habe Schmerzen im Fuß oder: ich habe meinen Job verloren oder mein Mann hat eine Geliebte. Das ist ein entwurzeltes Gefühl von Irgendwie-bin-ich-nicht-richtig. Und dieses Irgendwie-bin-ich-nicht-richtig hat nicht damit zu tun, dass tatsächlich etwas an der Frau falsch ist, sondern es hat etwas damit zu tun, dass sie den Kontakt zu sich selbst verloren hat. Irgendwie kann ich mich nicht mehr fühlen, irgendwie komme ich nicht mehr an mich ran. Gefühle, die man nicht intellektuell verstehen oder erklären kann. Gibt es etwas was eine Frau für sich alleine machen kann, um in dieses satte Gefühl wieder hinein zu kommen? Meine Erfahrung ist, dass ich als Frau sehr viel alleine dafür tun kann, um mich wieder zu entdecken. Das hat ganz viel damit zu tun sich im Alltag bei vielen kleinen Dingen, wie zum Beispiel beim Essen, beim Moment-im-Stuhl- oder Auf-dem-Sessel- Sitzen wieder körperlich zu spüren. Das klingt vielleicht banal, ist aber für viele Menschen eine Lernaufgabe. Viele Frauen können sich nicht mehr fühlen, obwohl es im Alltag viele kleine Dinge gibt, die jeder für sich tun kann und dabei Unglaubliches erleben kann. Welche Bedeutung hat das Zusammensein mit anderen Frauen, um wieder in diesen Kontakt mit sich zu kommen? Wenn ich in eine Gemeinschaft von Frauen komme, die sich in dieser unmittelbaren inneren Erfahrung von sich selbst zeigen, in dieser weiblichen Kraft und dem in-den- Hüften-Leben, dann spüre ich dieses sich-auf-einmal-wieder-so-lebendig-fühlen. Ein Teil der Isolation, die wir in uns erfahren, hat auch etwas damit zu tun, dass die Verbindung unter Frauen, die es früher gab heute nicht mehr lebendig ist. Frauen haben damals im wahrsten Sinne des Wortes im Kreis gelebt, wodurch es viel Heilendes und Nährendes unter den Frauen gab.

3 3 Was trennt die heutigen Frauen voneinander? Frauen leben heute nur noch in dieser männlichen Energie, dieser Konkurrenz. Aus meiner Sicht leben wir Frauen sogar in einer viel brutaleren Konkurrenz als Männer. Männer können ganz klar sagen: Ich will erster sein. Frauen hingegen haben die Themen Erfolg, Körper und angenommen zu werden. Daraus resultiert ein Wettrennen, welches keiner für sich gewinnen kann. Es braucht aus meiner Erfahrung neue Formen von Gemeinschaften, in denen sich Frauen wieder fallen lassen können und wieder mit anderen Frauen teilen können. Konnte die alte Frauenbewegung das nicht leisten? Die Frauenbewegung, deren Kinder wir sind, hat uns sehr geholfen und viel Befreiung gebracht. Frauen waren eingesperrt und sind über Jahrhunderte hinweg den Männern ausgeliefert gewesen. Frauen sind für ihre Intuitionen, für ihr Feingefühl verbrannt worden. Sie sind vergewaltigt geworden und bei der Geburt ihrer Kinder gestorben. Bis vor wenigen Jahrzehnten war das Thema Orgasmus kein Thema für Frauen. Sexualität war schlicht dazu da, Kinder zu kriegen. Die Emanzipation hat uns somit geholfen, uns aus diesem Gefängnis zu befreien. Was die Emanzipation uns allerdings nicht beigebracht hat ist, wie man da draußen in der freien Welt leben kann. Das ist es, worum es mir jetzt geht. Ich bin dankbar, dass ich so frei bin, tun zu können, was ich will, mein Geld zu verdienen und viele Dinge ausprobieren zu können. Aber dieses Frau-Sein an sich müssen wir auf eine ganz neue Art erst einmal wiederentdecken. Wie kann eine neue Frauenbewegung aussehen? Das Entdecken der eigenen Kraft geht nicht im Kampf, sondern nur indem wir uns auf eine ganz zarte und langsame Weise wiederfinden. Es geht um eine Wiederentdeckung der Weiblichkeit, diese hat etwas mit Wahrnehmung, mit Fühlen und Spüren zu tun und nicht mit Gegen-etwas-Sein. Sobald wir beginnen zu kämpfen, entfernen wir uns von dem Entdecken. Wie sehen Sie Ihre Aufgabe um Frauen wieder in diese Kraft zu bringen? Mir wird immer klarer, dass ich selbst nur eins leisten kann: ich kann meinen Weg weitergeben. Das werde ich auch in dieser Arbeit tun: ich kann von mir erzählen. Ich kann von meinen Schmerzen, auch von meinen Heilungen erzählen und das teilen.

4 4 Mein Leben ist genauso voller Mauern, voller Hürden und Drachen, wie das von jeder anderen Frau auch und immer wenn ich irgendwas entdeckt habe, wie das mit so einem Drachen gehen könnte, dann teile ich das. Was für eine Vision haben sie für das Projekt satt und glücklich? Ich möchte Frauen, die in diesem Bereich weise sind und etwas zu geben haben, zusammenführen. So dass sie dies an andere Frauen weitergeben können. Ich bin nicht die Frau, die nur noch Seminare für Frauen gibt. Ich möchte einen Raum schaffe, in dem Frauen zusammenfinden, die gemeinsam etwas bewegen. Meine Phantasie ist, eine Art Revolution anzuzetteln, eine sanfte weibliche Revolution, mit Frauen, die ihre Fähigkeiten, ihre Kräfte, ihre Weisheit und ihre Liebe weitergeben möchten. Bedeutet das eine sanfte Revolution für alle Menschen? Ich war gerade mit meiner vierzehnjährigen Tochter in der Stadt in einem Modeladen für Youngsters. Der Laden war voller Totenköpfe, Schwarz und düsterer Musik. Da war so viel Tod, der mir von jeder Ecke entgegengeschaut hat. Als ich dann den Laden verlassen habe, kam mir der Gedanke, wenn ich diese Revolution nicht für mich tue, dann tue ich es für die nachfolgende Generation. Damit unseren Kindern wieder Sanftmut und Fülle entgegen strahlt und sie wieder Ruhe und inneren Frieden finden, dafür lohnt sich für mich meine Vision einer sanften Revolution. Welche Rolle spielen die Männer in dieser sanften Revolution? Ich glaube, Frau-Sein können wir nur zusammen mit den Männern erfahren. Ich glaube zutiefst daran, dass Männer und Frauen den Weg nur zusammen gehen können und dass diese Welt auch nur von Männern und Frauen zusammen geheilt werden kann. Aber damit die Wunde überhaupt angeschaut werden kann, braucht es einen heilsamen Ort für die Weiblichkeit. Einen Ort an dem die Frauen sich in Ruhe entdecken können, von wo aus sie dann wieder zurück zu den Männern gehen können. Wenn sich die Frauen wieder ein inneres Wohlgefühl und eine innere Sicherheit verschafft haben, dann können auch die Männer sagen, dass sie es genauso brauchen wie die Frauen.

5 5 Es geht also nicht einfach um eine neue Frauenbewegung, sondern darum Menschen in ihre Kraft zurückzubringen? Keinen Satz möchte ich deutlicher sagen. Der ist mir wichtig. In keinem meiner Bücher steht irgendwas Neues, sondern alles was ich feststelle, hat es schon gegeben. Es gibt und gab zu viel Weisheit auf dieser Welt: alles was ich versuche, ist, allem ein bisschen moderne Farbe zu geben, so dass diese Weisheit für uns wieder zugänglicher wird. Die Welt steckt voller Weisheit, man muss sich ihr nur zuwenden. Es ist eine meiner Leidenschaften den Menschen Mut zu machen, indem ich zeitlose Weisheit ein buntes modernes, cooles Gewand gebe, so dass sie den Menschen zugänglich wird. Ich fühle mich wie eine Übersetzerin von zeitloser Weisheit in dieser Zeit. Dafür haben Sie nun ein für Sie als Buchautorin und Journalistin ganz neues Medium gewählt: den Film. Der Film kommt eigentlich gar nicht von mir, sondern der Film ist zu mir gekommen. Ich habe mich gefragt, wie kann ich den Frauen dieses satt&glücklich Gefühl nahe bringen und erlebbarer machen. Die grauen Buchstaben auf weißen Blättern sind nicht immer lebendig, selbst wenn ich versuche Ihnen so viel Leben einzuhauchen wie möglich. Durch einen sogenannten Zufall habe ich einen jungen Regisseur kennengelernt, mit dem ich eigentlich ein ganz anderes Projekt mache und wir beide haben dann immer mehr verinnerlicht, was ich mit den Frauen erlebe und darüber ist diese Idee dann geboren, weil auch er das Gefühl hat, er würde gerne etwas geben. Es ist ein Mann mit vielen Frauen: er hat eine Mutter, er hat eine Schwester, er hat eine Freundin und er hat mit mir sehr viele Gespräche geführt. Was dabei herausgekommen ist möchte ich den Frauen nahe bringen. Er kann etwas, was ich auf diese Weise nicht kann: Er kann Bilder auf eine unglaublich einfühlsame und zärtliche Weise erzählen lassen. In einem Film sind die Erfahrungen und Gefühle dem Zuschauer viel näher als im Buch. Durch die Musikauswahl im Film kann man einen Zauber hineinbringen, man kann ihm viel mehr Leben einhauchen als in einem Buch und deswegen freue ich mich sehr darauf, durch den Film einen Funken überspringen lassen zu können.

6 6 Meine größte Vision über den Film ist, dass er anders als Liebe-Dich-selbst-Bücher ist. Liebe-Dich-selbst-Bücher haben vielen Menschen im Herzen Mut gemacht, dann haben sie es weitergegeben, also das erste Buch ist von Mensch zu Mensch weitergegeben worden, es hatte keinerlei mediale Unterstützung, wenn die eine Frau der anderen Frau übergibt es mal und es war so mit Herz und Hoffnung und meine Vision zu dem Film wäre, dass so eine Frau den einlegt und irgendwie guckt sie links und rechts ob einer da ist und stellt fest, ach es ist keiner da und einfach mal plötzlich durchs Wohnzimmer tanzt. Das wäre das Größte und sich vielleicht mit der einen Hand mal zärtlich über die Wange streicht, weil sie im Film gesehen hat, wie unglaublich die Berührungen die Frauen wieder ins Leben führt, also der Film einfach wirklich den Frauen wieder diese Lebenslust oder sie daran erinnert ihnen ein Stück weit den Funken da über springen lässt, das wäre schön und das der Film auch bedingt den Frauen zeigt, was auch immer ihnen gerade fehlt, wo auch immer sie sich gerade nach sehnen, dass sie damit nicht alleine sind, sondern dass und das ist meine Erfahrung aus den Seminaren, egal ob 20, 60, ob groß oder klein, dick oder dünn, ob erfolgreich oder fünffache Mutter, alle sehnen sich nach dem Gleichen. Wenn ich Sie also richtig verstehe, ist im Prinzip doch alles im Inneren vorhanden. Es gilt doch im Grunde es zu entdecken. Absolut, das ist es, was ich gelernt habe: Es ist alles da. Es ist in jedem Menschen alles da, was er braucht und es ist auch alles in uns Frauen da. Wir leben nur wie in einem Nebel, durch den es wieder durchzugucken gilt um festzustellen: Wow, ich bin wunderbar, ich bin eine ganz tolle Frau. Vielen Dank. Also, ich danke Ihnen für das schöne Interview.

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