Systemische Familientherapie: Kurzprospekt für die Jugendhilfe (Monika Detscher u. Reinert Hanswille) Wer wir sind und was wir wollen:

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1 Kurzprospekt für die Jugendhilfe (Monika Detscher u. Reinert Hanswille) Wer wir sind und was wir wollen: Das Kompetenzzentrum Systemische Familientherapie (KSF) und dessen Träger Monika Detscher und Reinert Hanswille sowie die Institutsambulanz des ifs haben sich zum Ziel gesetzt, im Raum zentrales Ruhrgebiet ein Angebot im Rahmen systemischer Therapie und Beratung mit unterschiedlichsten Leistungsangeboten auf systemischem Hintergrund anzubieten. Dabei stehen familientherapeutisch-systemische Ansätze im Mittelpunkt und hier vor allem die aufsuchende Familientherapie für Multiproblemfamilien. Darüber hinaus ist die Arbeit mit traumatisierten Menschen und ihren Familien ein bedeutsamer Schwerpunkt. Diese Hilfen sollen zu einem großen Teil im Rahmen aufsuchender systemischer Familienhilfen gemäß 27 ff KJHG angeboten werden. Das KSF und die Ambulanz des ifs als Aus-, Fort- und Weiterbildungsträger in Essen-Steele bieten die Möglichkeit zur therapeutischen/beraterischen Hilfe für Kinder und Jugendliche und ihre Familien. Dabei werden Angebote in systemischer Kinder- und Jugendtherapie, aufsuchender Familientherapie, Traumatherapie, Marte Meo- Therapie und Systemischer Einzel-, Paar- und Familientherapie gemacht. Wir möchten hier aus unserem Angebot die Systemische Familientherapie und Marte Meo etwas näher präsentieren. Ausführlich finden Sie unser Angebot unter: Systemische Familientherapie: Die Systemische Familientherapie erfährt seit ihren Anfängen in Deutschland vor ca. 40 Jahren ein immer größer werdendes Interesse bei Jugendämtern und Trägern der Jugendhilfe. Durch die wissenschaftliche Anerkennung als Psychotherapieverfahren ist jetzt auch die Effektivität und Wirtschaftlichkeit systemischer Beratungs- und Therapieverfahren nachgewiesen worden und in weiten Fachkreisen bekannt geworden. Besonders in der Arbeit mit Multiproblemfamilien kann der systemische Ansatz seine Stärken entfalten.

2 Wir wollen mit unserer Arbeit: Individuelle Hilfs- und Unterstützungsangebote für Familien und deren Kinder entwickeln, in denen sie neue Entwicklungsmöglichkeiten sehen. Familien unterstützen in ihrer erlebten Zerrissenheit, Ausweglosigkeit und Ohnmacht neue Wege zu sehen und zu gehen, indem wir ihre Selbstwirksamkeit und ihre Potentiale stärken. direkte Veränderungen in Familien anstoßen und dennoch die größtmögliche Verantwortung bei den Familien lassen. das Milieu und die Lebenswirklichkeiten der Familien anerkennen, als wertvoll erachten und als Ressource für sie nutzen. die destruktiven Interaktionen und Muster in den Familien und ihren Umfeldern verändern. Eltern darin unterstützen wieder ihre elterliche Verantwortung für ihre Kinder zu übernehmen und damit das weitere Zusammenleben als Familie ermöglichen. Notwendigkeit und Kennzeichen für aufsuchende Familientherapie: Systemische Familientherapie setzt an der konkreten Situation der Familien und Menschen an, sie nimmt die Hoffnungslosigkeit und das Erstarrtsein der Familie an und versteht es als Hinweis auf die Situation der Familie. Sie aktiviert Potentiale und Ressourcen, die verschüttet waren oder bisher unentdeckt in der Familie schlummerten und unterstützt die Familie in einer wertschätzenden Haltung bei ihren Lösungssuchen. Lösungsversuche werden dabei als konkrete Bewältigungsschritte verstanden, die eingeübt werden, um langfristige Muster zu verstören und neu zu gestalten. Das co-therapeutische Vorgehen ermöglicht dabei nicht selten Veränderungsschritte bei den Familien, deren Reichweite zu Beginn nicht für möglich gehalten wird. Systemische Familientherapie ist ein kontextorientiertes Verfahren, das heißt, dass das soziale Umfeld der Familie wie z. B. Herkunftsfamilien der Eltern, Freunde, Nachbarn, Eltern

3 der befreundeten Kinder eine große Rolle spielen. Aber auch die professionellen Kontexte wie z. B. MitarbeiterInnen des Allgemeinen Sozialen Dienstes, LehrerInnen, ErzieherInnen, Kinder- und Jugendpsychiater, Jugendgerichtshilfe sind zentrale Gesprächspartner in der Gestaltung der aufsuchenden Familientherapie. Problembeschreibungen, in denen aufsuchende Familientherapie angezeigt ist: Eltern mit einer sehr belastenden Paar- oder Individualproblematik, die dadurch erkennbar wird, dass die Verantwortlichkeit und der Blick der Eltern für die Kinder verloren geht und diese so nicht die notwendige Aufmerksamkeit und Unterstützung bekommen. Fehlender Rahmen oder fehlende Orientierung für die nötige Sicherheit, um eine positive Entwicklung der Kinder und Jugendlichen gewährleisten zu können. Prinzip der Mehrgenerationenproblematik mit Wiederholungen von Problemen (Gewalt, Alkohol, Vernachlässigung etc.), die in der Ursprungsfamilie der Eltern bereits ihre traditionelle Verankerung hatten. Hierbei ist eine begleitende Hilfe gerade für junge Familien bedeutsam. Mangelnde Bindungsstärke und Bindungsfähigkeit. Eltern, die bereits in ihren Herkunftsfamilien nicht sicher gebunden waren, können ihren Kindern nicht die notwendige Bindungssicherheit geben, was nicht selten zu körperlicher und seelischer Vernachlässigung führt. Mangelnde Bindungserfahrungen führen zu einer erhöhten Vulnerabilität für Traumafolgestörungen. Innerfamiliäre Traumatisierung durch Gewalt, Alkohol, Vernachlässigung und sexuelle Gewalt führen bei Kindern und Jugendlichen zu deutlichen Symptomen wie körperlichen und seelischen Entwicklungsstörungen, Schulschwierigkeiten, einem Pseudo- ADHS, Essstörungen, Problemen im Sozialverhalten und vielen anderen Traumafolgestörungen. Trennungs- und Scheidungssituationen stellen für viele Kinder und Jugendliche problematische Situationen dar, in denen sie besondere Unterstützung und Hilfe benötigen. Besonders in zusammengesetzten Patchwork- Familien kommt es oft dazu, dass die Aufmerksamkeit und Zuwendung für die Kinder ungleich verteilt wird, es entsteht Konkurrenzverhalten und Ausschluss sowie Ausgrenzung.

4 Emotionale Störungen und Defizite Einzelner wirken sich negativ auf die Beziehungsstrukturen im familiären System aus. Hierdurch werden Spannungen erzeugt, die sich belastend auf das familiäre Klima auswirken. Verwischungen von Lebensgrenzen und Generationskonflikte zwischen Kindern und Jugendlichen und deren Eltern lassen erwarten, dass sich aggressive Verhaltensweisen entwickeln, die dazu führen können, dass Konflikte zwischen Kindern und Eltern auf unerwünschten Ebenen ausgetragen werden. Kinder, die wenig Perspektiven für sich entwickeln können, verlieren Grundhaltungen, z. B. bezüglich regelmäßigen Schulbesuchs, Sozialverhaltens. Sie setzen sich häufig außerhalb der Familie zur Wehr. Ihr Sozialverhalten führt zu einer ausgeprägten Gefährdung im sozialen Umfeld für sich selbst und andere. Kinder und Jugendliche entwickeln unterschiedlichste psychische und somatische Symptome, die langfristige Behandlungen und Klinikaufenthalte erforderlich machen und Eltern weiter überfordern. Systemische Familientherapie in ihrer aufsuchenden Form hat sich auch in Zwangskontexten bewährt. Sie nutzt den Druck und Zwang positiv. Vor allem bei Kindeswohlgefährdungen ist es hilfreich und für die Beteiligten unterstützend, wenn Veränderungen eingefordert werden und Familien mit notwendigen Schritten konfrontiert werden. Familien können so erleben, dass die Familienstarre überwunden ist und das System in Bewegung ist. Motivation bei der Familie wird dabei nicht zwanghaft vorausgesetzt, entsteht aber nicht selten im Prozess, wenn respektvoll mit Eltern gearbeitet wird und Perspektiven für Kinder und Eltern erkennbar werden. Kennzeichen von Multiproblemfamilien: Allgemein sind Lebens- und Welteinstellungen geprägt von Hoffnungslosigkeit und Resignation. Eltern und Kinder sehen für sich keine Lebensperspektive. Vielschichtige Problem-, Symptom- und Konfliktlagen führen zu Überforderung und Orientierungslosigkeit, was mittelfristig zu Lähmung und depressiven Stimmungen führt.

5 Verantwortlichkeiten und Gründe für die eigene Misere werden nach außen verlegt oder an einzelne Familienmitglieder delegiert, um sich zu entlasten und Lebensmut zu erhalten. Marte Meo Als Methode zeichnet Marte Meo eine große Flexibilität aus. Eine ihrer zentralen Grundsätze ist, dass das jeweilige Vorgehen in der Beratung zu den Anliegen der Klienten, ihrer Lebenssituationen und den gesamten Lebensumständen passen muss. Marte Meo passt sich dem Kontext an, in dem sie eingesetzt wird. Das Anliegen der Eltern/Betreuer ist Auftrag und Ziel. Marte Meo ist ein Programm, das mit Videoaufnahmen arbeitet und die Kraft der Bilder nutzt, um wichtige Informationen sichtbar zu machen. Die Videoaufnahme dokumentiert den Entwicklungsprozess, Entwicklungsverlauf und die Qualitätssicherung gleichermaßen. Die Anwendungsfelder von Marte Meo sind z. B. minderjährige Mütter, junge Eltern, ADS- und ADHS- Kinder, Schreibabys, Kinder mit speziellen Entwicklungsbedürfnissen, isolierte Kinder, autistische Kinder etc. Einsatz der Methode: Es wird von einer alltäglichen Situation des Kindes eine Videoaufnahme gemacht. Daraufhin erfolgt eine ausführliche Videointeraktionsanalyse. Diese macht die Fähigkeiten, Fertigkeiten und die Kommunikationsstruktur aller Beteiligten sichtbar. Stärken werden erkannt und können aktiviert werden. Die Analyse bietet die Grundlage des Reviews. Im Auswertungsgespräch mit Videobildern werden konkrete Einsichten und Möglichkeiten vermittelt, die das Ziel haben, entwicklungsförderndes Verhalten in kleinen Schritten zu trainieren. Das Review ist das Beratungsgespräch, das mit den Eltern durchgeführt wird und in dem die Interaktionen wieder lebendig werden, die starken und schwachen Seiten einer Kommunikationssituation. Besonderer Wert wird auf das förderliche Kommunikationsverhalten gelegt. Die Marte Meo Arbeit umfasst eine wöchentliche Arbeitsstunde von drei Fachleistungsstunden. Darin enthalten sind zwei Videos im Monat und das dazugehörige Review, Auswertung der Videos, Dokumentation, Hilfeplangespräche, etc.

6 Organisatorische Rahmenbedingungen und Qualitätssicherung unserer Maßnahmen: Systemische Familientherapie und aufsuchende Familientherapie sind kurzzeittherapeutische Hilfsangebote mit einer Dauer zwischen 6 und 12 Monaten (in Fällen von sexueller Gewalt oder komplexen Traumafolgestörungen ggf. auch länger). Die zeitliche Begrenzung erhöht die Verbindlichkeit und Verantwortlichkeit bei den Familien. Aufsuchende Familientherapie ist ein niederschwelliges therapeutisches Angebot. Familien werden zu Hause in ihrem Umfeld aufgesucht und weitgehend wird auch dort mit ihnen gearbeitet. Das vermittelt den Familien Sicherheit und Stabilität und ist eine Grundvoraussetzung für eine erfolgreiche Arbeit. Systemische Familientherapie in Form von aufsuchender Therapie bieten wir als Co-Therapie an. Die co-therapeutische Arbeitsweise ermöglicht vielfältige Interventionsweisen. Gleichzeitig ist es eine Absicherung der Arbeit bei Urlaub und Krankheit von MitarbeiterInnen. Unsere Mitarbeiter verfügen über einen psychosozialen Hoch- bzw. Fachhochschulabschluss und über eine mind. 3 jährige familientherapeutische/systemische Weiterbildung an einem DGSF- oder SGanerkannten Weiterbildungsinstitut. Unsere Mitarbeiter erhalten regelmäßig Supervision als unabdingbarer Bestandteil ihrer Arbeit. Dabei soll ca. jede 6. Familientherapieeinheit supervidiert werden. Über jeden Familientherapieprozess erfolgt eine Prozessdokumentation und Evaluation. Die Wirksamkeit wird durch mindestens ein Katamnesegespräch überprüft. Ferner nutzen wir weitere Evaluationsinstrumente zur Prüfung der Wirksamkeit unserer Arbeit. Die Vergütung erfolgt auf der Grundlage einer Leistungsvereinbarung, die ein wirtschaftliches Arbeiten ermöglicht.

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