Vortrag zum Workshop Wohnen im Alter und bei Behinderung am

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1 Vortrag zum Workshop Wohnen im Alter und bei Behinderung am DIE BBU-MITGLIEDSUNTERNEHMEN IM SPANNUNGSFELD VON STADTUMBAU, BETRIEBSWIRTSCHAFTLICHER EFFEKTIVITÄT UND ANPASSUNG AN DIE DEMOGRAPHISCHEN HERAUSFORDERUNGEN 1. Wer sind die BBU-Mitgliedsunternehmen? Unternehmen, darunter 132 Genossenschaften, bewirtschaften Wohnungen im Land Brandenburg - das sind 32 % des gesamten Wohnungsbestandes im Land Brandenburg oder rund die Hälfte aller Mietwohnungen. - Fast die Hälfte aller Unternehmen hat weniger als 500 WE, die 7 größten Unternehmen bewirtschaften allein 25 % aller Wohnungen der BBU-Mitgliedsunternehmen. - Wir sind überall vertreten, große Städte, kleine Städte und Dörfer, ein Gesellschafter, mehrere Gesellschafter 2. Was sind die Rahmenbedingungen? 2.1 Demographischer Wandel - niedrige Geburtenrate - steigende Lebenserwartung - Abwanderung - daraus folgt: Brandenburg vergreist und franst aus - Zahlen o bis 2020 Bevölkerungsrückgang um Personen, das entspricht der Bewohnerzahl der Städte Cottbus, Frankfurt (Oder) und Brandenburg zusammen o bis 2025 Rückgang von Personen - das anvisierte Ziel, Wohnungen im Land Brandenburg abzureißen, entspricht in etwa einem Drittel des Leerstandes.

2 2 2.2 Soziale Veränderungen - Steigende Anteile der Bevölkerung haben Erwerbsbiografien nach dem Patchworkmuster. - Steigende Anteile der Bevölkerung haben tendenziell zunehmend weniger Geld zur Verfügung. - Es ist eine systematische Veränderung der Sozialstruktur in den Quartieren zu beobachten und weiter zu erwarten. - Immer mehr Menschen verbringen den ganzen Tag in den Wohnquartieren. 2.3 Sonstige Einflüsse - Staat stellt immer weniger Förderung zur Verfügung - Kommunen setzen immer stärker auf Bürgerengagement - Kommunen versuchen stadteigene Aufgaben auf Wohnungsunternehmen zu verlagern oder die Unternehmen (Gesellschaften) für Beiträge zur Haushaltssanierung heranzuziehen oder zu verkaufen. - postsozialistische Monopolstrukturen, insbesondere im Bereich der Gebühren und Abgaben führen nach wie vor zur Preistreiberei. 3. Wie reagiert die Landesregierung darauf? - Am Beispiel des zweiten Berichtes der Landesregierung zum demographischen Wandel, der die programmatische Überschrift hat Demographischer Wandel in Brandenburg, Erneuerung aus eigener Kraft Ursachen und Folgen Strategien und Handlungsfelder Projekte und Maßnahmen. - Beispielhafte Darstellung - Feststellung o öffentliche und private Dienstleistungen ziehen sich aus der Fläche zurück o erhebliches Gewicht wird die Nachfrage nach Dienstleistungen erlangen, die die o Lebensqualität von Senioren erhöhen und ihnen so lange wie möglich eine o selbständige Lebensweise ermöglichen. - in vielen Städten und Regionen verändert sich die Sozialstruktur erheblich. Es entsteht das Klima einer strukturellen Monotonie - Anpassung der Angebote an sich verändernder Nachfragestruktur und Konsummuster hin zu älteren Generation - politische Strategien o räumliche Bündelung von sozialer Infrastruktur, Versorgung und Dienstleistungen einer angepassten Zahl von zentralen Orten o Städte an andere Nutzungsansprüche anpassen o Verstärkung der Kooperation. - Projekte und Maßnahmen o Im Bereich Gesundheit älterer Menschen gilt Reha vor Pflege und ambulant vor stationär o Verrichtungsbezogene Leistungen entwickeln zur Sicherung der eigenen Häuslichkeit, unterhalb der Schwelle der Pflegebedürftigkeit - Förderung von Familien-, Kinder- und altenfreundlicher Städte und Wohnumfelder 4. Was sind die Folgen? 4.1 Wohnungsunternehmen müssen Leerstand bekämpfen - Per ,6 % Leerstand im engeren Entwicklungsraum und 17,4 % im äußeren Entwicklungsraum. Das sind insgesamt 14,1 % Unternehmen haben eine Leerstandsquote von größer gleich 10 %. Leerstand ist somit flächendeckend ein flächendeckendes Problem. - Die Unternehmen benötigen durchschnittlich die Einnahmen von 4 Wohnungen, um eine leerstehende Wohnung dauerhaft zu unterhalten. - Bis Ende des Jahrzehnts wollen die BBU-Mitglieder Wohnungen abreißen. Bis Jahresende 2004 sind bereits Wohnungen abgerissen worden.

3 3 4.2 Wohnungsunternehmen müssen weiter in die Aufwertung der Bestände investieren und gleichzeitig preiswerte WE in steigenden Anteilen vorhalten Mio. Euro Modernisierungsinvestitionen, Instandsetzung 160 Mio. Euro geplant 136 Mio. Euro Modernisierungsinvestitionen und Instandsetzung 155 Mio. Euro. 4.3 Wohnungsunternehmen müssen Mietausfälle verkraften und Mietschulden bekämpfen - Erlösschmälerung aus der Miete ohne Mietschulden betrugen im Jahr Mio. Euro (hauptsächlich Leerstand). - Mietschulden aus der Miete betrugen im Jahre Mio. Euro - Bekämpfung durch Einsatz von Sozialarbeitern, Schuldnerberatung, Ratenzahlungsvereinbarungen. 5. Was sind die Trends der künftigen Entwicklung (Auswahl)? 5.1 Wohnen = Wohnung + Wohnumfeld + wohnbegleitende Dienstleistungen 5.2 Stadtumbau ist nicht alles, aber ohne Stadtumbau ist alles Andere nichts - Schicksal der Wohnungsunternehmen eng mit dem Schicksal der Städte verknüpft - Funktion der Städte als Ankerpunkte im Raum 5.3 Es wird einen verschärften Wettbewerb der Städte untereinander geben, um - die weniger werdenden Besserverdienenden, - die weniger werdenden jungen Menschen, - die aus dem Umland Zuziehenden, - die Schaffung oder Erhaltung von Arbeitsplätzen, - attraktive Angebote für ältere Menschen. 5.4 Es setzt sich der Trend fort, dass ältere Menschen so lange wie möglich, selbstbestimmt in ihrer eigenen Wohnung wohnen bleiben wollen. Motto ist Nicht allein und nicht ins Heim. 5.5 Aufgabenübernahme aus der ursprünglichen Daseinsvorsorge der Kommunen, lokale Netzwerke und bürgerschaftliches Engagement werden die zukünftige Geschäftstätigkeit der Wohnungsunternehmen erheblich beeinflussen. 5.6 Die weitere Ausdifferenzierung der regionalen Wohnungsteilmärkte wird sich fortsetzen Merkmale: - sich weiter ausdifferenzierende Wohnungsbedarfe o Junge Alte, Alte Alte, o aktive Alte pflegebedürftige Menschen, o aktivierbare Arbeitslose, nicht aktivierbare Arbeitslose o junge Menschen, Familien. - in der Gesamttendenz eher dauerhaft sinkende Einkommen werden sich auf alle Märkte, so auch auf die Wohnungsmärkte auswirken und - es wird eine zunehmende Verteilungskonkurrenz des tendenziell sinkenden Einkommens geben bei der Verteilung auf die Bedürfnisse Wohnen, Pflege/ Gesundheit, Freizeit, Essen, Trinken. 6. Welche ersten Erkenntnisse und Erfahrungen für das Wohnen im Alter und bei Behinderung ergeben sich daraus? 6.1 Die Kooperation im Bereich der wohnbegleitenden Dienstleistungen mit spezialisierten Anbietern bewährt sich und ist ausbaufähig. Das bezieht sich ausdrücklich nicht nur auf Großanbieter, wie Arbeitersamariterbund usw., sondern auch auf kleine Vereine, die häufig ein hochspezialisiertes Angebot bereit halten (demenzkranke Menschen). 6.2 Es wird im Mietwohnungsbestand zunehmend verschiedene Wohnformen geben. - Wohngemeinschaften für Demenzkranke + Rundumbetreuung, - Wohngemeinschaften Gleichgesinnter.

4 4 6.3 Möglichst lebenslanges, selbständiges Wohnen in der Mietwohnung setzt voraus, möglichst rechtzeitig Entscheidungen und Vorkehrungen zu treffen. Das beginnt bei der Patientenverfügung und endet bei der Bereitschaft, Dienstleistungen kaufen zu wollen und dieses rechtzeitig zu tun. Da gibt es viel gemeinsamen Aufklärungs- und Beratungsbedarf. Wir treffen vielfach noch die Situation an, dass unterstützende Leistungen entweder erst im Konfliktfall angefordert werden müssen und dann eine vernünftige Vorauswahl nicht möglich ist, bzw. dem Betroffenen von Dritten regelrecht übergeholfen werden müssen. 6.4 Die Spezifik der Einflüsse in unserer Branche, ist mit der demographischen Entwicklung vergleichbar. Die Veränderungen wirken zunächst sehr langsam, kaum merkbar, dann sehr nachhaltig und sind nur sehr langfristig umkehrbar. Das Gut Wohnung (langfristig am Markt), Immobilinvestitionen wirken ebenso langfristig und ihre Folgen sind nur langfristig kalkulierbar. Das bedeutet, dass die Anpassungsprozesse ebenso fließend, gleitend gestaltet werden müssen. Die Unternehmen stehen vor der Aufgabe, in diese sich verändernden Rahmenbedingungen quasi hineingleiten zu müssen und den Bedarf möglichst rechtzeitig zu erkennen. 6.5 Barrierearme WE herstellen, lässt sich systematisch bei vorzunehmenden Instandhaltungen oder Modernisierungen im Bestand realisieren. Nicht möglich ist Vorratsbau für behindertengerechte Wohnungen, schon allein wegen der Akzeptanz der Wohnungen für andere Kunden. Das Kunststück besteht also in der Gestaltung, Schaffung, Anpassung, der mitlebenden bzw. mitgleitenden Wohnung. 6.6 Nach wie vor bewährt sich der alte Grundsatz: Durchmischung vor Isolation, also die Integration von beispielsweise Wohngemeinschaften demenzkranker Menschen im altersgerechten, hergerichteten Gebäude oder das Zusammenleben jüngerer und älterer Menschen. Was sich nicht aufrecht erhalten lässt, ist eine soziale Durchmischung, die den Geldbeutel oder die soziale Stellung zum Inhalt hat. 7. Was wir uns so wünschen würden 7.1 Wir unterstützen nachhaltig den Versuch der Landesregierung über einen Masterplan Stadtumbau Projekt bezogen die Integration der verschiedenen Ressourcen zu erreichen. Und daran kann auch nur die Lösung bestehen. Weg von Jeder macht, was für sich und es passt nicht so richtig zusammen Wir sollten uns gemeinsam bemühen und auch dafür wirken, dass diese Anpassungsprozesse an die demographische Entwicklung und ihre Veränderung keine Plage oder ein Unglück sind, sondern wir sollten sie gemeinsam als Chance zur weiteren Entwicklung begreifen Wir brauchen wesentlich weniger Bürokratie, mehr Flexibilität, weniger Regelungen, Behördenunterschriften und Stempel usw. Einige meiner Kollegen werden gezwungenermaßen nach später darauf eingehen müssen. Wir sollten ernst machen mit Bürokratieabbau, auch und vor allem auf diesem Feld. 7.4 Wir sollten nicht nach Rezepten streben, nicht nach entweder oder, nicht nach der alleinigen glücklich machenden Regelung, sondern wir sollten kreativen Lösungen Raum geben, vielfältige Lösungsmöglichkeiten schaffen, quasi ein ganzes Orchester zum Klingen bringen. Unter dem Motto Vielfalt vor Einfalt und diese Vielfalt sollten wir stärker gemeinsam propagieren. 7.5 Zukunftsträchtige Lösungen zu finden bedeutet für uns, möglichst immer genau zu wissen - was der Bürger, der Kunde der Nutzer heute und in Zukunft möchte - was er sich heute und in Zukunft leisten kann und will. 7.6 Wir wollen für alle da sein, für die geringer werdenden Jungen, für die geringer werdenden Familien, für die mehr werdenden Älteren, für besser Verdienende bis hin zu Hartz-IV-Empfängern und wir werden versuchen, Jedem eine individuelle Lösung zu schaffen, aber nicht Jedem an jedem Ort zu jeder zeit seine individuelle Lösung zu schaffen. Dabei liegt die Betonung auf Jedem.

5 5 7.7 Wir wissen aus eigener Erfahrungen sicher alle, Mittun, Mitwirken, Mitgestalten geschieht in der Regel erst nach Organisation, nach dem Angebot, nach der Weckung von Emotionen und auch hier sehen wir Ansatzpunkte, um zukünftig gemeinsam bürgerschaftliches Engagement stärken zu können Stadtentwicklung, Stadtrenovierung, Stadtumbau, Schaffung von Freiräumen, hin zur altersgerechten Stadt kann nur dann erfolgreich sein, wenn alle Partner ins Boot geholt werden, die mitrudern müssen und vor allem die mitrudern können. Lassen Sie mich in dem Bild bleiben. Dabei ist es ganz wichtig, dass diese Partner nicht nur ins Boot kommen, sondern wirklich mitrudern und man sich vorher darüber verständigt hat, wie die Richtung aussehen muss. Also, es müssen die richtigen Leute im Boot sitzen, man muss eine gute Ausrüstung haben und muss zueinander Vertrauen und ein wenig geübt haben und natürlich soll jeder, der mitrudert auch etwas davon haben, dass er sich einbringt. Die heutige Veranstaltung zähle ich ausdrücklich dazu. Resümee: Ich hoffe, dass ich damit zum Einstieg beitragen konnte. Wir werden in der Folge verschiedene Beispiele von BBU-Mitgliedsunternehmen hören, wie in der außerordentlich breiten Palette versucht wird, Wohnen im Alter und bei Behinderung in die Unternehmensphilosophie und die Unternehmenstätigkeit einzubinden. Ich bedanke mich für die Aufmerksamkeit. Dr. Wolfgang Schönfelder 17. August 2005

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