Wirtschafts Magazin. Zürich und die Welt. Zürcher. Zürich wir kommen Warum sich Konzernzentralen in Zürich ansiedeln

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1 Zürcher Wirtschafts Magazin Das Magazin der Zürcher Kantonalbank 1 / 2015 Zürich und die Welt Zürich wir kommen Warum sich Konzernzentralen in Zürich ansiedeln Schwarz auf Weiss Die Erfolgsgeschichte der Schweizer Typografie Olaf Breuning Künstlerleben in New York

2 Editorial Liebe Leserinnen, liebe Leser Wer die Zürcher Bahnhofstrasse hinunterschlendert, die feilgebotenen Waren in den Auslagen anschaut und sich dann zurückerinnert, wird nicht um die Erkenntnis herumkommen: Die Welt hat Einzug gehalten. Apple Store: ja, Papeterie: Fehlanzeige. Wo Bally einst Schuhe und Lederwaren anpries, verkauft Zara heute modische Massenware. Und: Wo ist bloss der Blumen Krämer? Man mag diese Entwicklung bedauern oder begrüssen, die Globalisierung macht vor unseren Grenzen nicht halt. Sie kennen uns im Kontrast dazu als «die nahe Bank». Mit anderen Worten als die Bank, die Ihre Sprache spricht, die vor Ort zu Hause ist und die Eigenheiten der Region seit weit mehr als 100 Jahren kennt. Angesichts der Globalisierung könnte das unzeitgemäss erscheinen. Wir sind aber vielmehr der Überzeugung, dass die starke zürcherische Identität und die grenzüberschreitende Offenheit zusammen die beste Basis für eine gesunde Entwicklung unserer Region sind. Für uns ein guter Grund, diese Ausgabe des Zürcher Wirtschaftsmagazins dem Thema «Zürich und die Welt» zu widmen. Wir zeigen darin, was den Grossraum Zürich für internationale Unternehmen attraktiv macht, und stellen Ihnen erfolgreiche Menschen vor, die im Ausland gefeiert werden, und vielleicht zu Ihrem Erstaunen Zürcher Wurzeln haben. Oder lesen Sie, wie Schweizer Typografie die Welt erobert hat. Ich wünsche Ihnen eine anregende und spannende Lektüre. Christoph Weber Leiter Private Banking, Zürcher Kantonalbank Impressum Herausgeberin: Zürcher Kantonalbank Redaktion: Franziska Imhoff, Othmar Köchle (Chefredaktoren), Roman Oberholzer (stv. Chefredaktor), Luca Aloisi, Lucrezia Gilli Mitarbeit: Dr. Cornelia Luchsinger, Jürg Puppikofer; Thomas Peterhans, Corina Hany, AWP; Marlies Keck, openup Gestaltung: Minz, Agentur für visuelle Kommunikation, Bildquellen: gettyimages (Titelbild); Minz (Komposition S. 4 7 aus Bildern von istockphoto, Komposition S. 14 aus Bildern von istockphoto, Raymond Christe, Vreni Beeler und Marta und Ernst Triet, Illustrationen S ); ZVB (S. 8 9 rechts) Druck: pmc, Oetwil am See, erscheint viermal jährlich Abonnemente: Gratisabonne - mente oder Adressänderungen mit dem beiliegenden Talon oder telefonisch Adresse der Redaktion: Zürcher Kantonalbank, Redaktion ZWM, Postfach, 8010 Zürich, Telefon Auflage: Copyright: Zürcher Kantonalbank. Nachdruck nach Absprache mit der Redaktion unter Quellenangabe gestattet. 2 Zürcher Wirtschaftsmagazin 1/2015

3 Inhalt Fokus Zürich und die Welt 04 Zürich wir kommen Für internationale Unternehmen hat Zürich viel zu bieten 08 Alte Liebe rostet nicht Das zweite Leben der blau-weissen Mirage und Karpfen 10 Zürcher klein gehn allein Sie brachen auf in die Welt und hinterliessen Spuren 14 Zurich ist nicht allein Zurich gibt es auch am Watten - meer oder in Illinois: eine globale Nabelschau 16 Schwarz auf weiss von A bis Z Schweizer beschriften die Welt 34 «Ich werde nie kapieren, warum wir hier sind» Olaf Breuning erobert die Kunstwelt New Yorks Aktuell Ihre Bank 20 Die Zürcher Kantonalbank engagiert sich, Sie profitieren. 22 «Mit Swisscanto haben wir unser Standbein im Anlagegeschäft gestärkt» Martin Scholl, CEO, zur Übernahme des Gemeinschaftswerks der Kantonalbanken 26 Alfa Klebstoffe AG gewinnt den KMU-Preis 2015 Ausgezeichnete KMU im Bereich Nachhaltigkeit: alle Gewinner 28 Auf allen Kanälen für Sie da Facebook, Twitter und Konsorten: einfacher in Kontakt bleiben 29 Immobilienangebote Geld und Anlagen 30 Ein Paukenschlag mit Nachhall Aufhebung des Euro-Mindestkurses und die Folgen 32 Aktuelle Wirtschaftsprognosen Zürcher Wirtschaftsmagazin 1 /

4 Fokus Zürich und die Welt Zürich wir kommen Teure Arbeitskräfte, hohe Landpreise, träge direktdemokratische Prozesse: Das alles scheint internationale Unternehmen wie Garmin, Crown Packages oder das Vorzeigeunternehmen Google nicht abzuschrecken, sich in der Region Zürich anzusiedeln. Denn: Der Wirtschaftsraum Zürich hat viel zu bieten. Eine Standortbestimmung. Von Othmar Köchle Falls Sie, um zuverlässig anzukommen, auf ein Navigationsgerät mit GPS-Technologie vertrauen, so ist es nicht unwahrscheinlich, dass Sie ein Produkt der Firma Garmin verwenden. Das Unternehmen wurde 1989 in Taiwan gegründet. Heute ist es ein internationaler Konzern mit mehr als Mitarbeitenden, der im Jahr ,63 Milliarden Dollar um setzte. Im Zuge des NASDAQ-Börsengangs verlegte er im Jahr 2000 seinen Sitz auf die Cayman-Inseln und übersiedelte dann 2010 in die Schweiz. Die Änderung ermöglicht die Ausweitung der globalen Tätigkeit des Unternehmens und verbessert seine Reputation als ein internationales Spitzenunternehmen mit Tätig keitsschwerpunkten in Asien, Europa und Nordamerika. Wäh rend die Produktion an verschiedenen Standorten in den USA und in Asien verweilt, ist der Sitz der Firma jetzt Schaffhausen. Kein untypisches Vorgehen für einen multinationalen Konzern. Für die Verlegung des Sitzes ist die Wirtschaftsregion Zürich, die aus interna tionaler Warte bis weit in die Ostschweiz, Innerschweiz und den Aargau reicht, offensichtlich eine gute Option. Garmin nennt die ausgezeichnete Anbindung an den öffentlichen Verkehr, die zentrale Lage in Europa und die hervorragende Lebensqualität als Faktoren, die mit eine Rolle spielten. Dosengigant sucht europäischen Hauptsitz Ähnlich klingt es bei Crown Packaging. Möglicherweise kennen Sie das Unternehmen nicht, haben aber bestimmt schon x-fach dessen Produkte verwendet, vermutlich sogar täglich. Crown Packaging ist der welt - weit führende Hersteller von Metallverpackungen und setzt mit Getränkedosen, Sprühdosen, Metallverschlüssen oder Konservenverpackungen jährlich mehr als 9 Milliarden US-Dollar um. Nach Prüfung verschiedener Standorte für den europäischen Sitz hat sich der weltweit führende Hersteller für das zugerische Baar entschieden und den Entscheid nie bereut. Jerry H. Gillford, Geschäftsführer der Crown Packaging Europe GmbH, schwärmt von der Unterstützung der Verwaltung, der Infrastruktur und der verkehrstechnischen Anbindung der Region. Einer der grössten Konkurrenten im Dosenmarkt, Ball Packaging, ein Unternehmen, das allein in Europa 1,3 Milliarden US-Dollar umsetzt, hat seinen Europa- Hauptsitz derweil in Zürich Oerlikon aufgeschlagen. Zürich als europäische strategische Entscheidungszentrale und damit Brennpunkt der Dosenindustrie: Wer hätte das gedacht? SABMiller verlegt Einkaufs- und Produktionskette nach Zug Neben Dosen ist auch Doseninhalt in der «Greater Zurich Area» vertreten. Seit 2007 ist einer der grössten Bierbrauer und Getränkehersteller mit seiner Europäischen Zentrale in Zug angesiedelt. Der SABMiller- Konzern hat Marken wie Grolsch, Perroni, Pilsner oder Miller, um nur die klingendsten Namen der über 200 Biere zu nennen, im Konzern zusammengefasst und setzt damit jährlich zirka 20 Milliarden US-Dollar um. Dieter Schulze, CEO von SABMiller Procurement, schätzt den Standort als Drehscheibe für Innovation gepaart mit unerreicht hoher Lebensqualität und vor - bildlicher Verkehrsinfrastruktur. Als es dann vor eini gen Jahren darum ging, den europäischen Einkauf zu zentralisieren, zögerte der Konzern nicht lange und beschäftigt heute über 100 Mitarbeitende, um alle zentralen Aktivitäten in der Einkaufs- und Produktionskette vom Standort Schweiz aus abzuwickeln. Im Hürlimann-Areal spricht man Englisch Der Internetriese oder muss man heute sagen der technologische Mischkonzern Google hat vor zehn Jahren sein Büro am Limmatquai mit einer Handvoll Mitarbeitenden eröffnet. Inzwischen schreibt das Unternehmen weit über 10 Milliarden Gewinn jährlich und setzt in Europa nach wie vor auf den erstklassigen Standort Zürich für die Entwicklung innovativer Produkte wie zum Beispiel Google Maps oder Gmail. Nach mehreren Umzügen arbeiten für den Konzern heute im Hürlimann-Areal Menschen aus 75 Ländern. Damit ist Google Zürich der grösste Entwicklungsstandort Googles ausserhalb der USA. Man spricht Englisch. Entscheidend für die Präsenz in der a 4 Zürcher Wirtschaftsmagazin 1/2015

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6 Fokus Zürich und die Welt Schweiz sei einerseits die Lebensqualität, die man den hochqualifizierten Mitarbeitenden hier bieten könne, andererseits schätze man die Nähe zur ETH Zürich und zur EPFL, ihrem Pendant in Lausanne. Diese Gründe bewogen Google, weiter in den Standort zu investieren. Das Unternehmen mietet zirka Quadratmeter Bürofläche an der Europaallee, die zwischen 2015 und 2020 etappenweise bezogen werden sollen, ohne dass die bestehenden Standorte aufgegeben werden. Die Rolle der Investitionssicherheit Jede Investition, auch diejenige in einen Standort, ist ein Risiko. Ein zentraler Faktor für den Entscheid, längerfristig in einer Region zu investieren, ist deshalb die Berechenbarkeit des Risikos. Ist die Region gesellschaftlich stabil? Wie verhält sich die Währung? Wie stabil ist die politische Landschaft? Investiert der Staat in seine Infrastruktur? Erlebt das Unternehmen bei den Steuern unangenehme Überraschungen? Hinsichtlich dieser Faktoren hatte und hat die Schweiz ein erstklassiges Image. Das zeigen auch die Befragungsergebnisse des Swiss Attractiveness Survey Der Standort Schweiz überzeugt die befragten internationalen Investoren insbesondere durch Stabilität und Qualität: Von den zur Auswahl stehenden Kriterien werden 15 von 15 Standortfaktoren ausnahmslos als attraktiv bezeichnet. Allen voran erhält die Lebensqualität in der Schweiz Bestnoten (92 Prozent bewerten diese als sehr bzw. eher attraktiv), das stabile politische System samt zuverlässiger Verwaltung (92 Prozent), die Stabilität des sozialen Klimas (90 Prozent) und die Stabilität des Frankens (89 Prozent) werden ebenfalls wertgeschätzt. Der Grossteil der befragten Manager geht davon aus, dass die Schweiz auch im Jahr 2020 ein sehr erfolgreicher Standort sein wird, den ein hohes Mass an Innovationskraft und Qualität auszeichnen werden. Zu den meistgenannten Herausforderungen gehören der Fachkräftemangel, der wirkungsvollere Einsatz des Bildungssystems und die Stärkung der internationalen Wettbewerbsfähigkeit bei der bevorstehenden Unter nehmenssteuerreform. Fragezeichen sind aber auch auszu machen. Insbesondere die unbe antworte te Frage, wie die Einschränkungen im freien Personenverkehr mit Europa umgesetzt werden, scheint dem Standortmarketing erste Dämpfer zuzufügen. Generell ist der Zugang zu den europäischen Märkten ein Schlüssel bei der Ansiedlung grosser internationaler Unternehmen. Im Zuge der Verwerfungen auf dem Devisenmarkt ist wohl auch das Vertrauen in die Berechenbarkeit des Franken kurses leicht erschüttert. Rationale und emotionale Standortfaktoren Die geringe Steuerbelastung, die politische Stabilität, die Top-Infrastruktur, die gute internationale Verkehrsanbindung oder der Nachschub hochqualifizierter Arbeitskräfte aus den Bildungsinstituten sind immer wieder genannte Faktoren, die für internationale Grossfirmen beim Standortentscheid eine Rolle spielen. Neuere Studien zeigen indessen, dass im Entscheidungsprozess ein ganzes Set von Faktoren zum Tragen kommt, die auf der einen Seite rational, hart und ökonomisch sind, auf der anderen Seite aber emotional, weich und ausserökonomisch. So kann man sich durchaus mit Recht fragen, welche Rolle bei der Entscheidung Googles für Zürich die Tatsache gespielt hat, dass der Vizepräsident von Google in Zürich studiert hat oder dass die Forschungschefin eine Professur in Lausanne inklusive Familiennachzug erhalten hat. Die Entscheider sind am Ende nicht nur ökonomische Wesen. Sie nehmen zum Beispiel den herzlichen Empfang von Vertretern politischer Behörden ganz persönlich wahr, schauen sich nach Wohneigentum um, knüpfen Kontakte. Diese weichen Fak toren völlig auszublenden, wäre falsch. Bei ähnlichen ökonomischen Ausgangslagen können diese emotionalen Beweggründe durchaus den Ausschlag geben für: «Zürich wir kommen» oder «sorry, Zürich». k 6 Zürcher Wirtschaftsmagazin 1/2015

7 «Die Erosion unserer Standortfaktoren hat begonnen» Sonja Wollkopf Walt, Managing Director bei Greater Zurich Area AG, schätzt im Interview die Konkurrenzfähigkeit der Region ein und schildert, was internationale Unternehmen aktuell am meisten bei der Wahl eines Standorts beschäftigt. Von Othmar Köchle Sonja Wollkopf Walt, von welchen jüngsten Erfolgen der Standortförderung können Sie uns berichten? Sonja Wollkopf Walt: Am wichtigsten sind mir nicht die jüngsten, sondern jene Erfolge, die sich als nachhaltig erweisen. Deshalb freut es mich, dass 88 Prozent der mit unserer Hilfe angesiedelten Firmen nach wie vor im Grossraum Zürich tätig sind. Das zeigt eine Analy se, die wir in Auftrag gegeben haben. Mit anderen Worten: Es konnten sehr viele bleibende Arbeitsplätze geschaffen werden. Wie steht Zürich punkto Standortfaktoren gegenwärtig im internationalen Vergleich da? Die Metropolitanregion Zürich ist einer der wettbe werbsfähigsten Standorte weltweit. Die Herausforderung ist, in der Spitzengruppe zu bleiben, denn die Erosion unserer hervorragenden Standortfaktoren hat begonnen und ist vorwiegend hausgemacht. Passiv darauf zu hoffen, dass wir genügend innovativ sind, unsere Rechtsverbindlichkeit und die Verfügbarkeit von Fachkräften gesichert sind, reicht nicht. Wir müssen uns gemeinsam mit Politik und Behörden aktiv darum bemühen, diese Assets zu erhalten und auszubauen. Wo im Ausland sehen Sie unsere härteste Konkurrenz? Das Werben von Wirtschaftsstandorten um internationale Firmen ist in den vergangenen Jahren viel härter geworden. Insbesondere in Westeuropa wird der Wettbewerb um Unternehmen mit hoher Wertschöpfung immer aggressiver. International hat sich das Standortmarketing stark professionalisiert, Methoden und Kampagnen sind zuweilen sehr aufwendig und kostspielig. Was hören Sie am meisten, wenn Unternehmen ihren Entscheid, sich in Zürich anzusiedeln, begründen? Kurz zusammengefasst: Stabilität, Qualität, Innovation und ideale Vernetzung sowie gute Verfügbarkeit von Fachkräften. Forschung, Entwicklung und Produktion sind hier räumlich eng konzentriert und ideal aufeinander abgestimmt. Dazu kommen die immer wichtiger werdenden weichen Standortfaktoren wie Lebensqualität, Sicherheit und eine intakte Umwelt. Welchen Einfluss sehen Sie in aktuellen poli tischen Projekten, wie der Unternehmenssteuerreform III (USR III) und der Umsetzung der Masseneinwanderungsinitiative? Die Vermittlung und Erklärung der relevanten Gesetzgebungsprozesse ist heute eine wichtige Aufgabe des Standortmarketings. Wir müssen der aufkommenden Skepsis am Selbstverständnis der liberalen Schweiz ent gegentreten. Der Entscheidungsfindungsprozess für eine Ansiedlung dauert heute länger als vor einigen Jahren. Das führe ich auch auf die Diskussionen um künftige Steuerregimes und auf die offenen Fragen zurück, welche die Schweiz mit der EU zu klä ren hat. Wenn es mit der USR III gelingt, die Steuerbedingungen international kompatibel und vorbildlich zu gestalten, können wir viel gewinnen. Was die Umsetzung der Masseneinwanderungsinitiative angeht: Ich bin zuversichtlich, dass wir hier einen zukunftweisenden Weg finden. Denn die EU und die Schweiz sind wichtig füreinander. k Sonja Wollkopf Walt ist Managing Director der Greater Zurich Area AG (GZA), einer Public/Private Partner ship für Promotion und Marketing des Metropolitanraums Zürich. Als dienstleistungsorientiertes Kompetenzzentrum ver mittelt GZA zwischen ansiedlungsinteressierten inter - nationalen Unternehmen und lokalen Ansprüchen und Interessen. Zürcher Wirtschaftsmagazin 1/2015 7

8 Ele Fokus Zürich und die Welt Alte Liebe rostet nicht Spricht man von erfolgreichen Zürcherinnen und Zürchern in aller Welt, darf man sie nicht vergessen: die 20 Meter lange und 25 Tonne schwere blau-weisse Mirage. Nach über 40 Jahren Einsatz in den Strassen der Limmatstadt haben die unverkennbaren Trams nach ihrem Ausscheiden 2010 in der Ukraine eine neue Heimat gefunden. Von Jürg Pupikofer Die vorliegende Geschichte könnte auch den Titel «Man lebt nur zweimal» tragen. Wer zum Ende des letzten Jahrhunderts in Zürich gelebt hat, kennt sie. Die bullig und robust wirkenden Tramwagen waren damals der ganze Stolz auf dem Zürcher Netz: die Mirages. Heute sind sie es in der Einwohner zählenden Stadt Winniza, 250 Kilometer süd westlich von Kiew, wo sie weiterhin gute Dienste leisten. Eine lange Karriere nimmt ihren Anfang Aber warum eigentlich «Mirage»? In Zürich tragen alle Tramtypen spezielle Namen. So gab es früher «Schnellläufer», «Elefanten», «Pedaler», «Kurbeli», und heute fahren «Sänften», «Ponys» und «Cobras» durch die Stadt. Zurückzuführen waren diese prägenden Namen immer auf Ereignisse aus der Beschaffungszeit oder auf die Eigenschaften der Tramwagen. Ähnlich wie damals bei der Beschaffung von Mirage- Kampfflugzeugen der Schweizer Armee kam es bei der Erneuerung der Zürcher Tramflotte zu einer erheblichen Kostenüberschreitung, welche die politischen Dis kussionen anheizte. Deshalb erhielten diese neuen 3-teiligen Gelenkwagen schon bald den Namen Mirage. Beschafft wurden die Mirages in den Jahren 1966 bis Ende der 1950er Jahre fehlte es der VBZ an Personal. Man erwog, den mitfahrenden Kondukteur durch Billettautomaten zu ersetzen. Im Jahre 1960 lieferte die Schweizer Maschinenindustrie einen ersten zweiteiligen Prototypen ab, 1961 ein dreiteiliges Doppelgelenkfahrzeug. Die Erkenntnisse aus diesen beiden Prototypen führten schliesslich zur Produktion der Mirages. Ab Wagennummer 1677 wurden keine Kondukteur-Kabinen mehr eingebaut, die angestrebte Abschaffung des Kondukteurs wurde 1969 Realität. Unverwüstlich, zäh und lange unverzichtbar Der erste Einsatz einer Mirage fand am Freitag, 1. April 1966, statt. Auf der damaligen Hauptlinie 7 zwischen Wollishofen und Bahnhof Oerlikon bzw. Seebach, später auch auf den Linien 2, 3, 4, 8 und 13, wo sie jahre lang das Zürcher Stadtbild prägten. Nicht verschont blieben die Mirages während ihrer langen Zürcher Karriere von Unfällen. In wochen- bzw. monatelanger Arbeit wurden die Fahrzeuge auf wendig repariert. Ausrangiert oder verschrottet wurden sie nur aunahmsweise. Am 18. Juli 1986 kam es zu einem spek takulären Unfall des Wagens Beim Rangieren am Escher-Wyss-Platz «entlief» die «Blinde Kuh», ein führerstandloser Triebwagen, und prallte nach einer führerlosen Fahrt durch die Limmatstrasse am Zür cher Hauptbahnhof auf einen Kurszug der Linie 11. Diese Reparatur kam ebenfalls einem Neubau gleich. Die Ablieferung neuer Tramwagen mit barrierefreien und ebenerdigen Zutritten läutete ab 2007 das Ende der Mirage-Ära ein. Nach jeder Inbetriebnahme wurden einige Gelenkwagen aus den 1960ern abgestellt oder für Spezialzwecke, beispielsweise als Ausstellungstram für die neue Tramstrecke Zürich-West, verwendet. Am 30. Juni 2010 war es dann so weit: Der endgültige Abschied war gekommen. Die beiden Wagen 1685 und 1688 als Doppeltraktion rückten ein letztes Mal ins Depot Elisabethenstrasse ein. Das war s dann wohl. Oder doch nicht? Tekhnichnyi Universytet Voiniv Internatsionalistiv Bars ka Shose Zakhidniy Avtovokzal In der Ukraine unverzichtbar Schon nach dem Ausscheiden der ersten Wagen stellt sich die Frage: Was macht man mit robusten, weitgehend mechanischen Fahrzeugen, die bei guter Wartung noch weitere 12 bis 15 Jahre gute Dienste leisten könnten? Verschrotten? Verkaufen? Verschenken? 100-richchia Vinnytskogo tramvayu 9-ly mikrorayon Vysnen ka Voiniv Internasionalistiv Lisopark Die Verkehrsbetriebe und die Stadt Winniza in der Ukraine benötigte dringend Tramwagen. Bereits in der Vergangenheit half das Staatssekretariat für prospekt Yunosti Wirtschaft (Seco) in Osteuropa mit Projekten zur raschen und nachhaltigen Verbesserung des öffentlichen Verkehrs. Am 1. April 2008 war es dann so weit. Nachdem die VBZ bereits im Februar 2007 die «Karpfen» in die Ukraine geliefert hatten, wurden die ersten Mirages mit dem eigens dafür aufgebauten Kran auf die Güterwagen gehievt und nach dem letztmaligen Überqueren der Zürcher Tramschienen an der Badenerstrasse auf die lange Reise nach Maksymovycha 01 O.Muzyky prospekt Kosmonavtiv Palats S 600-Richchia 8 Zürcher Wirtschaftsmagazin 1/2015

9 Die Bevölkerung in Winniza hat die Zürcher Mirage gut aufgenommen. 02 Die Mirages werden für die Reise nach Winniza vorbereitet. In der Zentralwerkstätte werden die einzelnen Tramwagen am 29. Juni 2010 mit einem speziellen Kran auf die SBB-Wagen gehievt. 03 Pause. Die drei Mirages mit den Fahrzeugnummern 1662, 1607 und 1616 warten am 19. August 1991 auf ihren Einsatz im alten Depothof Kalkbreite. Mirage 1607 war eines der wenigen Fahrzeuge, welches nicht in die Ukraine ging. Sie wurde nach einem Defekt verschrottet. Palats Mystetsh Zoria Nekrasova Munitsypal nyi Rynok Stadion Budympl Pobutu Frunze Nekrasova hkoliariv Lialia Ratushna 40-Richchia Peremohy T.Shevchenka Pershotravneva Dachna Winniza geschickt. Die VBZ stellten die Mirages kostenlos zur Verfügung, das Seco finanzierte den Transport, die Inbetriebsetzung, die Beschaffung von Ersatzteilen und die Schulung des lokalen Personals. ploscha Gagarina Rynok Urozhai Likarna im. Pyrogova Akademika Zabolotna Teatral na Zoi Kosmodem ians koi Internatsional na Ukrtelekom Bereits nach der ersten Lieferung in die Ukraine war klar, dass auch die restlichen nicht mehr gebrauchten Zürcher Mirages willkommen waren. Sie haben sich bewährt und sind heute der Stolz von Winniza. Bis zur letzten Lieferung am 23. November 2011 gingen mehrere Güterzüge von Zürich mit Mirages im Gepäck in Richtung Osten. «Die Zürcher Trams bringen uns ein Stück näher zu Europa», wird der stolze Direktor der Verkehrsbetriebe von Winniza, Wolodymyr Bugajtschuk, zitiert, damals noch nichts ahnend von den russischen Hegemonialansprüchen, welche die Ukraine aktuell in Bedrängnis bringen. Die Bevölkerung schätzt Muzey Kotsiubyns koho Ploscha Peremohy die zuverlässigen Zürcher Trams. Der grosse urkrainische Fernsehsender STB war sich nicht zu schade, einen Beitrag in den Nachrichten über die blauweissen Geschenke zu machen, worin sich einige Passagiere anerkennend äussern. Vor ihrem ersten Einsatz in der neuen Heimat wurden die Wagen erneuert und für weitere 12 bis 15 Jahre Einsatzdauer ertüchtigt. Sie haben einen neuen Anstrich erhalten, weiterhin in den Zürcher Farben Blau und Weiss. Zudem erhielten die Wagen grössere und beheizbare Rückspiegel, Bremslichter und neue Blinker. Geblieben sind im Inneren des Fahrzeugs die Tafeln mit dem Baujahr und den Angaben zum Hersteller. Die restlichen Beschriftungen wurden ins Ukrainische übersetzt und dort, wo früher die Werbung hing, heisst es nun in der Landessprache: «Die Stadt Zürich und die Schweiz grüssen die Stadt Winniza». k Zaliznychnyi Vokzal Likarnia im. akademika Yuschenka ktromerezha Zürcher Wirtschaftsmagazin 1/2015 9

10 Fokus Zürich und die Welt Zürcher klein gehn allein... So manche Zürcherinnen und Zürcher zog es in die weite Welt und sie wurden auf ihrem Weg mit Erfolg belohnt. Ein Streifzug durchs «World Wide Web», auf den überraschenden Spuren einiger Kantonsvertreter, die ihr Glück weit weg von Zürich gesucht und gefunden haben. Von Lucrezia Gilli; Illustrationen: Kornel Stadler Über Brücken musst du gehn Auf seinem Weg von Feuerthalen nach New York konstruierte Othmar Hermann Ammann weit mehr als sieben Brücken und stellte zwei Weltrekorde auf schrieb sich der 18-Jährige im Eidgenössischen Polytechnikum Zürich ein und studierte Bauingenieurwesen. Seine Entscheidung war während des Prakti - kums auf der Baustelle der ersten Kabelhängebrücke Deutschlands am Bodensee gefallen. Weiter ging s nach Brugg und Frankfurt, und 1904 lockten die Flüsse von New York. Othmar Ammann reiste mit dem Vorsatz, zwei Jahre Erfahrungen zu sammeln und blieb hängen in der Neuen Welt. Die Alte derweil vergass er nicht heiratete er seine Jugendfreundin und hatte mit ihr drei Kinder in New York. Als sie 1933 starb, heiratete er wieder eine Schweizerin. Trotz amerikanischer Staatsbürgerschaft reiste der Ehrendoktor der ETH nicht nur im Ersten Weltkrieg als Schweizer Soldat, sondern auch all die anderen Jahre regelmässig für längere Auf enthalte in seine Heimat zurück. Hatte er bereits 1931 mit seiner mehr als einen Kilometer langen George Washington Bridge über den Hudson River, der bis anhin längsten Hängebrücke, weltweit für Furore gesorgt, machte sich Othmar Ammann mit 60 zum zweiten Mal selbständig und half bis zu seinem Tod 1965, mit der 1289 Meter langen Verrazano-Narrows Bridge einen erneuten Weltrekord aufzustellen. 10 Zürcher Wirtschaftsmagazin 1/2015

11 Bacchus Ruf in die Toskana Barbara Widmer kam 1981 als jüngstes Kind mit ihren beiden Brüdern und den Eltern Brigitte und Bruno von Zürich aufs Gut Brancaia in der Nähe von Castillina in die Ferien. Ein Landhaus mit zehn Hektaren Land stand zum Verkauf, eine grosse, aber verlockende Herausforderung für die Familie. Die Widmers nahmen sie an, begannen mit der Bewirtschaftung des toskanischen Landguts und legten einen Senkrechtstart hin. Bereits 1983 gewann ihr Wein erste Preise. Auch Barbara zieht sich gern auf die Località Poppi in Brancaia zurück, entdeckt dort nach Abbruch ihres Architekturstudiums ihre Faszination für Wein und bewirbt sich spontan bei einem Biowinzer in Genf. Ein Jahr später entschliesst sich die Zürcherin zum dreijährigen Studium der Önologie in Wädenswil und übernimmt danach 1998 den Familienbetrieb. Sie baut das ursprüngliche Ferien haus der Familie Widmer zum Agri turismo-rück zugsort um, folgt weiter mit sicherer Nase dem Ruf Bacchus und gewinnt unter anderem 2015 zum wiederholten Male die «Tre Bicchieri», diesmal mit ihrem Brancaia Chianti Classico Riserva von Erstmals als Dreijährige war Christine Haruka in Japan. Ihre erste Erinnerung an das Land der aufgehen den Sonne hat sie vom Besuch als Neunjährige mit ihrem japanischen Vater und der Schweizer Mutter. Ihre östlichen Wurzeln faszinierten die Gymischülerin schon am Rämibühl. Sie will mehr über ihr Herkunftsland erfahren als nur das, was sie in den japanischen Shows sieht. 2009, ein Jahr vor der Matura, wandert sie aus, um die Schule in Tokio zu beenden. Bei einem Vorsprechen 2011 entdeckt eine der grössten Talentagenturen, Horipro, das exotische, niedlich-witzige «Idol» in der Schweizer Tracht. Und inzwischen moderiert sie die Shows selber. Seit zwei Jahren äussert sie sich, in ihrer Rolle eigentlich unüblich, gelegentlich zur Politik Japans. Sie wolle junge Japanerinnen und Japaner zu mehr politischem Engagement bewegen, sagt sie und bleibt trotz Furore die gefragte, lustige Moderatorin. Ihr keckes Lachen im Gepäck Zürcher Wirtschaftsmagazin 1/

12 Fokus Zürich und die Welt Auf der Überholspur nach Kalifornien 1939, mit sieben Jahren, kam der kleine Robert Anthony Lutz mit seinen Eltern Margaret und Robert Harry Lutz von Zürich nach New York. Nach seinem Schulabschluss in Lausanne wurde er Pilot und flog von 1954 bis 1959 Kampfjets für die US-Marines absolvierte er seinen Master of Business Administration in Kalifornien und kehrte wieder zurück nach Europa, um seine Leidenschaft, Autos, zum Beruf zu machen. Weiter ging s unter anderem als Manager bei General Motors, bei BMW und Ford, als Vorstand bei Chrysler. Persönlich setzt der heute bekennende konservative Republikaner inzwischen auf Hybride und Elektroautos. Obwohl er bereits seit 1943 patriotischer amerikanischer Staatsbürger ist, spricht er stolz sein Züritüütsch, das er mindestens zweimal pro Jahr in der Schweiz auffrische und täglich zu Hause mit der Familie übe. Der heute 83-Jährige will nicht stillstehen. Ihm werde sonst langweilig: Er schreibt noch heute Bücher, führt eine Kommunikationsagentur, gründete erst 2013 eine eigene Autoproduktion und sitzt im Verwaltungsrat von VIA Motors. Patrick Fuchs hat nicht nur einen zweiten Namen, sondern führt als Aung Thura schon beinahe ein Doppelleben. Der Sohn eines Schweizers und einer Burmesin wählte stets den direkten Weg zum Erfolg, eine allerdings keineswegs gradlinige Karriere. Nach Abschluss des Gymnasiums Rychenberg mit Griechisch und Latein in Winterthur wusste er bereits 1998, dass er einst als Maschineningenieur die ETH absolvieren würde. Nach seinem zusätzlichen Master in Wirtschaftswissenschaften an der Universität St. Gallen und einem Doktortitel in Banking verfolgte er neben seiner Arbeit bei der Zürcher Kantonalbank eine weitere Passion: Mit seiner Eigenproduktion und als Hauptdarsteller derselben macht ihn «Shadows of the Past» zum Filmstar in Myanmar. Der Effretiker erhält diverse Preise, unter anderem den chinesischen Golden Rooster als bester ausländischer Schauspieler und zwei Myanmar Academy Awards. Seine zwei Leben haben ihn manchmal an Grenzen gebracht, sagt er, aber aufgeben war keine Option. Davon scheint der 37-jährige Aung Thura bis heute überzeugt. Als CEO und Gründer der Firma Thura Swiss berät er seit 2012 internationale Firmen und Investoren, die in Myanmar Fuss fassen wollen und bewegt seine Füsse nebenbei in der ei genen Tangoschule. Auf vielen Wegen nach Myanmar 12 Zürcher Wirtschaftsmagazin 1/2015

13 Der indirekte Draht zum Silicon Valley Von Zürich nach Los Altos ins damals künftige Silicon Valley zog Hans R. Camenzind bereits 1960, um sein Elektrotechnik-Studium in Boston und Santa Clara abzuschliessen. Zehn Jahre später entwickelte der 36-Jährige im Auftrag des damaligen Halbleiter-Herstellers Signetics integrierte Schaltkreise, darunter den Chip NE 555. Das robuste elektronische Bauelement blieb dank seiner Stabilität gegenüber Temperaturschwankungen und Versorgungsspannung bis heute die meistverkaufte integrierte Schaltung. Den jungen Hans beeindruckte der Erfolg kaum. Er blieb bei seinen Drähten, galt als bescheidener «Chrampfer» und gerechter Teamplayer, selbst in Chefpositionen. Freun de sagten, er sei diesem Ruf zeitlebens treu geblieben. Bis zum Schluss entwickelte Hans Camenzind über 150 Chips, und er hatte mehr als 20 Patente inne, bis er 2012 in seiner Wahlheimat verstarb mit der Bitte, dem Computer History Museum in Mountain View, Kalifornien, Geld anstatt Blumen zu spenden. «Austin Powers», «Godzilla» oder «The Day after Tomorrow» Ueli Steiger ist einer der erfolgreichsten Zürcher Exporte nach Hollywood. Nach Abschluss sein es Englisch- und Kunstgeschichte-Studiums an der Uni versität Zürich verschlug es ihn an die London Film School. Der ruhige, bescheidene Zürcher hört und schaut viel zu, zieht nach eigenen Angaben mal da-, mal dorthin und scherzt auch einmal gern. Der Krauskopf sagt, als Kameramann müsse man sich an ein Zigeunerleben ge wöhnen und hin und wieder einfach darauf ver trauen, dass die nächste Arbeit sich aus den vorhergehenden entwickle. Die Kamera führte er schon für Roland Emmerich, Dennis Hopper sowie für weitere Regie-Koryphäen und hat, inzwischen 60-jährig, fast 30 Jahre Hollywood auf dem Buckel. Auf die Frage, wie er das geschafft hat, sagt er in astreinem Hochdeutsch, es sei besser, einen kleinen Job in einem guten Projekt zu machen, als Chef in einem schlechten zu sein. Mit kleiner Klappe nach L.A. Zürcher Wirtschaftsmagazin 1/

14 Fokus Zürich und die Welt Zurich ist nicht allein Die Limmatstadt ist das grösste Zürich der Welt, aber nicht das einzige. Die Suche nach Ablegern führt in die kanadische Provinz, ans Wattenmeer, ins Weltall oder zu Vreni, Astrid und Ray. Von Thomas Peterhans Tausend Kilometer trennen sie. Mindestens. Vreni lebt in Kanada, Astrid in den Niederlanden, Ray wohnt in den USA. Nichts verbindet die drei, bis auf jene sechs Buchstaben auf der Ortstafel am Eingang ihrer Wohnorte: Z-u-r-i-c-h. «Dass wir in Zurich wohnen, ist aber reiner Zufall», erzählt Vreni Beeler. Gemeinsam mit Thomas, ihrem Mann, ist sie vor über 22 Jahren ins kanadische Zurich ausgewandert, das zweieinhalb Autostunden westlich von Toronto liegt. Seither leben Vreni, aufgewachsen im Kanton Schwyz, und Thomas aus dem Aargau im 800-Seelen-Dorf ihren Traum von der eigenen Farm. Auf 250 Hektaren Land bauen sie Weizen, Sojabohnen und Mais an. Ihr Hauptverdienst kommt aber nicht vom Feld, sondern aus dem Hühnerstall mit Hennen. In Spitzenzeiten liefern die Beelers Eier aus pro Tag. Hoffnungsschimmer Amerika Seine Existenz verdankt das kanadische Provinznest Frederick Knell. Der Schweizer Auswanderer benannte die Siedlung 1857 nach seiner alten Heimatstadt und übernahm auch gleich das Zepter im Ort: Knell eröffnete eine Post, amtete als Lehrer und später auch als Bürgermeister lebten bereits 300 Siedler in Zurich, das mit dem «Zurich Herald» sogar seine eigene Zeitung publizierte. 14 Zürcher Wirtschaftsmagazin 1/2015

15 Viele Familien zog es damals allerdings nicht aus Abenteuerlust in die Ferne, sondern aus existenzieller Not. In der Schweiz lebten sie in bitterer Armut, der Schritt in die USA und nach Kanada entsprang der Hoffnung auf ein besseres Leben. Auf dem Höhepunkt der Auswanderungswelle in den 1880er Jahren schifften sich allein nach Amerika gegen Schweizer für die Fahrt über den Atlantik ein. So fallen in Nord amerika insgesamt acht Ortsgründungen mit Zurich im Namen in jene Zeit. Eine Alpenstadt an der Ostküste Der bekannteste Ableger der Limmatstadt liegt im US-Bundesstaat Illinois: Lake Zurich, vom Reisemagazin «Frommer» einst geadelt als einer «der 100 besten Orte, um eine Familie zu gründen». Ein Gentleman namens Seth Paine legte 1896 den Grundstein für den Ort im Hinterland von Chicago. Angeblich hatte sich Paine am dortigen 1,5 Kilometer langen Gewässer wie am Zürichsee gefühlt. Ob er die Schweiz je bereiste, ist allerdings nicht überliefert. War Lake Zurich einst eine Stadt der Landwirtschaft, mussten die Farmen bald den Sommerhäusern Platz machen. Die Reichen aus Chicago entdeckten den Ort als Naherholungsgebiet hatte Lake Zurich 350 Einwohner waren es 850, heute sind es über Einer der Bewohner ist Raymond «Ray» Christe. Der Bieler reiste als junger Ingenieur für einen Sprachaufenthalt in die USA und blieb. Lake Zurich ist für den heute 71-Jährigen der Prototyp einer amerikanischen Kleinstadt. Bis auf ein paar wenige Häuser, die nach europäischer Bauweise errichtet worden sind, erinnere in Lake Zurich allerdings fast nichts mehr an die Schweizer Ursprünge, sagt Ray. Die lokale Handelskammer hatte in den 1970er Jahren zwar versucht, die Stadt als «Alpine City» zu positionieren, viele Firmen legten sich damals den Zusatz «Alpine» zu richtig geklappt hat das aber nicht. Trotzdem: Das Lake County hat das höchste Pro-Kopf-Einkommen von Illinois, und Lake Zurich ist zwar nicht die reichste Kleinstadt, doch es gehört zur Upper Class. Wo Stau ein Fremdwort ist Weniger erfolgreich ist Vreni Beelers Zurich in Kanada: Der Ort schrumpft. Ihre drei Söhne im Alter von 16 bis 21 haben die obligatorische Schulzeit zum Glück be - reits hinter sich. Denn vor drei Jahren schloss die öffentliche Schule, das letzte verbliebene Restaurant steht inzwischen zum Verkauf. «Wie auf dem Land üblich, hilft man sich hier aber gegenseitig und hält stark an Traditionen fest», erzählt Vreni. Spürbar wird dies beispielsweise am Bean Festival Ende August. Dann versammelt sich das ganze Dorf zum traditio nellen Festessen mit weissen Bohnen an Tomatensauce, dazu Chabis und Koteletts. Angereist kommen die Bewohner mit ihren Pickups, der öffentliche Verkehr ist hier kaum ausgebaut. Doch wer nun an stockende Autokolonnen und dauernd auf Rotstehende Ampeln denkt, liegt falsch. Stau ist in Zurich ein Fremdwort. Ein einziges Rotlicht genügt hier, um den Verkehr zu regeln. Zwei Pünktchen im Weltall Verstopfte Strassen so etwas existiert auch im nieder - län di schen Dorf Zurich nicht. Früher wohnten 400 Menschen hier, heute sind es nicht mal mehr die Hälfte. Le diglich zwei gepflasterte Strassen gehören zu Zurich am Deich sowie das Fischergeschäft «Zurich Hengelsport» und das Hotel «De Steenen Man». «Natürlich haben wir auch Gäste aus Zürich», erzählt Astrid Reemtsa, die gemeinsam mit ihrem Mann Tjerk Bootsma das Hotel führt. Anders als einige von Zürichs Namensvettern in Übersee geht das Dörflein in den Niederlanden nicht auf einen ausgewanderten Eidgenossen zurück. Der Name leitet sich vom Fluss Sudereger ab. Anfangs hiess das Örtchen Sudrich, später Zurich. Als die Frie sische Nationale Bewegung vor wenigen Jahren die niederländische Bezeichnung von der Landkarte streichen wollte, war der Aufschrei gross. Hätten sich die Rechten damals durchgesetzt, «wären wir ganz vergessen gegangen», sagt Tjerk. Zürich profitiert näm lich von der Stadt am Üetliberg. Kein Zürcher, der nicht einen Abstecher ins Dörflein macht, wenn er die Abzweigung Zurich passiert. Die sieben Gästebücher im «De Steenen Man» sind der beste Beweis. Sie sind voll mit Kritzeleien aus über 60 Jahren, wie das Wirtpaar nicht ohne Stolz sagt. Und stolz sind sie auch auf den salzigen Garten hinter dem Haus das Wattenmeer. Astrid: «Wer Ruhe und Frieden sucht, ist bei uns genau richtig.» Bestimmt ruhig zumindest frei von Menschen ist es auch in «13025 Zürich». So heisst ein Asteroid im Weltall. Der Kleinplanet ist denn auch der Einzige, der mit dem Original das teilt, was Zürich von allen anderen Namensvettern unterscheidet: zwei kleine Pünktchen. k Zürcher Wirtschaftsmagazin 1/

16 Hausschrift Zürcher Kantonalban Verkehrsschilder Schweiz Fokus Zürich und die Welt 45 Light 55 Roman 65 Bold 75 Black FRUTIGER Adrian Max Miedinger Flughäfen Paris London Amsterdam Singapur Kuala Lumpur Seoul abcdefghijklmnopqrstuvwxyz ABCDEFGHIJKLMNOPQRSTUVWXYZ Frutiger ABC Frutiger HELVETICA Hausschrift Lufthansa Bayer Hoechst Deutsche Bahn BASF BMW ABCDEFGHIJKLMNOPQRSTUVWXYZ abcdefghijklmnopqrstuvwxyz Helvetica ABC 45 Light 55 Regular 65 Bold 85 Heavy Schwarz auf weiss von A bis Z Die Schrift- und die Zeichensetzung prägen uns seit der steinzeitlichen Höhlenmalerei und stellen die Grundlage unserer modernen Wissensgesellschaft dar. Zu den bekanntesten und heute weltweit populärsten Schriftarten der Welt gehören auch zwei Schweizer Exemplare: Frutiger und Helvetica. Über die Erfolgsgeschichte Schweizer Typografie. Von Marlies Keck 16 Zürcher Wirtschaftsmagazin 1/2015

17 Medien Verpackungen in Zeitschriften Bücher Werbung Fernsehen Mobiltelefon Wenn die Schrift, wie der französische Philosoph Voltaire gesagt hat, das Gemälde der Stimme ist, dann verfügen Schweizer Schriftsetzer über eine besonders reichhaltige Gemäl de galerie. Denn die Schweizer Typografie trat seit den 1950er Jahren zum weltweiten Siegeszug an und brachte einen ganz neuen «Schweizer Stil» hervor. Charakteristisch dafür sind Gestaltungsraster, asymmetrische Darstellungen, wenige Schriftgrade, extre me Weissräume und der Verzicht auf Schmuckelemente und Serifen. Bekannte Namen, die diesen Stil geprägt haben, sind u.a. Adrian Frutiger und Max Miedinger. Beides gelernte Schriftsetzer, Absolventen der Zürcher Kunstgewerbeschule und die geistigen Väter von Frutiger, Univers, Helvetica und vielen weiteren Schriftarten. Drucktechnik bringt Schriftarten den Durchbruch Zu jeder Zeit bis zurück zur Höhlenmalerei hat der Mensch versucht, über Zeichen zu kommunizieren, und damit gleichzeitig die Mittel seiner Kommunikation und somit die jeweilige Kultur dokumentiert. Für den Höhlenmenschen waren es seine Felszeichnungen, für die Ägypter die Hieroglyphen und für uns in der Gegenwart in westlichen Kulturen ist es die enorme Vielfalt der Schriftarten für unser lateinisches Alphabet. Trotz vorchristlicher Herkunft die Schriftlichkeit er hielt erst mit der Erfindung des Buchdrucks im 16. Jahrhundert Bedeutung als Massenphänomen. Bis dahin konnten nur die wenigsten lesen und schreiben. Und was es an Handgeschriebenem gab, war Gelehrten, Kirchenleuten oder Begüterten vorbehalten. Zudem wurde noch lange nach phonetischen «Regeln» geschrieben. Erst die gedruckte Sprache verlangte mehr und mehr nach einer geregelten und allgemeinverständlichen Schreibweise. Die komplexe Satz- und Drucktechnik in der Nachfolge von Gutenberg auch «schwarze Kunst» genannt löste die handschriftliche Kultur ab und schuf die Voraussetzungen für die Massenfertigung gleicher Produkte. Bis zum 18. Jahrhundert etab lierte sich das Buch als Leitmedium der europäischen Kultur. Im 19. Jahrhundert wird Schrift zunehmend zu Plakatierungszwecken genutzt; es werden kräftige, fette Schriften benötigt, mit ausserordentlich stark ausgeprägten Serifen. Gegen Ende des 19. Jahrhunderts prägen Jugendstil und Art déco das Zeitgeschehen. Nachdem im Nationalsozialismus die Schriftent wick lung zugunsten eines Rückfalls auf klassische Serifenschriften brachgelegen hat, gibt es in der Mitte des 20. Jahrhunderts mit serifenlosen Schriften neue Ge staltungsimpulse. Der «Schweizer Stil» schafft es ins Museum Im Zuge der fortschreitenden Industrialisierung und der rationalen Produktionstechniken im 20. Jahrhunderts galten die Antiquaschriften mit ihren Schnörkeln und Serifen als zunehmend veraltet. Die Grotesk-Schriften, aufgrund ihrer damals ungewöhnlichen Erscheinung so genannt, wurden zur neuen Ideologie der modernen Typografie erhoben. Und damit war auch der Weg für den «Schweizer Stil» geebnet wollte der Unternehmer Edouard Hoffmann mit dem Zürcher Grafikdesigner Max Miedinger eine Schriftart entwerfen, die so erfolgreich wie die damals weit- verbreitete «Akzidenz-Grotesk» sein sollte. Sie entwarfen eine überaus klare, serifenlose Schrift, der sie den Namen «Neue Haas Grotesk» gaben. Eine direkte Anlehnung an die von Hoffmann geführte Haas sche Schriftgiesserei AG. Weil dieser Name für eine internationale Verbreitung kaum geeignet schien, folgte aber bald die Umbenennung in «Helvetica». In Zeiten des Bleisatzes war jedoch vor allem die universelle a Zürcher Wirtschaftsmagazin 1/

18 Versalhöhe Fokus Zürich und die Welt x-höhe Geschlossene Punzen Offene Punzen Unterschneiden Ohne Unterschneiden hp-höhe Dickte Zeichenbreite Verfügbarkeit der Schrift für den weltweiten Erfolg entscheidend. Noch heute ist es ähnlich. Denn die Verfügbarkeit mehrerer gut aufeinander abgestimmter Schnitte macht die «Helvetica» zu einem perfekten Werkzeug für ein konsequent umgesetztes Corporate Design. So erstaunt es auch nicht, dass Miedingers «Helvetica» die lateinische Schriftkultur so sehr geprägt hat, dass sie 2007 sogar mit einer Ausstellung im New Yorker Museum of Modern Art (MoMa) geehrt wurde. Und darin zeigt sich die wahre Qualität einer Schrift: Sie verkörpert, was man aus ihr macht. «Die Helvetica kommuniziert viele Qualitäten, die wir mit den Schweizern in Verbindung bringen», sagte beispielsweise MoMa-Kurator Christian Larson anlässlich der Ausstellung. «Das sind die Ideen, die sich mit den Begriffen rational, funktional, neutral und universal verbinden.» Das A und O ist die Lesbarkeit Wegen solcher Eigenschaften sachliche und kühle Eleganz werden auch heute noch viele weitere Schweizer Schriften aus den 1950er und 1960er Jahren weltweit verwendet. Über 30 Druckschriften hat alleine Adrian Frutiger kreiert, der zunächst in Zürich als Grafiker arbeitete, später dann nach Paris ging und dort sein eigenes Atelier gründete. Zu seinen Kreationen gehören auch weltberühmte Schriftfamilien wie beispielsweise die «Univers», die er 1957 mit dem Erscheinungsbild einer Groteskschrift erstellte, die doch in den Strichstärken variiert. Auch das O wird nicht mehr als Kreis «gezeichnet», sondern als Oval «geschrieben». Diese Aspekte sorgen auch bei längeren Texten für eine wesentlich verbesserte Lesbarkeit, was sicherlich den Erfolg dieser Schrift begründet. So wird die «Univers» von Audi, der Deutschen Bank und der Fluglinie Swiss verwendet. Adrian Frutiger legte generell grossen Wert auf die Lesbarkeit seiner Schriften: also auf das A und O der Typografie. Da Schilder an Flughäfen selten frontal betrachtet werden, entwarf er speziell für den Pariser Flughafen Charles de Gaulle die Schriftart «Roissy», die auch aus schrägen Perspektiven und grossen Entfernungen besonders gut lesbar ist. Die «Roissy» gab es zunächst nur in zwei Schnitten, normal und fett, die daraus entwickelte «Frutiger», die u.a. auch die Hausschrift der Zürcher Kantonalbank ist, umfasst weitere Schnitte wie beispielsweise kursive. Zeitlos modern Mit den neuen Technologien im Umgang mit Schrift nimmt die Anzahl der entstehenden Schriften rasant zu. Durch die Nutzung des Computers wird die gra fi sche Produktion schneller, kreativer und es können in kürzerer Zeit mehr Entwürfe umgesetzt werden. Dem entsprechend werden heute für verschiedenste Ansprüche unterschiedliche Schriften entworfen. Gleichzeitig ist das Entwickeln von Schriften mit dem Computer erheblich vereinfacht worden. Doch wie man es dreht und wendet: Eines haben die beiden Schriftgestalter aus der Schweiz mit ihren Schrift - bildern aus den 1950er und 1960er Jahren be wiesen: Ihren Schriften sieht man ihr Alter nicht an. Mit ihrem unaufdringlichen Schriftbild haben sie viele Moden über dauert. Sie sind auch nach bald 60 Jahren zeitlos frisch und beweisen, dass die Hausschrift eines Unternehmens nicht extrovertiert sein muss. Im Ge gen teil Bescheidenheit ist Trumpf. k Schriftlinie Unterlänge Oberlänge Mittellänge 18 Zürcher Wirtschaftsmagazin 1/2015

19 Sonnige Aussichten: Top-Konditionen für Ihre erste Hypothek bei uns. Jetzt Offerte anfordern! Mehr unter So einfach geht s: Berechnen Sie online Ihre Wohnkosten, überzeugen Sie sich vom attraktiven Preis und vereinbaren Sie eine Beratung.

20 Aktuell ab Mitte April 23. April April Kurzfilmnacht-Tour Als einzige in allen Regionen der Schweiz präsente Kurzfilmveranstaltung bietet die Kurzfilmnacht dem lokalen, nationalen und internationalen Kurzfilmschaffen eine Plattform in Schweizer Kinos. Auch dieses Jahr gastiert die Tour in Zürich ( ) und Winterthur ( ). Zu den diesjährigen Highlights gehören nebst den Kurzfilmentdeckungen aus der Schweiz auch skandinavische Kri minal filme, ein bild ge waltiges Musikfilm- Programm und etwas Hollywood-Glamour mit einer Auswahl an nominierten Oscar-Kurzfilmen. Mit einer Karte der Zürcher Kantonalbank profitieren Sie an den Kurzfilmnächten in Zürich und Winterthur von 5 Franken Ermässigung auf zwei Theatertickets pro Vorstellung. WWF Naturerlebnistage Von April bis September organisiert der WWF Zürich Naturerlebnistage für Kinder und Jugendliche während der Schulferien und in der Freizeit. Die erfahrenen Leiterinnen und Leiter begleiten die Kinder mit einem altersgerechten Programm durch die Tage. Bei Spiel und Spass wird das Interesse und die Faszination für die Natur geweckt und erhalten, zum Beispiel bei der Wasservogelpirsch am Zürichsee, in der Waldwerkstatt oder während einer Wildschweintour. ZKB Special: Avishai Cohen Trio im Moods Ein Jazz-Superstar im Moods! Für viele ist er einer der besten und aussergewöhnlichsten Bassisten des aktuellen Jazz: Nun bringt Avishai Cohen mit seinem neu formierten Trio Kompositionen und Arrangements des neuen Albums «From Darkness» sowie beliebte Stücke seines Repertoires auf die Bühne. Begleitet wird Cohen von zwei jungen israelischen Talenten: Nitai Hershkovits am Piano und Daniel Dor am Schlagzeug. ZKB Specials: 50% Rabatt auf den Eintrittspreis (für maximal zwei Tickets pro Kundin/Kunde). Weiter hin gilt: 5 Franken Ermässigung* auf alle Moods-Konzerte (*maximal zwei Karten pro Kundin/Kunde). 20 Zürcher Wirtschaftsmagazin 1/2015

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