Also: Wie es uns geht, das hat nichts mit dem zu tun, ob wir an Gott glauben.

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1 Liebe Schwestern und Brüder, Ich möchte mit Ihnen über die Jahreslosung dieses Jahres nachdenken. Auch wenn schon fast 3 Wochen im Jahr vergangen sind, auch wenn das Jahr nicht mehr wirklich neu ist, auch wenn die meisten guten Vorsätze nur noch Erinnerung sind. Dennoch die Jahreslosung. Sie gilt für das ganze Jahr und vielleicht wäre es gut, auch im September oder November noch einmal über sie zu predigen. Sie steht im 73. Psalm und lautet: Gott nahe sein, ist mein Glück. Das Glück ich habe es kennengelernt vor vielen Jahren. Ich war 10 oder 12 Jahre alt. Die Zahlen waren schon immer meine Leidenschaft. Ich hatte bereits mehrere Male an der Mathematikolympiade in unserem Kreis teilgenommen, und das mit wechselndem Erfolg. Dann war ich zum zweiten Mal für die Bezirksmathematikolympiade ausgewählt. Beim ersten Mal hatte ich nichts von den Aufgaben verstanden. Jetzt beim zweiten Mal hatten wir wieder zwei Tage lang je 3 Stunden Aufgaben zu lösen. Das ging es zur Auflösung der Aufgaben. Ich hatte wenig Hoffnung, dass ich mehr Erfolg als beim letzten Mal hatte. Als aber die Namen derer, die eine Medaille gewonnen hatten, aufgerufen waren, wurde auch mein Name genannt. Es war zwar nur eine bronzene, aber das war mir egal. Ich hätte springen können vor Glück. Ich war voller Jubel, voller Stolz und hätte es allen auf der Straßen sagen können, wie es in mir aussieht. Mehrere Tage lang schwebte ich so auf Wolke 7. Seit damals wusste ich: So ist das Glück. 1

2 Und doch ist es nur eine Form des Glückes. Es gibt es so, aber oft ist Glück ganz anders, ganz normal, ganz alltäglich. Es ist ein Glück, dass ich heute morgen ohne Schmerzen aus dem Bett aufstehen konnte. Es ist ein Glück, dass ich zum Frühstück etwas zum Essen hatte (Wir wissen, bei weitem nicht alle Menschen haben so ein Glück.) Es ist ein Glück, dass ich ohne Unfall hierher zu ihnen gekommen bin. Es gibt offensichtlich so viele Möglichkeiten des Glücks. Als im letzten Jahr die ARD über Glück nachgedacht hat, ist das auch deutlich geworden. Neben dem großen und grandiosen Glück, das uns überfällt und überwältigt, manchmal ganz überraschend, so wie in meiner Geschichte, steht immer auch das Glück des Alltags. Es ist schon da, so viel häufiger als wir es bemerken, als wir es erkennen, als wir es wahrnehmen. Dieses Glück zu sehen, das liegt auch in unserer Hand. Das meint, ob wir glücklich sind, das hat auch immer mit uns zu tun. Der Psalmbeter hat es genauso erlebt. Er weiß: Gott ist gut zu allem, die ihm von ganzem Herzen gehorchen. Dann aber betet er zu Gott: Doch beinahe wäre ich irregeworden, ich wäre um ein Haar zu Fall gekommen: Ich war eifersüchtig auf die Menschen, die nicht nach dem Willen Gottes fragen; denn ich sah, dass es ihnen so gut geht. Ihr Leben lang kennen sie keine Krankheit, gesund sind sie und wohlgenährt. Sie verbringen ihre Tage ohne Sorgen und müssen sich nicht quälen wie andere Leute. Ihren Hochmut tragen sie zur Schau wie einen Schmuck, ihre Gewalttätigkeit wie ein kostbares Kleid. 2

3 Ihr Luxusleben verführt sie zur Sünde,2 ihr Herz quillt über von bösen Plänen. Ihre Reden sind voll von Spott und Verleumdung, mit großen Worten schüchtern sie die Leute ein. Sie reißen das Maul auf und lästern den Himmel, ihre böse Zunge verschont nichts auf der Erde. Darum läuft das Volk Gottes ihnen nach und lauscht begierig auf ihr Geschwätz. Diese Anfragen kenne ich. Warum geht es mir so schlecht?, fragen Menschen. Was habe ich falsch gemacht? Warum komme ich auf keinen grünen Zweig? Warum geht es mit meinen Kindern nicht so gut, wie bei meinem Nachbarn? Wir vergleichen uns häufig mit anderen Menschen, und sind dann wie der Beter des Psalms eifersüchtig auf sie, weil es ihnen so gut geht. Das Vergleichen zeigt uns immer nur, was wir gern haben möchten, was uns noch fehlt, zeigt uns, warum nicht glücklich sein können. Und doch gibt es auch das andere Vergleichen. Eine Frau erzählt mir: Als meine Tochter so krank war und so lange im Krankenhaus, was meinen sie, was ich da für Elend gesehen habe? Da kann man nur froh sein, dass es meine Tochter noch so gut ging. Mit wem wir uns vergleichen, das ist offensichtlich auch von uns selbst abhängig. Ich werde immer jemand finden, dem es besser geht, und immer jemanden, dem es schlechter geht. Je nach meiner Sichtweise und meinem Vergleich habe ich Glück oder Pech, ist mein Leben schön oder schlecht. So können auch schwer kranke Menschen glücklich ein oder Menschen in der 3. Welt, die wenig haben, und gesunde und reiche Menschen unglücklich. Gerhard Schöne erzählt eine Geschichte:_ 3

4 Ein König war krank. Seine Ärzte sagten ihm, er könne gesund werden, wenn er das Hemd eines glücklichen Menschen tragen würde. Der König schickte seine Boten in alle Winkel seines Landes. Sie sollten ihm ein solches Hemd bringen. Aber sie fanden keinen glücklichen Menschen. Jedem fehlte etwas anderes. Als sie sich deprimiert auf den Rückweg zum König machten, kamen sie am Abend an einem Haus vorbei und hörten eine Stimme, die sang: Ich bin so glücklich, mein Rübchen schmeckt vorzüglich. Die Boten des Königs gingen in das Haus, fanden einen Mann und boten ihm viel Geld für sein Hemd. Der aber antwortete: Gern gebe ich euch mein Hemd, aber ich habe gar keins. Glück hängt nicht von dem ab, was wir haben und besitzen. Der Beter des Psalms redet dann von einer Erkenntnis, die er im Tempel Gottes bekommen hat. Und dennoch gehöre ich zu dir! Du hast meine Hand ergriffen und hältst mich; du leitest mich nach deinem Plan und holst mich am Ende in deine Herrlichkeit. Wer im Himmel könnte mir helfen, wenn nicht du? Was soll ich mir noch wünschen auf der Erde? Ich habe doch dich! Auch wenn ich Leib und Leben verliere, du, Gott, hältst mich; du bleibst mir für immer! Wer sich von dir entfernt, geht zugrunde; wer dir untreu wird, den vernichtest du. Ich aber setze mein Vertrauen auf dich, meinen Herrn; dir nahe zu sein ist mein ganzes Glück. Also: Wie es uns geht, das hat nichts mit dem zu tun, ob wir an Gott glauben. 4

5 Die Festigkeit unseres Glaubens beweist sich nicht darin, dass es uns gut geht. Nein, Gott will unser einziger Trost im Leben und im Sterben sein. Er will uns nahe sein in allem, was wir tun und erleben. Er will unser Lebensbegleiter sein und unsere Hilfe in der Not. Er will uns herausreißen aus allen Gedanken, die sich um uns selbst drehen, aus allem Vergleich mit anderen Menschen, aus allem Klagen über diese Welt und unser Leben. Er will, dass wir glücklich sind. Und so liegt es an uns selbst, ob wir uns diesem Gott anvertrauen, ob wir ihm nahe sind. Gott nahe zu sein, ist mein Glück. Es ist keine allgemeine Wahrheit, die man als Lebensmaxime nehmen kann. Es ist keine Jahreslosung, die ich ihnen zusage und sie glauben sie oder lassen es sein. Diese Jahreslosung ist ein ganz persönliches Bekenntnis zu Gott. Der Beter des Psalms hat das für sich erkannt. Es ist sein Glück, nicht wenn, sondern dass er Gott nahe ist. Und so kann diese Jahreslosung nur von jedem und jeder von uns ganz persönlich gesagt werden. Wollen sie Gott nahe sein? Wollen sie sich von ihm lehren, zurechtweisen und trösten lassen? Wollen sie ihn als Herrn über ihr Leben annehmen? Wenn das so ist, dann wird Gott ihr Glück sein. Dann ist dieser Satz ihr ganz persönliches Glaubensbekenntnis. Dann wird dieser fremde Satz zu unserem eigenen. Und so zum Grundton unseres Lebens: Gott nahe zu sein, dass ist mein Glück. Amen (gehalten am 19. Januar 2014 zum Gemeindenachmittag in Neu Zauche, Sup. Th. Köhler) 5

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