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1 Stellungnahme des Ausschusses für Bilanzierung des Bundesverbandes deutscher Banken zum Standardentwurf der Joint Working Group of Standard Setters Financial Instruments and Similar Items Der Entwurf sieht für Unternehmen aller Branchen und Größenklassen vor, Finanzinstrumente unabhängig von der Halte- oder Handelsabsicht des Managements zu ihrem jeweiligen Fair Value zu bewerten und die resultierenden Wertänderungen ergebniswirksam zu berücksichtigen. Die Einführung dieses neuen, vom bisherigen Anschaffungskosten- und Realisationsprinzip radikal abweichenden Konzepts wird damit begründet, dass der Fair Value die gegenwärtige Einschätzung des Marktes in Bezug auf den Wert und die Risiken des Finanzinstruments unmittelbar zum Ausdruck bringt und damit den Investoren im Vergleich zu den derzeit vorgeschriebenen Wertansätzen bessere Informationen für ihre Entscheidungen liefert. Die Auffassung, dass die umfassende Fair Value-Bewertung die Informationen über die wirtschaftliche Situation von Banken im Vergleich zu dem derzeit praktizierten mixed framework verbessert, wird von uns nicht geteilt. Wir vertreten im Gegenteil die Auffassung, dass den Abschlussadressaten für ihre Anlageentscheidungen nützlichere Informationen zur Verfügung gestellt werden, wenn die Bewertung zum Fair Value weiterhin auf die Positionen des Handelsbuchs beschränkt bleibt und die Positionen des Bankbuchs auch zukünftig zu fortgeführten Anschaffungskosten bewertet werden. Zusätzliche Informationen über die Fair Values der Finanzinstrumente des Bankbuchs können den Adressaten wie bisher im Anhang gegeben werden. Für die Beurteilung des Draft Standards haben wir die im IASC Framework enthaltenen, qualitativen Anforderungen an den Unternehmensabschluss zu Grunde gelegt. Danach sind die im Abschluss enthaltenen Informationen für den Adressaten nur dann nützlich, wenn sie relevant, verlässlich, vergleichbar sowie verständlich sind. Relevanz Informationen im Abschluss gelten dann als relevant, wenn sie die wirtschaftlichen Entscheidungen der Adressaten dadurch beeinflussen, dass sie diesen bei der Beurteilung vergangener, derzeitiger oder zukünftiger Ereignisse helfen.

2 - 2 - Handelsbuch Die Banken haben sich lange dafür eingesetzt, Finanzinstrumente des Handelsbuchs zu ihrem jeweiligen Fair Value zu bewerten. Der Grund hierfür liegt in der Natur der Geschäfte und der daraus resultierenden kurzen Haltedauer der Instrumente. Da für die Positionen liquide Märkte existieren, können Gewinne oder Verluste durch entsprechende Markttransaktionen umgehend realisiert werden. Da die Realisierbarkeit der Erfolge nicht in Frage steht, verschafft die Bewertung zu Marktpreisen den Abschlussadressaten die besten Informationen über den Erfolg des Handelsgeschäfts. Bankbuch Beim Bankbuch, das die aus dem Kerngeschäft resultierenden Bilanzpositionen erfasst, sieht die Situation dagegen anders aus. Banken betreiben die Hereinnahme von Einlagen und die Vergabe von Krediten mit dem Ziel, sich über einen bestimmten Zeitraum eine stabile Zinsmarge aus den zinstragenden Aktiva und Passiva zu sichern. Die Geschäfte werden in der Regel bis zur Fälligkeit gehalten. Der Erfolg der Geschäfte in diesem Zeitraum ergibt sich aus der Differenz von Zinsansprüchen und -verbindlichkeiten und nicht, wie dies im Standardentwurf unterstellt wird, durch kurzfristige zinsinduzierte Barwertänderungen. Die Vereinbarung marktgängiger Konditionen vorausgesetzt, entspricht der Barwert von zinstragenden Positionen zu Beginn und zum Ende ihrer Laufzeit dem Anschaffungs- bzw. Nominalwert. Zinsinduzierte Wertveränderungen stellen somit nichts anderes als zwischenzeitliche Opportunitätserfolge dar, die nur bei Veräußerungen vor Fälligkeit, also nur in seltenen Ausnahmefällen eintreten. Sollen den Abschlussadressaten relevante Informationen über das Bankbuch und hierbei insbesondere über die zukünftig zu erwirtschaftenden Zahlungsüberschüsse gegeben werden, so dürfen diese zwischenzeitlich auftretenden fiktiven Erfolge im Abschluss nicht als realisiert behandelt werden. Genau dies wäre jedoch bei einer erfolgswirksamen Bewertung der Bankbuchpositionen zum Fair Value der Fall. Die Auffassung, dass die Einführung der Fair Value-Bewertung nicht zu besseren Informationen über den Erfolg des Bankbuchs führt, wird im Übrigen auch durch die Adressaten selbst vertreten. So fand eine von der KPMG veröffentlichte internationale Studie Fair Value of Financial Instruments Disclosure & Reaction heraus, dass ca. 92% der befragten Adressaten der Meinung waren, dass die Bewertung zum Fair Value Unternehmensexternen keine besseren Informationen über die Bank verschafft als die um Angaben im Anhang ergänzte Bewertung zu Anschaffungskosten (vgl. S. B-28). Darüber

3 - 3 - hinaus äußerte die Mehrheit der Adressaten die Auffassung, dass die Bewertung von Finanzinstrumenten zum Fair Value dann kein adäquates Bild über den Erfolg der Bank vermittelt, wenn das Management beabsichtigt, die Positionen bis zur Fälligkeit zu halten. Bewertung von Schulden Der Standardentwurf sieht vor, bei der Bewertung der Schulden das eigene Kreditrisiko zu berücksichtigen. Verschlechtern sich bei dem bilanzierenden Unternehmen die Ertragsaussichten und damit seine Bonität, so führt die Erhöhung des credit spreads dazu, dass im Abschluss auf Grund des gesunkenen Marktwertes der Schulden ein Ertrag ausgewiesen wird. Die mit der Verschlechterung der Bonität einhergehende gleichzeitige Verminderung des originären Geschäftswertes beeinflusst das Eigenkapital dagegen nicht, da dieser Geschäftswert nicht bilanziert wird. Die Verschlechterung der Bonität führt damit netto zu einem bilanziellen Erfolg und somit genau zu dem Gegenteil dessen, was bei ökonomischer Betrachtungsweise erwartet werden sollte. Die vorgeschlagene Bewertung ist nach unserer Auffassung nicht nur vollkommen unlogisch, sondern widerspricht darüber hinaus dem Ziel, den Abschlussadressaten relevante Informationen über die Situation der Bank zu geben. Verlässlichkeit Abschlussinformationen werden dann als verlässlich angesehen, wenn sie keine wesentlichen Fehler und keine Verzerrungen enthalten. Bei der Beurteilung des Standardentwurfes stellt sich somit die Frage, ob die umfassende Fair Value-Bewertung den Adressaten zuverlässigere Informationen über den Wert der Finanzinstrumente als das geltende mixed framework liefert. Bewertungsmodell Würden alle Finanzinstrumente auf liquiden Märkten gehandelt werden, wären die im Rahmen der Fair Value-Bewertung gegebenen Informationen über den Wert der Finanzinstrumente in dem Sinne verlässlich, dass die Preise auf liquiden Märkten die gegenwärtige Einschätzung aller Marktteilnehmer bezüglich ihres Wertes widerspiegeln. Banken sind jedoch auf die Finanzierung von Kreditnehmern spezialisiert, deren Bonität durch andere Kapitalmarktteilnehmer nicht oder nur mit wesentlich höheren Kosten beurteilt werden kann. Der Informationsvorsprung verhindert das Entstehen liquider Sekundärmärkte, was dazu führt, dass für diese Positionen, die im deutschen Bankendurchschnitt

4 - 4 - immerhin ungefähr 60% der Bilanzsumme ausmachen, keine Marktpreise als bilanzielle Wertansätze existieren. Sollen illiquide Bilanzpositionen wie beispielsweise die meisten Kredite dennoch mit dem Fair Value bewertet werden, müssen von dem Bilanzierenden Barwerte berechnet werden, für deren Ermittlung es jedoch kein allgemein anerkanntes und gleichzeitig auch umsetzbares Modell gibt. Der Standardentwurf ändert an dieser Tatsache nichts. So bleibt beispielsweise ungeklärt, wie angesichts des Fehlens verlässlicher Informationen über die aktuellen Spreads für einzelne Schuldner und nur sehr beschränkt vorhandener Preise von gehandelten Schuldverschreibungen marktgerechte Zinssätze zur Diskontierung der erwarteten Kreditrückflüsse ermittelt werden sollen. Der in dem Application Supplement des Standardentwurfs gemachte Vorschlag, die Diskontierungssätze auf der Grundlage interner Rating-Modelle zu ermitteln, ist insofern unbefriedigend, da die betreffenden Modelle bankenspezifisch sind und damit nicht die für Bilanzierungszwecke erforderliche Objektivität aufweisen. Unsere Auffassung, dass die Probleme bei der Bewertung illiquider Finanzinstrumente die Verlässlichkeit und damit den Nutzen der Abschlussinformationen in Frage stellen, wird im Übrigen auch vom Baseler Komitee für Bankenaufsicht geteilt. Das Komitee hält im Papier Sound Practices for Loan Accounting and Disclosure vom Juli 1999 fest:... more work is necessary to provide the appropriate guidance on the estimation of fair values and on the treatment of the value adjustments before this system of accounting can be extended to all banking book financial assets and liabilities.... the Basel Committee has serious reservations about the adoption of comprehensive fair value accounting in the balance sheet and income statement at the present time. Bewertungsspielräume Werden nicht gehandelte Positionen zu fortgeführten Anschaffungskosten bewertet, ist der Bewertungsspielraum des Bilanzierenden auf die Bemessung der Wertberichtigungen beschränkt. Im Rahmen der Bewertung zum Fair Value müssten dagegen neben dem Kreditrisiko zusätzlich die Erwartungen des Managements bezüglich des Marktrisikos und des Risikos vorfälliger Tilgung berücksichtigt werden, was den Grad der Subjektivität und damit den Umfang der Bewertungsspielräume erheblich erhöht. Es wäre unrealistisch anzunehmen, dass diese zusätzlichen Bewertungsspielräume von den Bilanzierenden nicht auch genutzt werden würden.

5 - 5 - Prüfungsprobleme Eng mit den in die Bewertung einfließenden Erwartungen des Managements und den Modellannahmen verbunden ist das Problem der Abschlussprüfung. Je mehr die persönlichen Erwartungen des Bilanzierenden den Wertansatz beeinflussen und je komplexer die für die Bewertung herangezogenen Modelle sind, desto schwieriger wird es für den Wirtschaftsprüfer, die Wertansätze daraufhin zu prüfen, ob sie dem Abschlussadressaten einen zutreffenden Einblick in die wirtschaftliche Lage der Bank gewähren. Dies gilt insbesondere dann, wenn die Prüfer wie bei Krediten auf Grund fehlender Sekundärmärkte keine Möglichkeit haben, die Wertansätze mit Hilfe von Marktdaten zu überprüfen. Vergleichbarkeit Die Abschlussinformationen müssen es dem Adressaten ermöglichen, die Abschlüsse eines Unternehmens über die Zeit hinweg sowie mit den Abschlüssen anderer Unternehmen zu vergleichen. Bei der Beurteilung des Standardentwurfs stellt sich somit die Frage, ob die umfassende Bewertung aller Finanzinstrumente zum Fair Value die Vergleichbarkeit und damit den Nutzen der Abschlussinformationen erhöht. Die Joint Working Group ist der Meinung, dass die Bewertung aller Finanzinstrumente zum Fair Value die Vergleichbarkeit der Abschlüsse erhöht, weil identische Instrumente unabhängig vom Zeitpunkt ihrer Anschaffung und unabhängig davon, ob sie dem Bankoder dem Handelsbuch zugerechnet werden, mit demselben Wert angesetzt werden. Diese Betrachtungsweise ist jedoch nur auf den ersten Blick überzeugend. Sie verkennt den fundamentalen ökonomischen Unterschied zwischen den im Bankbuch und den im Handelsbuch zusammengefassten Geschäften, der im Abschluss nur dadurch adäquat dargestellt werden kann, dass die Fair Value-Bewertung auf die kurzfristigen Positionen des Handelsbuchs beschränkt bleibt und die Positionen des Bankbuchs weiterhin zu den fortgeführten Anschaffungskosten bewertet werden. Würde die Fair Value-Bewertung hingegen auch für die bis zur Fälligkeit gehaltenen Positionen des Bankbuchs eingeführt werden, so würde dies die Fähigkeit der Adressaten zum Erfolgsvergleich verschiedener Banken erheblich einschränken und somit der eigentlichen Absicht der Joint Working Group zuwider laufen. Zur Begründung sei nochmals auf das Bewertungsproblem hingewiesen. Unter dem Stichwort Verlässlichkeit sind wir bereits darauf eingegangen, dass das Bankbuch im Wesentlichen aus illiquiden Finanzinstrumenten besteht, für die nur unter Verwendung von entsprechenden Modellen ein Barwert als Wertansatz ermittelt

6 - 6 - werden kann. Die Tatsache, dass die Modelle auf Annahmen basieren und diese bankenspezifisch sind, erschwert die Vergleichbarkeit der Abschlussinformationen ganz erheblich. Außerdem muss berücksichtigt werden, dass den Bilanzierenden durch die Fair Value-Bewertung illiquider Positionen zusätzliche Bewertungsspielräume entstehen, was den Vergleich der Abschlüsse weiter erschwert. Verständlichkeit Für die Qualität der im Abschluss erteilten Informationen ist es wesentlich, dass diese für die Adressaten leicht verständlich sind. Es stellt sich somit die Frage, ob die Bewertung aller Finanzinstrumente zum Fair Value die Abschlüsse leichter verständlich macht und die Adressaten so in die Lage versetzt, bessere Entscheidungen zu treffen. Das mixed framework, das die Fair Value-Bewertung auf die Finanzinstrumente des Handelsbuchs beschränkt und für das Bankbuch die Bewertung zu fortgeführten Anschaffungskosten vorsieht, ist auf internationaler Ebene seit langer Zeit etabliert und wird von den Abschlussadressaten in seiner Gesamtheit verstanden. Die Bewertung des Bankbuchs zum Fair Value ist hingegen selbst für professionelle Analysten nur mit Schwierigkeiten verständlich. Dass sich dies ändert, ist unwahrscheinlich, da, wie bereits ausgeführt, die Banken für die Fair Value-Ermittlung der illiquiden Finanzinstrumente institutsspezifische Bewertungsmodelle anwenden müssten, die die Analysten selbst dann nur mit Einschränkungen verständen, wenn im Anhang ausführliche Modellangaben gemacht werden. Gefährdung der Reform des europäischen Bilanzrechts Abschließend möchten wir darauf hinweisen, dass bereits die in IAS 39 vorgesehene partielle Einführung der Fair Value-Bewertung in vielen europäischen Ländern äußerst umstritten ist und der Standard dort bisher auch nicht angewendet wird. Sollte die Fair Value- Bewertung auf alle Finanzinstrumente ausgedehnt werden, so ist zu befürchten, dass die Widerstände gegen die Anwendung der International Accountings Standards weiter zunehmen. Die Reform des europäischen Bilanzrechts, die auf eine bessere Vergleichbarkeit der Unternehmensabschlüsse abzielt, wäre damit ernsthaft in Frage gestellt.

7 - 7 - Fazit Nimmt man die im IASC Framework festgehaltenen qualitativen Anforderungen an den Unternehmensabschluss als Maßstab, muss der Vorschlag, die Fair Value-Bewertung auf die Finanzinstrumente des Bankbuchs auszudehnen, entschieden abgelehnt werden. Aus unserer Sicht stellt der Vorschlag im Vergleich zum derzeit geltenden mixed framework keine Verbesserung, sondern eine eindeutige Verschlechterung dar. So gingen den Abschlussadressaten durch die Abschaffung des Anschaffungskostenprinzips Informationen zur Beurteilung des Cash Flow-orientierten Managements des Bankbuchs und damit entscheidungsrelevante Informationen verloren. Die Informationen, die durch die Einbeziehung des eigenen Kreditrisikos entstünden, wären sogar irreführend. Des Weiteren wären die Abschlussinformationen auf Grund des Fehlens allgemein anerkannter Bewertungsmodelle, der höheren Subjektivität und der resultierenden Probleme bei der Prüfung der Wertansätze weniger verlässlich. Schließlich wäre auch die Vergleichbarkeit und die Verständlichkeit der Abschlüsse gefährdet. Wir befürworten aus diesen Gründen die Beibehaltung des mixed framework, nach dem die Banken nur die Finanzinstrumente des Handelsbuchs zu Marktpreisen und die des Bankbuchs zu fortgeführten Anschaffungskosten bewerten. Nach unserer Auffassung kann nur auf diese Weise sichergestellt werden, dass die Abschlussadressaten diejenigen Informationen erhalten, die sie für fundierte Anlageentscheidungen benötigen.

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