Master of Arts in Business (MA)

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1 URSACHENANALYSE FÜR DIE ANTRAGSTELLUNG AUF FRÜHPENSIONIERUNG UNTER BESONDERER BERÜCKSICHTIGUNG DES SCHMERZES IN NIEDERÖSTERREICH GRÜNDE ZUR FRÜHPENSIONIERUNG VON ANTRAGSTELLERINNEN UND ANTRAGSTELLERN MIT CHRONISCHEN WIRBELSÄULENSCHMERZEN Zusammenfassung zur Masterarbeit eingereicht an der IMC Fachhochschule Krems Fachhochschul-Masterstudiengang Gesundheitsmanagement von Valentina KITZWÖGERER, BA zur Erlangung des akademischen Grades Master of Arts in Business (MA) Begutachter: Prof. (FH) Mag. Herbert Frey, MAS Eingereicht am:

2 Problemstellung und Zielsetzung Mit der Gesetzesnovelle 2011 ist in Verbindung der 361 und 253e ASVG jeder Antrag auf Berufsunfähigkeits- oder Invaliditätspension (BUP/IVP) vorrangig als Antrag auf Rehabilitationsmaßnahmen zu werten. Es stellt sich jedoch die Frage, ob die Pensionswerberin bzw. der Pensionswerber zum Zeitpunkt der Antragstellung noch Interesse an einem Wiedereinstieg und somit für Maßnahmen zur Wiedereingliederung hat. Das Ziel der vorliegenden Masterthesis ist, Gründe und Ursachen für die Beantragung der BUP/IVP aufgrund von chronischen Wirbelsäulenschmerzen in Niederösterreich zu analysieren. Anhand der Zielsetzung ergeben sich folgende Forschungsfragen, die im Zuge dieser Arbeit bearbeitet wurden: - Welche Ursachen geben die Antragstellerinnen und Antragsteller für den Antrag auf Frühpensionierung an? Sind nicht in der Erkrankung liegende Gründe erkennbar? - Sind die antragstellenden Personen mit ihrem Beruf oder mit ihrer Arbeitssituation zufrieden? Welche Faktoren sind für einen Wiedereinstieg in den Beruf entscheidend? Was müsste sein, damit sie bzw. er sich am Arbeitsplatz wohlfühlt? - Ist ein branchenabhängiger Unterschied erkennbar? Gibt es Unterschiede zwischen städtischen und ländlichen Regionen in Niederösterreich? Methodik Im Zuge dieser Arbeit wurde hypothesenabarbeitend vorgegangen. Anhand der Forschungsfragen und Hypothesen wurden die nachfolgenden Erhebungs- und Auswertungsmethoden gewählt. Erhebungsmethoden Für diese Masterthesis wurden, zusätzlich zu den bereits von der PVA erhobenen Daten in Form der Anträge auf BUP/IVP aufgrund chronischer Wirbelsäulen- Valentina Kitzwögerer 1

3 schmerzen, teilstrukturierte Interviews mit Antragstellenden nach der orthopädischen Begutachtung bzw. teilweise am Telefon geführt. Um die Spezifika des Prozesses von der Antragstellung bis zum Bescheid zu erfassen, wurden, neben der Verwendung unternehmensinterner Unterlagen, Leitfadeninterviews mit Stakeholdern durchgeführt. Zu den Interviewpartnern zählten Dr. Andreas Stippler, Chefarzt der Landesstelle Niederösterreich der PVA, Mag. Georg Gary, Abteilungsleiter-Stellvertreter der Abteilung für Prüfungs- und Leistungsrecht der Landesstelle Niederösterreich der PVA, Dr. Dietmar Schuster, Mitarbeiter der Abteilung Sozialpolitik und Gesundheit der WKO, Dr. Alfred Obermair, Mitarbeiter im Referat Sozialrecht und -politik der Abteilung Arbeits- und Sozialrecht der AKNÖ und Günther Leitner, Abteilungsleiter Service für Arbeitskräfte des AMS. Auswertungsmethoden Mit Neuanträgen auf BUP/IVP aufgrund chronischer Wirbelsäulenschmerzen (Beiblatt zu BUP/IVP PAL100) wurde eine Dokumentenanalyse durchgeführt. Dabei wurden vordefinierte Variablen aus dem entsprechenden Antragsformular mit ihren möglichen Ausprägungen in ein Tabellenkalkulationsprogramm eingetragen und die von der PVA zur Verfügung gestellten Anträge in das Programm eingegeben. Bei den teilstrukturierten Interviews mit den Antragstellenden wurden selektive Protokolle erstellt und in Form der strukturierenden Inhaltsanalyse nach Mayring analysiert. Dabei wurde eine eindeutige Zuordnung des Textmaterials zu den verschiedenen Inhaltskategorien möglich. Das Material wurde in die zuvor definierten Kategorien zerlegt und anhand der Strukturierung herausgefiltert, zusammengefasst und bearbeitet. Die Angaben der Befragten wurden nach ihren Merkmalen tabellarisch anhand vordefinierter Vergleichskriterien gegenübergestellt. Anhand dieser wurden dann Typen gebildet und abschließend charakterisiert. Zu den Interviews mit den Stakeholdern ist zu erwähnen, dass diese wörtlich ins Schriftdeutsch transkribiert und in Form von Zitaten in die Arbeit eingebaut wurden. Valentina Kitzwögerer 2

4 Ergebnisse Nachfolgend werden die wesentlichen Ergebnisse anhand der Anträge und der Interviews zusammengefasst. Auswertung der Antragsdaten Zur Auswertung der Antragsdaten nach städtischen und ländlichen Regionen ist zu sagen, dass nach dem Wohnort betrachtet mehr Anträge aus ländlichen Regionen gestellt werden, während bei der Analyse nach dem Arbeitsort Städte überwiegen. Anträge von arbeitslosen Antragstellenden überwiegen unabhängig vom Wohnort. Aus den Wohnbezirken Mistelbach, Wiener Neustadt Land, St. Pölten Land, Neunkirchen, Gmünd, Amstetten und Krems Land kommen nahezu 50% der Anträge aufgrund von Wirbelsäulenbeschwerden. Bei der Auswertung nach dem Arbeitsort machen Wien, Gmünd, Wiener Neustadt Land und Wien Umgebung über 50% der Anträge aus. Bei der Auswertung nach Branchensparten waren die Industrie sowie das Gewerbe und Handwerk die Spitzenreiter. Berücksichtigt man nun, dass ungefähr drei Mal so viele Personen wie im Gewerbe und Handwerk in der Industrie tätig sind, so tritt das Gewerbe und Handwerk durch denselben Anteil wie die Industrie in der Verteilung noch stärker hervor. Es konnte keine Abhängigkeit zwischen der Beschäftigungsstabilität der jeweiligen Branche und der Antragstellung festgestellt werden. Im Vergleich zwischen Klein- und Mittelunternehmen (KMU) und Großunternehmen überwiegen die KMU. Betrachtet man aber den geringen Anteil an Großunternehmen von einem zwanzigstel aller Unternehmen in Niederösterreich und Wien, so erscheint einem das Ergebnis von nahezu einem Drittel der Anträge im Vergleich äußerst hoch. Typen von Antragstellenden Anhand der teilstrukturierten Interviews mit Antragstellenden konnten insgesamt sechs unterschiedliche Typen gebildet und charakterisiert werden. Valentina Kitzwögerer 3

5 Typ I: die Pensionistin bzw. der Pensionist in Spe Der Typ I sieht sich zukünftig in der Pension und hat sich diese als Ziel gesetzt. Ein Wiedereinstieg bzw. ein Verbleiben im Berufsleben wird ausgeschlossen. Typ I war 20 Mal in der Untersuchungsgruppe vertreten. Es konnten zwei entsprechende Subtypen gebildet werden. Typ Ia: die bzw. der Chancenlose am Arbeitsmarkt Arbeitslose Antragstellende, die vom AMS nicht vermittelt werden konnten, fallen unter den Typ Ia. Bei diesen Personen besteht die Tendenz, dass sie vom AMS auf die Antragstellung aufmerksam gemacht wurden und sie aus ihrer Chancenlosigkeit am Arbeitsmarkt nun in die Pension flüchten wollen. Der Typ Ia war mit acht Personen unter den interviewten Antragstellenden vertreten. Typ Ib: die Aussteigerin bzw. der Aussteiger Zum Typ Ib gehören jene Personen, die aus der Erwerbstätigkeit einen Antrag stellen und keine Möglichkeit sehen, weiterhin erwerbstätig zu sein, sowie Antragstellende, die arbeitslos sind, aber die Situation am Arbeitsmarkt nicht als Grund anführen. Ein stressiger Arbeitsalltag sowie unangenehme Erfahrungen mit Vorgesetzten oder Kolleginnen bzw. Kollegen sind bei diesen Personen nicht auszuschließen Zwölf der Interviewpartnerinnen und partner können diesem Typ zugeordnet werden. Typ II: die Umsteigerin bzw. der Umsteiger Die Umsteigerin bzw. der Umsteiger sieht sich weiterhin im Arbeitsleben, jedoch in einem neuen Tätigkeitsfeld, wobei zumeist noch keine konkreten Vorstellungen zum neuen Tätigkeitsprofil vorherrschen. Es kann durchaus vorkommen, dass dieser Typ einem hohen Leistungsdruck im alten Job ausgesetzt war. Der Typ II war in der Untersuchungsgruppe mit elf Personen vertreten. Typ III: die Reduziererin bzw. der Reduzierer Typ III stellte den Antrag aus der Erwerbstätigkeit und denkt im Gegensatz zur Umsteigerin bzw. zum Umsteiger nicht über ein neues Tätigkeitsfeld für einen Wiedereinstieg nach, sondern will im bisherigen Tätigkeitsfeld bleiben, jedoch we- Valentina Kitzwögerer 4

6 niger Stunden leisten als bisher. Zwei Interviewpartnerinnen konnten Typ III zugeordnet werden. Typ IV: die bzw. der Selbstständige Zum Typ IV gehören jene Personen, die aus der Arbeitslosigkeit den Antrag stellten, bereits mehrere Tätigkeiten in ihrem Leben ausprobierten und sich einen Wiedereinstieg über eine selbstständige Tätigkeit erhoffen. Es konnten zwei Interviewpartnerinnen bzw. -partner Typ IV zugeordnet werden. Typ V: die Adaptiererin bzw. der Adaptierer Personen, die dem Typ V angehören, ähneln zunächst dem Typ III, da sie ebenso aus einem bestehenden Beschäftigungsverhältnis den Antrag stellten und für sie ein Wiedereinstieg außerhalb des bisherigen Tätigkeitsbereichs keine Option darstellt. Der entscheidende Unterschied zum Typ III liegt jedoch darin, dass sie nicht Arbeitsstunden reduzieren, sondern Adaptierungen am Arbeitsplatz vornehmen würden. Der Typ V war mit einer Dame in der Untersuchungsgruppe vertreten. Typ VI: die Auswanderin bzw. der Auswanderer Die Auswanderin bzw. der Auswanderer ähnelt dem Typ Ia, weil sie bzw. er den Antrag aus der Arbeitslosigkeit stellte und sich ebenso schlechten Chancen am österreichischen Arbeitsmarkt stellen muss. Jedoch sieht sie bzw. er sich nicht unbedingt in der Pension, sondern will wieder arbeiten und erhofft sich Chancen am europäischen Arbeitsmarkt. Der Typ VI war ein Mal unter den Gesprächspartnerinnen und -partnern vertreten. Fazit Anhand der Arbeit wurde gezeigt, dass Unzufriedenheit mit der Arbeitssituation ein begünstigender Faktor ist, dass Pensionswerberinnen und -werber keine Alternativen zum Ausscheiden aus der Arbeitswelt sehen. Des Weiteren wurde deutlich, dass sowohl die Arbeitsbranche als auch die Unternehmensgröße entscheidende Faktoren bei der Antragstellung auf Frühpensionierung aufgrund chronischer Wirbelsäulenschmerzen darstellen. Im Branchenvergleich war das Handwerk und Gewerbe stärker betroffen als die Industrie. Es konnte jedoch kein Zusammenhang mit der Beschäftigungsstabilität innerhalb von Branchen identifiziert werden. Valentina Kitzwögerer 5

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